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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Slaöt- und LarMreis ^
Verlagsleitung: Ad. Indermüble. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Richardtzultsch:für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen AuguftBrodt. alle in Sanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.' Fernsprechanschlülle Nr. 1237 und 1238.
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Erscheint täglich mL Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Nr. 205
Freikag den 2. September
1921
Das Neueste.
— Die bayerischen Koalitionsparteien haben ;ine Kundgebung beschlossen, in der sie u. a. regen die einseitige Anwendung außerordent- -icher Maßnahmen Einspruch erheben.
— In der Nähe von Griesheim wurde eine etwa 60jährige Frau bewußtlos aufgefunden. Sie war von Marokkanern v^aenucktmt worden und wurde im Auto ins Hospital gebracht.
— Wie die Blätter melden, hat der Pro- fessor der Staatswissenschast an der Universität Innsbruck Dr. Wilhelm Gerloff einen Ruf an die Universität Gießen und gleichzeitig an die Frankfurter Universität erhalten.
— Das amerikanische Luftschiff L 5, das größte Luftschiff der Vereinigten Staaten, ist auf dem Flugplatz Rockawary Point durch eine Benzinerplosion zerstört worden.
— Nach einer „Temps"-Meldung bestätigt es sich, daß sich der linke Flügel der türkischen Armee nach Nordosten in Richtung Angora zurückzieht und daß man die demnächstige Besetzung dieser Stadt durch die griechische Armee voraussieht.
KeHe um jeden Press.
Seit der Ermordung des Abgeordneten Erzberger hat von sozialdemokratischer und kommunistischer Seite eine schamlose Hetze gegen den „Hanauer Anzeiger" eingesetzt, die auch vor Verlewndungen nicht zurückscheut. Bereits am Montag schrieb die „Volksstimme", daß wir den Mord an dem Abgeordneten Erzberger geradezu begünstigt hätten, während ein Flugblatt der „Sozialdemokratischen Partei Hanau" aus unserem Samstagartikel eins Reihe herausgegriffener Sätze bringt, dieselben ««"Nicht etwa beendet unoMp vewuM »tè vollkommen unrichtiges Bild 'von unserem Artikel unter der Bevölkerung verbreitet. Der Zweck der Hetze liegt also klar auf der Hand.
Noch deutlicher in dieser Hetze wurde in der gestrigen Stadtverordneten - Sitzung Herr S cb n e l l b a ch e r, der inbegug auf die Mordtat erklärte, der „Hanauer Anzeiger" hätte „in unverschämter Weise diesen Meuchelmord gewissermaßen gutgeheißen".
Wir weisen diese Verleumdung wie alle Angriffe der sozialdemokratischen Presse ganz entschieden zurück, denn es hat uns — und das wird jeder unparteiische Leser bekunden müssen — nichts ferner gelegen, als die an Erzberger begangene Mordtat „gutzuheißen" oder den Mörder zu begünstigen. Im Gegenteil, wir haben u. a. erklärt, daß Kis' unselige Tat mit erschreckender Deutlichkeit zeigte, bis zu welchem Grade die Verwilderung der Sitten bei uns gediehen ist. Weiter haben wir geschrieben: Wir verabscheuen und verurteilen dieses revolutionäre Kampfmittel unter allen Umständen und lassen keine Entschuldigung dafür gelten, wie sie auch lauten mag. Was die Erbitte- rung gegen Erzberger anbelangt, so erklärten wir — und das möchten wir ganz besonders der Sozialdemokratischen Partei Hanau ans herz legen —, der Kampf richtete sich nicht gegen die Person, sondern gegen das System. Personen und Sachen wollen unterschieden sein. Weiter erklärten wir wörtlich: „Das Attentat ist ein Beweis, daß unser Volk der politischen Kinderstube noch lange nicht entwachsen ist, so lange es seine Meinungsver- schiedenheiten dadurch auszufechten sucht,, daß es den Haß aufruft und den Gegner persönlich bekämpft. Diese Art des persönlichen Kampfs führt, wie man sieht, in letzter Linie zu Mord und Totschlag." Das ist unser Standpunkt, der von jedem vernünftig denkenden Menschen gutgeheißen werden muß. Für uns bleibt Verbrechen Verbrechen, ganz gleich, wer es ausführt. Wer mit Gift und Dolch, mit Revolver und Handgranaten seine politische Anschauung vertritt, ist ein fluchwürdiger Verbrecher Auch die größte politische Gegnerschaft rechtfertigt niemals eine Gewalttat; diese n gemein, ruchlos und verdammenswert. Hür Wis gibt es, wie s^on gesagt, keine Entschuldigung für den Mord, denn wo wäre das Aecht, wo wäre auch nur die Veranlassung, die einen Mörder entschuldigte? Nirgends! Es wuß noch etwas Heiliges geben, vor dem in vcheu die Hand des Gegners sinkt.
