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General-Anzeiger
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AmMches Organ für SlM- und Landkreis Saturn Reklamen August ^Brodt, allein Sanau^a^ Maim z Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanau.
Erscheint kägüch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
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Nr. 201
Montag den 29. August
1921
Das Neueste.
— Die Mörder des Abgeordneten Erzberger find noch unbekannt. In Peterstal bei Griesbach wurde gestern abend ein wichtiger Zeuge ermittelt.
— Die deutsche Regierung drückt in einer Note an den Obersten Rat ihr Bedauern aus, daß eine restlose Aufhebung der Sanktionen nicht erfolgt ist.
— Nach Mitteilungen des Pariser „Temps" soll ein Abkomme» zwischen Loucheur und Rathenau zustande gekommen sein.
— Anläßlich der gestern stattgefundenen Tannenberg-Feiern ist es in Potsdam und Oranienburg zu Zusammenstößen gekommen.
— Nach einer „Matin"-Meldung reist Marschall Foch am 22. Oktober nach Amerika.
— Das portugiesische Ministerium ist zurückgetreten.
Das Echo der Ermordung Erzbergers.
Er war zu erwarten, daß der an dem Abgeordneten Erzberger begangene Mord von verschiedenen Federn in gewissenlosester Weise liurgeschlachtet werden würde, um Kapital au» dieser Schreiberei für bestimmte Paiteizwecke daraus zu schlagen. Kaum daß die Tat be- kanntqeworden, wurde sie von der linken Seite auf alle nur erdenkliche Weise ausgenützt, und diese Ausnützung dauert heute noch fort. Was man in sozialdemokratischen und kommunistischen Blättern liest, mutet einem an, wie das Präludium zu einem Bürgerkrieg. Die „Freiheit" sagt schlicht „Helfferich ist der Mörder" und deutet an, daß die „deutschnatianalen Mordbuben" in der deutschnatianalen Parteileitung fitzen. Aber nicht nur der einen Partei wird dar an Erzberger begangene Verbrechen, dar wir in unse- .entschiedenste verworfen und verdammt haben, »tel entschiedener
wie er sozialdemokratische Blätter tun, an die Rockschöße gehängt, sondern den Rechtsparteien überhaupt. Am tollsten gebährden sich der „Vorwärts" und die „sozialdemokratische Sozialistische Korrespondenz", deren Leitartikel die kommunistische „Rote Fahne" mit fetten Lettern an der Spitze des Blattes als eine Art Aufruf bringt. Der Korrespondenzartikel, der gegen den Mord zum Bürgerkrieg beginnt mit folgendem Alarmruf:
„Eine neue Revolution ist in Sicht. Bitte, keine Täuschung! Das Maß ist voll. Nun weiß jeder deutsche Arbeiter ganz deutlich, ganz klar, ganz fürchterlich klar, daß die Henkersknechte der Banditen des Weltkrieges, der größten Schurken der deutschen Geschichte, systematisch, planmäßig die Führer der Linksparteien, die Führer, die ein neues Deutschland schaffen wollten, ermorden. Mit Liebknecht fing es an. Heute stehen wir vor der Leiche Erzbergers. Wer wird das nächste Opfer fein? Keine Täuschung! Die Folgen der Ermordung Erzbergers werden katastrophal fein für Deutschland."
Dann folgen Sage wie dieser:
„Das ist der Dank für die Mäßigung der viehisch und schamlos gequälten Proletarier, die im November 1918, als die K a n a i l l e der Rechtsparteien sich verkroch, die Schuldigen nicht an die Mauer ftelltë, wie sie es verdienten."
