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General-Anzeiger

meiner

Einrückungsgebübr:

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Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultsch:für lokalen und provinziellen Teil

Amtliches Organ für SisA- und Landkreis Kanan Reklamen August ^Brodt, alle^ inSanau^a^Maim

I Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

FernivreLanschlüfie Nr. 1237 und 1238.

Nr. 196 Dienstag den 23. August 1921

Das Neueste.

Der amerikanische Geschäftsträger in Ber­lin hat Vollmacht, den Friedensvertrag mit Deutschland zu unterzeichnen.

Generaldirektor der Hamburg-Amerika- Linie Cuno hat den ihm angebotenen Posten als Reichsfinanzminister abgelehnt.

50 000 Hungernde sollen aus Sowjet- rußland in die Ukraine eingedrungen sein.

Die Sinnfeier haben den nationalen Kon- aent und die Parteiorganisationen einberufen, um das englische Angebot zu erörtern.

Die Ungarn sind in das von den Serben geräumte Fünfkirchen eingerückt.

Nach einem Telegramm aus Paris soll die griechische Offensive von den Türken zum Stehen gebracht worden sein. Die Griechen hätten eine Schlappe erlitten.

Die russische Tragödie.

Ueber die russische Erde jagen ohne Unterlaß die apokalyptischen Reiter: Pest, Krieg, Hungers­not uNd Tod. In diesen Tagen hat die Führung Reiter Hungersnot, hart hinter ihm kommt die Pest, viele Millionen Menschen, darunter hun­derttausende von deutschen Kolonisten, besonders die an den Ufern der Wolga, sind von ihnen . bedroht, verlassen, von wahnwitzigem Schrecken gejagt, die sonnenverbrannte, völlig aus gedörrte tote Scholle und streben gen Osten. Furchtbares Schicksal harrt den meisten dieser Unglücklichen. Sie gleichen im Chaos der erschütternden Kata­strophe Riesenmassen aufgewirbelten dürren Lau­bes im rasenden Sturmwind. Die Not nimmt nach den Schilderungen gigantische Formen an, und die Verzweiflung kennt keine Grenzen. Die wenigen Notvorräte, die noch vorhanden waren, sind im Nu verschwunden, wie die Ernte eines e Sonne verdüsterte.

Man spricht davon, daß Sowjetrußlaud bisher einem Zimmer geglichen habe, dessen Tür ver- schlossen war. Welch ein treffliches Gleichnis! Ja, wir standen vor der Tür mit verhaltenem Atem. Kein Laut war hörbar. Und doch wußte man, daß dort drinnen ungeheuerliches Schicksal sich vollzog. Die Moskauer Machthaber hielten nur zu gut die Tür verschlossen. Aber alle Macht hat ihre Grenzen, auch die derTscheka", der außerordentlichen bolschewistischen Kommission zum Kampfe gegen Konterrevolution und Speku- lation". Die Tür sprang schließlich mit einem Male auf, denn das Schloß der Lüge hielt nicht mehr, vermochte angesichts der zum Himmel ichreienden Not und Verzweiflung nicht mehr Widerstand zu leisten. Und grausamerregende Bilder, die das Blut erstarren lassen, zeigen sich unseren entsetzten Blicken. Ueber Totenland, über dem sengendheißer Sonnenbrand liegt, jagen Millionen von Menschen, vom Hunger getrieben: Fort, fort aus dieser Hölle! Nur von dieser einen Losung sind die Seelen dieser Unglücklichen er- füllt. Die Pest geht um, der schwarze Tod schwingt seine Geißel und schlägt erbarmungslos zu Boden, was ihm beliebt, was übrig geblieben ist von dem Revolutionsmorde: Väter und Mütter, Kinder und Greise. Sie sterben am Wege, eine riesenhafte erschütternde Totenspur hinterlassend. Der Tod schreitet durch ein Gebiet, das viele tausend Quadratkilometer umfaßt, und hält, in den Jahren des Weltkrieges offenbar noch immer nicht gesättigt, eine ungeheure neue Ernte . . .

