Einzelbild herunterladen
 

SanauerN Anzeiger

Einrückungsgebühr:

Ue8gesp. Kolonelzeile oder deren Raum 1.50 Mk die Wo. Zeile im Reklameteil 4.50 Mk., Finanrtnierate t,7gMk.OffertgebührM Pfg.Bezugsvreis: Viertel- lâhrl. 14.40 Mk.,monatl. 4.80 Mk.. f. Postbezug viertel- Wkl. 15.90 Mk. monatl.ö.30Mk. Die Nummer 20 Pfg.

Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil RichardHultsL:für lokalen und vrovinziellen Teil

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Lana« Reklamen August Brodt. allein Hanau a? Maim

Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

M

Fernkorechanschlüffe Nr. 1237 und 1238.

Sr. 186

Donnerstag den 4. August

1921

Das Neueste.

- Die Botschafter der Alliierten Regierun- .^ haben gestern den Kollektivschritt in Berlin unternommen.

- Die Polen stecken in Oberschlesien Wälder in Brand.

- In Berlin wurde gestern ein Hilfskomitee ik Rußland gebildet.

- Im Frankfurter Kommunistenprozeß wur- <a sämtliche Angeklagten freigesprochen.

- Auf zahlreichen Gütern West-Mecklenburgs (ein Landarbeiterstreik ausgcbrochen. Ver- indigungsverhandlungen, die unter dem Mor­itz des Ministerpräsidenten Stelling stattfanden, inh bisher ergebnislos geblieben.

- Der König von England und der König W Norwegen haben die Ratifikationsurkunde des ständigen internationalen Gerichtshofes un- ierzeichnet. Damit ist die Zahl der Ratifika- s»n«n auf 14 gestegen.

Das Ringen um Macht.

Die Mshrheitssozialdemokratie, die Unab- ßngigen und die politisch gleichgerichteten Mschaftlichen Bünde veranstalteten dieser luge Demonstrationen, die sich gegen den Stieg richteten:Nie wieder Krieg!" Diese tote war, wie wir schon dieser Tage beton- m, verständlich und dürfte in weiten Kreisen chres Volkes Widerhall gefunden haben. Die spräche des Herzens ist aber nicht die Sprache er rauhen Tatsachen. Der heiße Wunsch ist in vergeblicher Wunsch verständlich für »Öen, der sich nur etwas mit der Weltpolitik be- hästigt. Die letzte große Schlacht, auf die das Mjährige Reich des Friedens auf Erden fol- M,oll, äst nach, den: Geiainteirwruck, den man wie von der Weltpolitik erhält, geurteilt, noch icht geschlagen. Die große Götterdämmerung nit dem jubelnden Völkermai, von der uns in den Mären des Wunders viel gesagt ist, liegt vch in himmelweiter Ferne,'noch brodelt und |ârt es im Hexenkessel der Welt, noch blicken leid- und haßerfüllt die Völker aufeinander, eben Augenblick bereit, sich trotz Wilsons Herr- ichem Völkerbund an die Gurgel zu springen. Dijne Prophet zu sein, sieht man schon jetzt das Kommende mit einer Deutlichkeit sich abheben,

die fast erschreckend wirkt. Im furchtbaren Wirbel wiederholt sich der Gang der politischen Ereignisse vor Ausbruch des Weltkrieges. Er Birb zu grauenhaften Geschehnissen führen, die vielleicht noch furchtbarer sind als die, deren Heugen wir waren und sind. Wir haben auf «pan hingewiesen. Wie Deutschland damals m Haag unter dem Drucke der politischen Ver- Wnisse gewisse einschränkende Bestimmungen hinsichtlich der Abrüstung in Vorschlag bringen mußte, so Japan heute und wie Deutschland d'a- Ms ein Strick gedreht wurde, so wird Japan daraus ein Vorwurf gemacht werden, wenn fee Schicksalsstunde gekommen sein wird^ Mer Augen sind nach dem fernen Osten gerich- 'et Japan und Amerika stehen sich dort gegenüber, beide reich geworden im Weltkrieg, sie als Kriegsgewinnler im größten Aus- W überstanden haben, beide erzbereit zum Ncheidungsgang und trotzdem unermüdlich weiterrüstend." Man sagt: Politik sei die Kunst, Dinge so zu sehen, wie sie sind. Das ist Wvöllig richtig. Politikistvorallem

Kunst, zu erkennen, wie die ,'Ugeseinwerden. Die politischen Dinge ''eiben einem rasenden Katarakt einer neuen ^taltrophe entgegen.

