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Anzeiger

General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultsch:für lokalen und vrovinziellen Teil

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AmMches Organ für Statt- mti> Landkreis Saturn Reklamen August Brodt. alle in Hanau a. Main.

' 3 Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Nr. 198

Donnerstag den 28. August

1921

Das Neueste.

' Der Wirtschaftsausschuß der besetzten Gebietes hat zu der Note der Obersten Rates über die Auf­hebung der Sanktionen Stellung genommen und die deutsch« Regierung aufgefordert, die geforderten Be- bingnngert abzulehnen.

Der polnische Eisenbahnerstreik in Pomerellen hat sich weiter verschärft.

Das Referat über Oberschlesien in der Sitzung der VölkerbundSrateS hat der derzeitige Vorsitzende Baron Ishii übernommen.

Die Bestimmungen deS bayrischen VolkSschul- lehrergesetze» vom 14. August 1919 und das bayrische Schullastcngesetz sind von der Saarregierung, soweit sie die Schulleitung und Schulaufsicht betreffen, außer Kraft gesetzt worden.

Nach einer Meldung aus Wien wurde gestern der Frieden»vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Deutsch-Oesterrelch unterzeichnet.

Das englische Luftschiff Z. R. II ist gestern bei einem Probeflug über Hull explodiert und in den Humber gestürzt. -

Die russische Not.

Verzweifelte Zustande.

Riga, 24. Auy. Lettländer, die aus Sibirien Mückgekommen sind, erzählen, daß die Wetter- verhNtniffe in den ganzen Gebieten nicht un­günstig wären, daß aber trotzdem große Hungers­not herrscht, weil die Bevölkerung im Frühjahr kein Saatkorn hatte. Die Sowjetregierung hatte im Frühjahr den Bauern das Saatkorn wegge- nvmmen, um es aufzubewahren, und sie ließ es verderben, weil die Aufbewahrung unter offenem Himmel erfolgte. Bis nach Omsk in Mittelsibirien gibt es hin und wieder noch Kornfelder, aber auf der Strecke zwischen Omsk und Batka findet man nicht einmal ^grünes Gras. Große Menschen- yÜwen belagern die.Eisenbahnstationen und betteln die Reisenden um Abfälle von Esten an.

Die Verhältnisse in Astrachan werden als »ollständig verzweifelt bezeichnet. Die Stadt ist v von Schmutz überfüllt, und es herrschen so lende Zustände, daß es hoffnungslos ist, mit Hilfe von gewöhnlichen Desinfektinsmitteln nur sinigermaßen mit der Cholera und der asiatischen Pest auszuräumen, die in der Stadt ^ssieren. Die lokalen Sowjetbehörden,, die ohnmächtig die­ser Epidemie gogenüberstehen, haben nun den Vorschlag gemacht, die ganze Bevölkerung Astra­chans nach Sibirien M-führen und darauf die diadt abzubrennen .

Der Hungertod unter den Kindern.

Ver- dem

Ver-

Ber-

Berlin, 24. Aug. Die Internationale EMng für Kinderhilfe in Genf macht deutschen Zweig ihrer Organisation, der Einigung für KinderhÄfe, Charlottenburg, linerstraße 137, von nachstehendem Telegramm Mitteilung^ das ihr von Nansen aus Riga zu- sing: Hunderttausende russischer Kinder sterben Hungers, Millionen anderen droht das gleiche Schicksal. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß nur eine unverzüglich unter Aufbietung aller Kräfte einsetzende Hilfsaktion Met Rettung bringen kann, bitte ich die Internationale Ver­einigung für Kindtvhilfe, einen Aufruf an alle Männer und Frauen, besonders an alle Kinder zu richten, daniit sie alles, was sie erübrigen können, zur Rettung der hungernden Kleinen in Rußland hergeben. Niemals noch ist im Welt­geschehen die Hilfe so verzweifelt notwendig ge- ivesen, wie hier. Ich danke Ihnen für Ihr Aner­bieten, nach meinen Weisungen zu handeln und verbürge mich für eine gerechte Verteilung aller für Rußland bestimmten Gaben, die durch meine Hände gehen. . ,

