Hanau
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General-Anzeiger
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M. 176
Samsiag den 30. Juli
1921
Das Neueste.
j — In der Antwortnote an Frankreich bringt j Maud sein Erstaunen über das alleinige Vor- ân Frankreichs zum Ausdruck.
8 — Die Reichsregierung mahnt das deutsche M angesichts der herannahenden Entscheidung über Oberschlesien zur höchsten Zurückhaltung.
— Die alliierte Sachverständigenkommission wr Prüfung der Aufteilung Oberschlesiens ist gestern zusammengetreten
— Der neue Reichstarifvertrag für das deutsche Bankgewerbe ist gestern von den Beratern des Reichsverbandes der Bankleitungen Wd den Angestelltenverbänden unterzeichnet morden.
— Lloyd George erklärte im Unterhause, die englische Regierung habe das offizielle Datum der Beendigung des Kriegszustandes zwischen allen früheren feindlichen Staaten, mit Aus- nchme der Türkei, auf den 1. September festgesetzt.
- In Stuttgart herrscht zur Zeit eine Wassernot, wie man sie noch nie erlebte. Große Stadtteile von Stuttgart sind ohne Wasser.
England und Frankreich.
Die englische Antwort. — England von Frankreichs Vorgehen überrascht. — Frankreich verharrt auf seinem Standpunkt.
Paris, 29. Juli. Lord Hardinge, der englische Botschafter in Paris, übereichte heute Briand die Mivort seiner Regierung auf die letzte franzö- ische Note. Die Unterredund.dauerte dreiviertel Stunden.
, Das Reutersche Büro erfährt, daß die Note, >iè gestern abend von der britischen Regierung an Frankreich gesandt wurde, ein in versöhn- .UM gber gleichzeitig in energischem Tone ge- WMes Dokument ist. Sie wurde von Lord Eur- M nach dem gestrigen fKimjterraFstüsg^ und in der Nachmittagssitzung von den Ministern mit. nur einigen geringfügigen Aenderungen nach einstündiger Debatte angenommen. Die Note ist ein etwa 12 Seiten langes Dokument. Der erste Teil enthält eine Prüfung der von der fmuzösi- schen Regierung vorgebrachten Tatsachen und wiederholt in klarer Form die Aufzählung er Ereignisse, die seit der Ueberreichung der französischen Note an Deutschland am 16. öuli ohnevorherige Verständigung mit den Alliierten sich abgespielt wn. Das war das, erste Anzeichen eines Ab- gckens von der Politik der Zusammenarbeit, die bisher befolgt wurde. Diese Aufzählung dient nur dazu, die französische Regierung an das zu erinnern, was sich tatsächlich ereignet hat, sondern auch dazu, die Form zu beleuchten, in der die britische Regierung immer das Prinzip der Men Zusammenarbeit und der gegenseitigen Verständigung zwischen den Alliierten befolgt hat. Sodann bringt die Note die Ueber- Heschung zstm Ausdruck, die die britische Re- ?ierung_ bei der Aenderung der Haltung der Mnzösischen Regierung empfunden hat, die in den ersten Tagen dieser Woche sich von dem Prinzip der Zusammenrbaeit entfernte, auf das Curzon und der französische Botschafter dringend hingewiesen und worüber sie sich ver- itandigt hatten. Die französische Regierung wird M die Tatsache erinnert, daß nach dem Zwischen- M von Frankfurt im April des vergangenen Jahres der damalige Ministerpräsident Millerand die endgültige Zusicherung gegeben daß die französische Regierung in Zukunft isolierten Maßnahmen mehr in
Fragen treffen würde, wen Interessen der Alliierten
die die gemein-
Interessen der Alliierten berühren.
Die Note drückt dann die Ueberraschung aus, °!« mcht nur durch die offenbare Absicht der frè isllschen Regie ung, von dem damals angenom- «enen _ Prinzip abzuweichen, hervorgerufen ^urde, sondern auch durch den ungewohnten und "Isevsichtlich unfreundlichen Ton der Mitteilung S ftanzösischen Regierung vom letzten Mittwoch.
