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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan
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Sir. 211
Freitag den 9. September
1921
Das Neueste.
— Der Streik der Hanauer Gold- und Silberarbeiter ist beendet. — Die Arbeit wurde heute wieder ausgenommen.
— Die gestrigen interfraktionellen Besprechungen über die Frage der preußischen Kabinettsumbildung haben zu keinem Ergebnis geführt.
— In dem Konflikt zwischen Bayern und dem Reich scheint es nunmehr zu einer Einigung zu kommen.
— Die letzten Ausschreitungen linksradikaler Elemente in Speyer haben nunmehr dazu geführt, daß die französische Besatzungsbe- hörde die gesamte Polizeigewalt der Stadt Speyer übernommen hat.
— Der „Evening Standard" meldet, daß ein neuer Plan der Kreditgewährung an Deutschland in den Vereinigten Staaten entworfen werden.
„Eine starke Mitte."
Die politische Entwicklung der letzten Tage hat Formen angenommen, die jeden wahren Vaterlandsfreuno mit stärkster Sorge erfüllen müssen. Anstatt in Wort und Schrift zu beruhigen, werden die Gemüter in Erregung gemacht, die eine Konsolidierung der deutschen nneren Verhältnisse nicht zuläßt. Und wieder teht riesengroß voll Eindringlichkeit und Ernst sie unsagbar bittere Frage vor uns: Lui -ovo — Wem zum Nutzen?
Die Gegensätze von rechts und links haben jich derart vertieft, so zugespitzt, daß die Gefahr besteht, daß unser Volk in zwei Teile getrennt wird und zwar in rechts und links. Daß die- erfremiffitoe Auseinand-rstrebsn der Volks- telle keinesfalls von Stutzen W mueL Mit uiw Vaterland fein kann, bedarf wohl keiner weiteren Aufklärung — die mit dieser Politik verbundenen Gefahren sind in den letzten Tagen von einsichtigen politischen Führern scharf her- voraeboben worden, so von Stresemann, v. Campe usw. Es ist mit Recht darauf hingewiesen worden, daß das Scheiden der Geister nach rechts und links aufhören muß, wenn sich unser Volk nicht selbst zerfleischen soll, wenn wir nicht zum Bürgerkrieg kommen wollen. $5 geht nicht an, daß wegen einigen Führern, die wohl Ideale haben mögen, — Ideale, die aber heute nicht in die Praxis umgesetzt werden können — das Volk darunter leidet, sich zerfleischt und das letzte bißchen Kraft, was es noch besitzt, vergeudet. Wir begrüßen ddher die Bestrebungen, die seit einigen Tagen im Gange sind, und die darauf hinauslaufen, Wege zu schaffen, die aus der Aufwühlung der politischen Leidenschaften und der damit verbundenen Radikallsierung herausführen und eine lleberbrückung der Gegensätze möglich machen. Solche Wege müssen vom Volke allgemein anerkannt, Pflichten daraus abgeleitet werden. Der Führer der Deutschen Volkspartei im preußischen Landtag, Dr. v. Camp e, hat kürzlich dem deutschen Volke laut und eindringlich zugerufen: „Nicht im Austragen der Gegensätze, sondern im Vergeben und Vergessen liegt das Heil, nicht in der Spaltung, Andern in der gemeinsamen Arbeit, nicht im Radikalismus, sondern in der Politik der Mitte" Auch Stresemann hat sich dieser Ansicht angeschlossen, ebenso vorgestern Ministerpräsident Stegerwald, der in einer Unterredung mit dem Hauptschriftleiter des Blattes »Der Deutsche" über diè gegenwärtige innerpolitische Lage u. a. ausgefuhrt hat:
„Die gegenwärtige innerpolitische Lage sieht sehr verworren aus und läßt sich trotzdem auf eine einfache Formel bringen: die Sozialdemokratie kämpft für eine Verstärkung der Linken, während Zentrum und Demokraten sich gegen eine Zerreibung der Mitte einsetzen. Das kommt in den Presseerorterungen nicht klar zum Ausdruck, hat sich aber seit der Ermordung Erzbergers zum Kern der lnnerpolitischen Auseinandersetzungen ausgewachsen. Wo ich bei diesem Kampfe stehe, habe ich bereits voriges Jahr in Essen ausgeführt. Handelte es sich bei diesen Auseinandersetzungen bloß um mehr Brot für die breiten, nichtbesitzenden Volksschichten, dann stände ich unbedingt an der Seite der Sozialdemokratie. In wirtschaftspolitischen, sozialpolitischen und steuerpolitischen Fragen ist zwischen der sozialdemokratischen Reichstagsfrartlon und mir, glaube ich, sehr wohl eine Verständigung möglich. Der Mensch lebt aber nicht vom Brot allein. Worum es gegenwärtig geht, „ist die Frage: ob schon jetzt in Deutschland die Entscheidungsstunde zwischen rechts und links gekommen ist. Ich halte diese Stunde noch nicht sur gekom- men Ich halte sür das nächste Jahrzehnt eine starke Mitte für eine deutsche Lebens, und Existenzfrage. Was später werden wird, ist nicht in erster Linie Sorge von heute. Eine Rechtsmehrheit bedeutete bis auf weiteres
einen unerträglichen außenpolitischen Druck und die latente Gefahr des Bürgerkrieges im Innern. Eine Linksmehrheit würde meines Erachtens im ersten Jahrzehnt ins Chaos führen. Die sozialdemokratischen Parteien allein können die Schwere der an das deutsche Volk herantretenden Aufgaben weder ertragen noch meistern. Zentrum und Demokraten kämpfen meines Erachtens gegen- wärüg nicht bloß um ihre engeren Parteiinteressen, sondern um Staatsnotwendigkeiten, wenn sie sich einer Zerreibung der Mitte widersetzen. Was wir brauchen, ist Ruhe und Stetigkeit in der deutschen Politik, die nur durch eine kompakte Mitte einschließlich eines starken Arbeiterflügels erreichbar ist. Je später das deutsche Volk' zu dieser Erkenntnis kommt, desto größer und andauernder wird die Bedrängnis und Opferperiode sein, die es auf sich nehmen muß. Das deutsche Volk zerfleischt sich gegenwärtig wieder einmal in Reben fragen, wie Monarchie oder Republik, über Zuständigkeiten zwischen Reich und Länder, über die Art der Steuerverteilung, um parteipolitische Interessen, während es sich seine eigentliche Lebensfrage verdunkeln läßt, nämlich: die Sammlung der Kräfte für die Wiedererlangung unserer nationalen Freiheit, die auf diplomatischem Wege allein nicht erreichbar ist; darauf muß vielmehr auch der W i l l e des Volkes hingelenkt werden. Was den Streit um Monarchie und Republik anbelangt, so habe ich meine eigene Meinung. Ich halte die ganze Problemstellung für falsch. Das Entscheidende auch in der gegenwärtigen Stunde ist, ob eine dünne Oberschicht oder die schaffende Arbeit Träger der deutschen Aufbaupolitik sein soll. Und darüber kann es bei der gegenwärtigen Gesamtlage Deutschlands kaum eine ernsthafte Meinungsverschiedenheit geben: die schaffende Arbeit muß es leisten Den Anhängern der Monarchie fehlen bis auf weiteres sowohl der ausreichende Anhang, wie die erforderlichen Machtmittel zur Durchsetzung ihrer Ziele. Und selbst wenn der Anhang für die Monarchie aus- mürbe, ihre Durchführung genau wie vor 50 Jahren in Frankreich scheitern an der Uneinigkeit über den Thronprätendenten. Die Frage der Monarchie ist also bis auf weiteres eine Sonntagsangelegenheit, einstweilen hat aber das deutsche Volk, um leben zu können, Werktagsarbeit zu leisten. Man halte sich also auf der einen Seite frei von Illusionen und auf der anderen Seite frei von Nervosität, und wir sind ein großes Stück weiter. Es fällt heute nicht schwer, im Reich und in Preußen einen starken Koalitionsblock zu schaffen, der willens ist, die gegenwärtige Verfassung mit allen staatlichen Machtmitteln nach allen Seiten hin zu verteidigen. Sowell ich die Dinge übersehe, ist eine Einigung in der Sache, d. h. über die Aufgaben, die demnächst im Reich und in Preußen bevorstehen, auf breiter Front in durchaus fortschrittlichem Sinne sehr wohl möglich. Was hinderlich ist, sind in der Hauptsache Parteiüberlieferungen und gegenseitiges Mißtrauen. Hier gilt es, für alle, die guten Willens sind, anzusetzen."
