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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- unö Landkreis Sanou

Erschein! lägllch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil RichardSultsch:nir lokalen und vrovinziellen leit sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hama«. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Nr. 187 Freilag den 12. August 1921

Roch keine Einigung in Paris

Ein neuer Vorschlag Lloyd Georges. Zuteilung des ganzen Industriegebietes mit geringen Ausnahmen an Deutschland. Abreise Lloyd Georges.

Paris, 11. Aug. DerJntransigeant*, der im allgemeinen gut informiert ist, meldet: Der Op­timismus ist heute morgen vollkommen fallen ge­lassen worden. Man müsse frei aus sprechen, daß man in der schwersten Stunde ist. Die Lage ist sehr gespannt. Vielleicht wird man heute abend eine bessere verzeichnen können. Gegenwärtig kann man auf diese nur hoffen. Um 9 Uhr vormittag erschienen Briand und Loucheur im Hotel Crillon, wo sie gestern mit Lloyd George und Lloyd Curzon zum Frühstück waren. Die Be­sprechungen fanden im ersten Stockwerk in einem großen Saale statt. Es war eine wirkliche Dis­kussion. Man hörte die erregten Stimmen bis zum großen Gang. Jeder der Sprechenden beharrte auf seinem Standpunkt, nachdem die äußersten Konzessionen gemacht worden waren. Der Augen­blick war ernst. Briand mußte in dieser Bespre­chung auf die militärischen, finanziellen und in- dustriellen Verpflichtungen Rücksicht nehmen, die Frankreich bereits an Polen bin­den, und er kam zu einem Standpunkt, den man nicht mehr überschreiten konnte. Um 11 Uhr 20 beharrten Lloyd George und Briand beide auf ihrem Standpunkt- Curzon und Loucheur versuch­ten, einen Schritt nach vorwärts zu verwirklichen, um zu einem Abkommen zu gelangen, aber der Bericht der Sachveriständigen ließ den besten Ver­such scheitern. *

Diese Meldung desJntrwnsigeant" wird durch andere Blättermeldungen bestätigt. Die L^MMtäirdigen haben ihre Arbeiten beendet.

Macfi einer Meldung der Havasagentur stell­ten .sie eine größere Anzahl autonomer sogenann­ter Inselchen innerhalb des Jndustriebezirkes fest, die als unteilbare Einheiten bezeichnet werden. Jetzt müsse zwischen den einzelnen Enklaven eine Grenzlinie gezogen werden. Diese Aufgabe sei nicht mehr eine technische, sondem eine politische und ethnographische.

Der Bericht der Sachverständigen.

Paris, 12. Aug. Ueber den Inhalt des Be­richtes der Sachverständigen teilt derMatin" mit, daß 16 Industriezentren nach der wirtschaft­lichen Konstruktion Oberschlesiens und ohne Rück­sicht auf die Nationalität festgestellt worden seien, von denen 6 als mit deutscher Mehrheit bezeichnet werden müßten und es sei wahr, daß sie die be- Völkertsten seien und die 5 Großstädte Beuchen, Kattowitz, Königshütte, Gleiwitz und Hinden­burg enthielten- Die anderen, die weniger in- dustriell seien, sowie Dörfer enthielten, die land- wittschaftlichen Bettieben dienen, seien ausge­sprochen polnisch. Die Sachverständigen hätten sich jedoch dahin geeinigt, daß die Städte mit we-. nig Ausnahme nicht als die wahren Jndustrie- zentren des Landes angesehen werden könnten, sondern, daß sie bevölkert seien von Beamten und Kaufleuten etwa wie Posen, das im Augenblick des Waffenstillstandes 40 000 Deutsche gehabt Wie, während heute nur noch 7000 dort wohnen. Die âderen seien an das Land nur durch die Tatsache der deutschen Verwaltung gehunben ge­wesen und infolgedessen wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Briand habe Lloyd George auf die­sen wesentlichen Charakter der oberschlesischen Städte hingewiesen und zu gleicher Zeit hervor- gehoben, daß im gesamten Jnduistriedreieck, ob- twar die britischen Sachverständigen im Norden und Süden unstreitig polnische Massen davon ausgeschlossen hätten, nur 280 000 deutsche «gegen 240 000 polnische Stimmen festgestellt worden seien. Wenn man also die Kreise Pleß und Ryb- nik hinzuziehe, die einen großen Teil Kohlen und fast den gesamten Koks erzeugen, dann würde das Verhältnis leicht umgestoßen sein. Briand habe 'n entgegenkommender Weise die Zusprechung oes westlichen Teiles des Jndustriedreiecks mit Glei­witz und Hindenburg an Deutschland zugestan­den. Lloyd George seinerseits habe Polen einige kleinere Dörfer an der Grenze mit ungefähr $000 Stimmen zusprechen wollen.

