Hanauer
General-Anzeiger
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Nr. 213
Montag öerz 12. September
1921
K!-M?s»M
Regierungskrise in Bayern
RückkrtN -es Minislerprüsi-enlen und des JustiZMènislers.
München, 11. Septbr. Die Korrespondenz Hoffmann meldet amtlich: Nach dem Beschluß deS ständigen Landtagsausschuffes von gestern Samstag nacht sollte sich die bayerische Regie- rung gegenüber der Reichsregierung bereit erklären, der Aufhebung des Ausnahmezustandes iu Bayern näher zu treten, wenn die Verordnung des Reichspräsidenten über Zeitungsverbote entsprechend den Beschlüssen des ständigen Landtagsausschuffes geändert werde. Die bayerische Regierung hat heute beim ständigen Landtags- ausschuß noch den Zusatz beantragt, daß der Aufhebung des Ausnahmezustandes dann näher getreten werden soll, „wenn die Verhältnisse es gestatten". Dieser Zusatz ist in der heutigen Sonntagssitzung vom ständigen Landtagsausschuß mit Mehrheitsbeschluß abgelehnt worden. Deshalb traten Ministerpräsident Dr. v. Kahr und Justizminister Dr. Roth zurück. Der Mnisterrat wird noch morgen vormittag zusammentreten.
Die bayerische Regierungskrise, die am Samstag als bevorstehend angekündigt wurde, ist irunmehr eingetreten. Ministerpräsident v. Kahr and Justizminister Dr. Roth sind gestern nachmittag zurückgetreten, nachdem der ständige Dand- dagsausschutz die Forderung des Ministerrates
-kinWehenden Blättern allgemein begrüßt, während die Rechtspresse den Rücktritt bedauert und von einer „Kapitulation vor der Straße" spricht. Als Nachfolger v. Kahrs wird der aus dem bayrischen Beamtenliberalismus hervorgegangene KultuZWiniister der beiden letzten königlichen Ministerien v. Knilling genannt, der sich nach der Novemberrevolution 1918 der Bayerischen Volkspartei angeschlossen hat und auch ihr und der Nationalliberalen Kandidat bei der Münchener Bürgermersterwahl 1919 gewesen ist. Als Justizminister anstelle des Deutschnationalen Dr. Rorh wird der ehemalige Freisinnige, jetzt rechtsdemokvatische Führer E r n st Müller- Meiningen die meisten Aussichten haben. -Auch der bisherige Staatsrat und eigentliche Arbeiter im Justizministerium Mayer wird genannt. Ob auch ein Eintritt der Sozialdemokra- ^n in die Koalition erfolgt, läßt sich noch nicht sagen, wir bezweifeln aber den Eintrift, denn »im den sozialdemokratischen Blättern wird die Mit dem ständigen Landtagsausschuß beschlossene Stiftung des § 4 (Einführung einer richterlichen ^ntscheidungsinstanz) entschieden zurückgewiesen. Lus dieser Zurückweisung tann man auch weiter folgern, daß trotz des Rücktritts ö. Kahrs die so- sortlge Einigung zwischen Bayern und dem ^iche noch nicht feststeht. Bekanntlich war die ^eichsregierung bei den Verhandlungen mit den ^lherischen Vertretern mit der eben genannten Fassung zunächst einverstanden gewesen, hatte aber kurz vor Schluß der Verhandlungen diese Fassung, wie behauptet wird, vor dem Druck der ^ewerksckasten zurückgezogen. Es werden also «eitere Verhandlungen zwischen Berlin und München sta-ttfmden müssen.
Die Derhan-lunaen -es ständigen Ausschusses.