Soweit die Stegerwaldschen Ausführungen, die wie ein Sammlungsappell klingen, der nicht ungehört verhallten sollte. Stegerwald hat vollkommen Recht, wenn er sagt: „Was wir brauchen, ist R u b e und Stetigkeit in der deutschen Politik. Ruhe, Freiheit, Ordnung und Ar- beit, diese vier, so wenig voneinander zu scheiden, daß sie eigentlich eine Einheit bilden, sind die großen Ziele der deutschen Politik. Einstweilen auf sich selbst gestellt, von der Möglichkeit abgeschnitten, draußen in der Welt mit den großen Mächten der Erde in einen irgendwie gearteten friedlichen Wettbewerb einzutreten, dazu im Innern aus einer Verfassungsform in die andere geworfen und mit allen Unsicherheiten eines solchen Wechsels erfüllt, hat das deutsche Volk gegenwärtig und für eine vorläufig noch nicht abzusehende Zeit die Aufgabe, seine besten Kräfte der Innenpolitik zu widmen und an einer Gesundung seiner selbst unermüdlich und vertrauensvoll zu arbeiten. Wir dürfen im Innern nicht Auseinanderstrebungspolitik treiben, sondern Einigungspolitik, wir dürfen unser Volk nicht zur Selbstzerfleischung treiben, sondern müssen versuchen, es zusammenzuführen. Nur wenn es zusammengeführt, einig ist, kann es dann na') außen hin auftreten und Vorteile erreichen, die unmöglich sind, wenn wir zerklüftet, gespaltet sind. Es muß deshalb, wie die genannten Zind andere politische Führer in diesen Tagen erklärt haben, versucht werden, eine wirk- l i ch e M i t t e zu schaffen, die sich zu freudiger, gemeinsamer Arbeit zusammenfindet. Ist diese Mitte da, dann ist auch die Gefahr der Volksspaltung und die Gefahr leibenf-ttaftsirrer Taten endgültig überwunden. Dies zu erkennen, sollte wahrlich jedem Vaterlandsfreund nicht schwer fallen. Es darf jetzt nicht heißen: Hie Republik, hie Monarchie, hie Ludendorff, hie Scheidemann, hie Revolution, hie Gegen- revolution, sondern Einigkeit und Zusammenfinden um unseres Volkes
Zukunft willen in der Arbeit! Diesen Grundsatz müssen sich unsere politischen Führer unter Voransetzung der Interessen dès Vaterlandes vor denen der Partei zu eigen machen und danach handeln. Uns kann nur das eine helfen: Die deutsche Gemeinschaftsarbeit.
Eine Frage, die nun sicherlich aufgeworfen werden wird, ist die: Wo ist die wirkliche Mitte, wer gehört zu den Parteien dieser Mitte? Gehört die Sozialdemokratie auch dazu? Wir haben bei den Reichs- und Landtagswahlen stets kundgetan? daß jede Partei, der das Wohl und Wehe unseres Volkes am Herzen liegt, berechtigt, ja verpflichtet ist, an der Regierung teilzunehmen. Ein Ausschalten der Sozialdemokratie wäre unvarlamentarisches Verhalten und wir pflichten Dr. v. Campe vollkommen bei, wenn er in der „Köln. Ztg." kürzlich sagte: „Eine Politik, die 20 Millionen oder mehr abseits stehen läßt, kann nicht bergauf führen. Alle sollen Hand anlegen. Keine Kraft ist zu entbehren. D a s i st kein Volk, in dem die Hälfte fast sich dem anderen Teile nicht, nur lose, loser als dem Klassengenossen des Auslandes, verbunden fühlt, in dem grundsätzlich Klasse gegen Klasse, statt Volksgenosse neben Volksgenosse steht. Nur im inneren Ausgleich dieser Gegensätze liegt Ausstieg, und nur mit diesem Ausgleich können auch die Normen des politischen Kampfes sich heben."