Die Vereinigung für Kinderhilfe in Char­lottenburg antwortete folgendermaßen: Der er- Veifende Aufruf Frithof Nansens , bestärkt uns in unserer Absicht, Rußland jede Hilfe zur Ver­fügung zu stellen, die wir aufzubringen in der Lage sind. Da Deutschland jedoch, soweit es sich um Lebensmittel und Kleidungsstücke haiidelt nicht einmal seinen eigenen Bedarf decken kann, sondern auf die Wohltätigkeit des Auslandes angewiesen ist, werden wir gezwungen sein, unsere Hilfeleistung darauf zu beschränken, daß mir Rußland unsere Arbeitskräfte und orgam- sotorischen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Die Einzelheiten unseres Aktionsvlanes werden

ivir ihnen brieflich unterbreiten.

Ein amerikanisch-euglifch-rufsisches Wirtschafts- Abkonunen.

Berlin, 24. Aug. DerLokalanzeiger" erhält w angeblich gut unterrichteter Stelle "feine Nach­richt über ein Wirtschaftsabkommen, das vor- Sostern in London zwischen dem Beauftragten ter Sowjetrepublik Krassin einerseits, den eng­lischen Wirtschaftsgruppen, dem amerikaMjchen Standard Oil-Konzern andererseits abgeichlossen sei. Die wesentlichsten Punkte des Abkommens lauteten: 1. die Gesellschaft bewilligt der ruffr-

schen Regierung einen Kredit im Werte von un­gefähr 30 Milliarden Papiermark; 2. das all­russische Hilfskomitee wird zu der Ausführung des Wirtschaftsvertrages mit herang-ezogen; 3. die russische Regierung begibt sich des Rechts mit Konkurrenzkonzernen ohne Einverständnis der amerikanisch-englischen Gruppen Wirtschaftsver­träge abzuschließen; 4. die Gesellschaft erhält Konzessionen im Uralgebiet und Petroleumkon- zessionen,

Unzuftiedenheit mit der neuen Wirtschaftspolitik.

Kopenhagen, 24. Aug. WiePolitiken" aus Reval gemeldet wird, scheint man in russischen Regierungskreisen nicht besonders beftiedigt zu sein über die Uebereinkunft, . die zwischen Lit­win off und Browne abgeschlossen ist. Für beson­ders gefährlich HAt man die amerikanische Kon- trollierung der Verteilung der Produktion, da sie nach Ansicht der Kommunisten eine indirekte Ein­mischung in die Angelegenheit Sowjetrußlands bedeute. Auch gegenüber der internationalen Hilfsaktion macht sich eine Aenderung in der Haltung der Kommunisten, besonders der radi­kalen Elemente, bemerkbar. Nach einer Rigaer Meldung treten in der Moskauer Kommunisten- partci starke Gegensätze hervor. Der linke Flügel ist unzufrieden mit der neuen Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung.

Eine Absage der JkaUener an Moskau.

Rom, 24. Aug. In Beantwortung eines Ausrufs der Moskauer Exekutive, her das italienische Prole­tariat vor das Dilemma Aloskau ober Amsterdam stellt, veröffentlicht Serrati eine Erklärung, die nach ihm von allen Mitgliedern der Parteileitung gebilligt worden ist. In dieser greift er die Kommunisten an und sagt, in Moskau gäbe eS nur Russen und ganz geringe Minderheiten von Nationen zweiten Ranges, die, von ibrcn eiaeucn Oraanisationen verleugnet

werden.

zengung, daß man den Arbeitern die volle Wahrheit sagen müsse.

Serrati erinnert an die von Moskau gegebenen unerfüllbaren Versprechen, darunter an dasjenige, daß Rußland das revolutionäre Italien mit Lebensmitteln versorgen werde.

