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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanaa
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
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Sir. 173
Mittwoch den 27. Juli
1921
Das Neueste.
- Der Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Ge- biMMlt Trimborn ist gestorben.
- Zwischen London und Paris besteht Ein- Mehmen bis auf die Truppenverftärkung, die Ugland Nack wie vor aiblehnt.
— Die Alliierten haben ihre Sachverständigen Kr dir mit der Prüfung der oberschlesischen Frage leauftwgie Kommission ernannt.
- Die Besprechungen zwischen dem deutschen jlußenminister und dem amerikanischen Geschäfts- träget haben einen befriedigende« Verlauf ge- löinmen
- Die „Liberte" teilt mit, daß sich Amerika im Obersten Rat durch seinen Botschafter in London Harvey, vertreten lassen wird.
- Die japanische Regierung hat die Absicht, eine 26prozentige Abgabe von den in Japan ein- jifüljrenben deutschen Waren zu erheben, end- gilfig aufgegeben.
- Die Berliner Zimmerleute sind wegen Lohnstreitigkeiten heute in den Streik getreten. W Berliner Baugewerbe ist dadurch lahmgelegt.
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Die Helgoländer Frage.
Bor einigen Tagen lief eine Meldung durch die Presse, daß die englische Admiralität ihrer isxierung eine Denkschrift für den Wiedererwerb er Insel Helgoland durch England überreicht â Im Unterhaus« erklärte die Regierung, âß sie amtlich von einer solchen Denkschrift keine demtnis habe. Zu gleicher Zeit laufen in ientschland Gerüchte von einer Denkschrift der selgoländer mit ihren vielfachen Wünschen um. das Bestreben der Helgoländer geht auf eine Trennung von Preußen und auf die Schaffung iner Art Reichsland. Wie immer bei solchen Be- llAmgen ist auch diese nur bau wenigen P«- men als den führenden Köpfen getragen. Die Bchâder hatten schon vor einigen Monaten Äsche an die preuißsche Regierung in Sachen «s Gemeindewahlrechts übermittelt, die erfüllt rothen sind. Sie haben bei den inzwischen er= chten Wahlen auch zu einem Erfolge der Helgo- inder geführt. In die neunköpfige Gemeindever- Kiung wurden sechs Althelgoländer, zwei So- Mldemokraten und ein Abgeordneter der Gruppe, die unter dem alten Zustande bei Deutschland bleiben will, gewählt. Die Althelgoländer haben G die Zweidriftelmehrheit.
Jetzt ist der Kampf um die Zahlung der Ächzsteuer entbrannt. Die Helgoländer Süllen die Reichs st euern nicht zähen. Das preußische Justizministerium und das ^ichsiustizministerium haben die Sache geprüft â sind zu dem Beschluß gekommmen, daß die Älgoländer keinen begründeten Rechtstitel zur Weigerung der Steuern haben. Minister Do- ^nicus bat erklärt, daß sie von diesen Steuern "icht befreit werden könnten. Preußen ist ihnen ^1 soweit entgegengekommen, daß es ihnen das M ben Staat entfallende Drittel der Steuern Eft, s,g daß also die Helgoländer nur ein Drittel der Reichssteuer zu entrichten haben. Nerbem bat Preußen einen besonderen Kom- M« auf die Insel geschickt, der die Steuer- Vung prüfen soll, um jede .6arte zu vermei- Wie aus dem Vorstehenden hervorgeht, das Reich und Preußen alles getan, um »eil Wünschen der Helgoländer, soweit als das Mich ist. entgegenzukommen. Es ist ru bassen. dies Entgegenkommen bei den Helgoländern 18 entsprechende Würdigung finden werde.
Die englisch-franz. Verständigung.
