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Hanauer

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General-Anzeiger

nzelger

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Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultsÄ:mr lokalen und provinziellen Teil

~ w_ _ sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und

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Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

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Nr. 215

Mittwoch den 14. September

1921

Das Neueste.

Die Staatsanwaltschaft in Oppenau hat als mutmaßliche Mörder Erzbergers zwei bis­herige Einwohner Münchens ermittelt und fahndet nach ihnen.

Die Bestrebungen, den zurückgetretenen Ministerpräsidenten v. Kahr wieder für die Leitung Bayerns zurückzugewinnen, dauern an.

Sämtliche Provinzorganisationen des Deutschtums in Polen haben sich in Lodz zu einem einheitlichen Bunde der Deutschen in Polen zusammengeschlossen.

DieRote Fahne" meldet den Austritt der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutsch­lands aus der kommunistischen Internationale.

DieAssocieted Preß" meldet aus Tokio, aus China werde berichtet, daß Japan, um eine Aussöhnung mit China herbeizuführen, seine 21 Forderungen aus dem Jahre 1913 zurück­ziehen werde.

An Italiener über die Lage Europas.

Der Historiker Guglielmo Ferrero, der Ver­fasser der bekannten römischen Geschichte, ver­öffentlicht imSecolo" einenSet unlösbare Knoten" überschriebenen Artikel über die Lage Europas. Je mehr die Zeit vorschreite, so schreibt er, erweise sich das Uebel, an dem Eu­ropa sterbe, als ein politisches. Europa habe keine Regierungen mehr. Weder Rußland, noch Deutschland, noch Oesterreich, noch Ungarn, wo rote und rotschwarze Republi­ken, oder scharlachrote und weiße Diktaturen sich kaum auf den Ruinen der alten Kaiserreiche erhielten, hätten eine Regierung. Sie lebten vom Bankrott, vom Hunger, vom politischen WWUchelinvro, von ^ronunyamiemen, von Ver­schwörungen und wütenden Pätteikämpfen unterwühlt, nur von einem Tage zum andern. Und auch die neuen, aus den Ruinen der alten Staaten erwachsenen Staaten, wie Polen, Süd- slawien und Böhmen, hätten keine Regierung, weil man nicht wisse, ob ihre Einrichtungen einem Sturm standhalten würden. Und die siegreichen Staaten? Wer regiere Italien? Die Krone? Das Ministerium? Die Bureaukratie? Das Parlament? Die öffentliche Meinung? Wer diese Frage beantworten könnte, wäre wirklich ein großer Weiser. Die englische Regierung sei in Irland gezwungen, wie im Zululand einen Repressalienkrieg zu führen und dann mit den angeblichen Briganten in Verhandlungen einzutreten und dabei Formen anzuwenden, die nur zwischen Staat und Staat gebraucht würden. Ruhig sei noch Frankreich, das kon­servativ geworden sei und gegen das sich jetzt die revolutionären Kräfte Europas verbünde­ten. Aber wie lange werde hier dis Ruhe noch dauern? Im Jahre 1917 habe er, Ferrero, vor- ausgesagt, daß die Völker nach dem Kriege mit allen Anschauungen^ die sich seit einem Jahr­hundert in Europa bekämpften, Monarchismus und Republikanismus, Internationalismus und Rationalismus, Militarismus und Pazifismus, unzufrieden fein würden. Die Prophezeiung sei durch die Tatsachen noch übertroffen wor­den. Der Grund liege in folgendem: Vor dem Kriege sei der Friede unsicher gewesen, weil die deutsche Regierung zu stark gewesen sei, jetzt sei er unsicher, weil die deut sche Re­gierung zuschwachsei. Wie könne man hoffen, daß eine Regierung die ungeheuren Verpflichtungen des Versailler Vertrages er­füllen könne, die nicht einmal das Leben ihrer bekanntesten Parteigänger schützen und sie ra­chen könne, wenn der Mordstahl der Kaiser­lichen sie getroffen habe, eine Regierung, die unfähig sei, der Vergeudung der Finanzen ent­gegenzuwirken, da, wenn die Nachrichten sftmm- ten, im August der tägliche Fehlbetrag um 400 Millionen angewachsen sei. Die Sieger hatten den ungeheuren, vielleicht tödlichen Irrtum be­gangen, nicht einzusehen, daß die de u t s ch e Republik die größte ihrer Krregs- rophäen sei, mit der man in Theben hatte eben können, wenn man sie mit allen Rinteln gestärkt hätte. Statt dessen hätte man sie durch Jen Versailler Vertrag erwürgt. Nicht durch ^e finanziellen Verpflichtungen, sondern durch )q5 französisch-englisch-italienische P/otenorat, "Uter das man Deutschland gestellt habe. ®-oube "jan, daß eine Nation, die vor sieben Jahren °>e stärkste in der Welt war, sich eine solche vollständige Erniedrigung gefallenlfen »erbe? Jede deutsche Regierung, die dieses Protektorat anerkenne, sei von vornherein in Sen Augen der Nation mißachtet. Wenn man hefen Irrtum nicht nachträglich verbessere, sei ^cht zu verhindern, daß über Europa eine jia» Atrophe Hereinbreche, deren erstes Opfer Frankreich sein werde. Er habe noch keinen ^uglânder» und höchstens ein vaar Franzosen