Spannung zwischen Berlin u.WUnchen ®ae Kundgebung der bayerischen Loalikions- parkeien.
. München, 1. Septbr. Die Fraktionen der buherischen VolkSpartei. der bayerischen Mittel- ^rtei, der deutsch-demokraiischen Partei und des Wriftben Bauernbundes erlassen folgende «ündgebunL«.
Die unterzeichneten Koalitionsvarteion deS bayerischen Landtags haben sich eingehend mit der augenblicklichen politischen Lage befaßt. Sie bedauern gemeinsam aufs Tiefste die Erschütterung der politischen. Moral, die sich von unverantwortlicher Seite in einer verwerflichen Verhetzung gegen die Reichs- und Staatsregierung in gleicher Weise geltend macht. Sie verabscheuen die erbärmliche Mordtat, die an Erzberger verübt wurde und erkennen es als Pflicht der Reichsregierung wie der Länderregierungen an, gegen diese Verhetzung des Volkes und gegen die Bedrohung und Verächtlichmachung des Staates mit allen verfassungsmäßigen Mitteln einzuschreiten. Sie halten es aber für die selbstverständliche Pflicht der politischen Gerechtigkeit wie der Klugheit, daß diese Abwehr gleichermaßen nach allen Seiten erfolgt, von denen die Verhetzung und Gefährdung ausgeht. Die Verordnung der Reichsregicrung vom 29. August 1921 und die Bestrebungen, die auf sofortige Aufhebung des Aus nahmezuft an. des in Bayern hinzielen, greifen so tief in das staatliche Einzelleben' ein, daß sich aller derer, die in der Beseitigung des einzelstaatlichen Charakters der Länder die größte Gefahr für die deutsche Einheit erblicken, die größte Erregung bemächtigt hat. Ohne jeden vorhergehenden Gedankenaustausch hat die Reichsregierung Entscheidungen getroffen, die weit in die innenpolitischen Verhältnisse der Länder eingreifen. Gegen diese Methode legen wir entschieden Verwahrung ein. Die Gefahr eines weiteren unmittelbaren Eingreifens in die innenpolitischen Verhältnisse des freien Staates Bayern steht bevor. Von der bayerischen Staatsregierung die sofortige völlige Aufhebung des Ausnahmezustandes in Bayern erzwingen ■ wollen ist |MMn MM eyen und der Autorität der Staatsregierung schwer vereinbar ist. Die unterzeichneten Fraktionen des bayerischen Landtages, hinter denen die überwältigende Mehrheit des bayerischen Volkes steht und denen die Erhaltung der Einheit des Reiches ebenso am Herzen liegt wie die Wahrung der Rechte des bayerischen Staates, ersuchen die Reichsregierung mit aller Eindringlichkeit und in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortung, von Maßnahmen Abstand zu nehmen, welche die Belange von Reich und Ländern in gleichem Maße aufs schwerste gefährden können. Die Reichss^erung darf zu Bayern das feste Vertrauen haben, daß sie im bayerischen Volk stets einen zuverlässigen Bundesgenossen haben wird, wenn eS sich um den Schutz der verfassungsmäßigen Ordnung und Sicherheit im deutschen Lande handelt. Das bayerische Volk, das nach seiner geschichtlichen Entwicklung und infolge seiner ständigen Zusammensetzung ein ausgesprochenes demokratisches Empfinden besitzt, kann jedoch eine einseitige Anwendung außerordentlicher Maßnahmen in keiner Weise billigen. Die unterzeichneten Fraktionen des bayerischen Landtags geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Reichsregierung im Benehmen mit der bayerischen Staatsregierung doch noch einen Weg finden wird, der geeignet ist, die verfassungsmäßige Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten und der politischen Kampfmethode in Deutschland, welche nicht hart genug verurteilt werden kann, mit Erfolg ert- gegeuzutreten. ohne daß die Länder ins innerste Mark ihrer staatlichen Selbständigkeit getroffen werden, was statt der von der Reichsreqieruno angestrebten Ruhe und Ordnung nur neue Unruhe und Unordnung schaffen würde.