, Am Rachmittag habe Lloyd George zuerst mit «m italienischen Ministerpräsidenten Bonomi und dem Minister des Aeußern De la ^oretfa verhandelt. Die italienischen Minister hätten, so betont derMatin", immer noch den Standpunkt dertteten, daß der Vorschlag des Grafen Sforza brecht sei. Die erste Sforza-Linie lasse den Po- Kattowitz und Beuchen, der zweiten Sforza- Anke seien im Industriegebiet einige Städte und Dörfer im Norden längs der polnischen Grenze ungegliedert. Loyd George habe angekündigt, daß er morgen einige Konzessionen zugunsten der Po- machen werde.

Noch keine Einigung.

Paris, 12. Aug. Infolge des Umstandes, daß die Sachverständigen zu keinem Einvernehmen gelangten, fand gestern nachmittag keine Sitzung des Obersten Rates statt. Die alliierten Mi­nisterpräsidenten begnügten sich mit privaten Be­sprechungen, die ebenso ergebnislos verliefen. Die Aussprachen wurden sehr erregt geführt

Abreise Lloyd Georges.

Paris, 12. August. Der «Malin" meldet: Gestern nachmittag erklärte Lloyd George bei einer Besprechung mit Briand, daß er soeben von London einen Brief erhalten habe, den de Valero in der irifchen Frage persönlich an ihn geschrieben habe. Dieser Brief mache eine sofortige Beratung des britischen Kabinetts not­wendig und er habe dasselbe für Samstag ein­berufen lassen. Er sei infolgedessen genötigt, Paris heute mittag 12 Uhr zu verlassen. DerMalin" fügt hinzu, es sei nicht zweifel­haft, daß auch Lord Eurzon abreisen werde, um einen Bruch zwischen den beiden Staats­männern zu vermeiden. Angesichts der großen Mißstände sei es schon heute sehr zweiselbaft, daß England und Frankreich durch ein Abkom­men die Frage der Teilung Oberschlesiens regeln könne. DerMatin" sagt noch, das Ende des Obersten Rates sei zweifellos nahe und die Frage von Oberfchlesien werde nicht mehr verhandelt werden. Lloyd George habe

Parks zu kommen.

(Nach einer bei uns später eingelaufenen Drahtmeldung der Havasagentaur wird Lord Curzon in Paris verbleiben, um die Verhand­lungen weiterzuführen. D. Red.)

Ein neuer Vorschlag Lloyd Georges

Paris, 12. Aug. Die Agentur Havas meldet: Gestern abend besuchte Briand die englische Delegation. Die Unterredung dauerte eine Stunde. Nachdem Lloyd George mitgeteilt hatte, daß er heute mittag nach London zurück­reisen werde, überreichte er den Entwurf einer Grenzlinie, die auch die Zustim­mung der italienischen Delegation gefunden habe. Diese Grenzlinie dürfte, wie der diplo­matische Mitarbeiter der Havas-Agentur er­fährt, Deutschland das ganze In­du striedreieck zufallen lassen mit Ausnahme eines kleinen Einschnittes östlich von Kattowitz, wodurch den Polen Koklowitz, Schön­wald, Deutsch-Ezgernin, und Myslowitz mit allen Gruben und Zinkfabriken zufallen würde. Diese Grenzführung entspräche durchaus der ursprünglichen Linie Percival-Martini, welche Polen die Bezirke Pleß und Rybnik zuweist, die Merdings recht ausgedehnt sind. Die englischen Zugeständnisse der Linie Percival-Martini gegenüber kommen nur in dem landwirtschaft­lichen Teile im Norden des Jndustriebezirks zum Vorschein, wo die vorgesehene Grenzfüh­rung nunmehr Lublinitz, Guttentag und Rosen­berg an Deutschland fallen lassen würde.