Die Verhandlungen des ständigen Ausgusses begannen am Samstag nachmittag und Muerten bis gegen Mitternacht. Der Vor- Mnde Abg. Held unterbreitete die auf »rund der Stellungnahme der Koalitionspar- gemachten Porschläge dem Ausschüsse, ^lese beziehen sich auf die Veränderung des Lerordnungsentwurfes in den Paragraphen 4 7. Hierzu wurde folgende Fassung des 2 4 vorgeschlagen: Zuständig für Verbote nach p 1 und 3 und für Beschlagnahme nach § 2 piö die Landeszentralbehörden oder die von Men bestimmten Stellen. Der Reichsmini- des Jnnnern kann die Landeszentralbe- wrden um den Ausspruch eines Verbots oder kfner Beschlagnahme ersuchen. Der letzte Satz «kses ursprünglichen § 4 soll dahin geändert Herden: Glaubt die Landeszentralbehörde dem ^suchen nicht entsprechen zu können, so kann Reichsminister des Innern den Reichsrats- ^- schuß anrufen. 3m § 7 soll Absatz L Satz 2
folgendermaßen lauten: Beschwerde ist bei der Landeszentralbehörde einzureichen, die sie, falls sie ihr nicht abhilft, unverzüglich dem Obersten Gericht des Landes zur Entscheidung vorlegt. Die Einleitung zu den Gegenvorschlägen soll lauten: Die bayerische Staatsregierung befaßte sich mit den Verhandlungen in Berlin. Sie ist nur dann in der Lage, den Vorschlägen beizutreten, wenn die Polizeihoheit der Länder wiederhergestellt wird, und wenn die §§ 4 und 7 obige Fassung erhielten. Weiter wird folgende Schlußbemerkung vorgeschlagen: Unter der Voraussetzung, daß die Reichsregierung den Wünschen
der bayerischen Regierun
entereit,
t, erklär lufhebun,
des Ausnahme- ayern näherzu-
Zustandes
treten. Ein Antrag Ackermann (U.), die
Schlußbemerkung dahin zu fassen, daß unter dieser Voraussetzung die bayerische Staats- regierung mit dem Inkrafttreten der Reichs- verordnung den Ausnahmezustand von sich aus aufheben wird, wurde abgelehnt. Darauf wurde die neue Fassung der §§ 4 und 7 nach längerer Aussprache bei Stimmenthaltung der sozialistischen Linken angenommen. Bei der Abstimmung über die Einleitung und Schlußworte des Gegenvorschlages enthielt sich auch die Fraktion der bayerischen Mittelspartei der Stimme, da sie die Auffassung vertrat, daß es
an der Regierung liege, zunächst ihrerseits hierfür Vorschläge zu machen. Die Staatsregie» rung wurde beauftragt, alsbald zu den
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München, 11. Septbr. Nachdem heute vormittag neuerdings eine Ministerratssitzung stattgefunden hatte, trat heute mittag Der ständige Landtagsausfchuß wieder zu einer Sitzung zusammen. Ministerpräsident v. Kahr war nicht erschienen, ihn vertrat Staatssekretär Schweyer. Vorsitzender Held erklärte bei Beginn der Sitzung, daß nach einer an ihn gelangten Mitteilung sich der Ministerrat mit dem gestern formulierten Vorschläge des Ausschusses einverstanden erklärt habe, mit Ausnahme des Schlußpassus, den er modifiziert zu sehen wünsche. Der Ministerrat stehe auf Dom Standpunkte, daß gegenwärtig, wo man nicht wisse, wie die Haltung in Franken sich entwickeln und wo in der Oeffentlichkeit behauptet werde, auf der einen oder anderen Seite beständen Putschgelüste, die Staatsregierung nicht in der Lage sei, für die sofortige Aufhebung des Ausnahmezustandes einzutreten. Sie fei aber bereit, dies zu tun, sobald es sich zeige, daß diese Gefahren nicht -vorhanden seien. Sie wünsche deshalb dem Schlußpassus anzufügen: „sobald die Verhältnisse es erlauben". Held knüpfte an diese Mitteilung die Bekanntgabe seiner persönlichen Auffassung. Die Regierung befindt sich in einer außerordentlich schwierigen Lage. Die Vorgänge in Franken könnten von einer verantwortlichen Regierung nicht übersehen werden. Er persönlich sei geneigt, den Regierungsoorschlag anzunehmen und zu versuchen, auf Grund dieser Vorschläge mit der Reichsregie