Am Schluß wiederholt der Artikel« daß wir auf dem Wege zu einer schweren blutigen Auseinandersetzung sind und appelliert an den Reichskanzler Dr. Wirth mit folgenden Worten:
„Herr Reichskanzler, Sie hatten die Fahne Trzbergers ergriffen, weil Sie wußten, daß aur eine wahrhaft christliche Politik uns über das Schwerste der Klassenkämpfe hinwegbringen kann. Herr Reichskanzler, der Tod 2hres politischen Freundes treibt die Arbeiterschaft nach links. Große Entschlüsse sind nötig, wenn im Frühjahr Deutschland nicht in einem Vlutsumpf versinken soll. Erzberger ist tot, der Geist Erzbergers muß leben, wenn eine neue Revolution vermieden werden soll."
Diese Schreiberei bedeutet ein Verbrechen an der Gesamtheit- am staatlichen Frieden, am Beben und der Sicherheit des deutschen Volkes und wir können dem Präsidenten des Reichsbürgerrates Staatsminister a. D. v. Loebell bur zustimmen, wenn er in einem an den Staatskommissar zur Ueberwachung der öffent- iichen Ordnung gerichteten Schreiben ausführt:
„Die Sozialistische Korrespondenz vom 2<. b.
»ringt einen Artikel über die Ermordung der Reichs- tegiabgeorbneien Erzberger, dessen Kenntnis vorausgesetzt werden darf. Es wird darin bei der unseres Trachtens vollständig verfrühten Srörhrung der Schuldsrag« ein Gegensatz zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft konstruiert und behauptet, bas der Mord an dem Abgeordneten Erzberger die Arbeitcrichau nach ünks treibe und daß eine neue Revolution vor der Türe flehe. Schon diese Ausführungen sind, lediglich
unter dem Gesichtspunkt der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, geeignet, die politische Unruhe in Deutschland ganz erheblich zu vermehren. Die Wirkung dieser Aeußerung wird wesentlich dadurch gesteigert, daß an anderer Stelle ausgeführt wird : „Da? ist der Dank der viehisch und schamlos gequälten Proletarier, die im November 1918, als die Kanaille der Rechtsparteien sich verkroch, die Schuldigen nicht an die Wand stellten, wie sie es verdienten."
Unseres Erachtens gibt dieser Satz dem Artikel den Charakter einer Aufforderung zu blutigen Unruhen, die mit Rücksicht auf die augenblickliche politische Stimmung nicht ernst genug genommen werden kann. Wir würden eine gest, recht baldige Antwort dankbar anerkennen, ob und welche Maßnahmen getroffen werden, um die Wiederholung derartiger Aeußerungen in der deutschen Treffe zu verhindern."
Es gibt in Deutschland keine politische Partei — mit Ausnahme eines Teiles der Kommunisten
— die den politischen Mord nicht grundsätzlich verdammt und verabscheut, und es ist kein „Feig- Heitsgewinsel" wie der Vorwärts sagt, sondern die natürliche und selbstverständliche Aeußerung gesunden Empfindens und normalen Denkens, daß feder' politische Mensch sich von der Mordtat an dem unglücklichen Erzberger mit Abscheu abwendet. Die gleiche Abscheu aber muß man auch empfinden gegen jene, die nun nichts anderes zu tun haben, die verdammenswerte Untat parteimäßig auszuschlachten, und daran sind, ein Verbrechen an der Gesamtheit des Vaterlandes zu begehen. Auf diese Weise läßt sich nicht gegen den politischen Mord demonstrieren,, wie es der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei in allen Orten Deutschlands am kommenden Mittwoch vor hat; denn wenn heute zum Bürgerkrieg aufgefordert wird kann morgen nicht gegen den poli- schen Mord demonstriert werden. — Oder aber man muß die Sache einseitig auffasfen-
der Tcutkchnationakcn ?'
hat gegen bie Schriftleitung der „Freiheit" ein Strafverfahren anhängig gemacht wegen der Behauptung, daß in der Leitung der Deutschnationalen BolkSpartei die Anstifter bei Morde? an Erzberger säßen.
Demonstrationen der Linken.
