Einzelbild herunterladen
 

Einrückungsgedübr:

SieSgeib. Koloneizeile oder deren Raum 1.50 9Jtf.. die 4geio. Zeile im Reklameteil 4.50 Mk., Finanzinierate 1,70911 f. Öfters gebühr 30 Psg. Bezugspreis: Viertel­jahr!. 14.40 Mk..mvnatl. 4.80 Mk.. f. Postbezug viertel- jabrl. 15.90 Mk. monatl.5.30Mk. DieNummer20Psg.

Poitickeck-Konto Nr. 26G59. Frankfurt a. M.

AmMches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermühte.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil Rickard Hultlck: tür lokalen und provinziellen Teil iowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenbausbuckdruckerei Hanau. Fernivreckanicklüste Nr. 1237 und 1238.

Sir. 178

Dienslag den 2. August

V

1921

Das Neueste.

I Die Tagung des Obersten Rates findet Mmehr am 8. August in Paris statt.

Lloyd George gab gestern eine Erklärung Der das englisck-franzdsische Kompromiß ab.

I Die Washingtoner Regierung hat den Zuschlag der Mtif^ Regierung, eine Vor- Wferenz vor dem Sufament'-ot der Konferenz Wer bie Frage des Fernen Ostens einzuberufen, Wgelebnt.

Der italienischen Regierung wurde im Se- Mt nach Bespreâung der Außenpolitik das Ver- liw" -----'"rochen.

I Wie aus der Beantwortung einer kleinen Wrage durch den Reickse^äb'-ungswinisier ber- «geht, ist aevlant, die zukünftigen Viehlieferun- an dw Entente öffentlich a"^"'^'-eiben.

I BläUer^eihung-n aus StettinitfnTw ben die streikenden Stettiner Baua>"be!ter das ;*e Angebot der Slrbeitct^sr in der LoW- und \ rlaubsfmge erneut abgelehnt. Darauf haben 8 8 Arbe'weber in weiteren Orten Pommerns die - luarbeiter ausgesperrt.

* Oderschlesien

. ne Frage von Sein oder Nichtsein

, für Deulschlany.

em ' Die Tagung des Obersten Rates ist nun- ehr auf den 8. August anberaumt worden ^Wd zwar soll sie in Paris stattfinden. Dort soll w Regelung der eigentlichen oberschlesischen Mage vor sich gehen. Wir sehen dieser Tagung Besorgnis entgegen, denn es geht dabei Frage von Sein oder Nichtsein ' D Deutschen Reiches, wenn Oberschlesien auch

M eit ;bii

k. trf t.:

r

len geht. Der französische Teilungsplan, Ser r uns unerträglich ist, ist zwar nicht derjenige Kglands. England will uns eine bessere Linie »gestehen. Welche, ob eine gute oder eine liechte, ist heute durchaus unklar und hängt hon ab, ob die englische Regierung auf der tnferenz das nötige Rückgrat gegenüber den Knzöüsch-polnischen Hegemonieabsichten zei- |ti wird. Neulich hieß cs, Lloyd George wolle I der Konferenz nicht teilnehmen und werde |rd) Lord Curzon vertreten sein. Dieser Mi- Dier ist in seiner Politik Frankreich zugeneigt P dürfte eher von Briand zu beeinflussen im als vielleicht Lloyd George, der immerhin aller seiner Schwankungen im Interesse

1

I

Wer Politik sich davor hüten muß, daß bcr Hnzösisch-polnische Einfluß auf dem Kontinent Wmer größer wird. Die Teilung OberschlS' Ms zugunsten Polens würde aber die Ueber- A Oadjt Frankreichs auf dem Kontinent immer Wehr geltend machen, und diese Hegemonie- ß Mung müßte dazu beitragen/ vaß sich der L Wnzösische Einfluß auch in anderen Fragen die der englischen Einflußsphäre näher Kgm. Außerdem würde die Zusprechung Werschlesiens an Polen die wirtschaftliche Lage Wwpas und die Kohlenkrise außerordentlich Mweren, da ein polnisch gewordenes ober- i'lhiesisches Industriegebiet in seiner Bedeutung M8erordentlich verlieren müßte. Lloyd George p e sich auch darüber im klaren sein, daß Won die Teilung für Oberschlesien eine außer- Wentlich ernste Gefahr werden wird. Die Her- Weißung einzelner Stücke aus dem oberschle- »Wchen Jndustriebezirk wäre gleichzusetzen einer «'Mrstüppelung eines organischen Ganzen. Die Wiche Politik wird wohl wissen, was die ^stückelung eines Wirtschaftskörpers be-