rung zu einem Einvernehmen zu kommen. — Dr. Dirr gab namens der Demokraten die Erklärung ab, die es für zweckmäßig erklärte, daß die bayerische Staatsregierung aus eigener Entschließung die Aufhebung des jetzigen Ausnahmezustandes in Bayern bewirke, wenn durch die verbesserte Reichsverordnung eine neue" Grundlage für die Handhabe des Ausnahmerechtes gegeben werde. Die Regelung, die der Ausschuß Vorschläge, dürfte durchaus den berechtigten Wünschen der Regierung entsprechen. Bei der Formulierung, wie sie die Regierung wünsche, könnte der Eindruck hervorgerufen werden, als ob man von der bisherigen Linie des Lerständigungswillens abgehen möchte. Er bitte Die Regierung, den Zusatz fallen zu lassen. — Dr. Hilpert (Bayr. Mittelpartel) erklärte u. a., daß seine Partei infolge ver chiedener Vorkommnisse sich l,.„ halten müsse, am Ausnahmezustand so lange festzuhalten, bis die Regierung in Der Lage sei, ihn aus freiem und eigenem Entschluß aufzuheben. Er bitte den Ausschuß dringend, sich hinter den Beschluß des Ministerrats zu stellen. — Sänger (Soz.) erklärte, daß ^ie Erklärung der . Regierung in direktem, unlösbarem Widerspruch zu dem stehe, was der Vorsitzende Held gestern gesagt habe. Das Mißtrauen feiner Partei habe sich als durchaus üerecht-
vorbe-
fertigt erwiesen. — Niekisch (U. S.) äußerte, das Vorgehen der Koalitionsparteien und der bayerischen Regierung grenze nahe an Reichshochverrat. Die ganze bayerische Geschichte sei eine Rebellion gegen den Reichsgedanken. Wenn Bestrebungen aufträten, auf gesetzlichem Wege unter Umständen die Abtrennung Frankens zu erreichen, so sei das nur die Antwort auf das reichszerstörende Verhalten der bayerischen Regierung. Seine Partei hoffe, daß die Reichsregierung fest bleibe und der bayerischen Regierung keinen Schritt mehr entgegenkomme. — Abg. Speck (Bayr. Vpt.) erklärte in längeren Ausführungen, wenn es zu einem Konflikt mit dem Reiche komme, dann fei Bayern zweifellos im Hintertreffen gegenüber den verfassungsmäßigen Rechten, die der Reichsregierung Zuständen. Er halte es daher für sehr gefährlich, die Sache auf die Spitze zu treiben, wo das Reich alle Trümpfe auf der Hand habe. — Dr. Wohlmuth (Bayr. Vpt.) hatte eine andere Auffassung als fein Fraktionskollege Speck. Er meinte, daß die Reichsregierung auch noch andere Pflichten habe, als sich auf das formale Recht zu stützen. Sie sollte auch sorgen, daß die Reichsffeudigkeit im Lands erhalten bleibe. Redner erklärte es für zweckmäßig, in diesem Wunsche zurückzustehen und stellt im Anschluß an seine Aeußerung den Antrag auf Vertagung der Sitzung. Nach weiterer" Debatte, in der u. a. der Vertreter des Bauernbundes S t ä d s l e sich namens feiner Fraktion für die Annahme der gestern formulierten Erklärung und für die Ablehnung des Regierungszusatzes ausgesprochen hatte, wurde der Antrag Wohlmüt auf Vertagung a b gelehnt, ebenso der Zusatzantrag der Regierung, letzterer gegen die Stimmen der bayerischen Mittelpartei und eines Abgeordneten der bayerischen Volkspartei.
Schiffers Stellung nicht erschüttert.
Berlin, 12. Sept. In der gestrigen Morgen- Presse wird mit Rücksicht auf die Aufhebung der Zeitungsverbote durch den Ausschuß des ReichSratS die Stellung der Reichsministers der Justiz innerhalb des ReichrkabinettS als erschüttert bezeichnet. Diese ruben auf einer von der ReichSregierung als solcher getroffenen Entschließung, die vom Reichsminister des Innern gemäss seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeit ausgcsnhrt worden ist. Den Reichsminister der Justiz trifft in der Angelegenheit nur die Verantwortlichkeit, die er mit allen Mitgliedern der ReichSregierung teilt.
Die UnZerfuchung -er Msrz-Unruhen.