Berlin, 28. Aug. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschland? fordert im „Vorwärts" für Mittwoch den 31. August, nachmittag? 5 Uhr, zu Massendemonstrationen in allen Orten gegen den politischen Mord und für die Revublik auf. Ebenso ruft das Zentralkomitee der unabhängigen sozialdemokratischen Partei Deutschlands in der „Freiheit" zu einer Massena'tion am gleichen Tage gegen da? System des kontrerevalutionären Meuchelmordes und gegen die kapitalistische Ausbeutung und Volksaus- plüudcruug mr.
Die Deuischnatwnelen gegen den Lügens?'özug.
Die Korrespondenz der Dcutschuationalen Volks- vartei verweist in emem Artikel mit aller Entschiedenheit die an Erzberger begangene Mordtat zurück, tu dem sie schreibt:
„Die staatliche Ordnung ist zersetzt, die Achtung vor Recht und Gesetz verschwunden. Das ist die Stimmung, aus der Taten von Fanatikern geboren werden. Einem yZeudiehnorb gegenüber wenden wir uns mit Stauen ab von einer Zeit und einem Geschlecht, das sich auf solche Irrwege verliert. Gerade wer, wie wir, kämpft für den R-chtsgedan-eu, wer Achtung vor Staat und Seiet; erhalten oder wieder neu schaffen will, für den heißt es: Mord ist und bleibt Mord, und nichts ist geeignet, eine solche Untat zu ent» schuldigen. Mögen die Moi oe gewesen sein, welche sie wollen: nur ein Wahnsinniger konnte glauben, mit seiner Tat seinem Volke zu nutzen, und nur ein Wahnsinniger konnte übersehen, welche unseligen Folgen das Verbrechen durch Auspeitschung der Leidenschaften und Volksverbetzung nach sich ziehen mußte."
Alsdann tritt der Artikel den von der Linken gegen die Partei gericht-ie Angriffe entgegen und weist die ungeheuerliche Verdächtigungen mit tiefster Verachtung zurück. Zum Schluß u'mmt die Korrespondenz noch Stellung zu der Schuldfrage und schreibt:
„Jahrzehntelang hat skrupellose, marxistische Hetze versucht, die staatlichen, wirtschastlich-'n-und gesellschast- lichen Grundlagen unseres Volkslebens zu zerrütten. Jahrzehntelang verkündete die Soziald mokratic, daß der politische Mord im BesreinugSkampf einer Volksklasse ein erlaubtes Kampfmittel fein könne. Ihre Schäften und Kalender verherrlichen die Mörder der französischen Revolution; die Sozialdemokratie war es, die einen Adler, den Mörder des ö' erreichi'chen Ministerpräsidenten, in den lagen der Revolution aus dem Gefängnis auf einen Ministersessel führte. Das deutsche Volk bat stets die Waffe at« letztes, heiligstes Schutzmittel im Lebenskampf der VolkSgcsamtheit gegen äußere Feinde angesehen. Sozialdemokratischer Moral blieb es Vorbehalten, die Waffe auch als Kampfmittel gegeü den inneren Gegner für möglich zu erklären. Wenn heute der kommunistische Parteitag zum Mcnchcl- mord offen auffordcrt, so ist da? die Frucht, die auf dem Acker der Sozialdemokratie gewachsen ist, wie in allem der Kommunismus die grauenvolle letzte Kouse- quenz marxistischer Weltanschauung darstellt. So stellt sich in Wahrheit die Schuldsrage bar für den, der unvoreingenommen sie prüft und nicht md der furchtbaren Mordtat seine parteipolitischen Geschäfte betreiben wilb.
Eine Kundgebung des Zentrums gegen den Kampf mit vergifteten Waffen.
Frankfurt a. M., 28. Aug. Im Anschluß an den Katholikentag fand heute nachmittag eine Sondersitzung der in Frankfurt anwesenden Vor- stände der deutschen Zentrumspartei und der Reichstagsfraktion statt, in welcher folgender Aufruf beschlossen wurde:
Mitglieder der Zentrumspartei! Der Abgeordnete Erzberger ist einem ruchlosen Meuchelmord zum Opfer gefallen. Tieferschüttert steht die Zentrumspartei an seiner Bahre. War doch sein ganze» Leben, seine Jugendkraft, wie sein Manneralier, dem Dienste der Partei gewidmet. Wenige haben so rastlos' und hin- grbend gearbeitet im öffentlichen Leben wie er.