I
Zwischen London und Paris hat in der Frage Zusammentritts des Obersten Rates und $ Einberufung einer Sachverstikndigenkom- Wllion eine Einigung stattgefunden. Es ist anzu- wtt, ^ die letztere Kommission bald zusam- Jwten wird, dagegen besteht noch eine Mei- ^Wverschiedenheit über die Entsendung von Apenverstärkungen nach Oberschlesien. Die Mferenzpunkte haben sich demnach auf einen re- Zürt, der allerdings der Allerwesentlichste ist.
3 ?ie wesentlich diese Meinungsverschiedenheit >Dchen ist, dafür dürfte der Umstand einen angerzeig abgeben, daß man es in England für A^igt gehalten hat, im Unterhause eine ein- , Mige Erklärung sämtlicher Parteien zustande 'bringen, die die französische Aktion in Ober- L™} tadelt. Bei dieser Gelegenheit sind Rufe ^âtzbilligung gegen Frankreichs Verhalten Luders von den Regierungsbänken gekommen. JWfe England diesen Widerstand aufrecht- ie?° - tvird, ist abzuwarten. Bisher hat es sich Stalls einer Pression Frankreichs letzten En- j.; tinmer noch gefügt. Sehr offensichtlich wird W Haltung diesmal von den unendlichen Be- ^'^iert, die es für England bat, die fran- Machtstellung auf dem Festlande durch Auslieferung Oberschlesiens an das polnisch-
französische Konsortium noch weiter zu stärken. Man kann verstehen, daß Lloyd George das nicht will. Denn als Ergebnis des Krieges ist ohnehin für England eine Machtgruppierung auf dem Kontinent herausgekommen, die allen Traditionen — jahrhundertealten und wohlbewährten Traditionen — englischer Politik widerspricht: die unbedingt überragende Stellung einer einzelnen Macht, und zwar der historischen Rivalin Englands, nämlich Frankreichs. Je mehr die Kriegspsychose abzuflauen beginnt, desto unverkennbarer wird dieses Ergebnis, und wenn Lloyd George nicht trotz der vollständigen Niederwerfung Deutschlands oder vielmehr gerade um ihrer willen als Reichsverderber in der englischen Geschichte fortleben will, so wird er in der Tat allmählich sehr Ernsthaftes tun müssen, um eine weitere Verstärkung ' von Frankreichs Machtstellung hintanzuhalten. Wieweit er dieser Einsicht entsprechend handelt, darin liegt der Schlüssel für das Verhalten Englands in der oberschlesi- schen Frage. Mit Recht und Gerechtigkeit hat das nicht das mindeste zu tun. Es ist ein reiner Zufall, daß sich Englands politische Notwendigkeiten mit dem Anspruch Deutschlands auf „fair Play" decken. Man must gestehen, daß trotz dieses Zusammenfallens Deutschlands noch reichlich wenig von der Verwirklichung dieses seines moralischen Anspruchs gemerkt hat.
Ueber die britich-französischen Verhandlungen liegt folgende Meldung vor:
London, 26. Juli. Die britische und die französische Regierung erreichten nunmehr ein Einverständnis über die Fragen prinzipieller Bedeutung, die mit Oberschlesien zusammenhängen. Wie bereits mitgeteilt, erklärte sich die französische Regierung damit einverstanden, daß der Oberste Rat am 4. August zusammentritt. Die britische Regierung nahm den Vorschlag an, vor dem ge-
stattfinden zü lassen. Um den Wünschen Briands entgegenzukommen, stimmte sie zu, daß die Konferenz des Obersten Rates in Paris stattfindet. Die britischen Sachverständigen, Sir Cecil Hurst, Rechtsbeirat des Auswärtigen Amtes, Tufton, Vorstand des mitteleuropäischen Departements, und Waterlow, Mitglied des gleichen Departements, reiften abends nach Paris ab. Eine Reise der Genannten nach Oberschlesien wird nicht erwogen. Als Ergebnis der Auseinandersetzungen zwischen den Regierungen wurde eine viel bessere Atmosphäre geschaffen.
