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ßanauer» Anzeiger

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Geneml-Mzerger

Amtliches Organ für Slaöl- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Snbermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultsch:für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport J. V.: Richard Hultsch: für Anzeigen u.Reklamen August Brod t. alle in Hanau a.Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

M. 174

Donnerslag den 28. Juli

1921

Das Neueste.

_ Frankreich bleibt auf seinem Standpunkt »^xn, vor Zusammentritt des Obersten Rates TMenverstärkungen nach Oberschlesien zu ent-

vielen Orten der Amtshauptmannschaft Mig sind die landwirtschaftlichen Arbeiter in- M Ablehnung sehr erheblicher Lohn- und De- ntatsforderungen in den Ausstand getreten.

- Die französischen Besatzungsbehörden im Aeinlmide haben außer einer Reihe deutscher »r auch eine italienische Zeitung, denResto

Carlino", verboten. Das Blatt hatte eine Dihe von Artikeln gebracht, in denen der frühere ^ienische Ministerpräsident Nitti den Versailler Vertrag einer vernichtenden Kritik unterzogen iette.

' - Nach einer Meldung aus London nahm die Einfuhr aus Deutschland nach England im Juni A Vergleich zum Mai um 256 410 Pfund Ster- hm ab.

- Die Belgrader Polizei verhaftete einen WM, der eine Bombe bei sich trug. Er .gestand, W er einen Anschlag auf den Ministerpräsidenten Haschitsch ausführen wollte.

- Aus einer Anfrage in der belgischen Kam­mer geht hervor, daß bisher 58 800 Anträge auf Mionen von belgischen Kriegsveteranen bei ml Regierung eingingen, wovon bis heute kein mißet bewilligt ist.

chieren sah, als so manch Turnerliedchen aus Den frischen Kinderkehlen ertönte? Ja. Und wer die Psyche unseres Volkes versteht, der 'onnte wohl merken, daß diese Begeisterung 'eine oberflächliche war, daß sie vielmehr den Ausdruck einer Sehnsucht nach solchen Erleb­nissen abgab. Daß diese Sehnsucht wieder in uns lebendig geworden ist, das haben die deut- chen Turner und Turnerinnen erreicht und Damit das Schönste und Wertvollste uns ge­bracht, was das Fest je bringen konnte. Es war doch etwas ganz anderes als die Straßen­umzüge, die man seit der Revolution gewöhnt ist, jene Umzüge, bei denen es hauptsächlich auf das laute Schreien der Hochrufe auf die Welt­revolution 'und die Internationale ankommt. Und dann das Straßenbild im allgemeinen! Boten nicht die zahlreichen Flaggen, die die Bürgerschaft mit Recht nach Jahren wieder auf­gerollt hatte, damit sie lustig im Winde flatter­ten, den deutschen Turnern einen Gruß entbie­tend, ein Bild, das begeisterte, das uns für

einige Stunden die Not der Zeit vergessen machte? Gewiß, nicht auf alle hat dieser Bild begeisternd gewirkt, besonders nicht auf die Hanauer Mitarbeiter derVolksstimme", die,ja dieses Wiederaufleben der Begeisterung nicht herbeifehnen. Diese Herren haben das Flaggen der Bürgerschaft als eine monarchistische De­monstration aufgefaßt, bei der natürlich der Hanauer Anzeiger" alstonangebend" und

Ein Weg aus -er Tiefe.

Wenn man mit einem Ausblick in die Zu­nft, die gegenwärtige außenpolitische und rtschaftliche Lage des Deutschen Reiches und äs überblickt, dann könnte man wohl in Buchung kommen, verzweiflungsvoll an das hillerfche Wort zu denken: Der letzte Weg

n Sprung

Denn wie

rht Deutschland heute da? Richt nur ver- rmt, nicht nur wehrlos, nicht nur beleidigt in einen heiligsten Gefühlen; nein, vergewaltigt ii seinen unveräußerlichen Rechten soll es einer Mhllosen Welt sein Antlitz zeigen, ohne daß hm die Zornesader schwillt. Wir leben in einer Tiefe nationaler Schmach und Erniedri- «. Aber nicht genug damit. Auch inner­lich befindet sich unser Volk auf einem Tief- M, der durch Jrrtüme- und falschen Wahn,

