SanauerSAnzeiger
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Nr. 216
Donnerstag den 15. September
1921
Das Neueste.
— Die auf eine Wiederbcrnfnnz Kahr» znm btyerikchen Ministerpräsidenten hiueustaufenben Bestrebungen scheint man fallen gelassen zu haben.
— In bet Mordaffäre Erzberger wurden weitere Verhaftungen vorgenommen.
— Die Thüringer Neuwahlen haben eine soziali- stlsch-komlinistische Mehrheit ergeben.
— Au» Kattowitz wird die Auffindung von polnische« Geheimbefeblen gemeldet.
— Der Minister der befreiten Gebiete Louchenr wird morgen dem Finanzausschuß über da» Abkommen don Wiesbaden Bericht erstatten.
Im Streik von Nordsrankreich weigerten sich die Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern zu verhandeln.
Keine Rückkehr Kahrs.
Die Bestrebungen, Herrn v. Kahr als Ministerpräsidenten zu halten, scheint man aufge- leben zu haben. Nachdem die Bayrische Bois spartei vorgestern noch in ihrer Par- ieikorrespondenz den Ruf „Zurück zu Kahr" oerbreitet hatte, ist sie gestern von dieser Parole llbgerückt und hat Kahr fallen gelassen. Wie die Blätter aus München melden, hat die genannte Partei gestern zwei Fraktionssitzungen abgeialten, von denen die zweite noch in den Abend- tunden andauerte. Nach dem Ergebnis der Beratungen könne jedoch schon jetzt mit Bestimmtheit darauf gerechnet werden, daß die Partei an v. Kahr nicht mehr mit dem Ersuchen herantreten wird, auf seinem Posten zu verbleiben. Die Umstände, die zu dieser plötzlichen Wandlung der Stellungnahme der bayerischen Volkspartei geführt haben, lassen sich noch nicht seststellen.
Die Demokraten lehnen die Wiederkehr v. Kahrs ebenfalls ganz entschieden ab — M^rklären, daß sie sich an einem neuen Kabi- Mi sKahr nicht mehr beteiligen würden —, 7“ daß wohl mit Sicherheit gesagt werden kann, ba^eine Rückkehr Kahrs nicht mehr zu erwarten ist
Die preußisch-bayerische Einheitsfront.
Die „Münch.-Augsb. Abendztg." will aus Berlin, wie sie sagt, von ganz zuverlässiger Seite gehört haben, daß die preußische Regierung durch den Ministerpräsidenten Stegerwald de von der bayerischen Regierung und vom bayerischen Landtag formulierte Forderung auf èlenderung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August auf das Wärmste unterstützt habe, sodaß Preußen und Bayern in der Frage der Verordnung eine Einheitsfront bilden.
Sitzung des bayerischen Landtagsausschusses.
München, 14. Septbr. Der ständige Land- agsausschuß trat heute nachmittag 3 Uhr zu siner Sitzung zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Präsident Königbauer ein Schreiben des Ministerpräsidenten v. Kahr bekannt, worin dieser von dem Rücktritt des Geiamtministeriums Mitteilung macht. Der Prä- zdent fügte hinzu, er habe auf Donnerstag nachmittag 4 Uhr eine Sitzung des Aeltesten- rates einberufen, die sich mit der Frage beschäftigen werde, wann die nächste Plenarsitzung stattfinden solle, um die Wahl des Ministerpräsidenten und die Bestellung eines neuen Ministeriums vorzunehmen. Abg. Held gab die Protesttelegramme gegen die Beschlüsse des ständigen Ausschusses zu und bemerkte sodann, es werde in der Presse die Beauptung aufgestellt, daß er den Ministerpräsidenten gestürzt habe. Zum Beweis dafür werden angeführt, daß schon seit längerer Zeit zwischen ihm und ^ahr tiefgehende Meinungsverschiedenheiten bestanden hätten und daß er beim Katholikentage in Frankfurt a. M. mürbe gemacht worden sei. an Frankfurt habe er überhaupt mit niemanden ein Wort über Politik gesprochen. Mit Herrn v. Kahr sei er in allen größeren Fragen einig gegangen. In einem sozialistischen Blatte werde behauptet, er habe den Ministerpräsidenten deshalb gestürzt, um selbst sein Nachfolger zu werden. Er möchte hierzu nur bewerten, daß er nach der Revolution schon mehr tis einmal Gelegenheit gehabt habe, Minister zu werden, es aber grundsätzlich jedes Mal ab- Aelehnt habe. Kurz vor der Revolution hätte sich lediglich unter dem äußersten Zwange der Verhältnisse dazu herbeigelassen.