86,1 le«

M M Ä

.,}L Angesichts dieser in unmittelbare Nähe ge- 1 UEten Entscheidung halten wir es für nötig, E deutschen Volksgemeinschaft nochmals mit Deutlichkeit vor Augen zu führen, um ifliÉ^jür ein Problem es sich handelt, über das Rat zu beschließen haben wird. Die - ^em Friedensvertrag von Versailles Ü ^haltete Volksabstimmung hat mit einer , ^^âehrheit für Deutschland entschie­dn " Unb danach muß sich der Oberste Rat, wenn Precht sein will, bei seiner Entscheidung K 3U welchem Zwecke hätte man sonst âtimmung überhaupt abhalten lassen, p*,man sich über das Ergebnis nunmehr .d Mwegsetzen will? Um es nochmals kurz

jn II» B

Dir bestehen darauf, daß Oberschlesiev Mieilk und ohne jede Grenzbcrichtigung M Reiche verbleibt. Oberschlesien ist ein uns * wirtschasttich einheitliches, soziales ^geographisches Gebiet. Auch nur einen tu!1 seiner augenblickuchen Grenze zugun- M|. P°iens zu verschieben, hieße, an der Le- ^ierung das schwerste Unrecht begehen, das

.17#

Bald wird es sich zeigen, ob man den Mut hat, ein neues Unrecht zu den vielen Ungerech­tigkeiten hinzuzufügen, die man. an dem wehr­losen Deutschland seit Abschluß des Waffen­stillstandes zu begehen sich erdreistet hat.

Lloyd George über das Kompromiß.

London, 1. Aug. (Unterhaus.) In Beant­wortung einer Anfrage gab Lloyd George fol­gende Erflärüng ab:

Ich schätze mich glücklich, dem Hause mitteilen tu können, daß wir zu einem zufriedenstellenden Uehereinkommen mit Frankreich gekommen sind, damit der Oberste Rat d«e Frage Oberschlesiens prüfen kann. (Beifall.) Der Oberste Rat wird in Paris am 8. August zusamentreten, um sich über die ^Ergebnisse der Volksabstimmung in Oberschflesien und die Berichte der Abstimmungs- kommission auszusprechen. Der erste Punkt der Tagesordnung wird der sein, zu. entscheiden, ob bis zur Bekanntgabe der Entschließung betr. der Zuteilung Verstärkungen in dem Abstim­mungsgebiet notic sind oder nicht. Inzwischen haben der französische, der britische und der italienische Botschafter in Berlin bei der deut­schen Regierung einen gemeinsamen Sckrflt un­ternommen, damit Deutschland bereit ist, den Transport der alliierten Truppen durch Deutsch­land zu febem, Augenblick, wenn der Oberste Rat entscheidet, daß die Lage in Oberschlesien dies er­fordert,, zu erleichtern.

(Wie wir erfahren, wM der oben erwähnte aemein^awe Schritt der Vertreter Frankreichs Englands und Italiens in Berlin heute morgen noch nickt erfolgt. Der Schritt dürfte im Laufe des' heutigen Tages zu erwarten sein.)

Polnische Vorbereitungen.

Jpy. London. 2. Aug. Aus den Berichten von englischen Offizieren in.. Obexschlesien wird, nach der Auffaffung der amtlichen englischen Kreise mit einem neuen polnischen U n- ternehmen erst zu rechnen sein, wenn die Alliierten eine Entscheidung getroffen haben, welche von den Polen nicht anerkannt wird. In diesem Falle steht zu erwarten, daß sich erhcblickie Teile der polnischen Armee bitt Besetzung Ober­schlesiens anschließen werden. Ein derartiges Er­eignis dürfte, unter den Alliierten neue Sp4nnAN- gen veranlassen, die von großer Tragweite sein dürften

Jpu. Warschau, 2. Aug. Die polnische Preffe läßt bereits keinen Zweitel darüber, daß.von polnischer Seite iebe Entscheidung der Alliierten welche Polen unbefriedigt läßt, nicht anerkannt wird. Einige nationalistische Blätter sprechen noch deutlicher und erklären, daß Polen die Aus­führung derartiger Beschlüsse zu verhindern weiß. Derar^ge Vorbereitungen stnd schon seit Wochen getroffen worden Das Los Oberschlesiens hängt nach polnischer Auffassung allein von den Polen ab. wie Konfanty vor seiner Abreise nach Paris erklärte

Ein polnischer Oberster Volksrat.

