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General-Anzeiger

AmMches Organ für Eleöt- und Landkreis Sana«

Erscheint täglich mil Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleituns: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für volitilchen und allgemeinen Teil RicdardHults<b;für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernsprechanschlülle Nr. 1237 und 1238.

Nr. 204

Donnerslag den 1. September

1921

BMBS

Das Neueste.

Die gestern allerorts im deutschen Reich abge- Mentn Demonstrationen gegen den politischen Mord Md ohne Zwischensâlle verlaufen.

Die Beisetzung Erzbergers ist gestern nachmittag in Biberach erfolgt.

Die Ermittelungen der Polizei bezüglich der Ermordung Erzbergers haben bisher zu keinem Er­gebnis geführt. b. Hirschfeld wird weiter in Haft behalten. .

Die bayrische Regierung beschloß gegen die neuen NeichSversügungen nachdrücklichst Protest zu erheben.

Der Reichspräsident hob mit Wirkung vom 1. September den noch verbliebenen Teil bei Aus­nahmezustandes in Ostpreußen auf.

Die vom Bund der Aufrechten in Breslau für »n 1. September augciagte Tanueubergfeier wurde »»m Polizeipräsidenten verboten.

Eencralfeldmarschall v. Bülow ist gcs: ru qe- storben.

Demonskralionslag.

Am gestrigen Tag fanden in allen Orten des Deutschen Reiches von den beiden sozia­listischen Parteien und den Kommunisten ver­anstaltete Demonstrationen gegendie Ver­höhnung der Republik", gegen den politischen Mord,gegen die Reaktion, gegen die kapita­listische Ausbeutung und Vo ksausplünderung" statt, die nach den uns vorliegenden Meldun­gen überall ruhig verlaufen ind. An mehreren Orten hatten sich die beiden ozialrstischen Par­teien mit den Kommunisten vereinigt, während an anderen Orten die Kommunisten für sich ge­sondert demonstrierten.

Ueber die Kundgebungen liegen uns fol- gende Meldungen vor:

Berlin, 31. Aug. Eine Kundgebung, wie durfte, fand nachmittags auf dem Schloßplatz,

am-Lustgarten und vor. dem Nationaldenkmal sowie in den angrenzenden Straßen statt. Der Gewerkschaftsbund, der Gewerkschaftsring, die S. P. D., die U. S. P. D., die K. P. D. hatten ihre Mitglieder und Anhänger dorthin berufen, um ein machtvolles Bekenntnis zur republika­nischen Verfassung abzulegen und gleichzeitig eine Kundgebung gegen den politischen Mord zu veranstalten. Der Zustrom der Massen, die mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen, Bannern und Schildern mit den bekannten Aufschriften und unter den Klängen mehrerer Musikkapellen anrückten, war gewaltig und dauerte etwa zwei Stunden. Man schätzte die Beteiligung auf zirka eine halbe Million. Die zahlreichen Reden wurden mit stürmischen Hoch- und Niederrufen ausgenommen. Der Bahnverkehr wurde vom Schloßplatz abgelenkt, konnte aber auch über den Molken- u. Spittel­markt nicht aufrecht erhalten werden, weil auch hier ununterbrochen große Züge von Demon­stranten die Breite der Straße füllten, die teils hin-, teils auch schon wieder zurückfluteten Erst in der siebenten Abendstunde zeigten die Stra­ßen wieder ihr alltägliches (Besicht. Soweit bisher bekannt geworden, kamen Ruhestörun­gen irgendwelcher Art nicht vor.

Frankfurt a. HL, 31. Aug. Auf Aufruf der brei sozialistischen Parteien fand auch hier eine große Massenkundgebung auf dem Opernplatze statt, wo die Redner der verschiedenen Par­teien sprachen. Die Beteiligung war eine ganz gewaltige, wozu auch das schöne Wetter beige­tragen haben mag. Nach Beendigung der De­monstrationsversammlungen bildeten sich ver­schiedene Züge, die unter Vorantragung von roten Fahnen und Schildern mit den bekannten Aufschriften durch die Stadt zogen. Zu Zwi­schenfällen ist es nicht gekommen.