Erzberger stand im Vordergründe des politischen Kampfes. Und wie ist dieser Kampf gegen ihn geführt worden?! Richt mit ehrlichen Waffen — mit leidschaftlichem Haß, auch mit Lug und Verleumdung wurde die öffentliche Meinung vergiftet und dar Ergebnis war der gemeine Mord!
Und die Folgen für unser gesamter Volk? Verwüstung der politischen Sitten, Verfall jeder Ordnung und aufreibender Bürgerkrieg.
Wir verurteilten jegliche Gewalt im Kampf der politischen Meinungen, komme sie von rechts oder links. Wir verdammen den politischen Mord. Wir warnen und beschwören unser gesamtes Volk: Laßt ab von aller politischen Leidenschaft, von aller persönlichen Verhetzung, bannt den Geist, der solche Früchte zeitigt.
Wer es gut mit unserem Volke meint, der bewahre es vor inneren Erschütterungen, der trete ehrlich auf den Boden der Verfassung, die das deutsche Volk und alle seine Stämme in freier Selbstb estimmnng sich gegeben. Für
I denn je. Aufbauende Arbeit sei der Wablspruch.
Parteifreunde! Das Grab Erzberger» darf sich nicht schließen, ohne daß wir in machtvollen Kundgebungen diesen Gedanken Ausdruck geben. Tretet zusammen in allen deutschen Gauen, um laut und feierlich Verwahrung einzulegen gegen jeden Kampf mit vergifteten Waffen, gegen die verhängnisvolle Volksver- Hesiung, gegen jegliche Gewalttat. Gelobt einhellig, treu zu stehen zur Ordnung und Vsr- faffung, eingedenk unseres alten Wahlspruches für Wahrheit, Recht und Freiheit.
Frankfurt a. M. den 28. August 1921.
Die Vorsitzenden der deutschen Zentrumspartei und der Zentrumrfraltion der Reichstags:
Herold, Ehrenvorsitzender.
Dr. Porsch. Stegerwald. Hedwig Dransfeld. Becker-Arnsberg.
Eine Demvnslrslion Ser Sozialdemokraten und Kommuniflen.
In Frankfurt a. M. fand gestern nachmittag e;ne Demonstration der Soziatdcmotratffchen Partei, der U S. P. und der Kommunisnschen Partei fta t die sich gegen die anläßlich des Deutschen Katholikentage? anwesenden ungarischen StaatLangekörigcnKarlHnszar, Stephau Haller und Bela Turc richtete. Nach einem gemeinsamen Ausruf der vorgenannten Parteien seien unter der Herrschaft der Genannten in Ungarn „Tausende und Abertausende von Proletariern, die für die Freiheit kämpften, gemordet" worden. Die Frankfurter Arbeiterschaft habe „die Pflicht, gegen die Anwesenheit dieser Proletariermördcr zu protestieren '. — Die Demonstration ist ohne Zwischenfall verlaufen. Am BlS- manfaenfmal hielten Redner aller Parteien Anipra:ven, luorauf sich ein endloser Zug mit den üblichen Schildern durch die Hsuptstraßen der Stadt bewegte. Dar Schumannlheatcr war vorsichtshalber mit einer starken Schutzwache belegt.
Die Wiesbadener Besprechungen.
Der „Teuipè" bringt einen ausführlichen Bericht über den A v k o ni m - n s e n t w u r f, der bei den Wicsbarencr Beratungen besprochen wird und der seit der letzten Zusammenkunft zwischen Rathenau und Loucheur int Juni von Sachverständigen Frankreichs und Deutschland? ausgcarbcitct worden ist. Der Entwurf besteht aus 2 Teilen: 1. aus einer Reihe von ÄeratungSentwürfen und 2. aus einer Reihe von Entwürfen über Schaffung von Forfaits.