getroffen, die einsähen, daß eine Nation wie die deutsche, sich nicht von den Monstren der Kom­missionen regieren lassen könne.O ihr Män­ner von 1815 unh des Wiener Kongresses, die wir ein Jahrhundert mit unseren Schmähungen verfolgt haben", so schreibt Ferrero zum Schluß, im Vergleich zu eurer Mäßigung und eurer Weisheit und eurer Achtung vor dem lebenden Fleisch der Nationen, wie miserabel erscheint da dieses Geschlecht von Politikastern, das ankün­digte, die Welt erneuern zu können und -dabei Europa ruinierte."

Die bayerische Regierungskrise.

Die Gesamtdemission des Kabinetts Kahr wird, wie die Münchener Meldungen erkennen lassen, als ein Erfolg der Rechten, d. h. der Bayerischen Mittelpartei, angesehen. Man hat in Kreisen der Rechten, seitdem es klar war, daß die gegen Berlin gerichtete Politik sich nicht durchsetzen lassen würde, darauf hingearbeitet, eine Krise des Gesamtministeriums herbeizu- führèn. Maßgebend für diese Politik der Mittel- partei sind folgende Ueberlegungen gewesen: Wäre Ministerpräsident v. Kahr mit seiner Partei, der Bayerischen Volkspartei, solidarisch gewesen, so hätte die Entwicklung der letzten Tage wahrscheinlich mit dem Abschied der Mittelpartei aus dem Kabinett geendet. Da Herr v. Kahr innerlich aber auf dem Boden ^er Mittelpartei stand, blieb nur die Möglich­keit, zugleich mit dieser Partei auch ihn aus dem Kabinett aussckeiden zu lassen. Der Rück­tritt des Gesamtministeriumtz gibt nun die Möglichkeit, nicht nur den Ministerpräsidenten in seinem Amt, sondern die Mittelpartei in der Regierungskoalition zu erhalten. Besonders wichtig ist auch, daß nach § 46 der Verfassungs- urkunde, das zurüLaetretene Kabinett die Re- gierungsgefchaste zunächst weiterführt. Auf diese Weise ist zunächst einmal Zeit gewonnen. Ferner wird in dieser Zeit die Antwort der Reichsregierung auf die bayerische Rückfrage betreffend den § 4 der Reicksverordnung ein­treffen und es ist leicht möglich, daß eine ent­gegenkommende Haltung der Reichsregierung nunmehr als Erfolg der bayerischen Regie­rung gebucht werden kann, die ja dann noch prvisorisch im Amte ist. Es ließe sich denken, daß dann die Ansicht propagiert würde, es sei für eine Umgestaltung der Regierungskoa­lition überhaupt kein Anlaß gegeben. Von anderer Seite wird der Rücktritt des gesamten Kabinetts auf einen gewissen Stimmungsum­schwung in der führenden Partei der Koalition, der Bayerischen Volkspartei, zurückgeführt. In dieser Partei soll das Bedauern über den Bruch mit dem von ihr gestellten Ministerpräsidenten seit Sonntag nacht immer größer geworden sein und die drei anderen Parteiminister im Kabinett zum Rücktritt veranlaßt haben.