beseitigt werden könnten, während der littauffche Vertreter erklärte, daß es zwar sehr wünschens- vert wäre, dazu zu gelangen, daß es aber wegen >er großen Verschiedenheit der wirtschaftlichen Lage Litauens zur Zeit nicht in vollem Umfange möglich wäre. Litauen schlage deshalb vor, zur Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Li« auen einerseits und Lettland und Estland an- lererseits besondere Abkommen zu treffen, w»- )urch eine Annäherung zum Freihandel zwischen diesen drei Staaten erzielt werde. Zu diesem Zwecke wurde eine Ausgleichung der indirekten Steuern, Staatsmonopole. Maße, Gewichte, der Konzessionserteilungen, des Münzspstems und der Einsenbahnverwaltungen beschlossen. Außerdem mürbe eine Zusammenkunft der Vertreter Li­tauens, Lettlands, Estlands und Finnlands in Reval bis spätestens September zwecks Beratung über die Ausbeutung der Wälder, ferner eine Zus sammenkunft von Vertretern Litauens, Lettland und Estlands in Riga zur Beratung von H< delsfragen beschlossen. ,

Der große Betrug.

Das Juliheft derSüddeutschen Monats« hefte" stellt unter dem TitelDer große Be­trug" alle Tatsachen zusammen, die dazu dienen können, die ungeheuerlichen Verleumdungen des deutschen Volkes zu entkräften, es habe den Krieg zielbewußt vorbereitet und dessen Ausbruch verschuldet. Professor Dr. Klemens Loeffler kommt auf Grund der von ihm zusammengestellten Tatsachen zu dem Ergebnis, daß Deutschland den Weltkrieg nicht verschuldet, nicht gewollt und nicht herbeigeführt hat und daß es den Krieg als Verteidigungs­krieg hat auf sich nehmen müssen. Als weiteres Beweismaterial der Schuldlüge enthält das Heft SOfeindlicheZeugenausfagen, die ebenfalls die deutsche Regierung von der

Aus Oberschlesien.

Zusammentritt der Sachverständigenkommission Frankreich besteht auf Truppenverstärtung.

Paris, 28. Juli. Heute nachmittag 4 Uhr tritt Der eingesetzte Sachverständigenausschuß. dessen Aufgabe darin besteht, Vorschläge über die deutsch-polnische Grenze zu machen, zu seiner ersten Sitzung zusammen. Wie derPetit Pa- rifien^mitteilt, müssen die Sachverständigen.zu­erst die Grundsätze, d. h. zunächst über die uristischen Fragen beraten und dann zur sta­tistischen Bewertung des Ergebnisses der Volks­abstimmung vom März 1921 übergehen.

London, 28. Juli. Das Reutersche Büro erfährt aus französischer Quelle: Der ftanzösische Botschafter hat Lord Curzon mitgeteilt, daß die ftanzösische Regierung es für unmöglich halte, eine Sitzung des Obersten Rates einzuberufen, bevor die Frage der Trllppenentsendung nach Oberschlesien geregelt sei. Lord Curzon rrahm diese Erklärung zur Kenntnis, die dem Kabinett vorgelegt werden wird.

(Diese Hartnäckigkeit der Franzosen sagt bei der bekannten Polenfreundlichkeit genug. Frank­reich scheint alle Hebel in Bewegung zu setzen, um mit der Truppenverstärkung durchzudrücken, wie auch aus der folgenden Meldung hervorgeht.'

Paris, 27. Juli. DerJntransigeant" meldet als einziges Blatt, daß Briand noch vor dem 4. August eine Zusammenkunft mit Lloyd George haben werde.

Polnische Terrorâ

Hanauer Anzeiger farbeangebend" h^

farbeangebend" hingestellt wird, weil am Samstag an unseren Gebäuden zwei Flaggen die in Hanau einziehenden Turner und Turne­rinnen begrüßten. Diese Anpöbeleien sind wir gewöhnt wir denken dabei an den römischen Kaiser Titus, der einst, als ihm bei derHof­tafel" einfiel, daß er an jenem Tage noch nie­mandem etwas Gutes getan habe, betrübt aus­rief: Amici, diem peridi, ein Wort, das in der