Widerstrebt der britischen Regierung zu glan- A daß ein solcher Ton unfreundliche Absichten mens der französischen Regierung einschließt.
was Großbritannien verlangt, ist, daß eine ^!?nz, die durch die schrecklichen Opfer der Inerten zusammengekittet wurde, auf der gier rh? Grundlage gegenseitigen Vertrauens weitcr- Die Note setzt hinzu, daß G r o tz b r i - «nni.en, um zu diesem Ziele zu kommen, der höfischen Regierung schon viele Zuge- L“nkniffe gemacht habe und bereit sei, z u m a ch e n, wenn Frankreich fortfahre, Akn-b vollständig Betreffs seiner Wünsche auf . in Laufenden zu balten. Was aber das Prinzip .^ gemeinsamen Verantwortung der Alliierten di-?berschlesischen und in anderen Fragen, die ^ftiedensv ertrüge berühren, anbetrifft, so ist Großbritannien durchaus unmöglich, Verhand-
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langen gutzuheißen, die unvermeidlich die Grund- schlossen, in enger Fühlungnahme mit der Belagen der Allianz infolge des durch den Ton der letzten französischen Note Berborgerufenen Erstaunens erschüttern müssen. Die britische Regierung flilht sich verpflichtet, zu fragen, welche Erklärungen die französische Regierung ihr für ihr Verhalten geben will. Denn solange diese Frage nicht geklärt ist, ist es schwierig zu sehen, auf welcher Grundlage die Zusammenarbeit U.
der
Alliierten fortgesetzt werden kann.
Frankreich gibt nicht nach.
(Letzte Meldung.)
Paris, 30. Juli. „Petit Parisien" zufolge bestätigte der französische Ministerrat gestern unter dem Vorsitz Mitterands den Entschluß der französischen Regierung in Bezug auf die Entsendung von Truppender st ârkungen nach Oberschlesien. Frankreich berstete den Standpunkt, daß es in dieser Frage umsoweniger nachgeben könne, als es sich durch zwei diplomatische Schritte bei der deutschen Regierung gebunden habe. Che die französische Regierung auf diese Maßnahme verzichtet, die sie für unerläßlich halte, scheint sie, wenn möglich, unter ihrer eigenen Verantwortung handeln zu wollen.
Der „Matin" schreibt, es sei nur ein halbes Uebel, wenn man England einen diplomatischen Erfolg verschaffe. Es sei aber viel ernster, ein derartiges Geschenk dem Reichskanzler Wirth und dem Minister Rosen zu machen. Diese Herren würden zu leicht Geschmack daran finden. Gewiß sei es wahr, daß bas Vorgehen Frankreichs eine Unsicherheit in sich trage, aber bei einer Politik, die ewig diese Wagnisse vermeiden wolle, nicht gefährlich?
Die erste Sitzung des Sachverständigen- ausschusses.
Paris, 30. Juli. Die erste Sitzung des neu= eingesetzten Sachverständigenausschusses für die
Nach der Aufstellung eines Arbeitsplanes begab sich die Konferenz sofort an die Arbeit. Wie „Petit Parisien" schreibt, haben die Mitglieder des Ausschusses sich verpflichtet, strengste Diskretion über die Verhandlungen zu wahren. Das Blatt glaubt jedoch zu wissen, daß alle Ausschußmitglieder von dieser ersten Fühlungnahme einen sehr günstigen Eindruck gehabt hätten, sodaß sie die Hoffnung hegten, dem Obersten Rat einen gemeinsamen Grenzvorschlag unterbreiten zu können.
England will dieselbe Truppenzahl in Ober- schlesien haben wie Frankreich.
Paris, 29. Juli. Das „Journal" meldet aus London: Aus guter Quelle wird versichert: Wenn der Oberste Rat entscheiden sollte, daß die Absendung von Truppenverstärkungen nach Oberschlesien notwendig sei, dann England alle Anstrengungen machen würde, um genügend zahlreiche Truppenkontingente zu organisieren, damit England in Oberschlesien dieselbe Truppenzahl besitze wie Frankreich.