Welch furchtbares Schicksal, das dem russischen Kolk erneut beschieden ist. Ein Schicksal, das sich in einer Tragödie von ganz besonderer Eigenart iestaltet, weil das Land unter dem bolschewifti- chen Regime ohne jede Verwaltung, ohne jede Organisation und ohne jede Disziplin ist. Was nun werden? Hilfskomitees sind in allen Staaten eingerichtet worden, die bereits daran ^beiten, um dem bedräagben russischen Volke zu Hilfe zu kommen. Ob eine Rettung möglich sein 'ntrb, steht noch dahin. Föst steht nur, daß das Rettungswerk äußerst schwierig sein wird, da die wahnwitzige Wirtschaftspolitik des BolschewcZ- wus die Arbeitsfähigkeit des Volkes und die Moduktion der einzelnen noch schwach arbeiten; Wirtschaftsunternehmungen auf ein Mini­mum herabdrückte. Außerdem befindet sich das äffische Verkehrs- und Transportwesen durch die grenzenlose bolschewistische Mißwirtschaft in Ottern Zustand vollkommenen Zerfalls. Immerhin Wen wir versuchen und es ist Pflicht aller west­europäischen Staaten und Völler, alles daran zu Men, dem Osten Hilfe zu bringen. Politische Vorurteile müssen zurücktreten und Opfer müssen ^bracht werden allerdings vorausgesetzt, daß M russischer Seite Garantien geboten werden, die Spenden und Medikamente audu wirklich w die Notstandsgebiete gelangen und den Rot­unden zukommen; denn wir haben, wie wir

bereits vor einigen Tagen erklärten, absolut keine Ursache, den Bolschewismus, der uns Erinne­rungen an das unsägliche Seib, das durch die lastervolle heimtückische Propaganda seiner Füh­rer in weiten deutschen Volkskreisen erzeugt wurde, wachruft durch Unterstützungen noch zu fördern, oder ihn, der in seinem Blutrausch Menschenopfer gefordert hat, wie sie kein Moloch seit Menschheitsgedenken schlimmer fordern konnte, zu halten. Dagegen müssen wir der armen Menschheit, die von Gewaltmenschen grausam verraten worden ist, zu Hilfe kommen, müssen sie vom nackten Tode des Verhungerns und dem Seuchentode zu retten suchen. Wir müssen um der Menschheit Willen das Rettungswerk in Angriff nehmen, ohne daran zu denken, daß das Gespenst des Hungers mit seinem Erfolge an wahrschein­lichen und unwahrscheinlichen Begleitumständen möglicherweise dem gegenwärtig herrschenden bolschewistischen System das Todesurteil sprechen und vollziehen könnte. Es geht um mehr, als um den Niederbruch der russischen Räteregierung es geht um Menschen, die mit Gewalt in ein System gezwungen wurden.

Dies trifft besonders für die Anwohner der mittleren Wolga, die deutschen Kolonisten einer Ansiedlung zu, deren Gründung in die Zeit Katharinas II. zurückgeht. Hier leben in über

lion deut

hundert reindeutschen Dörfern eine halbe Mil- ischer Bauern, deren Vorfahren die Zarin einst ins Land gerufen hatte,

russische

um es mit ihrer Hilfe zueuropäisieren". Und sie europäisierten das Land zu blühenden Sied­lungen, die heute vollkommen vernichtet sind, deren Bewohner, da die Nahrungsmittel fehlen, von Hunger und Verzweiflung getrieben, sich auf das Essen von Gras und Kräutern, Hunden, Katzen und Ratten legen mußten, sodaß unge­heure Seuchen, Vergiftungen usw. die Folgen sind. Ein kürzlich in Berlin eingetroffener Mrief aus dem Dorf Marienthal berichtet nach

Wir haben unsere letzten Hunde, Katzen und Ratten aufgegessen. Wir nähren uns zurzeit von Fellen von Tieren, die vor einem Jahr geschlachtet wurden. In unserm großen Dorf sterben täglich 56 Personen. Wenn Ihr uns nicht bald helfen könnt, müssen wir allesamt sterben."

Ein erschütternder Hilfeschrei! Was der Hunger verschont, rafjt der schwarze Tod hin! Sollen wir da nicht eingreifen? Ja, wir müssen es! Die deutsche Hilfe wird sich vor allem diesen deutschen Brüdern zuwenden müssen, um sie vom nackten Tode des Verhungerns zu retten. Diese Hilfe muß gebracht werden, wenn wir auch selbst mit eigenen Sorgen mehr als reichlich versehen sind.