Zum Schluß sagt Serrati: Wir wollen Wahrheit, Freimut und Aufrichtigkeit. Wir können und wir dürfen nicht die Arbeiter durch un­mögliche Versprechungen betrügen, und auch nicht durch unerfüllbare Visionen. Die Revolution ist weder ein Kinderspiel «och eine Chimäre von Visionären.

(Wenn-sich da? letztere auch die deutschen Revo- lutiousmacher 1918 gesagt hätten, dann wäre heute so manches anders wir befanden uns wahrlich nicht in dem heutigen Elend, die Not und di« graue Frau Sorge wären nicht in diesem Maßstab bei uns einge­kehrt, wie es heute leider der Fall ist. D. Red.)

Zum Frieden mit Amerika.

Wie die Blätter hören, sind die Verhandlungen über den deutsch-amerikanischen Friedensvertrag, die zwischen dem Minister des Aeußeru Dr. Rosen und dem Geschäftsträger der Vereinigten Staaten in Berlin, Dresel, geführt worden sind, zum Abschluß gelangt.

Paris, 24. Aug. Havas meldet ans Washington: Nach Beschluß der Besprechung zwischen Präsidenten Harding und den republikanischen Mitgliedern des SenatsausschusseS für auswärtige Angelegenheiten wurde erklärt, daß der Vorsitzende des Ausschusses Hughes, den Teilnehmern an der Besprechung den Wortlaut deS'Friedensvertrages mit Deutschland vor­gelegt hat. Es wird erklärt, daß die Bedingungen des Friedensvertrages auf keinerlei Gegnerschaft von Seiten der Senatoren gestoßen ist. Das Schriftstück ist verhältnismäßig kurz. Der Präsident hofft, daß die Ratifizierung des Friedensvertrage« in Bälde er­folgen kann, jedoch dürfte man nicht verlangen, daß der Senat auf seine 30tägige Ferienzeit verzichtet, die heute beginne. Der Präsident ist der Ansicht, daß der Senat und der Reichstag den Friedensvertrag zu gleicher Zeit prüfen sollen. Der Reichstag werde jedoch erst am 30. September zusammentrrten. Aus einem Bericht der Kanzlei der Präsidenten geht hervor, daß der Vertrag vor allem ein Friedensvertrag ist und nach seiner- Ratifizierung ein Handels- und Frcundschaftsvertrag abgeschlossen werden wird. Er ist mit Deutschland vereinbart worden, daß der Wort­laut des Vertrages nicht veröffentlicht werden soll, be­vor Dr. Rosen "unb der amerikanische Geschäftsträger­in Berlin ihre Unterschrift darunter gesetzt haben werden. Man erklärt weiter, daß die Veröffentlichung der Wortlautes gleichzeitig in Washington und Berlin erfolgen wird.

Oberschlesien und Völkerbund.

Baron Jshij âHernimmt die Bevichtevstattunj.

Paris, 24. Aug. Nach einer HavaSmeldung ist dem Sekretariat des Völkerbundes die ablehnende Antwort Quinones de Leons mitgeteilt worden. Die Nachricht wurde sofort an Vicomte Jshij nach Paris weitergeben. Tagsüber fanden dann Unterhandlungen zwischen in Paris anwesenden Mitgliedern des Rates statt und die Berichterstattung wurde zuerst Hymanns und dann Da Cunha angeboten. Hymannr hätte schwerlich annebmen könuen, denn von morgen an müsse er in Genf an den polnisch-litauischen Verhand­lungen wegen Wilna teilnehnien. Auch Da Cunha hatte «baelehnt. Da habe sich kurz extschlvssen Vicomte

Jshij bereit erklärt, ben Bericht selbst zu übernehmen. Seine in Paris anwesenden Kollegen hatten dar ge­billigt und ibm lebhaft gedankt.