Defprechunaen beim BeichsÄan^er.
W'e die Blätter melden, finden heute vormittag beim Reichskanzler Besprechungen statt an denen her Präsident des Reichstags, die Fötrer der Ko«!oti»n». "arteien, der A^g. Dr. Stresemann und einige andere fübrende Politiker und Parlamentarier triltzebmen werden. Gegenstand dieser Besprechungen bürste ber aetamt? Komplex von trüchtiaen Fraae« ber inneren Politik sein, die auf baldige Entscheidung drängen. — Die Deut'chnati anale VolkSpartei icadsichtigt gegen die Verordnung de» Reichspräsidenten in Form einer Interpellation Stellung $u nehmen.
Der Reichskanzler war»! «vchmals.
Ttuttgart, 1. ®e>tbr. Ter Reichslantler empfing auf der Fahrt von Stuitzari nach Biderach einen Vertreter bet vSrttembergiscken ZentriineSkorrr- 'pondenz unb erklärte auf dessen Frage, welche politischen Folaen bie Ermordnn« Erzberger» p»ra«Ssicht- lich noch «»»lösen werde, u. a.: ,
Menn man die Wükunae« richtig abschähen wolle, müsse man sich bie in den letzten Wochen steigende Erregung de» arbeitenden Volke» wegen ber sinnlosen Angriffe von recht» gegen bie Republik und staatliche Autorität vor Augen la'ten. Nebertriebene Kundgebungen chanoiniftilcher Kreise hätten antzen» und innenpolitisch Unheil ange- richtet. 3m Augenblick. wo wir autica«
politisch da» demokratische SelbstbesiimmungSreckt forderten, kompromittiere man die Politik bei Reiche».
Man müßte geradezu meinen, gewisse Kreise hätten Freude daran, unsere Außenpolitik in eine neue Atmosphäre deS HasscS und Argwohn» zu stürzen. In diese Atmosphäre hinein komme bie Nachricht vom Morde Erzbergers, bie das ganze Nolk in Bewegung brachte. Die ungeheure Erregung des demokratischen arbeitenden Volkes könnte schlimme Wirkungen auSlösen. ES fei zu wenig gesagt, wenn er bemerke, da» Reich sei in Gefahr. ’Rein, der Staat und feine Ordnung selbst könnten durch die Politik von recht», bie den Massendruck von links auSlöse, in Gefahr gebracht werden. Er erinnere daran, daß vorgestern bie MebrheitSsozialisten und Unabhängigen gemeinsam bei ihm vorstellig geworden feien, um auf bie bat Reich und bie demokratische Revublki drohende Gcfabr aufmerksam zu machen. Der Mord an Erzberger führte bie sozialistischen Parteien einander näher. Vielleicht fei die» gewissen Elementen recht willkommen, weil man glaube, damit -die bürgerlichen Elemente nach rechts zu ziehen; bat sei ein gewaltiger Irrtum. Er babe in Frankfurt gesehen, wie bat christlich denkende Volk der Arbeit fick dem Mord gegenüber eingestellt habe. Man solle fick znr reckten Zeit darüber klar fein, wie ber Versuch, bie Republik in Not zu stürzen, von bet gesamten deutschen Arbeiter- welt beantwortet werde. Die ReichSreaierung erfülle in den Maßnahmen des gestrigen Taget nur ihre Pflicht, indem sie größeren Gefahren vsrznbenge« suche.
Eine gewerkfchafMche Mahnung zur Defvnnenhett.