Licferuttge» in natura:
ES wird eine deutsche Privatgesellschaft für diese Lieferungen gegründet, die sich verpflichtet vom 1. Ok» tober 1921 ab alle von den Bewohnern der verwüsteten Gebiete verlangten Liescrnngen durchznführen, soweit diese mit den Möglichkeiten der deutschen Produktion vereinbar sind. Diese Lieseruugen dürfen für die Zeit vom 1. Oktober 1921 bis zum 1. Mai 1925 7 Milliarden Goldmark nicht überschreiten. Für die Bezahlungen der Licfernilgen bietet Deutschland Frankreich Kredite an und Frankreich zahlt jährlich nur 1 Milliarde Goldmark zurück ganz gleich, wie groß die deutschen Lieferungen sink
Zur Regelung der Streitigkeiten betreffend Festsetzung der Preise wird eine besondere Kommission ein« gesetzt, die ans einem deutschen und einem französischen Delegierten, die von den betreffenden Regierungen auf Vorschlag der Bewohner der verwüsteten Gebiete und der deutschen Privatgesellschaften ernannt werden und einem dritten Deleairrt,» bestehen, Über den sich beide
Regierungen gemeinschaftlich einigen. Kommt ein« Einigung nicht zustande, so wird dieser Delegierte bims die Reparationskommission ernannt werden. Di, Kosten dieser Kommission bezahlt die deutsche Gesellschaft, sie werden aber zur Hälfte den französischer Verbänden zur Last gelegt.
SnbuftriemrttertÄL
Der Preis des in Betracht kommenden Material? wird von der Kommission bestimmt, die zurzeit den Gegenwert des französischen Preises in Gold» mark festsetzt. Am Ende von je 3 Monaten wird bann ein Faktor festgesetzt, der nach der Art und der Qualität der Erzeugnisse berechnet wird. Di« Preise für Spezialmaterial-Maschinen ober industriell«: Einrichtungen werden von den beiden Parteie» direkt vereinbart.
Kohlenliefermtgen.
Es werden Spezialdispositionen der über jeden nicht- deutschen Hafen durchzuführenden Kohlcnlicfernngen getroffen. Die Preise sind die, wie sie die deutschen Engrosverbrancher bezahlen. Deutschland kann jedes Quantum Kohlen auSführeu. Es kann auch alle in dem Programm der Reparationskommission stehmdrn Koblcnquanten exportieren, auf die das Land, bem du Kohle zusteht, etwa verzichten wird. Deutschland zahl! der Neparationskommission ben Gegenwert der exportierten Kohle, berechnet nach dem deutschen Inlandspreis ab Grube. Die Alliierten benutzen die gelieferten Kohle» nur für ihre eigenen Bedürfnisse.
Biehlieferirnsen.
Deutschland ist Frankreich noch ungefähr 35000 Pferde schuldig. Nach dem Entwurf befert eS nur noch 12 500 Pferde und 500 Stuten. Die 1920 von Deutschland überschüssig gelieferten 17130 Tiere gleichen sich mit den noch zu liefernden 5 575 Zuchthengsten aus.
Einfuhr nach Deutschland.
Deutschland läßt Rohmaterialien und Halbfabrikate, die in einer besonderen Liste aiifgczählt werden, zur freien Einfuhr zu. In einer anderen Liste werden von Deutschland für gewisse (Erzeugnisse beliebiger Herkunft gewisse Souhngente festgesetzt. Auf einer dritten Liste verzeichnet Deutschland einen Prozentsatz von verbotenen Erzeugnissen französischer Herkunft, der nach Deutschland e«ngeführt werden darf.