Beuthen, 1. Aug. Nach dem Sorbilbe des deutschen Ausschusses für Oberschlesien wurde, wie die boInWien Blätter melden, ein polnischer Oberster Volksrah für Oberschlesien ins Leben ge­rufen, dem zwölf Vertreter der polnischen' Par­teien und Gewerkschaften angehören. An der Spitze des Volksrates steht ein viergliedriges Präsidium, dessen Vorsitzender Rymer ist. Der Volksrat hat seinen Sitz im Hotel Lomnitz in Beuthen. Seine wichtigste Aufgabe nennt der Voflsrat den Schutz der Interessen der volnischen Bevölkerung und boten Vertretung bei der inter­alliierten Kommission.

Eine englische Regierungskommission in Pleß und Rybnik.

Nach einer Meldung desBerl. Tazebl." wer­den die oberschlesischen Kreise Pletz und Rybnik zurzeit von einer englischen Kommission bereift, die sich im Auftrag der englischen Regierung über die Stimmung der dortigen Bevölkerung unter­richten soll. Dem Blatte zufolge will anscheinend die englische Regierung den Bericht dieser Kom­mission bei der Entscheidung über Oberschlesien und speziell über diese beiden Kreise verwenden.

Eine Amerikanerin über Oberschlesien.

Frankfurt a. M., 1. Aug. In einer vom Ver­band heimattreuer Oüerschlesier einberufenen Ver­sammlung sprach die bekannte Amerikaners Ray Reveridge über die oberschlesische, Frage. Dce Rednerin führte eingehend aus, wie das strittige Gebiet deutschen Charakter trägt und nur bei Deutschland weiter gedeihen könne und behan­delte dann die polnischen Greueltaten, die sie zum Teil selbst kennen gelernt hat. . Der von star­rem sympathischen Gefühl für Deutschlands Lache getragene Vortrag machte tiefen Eindruck. An die Reichsregierung wurde eine Entschließung ge­sandt, die die Einsetzung aller Kräfte für das un­geteilte Verbleiben Obericklestens bei Deutsch-

Vertrages von Rapallo erklärte er, er werde alles tun, um Italiens Verpflichtungen zu erfüllen und werde nachdrücklich fordern, daß die Rechte Italiens geachtet werden. Der Minister schloß mit der Bitte um das Vertrauen des Senats. Die Erklärungen des Ministers wurden beifällig ausgenommen.

Rom, 2. Aug. Der Senat hat mit 116 gegen

17 Stimen bei 21 Enthaltungen eine Tagesord­nung angenommen, die der Legierung das Ver­trauen ausspricht.

Aus der Freien Stadt Danzig.

Danzig, 1- Aug. Die interalliierte Kommis­sion für die Verteilung des ehemalien Staatseigentums gab dem Senat der Freistadt Danzig weitere Entscheidungen bekannt. Der freien Stadt Danzig wird u. a. zugeteilt: Die Artilleriewerkstatt einschließlich des Gelän­des, die Gebäude der dort befindlichen Maschinen, die Gebäude der Gewehrfabrik, die beiden Hn- sarenkaserncn, die Trainkaserne, das Traindepot, das Proviantamt, die St. Elisabethkirche, das Konsistorium sowie der nördliche Teil des großen Exerzierplatzes in Langfuhr, mit Ausnahme eines Geländestreifens von 50 Meter Breite entlang der Eisenbahn. Dem Hasenausfchuß wurden zuge­teilt: Das Hafenamt, das Hasenbaruimt und das Lotfenamt mit dem Gelände und dem dazu ge­hörigen Inventar. Außerdem wurden Hinzuge- teilt: Das Gelände nördlich des Freihafens und südlich des Brölener Wäldchens, einschließlich eines Geländestreifens von 20 Mtr. Breite zur eventl. Weiterführung und Erweiterung der Eisenbahn, das Marinekohlenlaoer mit Ausnahme der Tanks, die Behälter für Petroleum einschließ­lich der Koksbrennmaschinen und Leitunasein­richtungen, das Gelände südlich des Weichsel­dahnhofes, ÄÜs der Welchselstroni-Bauverwaltung gehörte, sowie in Neufahrwaffer gelegene Häuter. Diese Zuteilung ist unter dem ausdrücklichen Vorbehalt gemacht, daß, wenn ein Teil dieser Ge­lände endgülst- dazu bestimmt wird, als Lager- vlatz für den Transprot und die Lagerung einer für Polen bestimmten Division und als Anlege­platz für die polnische Flotte gemäß den Resolu­tionen des Völkerbundrates zu dienen, der Hafen- auskchnß alle notwendigen Maßnahmen treffen müsse, um das ihm zugeteilte Gelände zur Ver­fügungM stellen. Dem Hafenausschuß sind fer­ner ab jetzt zugeteilt, die Nutznießung über die Verwaltung folgender Güter: 1. Westerplatte. 21 Weichsefmünde mit Ausnahme der Forts und des diese umgebenden Grabens. 3. Munition rboscn mit Ausnahme des Geländes, das gegenwärtig von den polnischen Rückwandererlagern benutzt wird, 4. Holminsel mit Ausnahme des Teiles, der der Werft eingeräumt ist.