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Mättermeldungen aus Oberschlesien zufolge steht der Ort Bismarckhütte unter unerhörtem polnischen Terror. Die Insurgenten, die in Trupps zu 20 Mann die Straßen durchziehen, plündern die Läden. Die Ortswehr, die nach dem Verhältnis von 2 zu 1 für die Deutschen gebildet werden sollte, konnte nicht zustande gebracht wer-

Munde geführt haben fol beidenMonarchisten" glaubt ihre Antipodin, dieVolksstimme", jeden Tag verloren, an dem sie nicht einmal die deutsche Republik gerettet hat, indem sie uns in irgend einer Weise be­schimpft und ihren Lesern das M ä r ch e n vom Landrat als Vorsitzenden unseres Kuratoriums, das sie sicher selbst nicht mehr glaubt, auftischt.

DemBerl. Tageb^tt" wird aus Oppeln ge­meldet, daß in der Nacht zum Montag bei Kostau an der Posener Grenze polnische Banditen über die Grenze kamen und die Apoposten angriffen. Auch die Wache der Apo, die in der dortigen Schule untergebracht ist, wurde von ben, Ban­diten beschossen. Die Banditen zogen sich schließ­lich wieder über die Grenze zurück.

'er

«ch Parteihaß und wüstes Gezänke gekenn-1 tauet wird. Wie schwere Gifte rasen irre Ähren durch unseren kranken Volkskörper, böse Sümpfe und wirtschaftliche Erschütterungen er- Mgend. Denkt man über diese Zustande nach, bonn kann man als Deutscher zuweilen die porfteilung nicht los werden, daß uns ein grausames Schisckal politisch und wirtschaftlich in den Schlund einer Hölle hinabgeschleudert hat und man kann in die eingangs erwähnte Ersuchung kommen. Und doch wäre es salich, IMesen Sprung zu tun, ohne zuvor nicht alle Mittel und Wege sorgfältigst erwogen, ohne laicht genau überlegt zu haben, ob nicht doch Meine Rettung, ein Weg vorhanden ist, der Idas deutsche Volk aus der Tiefe nationaler Er- laièdrigung und eines politischen Haders wieder

den freien Höhen nationalen Hochlandes I sthren könnte. ,

Und solche Wege, die uns aus der Tiefe wre- I kr zum Licht emporführen können, gibt es, I Mn wir sie nur gehen wollen. Unsere Zeit I kr Not und Schmach braucht Großes, braucht I Ebenes, unser Volk braucht starke Erlebnisse I Wer deutscher Gemeinsamkeit. Gewiß tann | I auch die Tat eines Einzelmenschen groß und i I ^hebend wirken, dennoch ist, obwohl sich eia IW aus Einzelmenschen rekrutiert, die Wir- I tag der Tat einer Masse bedeutender und I ^haltender, weshalb wir danach trocken i I Essen, solche Taten zu schaffen, Taten, deren i Mbnisse leuchtende Erinnerungen in den I tauben der harten Arbeit und der scyweren I Mühsale des Alltags bilden und unsere Volks- I ssaie stärken und den deutschen Geist erheben. I letzten Samstag und Ssniitag waren m I ta n a u mehrere Gaue des 9. Mittelrhem- I Mes der Deutschen Turnerschaft zu edlem iberischem Wettstreit zusammen gekommen, I Win solches Erlebnis schufen, das allen denen I ^vergeßlich bleiben wird, die diesem Ver- I MWurnen beiwohnten. Erhebende Szenen I Uscher Begeisterung, deutschen Nationalge- I Ms offenbarten sich während dieser beiden I W m unserer Stadt eine schimmernde I Öffnung, daß wir uns auf dem rechten Wege I .Men, um aus der Tiefe zum Lichte empor- I ?! e9en. War der Festzug, der durch Einfach- I 5 und Schlichtheit geadelt wurde, nicht ge- I Knet, im Innern unseres Körpers ein Beben I ^"Ursachen? War es nicht ein herzbewe- I Ms Bild, als man die kleinen Mädchen und I '"üben trotz der ^itze frisch und fröhlich mar-