London, 27. Juli. Reuter erfährt zu der bevorstehenden Konfernz des Obersten Rates, daß Lloyd George wegen der Fülle der zu bewältigenden Arbeiten nicht in der Lage sein wird, London zu verlassen. Die Zusammenkunft des Obersten Rates wird, wie man glaubt, von einer kurzen Dauer sein, da lediglich die oberschlesische Frage auf der Tagesordnung steht. Die englischen Sachverständigen sind bereits nach Paris abgereist.
Der Standpunkt der italienischen Parteien.
Jpu. Rom, 27. Juli. Sämtliche italienische Parteien zumal Sozialisten und Klerikaler stehen dem deutschen Standpunkt der oberschlesischen Frage freundlich gegenüber. Ein sozialistischer Führer sagt, 60 Proz. Oberschlesier haben für Deutschland gestimmt, folglich muß Oberschlesien bei Deutschland bleiben. Dies ist ein Gebot einfachster Gerechtigkeit. Derselben Ansicht ist der parlamentarische Ausschuß für Außenpolitik. Dieser hat zwar nur eine beratende Stimme, wird aber wohl auf den Außenminister ein'uwir- ken versuchen. Ministerpräsident Bonomi gab in der Kammer auf den Zwischenruf des sozialistischen Deputierten Flor über Oberschlesien gar keine Antwort, jedoch erteilte er dem Abgeordneten privat eine Auskunft, die feine Objektivität hervortreten ließ.
Verschärfung der Lage.
Oppeln, 26. Juli. Die Lage im Kreise Rybnik hat sich wiederum verschärft. Auch auf dem Lande verstärkten sich die Insurgenten auffallend schnell und zwar hauptsächlich durch Z u - zug ausKongreßpolen. Der polnische Kreisbeirat in Rybnik hält nach wie vor die Gewalt in den Händen und schickt sogar Fragebogen an die einzelnen Gutsvorstände, welche die Anzahl der Bewohner, die Menge des Getreides, die Anzahl des Viehs, Uebersichten über die Größe der einzelnen Gutsbezirke usw. betreffen. In Emmagrube wurde vor einigen Tagen eine Belegschaftsversammlung abgehalten, in der die Polen beschlossen, sämtliche deutschen Beamten hinauszuwerfen. Die Donners- marckgrube wird von bewaffneten Insurgenten besetzt gehalten. In Rybnik tauchte neuerdings der bekannte Pclenführer Rosunski auf, der bis zu Beginn des letzten Aufstandes polnischer Plebiszitkommissar in Rybnik war. Alle paben der polnischen Kampforganisatwnen laufen
augenblicklich nach Neudeck, östlich von Tarno- witz, an der polnischen Grenze. Rund 80 deutsche Familien haben die Stadt Leslau verlassen. In Rybnik ist die Zahl noch höher. Nach Dzier- kowitz wurde auf Befehl des italienischen Obersten Salviani in Ratibor eine Kompagnie Italiener gelegt. In Räuden ist ein Zug französischer Husaren eingetroffen.
Oppeln, 26. Juli. In Kostcllitz hat vorgestern abend in der ersten Stunde ein neuer Jnsurgenten- angriff stattgefundeii. 50 bis 60 Mann griffen ein Kommando der Apo an. Zwei Stunden später steckten die Insurgenten die Paprotny-Mühle in Brand. Aus der Richtung der Wilhelmsmühle wurde sehr stark geschossen. Er wurde testzestellt, daß eine stärkere Schützenlinie box regulären polnischen Truppen, unterstützt von polnischen bewaffneten Insurgenten, vor der Mühle lag. Die Paprotny-Mühle ist vollständig niedergebrannt.
Die Bedrohung von Oppeln.
Wie der „Lokalanzeiger" aus Oppeln meldet, haben nach Aussage von Flüchtlingen aus der Rosenberger Gegend die Insurgenten, die in der Nacht zum Montag über die Grenze gekommen sind, geäußert, daß das Ziel des neuen Aufstandes unter allen Umständen Oppeln fein werde, um die interalliierte Kommission zu zwingen, sich den polnischen Wünschen zu fügen.