Mannheim, 31. Aug. An der heutigen Massenkundgebung, die von der S. P. D. und der U. S. P. D. einberufen worden war, nah­men rund 35 000 Personen teil. Es sprachen gleichzeitig zwei Redner. Zum Schluß wurde ui einer Entschließung verlangt: Sicherung der Republik und der Volksrechte, Aufhebung des Belagerungszustandes in Bayern, energisches Borgehen gegen die Aufhetzer in der Presse der Rechtsparteien, Verhinderung militaristisch- nationalistischer Kundgebungen, Demokrati­sierung der Verwaltung und der Justiz. Ferner geloben sie den Abwehrkampf mit allen zu Ge­bote stehenden Mitteln zur Sicherung der Re­publik und der Reichsverfassung gegen die Wiederkehr der Militärherrschaft zu führen. Ausschreitungen sind nicht vorgekommen.

Karlsruhe. 31. Aug. Annähernd 30 000 Personen nahmen auf dem Marktplatze mit Leifall die Ausführungen des sozialdemokrati­schen Abgeordneten Schöpslin und des unabhängigen Staatsministers J u n k auf, die von der nationalistischen Gefahr, die Deutsch­land drohe, sprachen und die bte Reichs- und

Staatsregierungen sowie den Reichs- und Landtag ai'fforderten, fetzt energischer zuzu­greifen, andernfalls die Arbeiterschaft zur Selbsthilfe greifen werde. Nach Schluß der Versammlung werde sich eine Deputation in das Ministerium des Jnnnern begeben, um ein Verbot der Regimentsseiern zu fordern. Die Reden klangen aus in ein Hoch auf die Soli­darität der Arbeiterschaft und die Deutsche Republik. Sodann formierte sich ein gewaltiger Demonstrationszug, der sich nach seiner Rück­kehr auf den Marktplatz in voller Ruhe auf­löste. Zwischenfälle ereigneten sich nicht.

Die Beisetzung Erzbergers.

In Biberach fand gestern mittag die Bei­setzung der sterblichen Ueberreste des ermorde­ten Abgeordneten Erzberger statt. Der Zug setzte sich von der Stadtpfarrkirche um 1 Uhr in Bewegung. Voraus gingen zahlreiche Ver­eine mit Musikkapellen und Fahnen. Hinter dem Wagen folgte die Geistlichkeit mit dem Weihbischof D. Sproll. Frau Erzberger mit den beiden Brüdern des Verstorbenen und den sonstigen Angehörigen, der Reichskanzler mit den Mitgliedern der Reichsregierung, der Reichstagspräsident, die Vertreter der würt- tembergischen und der bayerischen Regierung, die Abgeordneten, weitere Vereine und ein nach Taufenden zählendes Gefolge. Um 1 Uhr 30 Minuten wurde der Sarg in die Gruft ge­senkt. Nach einem Gesänge des Kirchenchores hielt Stadtpfarrer Schweikert die Trauer­rede, in der er den Verewigten als den Mann würdigte, der dem Gebot der christlichen Liebe in dreierlei Beziehungen nachkam. In der Liebe zu Gott, in der Liebe zum Volke und in der Liebe zur Familie. Nach Gebeten und nach einem weiteren Chorgesang führte Reichs- f_a n z I e r^D r. Wirth u. a. aus:

Feindes das Volk auch noch des Letzten be­raubt wurde, was es besaß. Was haben wir noch? Nichts, als die Einheit. Unsere Waffen haben wir verloren. Aber um die Einheit zu retten, da riet Erzberger, den Frieden zu unterzeichnen. Nach dem Sturze der Dynastien war die alte Macht dahin, die einst 1871 be­gründet wurde. Wir wollen sie nicht verun­glimpfen! Das war die glückliche Zeit unserer Jugend. Wir brauchen nicht zu bangen um die Einheit des Volkes, denn diese war ja wohl begründet auf die Macht der Fürsten. Was aber war nach der Niederlage noch da? Früher haben die Dynastien die Länder zusammenge­halten. Sie sind dahin. Es mußte ein neues Band geschaffen werden. Dieses große Werk kommt zum Ausdruck in den Eingangsworten unserer Verfassung:Das deutsche Volk, geeint in seinen Stämmen und dem Willen, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern, hat sich diese Verfassung gegeben." Das ist der neue demokratische Staatsgedanke. An seiner Wiege stand unser Freund Erzberger. Es war die Zeit, als die rote Flut von Osten her uns zu überschwemmen drohte. Das find seine Taten, das ist die gigantische Größe seiner Lei­stungen. Wir müssen Abstand gewinnen, um recht zu erkennen, was Erzberger begonnen hat. Heute sehen wir bereits, daß wir zusam­mengebrochen wären unter der Last unserer finanziellen Verpflichtungen, wenn nicht rechtzeitig eine Grundlage und einen Organis­mus als Träger dieser Verpflichtungen ge­schaffen worden wäre. Manche schleichen durch die deutschen Lande. Manche Schieber und Wucherer, die den Toten schmähen und sein Werk verneinen. Und doch hat es Früchte getragen! In dem ersten Vierteljahr dieses Rechnungsjahres können wir nicht weniger als 17 Milliarden an Steuern und Gefällen auf- linier Freund Erzberger stand fast

rung widmen dem großen fchwadffchen DSlks- mann, dem hervorragenden Parlamentarier und Staatsmann, dem Reichsfinanzminister den verdienten Kranz der Ehre und die Ver­sicherung des trauernden Andenkens. Dor wenigen Tagen weilte ich in Frankfurt a. Main anläßlich der Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands. Niemand, der es nicht mit­erlebt hat, kann sich eine Vorstellung machen von der unerhörten Bewegung, die die Kunde von der Ermordung Erzbergers, ja auch nur die Nennung seines Namens durch die Redner unter den versammelten Tausenden auslösten. Aber nicht nur auf den Katholiken, nein, auf das ganze deutsche Volk hat die Kunde eine ähnliche Bewegung ausgelöst, insbesondere bei dem einfachen Volke, bei dem arbeitenden Volke in der Welt derer, die die Arbeit leisten, bei den Hand- und Kopfarbeitern. Unser toter Freund hat in den vergangenen Jahren den Zusammenbruch durch den Kriegs lange vor­ausgesehen. Aber seine WarnuWen blieben ungehört. Er wurde verlacht, verhöhnt. Sie erinnern sich an die schwere Stunde, wo eine Delegation zum Abschluß des Waffenstillstan­des in den Wald von Compiegne entsandt wurde. Erzberger war der Führer. Er hat sich zu dieser Arbeit nicht gedrängt. Er hatte einen anderen vorgeschlagen. Die, die die Ver­antwortung zu tragen gehabt hätten, sind nicht gegangen. Der Ruf des Reichskanzlers, Prinz Max von Baden, erging an Erzberger. Er traf ihn in schwerer Stunde als ein Mann, der in christlichem Patriotismus sich seiner schweren Pflicht nicht entzieht. Im Walde von Com­piegne, da sah er den ganzen, unermeßlichen Umfang des hereingebrochenen Unheils. Er hatte dem Stolz des Siegers des Marschalls Foch, unmittelbar zu begegnen. Seine Haltung war ritterlich und deutsch, nicht wie man ge­meint hat, hündisch und feig. Auch ihm hat in jener Stunde das Herz geblutet. Er hat dem Befehl, der an ihn erging, Folge geleistet wie ein einfacher Soldat, den ausdrücklichen Be­fehl, die Waffenstillstandsbedingungen anzu­nehmen, was auch kommen mag. Nur wer dies miterlebt bat kann ermessen, was es heißt, wenn ein Volk zusammenzuckt in dem Schmerz, den ihm ein solcher Todesstoß bereitet. Das war der erste schwere Gang unseres Freundes und ich sage nicht zu viel, wenn ich es aus- spreche, daß schon dieser Gang vielleicht sein Todesgang war. Aber das ist nicht die einzige Stunde, in der Erzberger seinen Mann stellte. Die zweite Stunde kam in Weimar, als der Friede zu unterzeichnen war, als die Folge­rung zu ziehen war aus Krieg und Niederlage Da waren viele, die sich Patrioten nannten und die doch froh mann, daß Zentrum und Sozial­demokratie den Gang nach Versailles auf sich nahm. Da war er der Staatsmann, der sich die Frage vorlegte, ob nun wirklich die Stunde gekommen lei, wo durch den Einmarsch des