Briand ließ den englisch-italienischen Ent­wurf sofort durch die französischen Sachverstän­digen nach seiner technischen und wirtschaftlichen Folgerung prüfen. Er wird den Bericht dem Ministerrat heute vormittag vorlegen, der über denselben entscheiden soll.

Der englische Vorschlag für Frankreich unannehmbar?

Havas meldet weiter: Die Sforzalinie teilte bekanntlich den westlichen Teil des Industrie- bezirkes Deutschland zu. Die französischen Sach­verständigen haben gestern abend vom völki­schen Gesichtspunkte aus die Prüfung der Fol­gen vorgenommen, die die Annahme der gestern von Lloyd George und Curzon inbezug auf das Abstimmungsergebnis vorgeschlagenen Grenzlinie haben würden. Die einfachen Zahlen der Volksabstimmung, 60 Proz. für Deutschland und 40 Proz. für Polen, genügten, um darzu­tun, daß der englische Vorschlag unannehm­bar sei.

Nach den britischen Vorschlägen würde Deutschland nicht nur die großen Städte des Jn- dufttiezentrums, sondem ungefähr neun Zehntel des Jndustriebezirkes erhalten. Briand habe Lloyd George und Lord Curzon erklärt, daß die französischen Sachverständigen ihm noch einen Bericht übermitteln würden, damit er sehen

könnte, was die neuen britischen Vorschläge be­deuteten. Außerdem habe er die Absicht ausge­sprochen, den heute vormittag tagenden Minister­rat zu befrag en.

Curzon führt die Verhandlungen fort.

Paris, 12. Aug. Während der Abwesenheit von Lloyd George von Paris wird Lord Curzon die Verhandlungen weiterführen. v

(Diese Meldung widerspricht der obigenMa- tirft-Meldung, nach der Lord Curzon ebenfalls nach London zurückreisen soll. Bleibt Curzon, wären die Verhandlungen noch nicht gescheitert. D. Red)

Zwei Jahre Weimarer Verfassung.

In Berlin fand gestern in der Staatsaper die Feier des Verfassungstages statt. Vor dem Opernhaus, das mit Fahnen der Republik ge­schmückt war, war eine Kompagnie der Reichs­wehr aufgestellt, bereit Front der Reichskanzler und Reichspräsident abschritten. Das Haus selbst war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Reichs­präsident mit Begleitung und einige Minister nahmen ihren Platz in der großen linken Seiten­loge. Auf den übrigen Plätzen des ersten Ran­ges sah man die übrigen Reichsminister, die jetzi­gen und früheren, die Vertreter der Länder, die Führer der Fraktionen, sowie die Spitzen der Be­hörden, während die übrige amtliche Welt, sowie Vertreter von Kunst, Wissenschaft, der großen Ar­beiterorganisationen und der Presse sich auf die übrigen Plätze des. weiten Raumes verteilten. Die Freischützouvertüre, unter Leitung des Gene­ralmusikdirektor Blech von dem Blüthnerorchester gespielt, leitete die Feier glanzvoll ein. Sodann trat an Stelle des durch Krankheit an der Reise verhinderten württembergischen Staatspräsidenten der Reichkskanzler selbst an den mit dem Reichs­adler geschmückten Rednerpult, um in einer halb­stündigen Rede dem Gedenken des Tages Aus-