"Nie wieder Krieg!" Wie seltsam! Erst k»r wenigen Wochen ist ein Buch erschienen mit » Zeberschrift:Der unvermeidliche

. -vHiytn Xi: Z Überschrift Swi '^ , eine pc

ische.n Japan und Ame- j , eine politische Studie von dem bekann- 5 politischen Publizisten Friedrich W e n ck e n Stuttgarter Verlag), der bereits vor Jahren, inmitten des großen Völkerringens damals anonym erschienene Studie über "Nächsten Weltkrieg" veröffentlicht hat. In neu erschienenen Buch schildert Wencken fesselnd wie anschaulich, wie sich im der letztem 30 Jahre die Gegensätze zwi- M Japan und Amerika durch den Expan- l usdrang und die imperialistische Politik der » ^nsse so verschärft haben, daß ein bluti- tt?. um die Vorherrschaft im Stillen ^Qn die natürliche, unvermeidlicke Lösung ^^ gewitterschwülen Spannung sein muß. Ducken stellt fest, daß Japan Heer und Flotte einer Weise verstärkt und vermehrt hat, daß , 'n wenigen Jahren über eine der amerikani- ®oh überlegene Kriegsmacht verfügen wird, offen und unverblümt sprechen die japani- tz:?. Politiker und Journalisten es selbst aus, K Vorbereitungen für den Krieg mit bestimmt sind . Diese Aeußerungen

werden unterstützt von den Einwänden, die Ja­pan in der Frage der Abrüstungskonferenz ge­macht hat und noch macht. Wir haben ein­gangs erwähnt, daß diese Abrüstungsverhand- lungcn den Ausgangspunkt von Streitigkeiten bilden werden man sieht also, daß derun­vermeidliche" Krieg nicht nur militärisch, son­dern auch diplomatisch vorbereitet wird. Wenn auch noch manche Wasser in» den Stillen Ozean fließen werden, bis sich die schlauen Japs und die kühlen Rechner in der Wallstreet einem sol­chen Kampf gewachsen fühlen, so steht doch im­merhin fest, daß große Reibungspunkte zwischen Amerika und Japan bestehen, die sich nicfjt so ohne weiteres aus der Welt schaffen lassen. Zwischen beiden Ländern klaffen wirtschaftliche und völkische Gegensätze, die trotz aller briti­schen Diplomatenkunft eine Beseitigung nicht erfahren konnten. Es offenbart sich immer und immer wieder die alte Weisheit, daß das Rin­gen um Macht das A und O aller Politik ist und es wäre falsch, wenn wir unser Handeln durch die Hoffnung bestimmen lassen wollten, daß künftig keine Kriege mehr sein würden. Diese Hoffnung ist falsch. Wir erinnern nur an die Wilsonsche Weltordnung, die das freie Leben der Völker schirmen und jedem Volke das Recht verbürgen sollte, sein Leben nach unge­hemmtem Ermessen einzurichten, jedem das ge­rechte Wohlwollen der anderen sichern, jedes vor eigennützigem Angriff und Usberwältigung schützen sollte. Welch bodenloser Schwindel! Noch heute nach Friedensschluß wütet der Krieg wider uns, Knechtung folgt auf Knechtung, De­mütigung auf Demütigung. Das Ringen um die Macht dauert an und wird fortdauern, solange es Menschen gibt. Das Wesen eines jeden Staates ist Macht ein wehrloser Staat be- âMMâWMMMW-g- lehrt, daß die Erlangung politischer Macht Pflicht ist. Die Erde ist nicht von Engeln be­völkert, sondern von Menschen. Nur die Macht entscheidet, nur die Kraft fixiert das Recht auf Dasein. Es ist daher eine vollkommen falsche Politik, die heute von einem Teile unseres Volkes betrieben wird, der sich nur auf das Recht verläßt und darauf wartet, daß ihnen Gerechtigkeit widerfährt; denn in der großen Politik ist der rechtlos, der keine Macht besitzt.

R. H.

Zu -er Kanzlerre-e.