Bezeichnend dafür, daß in den links- radikalen Kreisen Bayerns di? Stim­mung mindestens ebenso kritisch ist wie auf der rechtsradikalen Seite, ist ein Geheimschreiben der Unabhängigen Sozialdemokratischen Par­tei, das die Kreisleitungen anweist, sich für den General streik bereit zu halten, und eine gleichzeitig von Mehrheitssozialisten ausgegebene Parole:Höchste Bereitschaft!"

Zurück zu Kahr!

München, 13. Septbr. Der Ausschuß der Ortsgruppe München der Deutschen Volkspartei (Nat. lib. Partei) München, faßte einstimmig folgende Entschließung: Zurück zu Kahr! Mit der überwältigen­den Mehrheit des bayerischen Volkes stellen wir an den Landtag ^"s dringende Ersuchen, die Geschicke Bayerns auch weiterhin den bewährten Händen des Ministerpräsidenten v Kahr und seiner Mitarbeiter anzuvertrauen. Kahr ist uns wie allen ordnungsliebenden Volksgenossen nicht nur Bayerns, sondern des ganzen Reiches die Verkörperung einer glücklichen Aufwärtsentwicklung unseres Volkes auf den Grundlagen von Ge­setz, Sittlichkeit und Arbeit.

München, 14. Septbr. Wie dieMünch. N. N." melden, wird am heutigen Mittwoch der Aeltestenrat zusammentreten, um sich über die Einberufung des Landtages schlüssig zu machen. Die Fraktionen und Parteiführer wer­den gleichfalls heute Besprechungen abhalten, die die Neubildung der Regierung zum Gegen­stand haben.

Den Mördern Erzbergers auf der Spur

München, 13. Septbr. Die Untersuchung des Mordes an Erzberger hat eine über­raschende Wendung dadurch genommen, daß es sich herausstellte, daß die T ä t e r in München wohnten, von hier aus vor einiger Zeit an den Tatort fuhren, in Oppenau zur Zeit der Tat wohnten und nun Wicktia sind. Der Staats­

anwalt von Offenburg fahndet deshalb nach dem am 20. Juli 1893 in Saalfeld (Thüringen) ge­borenen Kaufmann Heinrich Schulz und dem am 27. November 1894 in Köln-Lindenthal ge­borenen studierenden Juristen Heinrich Till- essen, die beide seit Ende April 1921 getrennt, aber in einem Hauie in verschiedenen Stockwerken in der Maximilianstraße 33 wohnten, sich aber weder durch Zusammenkünfte oder sonstwie ver­dächtig machten, sodaß die Wohnungsbesitzer nicht das geringste wahrnehmen konnten. Die Spur, daß die beiden Täter in München sind, ergab sich dadurch, daß der Besitzer des Hotels ..zum Hir­schen" sich zweier Gäste erinnerte, die unter ihrem richtigen Namen zur Zeit des Mordes bei ihm wohnten, aber bald nach der Tat verschwan­den. Die Beschreibung beider wurde durch um­fangreiche Erhebungen festgestellt, wie auch, daß es sich um Schulz und Tillesien handele. Ihre besonderen Merkmale, das verkümmerte Ohr bei Schulz und die abnorme Nasenbildung bei Tillesien, führten auf die Spur der Flüchtigen. Auch ihre schnelle Abreise und die Tatsache, daß sie ihr Gepäck zurückließen ist ein Beweis für die Täterschaft. Aus Offenburg und Karlsruhe sind in München Gerichtsbeamte ein­getroffen, um Erhebungen fortzusetzen.

Berlin,'13. Septbr. Unter dem Verdacht der Mitwisserschaft an dem Morde an Erzberger ist hier eine aus einer Witwe. mehreren Töchtern und einem Sohne, einem früheren Kadetten, be­stehende Familie verhaftet worden..

Beide des Mordes Verdächtigen sind ehemalige Offiziere und gehörten seinerzeit der Brigade Ehrhardt an.

Berlin, 13. Septbr. Zur Ermittelung der Mörder Erzbergers berichten dft Abendblätter noch, daß Schulz eine richtige kaufmännische

keine Stellung mehr gehabt habe. Die Marine­rangliste von 1918 verzeichnet den Oberleutnant Heinrich Tillesien, der 1920 verabschiedet worden ist. Bei den Verhafteten der Berliner Familie wurden auch jetzt die vervielfältigten und ver­öffentlichen Bilder der Täter gefunden und be­schlagnahmt, sowie einige Korrespondenz, die die Familienmitglieder belastet. Die Verhafteten stellen entschieden in Abrede, von der Absicht der Ermordung Erzbergers gewußt zu haben. Andere ehemalige Angehörige der Brigade Ehrhardt sollen in der Tat verstrickt sein. Neue Verhaf­tungen sollen bevorstchen.