Zum Mord an Erzberger.
Weitere Verhaftungen.
Karlsruhe, 14. Septbr. Zur Verfolgung der Mörder Erzbergers meldet die „Karlsruher Zei- W', daß der zuständige Offenburger Staats- Mwalt Burger und der Generalstaatsanwalt schlimm gemeinsam mit der Württembergischen Polizei und tm engen Benehmen mit den baye- cischen Justiz- und Polizeibehörden wertvolle ^eiultate erzielten. Es hat fuf) herausgestellt, daß
bie beiden Mörder mit einer großen Organisation Zusammenhängen. Während der eine von ihnen schon vor einiger Zeit aus München verschwunden ist, ist der andere, Schulz, erst in den letzten Tagen mit Unterstützung eines seiner Helfershelfer, eines gewesenen Majors, entkommen. Dieser Maor und fünf andere verdächtige Personen sind inzwischen verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft Offenburg wird die Oeffentlichkeit über die weitere Entwicklung der Dinge unterrichten, soweit sich dies mit der Strafverfolgung und der Untersuchung vereinbaren läßt.
München, 14. Septbr. Bis Mittwoch abend sind in der Mordaffäre Erzberger im ganzen 10 Personen verhaftet worden und zwar 9 in München und eine auf der Fahrt von Augsburg nach München. Gegen sämtliche 10 ist Haftbefehl erlassen worden. Außer den bereits heute morgen namentlich aufgeführten sieben Personen befinden sich jetzt noch in Haft: Der Student Ulrich Klintzsch, der Student Wilhelm Bollinger Und der Student Karl Siebel. Sämtliche Verhaftete werden demnächst na cf) Offenburg gebracht, um dort dem Untersuchungsrichter vorgeführt zu werden, auch der auf der Fahrt von Augsburg nach München verhaftete Student Bollinger. Die Polizei hatte Kenntnis erhalten, daß Klintzsch Bollinger in München am Bahnhof erwartet hatte, um ihn zu warnen. Sie nahm Klintzsch am Bahnhof fest, um jede Verbindung mit Bollinger zu verhindern. Bollinger besaß unter der Firma eines Holzverwertungsgeschästes in der Trauten- wolfftraße eine Wohnung von drei. Zimmern.
Die Mitteilung, daß von außenbayerisHer Polizei bei Dr. Heim Haussuchung gehalten wurde, um ihn in die Angelegenheit hineinzuziehen, ist, wie die badische Generalstaatsanwalt-
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' '" Haussuchung galt nicht Dr. Heim, sondern Schulz von den kormnumstifchen Führern benutzt wor
und Tillessen, die in Regensburg bei Dr. Heim studierten. Es wurde lediglich das Zimmer durchsucht, in dem die beiden gewohnt hatten. Daß von Killinger dem Schulz zur Flucht verholsen hat, ist dadurch erwiesen, daß er ihn im Auto zur Bahn gebracht hat. Die badische Polizei ist zur Zeit mit der Durchsuchung des beschlagnahmten Gepäcks der Verhafteten beschäftigt. Bei den Haussuchungen wurde auch ein Revolver gefunden. Heute abend traf beim General- staatsanwalt ein Schreiben aus Italien ein, das in italienischer Sprache die kurze Mitteilung enthielt: Halten uns in Mailand auf. Der Brief hat keine Unterschrift. Es muß erst untersucht werden, ob es sich um eine Mystifikation handelt.