Savas fügt hinzu, der Entschlvß des Vicomte Jshij sei überdies auch vollständig ordnungsmäßig. Ma» würde vergebens nach einer Bestimmung s»chen, die den Präsidenten des Völkerbundes hindere, über eine Frage vor feinen Kollegen Bericht zu erstatten.

Paris, 24. Aug. Der Te»vS'Berichterstotter meldet seinem Blatte au» Madrid, daß ihn der Minister de» Aeußern empfangen und ibm u. a. erklärt habe: So sehr Spanien durch die Wahl seiner Vertreters z»m Berichterstatter sich geschmeichelt gefühlt habe, so fe fei er doch der Ansicht, daß Spanien zu eng an Frankreich und Großbritannien gebunden sei, »m in einer so delikaten Frage gegen den einen ober anderen seiner beiden Freunde durch Lieferung eines Berichter, dessen Bedeutung zu leugnen nutzlos wäre, Stellung zu nehmen. Nach längerer Beratung mit Qninane» de Leon sei also die Ablehnung beschlossen worden. Bei der Fassung dieser Beschlusse» lasse sich Spanien ausschließlich durch sein Freundschaftsgefühl Frankreich und England gegenüber leiten in der Ueber­zeugung auf diese Weise freier im Verlauf der Dis­kussion die versöhnende Rolle durch den spanischen Botschafter spielen zu können, die ihm zskomme.

Anfhebnn« deS AitSnahmezystande» in Oderschlefien?

Breslau, 24. Aug. Die »Oberschlesische Volks­zeitung' in Gleiwitz meldet mit Genehmigung der Zensur, daß ihr von der Internationalen Kommission nahestehender Seite mitgeteilt wird, daß die Aufhebnug des Belagerungszustandes über Oberschlesien in den nächsten Tagen bevorsteht. Die letzten Wochen hätten die Interalliierte Kommission in Oppeln davon über« zengt, daß eine Beruhigung OberschlesienS soweit wieder eingetreten sei, daß die Aufrechterhaltung der Maß­nahme des AnsnadmezustandeS zwecklos erscheint.

Die BesatzuusSkoste«.

Oppeln, 24. Ang. Nach einer Mitteilung der Interalliierten Kommission betragen bi» zum 1. August die Koste« für die BesatzungSarmee in Oberschlesien

9,ö MU l u r h e n Mari,

Für restlose Aufhebung der Sanktionen.

Köln, 24. Aug. Der Wirtschaftsausschuß des besetzten Gebietes ^at in seiner Vollversammlung, die von Vertretern der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft und des Handwerks vollzählig besucht war, zu der Note des Obersten Rates über die Aufhebung der Sank­tionen wie folgt einstimmig Stellung ge­nommen:

Der Wirtschaftsausschuß legt auf das schärfste dagegen Verwahrung ein, daß der Oberste Rat in seiner Sitzung vom 13. August nicht die völlige Aufhebung der mit dem Friedensvertrag und der Annahme des Londoner Ultimatums unverein­bartenSanktionen" beschloffen hat, sondern nitr die wirtschaftlichen Sanktionen und diese nur unter neuen schweren Bedingungen aufheben will. Das besetzte Gebiet muß die Aufhebung aller, auch der drückenden miliiarischen Sank­tionen, fordern. Mit den an die teilweise Auf­hebung geknüpften Bedingungen kann sich der Wirtschaftsausschuß unter keinen Umständen ein­verstanden erklären. So schwer alle Wirtschasts- kreise, Unternehmer wie Arbeiter, im besetzten und freien Deutschland unter der Zollgrenze am Rhein leiden, so erfordert doch, das Gesamtin- teresse der deutschen Volkswirtschaft, daß wir nicht zu Maßregeln unsere Zustimmung geben, wie sie in der Note des Obersten Rates enthalten sind.