Es fragt sich nun, wie sich die sozialdemokratische Partei, die sich in den letzten Tagen merkwürdigerweise rasch mit den Unabhängigen zusammengefunden hat, zu dieser „starken Mitte" stellen wird. Beim „Vorwärts" haben die Stegerwaldschen Ausführungen jedenfalls eine wenig freundliche Aufnahme gefunden — er begegnet ihnen mit Mißtrauen, indem er rechten Sekte" schlage. Auch nach dem ergebnislosen Verlauf der gestrigen interfraktionellen Besprechungen über die Frage der preußischen Kabinettsumbildung geurteilt, scheint die sozialdemokratische Partei für die „starke Mitte" nicht zu haben zu sein. Wie die Dinge sich weiter entwickeln, muß abgewartet werden. Wir hoffen aber, daß die in den letzten Tagen gehörten Sammlungsstimmen nicht ungehört verhallen, daß vielmehr die einzelnen Parteien Opfer bringen im Interesse einer Verständigung, die unser Volk aus dem Sumpf der Gegenwart herausführen kann. R. H.
Die Umbildung des preutz. Kabinetts.
Ueber den Verlauf der interfraktionellen Besprechungen über die Umbildung des preußischen Kabinetts berichten die Blätter nach einer Zeitungskorrespondenz Einzelheiten. Vom Zentrum wurde zunächst gefordert, daß der Vorsitzende der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, Siering, den Vorwurf widerrufe, daß das Kabinett Stegerwald aus Wortbruch und Treubruch hervorgegangen fei. Abg. Siering erklärte, dazu nicht in der Lage zu fein, da dis ausgestellte Behauptung seiner unwandelbaren Ueberzeugung entspreche. Wohl aber sei. er bereit, gemeinsam mit den anderen Parteien eine geeignete Formulierung zu suchen, die das Moment der persönlichen Beleidigung ausschalte. Als allgemeine politische Orientierung hielten Zentrum und Demokraten daran fest, daß die Neubildung der preußischen Regierung nur auf der Basis der breiten Koalition, d. h. unter Hinzuziehung der Deutschen Volkspartei, stattfinden könne. Von sozialdemokratischer Seite wurde dieser Vorschlag a b g e l e h n t. Es könne sich jetzt lediglich darum handeln, daß die Sozialdemokraten wieder in die preußische Regierung eintreten und damit Preußen eine Regierung erhalte, die die gleiche Zusammensetzung habe wie das Kabinett Wirth. Leinert schlug vor, vorläufig eine Regierung der alten Koalition zu bilden und nach ihrem Zustandekommen mit der Deutschen Volkspartei über den Eintritt in die Regierung zu verhandeln. Dieser Vorschlag wurde jedoch vom Zentrum und den Demokraten abgelebnt. Die interfraktionelle Besprechung ging schließlich völlig ergebnislos aus.
Wie weiter gemeldet wird, hat Präsident Leinert Herrn Stegerwald von der Besprechung sogleich Mitteilung gemacht. Dieser hat sich damit einverstanden erklärt, daß Leinert seine Mission als beendet ansieht^ind vorläufig keine weiteren Schritte unternimmt.
Dom Völkerbund.
Schwedische Kritik.
Genf. 8.,Septbr. Die Völkerbundsversammlung beriet in ihrer heutigen Vormittagssitzung
den Bericht des Dölkerbundsrates über seine, bisherigen Arbeiten.