Berlin, 10. Sept. Der Untersuchungsausschuß des preußischen Landtages setzte heute die Vernelummgen über den März aufstand in Mitteldeutschland fort. Reichskommissar Peter« bekundete : Die Entwaffnung wurde wie im übrigen Reich gehandhabt. Tie Erfassung zeitigte dort große Erfolge, da in vielem Gebiet zahlreiche Sewebrfabriken liegen. Es ist falsch, daß nur die rechtsgerichtete Bevölkerung entwaffnet worden ist. Die auf frtiwillge Abgabe folgenden Durchsuchungen hatten in der Provinz Sachsen gleichmäßig geringes Resultat, lieber die Rote Armee bekundet der Zeuge, sie könne ganz lokal entstanden sein. Auf der anderen Seite flehe fest, daß eine Reihe von Führern gesehen wurde, die nachher plötzlich verschwanden. Dar sei, ein Zeichen einer gewissen darüber stehenden Organi ation. Auf die Frage der Vorsitzenden, wie es komme, daß Gersdorff in der Frage der Waffenablieferung ein ganz anderes Bild gebe, äußerte sich der Zeuge dahin, daß die Angaben Gersdorffs möglicherweise auch daraus beruhten, daß bei der freiwilligen Waffen- abliekerung viele Waffeninbaber ihre Waffen nicht da vblikferten, wo sie heimatberechtigt waren. Weiter bekundete der Zeuge, die Angaben, als ob in den alten Schächten der Provinz größere Waffenmengen versteckt lagen, träfen nach seinen Informationen keineswegs zu. Auch in den natürlichen Höhlen der Mans'eldcr und Eislebener Gegend seien große Waffenlager nicht vorhanden gewesen. Auf Befragen erklärte der Zeuge, er persönlich schätze die Zahl der illegalen Waffen nur auf zwölftausend in ganz Deutschland.
In der weiteren Vernehmung bekundete der Reichs- entwaffnungrkommissar Dr. Peter«, auch Belohnungen bis 10000 Mark Hütten bei der SSub-rungk- aktisn kein großes Resultat gehabt, sodaß eine niedrige Schätzung der illegalen Waffen sich auch dadurch recht- fertige. In Suhl, Zell«. Mehlis usw. dürften jetzt keine Gewehre mehr hergestellt werden. Auf Befraaen erklärte der Zeuge noch, er halte es für möglich, daß eine Organisation nach der Art der Roten Armee längere Zeit unentdeckt bleibe. — OberregierungSrat Freyling, der beim Oberpräsidium in Dtagdcbnrg das politische Referat inne hatte, bekundet, mit Spitzeln arbeitete er nicht. Eine genaue Kontrolle der Ausländer war ganz ausgeschlossen. Auf Befragen bekundet der Zeuge, nur in Halle habe man eine Geldsendung von 1 Million aus Rußland festgestellt. Davon sind 150 000 Mk. nach Erfurt gegangen, 50 000 Mark wurden zu Hauk- oder Ze>tungk«nkauf verwendet. Der Staattanwalt habe die Untersuchung eingestellt. Die vom Obcrvräsidenten Hörsing angegebene Zanl von 2—3000 agitatorisch tätigen Ausländern sei wohl ut hoch aearrüen. Die Auaabeu âhcr ÄSafienlxaei»1
sowohl von rechts wie von link«, bestätigten sich meistens nicht. Bei größeren Lagern, die man entdeckte, wisse man nicht, ob er sich um solche von rechts oder links handelt. Nach dem Aufstande seien keine
größeren Waffensunde mehr gemacht worden. — nächste Sitzung findet Dienstag statt. Zu dieser eine größere Anzahl von WerkSdirektoren und triebSräien gelaßen worden.
Eine Aede Darlhvus.