Die russische Riesentragödie ist keine russische Angelegenheit mehr. Sie geht jedermann in unserem Volke an. Wir müssen helfend ein­greifen, müssen uns aber auch der sinnlosen, törichten Parolen der vom kommunistischen Irr­wahn befallenen deutschen Volksgenossen er­innern: Bündnis mit Moskau nur Rußland kann uns helfen Deutschlands Rettung kommt aus dem Osten! Rußland kann unend­lich viel Leid ertragen. Alle russischen Dichter find Apostel des innerlichen Leidens . . . Den­ken wir an Tolstoi, Dostojewski, die uns die durchaus nicht bolschewistisch gerichtete russische Urseele in ihrer Demut, Trauer und Entsagung offenbart haben. Das deutsche Volk mit seiner abendländischen Seele und seinem feinnervigen Wirtschaftsorganismus wäre rettungslos ver­loren, würde durch gleichen Wahnwitz eine gleiche Hungersnotkatastrophe heraufbeschwo­ren. Ein Chaos, so grausig und furchtbar, wie es nur in Dantes Höllenqualenschilderungen zu finden wäre, würde Deutschlands schreckliches Los sein. Die Vernunft läßt sich nicht spotten. Die Wahrheit dieses Wortes erkennen wir von Für alle gilt angesichts der russischen igöbie die Losung: Der Unvernunft die Stirn geboten! R. H.

neuem.

Riesentragödie

Das russisch-amerikanische Abkommen an­genommen.

Wie die Havasagentur aus Riga meldet, stimmten die Sowjets angesichts der schweren Lage allen von der amerikanischen Hilfskom­mission gestellten Bedingungen zu. Diese sind die folgenden: Die Mitglieder der amerikani­schen Mission genießen die diplomatische Immu­nität. Sie haben das Recht unentgeltlicher Be­nutzung von Telephon und Telegraph. Die Hilfsmagazine dürfen nur in Gegenwart eines amerikanischen Vertreters visitiert werden. Die Sowjetregierung gewährleistet eine gerechte Verteilung der Unterstützungen. Sie wird alle amerikanischen Delegierten in Freiheit setzen.

Berlin, 22. Aug.Dagens Nyheether" be­richtet: Eine flüchtige Armee von 50 000 hun- aernden Russen hat die ukrainische Grenze über­

schritten. die Dörfer überfallen und zieht rau­bend und plündernd durch das Land. Zwischen den Einheimischen und den Russen haben blu­tige Kämpfe stattgefunden.

kapern und die oberschlesische Frage.

Paris, 22. Aug. Havas meldet aus Genf: Vicomte Jfhij,d«r Vorsitzende der Völkerbundes wird Donnerstag in Genf erwartet. Bei dreier Gelegenheit wird bemerkt, daß die Vertreter Japans im Obersten Rat sowohl, wie im Völker­bundrat sehr überrascht waren, über die Art und Weise, wie die Stellungnahme Japan» zur oberschlefischrn Frage be­urteilt wurde. Sie scheinen Wert darauf zu legen, daß am Vorabend der Sitzung de» Völker- bündrates keinerlei Mißverständnisse in dieser Hinsicht bestehen und von keiner der beiden be­teiligten Partehen ausgebeutet werden kann. Man bestreitet vsr allem, daß der japanische Vertreter im Obersten Rat,' Varon Hajashi, offen für eine der. beiden gegxnüberstehenden Auffassungen Partei ergriffen habe und man erkläre, man würde umsonst in den Niederschriften über den Verlauf der Sitzungen irgend eine Ausführung des japanischen Vertreter» finden, welche diese Behauptung unterstützen könnte. Zum Ueberfluß weist man noch darauf hin, daß sogar Lloyd George sich nicht vorbehaltlos auf das Zeugnis des Barons Hajashi berufen habe, denn als man darauf anspielte, daß auch Japan seine Auffassung unterstütze, erkürte er: Dies ist, wenn ich mich nicht irre, die Auffassung des japanischen Vertreters. Wie dem auch sèi, die japanischen Vertreter werden in den Beratungen in denen die sberschlesische Frage zur Erörterung kommen wird, vollständige Urteilsfreiheit baßen, wie er bisher auch stets der Fall war. Weder Baron Hajashi noch Vicomte Jshij sind irgend­wie durch eine Weisung ihrer Regierung ge-

Wunsch, daß diè Streitfrage in gerechter und billiger Weise gelöst werde.