Der Nationalverband Deutscher Gewerkschaften erläßt folgende Kcindgebnng:
„Die seit einigen Monaten ans bat deutsche Volk gelegte Kriegsentschädigung von jährlich mehr alt 60 Milliarden Mark belastet bat deutsch« Wirtschaftsleben f» drückend, daß sie für bié breiten Waffen unseres Volkes täglich härter fühlbar wird. Selbst eine noch so straffe Heranziehung des B-sitze» gur Aufbringung dieser Lasten kann biefe für die breiten Massen nur NM MD iMMM als neue direkt« und indirekte Steuer doch nur wieder auf die Warenpreis« abgewâlzt, wa» in einer rrin- foiialiftifdjen Wirtschaft auch ber Fall fein würde. Da eine Teuerung außerhalb Deutschlands liegende Ursachen hat, ist «4 töricht, ja ein Verbrech««, der Ar- beitaebmerfchaft Deutschland» etnjureben, daß durch neue Streiks und Unruhen aber gar durch einen neuen Umsturz die Teuerung abgemenbet werden könne. DaS über die brutsche Arbeitnehmerschaft durch bie Versklavung Deutschlands kommende Elend wird durch Streiks und Unruhen nnr noch viel größer.
Deshalb ruft bet National»«rb«nd Deutscher Gewerkschaften auf, allerorts entschieden für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im WirtschaftS- unb Staatlichen einzutreten und sich allen Unruhe- uxb Ulnsturzabsichten nach Kräften zu widersetze«.*
Zur Ermordung Erzberger».
Sine nette Sperr.
Blâttermeldungen aus Stuttgart zufolge ist in Tübingen ein Student verhaftet worden, der zur Zeit der Ermordung Erzberger» in der Nähe von Griesbach gewesen fein soll. Dem Verhafteten wurden zwei Schubwaffen abgenommen.
«»dolf-e«, L Sept. Der Reichrkanzler besuchte heute in Radolfzell am Bodensee den Abgeordneten Diez, der bei dem Attentat auf Erzberger einen Schuß durch den Oberarm und durch die Lunge erhalten hat. Da» Befinden der Diez ist den Umständen nach be- frubigenb. Er ist außer Lebensgefahr.
Parlettag der Deutschna!io«a!en Dolkspartei
T. U. München, 1 Geptbr.
Im großen S«vle des Löwenbräutellers trat heute der dritte Ateich-parterbLa her Deutschnationalen Dolkspartei unter zahlreicher Beteiligung zusammen. Mehr als 1200 Stimmführer der Partei und mehr als 1300 Gäste auS allen Teilen des Reiches hatten sich eingefunden. Besonderes Aufsehen erregte das Erscheinen des früheren Straßburger Professors Dr. Martin Spahn, des Sohnes des ZentrumSvorsihenden Peter S^ahn. Dr. Martin Spah« hat feinen Anschluß an die DeutschnationÄe Volkspartei vollzogen. Dem Parteitag lag ein Geschästsbe- richt der Hauptgeschäftsstelle vor, in bem darauf hingewies«« wird, daß die Partei auS allen Kreisen deS LokkeS, ««h zum Teil b®n weit links, Zuzug erhalten hab«. Das sei ein Beweis für die allmähliche Selbstbesinnung und für di« Rüâhr zum deutschen Nationalbewußtsein, zum christlichen Glauben und ein Bekenntnis zu jenem wahren Sozialismus, den die Deutsch natinoale Volkspartei vertrete. Der Darteivorfltzende, StaatSminister H « r g h t eröffnete den Parteitag und wie» ettf bie heutige gespannte Sage hin. Wenn wir jemals Grund gehabt haben, uns zu gemeinsamer Front zusammenztrfinden. dann ist es jetzt. Eine Mörderpartei hat man uns genannt (Stürmische Pfuirufe). Wie beim Kapp- Putsch sucht m>an aus einem Vorfall, für den kein Deutschnaiionaler verantwortlich gemacht werden kann, Kapital zu sâaen für den febam®