In ernster Stunde haben wir uns zusammen­gefunden, um gemeinsam den Tag zu begehen, an dem vor nunmehr zwei Jahren in Weimar das Verfassungswerk beendet worden ist. In ernster Stunde sind wir' zusammengekommen in der über das Schicksal Deutschlands, vielleicht auch Europas drüben in Paris verhandelt und die Würfel geworfen werden. Darum keine laute Feier, kein äußerer Glanz! Wohl aber ziemt es uns, in einer Stunde ruhigen und ernsten Be­sinnens Rückschau zu halten auf den Weg, den unser Staat nach der großen und schrecklichen Ka- tastraphe und den Umwälzungen gegangen ist, hinauf zu der Verfassung, die das Volk sich gege­ben hat, hinauf auf die Organisation, in der sich das höhere Streben des politischen Menschen be­tätigt. Wir wollen uns in dieser Stunde Rechen­schaft geben über den Zustand dieses Staates, über unsere Einstellung zu diesem Staat. Die Männer, die wir hier sehen, sind zwar die Spitzen großer Körperschaften, Behörden, machtvoller Or­ganisationen, aber sie sind doch nicht das ganze deutsche Volk. Auch unser Ideal wäre es ge­wesen, wie es freiheitliche demokratische Dichter, insbesondere Gottfried Keller, ersehnten und be­sagen, an einem frohen Sommertage das ganze Volk zum Feste des freien Volksstaates zu ver­einen bei Spiel und guten Reden, um den Bund des Volkes zu besiegeln. Noch ist dieses Ziel, die Zeit, wo das in Erfüllung geht, nicht gekommen, aber wir hoffen, daß der große demokra­tische L e i t g ed a n k e, der uns heute zusam­menführte, in nicht zu ferner Zeit Gemeingut des ganzen deutschen Volkes werde. Dieser Ge­danke verkennt gewiß nicht die ungeheuer bren­nenden Gegensätze in unserem Volke zwischen den Klaffen, zwischen Besitz und Arbeit, zwischen de­nen die nach rückwärts schauen und um die alte Herrlichkeit trauern, und denen, die stürmisch und leidenschaftlich, vielleicht manchmal allzu stürmisch, nach vorwärts drängen. Soll aber nicht alles in Trümmer gehen, so ist die Ueberwindung der Ge­gensätze und ein gegenseitiges Verstehen unum­gänglich anzubahnen. Das Ziel und der Sinn unserer politischen Lebensarbeit ist die Rettung des deutschen Volkes, ist die Sicherung unserer nationalen Einheit und die Wiederbegründung unserer nationalen Wohlfahrt. Dies ist aber nach unserer Auffassung nur möglich durch eine demokratische einheitliche deutsche Republik. So findet der deutsche nationale Gedanke festen Aus­druck in der Weimarer Verfassung vom 11. August 1919.

Wir feiern heute die zweite Wiederkehr ihres Geburtstages. Wir alle waren Zeugen der ge­waltigen Vorgänge der letzten Jahre. Niemand ist in diesem Saale, dessen innerste Seele nicht aufgewühlt wurde bis zum tiefsten Grunde, der nicht Erinnerungen in sich hat, die niemals aus­gelöscht werden können. Ich darf all das Schmerz­liche in dieser Stunde nicht in Erinnerung brin­gen; es wird auch übertönt durch die Sorgen über die aroben Entscheidungen, die in der Ge­

genwart drüben an der Seine fallen. Wenn wir zurück blicken auf die frerfTtrfienen zwei Jahre und vergleichen, was damals war und was heute ist, wenn wir uns all die dunklen Prophezeiungen von dem Sturz in den Abgrund vergegenwärti­gen, wenn wir uns an die innerer Gärungen von damals erinnern und damit in Vergleich stellen das Maß der Befriedigung und Ordnung und der zwar langsamen, aber doch sichtbaren Er­holung, dann wird einem erst die Höhe der Be­deutung klar, die der Aufrichtung der neuen Reichsversassung ziukonurrt.

Die Verfassung ist Menschenwerk, viele chrer Bestimmungen sind durch die Zeit der Entstehung bedingt; aber die großen Prinzipien, welche die Verfassung tragen, liegen in der Richtung der großen geschichtlichen Entwickelung und werden Bestand haben, solange die großen geschichtlichen Voraussetzungen gelten. Diese Prinzipien sind: Ableitung der Regierungsgewalt von dem Volks­willen, also Demokratie; Versöhnung der Klaffen und Stände durch sozialen Geist der Gesetze und, alles beherrschend und überragend, die Einheit des Reiches bei Aufrechterhaltung seiner geschicht­lich gewordenen Länderstruktur. Trotz aller Stür­me und Gefahren hat dieser Bau, der in mühe­voller Arbeit in Weimar aufgerichtet wurde, ge­halten.