nicht glaubten. Er hat damals den finanziellen Zusammenbruch verhindert. Dieser Zusammen­bruch wird nur dann vermieden werden, wenn wir selbst alle einmütig Hand anlegen. Ihm ist es gelungen, was selbst einem Bismarck nicht gelang: eine einheitliche Post und. Eisen­bahn Deutschlands zu schaffen. Erzberger ist seiner Zeit immer um einige Jahre voraus­geeilt. Er hat manches gesehen, was andere zu spät sahen oder gar nicht sahen. In jenem stillen Tal von Griesbach, wo er gefallen ist, beschäftigte ihn auf den Spaziergängen mit den Freunden alle die großen Gedanken unserer wirtschaftlichen Organisation, zuletzt noch die Wohnungsfrage. Alle großen Probleme hat er erfaßt, wie ein Staatsmann alle seine Pro­jekte nach sachlichen Gesichtspunkten verwirk­lichen sollte, auch dann, wenn sie das Volk zu­nächst selbst nicht will. Das war die Auf­fassung des christlichen Staatsmannes: Klar geschauten Problemen auch dann zur Lösung zu verhelfen durch die Kraft seiner Persönlich­keit und durch die Macht seiner Ueberzeugung. So beugen mir uns in Dankbarkeit vor den un­geheuren Opfern, die er gebracht hat, in treuer Pflichterfüllung gegen Gott, gegen das Land, nicht zuletzt aber auch vor den schweren Opfern, die seine Familie mittragen mußte.

Treuer Freund! Dein Name wird in Ehren genannt werden. Der erste Prozeß ist zu Ende, über den zweiten, über den Steuer­prozeß, kann ich nicht sprechen. Aber ein Ken­ner dieser Angelegenheit, mit dem ich ge­sprochen habe, hat mir erklärt: Erzberger hat nicht nur die Wahrheit sagen wollen, er hat sie auch gesagt. Wir wollen über den Toten den Schild halten, aber nicht nur in stummem Schmerz, sondern wir wollen handeln, denn das Vaterland ist in Gefahr. Ich meine nicht die Republik die ist gewiß auch in Gefahr, ich meine nicht den demokratischen Staat. Nein, aus diesem Grunde heraus kann der ganze Staat in Gefahr kommen. Täuschen wir uns nicht. Das neue Deutschland kann nur be­gehen auf sozialistischer-christlicher Grundlage und unser Staat wird ein Volksstaat, wie ihn unser Freund erstrebte, oder er wird in ein elendes Chaos oder in deutsche Kleinstaaterei zerfallen.

Als Kanzler des Deutschen Reiches habe ich diese Abschiedsworte dem Toten ins Grab nach­gerufen. Es fällt uns bitter schwer von ihm zu scheiden, die mir in den letzten Jahren schwere und große Arbeit mit ihm zusammen leisten durften. Dankbar erinnern mir uns der Zeit, wo er noch aktiv an den Arbeiten teilgenom­men hat. Unwahr ist, daß er das Heft wieder in die Hand nehmen, die Führung des Zen­trums nach Trimborns Tod wieder überneh­men wollte. So viel Worte, so viel Lügen. Nichts als Auspeitschung der Leidenschaften, die in dem Morde von Griesbach ihre Erfüllung

fanden. Wir können an diesem furchtbaren Ereignis nur mit tiefer Wehmut lernen, zu welch unheilvollen Taten politische Leidenschaft führt. Aber gerade dieser traurige Gedanke führt uns als Christen und Deutsche zu der klaren Erkenntnis, daß es sich jetzt nicht etwa darum handeln kann, Gedanken der Rache und der Leidenschaften fortzuspinnen. Wir wollen den Toten nicht rächen. Wir beten für alle, auch für die, die ihn ermordet haben. In Liebe wollen wir unsere Politik treiben, nicht in Leidenschaft. Das Vaterland ist in Not, und da rufe ich hinaus in alle Gaue unserer Hei­mat: Deutsches Volk, wache auf! Schüttele die ab, die aufs Neue dich in schwer« Bedrängnis bringen wollen! Folge dem Ster« des neuen Staatsgedankens» der dichden Weg zur neuen Freiheit finden läßt! Wir ehren den Toten, wenn wir fein Werk ehren, das, so Gott will, als gesichert erachtet werden kann. Wir wollen uns um den Toten zusammen­scharen und an seinem Grabe geloben, getreu dem christlichen Gedanken zu wirken in Opfer- bereitschaft für das Deutsche Volk, für die Ein­heit des Reiches, für feine wirtschaftlichen und politischen Zwecke, bis uns der Tod von der Erfüllung unserer Pflicht abruft. Wir sind Kämpfer, aber mir wollen unblutig kämpfen. Ueber unserer Politik da muß auch das Zeichen der Erlösung schweben."