Parteiha^

Dies nur nebenbei. Zurück zur Bezeichnung des Weges, der geeignet ist, uns aus der Tiefe wieder empor zu führen. Wie wirkten doch die Bilder turnerischer Uebungen auf die Masse? Es war eine Augenweide, die einzelnen Vorführungen bewundern zu können. Körper­liche Ertüchtigung, edle stolze Haltung, Willens­kraft und Mut, wie kamen sie treffend in vielen Einzellesstungen zum Ausdruck! Aber außer diesen Eigenschaften trat noch eine andere in einem überwältigenden und wundervollen Bilde in Erscheinung: die unbedingte Disziplin, das ! freiwillige Unterordnen unter einen einzigen Willen. Es war jenes Bild, da annähernd 1000 Turner und Turnerinnen Freiübungen

vollbrachten und somit den Beweis lieferten, welch ein starker, erzieherischer Faktor der deutsche Turngeist ist. In welch wohltuendem Gegensatz stand dieses Bild wundervoller Har­monie zu jenen Bildern häßlichster Partei­kämpfe, wildester Volksversammlungsszenen, ganz zu schweigen von den wüsten Straßen­ereignissen und Tumulten der Nachkriegszeit, wie wir sie in Hanau schaudernd erleben muß­ten, wo der deutsche Bruder den anderen be- K und bedrohte! Hier auf dem großen kam es zum Ausdruck: Wir sind alle

! deutsche Brüder, voll heiliger Hingabe an eine ! große, schöne Sache! Hier muß der Ausstieg unseres am Boden liegenden Volkes beginnen, hier ist ein Weg gezeigt, den wir gehen müssen, um aus der Tiefe wieder zur Höhs zu kommen. Von der deut chen Turnerei, wie sie uns em Turnvater Jahn, in einer anderen deutschen Qualzeit gelehrt hat, müssen wir von neuem ausgehen. Hier sind die Quellen starker deut­scher Gemeinsamkeit, hier liegt, das Land, auf dem unsere Jugend in Sittenremheit, gesstigem Adel und körperlicher Kraft aufwachsen soll. Wir brauchen gesunde Körper, denn nur in einem solchen kann ein gesunder Geist wohner Körperliche und geistige Erneuerung burc Leibesübungen! Das sei W Losung der Ge­danke, der vom ganzen deutschen Volke ausge­nommen werden sollte. Heraus aus dem Par teisumps! Auf den Turn- und Spielplätzen r t die Gelegenheit gegeben, den deutschen Partei­hader zu überwinden und im HmbUck auf ein großes leuchtendes Ideal, in Gemeinsamkeit zu­sammen zu treten. Und Turn- und Sportfeste oll unser deutsches Volk feiern, weil sie unver­geßliche Erlebnisse tiefsten deutschen Gemein­schaftsgefühles bleiben, Erlebnisse, die mir 1 schaffen müssen

Verhaftung von Oberschlesiern durch Franzosen.

Jpu. Paris, 28. Juli. In schlesischen Zei- ungen war behauptet worden, daß zahlreiche Oberschlesier seit einigen Tagen verschwunden seien. Man führt dies auf die Tätigkeit des fran­zösischen Geheimdienstes in Oberschlesien zurück. Aus Pariser Quellen, welche diesem Dienst nahe- tehen, erfährt unser Korrespondent, daß die ftan- zösischen Militärbeamten eine Anzahl Oberschle- ier verhaftet haben, die trotz Verbots der inter­alliierten Kommission deutsche Orden öffentlich trugen, was auf die Bevölkerung herausfordernd gewirkt habe. Die Beteiligten seien darauf ver­haftet worden und befänden sich in verschiedenen Gefängnissen in Oberschlesien.

Ostpreußens Treue zum Reich.

Königsberg, 27. Juli. Der Vrovinziaftandtag der Provinz Ostpreußen nahm bei der Begutâp tung des Gesetzentwurfes über die Erweiterung der Selbständigkeitsrechte der Provinzen folgen- )en Antrag an: 1. Der Provinziallandtag lehnt jede LoSerrmg der staatsrechtlichen Beziehungen Ostpreußens zum Reiche entschieden ab. Er er­kennt die Reichseinheit als berechtigt und er­wünscht an, kann diese aber in der Zerschlagung Pr-eußens nicht erblicken. 2. Der vorliegende Ge­setzentwurf ist ein Schritt zur Zerschlagung Preu­ßens und deshalb abzulehnen. 3. Jede Erwerte- rung der SeMständigkeitSrechte der Provinzen ist abzulehnen, so lange nicht die gesamte Selbst­verwaltung in den Provinzen, Kreisen und Ge­meinden neu geregelt sowie die Steuerreute des Reiches, der Länder, Provinzen,. Krerse und Ge­meinden in einer die Leistungsfähigkeit der Ge­menden und Gemeindeverbände sicher stellenden Weise gegeneinander abgegrenzt wird.