Berlin, 14. Septbr. Der „Lokalanzeiger" berichtet über das Vorleben von S ch ulz und Tillefsen, beide seien ein Jahr lang, vom Mai 1920 bis 1921 von der Großen landwirtschaftlichen Zentralgenoffenschaft in Regensburg zur Erlernung eines neuen Berufes als bezahlte Volontäre ausgenommen gewesen. Dr. Heim, Generaldirektor der Regensburger Genossenschaft, erklärt, daß in dem Betrieb der Regensburger Zentralgenossenschaft doppelt soviel Schwerbeschädigte beschäftigt worden seien, als es das Gesetz verlangt und zwar ohne Ansehen der Konfession und der Partei. Schulz und Tillessen haben dort vollkommen zurückgezogen gelebt und werden als bescheiden und zurückhaltend geschildert. Heinrich Schulz ist der Sohn eines verstorbenen Arztes und hat in einer Maschinenfabrik in Saalfeld gelernt. Er ist 1914 als Kriegsfreiwilliger eingetreten, wurde zweimal verwundet und zum Reserveoffizier befördert. Er war Kompagnie- führer und Bataillonsadjutant. Nach dem Kriege war er kaufmännisch tätig, bis er sich Ende April 1919 bei der Sturmkompagnie der zweiten Marinebrigade meldete. Bei diesen hat er an den Kämpfen in München und Oberschlesien teilgenommen. Heinrich Tillessen ist der Sohn des verstorbenen Generalleutnants a. D. Karl Tillessen. Er wurde 1912 Seekadett, hgt während des Krieges als Oberleutnant auf verschiedenen Kriegsschiffen Dienst getan. Er war in Scapa Flow interniert. Von Juli 1919 bis Januar 1920 war er in englischer Krieg^oesangenschaft. Von März ab war er bei der zweiten Marine- brigade.
Die Untersuchung -er Mürzunruhen.
„Ein richtiger kommunistischer Putsch".
Der Untersuchungsausschuß des vreußischen Landtags vernahm gestern den Staatskommissar für die öffentliche Sicherheit. Dr. Weißmann. Der Zeuge war Gegner der Polizeiaktion, weil sie den kommunistischen Aufstand Hervorrufen mußte. Er teilte seine Besorgnisse dem Ministerialdirigenten Abegg mit Die Rote Armee stand höchstens auf dem Pavier. Ls LeÜanden aber
Kampforganisationen. Diese wurden in den verschiedensten Gegenden Deutschlands mit gerichtlicher Hilfe vernichtet. In der Provinz Sachsen war die Sache aber noch nicht reif. Die Kampforganisation war auch erst in der Entstehung begriffen. Am grünen Donnerstag fand eine Besprechung in der Reichskanzlei statt, bei der Minister Severing die Polizeiaktion begründete und die Bedenken zerstreute. Der Ent- waffnungskommisiar Peters schloß sich ihm an. Der Zeuge widersprach ihnen jedoch. Peters erklärte, die paar Waffen hole er mit einem Kri- minalkommissar heraus. Der Aufstand brach dann tatsächlich aus. Der mitteldeutsche Aufstand war keine Repressalie gegen die Polizeiaktion, sondern ein richtigerkommunisti- s ch e r Putsch. Der Zeuge ist bereit, unter Eid zu behaupten, daß B e l a K h u n zur Zeit des Aufstandes in Mitteldeutschland gewesen ist. (Hört, hört!) Er sei der berühmte „Turkestane r". Rußland habe den Aufstand unterstützt. Dr. Weitzmann bekundet weiter, drtz nicht die leiseste Gefahr eines Rechtsputsches in Mitteldeutschland stand. Die Geschichte der Magdeburger Spitzelzentrale sei eine lächerliche Uebertreibung. Solche Nachrichtenstellen habe er seit dem Kapp-Putsch 78 aufgehoben. Vorbereitungen für einen Rechtsputsch seien solche Stellen nicht. Diese Gefahr liege ganz wo anders, sie sei ja in letzter Zeit ofut geworden und sie werde durch die Entdeckung der Mörder Erzbergers noch viel mehr zum Vorschein kommen. Die Gefahr- quelle, die er schon lange vermutete und die er der Reichsregierung mitgeteilt habe, habe sich als richtig erwiesen. Solange Gegner der Verfassung bestehen, seien der Staatskommissar und seine Meldestelle nötig. Aber er habe gar keine Macht
den, um einen gewaltsamen Aufstand zu insze
nieren und um die anderen Provinzen mitzureißen. Der Zeuge glaubt nur an das Vorhandensein lokaler Kampforganisationen. Weiter sagte der Zeuge noch: Dem Minister Severing könne man gar keine Vorwürfe machen, denn der Minister und er selbst seien eher beruhigt über den Aufruf Hörsings gewesen, der die Polizeiaktion ankündigte. Er glaube, daß die paar Tage bis zur Durchführung der Polizeiaktion viel zum Ausbau der kommunistischen Kampforganisation beitragen. Er hätte es für besser gehalten, wenn die zuständigen Herren vorher besser informiert worden wären. Auch die Unabhängigen hätten bei der Konferenz in Merseburg die Polizeiaktion gewünscht, damit kraftvolle Vorbereitungen hätten getroffen werden können. Der Minister habe nicht an den Ausbruch eines Aufstandes geglaubt.