Das polnische Bandenunwesen.
Das „Berl. T-agebl " meldet weiteres Umsichgreifen des Bandenunwesens in Oberschlesien. Das Dorf Raschitz im Kreise Ratibor wurde von stärkeren polnischen Banden angegriffen. Besonders im Kreise Pleß ist die Lage außerordentlich unsicher und bedrohlich. In das Gut Waldhof drang ein Trupp Polen ein und stahl mehrere tausend Mark. Auch das Gut Adelheidshof wurde von den Polen beraubt und der Wirtschaftsinspektor schwer mißhandelt. Die Abwanderung der teutschen Bevölkerung aus dem Kreise Pleß hält infolge des polnischen Terrors immer noch an, da die französischen Besatzungsbehörden nichts zum Schutze der Deutschen unternimmt.
Italienisch-französische Zusammenstöße.
Die Blätter melden aus Oppeln, daß dos Verhältnis zwischen Italienern und.Franzosen in Oberschlesien mit jedem Tage gespannter wird. Gestern kam es zwischen italienischen und französischen Offizieren in Oppeln zu einer Schlägerei, die schließlich in eine Schießerei aus- lartete. Ferner fanden vor der Oppelner Kaserne zwischen italienischen und französischen Soldaten Zusammenstöße statt, Bei denen auch Handgranaten geworfen wurden. Auch in Kandrzin kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Italienern und Franzosen. In einem Zuge sich befindende Franzosen incigerten sich, sich von der italienischen Bahnhofswache kontrollieren zu lassen. Einer der Franzosen schoß auf die italienischen Mannschaften. Diese entwaffneten darauf die Franzosen und nahmen sie fest.
Mahnung zur Ruhe.
Berlin, 29. Juli. (Amtlich.) Angesichts der herannahenden Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens hat die Reichsregierung im Verein mit der preußischen Stawtsregieruug gestern be
völkerung Schlesiens dahin zu wirken, daß die
Bewohner des Landes sich auch weiterhin die größte Zurückhaltung auferlegen, um zu ihrem Teil dazu beizutragen, eine sachliche Entscheidung zu ermöglichen. Es gilt, der Welt ein Beispiel zu geben, wie ein Volk durch seine Selbstbeherrschung der sachlichen Lösung einer Frage von so großer Tragweite den Weg ebnet. Die Reichsregierung richtet ihre Mahnung nicht nur an die Schlesier, sondern an das ganze deutsche Volk. Sie erwartet, daß jeder, der der deutschen Sache dienen will, ruhiges Blut bewahrt und sich der hohen Verantwortung bewußt bleibt, die uns der Augenblick auserlegt. Jede unbesonnene Haltung würde die von uns beanspruchte sachliche und gerechte Lösung der Frage gefährden.
Die Korfanlytts -er sranz. Generale.
Ein Urteil aus Madrid.
Das Madrider Bftrtt „A. B. C." bringt in Nr. vom 17. Juli einen Artikel mit der Ueber- schrift „Der Ruin Oberschlesiens". Es heißt da wörtlich:
Alle Generale, welche Frankreich nach Oberschlesien schickte, sind krank geworden und kehrten in ihr Land zurück, um dort auf den Rat ihrer englischen Doktoren, die sich ebenfalls in den umstrittenen Gebieten befinden, ihre Gesundheit zurückzugewinnen. Die Telegramme sagen nichts über die Art der Krankheiten, an denen sie leiden. Aber das liegt klar auf der Hand, daß es sich um eine Epidemie handelt, von der allein die hohen Militärs befallen werden. Der General Le Rond ist am schwersten erkrankt, und er reiste aufs eiligste nach Paris ab.