Es steht also fest, sagt.Havas zum Schluß, daß der japanische Vertreter als Mitglied und Vorsitzender des Völkerbundrät«» in vollkommener Unabhängigkeit und Unparteilichkeit sich an den Beratungen in Genf beteiligen werde.

Hitler dem Druck der Teuerung.

Am 19. August fanden in Berlin Verhandlungen über die Lage im Bergbau statt. Die Bergarbeiter förderten eine Lobncrbödung von mindestens 12 Mark je Mann und Seicht. Diese Forderung wurde von den Arbeitgebern abgelehnt. Darauf haben die Bergarbeiter den Unternebmern unter Aufrechterhaltung ihrer For­derung ein Ultimatum gestellt, das am 1. September abläuft.

Bei den gestrigen Verhandlungen im Finanzministe­rium die von den Beamtenverbänden und Gewerkschaften erhobenen L»hn- und GebaltSforderungen, wurde auf Wunsch der Organisationen Unterausschüsse gebildet, in denen die einzelnen Fragen durchberaten werden sollen.

Eine neue Hetzrede Pvincarvs.

Pari», 22. Aug. Gestern fanden in Frankreich drei große Kriegerdenkseiem statt. Die ehe­maligen ausländischen Freiwilligen feierten ihren Eintritt in die französische Armee. Die ameri­kanischen Legionäre wurden in den Orten, an denen sie gekämpft hatten, von Barthou und Foch mit Lobreden bedacht. In Etain hielt Poincarö bei Gelegenheit der Enthüllung eine, Denkmal» für die von den Deutschen Hingerichteten Bewohner eine sehr aufreizende Rede. Der Figaro" schreibt darüber: Gegenüber bei An­schauung, daß man verzeihen und vergessen solle, bat PoincaM die französische Ansicht vertreten: Wir wollen verzeihen, wir wollen vergessen, aber nur dann, wenn wir die Gewißheit und die Garantie haben, daß die deutschen Verbrechen nicht wieder beginnen werden. Ein frühzeitiges Verzeihen wäre eine unkluge Feigheit und würde sich zur Mitschuld gestalten. Frankreich will den Frieden, aber der Friede, den Lloyd George wünscht, ist ein trügerischer Friede. Er ist nicht» mehr al» ein Waffenstillstand, den der Feind dazu benützen würde, um seine Bataillone zu vervollständigen und seine Waffen aurzubessern. Wir kennen Deutschland besser als unser Nachbar. Der englische Ministerpräsident fordert, ohne daß er selbst e» weiß, daß wir einen Rückfälligen begnadigen mögen. Aber wir sehen jeden Tag, wohin die Begnadigung von Verbrechern führt.

Um die Zahlungsfähigkett Deulfchlanös.

Paris, 21. Aug. Der Tempi, dessen Leitaufsatz sich gegen den Aussatz wen Keynes in der Sunday Times wendet schreibt:

Wenn Deutschland außerstande ist, sich im Laufe des nächsten Jahres die Summen, deren t8 zur Aus- jiUmtna des Loudouer Abkommens bedark.ru verschallen.

ss sollten seine Schwierigkeiten iie Verbündeten der allem dar» brmgen die Sachlieferungen zu entwickeln. Da das Londoner Abkommen einen Artikel 10 enthält, der diesen Lieferun«en hinderlich ist, müßte der Artikel 10 revidiert werden. Wenn tatsächlich Deutschland Gefahr läuft, vom Februar oder August 1922 an nicht mehr zahlen zu können, wäre er dann nicht gerecht, den größten Teil des flüssiren Geldes, den e» i« laufenden Jahre bezahlt, für gemeinsame Rechnung der Gläubiger znrückzustellen? Sa hätte man eine Rück­lage, die die Möglichkeit böte, eine internatianale Kreditoperation zu versuchen, um Deutschland zu helfe» daß es die Zeit der Zahlungsunfähigkeit übersteht, die KeyneS uns androht. Auf alle Fälle und kal ist nicht sein geringstes Verdienst könnte der Artikel von Keynes beweisen, daß, sobald wie möglich, die Ab­machungen vom 13. August revidiert werden »äff ex. (Gemeint find die Beschlüsse der Konferenz der Finanz, minister des Verbands.)

Kommunistisches Steuerrezspl.