Reichskanzler Dr. Wirth führte in Bremen am Schluß seiner bereits gestern wiedergegebenen Rede noch aus:

Darum geht unsere Mahnung hinaus über das ganze Erdenrund: Löst die oberschlesische Frage, nachdem das Volk gesprochen hat, gerecht. Löst sie so, daß nicht im Osten ein neuer Brand­herd entsteht, der Deutschland und die ganze Welt aufs, neue dem Ruin entgegenführen kann. Sieben Jahrhunderte lang ist dieses Land in deutschem Besitz gewesen, zur Höhe der Wohl­fahrt und zum Reichtum emporgetragen, zu jener Kultur, in der auch die soziale Gerechtigkeit ein­gebaut ist. Diese Bewegung war nicht zu Ende. Darf ich cs Ihnen offen aussprechen? Vor dem Kriege war Deutschland gewiß reich, und manche Frage wäre zu lösen gewesen, wenn die Ver­söhnung zwischen dem Besitz und den Arbeitern im deutschen Vaterlande überall gepflegt worden wäre. Oberschlesien und seine Arbeiterbevölle- rung wird unter deutscher Herrschaft und unter deutscher demokratischer Freiheit andere Tage ge­nießen als etwa unter der Herrschaft pol­nischer Illusionisten, die nur den Ge­danke nationalistischer Verstiegenheiten kennen und mit darauf sinnen, durch Gewalt das alte deutsche Kulturland in ihren Besitz zu bringen. Wir sehen der Entscheidung mit klaren Augen, gewiß mit klopfendem Herzen, aber in dem Be­wußtsein entgegen, daß ein Volk, das für sein gutes Recht ficht, niemals untergehen kann. Ich vertraue auf die Einsicht der großen führenden Nationen in der Welt, daß unsere Stimme nicht ungehört im Rate der Völker verhallen wird. Wire werden nicht dabei sein bei dieser Entschei­dung. Es ist gut, daß wir nicht dabei sind, denn die Verantwortung für eine gerechte Entschei­dung lient bei denen, die uns weder nach Lon­don berufen noch zur Abrüstungskonferenz einge­laden haben.

Ein Appell in legrer Slun-e.

DieSchlesische Volkszeitung" veröffentlicht heute eine Sondernummer, um den Wünschen aus ihrem pbcrschleflschen Kreise entsprechend noch in letzter Stunde einen Appell an die Staatsmänner der Entente zu richten. Neben einer Reihe nam­hafter Oberschlesier und Zentrumspolitiker haben auch einzelne Minister bemerkenswerte Erklärun- aen abgegeben«

Reichskanzler Dr. Wirth sagt u. a.: Das oberjchlestsche Volk hat auch die unsäglichen Leiden der letzten Zeit geduldig getragen in dem Glauben, daß die Entente jetzt dem Recht nach­drücklich gegen die Rechtsbrecher zum Siege ver­helfen werde. Das deutsche Volk hat auch nach ausländischen Urteilen ein bewundernswertes Beispiel aufrichtigster Friedensliebe während des Aufstandes an den Tag gelegt. Ohne Partei­unterschied aber besteht das deutsche Voll auf sein Recht auf Oberschlesien. Deutschland wünsche weiter im Interesse des Friedens ein gutes nach­barliches Verhältnis mit Polen und im Interesse der Kultur und Menschlichkeit den Aufstieg des jungen Polenstootes. Deutschland gebe den ge­ringen polnischen Minderheiten die Freiheit, die es für die großen deutschen Minderheiten in An­spruch nehme, die ohne Volksabstimmung zu Po­len geschlagen wurden. Im Interesse Europas und des demokratischen Fortschritts müßte es aber auf'seinem guten Recht fußen und gegen eine Regelung der oberschlesischen Frage pro­testieren, welche den Chauvinismus auf allen Seiten verewigen und einen unauslöschlichen Brandherd im Osten Europas schaffen würden. Der Abstimmunzserfolg werde eine bleibende Erinnerung des deutschen Volles sein. Ihn ge­gen alle widerwärtigen Umstände durchgesetzt zu haben, werde eine reiche Genugtuung und Lohn sein für alle, die an diesem Ziele mitgewirkt hät­ten. Er ergreife die Gelegenheit, um nochmals zu danken den Oberschlesiern für ihre Treue, dem deutschen Volle für sein festes Zusammenstehen, auch der Presse aller deutschen Parteien in Ober­schlesien, Schlesien und im ganzen Reich und zu­letzt auch den deutschen Helden im Abwehrkampf.