Zu diesem Ergebnis kommt man, wenn man die Erklärungen der französischen Zeitungen über die Absetzung ihrer Militärs in Oberschlesien liest. In Wirklichkeit aber leiden sie alle an der Korsantyts oder. mit anderen Worten, an der
Nischen Banden war so unverschämt, so tölpelhaft verschleiert, daß die Engländer und Italiener mit ihren Protesten nicht zurückhielten, um nicht selbst mit schwerer Mitverantwortlichkeit belastet zu werden. Die französischen Offiziere arbeiten zufolge aus Paris empfangener Geheiminstruktionen, nachdem einmal der Plan eines polnischen Aufstandes beschlossen und Korfanty übertragen wurde. Die französischen Vertreter in Oberschlesien verbargen aber so schlecht die Rolle, die sie zu spielen hatten, daß diese Ungeschicklichkeit es ist, welche sie jetzt mit ihrer Ablösung bezahlen ...
Für niemand ist es Geheimnis, daß Warschau einen neuen Einfall in Oberschlesien plant. Verschiedene ftanzösische Zeitungen haben den Transport größerer Mengen von Waffen unK Munition aus Frankreich nach Polen über Danzig gemeldet. Die polnischen Jnsmgentenchefs Halten nicht an sich und erklären, daß nur wenige Tage fehlen, um Raub und Brandstiftung in größerem Maßstabe als vorher zu erneuern, und die Bevölkerung der bedrohten Gegenden flieht in Massen nach dem Innern Deutschlands. Der Ruin Oberschlesiens wird völlig sein, weil es so der Versailler Vertrag will.
Die neuen Skeuern.
Das Reichskablnett beschäftigte sich gestern mit den neuen Steuervorlagen. Nach dem „Vorwärts" einigte man sich auf eine Vermögenszu- wachsstcuer, eine Zuwachssteuer auf Kriegsgewinne und eine Umänderung des Umsatz- und Stcmpelabgabengesctzes. Wie der „Lokalanzeiger" erfährt, dürften die Besprechungen über das Steuerprobleitt mindestens noch zwei Kabinettssitzungen in Rnspruck nehmen.
Die WirlfchasMche KrKe -er Welt.
Kopenhagen, 29. Juli. Die „Finanztidende" schreibt über die wirtschaftliche Krise der Welt u. a.: Ehe nicht eine allgemeine Regelung, die den Erdball umfaßt, getroffen ist, wird die wirtschaftliche Krise nicht überwunden werden können. Selbst wenn das geschieht, können Jahre vergehen, bis Europa an dem Fortschritt beteiligt sein wird. Die Berichte aus Oberschlesien, den besetzten Rheingegenden, aus Rußland und vom Balkan zeigen die Summe der Not und des Hasses, von denen Europa verzehrt wird. Frankreich rächt sich brutal durch die Sanktionen, seine Negerpolitik und seine Machtbegierde. Seine Machtbegierde ist endlos. Seine Freunde ziehen sich von ihm zurück und isolieren es. In Oberschlesien stehen England und Italien wesentlich auf Deutschlands Seite. Im Mittelmeer orientieren sich beide auf eine Isolierung Frankreichs. In Kleinasien durchkreuzt England mit Hilfe Griechenlands die Intrigen Frankreichs. Ganz Europa wird durch diese Politik Mgrunde gerichtet,
Zum Kapitel „Kriegsschuld".
Solche Leser des „Hanauer Anzeigers", die die Frage nach der Schuld Deutschlands am Weltkrieg verfolgen, seien hingewiesen auf eine Reihe von Veröffentlichungen in der American Historical Review (eine wiffenschaftliche Zeitschrift erster Ordnung) aus der Feder von Mr. Sidney B. Foy, Jahrgang 1920. Der gründliche und auf sorgfältigste abwägende Verfasser kommt zu folgenden Schlußfolgerungen:
^Deutschland
wollte den Krieg
nicht'
(„Germany did not will the war").