Danzig, 1. Aug. Da die von der sozialdemo­kratischen Partei für Donnerstag beabsichtigte De­monstration auf dem Heumarkt verboten wurde, rufen heute der Allgemeine Gewerkschrstsbund, der Allgemeine st eie DngMllwnbanb (Afa), die sozialdemokratische Partei, die unabhängige so­zialdemokratische Partei und die kommunistische Partei zu einem am Donnerstag staitfindendcn 24ftünbiaen Generalstreik der Arbeiter. Angestell­ten und Beamten auf. Es soll protestiert werden gegen unerhörte Belastung durch direkte und in­direkte Steuern, gegen die Erhöhung der Woh- nungsmictcn, die gewaltige Verteuerung der Le­bensmittel und gegen die beabsichtigte Erhöhung des Brotpreise? Als Ausgleich der Teuerung wird eine Erhöhung der Löhne und Gehälter, eine Erhöhung der Bezüge der Invaliden, Wit­wen, Waisen und Kriegsbeschädigten, der Armen- und Erwerbslosenunterstützungen gefordert.

Vor neuen Stürmen auf dem Balkan.

Wahrheit oder französische Stimmungsmache?

Wie der Pariser Vertreter derStraßburger Neuesten Nachrichten" aus informierten Pariser diplomatischen Quellen vernimmt, liegen in Paris sehr bestimmt lautende Meldungen vor, denen zufolge Bulgarien Einberufungen von Re­serven vorgenommen habe und einen Angriff ans Griechenland vorbereite. Man befürchtet in Pa­riser Regierungskreisen, daß die Einmischung der Bulgaren in den griechisch-türkischen Konflikt folgenschwere Erscheinungen in Europa zeigen werde.

Straßburg, 1. Aug. Der Pariser Vertreter der Straßb. Neuest. Nachr." meldet: In Pariser Regierungskreisen ist man der Meinung, daß der August in volitisch-diplomatischer Hinsicht schwere Gefahren bringen werde. Es besteht die Ueber­zeugung, daß die Konferenz des Obersten Rates lediglich eine erhöhte Spanung der Lage ergaben werde, aus der die Ententestaaten selbstverständ» Ilch nur geschwächt Verborgenen werden. Außer« dem hegt man in Paris die ernstesten Besorgnisse wegen der bolschewistischen Aktion in den mor^ genländikchen und balkanischen.Gebiete»»,'

land fordert. Ferner wurde an den Präsidenten Harding ein Telegramm gerichtet, in dem er ge­beten wird, einzugreifen, damit die oberschlesische Frage gereckt entschieden wird. Sollten Entente­truppen nach Oberschlesien geschickt werden, so wird die amerikanische RecO'-mna gebeten, auch amerikanische Truppen zu entsenden.

Rücklrillsabfichlen des Kabinetts Wirch.

(Letzt? Meldung.)