Eine Sprengstoff-Fabrik in die Lust geflogen.
Oppeln, 26. Juli. In der Sprengstoffabrik in Kriewald (Kreis Rybnik) ereignete sich heute vormittag ein folgenschweres Explosionsunglück beim Ausladen von Explosivstoffen. Die ganze Sprengstoffabrik ist in die Lust geflogen. Elf Arbeiter wurden sofort getötet, drei starben auf dem Transport ins Krankenhaus. Fünf Arbeiter sollen noch unter den Trümmern liegen. Die Gesamtzahl der Schwerverletzten wird auf über 20 geschätzt. Der Sachschaden geht in die Millionen.
nicht bekannt Mb Betrieb wird für längere Zeit 'tillgelegt werden müssen. Auf der Fabrik waren etwa 550 Mann beschäftigt.
ReichsiagsabgeorLneter Trimborn *h
Bonn. 26. Juli. Staatssekretär a. D. Geheimrat Trimborn, Vorsitzender der Zentrumsfraktion des Reichstags und der deutschen Zentrumspartei, ist gestern abend hier an den Folgen einer Operation gestorben.
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einer »olitik
Karl Trimborn wurde 1854 in Köln geboren. Er besuchte das Apostelgymnasium und galt schon dort als ein sehr befähigter Mensch. In Leipzig, Straßburg und München widmete er sich juristischen Studien und war anschließend lange Jahre in Ü™" Vaterstadt als Rechtsanwalt tätig. In der $ trat er erstmalig 1896 hervor. Man wählte ihn gleichzeitig in den Reichstag und den preußischen Landtag, und zwar als Zentrumskandidat. Im Landtag vertrat er Köln bis zur Revolutton, während er bei der entscheidenden Reichstagswahl 1912 dem Sozialdemokraten unterlag. Er kam aber dann doch noch in den Reichstag und trat von nun an immer mehr als Führer und Hauptredner des Zentrums in den Vordergrund. Während der Besetzung Belgiens erhielt er ein wichtiges Referat im Generalgouvernement in Brüssel, von dem er erst 1917 zurücktrat, um sich wieder ausschließlich der parlamentarischen Tätigkeit widmen zu können. Sem, Kabinett des Prinzen Max von Baden gehörte er bis zum 9. November 1918 als Staatssekretär des Inneren an. Seit der Gründung des Volksvereins für das katholische Deutschland war er dessen zweiter seit 1915 dessen erster Vorsitzender. Im Januar 1920 übertrug ihm das Zentrum das Amt ihres ersten
Vorsitzenden.
Anläßlich des Todes des Reichstagsabgeordneten Trimborn sandte der Reichspräsident folgendes Beileidstelegramm: „Reichstagsfraktion des Zentrums. Reichstag, Berlin. Der Rerchs- tagsfraktion pnd der Partei des Zentrums svreche ich zu dem schweren Verluste des hochverdienten Vorsitzenden meine aufrichtigste Teilnahme aus. Abgeordneter Trimborn hat in jahrelanger hervorragender parlamentarischer Tätigkeit und führender Stellung unser politisches Leben entscheidend beeinflußt. Auch in den letzten schweren Jahren stellte er sich mit vollster Hingabe in den Dienst des Vaterlandes. Ein dankbares und ehrendes Gedenken ist ihm gesichert" lYX, . _ .
„Frau von Howe. Unkel am Rhein. Zu dem hinscheiden Ihres verehrten Vaters bitte ich Sie, meines herzlichsten Beileides versichert zu sein. In dem Verstorbenen verliert das deutsche Volk einen verdienstvollen und führenden Parlamentarier, der seine Persönlichkeit, reiche Erfahrung und Gaben dem Wohle des Vaterlandes widmete."
Neue Kilferufe aus Rutzland.