Unter Vo rie&aTf* ''der' “ ^ufffmtmh^ Repä-
rationskommission wird gesagt, daß zwei Monate nach Unterzeichnung des Abkommen? di« Rückerstattung im Judustricmaterial aufhört. Nach Ablauf dieser Frist bleibt Deutschland Besitzer des Materials, das sich auf seinem Gebiete befindet. Statt dessen liefert Deutschland in den nächsten 8 Monaten 129000 Tonnen Jnduflriematcrial, bat sich Frankreich aus ben Beständen der deutschen Regierung «ussucht. Deutschland erkennt an, daß es Frankreich 158 Millionen Goldmark, die mit 5% verzinkt werden, schuldig ist. Diese Summe benutzt Frankreich zu Bestellungen die vor best 31 Dezember 1925 beendet fein müssen.
Wollenbes Eiscnbnbnmaterinl.
Deutschland erstattet an Frankreich 3000 Kippwagen, 2500 Plattkormwagen und 500 stäche Wagen. Dafür verzichtet Frankreich ans eine Kompensation für die nicht zurück erstatteten Lokomotiven.
Bieherstattttng.
Vieh, das Deutschland aus den zerstörten Gebieten genommen hat, wird nicht mehr verlangt. Dafür liefert Deutschland als Forfait 62000 Pferde, 25000 Rinder, 25000 Schafe uud 20000 Bienenstöcke. Diese Zahlen' entsprechen genau der Lieferungsverpflichtung Deutschlands aus dem Wicderherstellungsparapraphen.
Tannenbergfeiern.
Zusanrmcttstötze und wüste Ausschreitungen.
Potsdam, 28. Aug. Der Jugendbund der deutsch- nationalen Volkspartci batte für heute in Potsdam eine Erinnerungsfeier an die Schlacht von Tannenberg unter freiem Himmel geplant. Da die „Rote Fahne" ihre Parteigenossen zu einer Gegcnknndgebung auf« gerufen hatte, waren vom Potsdamer Polizeipräsidenten Versammlungen unter freiem Himmel verboten worden. Die Dculschnationalen hielten deshalb ihre Taunenbergfeier in zwei geschlossenen Räumen ab. Sie berftef ungestört. Dem Rufe der kommunistischen Parteileitung waren ungefähr 12 000 Kommunisten, namentlich aus Potsdam und Lichtenberg, gefolgt, die in verschiedenen Lokalen Versammlungen abhicltcn. Auf dem Wege dorthin belästigten sie zwei Reichswehr- soldaten. Ein Wachtmeister, der diesen beisprang, wurde geschlagen und griff in der Notwehr zur Waffe. Dabei wurden zwei Arbeiter aus Berlin bezw. Steglitz getötet und eine Person verwundet. Der Wachtmeister selbst ♦ wurde von der Menge übel zngcrichtet. Auch an anderen Stellen kam c? zu Zusammenstöße» mehr harmloser Statur, bei denen jedoch auch einige Personen verletzt wurden. Als der Atenge bekannt wurde, daß zwei Opfer zu beklagen seien, bemächtigte sich ihrer eine starke Erreguug, sodaß die Schutzpolizei, um Blutvergießen zu vermeiden, sich vorübergehend zurückzog und eine Versammlung im Lustgarten vor deui Schloß zuließ. Während dieser Versammlung fanden Verhandlungen zwischen den Führern der Demonstranten und dem Polizeipräsidenten statt, in denen der Polizeipräsident versprach, eine genaue Untersuchung der An» zelegcnheit einzulciten und daß kein Gebrauch von der Waffe gemacht werden solle, wenn die Menge ruhig die Stadt verlasse. Aufgrund dieser Abmachungen wirkten die Führer auf die Menge beruhigend ein und die Demonstranten gingen auseinander, ohne daß-es zu weiteren Zusammenstößen gekommen wäre. Am Abend war die Stadt vollständig ruhig. ^m
Berlin, 28. Aug. Laut „Lokalanzeiger" würd« die gestern im Schützenhause in Oranienburg ab« gehaltene Tannenbergfeier der Berliner Jugendgruppen der Deutschen Volkspartei durch jugendliche Radikale gesprengt. Zahlreiche Teilnehmer wurden verletzt und teilweift beraubt, ’-' ^ .....y