Selbft wenn man nur die Ereignisse vom 29. bis 31. Juli 1914 sich vergegenwärtigt, „kann man deutlich sehen, wie die Deutschen zu der Ueber- aeugung gelangen mußten, daß ihnen der Krieg aufgezwungen wurde". Bethmann gab sich redlich Mühe, mäßigend auf Oesterreich einzuwirken; Oesterreich glaubte an die Möglichkeit, Rußland durch die Drohung mit einer deutschen Intervention zu bluffen. Aber die chauvinistische Presse hatte die russische öffentliche Meinung in einen Zustand gebracht, der ganz und gar nicht mehr der ehemaligen Niedergeschlagenheit infolge der Niederlage in Ostasien gleich war. So konnte Bethmann keine Erfolge erzielen — Oesterreich uud Rußland gaben beide nicht nach. „So wurde Deutschland der Krieg aufgezwungen von seinem eignen Verbündeten und von Rußland." („Germany hadwar forced upon her bh her own ally and by Russia.") (A. H. R., Oktober, 1920, p. 53.) Dr. Tischner.
Von Oberst Buddecke erhalten wir folgende Mitteilungen, die in den Erinnerungstagen des Kriegsausbruchs 1914 Interesse erwecken dürften.
Bei der Durchsicht der Kriegsbeute fand ich ein Schriftstück des ftanzösischen Kriegsministeriums vom Frühfahr 1914, worin dieses seine Zustimmung gab, daß der englische Generalsiabs- chef eine mehrwöchentliche Besichtigungsreffe an .der. i.anzöiuèn Ostgrenze ^ausführte, und hier- über Anordnungen traf. Kann es einen schlagenderen Beweis dafür geben, daß die Verschwörung der Entetne gegen Deutschland und deren Kriegsabsichten schon bestanden haben, ehe noch der Konflikt am Balkan ausgebrochen tvar? — Ferner entdeckte ich in dem Werke „Des Principes de la guerre" des französischen Generalissimus Foch folgende beiden Stellen, die zeigen, daß er die Schuld am Kriege 1870/71 Frankreich und die Schuld am Burenkriege England zuschiebt.
Nachdem General Foch zugestanden hat, daß die französischen Feldzüge 1854 und 1859 reine Kabinettskriege gewesen seien, erklärt er:
1. Auch der Krieg 1870/71 ist von der französischen Regierung aus dynastischem Interesse unternommen worden, um eine wankend« Macht durch einen vermutlich leicht zu er fechtenden Sieg zu befestigen.
2. Wer hat England in den Krieg gegen die Buren getrieben? Sicherlich nicht die Königin, sondern die Kaufleute der City. „Trade sollows the fing", der Handel folgt dem Krieg, sagt der Engländer als gewiegter Geschäftsmann.
Kann jemand nach solchen Bekenntnissen, abgesehen von allen anderen Beweisen, noch daran zweifeln, daß Frankreich und England auch den Weltkrieg aus Eroberungssucht und Geschäftsinteresse vorbereitet und entzündet haben? Wann wird endlich in der Welt die Wahrheit über die Lüge von'der deutschen Kriegsschuld, auf der der Versailler Gewaltfriede aufgebaut ist, siegen? Wann werden vor allem unsere irregeleiteten Volksgenossen ihren Irrtum erkennen und bch kennen?
PvMischs Tagesberichte.
— Die Simffemerverhandlungen. Wie ve» lautet, faßte das Sinnseinsrkomitee in seiner Mittwochsitzung entscheidende Beschlüsse, die den Verlauf der Verhandlungen fördern werden. Man glaubt, daß die Sinnfeiner Grundlagen für eine neue Konferenz ausgestellt haben. Das Sinn- feinerem itee wird erst wieder zusammentreten, nachdem sich de Valera mit Lloyd George in Verbindung gesetzt hat. Wenn eine Verhandlungsgrundlage geschaffen werden sollte, wird das Sinnfeiner-Varlament zu einer Vollsitzung zusammentreten, um seine Bevollmächtigten zu ernennen.
— Lenin erkennt die russische Schuld an. „Daily Mail" meldet aus Moskau, daß Lenin die Anerkennung der russischen Schuld beschlossen habe, um sich dadurch den Schutz Englands _$u sichern, jedoch unter der Bedingung, daß die Höhe der Schuld endgültig durch eine internationale Kommission festgesetzt werde und daß die Bezahlung der Schuld und der Zinsen bis 1925 verschoben werde. Lenin verlangt auch, daß die frem- oen Mächte die Sowjetregierung anerkennen Hollen.