Die jetzt geforderte interalliierte Kontrolle der Einfuhr und Ausfuhr und die Gutheißung aller auf Grund der Sanktionen im besetzten Gebiet erfolgten wirtschaftlichen Maßnahmen räumt den Alliierten dauernde Einflüffe auf die deutsche Wirtschaftspolitik ein, die im Friedens­vertrag keine Grundlagen finden und zu unerträg­lichen und mit der Selbständigkeit des Deutschen Reiches nicht zu vereinbarenden Eingriffen füh­ren werden.

Der Wirtschaftsausschuß richtet daher an die Reichsregierung das dringende Ersuchen, die geforderten Be­dingungen abzulehnen und die Ver­handlungen nur im Sinne völliger Besei­tigung der Sanktionen zu führen.

Die Lohn- und Gehattsbewegung.

Berlin, 24. Aug. Unter dem Vorsitz der Reichs­kanzlers haben heute über die Frage der Aufbesserung der Bezüge der Beamten, Arbeiter und Angestellten der Reichrbehörden Verhandlungen mit den Führern der politischen Parteien deS Reichstages und den Ver­tretern der Spitzcuorganisttionen der Beamten, Ange­stellten und Arbeitern der Reichbehörden stattgefunden. Die Beratungen nahmen einen günstigen Verlauf. 83 wurde eine Annäherung der beiderseitigen Standpunkte erzielt, doch machen die Einzelheiten der zu treffendeu Neuregelung in einigen Punkten besondere Beratungen riotwentig. Er ist mit der Feststellung eines für beide Teile annehmbaren Endergebnisses der Verhandlusgen für morgen zu rechnen«

Mannheim, 24. August. Zu dem Streik der Mühlenarbeiter, der unvermindert fortdauert, wird uns weiter gemeldet: Die Arbeiterschaft lehnt nach wie vor die Annahme des Schiedsspruches des amtlichen SchlichtungSauSschusses in Mannheim ab, trotzdem in demselben anerkannt ist, daß das Angebot der Arbeit­geber über die sonst in Mannheim gewährte Lohn- stèigerung binaurgeht. Es istâfestgestellt worden, daß die Löhne der Mühlenarbeiter sen augenblicklich in der Industrie gezahlten Löhnen entsprechen. Die Arbeiter­schaft hat die Betriebe verlassen, ohne das in Ver­arbeitung befindliche Getreide auszumahlen. _ Die badische Regierung hat bis jetzt dem Antrag auf Ein­setzung der Technischen Nothilfe noch nicht stattgegeben, obwohl ihre Vertreter eindringlichst auf die für die Allgemeinheit eintretenden Schädigungen aufmerksam gemacht wurden.

Breslau, 24. Aug. Da die streikenden Arbeitet der Linke-Hofmann-Werke beschlossen, den Ausstand fortzusetzen, hat die Direktion hexte die gesamt« Arbeiterschaft auSgesperrt und der ganze Betrieb ruht. Ausgesperrt wurden insgesamt 8000 Personen.

Der polnische Eifenbahnerslrelk.

Dauzis, 24. Aug. Die Lag« hat seit gestern eim wesentliche Verschärfung erfahren. Wie aus den ver­schiedensten Gegenden PomerellenS berichtet wird, ruht sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr voll- ständig. Er verkehren deshalb auch sämtliche Züge von Danzig nach Pomerelle« seit gestern nur noch bis zur Freistaatgrenze. Der Korridorverkebr nach beiden Richtungen geht bis jetzt weiter. Allerdings sind recht erhebliche Verspätungen zu verzeichnen. Alle Verbuche, den Verkehr in Pomerellen durch Militär aufrecht zu erhalten, sind bisher gescheitert, da die Soldaten nicht die zur Bedienung der Lokomotiven erforderlichen Fähigkeiten besitze». Zur Verhinderung von Sabotage­akten sind die Bahuhöfe militärisch besetzt worden.