Branting- Schweden eröffnete die Debatte mit einer längeren Oppositionsrede, in der er sagte, daß der Völkerbund noch nicht den Wünschen der Weltmeinung Rechnung getragen habe. Er wies darauf hin, daß begreiflicherweise die meisten Vorwürse gegen den Völkerbund dem Rate gelten. Infolge des Zusammenhanges zwischen Völkerbundpakt und dem Friedensvertrag verfolge die öffentliche Meinung und vor allem die kleinen neutralen Staaten mit der größten Empfindlichkeit alle Vorgänge, aus denen man schließen könne, daß der Völkerbund sich nicht nur von dem Gesichtspunkt leiten läßt, die bei seiner Gründung maßgebend waren. Der Völkerbund habe sich mit verschiedenen Fragen überhaupt nicht beschäftigt, aus denen man eine der Erhaltung des Friedens dienliche Lösung erhoffen konnte. In anderen Fällen traf er Entscheidungen, die unvermeidlich den Gedanken nahelegten, daß Erwägungen mitspielten, keinen Einfluß auszuüben. Auch seien die von ihm angewendeten Methoden nicht immer die glücklichsten gewesen. Branting sagte wörtlich: Ich glaube unbestreitbar, daß die Beratungen des Rates oft den Eindruck hervorriefen, daß die Entscheidungen nicht in seinen Sitzungen, sondern wo ander- vorbereitet und sogar wo anders gefällt wurden. Ein solches Verfahren ist selbstverständlich mit dem Geiste und dem Sinne des Paktes unvereinbar. Branting erwähnte im Zusammenbange damit, daß in den Fällen, in denen auf Grund des Art. 4 des Paktes ein nicht im Bölkerbundsrat vertretenes Mitglied bei der Besprechung einer bestimmten Frage einen Vertreter entsendet, dieser Vertreter nicht an den entscheidenden Verhandlungen teilnehmen könnte. Des weiteren führte Branting über
stritten Klage, die der Völkerbund den "Mitgliedern auferlegte. Er sprach auch fein Bedauern darüber aus, daß gewisse Vorschläge zur Verbesserung des Paktes, vor allem dis der nordischen Staaten, nicht die gebührende Aufmerksamkeit gesunden haben. Er warnte davor, daß der Anschein erweckt werde, daß der Rat in irgend einer der Fragen als Organ einer bestimmten Mächtegruppe entscheide.
Brantings Vorwürfe gegen die Tätigkeit des Rates wurden von Sir Robert Cecil energisch zurückgewiesen, der die Unparteilichkeit des Sekretariats rühmte und auf die Geschichte und die bewunderungswürdige Regelung der Danziger Frage hinwies. Er besprach auch die oerschlesische Frage und sagte dabei: Ich will nichts zu der Sache selbst sagen, aber die Hoffnung aussprechen, daß der Völkerbundsrat nicht nur eine vollkommen gerechte Lösung finden werde, was selbstverständlich ist sondern eine Lösung, die aller Welt gerecht er scheint, denn es genügt nicht, daß eine Lösung gerecht ist, sie muh auch als gerecht empfunder werden.
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Der Ausschuß für Abänderung des Völker- bundpaktes beschloß in seiner gestrigen Nachmittagssitzung, keine Abänderung des Art. 10 vorzuschlagen. Wie man sich erinnert, hatte die kanadische Delegation im letzten Jahre die Abänderung dieses Artikels beantragt. Dieser Antrag hatte bei verschiedenen Völkerbund- delegierten Anklang gesunden, weil man von ihm erwartet hatte, daß er den Beitritt Amerikas, das sich vor allem diesem Artikel widersetzt hatte, erleichtern könne. Die Kommission zur Abänderung des Völkerbundpaktes gab nach Beendigung ihrer Sitzung folgende Mitteilung aus: Man erinnert sich, daß die Kommission am letzten Samstag den Vorschlag der kanadischen Regierung besprochen hat, der darauj ausgeht, den Artikel des Paktes zu streichen, wonach die Mitglieder des Völkerbundes sich gegenseitig ihre territoriale Unversehrtheit und ihre gegenseitige politische Unabhängigkeit gewährleisten. Die Kommission hatte besoffen, den Artikel nicht völlig zu streichen, aber eine Abänderung zu suchen entweder in Form eines Abänderungsantrages oder durch eine Entschließung der Versammlung, die diesen Artike! interpretiert. Die Vollsitzung der Kommission beschloß in ihrer heutigen Sitzung endgültig keine Aenderung des Artikels zu beantragen Sie nahm eine Entschließung an, diesen Artike! zu interpretieren. Es wird in dieser Entschließung gesagt, daß der wesentliche Zweck des Artikels nicht darin besteht, die territoriale und politische Organisation, so wie sie heute besteht, zu verewigen. Abänderungen können durch gewisse legitime Mittel angebracht werden. Der Pakt läßt diese Möglichkeit zu. Er bezieht sich nur auf territoriale Veränderungen als Folge von Angriffen,