Der preußische Minister des Innern Dominicus sagt u. c-r Die aus den Abstim­mungsgebieten Geflüchteten und Geschädigten, oie sich in Wer- und

werden von dem Obervrasidenten in Oppeln, Ver­waltungsstelle Breslau, vorläufig die Entschädi­gungen erhalten. Die im übrigen Deutschland sich befindenden Geschädigten können sich unmit­telbar an das Fürsorgeamt für Beamte in den Grenzgebieten in Berlin wenden. Ferner wäre zu berücksichtigen, daß für Beamte, die während des Aufstandes außer Sach- und Körperver­letzungen nicht zuletzt auch seelische Aufregungen und Nachteile erlitten haben, sich eine besondere Zuwendung zum Ausgleich notwendig mache.

Der Führer der oberschlesischen Notwehr, G e- neralleutnant a. D. Höfer, ein gebore­ner Oberschlesicr sagt u. a.: Polnischer Größen­wahn und Gewaltimperialismus nutzten die Ohnmacht des deutschen Reiches aus und über­zogen das arme Oberschlesien mit einer skrupel­losen aufhetzenden Propaganda, die ObersMenen zu dem schwerstgeprüften und mißhandelsten Lande der ganzen Welt gemacht hat. Zu einer Stätte des Aufruhrs, Mordes, Raubes und der Plünderung wurde das Land gemacht. Tun die entscheidenden Faktoren Oberschlesien jetzt wieder Gewalt an, so werden wir es bei unserer Wehr­losigkeit und Rechtlosigkeit jetzt wohl hinnehmen müssen, niemals aber werden wir dies als Rechtszustand anerkennen.

Der Kolleklivschritt der Allllerken.

Die Angelegenheit des Truppentransportes nach Oberschlesien fand nunmehr ihre Erledigung. Heute mittag erschien beim Reichsminister des Auswärtigen der ftanzösische Botschafter, der englische Botschafter und der italienische Ge­schäftsträger und überreichten ihm nachstehende von den drei genannten Vertretern unterzeichnete Note:

Berlin, 3. August 1921. Der Botschafter Frankreick,s, der Botschafter Englands und der Geschäftsträger Italiens beehren sich im Auf­trage ihrer Regierungen die deutsche Negierung zu ersuchen, die nötigen Vorkehrungen zu tref­fen, um durch alle möglichen Mittel den Trans­port alliierter Truppen durch Deirtschland zu erleichtern, den die Lage in Oberschlesien jeden Augenblick nötig machen könnte.

Mündlich wurde noch hinzugesügt, daß es sich hierbei nicht um ein Ersuchen handele, schon jetzt Truppen zu befördern, sondern um eine grimd- sätzliche Bereiterklärimg Deutschlands, dies auf eine spezielle Aufforderung der drei Mächte hin zu tun. Der Reichsminister des Auswärtigen antwortete, daß dieses Verlangen dem seitens der deutschen Regierung in dieser Angelegenheit eingenomenen Standpunkte entspreche. Er er­klärte ^' bereit, in diesem Sinne mit dem Reichsverkehrsminister in Verbindung zu treten.

Die Sturmzeichen mehren sich.

Blättermeldungen aus Beuthen zufolge meh­ren sich die Sturmzeichen in Oberschlcsien. In Schopinitz haben die PolenUmzüge veranstaltet, die schließlich zu Gewalttätiakeite« araca feie

deutsche Bevölkerung aus arteten. Auf der Strecke BeuthenMieschowitz wurden wiederholt Stra­ßenbahnwagen angehalten und die Fahrgäste ver­prügelt. Auch aus Radzionkau wird schlimmster polnischer Terror gemeldet. Der Strom der deutschen Flüchtlinge aus den von den Polen heimgesuchlcn Landorten nach Beuthen nimmt einen immer größeren Umfang an.

DasBerl. Tagebl." berichtet über eine Reihe großer Waldbrände in dem ganzen oberschlesischen Abstinmngsgebiet. Der Gieschwalder Hochwald steht in Flammen. Es brennt auffälligerweise an mehreren Stellen. In Petrowitsch bei Nikola sind ebenfalls verheerende Brände ausgebrochen. Auch aus der Umgegend von Gleiwitz^ werden Brände gemeldet. In allen Fällen liegt anschei­nend Brandstiftung vor und man vermutet, daß es sich um eine neue Kampf Methode der Polen handelt.