Nach dem Reichskanzler legte Reichs­tagspräsident Löbe einen Kranz auf den Sarg nieder und erklärte:

Die Flut von Angriffen mache nicht irre in der Anerkennung für die rastlose Arbeit Erz­bergers zur Rettung des schwer zusammenge- brochenen Volkes. Die Geschichte werde ihm geben, was viele seiner Zeitgenossen ihm nicht gegeben haben.

Für die gesamte deutsche Zentrumsparte, sprach Reichstagsabgeordneter Becker-Arns­berg. Erzberger war öer umrige, wenn einzelne an ihm zu zweifeln begannen, wenn auch verschiedene nicht ganz mit ihm einver­standen waren im Laufe der letzten Jahre fein« politischen Wirksamkeit. Aber auch jene ande­ren haben es oft anerkannt, daß an der Lauter­keit seines Charakters nicht zu zweifeln war.

Weiter sprachen noch OberregierunZsrat Dayerle im Namen der württembergischen Zentrumspartei, württembergischer Justizmim- ster B o l z für die Zentrumsfraktion des Würt­temberg. Landtags, Stadtschultheiß Doll- Biberach, Monsignore Vogt-Biberach, Dr. Schober- Freiburg, Ministerialrat Dr. Beursch vom Reichssinanzministerium und andere, darunter auch namens der U. S. P. D Reichstagsabgeordneter Geck- Offenburg. Eir Posaunenchor und der übliche Fahnengruß be­endeten die Feier an dem von zahllosen Krän­zen überdeckten Grabe Erzbergers.

Eine Gühuckapelle fâr Erzbers««.

Biber«», 31. Au,. Tie Württembergische mt- bie Badische Zintrumsiraktion erlassen folgende« Muf: ruf jur Errichtung einer bâdnekapelle für Erzberger

Besinnung», enosse»!

»Der Väter fromme bitte folgend, hat das Zentrum von Württemberg und Bade« beschlossen, an der Stellt, wo unser Errbcraer sein Blut für unsere Ideale ver­gossen hat. eine schlichte kütznekapclle m erbeutn und bei der Tanne, unter deren Siesten er sein Leben «ul« bäumte, rin Marterl zu errichten. Alljährlich «m2«. August soll ein Suhneopfer dort gestiert werde«. Das Grabdenkmal in Biberach soll unsere Stiftung sein. Wir bitten nnsere Freunde und Freundinnen, den Baustein zu Risten.*

Die Mörder Erzbergers in der Schweiz?

(Letzte Meldung.)

Karlsruhe, 1. Scptbr. Auf der Redaktion bei Badischen fresse* ist heute morgen folgende Karte eingetroffen:

Goffensaß den 28. August. Wert« Redaktion^ In dem Bestreben, den Behörden keine unnötigen Schwierigkeiten zu bereiten, teilen wir Ihnen mit, daß wir den Brenner hinter uns haben. Man mag in Oppenau und Griesbach beruhigt sein und den aufgebotenen Appar^ nach Hause schicken. Wir geben Ihnen anheim, von dieser Mitteilung nach Gutdünken Gebrauch zu machen. Cunctator.

Diese Karte ist der Staatsanwaltschaft sofort übergeben worden und man hat die nötigen Schritte in di« Wege geleitet, um festzuftellen, ob es sich bei dieser Karte um eine Mystifikation, einen Versuch zur Irreführung der Behörde han­delt, aber ob eS tatsächlich dir Mörder Erzber- derS sind. (Die Nachricht ist jedenfâ mit Bov- sicht aufzunehmen.^