Hamburg, 2- Aug. DieNeue Hamb. Ztg." veröffentlicht eine Zuschrift aus politisch gut unterrichteten Kreisen, in welchen zu der Frage des Rücktritts des Kabinetts Wirth Stellung genommen wird. Unter Berufung auf Aeußerungen verschiedener Kabinettsmitglieder stellt die Zuschrift fest, daß man sich allgemein klar über bie Notwendigkeit des Rücktrittes sei, falls es in der oberschlesischen Frage und der Angelegenheit der Sanktionen keinen Erfolg er­ziele. Es wird hinzugefügt, daß das Parlament in seiner übergroßen Mehrheit den Standpunkt der Regierung teilt, und daß es nichts tun werde, um die Konsequenzen hintcmzubalten. die die Re­gierung selbst zu ziehen entschlossen sei. Wörtlich heißt es dann:

Von der Entscheidung über Oberschlesien und die Sanktionen hängt also das Schicksal des Ka­binetts Wirth und das Schicksal Deutschlands und darüber hinaus eines großen Teiles der Welt ab. Diese Entscheidirno würde eine vernichtende Wirkung aber nicht bloß ausüben, wenn sie zu Ungunsten Deutschlands und der Gerechtigkeit er­ginge, sondern auch, wenn Re ganz oder zu einem wesentlichen Teile hinaus gezögert würde.

Flattens Autzenpottlik.

Ein Vertrauensvotum für die italienische Regierung.

Rom, 1. Aug. Im Senat erklärte der Mini­ster des.^Aeußern beim Abschluß der Debatte über die Regierungserklärung, Italien müsse die aus dem Friedensvertrage sich ergebenden Verpflichtungen achten, auf denen sich Italiens Politik aufbauen müsse. Italien müsse seiner­seits verlangen, daß alle Mächte, die den Ver­trag unterzeichneten, Italiens Rechte ihrerseits achten. Bei zweifelhaften Fragen werde Ita­lien den Geist der Versöhnlichkeit sprechen lassen. Die äußere Politik Italiens müsse im wesentlichen von wirtschaftlichen Gesichtspunk­ten geleitet fein, denn Italien brauche die aus- ländiicheu Rohstoffe und die ausländischen Märkte. Durchaus erforderlich sei, daß das Gleichgewicht am Mittelmeer nicht weiter zu Italiens Nachteil gestört werde. Demzufolge fei die Unantastbarkeit und bie. Verwirklichung der durch den Dreiverband Italien zugesicherten Vorteile ficherzustellcn. Es bedürfe daher einer Verständigung mit den Alliierten und einer Politik im Geiste loyaler Zusammenarbeit. Der Minister erklärte weiter, Italien habe in An­gora wegen der Zwischenfälle von Adalia Pro­test eingelegt und? feine Seestreitkräfte in Kon­stantinopel verstärkt. Der Zweck dieser Maß­nahme sei einerseits eine Warnung, anderer­seits sei sie als möglicherweise notwendig wer­dender Beitrag zur Verteidigung der Meer­engen durch die Alliierten gedacht. Es sei unbedingt erforderlich, daß die Meerengen für Die friedliche Schiffahrt geöffnet bleiben. Be­züglich Albaniens erklärte der Minister, Ita­lien sei am meisten an dem Schicksal des Nach­barlandes interessiert und müsse darüber wachen, daß die von Italien zu Gunsten der Unabhängigkeit Albaniens ergriffenen Schritte nicht zum Vorteil anderer unter Schädigung der Freiheit Albaniens und der lebenswichtigen (trategiiefjen Interessen Italiens auslaufen. Sollte gegen alle Voraussicht und gegen Ita­liens Wunjch das von Italien aufgestellte Pro­gramm undurchführbar fein, so müsse die ganze albanische Frage nochmals auf der Grundlage der vorherrschenden Interessen Italiens geprüft werden, die von den Alliierten bereits aner­kannt seien.

Der Minister erklärte dann, die oberfchlcsische Frage werde vor den Obersten Rat kommen; sie sei sehr heikel. Italien werde sich bei Besprechung dieser Frage beteiligen und dabei seine eigenen tatsächlichen Verhältnisie im Auge behalten, sich aber natürlich vor allem auf den Vertrag von Versailles stützen. Es werde jederzeit den Geist der Versöhnung an den Tag legen sowie den Geist der Versöhnung und der Achtung vor den Rechten eines jeden Volkes. Angesichts des Ernstes der Lage und der Tatsache, daß man am Vorabend einer wichtigen Entscheidung stehe, glaubte della Teretta keine weiteren Einschrän­kungen mehr geben zu sollen. Bezüglich des