Die Einladungen zm Sitzung des Obersten Rates.

Paris, 3. Aug. (Havas.) Die Einladungen zur nächsten Sitzung des Obersten Rates wurden heute von Briand versandt. England, Italien, Japan und Amerika wurden eingeladen. Belgien, wird eingeladen, falls die Frage der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten besprochen wird. Japan wird durch seinen Botschafter in Paris vertreten sein. Der französische Botschafter in London wurde beauftragt, den amerikanischen Botschafter in London, Harvey, der Amerika vertreten soll, einzuloden. Eine Tagesordnung würbe den Ein­ladungen nicht beigefügt. Das Programm der Beratungen wurde von Briand und Lord Har­dinge bei ihrer Besprechung am letzten Freitag geprüft. Die beiden Kanzleien von London und Paris haben in dieser Angelegenheit einen Mei­nungsaustausch vorgenommen, es wurden jedoch noch reine endgMtsen Beschlüsse gefaßt Lord Hardinge ist abermals von Paris nach Lönoon abgereist.

Die Derieikung -er ReparaNons- zahlungen.

Paris, 3. Aug. (Havas.) DerTemps" er» fährt, daß am 1- Mai d- Js. die Reparations- kommission in ihren Kassen eine Summe von 124 Millionen Goldmark besaß, die in erster^ Linie zum Ausgleich der Besatzungskosten der alliierten Heere bis zu dem genanten Zeitpuntt dienen sollten. Da Großbritannien der höchste Betrag geschuldet würde, beschloß die Reparationskom­mission, ihm den Rest von 124 Millionen Gold­mark zuzuweisen. Andererseits hat die Repara- tionskomission seit dem L Mai in Ausführung der Zahlungsaufstellung einen Betrag von 350 Millionen Goldmark erhalten, der bis zum 31. August auf 1 Milliarde gebracht werden soll. Auf, diese Zahlungen hat Belgien ein Priori­tätsrecht bis zur Höhe seiner Kriegsschuld, die auf 2 Milliarden Goldmark oder 2% Milliarden Goldfranks geschätzt wird. Es wurde eine Ver­einbarung getroffen, nach der Belgien alle in bel­gischen Franken, in Dollars, Gulden und Pesatas bezahlten Summen vorbehalten bleiben. Die in französischen Franken bezahlten Beträge, etwa 70 Millionen Franken, werden Frankreich über- wiefen. Die in Lire bezahlten, ungefähr 30 Mil­lionen Lire, erhält Italien. Zwischen Belgien und England werden Verhandlungen angsbahnt wegen der Zuteilung der in Pfund Sterling be­zahlten Beträge. Die restlichen 650 Millionen Goldmark, die Deutschland vor dem 31. August zur Vervollständigung der ersten Milliarde zu zahlen hat. werden in ihrer Gesamtheit Belgien urgeteilt. Belgien wurde benmach ungefähr 850 Millionen Goldmark von der ersten Mlliarde er­halten. X

Der Frankfurter Kommunifleuprozetz.

Frankfurt «. M., 3. Aug. Im Frankfurter Kommunikteuvrozeß, ix dem 19 Personen, darunter eine Frau, Irenen Vergebens gegen die Verordnung der Reichspräsidenten Hont 30. Mai 1920. die einen Zusammenschluß zu militärischen Verbände» verbietet, wurden sämtliche Angeklagte nach siebentägiger V-» Handlungsdauer fr c i gesp r o ch e n. Der Staat»' anwalt batte Strafen bis zu drei Jabren Gefängnis beantragt. In der Urteilsbegründung beißt er it. a.:

Al? ein «ertvoller Ergebnis des vorliegenden Pro- reffte ist die Feststellung zu bezeichnen, daß in Deutsch, land auch nach dem vierten August 1920 in kommu­nistischen Kreisen eine kommunistische Organisation be­standen bat und zwar eine zentralistisch geleitete. Das Gericht hält es nicht für ausgeschlossen, daß die Partei­leitung offiziell die Aufhebung der militärischen Or­ganisation beschlossen baden mag, daß sie aber außer- stände war, die Fortentwicklung dieser Bestrebung ,M unterbinden. Des Gericht nimmt auch an, daß eine große Anzatl von Parteimitgliedern jederzeit zum mili­tärischen Kampfe mit der Waffe sich bereit zeigten und! zeigen werden. - , -