In seiner weiteren Vernehmung bekundete der Staatskommissar Weitzmann, die kommunistische Partei habe auf Befehl Moskaus den Aufstand machen müssen; sie sei aber mit den Vorbereitungen noch nicht fertig gewesen. Levi habe aber recht, man habe die Polizeiaktion als gute Gelegenheit benutzt, die Arbeiter zum Aufstand zu hetzen. Es sei genügend Beweismaterial für die direkte Verbindung mit Moskau vorhanden gewesen. Das Frankfurter Material weise die Moskauer Weisung auf: Jetzt wird mit Dynamit gearbeitet, damit man die Bourgoisie aufrüttelt, damit man dann sieht, was geschieht, wenn große Attentate erfolgen. Diese sind erfolgt. Man habe in Frankfurt große Mengen Dynamit gefunden. Auf die Siegessäule wurde ein Anschlag verübt. Die Märzaktion war nicht geplant. Sie erfolgte ex impulso.
Der Reichsbürgerrat beim Reichskanzler.
Berlin, 14. Sept. Eine Abordnung der Präsidiums der Reichrbüroerrats unter Führung der Staats- minister» v. Lö bell überreichte heute nachmittag dem Reichskanzler eine Resolution der Reichsbürgerrat». Die Erklärung der Vertreter der Reichrbürgerrat», nach allen Richtungen versöhnend zu wirten und positive Mitarbeit beim Wiederau fbau Deutschland» leisten zu wollen, nahm der Reichskanzler dankend entgegen. Mit einer Schilderung der gegenwärtigen politischen Lage begründete der Reichskanzler die Notwendigkeit der letzthin ergangenen Verordnungen. Die Aussprache schloß mit der Erklärung des StaatSminlstcrs v. LSbell ab: daß die Vertreter dcs RcichsbürgerratS mit den vom Reichskanzler vorgetragenen Grundanschauungen einverstanden seien. Sie hofften, daß durch gemeinsame Arbeit da» gewünschte Ziel, bie Beruhigung der politischen Lage, erreicht werde.
Deutschlands Steuereinnahmen.
Berlin, 14. Sept. Die Blätter melden: Vom 1. April dis Ende Juli stellten sich die Einnahmen an Steuern auf 18.542 MiUiard. (gegen das Vorjahr mehr 15.934 Milliarden) «n Zöllen, BerdrauchSsteuern 4.008 Milltard. tmevr 1.031 Milliarde»), au fonftiaen Ab
gaben auf 0.282 Milliarden und im ganzen auf 22.829 Milliarden (mehr 18.733 Milli- arden), fsrner aus der Post- und Telegraphen- verwaktuna 2.082 Milliarden (mehr 0.968 Milliarden), aus der Eisenbahnverwaltung ans 8.052 Milliarden (mehr 3.049 Milliard). Der Stand der schwebenden Schuld am 31. August wird auf 219.06t Milliarden beziffert.
Vorstehende Uebersicht enthält das wirkliche Auf- kommen an direkten Steuern, Verkehrssteuern, Zöllen und Verbrauchssteuern einschließlich der, eingezahlten Zoll- und Steuerstundungen und abzüglich der An?- fnbrverqütungen und der noch ausstehenden Stundungen ohne Abzug irgendwelcher Verwaltungsausgaben. ___. Wenn Deutschland Msammendricht.
Kopenhagen, 14. Septbr. Zur Finanzlage Deutschlands schreibt die Finanz-Tibende an leitender Stelle u. a.: Was wird geschehen, wenn Deutschland »usammenbricht? Diese Frage ist für die ranze Welt von Wichtigkeit. Die Deutschen waren bisher das tüchtizste Volk der Welt. Wenn sie niedergeschlagen werden, ändern sich die LebenSbe- dingungen für alle anderen Völker. Er ist nicht dasselbe, wenn Rußland oder Japan vernichtet werden, denn sie haben weder al» Produzent noch al» Kon- htment die gleiche Bedeutung wie Deutschland und ihr Einsatz in der Weltkultur it geringer. Deutschland? Zusammenbruch ist ganz besonders für Eurosak Lebensfähigkeit entscheidend: ebenso wie Deutschland? Aufschwung von 1871-1914 di- e, umgebender Länder zur Arbeitrkrast und zum Wohlstand emporhob, wird sein Fall möglicherweise sie wieder zurück- werfen und sie an Arbeit und Energie schwächen.
Aus Oberfchleslen.
Polnische Geheimbefehle.