losesten Parteiegoismus. Unser Parteitag hat jetzt glücklicherweise die Gelegenheit, das Lug- und Truggewebe zu zerreißen. Der Redner Bittel affe Teilnehmer, jedes Wort und jede Handlrmo zu prüfen, um nicht dem Manöver der Gegner Vorschub zu leisten. Die gleiche Mahnung richtete er an die Freunde im Lande. Wir müssen den Beweis bringen, daß wir nie etwas anderes gewesen sind und sein werden, als eine Partei des Rechts, der Autoritctt und der Ordnung. Wir dürfen unsere reine Weste nicht beflecken. (Lebh. Beifall.) — Ms dann wurden verschiedene Willkommens- und Treugrüße ausgetaus<EA«bev den ersten Hauptp'-nfl „Die deutschnationale Politik im Reich und in Preußen" berichtete dann StaatSminister Herghi. Er führte u. a. auS: Nach der Lüge des Versailler Vertrages sind wir nur immer tiefer in Lüge und Selbsttäuschung verstrickt worden. Vor unserer ReichSregierung tönt nur das Sirenenlied von der Engelsgeduld, die uns nur helfen könne. Schon gewöhnt sich bad Volk an die ^echtfchaft^ Unsere Losung heißt: Heraus aus diesem Wahn! Wenn wir für die Revision des Friedensvertrag«« eintreten, so sichren wir damit eine Weltmission au». Auch die anderen Staaten Mittelemopas fühlen die Hemmung unseres wirtschaftlichen BlutumlaufeS. Unter der Ueberantwortung des oberfchlestfchen KoAenreviers an da« unfähige Polen leidet die ganze Nachbarschaft. Ein sehr passiver Widerstand Deutschlands würde doch zum Ziele führen. Das Ansehen Deutschlands würde wieder hergestellt werden. Vor der einmütigen Einheitsfront d«S deutschen Volkes in der Abwehr wäre das Ultimatum weggefegt worden. Dir Schuldfvage ist für uns noch nicht erledigt. Wir müssen aus der Defensiv s wieder zur Offensive übergehen, um end- WM^tete
Verurteilung der „Kriegsverbrecher" gewesen. Bedauerlich ist es, daß es zu dieser Quälerei ir Leipzig erst hat kommen müssen. Wir forherr Veröffentlichung der Gegenliste. Eine gewiss« Wendung zum Besseren ist für Oberschlesten Nur# die Schwenkung der englischen Politik eingetreten. Das ist aber nicht der UltimatumSvolitik unserer Regierung zu verdanken. Das friedlich gewonnen« Oberschlesten soll uns nicht genommen werden. Darauf beruht di« Gefahr des künftigen Krieges. Davor sollen sich die Gegner hüten. Mc militärischen Sanktionen sollen für Frankreich das äußere Zeichen dafür sein, daß Frankreich Hand auf Deutschland legt. Da gibt es kein Verhandeln, wenn hier die Regierung den kleinsten Finger reicht, so wird si« scheitern an dem Willen deS deutschen Volkes. Dasselbe gilt von den Wiederaufbauverhandlungen RathenauS. Wohin kommen wir mit der Nachgiebigkeit der Regierung. Durch die Annahme deS Ultimatums haben wir unsere Ghre verloren (Zustirnmung). Wir haben die Lüge eingetauscht, obwohl wir die Erneuerung des deutschen Volkes wollten. Die Erfüllungsphantasten werden uns zum wirtschaftlichen Ruin führen. Durch das Erfüllungsproblein wird dem Mittelstand der Todesstoß gegeben. Nur ein Wiedererwachen unseres nationalen Seins kann uns helfen. Wir zwingen niemandem unsere Meinung auf. Es kann nur alles aus dem Volke selbst herauskommen. Wir stehen auf dem Boden der Verfassung nicht bloß in Bezug auf einen Paragraphen, sondern in Bezug auf affe Artikel. Dazu gehören auch die Artikel, daß diese Verfassung geändert werden kann (Stürmischer Beifall). Darauf weisen wir jetzt, wo man gegen uns den allgemeinen Kampf entfesseln will, besonders hin. Für uns gibt es auch keinen Versuch der Erfüllung des Ultimatums Der gute Wille zu einer neuen Einigung auf anderer Grundlage ist auch bei uns vorhanden. Die freiwillige Leistung tst segensreicher als die Sklavenarbeit. Ein« Verurt«ilung des Verbrechens an Erzberger haben wir bereits ausgesprochen. Für eine Wahnsinnstat sind wir nicht verantwortlich. Damit sind die Akten über den Fall Erzberger für uns abgeschlossen. Nicht aber darüber, wer an der Verwilderung schuld ist. Wir werden der Sozialdemokratie die Maske vom Gesicht reißen. Wir protestieren gegen den Ausnahmezustand gegen di« Deutschnationalen. (BeisÄl.) Die Regierung erörtert damit Gewalttaten und peitscht die Leidenschaften auf. Wir werden uns diese Mißhandlung unter feinen Umständen gefallen lassen. (Lebh. Beifckl.) Mr rufen das ganze Volk zum Richter und $i Helfern auf. Nach diesem Kampfe trift wieder der Kampf für da» ganz, Volk für Recht und Wahrheit.