Paris, 24. Aug. Nach einer Temprmeldung ent Warschau greift der Eisenbahnerstrerk weiter um sich. Eine Abordnung der streikenden Eisenbahner sei gestern in Warschau augekomm-n und habe sich zum Ministerpräsidenten begeben, «« von

habe geantwortet, er sei ihm unmöglich, die Wünsche der Eisenbahner ohne Zustimmung der FinanzmmisterS zu bewilligen.

Das Schicksal kommunistischer Sammelgelder-

Berlin, 24. August. Auf der gestern abend ab gehaltenen Generalversammlung der B e t r i e 4 r ä t c- delegirrten von Groß-Berlin, die sich mit den Geldern der Unterftützungskomimsisu und der Rote« VollzuzsrateS beschäftigte, wxrde mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der erklärt wird, daß die Delegiertenvers-mmlung der Betriebsräte die »xbestrittene Vertretung der an den Sammlungen be­teiligten Berliner Arbeiterschaft ist und in einer ihrer nächsten Sitzungen Rechnungslegung erwartet. 3* Laufe der Aussprache kam es zu außerordentlich erreg­ten und lürmenden Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der beiden linksradikalen Parteien. Ein Versuch der Kommunisten, die Aussprache über len Verbleib der verschwundenen Gelder zu verschleppen, mißlang. Der Unabhängige Emil Barth gab unter fortgesetztem Lärmen der Linken den Bericht über bte vergeblichen Versuche, den Verbleib der verschwundenen Gelder anfzuklären und fügte hinzu, daß nach den Mitteilungen der Arbeitervertrctungcn in den einzelnen Branchen bedeutend höhere Summen durch die damali­gen Sammlungen aufgebracht worden sein müßten als sie in den Fonds gebucht» seien. Der Kommunist Richard Müller bestritt den «rehrheitssozialisten, die gegen die Vornahme der fraglichen Sammlung gewesen seien, da, Recht, jetzt über die Gelder mit zu verfügen. Auf wessen Namen und auf wessen Konto die Fonds angelegt seien, gebe niemand etwas an. Müller sprach von tausenden von Konten, deren Einschreibung Zeit erfordere und über diezu geeigneter Zett' Abrech­nung erfolgen werde. Ein anderer kommunistischer Red­ner suchte die zweifellos vorgekommenen u n v e r « n t wörtlichen Schiebungen dadurch zu recktfrr tigen, daß er dem Abgeordneten Barth seine Sünder bei der Rechnungslegung über die Revolutionsgcldei des Sahres 1918 vorhielt.

Die weitere Verhandlung wühlte einen derartigen Schmutz auf, daß der Sozialdeniokrat Krüger d i e Arbeiterschaft warnen zu müssen glaubt, in Zukunft ihr Geld für Dinge herzu- geben, über derenZwecke sie nichtBe- scheid wisse.Was hier', so erklärte Krüger, aufgedeckt worden ist, muß in der Arbeiterbewegung verheerend wirken. Tiit den Kommunisten lehnen wir es ab, in Zukunft gemeinsame Sammellisten Heraur- zugeben."

DieMärzunruben im^andtagsausschutz» Der Untersuchungsausschuß des preußischen Landtages genehmigte heute die vom Unterausschuß vorgcschlagenen Richtlinien für die Beweiserhebung über die Vorgänge beim Kommunistenanfstand in Mitteldeutschland. Da­nach hat der Ausschuß nur die Aufgabe, die Tatsachen klarzustellen, aber keine Vorurteile abzugcbcn. Als Generalzeugen für das gesamte Beweirthema schlug der Unterausschuß vor: tztaatrmi«ister cnD.Severrng Oberpräsident Hörsing, Staatskommissar Weißmann, Regierungspräsident von Gersdorf. Oberpräsidialrat Breyer, Regierungsrat Freysing und Regierungsrat Kilhor«. Der Ausschuß schlug außerdem noch den âtwaffnungskommissar PeterS und den Ministerial­dirigenten Abegg vor. Am 7, September sollen die- Zexgenvernebmunaen beginne»." '