Deeslau, 14. Sept. Das „Acht-Uhr-Abendblatt' meldet aus. Kattowitz: Wir sind in der Lage, folgende Insurgenten- und Regimentsbefehle wiederzugeben, di- klar beweifen, was Polen plant.
Geheimer Tagesbefehl vom 29^ August an die Abschnittskommandanteu der Aufständigen : schmttSkommandantcn am 5. September sich in EzenS- tochau melden zur Entgegennahme des Warschauer Befehls. Die Besprechung über Oberschlesien findet am 5. September in Warschau im Beisein des Ab- stimmungskommissars Korfanty statt.
Regimentsbefehl: Alle Sompagnieführcr erhalten die neuen ausgearbeiteten Aufmarfchpläne, nach denen bie Mannschaften informiert und geübt werden. Die Karten sind geheim zu halten und nur nach dem Tagesbefehl zu gebrauchen. Große Anfmerksam- teit ist geboten hinsichtlich verschiedener Kuriere, die Befehle zum Abschrciben oder Photographieren geben. Es sind wieder Führer mit größeren Geldbeträgen abhanden gekommen. Sie Haden Geld unterschlagen, welche» zur Unterstützung der aufständischen Verbände dienen sollte. Darunter befindet sich Emil Wadasch mit 105 000 M. Dieser ist sofort festzunehmen.
Tagesbefehl. An alle Führer und Unterführer. Sämtliche Führer und Unterführer Ober- schlesien» haben sich in Beuthen zu melden. E» soll eine Liste aufgestellt werden über Chauffeure, Sanitäter, Flieger und Spezialisten in Flugzeugrcvaraturen, die nach Sosnowice geschickt werden, von wo der Weiter- tranrport erfolgt. In Schopenitz ist Meldung, bei Kapitän Stolarzika zwecks Grenzübergange», Wäsche, Schuhe und Anzug mitzubringeu, falls sie sich seitdem Aufstande noch nicht im Besitze derselben defixdeu- Paluczki, Major.
Die Neuwahlen in Thüringen.
26 bürgerliche, 28 sozialistische Sitze.
Erfurt, 14. Sept. Endgültige» Ergebnis der thüringischen Landtagswahlen. (Amtlich.) E. D- P. 13 Sitze und 548 Reststimme», 11. S. P. 9 Sitze und 2811 Reststimmen, K. P. D. 6 Sitze und 441 Rest- stimmen, Deutschuationale 4 Sitze und 2889 Rest- stimmen, Landbund 10 Sitze und 7531 Reststimmen, Zentrum 0 und 7394 Reststimmen, Deutsche Volkspartei 9 Sitze unb 1196 Rcststimmen, Wirtschaft»- Partei 0 Sitze und 4126 Reststinimcu, Demokraten 3 Sitze und 1674 Reststimmen.
Da die S. P. D. al» stärkste Partei aus dem Wahlkampfe hervorgegangcn ist, darf man gespannt sein, wie sie sich zu der Regierungsbildung stellen wird. Bisher wurde die Regierung von Demokraten unb Rechtèsozialisten, mit Unterstützung sogenannter Partei- loser, geführt. Ob die Thüringer Sozialdemokraten nun wohl dem sächsischen Beispiel folgen und mit der U. S. P. bei wohlwollender llnterstützung der Kow- mnnifteu eine Regierung bilden werden? Warten mir ab. __________
— Die Gtreiklage in Nordfrankreich. Der Ausschuß der Arbeitgeber in der Textilindustrie von Roubaix und Tourcoing nahm einstimmig eine Entschließung an, in der erklärt wird, daß in Anbetracht bei absoluten wirtschaftlichen Charakter» dieser Beschlüsse über die Minberung der Löhne und in Anbetracht dessen, baß er die gegenwärtige« Löhne iticht weiter bezahlen könne, jede Zusammenkunft überflüssig sei, denn sie könnten nur den Konflikt verschärfen und verlängern. — Die Lebcn»mittelbctriebe, die von dem Streikausschilß dazu ermächtigt wurden, haben heute die Arbeit wieder ausgenommen. Der Reimgungr- bienft arbeitet nicht. Das Verbot der Zeitung»ver- kaufeS besteht weiter. Die Gasabgabe hat gestern aufgehört. Die Gasarbeitcr sind noch nnentschlosscn, ob sie die Arbeit wieder aufnehmen wollen. Die Streikenden haben den Schlachtern verboten, aus den Scklackthöfe» LleUck zu h»l«a. —.