Die sind Be-
Paris, 11. Sept. Bei der in Meaux veranstalteten Feier zur Erinnerung an den Sieg -m der Marne hielt Kriegsminister Barthou eine Red«, in der er u. «. sagte: Der Sieg hat Frankreich Ellaß und Lothringen zurückgegeben. Er beansprucht keine anderen Gebiete, er erwartet und er will durch den so teuer erkauften Frieden nur die Ausführung der feierlichen Versprechungen, mit denen sein Wiederaufbau und seine Ehre verknüpft ist. Was man Frankreich auch vorwerfen mag, es verfolgt kein Werk der Rache. Aber stark in seinem Recht verlangt er, daß das Werk wiedergutmachender Gerechtigkeit, dessen Bedingungen Deutschland angenommen hat, aurgeführt wird. Barthou richtet dann heftige Angriffe gegen das imperialistische Deutschland, das nichts geleint und nichts vergessen habe und fährt fort: Er gebe vielleicht noch ein anderes Deutschland, das erklärt habe, von demokratischen Gefühlen beseelt zu sein und behaupte, in sich den alten militärischen Geist getötet zu haben. Der Minister sagte: Obschon die Lehre von 1914 uns ein wenig ungläubig gemacht hat, sprechen wir Deutschland nicht das Recht ab, uns durch Taten zu überzeugen. Es wäre sogar ungerecht und ungeschickt nicht anzuerkennen, daß die deutsche Regierung, an der Spitze Reichskanzler Dr. Wirth, Beweise eines guten Willens gegeben hat. Aber inmitten bedeutender Schwierigkeiten kann die deutsche Re
ihre Ohnmacht kann nicht als Vorwand für ihren Verzicht dienen. Frankreich hat den Frankfurter Friedensvertrag aurgeführt, Deutschland muß den Versailler Vertrag aursühren. Allein durch seine Ausführung, die schon durch lange Fristen verzögert ist, wird es Beweise für seinen guten Willen bringen, Deutschlands Demokratie, wenn fie mit uns weiter den Weg einer loyalen und dauerhaften Annäherung verfolgt, der Hindernisse entgegenstellen zu wollen, wir weit entfernt find, muß beweisen, was fie will und wohin sie geht. Frankreich wird weder
zichten, welche die üt ist, noch auf die
auf die Entwaffnung ueti
Garantie für seine Sicherheit ist, noch auf festgesetzten Zahlungen, welche die Bedingungen für seinen industriellen und finanziellen Wieder
aufbau bilden.
— Zur irischen Frage. Die dritte Konferenz des Internationalen Kongresses für Völkerrecht, bie ix Genf stattfand, hat folgende Entschließung einstimmig gefaßt: Der Kongreß ist der Ansicht, daß das irische Volk eine Nation bildet, die ve möze ihrer geschichtlichen, geistigen und moralischen Kräfte wohl in der Lage ist, in Unabhängigkeit zu leben. Großbritannien hat daher kein moralische« Recht, das irische Volk zu zwinge», auf seine Unabhängigkeit z» verzichten. Nachdem die britische Regierung sich selber als Verfechterin bei GcldstbeLim«»»,»rechte« der Völker verkündet unb »»« dieser Haltung für sich große Serielle gezogen bat, dürfte sie eine selbstverständlich moralische Pflicht vernachlässige«, wenn sie sich weigern feilte den Grundsatz vollständig zur Durchführung zu bringen, ben sie vertreten hat, s»balb es sich um andere bandelte.
— B-lschtwisterrpropagandlt in Polen. Die aurläubischt« Zeitung-korrespondenten in Polen verbreiten seit einigen Tagen beunruhigende Nachrichten über eine bevorstehende Kommunistes-Nevo- lutien in P» len, die von peinigen und russischen Kommunisten gemeinsam organisiert werde. Der russische Gesandte in Warschau bezeichnet alle derartigen Gerüchte aU unwahr, doch hat er bi «her jtdc LSsung der verschiedenen Streitfragen zwischen Polen und Rußland au»,«schieben gewußt, f-datz während seine« Aufenthalte, ix P»le« nicht« weit« zwischen den beiden Staaten geschehe» ist als eine unheimliche Ausbreitung der bolschewistische» Propaganda, die von der russischen Gesandtschaft an« geleitet wird. Der Gesandte empfängt täglich 2 bis 8 Kurier- sendunge» und unternimmt daraufhin häufig sehr eilige Reisen nach Orten, die in der Nähe der russische» «re»4< liege«. Russische «»lschewiflen kommen ju raufend« mit gefälschten Pässen nach Polen und finde« hier sofort Unterstütz»»«, indem sie Arbeitslosengelder er» halten. In Polen befinden sich vier russische Streck- fomiteeS, die eine systematische Kontrolle der polnischen Industrie und Arbeiterschaft unterhalten. Sobald eine größere Fabrik einen nennenswerten Auftrag erhält, wird sofort ein Streik inszeniert, damit die Fabrik z«m Stillstand kommt. Man vermutet, daß s»bald ha« polnische Kabinett abtritt, seitens b« Bolschewisten Unruhe» hcrvorgeruftn werden.