Don der Randsiaaten-Konferenz.

Kowno, 27. Juli. (Littauische Telegrafen­agentur.) Am 21. und 22. Juli wurde die Wrrt- schaftskonferenz des Bundes der drei Randstaaten in Reval abgehalten. Mehrere Resolutionen be­züglich der wirtschaftlichen Annäherung und der Angleichung der wirtschaftlichen, namentlich der handelstechnischen, handelspolitischen und inneren Angelegenheiten dieser drei Staaten, sowie be­züglich ihrer Beziehungen zu den dem Bunde nicht angehörigen Staaten wurden gefaßt. Fer ner wurde die Frage der Beseitigung dermal grenzen zwischen den drei Bundesstaaten erorter Man kam dabei zu dem Ergebnis, daß die Zoll aranaan »milchen Gütend und _ Lettland ioxÄ

Dene Urkunden veröffentlicht, die man dem Professor der Geschichte an der Universität München Dr. Karl Alexander v. Müller verdankt. Es wird mitgeteilt, daß die Ver­öffentlichung des bayerischen Gesandten Grafen Lerchenfeld vom 18. Juli 1914 (dieser Be­richt wurde gegnerischerseits als besonderer Be­weis für die deutsche Schuld am Kriege aus­gebeutet) eine Fälschung war. Der Ler- chenfeldsche Bericht stammt gar nicht vom Gra­fen Lerchenfeld, sondern von einem jungen Ge- chäftsträger Hans v. Schön und war außerdem verstümmelt und verfälscht. Als weitere Doku­mente enthält das Heft eine englische Verordnung über Kriegsgefan- gene vom 3. August 1914. Der deutsa)S Einmarsch in Belgien, auf den sich die Knegs- ertlärung Englands gründete, erfolgte e r st a in 4. August, ferner den Brief eines franzoss- schen Matrosen, aus dem hervorgeht, daß be­reits am 31. Juli 1914 die franzö­sische Marine unter dem Kom­mando eines englischen Admirals st a n d.

Politische Tagesberichte.

Seine frühere Einberufung des RüHs» kaaes. Die Meldung einer Korrespondenz, daß gegen Mitte August mit Rücksicht auf die Lage in Oberschlesien eine außerordentliche Tagung des Reichstags in Anssicht genommen fei, ist, wie dieDeutsche Allg. Ztg."erfahrtunnchüg. Die nächste Sitzung des Reichstags ist für der 6 September in Aussicht genommen.

Die Wiederaufbauverhandlungen. In der Sitzung des Reparati»nsausschusses des vorläu­figen Reichswirtsckaftsrates machte Reichsminister Rathenau vertrauliche Mitteilungen über den Gang und den Stand der Wiedevausbauverhand- lunaen sowie über die Verordnung betreffend ^eistun'zsv erbände unb den in Aussicht g^am- nienen Zusammenschluß der Leistungsverbande zu - selbstverwaltenden Wirtschaftskörpern. Den Kern der Wiederaufbailverhandlungen bildeten die Finanzierung und die Bewertung der Repora- »wnsliese'mnaen Die Verhandlungen nehmen einen ungestörten Fortgang. Im Anschluß an dft Ausführungen Rathenaus sprach Staatssekretär Hirsch über die Gestaltung der deutsch-franzo- sischen Handelsbeziehungen.

25 000 Kolonialsoldaten im besetzten Ge­biet. Harmsworth sagte im englischen^ nkrhach in Erwiderung auf eine Anfrage daß sich W führ 25 000 französische Kolonialsoldaten auS Afrika und Asien im besetzten Gebiete Deirsich- lands befänden. Von ihnen stammten15 Mi nus Nordafrika. 2500 aus Madagaskar, der Rest fean Anamiten, die im Transportwesen Verwendung fänden. Bezüglich einer Zurückzichurm sei nichts,