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Die Zentrale der Kommunistischen Partei hat zur Ausarbeitung ihres Steuerpro* gramms eine besondere Kommission eingesetzt, die jetzt einen Programmentwurf vorgelegt hat. Der Entwurf lehnt die Mitwirkung an der Durchführung des Ultimatums ab und bezeichnet er als Aufgabe der Kommunistischen Partei, solange die Entwicklung der Weltrevolution die Liquidierung des Versailler Vertrages nicht erlaube, für die restlose Ueberwälzung der Reparationslasten auf die ^ s' L den zu kämpfen. Die von der Negierung vor- geschlagenen indirekten Steuern, die Umsatzsteuer und die Stempelsteuer werden grundsätzlich ab­gelehnt und ihre völlige Beseitigung al» Ziel der Kampfes bezeichnet. Die vorgeschlagenen Besitzsteuern müßten weit stärker progressiv ge> staltet und energischer auf die Belastung der Besitzenden zugeschnitten werden. Grundsätzlich müsse zur Grundlage des Staatshaushaltes dir Beteiligung des Reicher an allen kapitalistischen Unternehmungen in Industrie, Handel, Verkehr .und Lon^mirticbaft mit mehr al» der Halste

straffste Zusammenfassung der einzelnen Indu­strien, des Handels und der Landwirtschaft in einen großenStaatrtrust. Die bestehenden Erbschafts- und Nachlatzsteuern müßten bi» zur völligen Wegsteuerung aller Erbschaften und Nachlässe. über 100000 Mark ausgebaut werden. Die Zinszahlung der Staatrschulden sei ein zu st eilen. Eine Aufwandrsteuer müßte aller Einkommen über den Betrag der not. wendigen Lebenskosten wegsteuern, dagegen müßten alle Einkommen unter 24000 Mark und alle Vermögen unter 100000 Mark steuerfrei bleiben.

Die verschrvundene Ehrenkompagnie!

Er kommt nicht alle Tage vor, daß eine Ehrenkompagnie verschwindet, spurlo» ver­schwindet. Darum müssen wir davon sprechen. Vor kurzem wurde in der Bilderbeilage in der bürgerlichen Presse ein Bild veröffentlicht mit der UnterschriftReichoerfaffungsfeirr zu Berlin: Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Wirth schreiten die Front der Ehrenkompagnie ab. Das Bild zeigt, daß es dabei fast ganz wie einst hergegangen ist. Regimentsmufik, Präsentier- marsch spielend, Ehrenkompagnie, da» Gewehr stramm geschultert, die geehrte hohe Person, die Front abschreitend, daneben Reich»kanzler Wirth, vor der Ehrenkompagnie das Haupt entblößt, etwas weiter zurück ein Schwarm militärischer Begleiter. Wie gesagt fast ganz wie sonst. Wir sagenfast"; denn da» Aeußere de» Reichspräsidenten ist nun einmal nicht ganz für derartige Situationen geschaffen. So ein Reichspräsident hat er wirklich nicht leicht. Aber die sozialdemokratische Presse hat e» in solch einem Falle auch nicht leicht. Da» zeigt dir Bilderbeilage de»Vorwärts" vom 21. August. Auch sie bringt das Bild. Aber merkwürdig! Die Unterschrift lautet nurReichrpräsident Ebert und Reichskanzler Wirth begeben sich zur Verfasfungrstier." Kein Wort von einem Ab- schreiten der Front der Ehrenkompagnie. Ja aber, wo ist auf dem Bilde der sozialdemo­kratischen Silberbeilage überhaupt diese Ehren, kompagnie? Sie ist weg, einfach verschwunden. Der Photograph hat bei der Aufnahme offen­bar einen ganz merkwürdigen Standpunkt ge­wählt. Man sieht, wie Reichrkanzler Wirth grüßt, wie der Kommandeur hinter dem Reichs­kanzler nach der Ehrenkompagnie schaut, aber die Ehrenkompagnie ist außerhalb der Platte. Armer Photgraph, armer Reichspräsident, arme Ehrenkompagnie! Wir fügen hinzu: Arme» Leserpublikum, denn da kommt uns ein Gedanke: Sollte dieser Pech vielleicht garnicht auf den Standpunkt de» Photographen zurückzuführen sein, sonderp auf den Standpunkt der Sozial, demokratie? Er ist doch zu peinlich: ein Ge- n»sse die Front einer Ehrenkompagnie ab. schreitend!" Ja. ja. Würde brinat Bürde!