Berlin, 14. Septbr. Die Vernehmung der sistierten Familie ergab, baß sie ihrer politischen Gesinnung nach auf rechtsradikalem Boden stehen und daß sie die Person und das Wirken Erz­bergers auf das Schärfste verurteilt. Da ihr aber hinsichtlich des Mordes weder die Mittäter­schaft noch die Mitwisserschaft, noch eine Be­günstigung nachgewiesen werden kann. wurde die Familie von der Polizei wieder aus der.Haft entlassen. Drei Wochen vor der Mordtat sollen Schulz und Tillessen von München nach Berlin gekommen sein und bei der inzwischen aus der Haft entlassenen Familie gewohnt haben.

München, 14. Septbr. Der Polizeibericht teilt mit, daß hier sechs Personen unter dem Verdacht, an den Vorbereitungen zur Ermordung Erzbergers teilgenommen zu haben, verhaftet worden sind. LautVerl. Lokalanz." ist ein hoher Beamter des Berliner Polizeipräsidiums gestern abend nach Baden gefahren, um dort eine aus­sichtsreiche Spur der Verfolgung aufz-unehmen.

Eine Kundgebund der Demokratischen Partei.

Der Vorstand der Deutschen demokratischen Partei hat am Sonntag die politische Lage einer eingehenden Besprechung unterzogen und eine Kundgebung erlassen, in der es u. a. heißt:

Jede Regierung hat ihre Macht gegen alle Unternehmungen einzusetzen, die das Ziel ver­folgen, durch gewalttätiges Vorgehen die ver­fassungsrechtliche Grundlage des Staates zu ändern. Selbstverständlich muß sich das Vor­gehen der Regierung gegen alle richten, die trotz des Ernstes der innerpolitischen und außen­politischen Lage solche Schritte unternehmen. Sie kann und darf auch Beamte, die mit solchen Bestrebungen sympathisieren, sie sogar offen unterstützen, nicht im Dienste behalten. Der Demokratische Parteivorstand billigt daher die Erlasse und Verordnungen der Reicksregierung und erwartet von chr, daß sie ihren Willen auch gegenüber der bayerischen Regierung durchsetzt. So notwendig derartige Maßnahmen sind, so vermögen sie freilich noch nicht unsere ver­fassungsrechtlichen Zustände völlig zu sichern. Vielmehr muß jede Regierung, zumal gegen­über der ungeheuren Belastung unseres Volkes, möglichst breite Schichten der Nation zur ver- antworllicken Mitarbeit in den Parlamenten und Regierungen heranziehen. Kein Partei- easismus und keine parteipolitische Engherzig­

keit darf der Durchführung dieser staatserhalten- den Politik im Wege stehen. Koalitionspolitik ist Arbeitsgemeinschaft. Deshalb kann zur Koalitionsgemeinschaft die aller­dings notwendige Eklärung einer Partei genügen, die Weimarer Reichs­verfassung als Rechsgrundlage erachten zu wol­len und bereit zu sein, jede gewalttätige Aenderung der versassungsrechtlichen Zu­stände durch die Machtmittel des Staates zu bekämpfen. Das gilt für jede Partei, also auch für die Deutsche Boltspartei so­wie die Unabhängige Sozialdemo­kratie. Die großen geschichtlichen Taten unse­res Volkes vor und im Weltkrieg empfinden wir als wertvollen nationalen Bestand unseres gemeinsamen vaterländischen Lebens. Gerade deshalb fordert die Deutsche Demokratische Par­tei in der jetzigen Zeit tiefgehender Erregungen alle deutschen Volksgenossen innerhalb und außerhalb unserer Parteiorganisationen, die ee ernst mit ihrer vaterländischen Gesinnung neh­men, auf, dagegen anzukämpfen, daß die Er­innerung an Taten, die das gesamte Volk aller Parteirichtungen und Klassen vollführt hat, zum Gegenstand einseitiger parteipolitischer Aus­nutzung und gehässiger Agitation gemacht wird.

Gleiches Recht für Alle.