Der zweite Satz des ersten Artikels der Vev- fassung lautet:Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Es ist die große Tragik des deutschen Volkes, daß es zu diesem Prinzip nicht in einer ruhigen geschichtlichen Entwickelungsreihe ge­langt ist. Die Weimarer Verfassung ist in diesem Punkte nicht so sehr die reife Frucht eines ge­schichtlichen Werdeganges, als der Willensakt eines sich selbst regenerierenden, dem Chaos wi­derstrebenden Volkes. Nicht bloß als Staatsart ist sie also zu würdigen, sondern als ehrwürdiges Denkmal eines unerhörten Willens zum Leben und zur Wiedergeburt, und es wird in der Geschichte dereinst als Einzigkeit ge.- würdigt werden, daß das deutsche Volk aus der größten Niederlage des Weltkrieges doch die Kraft gefunden hat, in der Verfassung von Weimar zum ersten Male in seiner Geschichte dem reinen Prin zip zur Form zu verhelfen, sozial und politisch Es konnte dies nur unter Mitwirkung der orga nisierten Arbeiterschaft geschehen, die in ihrem Emanzipat i onskampf ein hohes Maß von Ver- antwortlichkeitsgefühl bewiesen hat.

Lassen Sie mich in kurzen Worten

die angenblickliche Lage Deutschlands streifen. Zur Stunde tagt in Paris die Der* sammlung der Staatsmänner, die über das Schick­sal O b e r s ch l e s i e n s entscheiden soll. Wir sind uns klar darüber, daß mit Oberschlesien über das Geschick Deutschlands und damit über das Europas eine bedeutsame Entscheidung fällt. Las­sen Sie mich nochmals der Hoffnung Ausdruck geben, daß die in Paris versammelten Männer sich der Schwere chrer Verantwortungge- genüberderMenschheitbewußt sein und so zu einer gerechten Entscheidung kommen mögen, die dem deutschen Volke oie Lebensfähigkeit er­hält. Erst vor wenigen Monaten haben wir durch die Annahme des Londoner Ultimatums Lasten auf uns genommen, wie sie in so gigan­tischer Schwere im Laufe der Geschichte keinem Volke zugemutet worden sind; wir haben sie aus uns genommen, obwohl weite Schichten un eres Volkes und ernste Männer der wissenschaftlichen und der praktischen Volkswirtschaft an hrer Tragfähigkeit und Erfüllbarkeit zweifelten. Wir haben im Laufe dieser Monate den ernstesten Willen zur Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen bewiesen und haben daher ein Recht, zu hoffen und zu verlangen, daß man uns nicht die Schaffensmöglichkeit nimmt, die die Voraussetzung für so ungeheure Lasten ist, Wer Ungeheures leisten will, muß den negieren­den unfruchtbaren Tayespessimismus von sich weisen und trotzallem. was sich ereignet bat, mit Optimismus ans Werk gehen? Mr sind getragen von dem die Völker bewegenden Ge­danken des Friedens und des Verlangens nach gemeinsamer, die Nationen ver­bind enderArbeit. Das deutsche Volk will nichts als sein Recht, will sich sein Brot in mühe­voller täglicher Arbeit erwerben.

Wehe denen, die diesem Volk, das guten Willen? ist, Steine statt Brot reichen!

Ein Volk, das den Weg von 1918 bis 1921 gegangen ist, das nach solchem Zusammenbruch sich aufgerafft hat zur Arbeit, zur Selbstverant­wortung und Freiheit, hat den Anspruch auf ein adäquates Dasein, einen Anspruch an die Völker der Erde und an die eigene Zukunft.

So verlassen wir dieses Haus, gestärkt in der Gewißheit, daß wir auf dem von uns eingeschla-1 gleiten Wege zum Ziele kommen können und kom­men werden, um einst in einem glücklichen, ge­sicherten und freien Staatswesen einen. froheren Felttag des aeiamten Polkes feiern M könne«,