Stuttgart, 13. Sept. Am Dienstag erschien im Staatsmimsftrium eine Deputation, bestehend aus Vertretern der MeirheitSsorialisteu, der Unabhängigen Sozialisten und der freien Gewerkschaften, die vom Staatspräsidenten und dem Minister des Innern empfangen wurde. Dft Deputation verlangte von der würltembergischen Regierung Maßnahmen «egen die Regimentsfeiern. Sowohl der Staatspräsident wie der Minister des Innern konnten sich mit Rücksicht darauh daß der Regierung bisher keine Klagen über verjasjungsseindliche Nurwüchse bei diesen Feiern V»r- gedraqt ivursen, nicht dazu entschließen, dem Wunsche der Deputation zu entsprechen. Die Vertreter der Regierung stellen sich auf den Standpunkt, daß so­wohl nach rechts wie nach links mit gleichen Maß ge­messen werden müsse. Man habe erst vor einigen Tagen die kommunistische Demonstration auf dem Marktplatz geduldet, obwohl die Kommunisten den Sturz der StaateS offen betreiben. So lange bei den Regimentsfeiern nicht der Nachweis erbracht sei, daß sie verfassungsfeindlichen Tendenzen Vorschub leisten, findet die Verordnung der Reichspräsidenten auf sie keine Anwendung. Eine Fühlungnahme mit den leitenden Persönlichkeiten der noch ausstehenden Feiern, wie sie bereits in früheren Fällen erfolgt ist, wurde von der Regierung in Aussicht gestellt.

Die Neuwahlen in Thüringen.

Erfurt, 13. Septbr. Nach dem bisher vor­liegenden Ergebnis der thtringer LandtagSwahlen haben insgesamt erhalten:

S. P. D. 152178, Landbund 123 686, U. k. P. D. 109 749, Deutsche VolkSpartei 108 719 Kommunisten, 64 935, Deutschnationale VolkSpartei 50 739, Demo­kraten 36 877, Zentrum 6206, WirtschaftS»«rtei 4126 Stimmen. Danach können al« gewählt gelten: Mehr- Heitssozialdemokraten 12, Landbund 10, Unabhängige 9, Deutsche Volkspartei 9, Kommunisten 5, Deutsch- nationale 4, Demokraten" 3, Zentrum 0, Wirtschajts- Partei 0. Bei den Wahlen am 20. Juni 1920 waren gewählt: 11. 6. P. D. 15, G. P. D. 11, Landbund

11, Deutsche VolkSpartei 8, Demokraten 4, Deutsche nationale 4, Kommunisten 0 und Zentrum 0.

Das hungernde Rutzland.

Kopenhagen, 14. Septbr.Politiken" wird aus Rigo telegraphiert: Der Vorsitzende des Allrussischen Zentralkomitees Kalinin, der in bas Wolgagebiet ab gereist ist, um dft Hilfe für das hungernde Sowjetrußland zu organisieren, tele­graphiert von dort an die Regierung. daß die Lage viel schlimmer sei als man sich denken könne. Es sei eine unermeßliche Kraft­anstrengung nötig, um der Bevölkerung Hilfe zu bringen. In den Städten herrsche Tvvhus und Cholera. Viele Menschen stürben auf der Straße und tragen zur Verbreitung der Epidemie bei. Die Sterblichkeit unter den Kindern wachse er­schreckend. Bei kleinen Kindern betrage dft Sterblichkeit 75 Prozent. _

Sächsische Gemeinden vor dem Bankerott. Die Stadt Buchholz im Erzgebirge hat der sächsi- schen Regierung mitgeteilt, daß sie in ihren Kassen kein Geld mehr habe und die notwendigen Ausgaben nicht mehr bestreiten könne. Entweder müsse man ihr die noch nicht bezahlten Staats­beihilfen sofort überweisen oder genehmigen, daß die eingehenden Reichssteuerbeiträge nicht abge­liefert werden. Vor kurzem haben auch 20 Ge­meinden in der Anitshauptnmnnschaft Pirna der Regierung erklärt, daß es so nicht mehr wri- ferapbg.

Zur Aufhebung der Sanktio­nen. Nach einer Emser Information des Ver­eins der Industriellen für den Regierungsbezirk Köln ist mit der Fortdauer der Sanktionen mindestens noch für mehrere Wochen zu rech­nen, bis die Verhandlungen über den Ueber- wachungsausschuß zu einem Ergebnis geführt haben.