Die „Freiheit" veröffentlicht einen Aufruf der Auslandsvertreter der sozialdemokratcichen Arbeiterpartei Rußlands (Menschewiki), in dem alle Arbeiterparteien Deutschlands dringend er-
sucht werden, unverzüglich ein Arbeiterkomite« aus Vertretern aller Richtungen zu bilden, welches eine Hilfsaktion für das hungernde Rußland in Deutschland organisieren soll. Der Aufruf wendet sich weiter an den internationalen Ge- werkschastsbnnd mit dem Ersuchen, die Initiative zur Organisation einer internationalen Hilfsaktion zu ergreifen. Wie das Blatt mitteilt, deckt sich dieser Aufruf sinngemäß mit der Aufforderung des Exekutivkomitees der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Par-eien, wonach in allen Ländern Arbeitemusschüsse zur Hilfeleistung für Rußland gebildet werden sollen.
Berlin, 26. Juli. Die Zentrale der K. P. D richtete an die Sozialdemokratische Partei ein Schreiben, worin sie eine gemeinsame Aktion der Gewerkschaften, der Sozialdemokraten, Unabhängigen, Kommunisten und Kommunistischen Arbeiterpartei zugunsten des hungernden Sowjet- rußlands anregt. Der Porteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Erklärte sich mit einer '(tilge meinen Hilfsaktion einverstanden.
Der Friede mit Amerika.
Die Besprechungen zwischen Dresel und De. Rosen beendet.
Paris, 26. Juli. Der Berichterstatter bes „Chicago Tribune" drahtet aus Berlin: Aut bestunterrichteter Quelle wird bekannt, daß bk Besprechungen zwischen dem amerikanischen Geschäftsträger Dresel und dem deutschen Außenminister Dr: Rosen beendet wurden. Auf alle Fragen Amerikas wurde eine befriedigende Antwort erteilt. Unter diesen Fragen war die wichtigste, welches der Standpunkt Deutschlands bezüglich einer gesetzmäßigen Aktion sei, die im Hinblick auf die Porter-Knox-Resolution aufzunehmen wäre. Die deutsche Regierung antwortete, daß eine Proklamation des Präsidenten für sie annehnioar fât. Dieje würbe gestatten,, daß eiu Botschafter ernannt werde und daß die Fnedens- präliminarien vereinbart werden könnten. Man erklärt, daß Deutschland ersucht wurde, die Antwort bezüglich der Form und des Inhaltes der Proklamation des Präsidenten zu erteilen. E- wird aber erklärt, daß die Anschauungen Deutschlands in dieser Hinsicht nichts mit den Punkten des künftigen Friedensvertrages zu tun haben. In offiziellen Kreisen herrscht die Ansicht bar daß der amerikanische Friedensvertrag wahrschein- . lich die Mehrzahl der Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages wiedergibt.
Pormsche Tagesberichte.
— Der frühere preußische Justizmiutste» Beseler f. Der frühere preußische Justizministei Dr. Max Beseler ist am Sonntag in Berlin nach längerer Krankheit im 80. Lebensjahre gestorben. B. stammte aus Rostock und ist der Sohn des bekannten Germanisten Georg B. Bereits 1867 trat er in den preußischen Justizdienst ein und rückte in ihm, bei öfterer Versetzung, bis zum Posten des JuftizminrsterS auf. Von 1905- bis 1917 hat er das Amt bekleide! und ist erst mit Bethmanns Rücktritt als prentzischer Ministerpräsident aus dem Staatsdienst geschieden. Ju innstischen Kreisen konnte sich B. großer Anerkennuno und Beliebtheit erfreuen.
— Der Tag der „Abrüstungs"-Konferenz, Der amerikanische Botschafter in London übergal dem englischen Auswärtigen Amt eine Note, die das Datum des Zusammentritts der Abrüstunss- konferenz in Washington auf den 11. Novembei seftsetzt. In der Note wird ausgeführt, die afrikanische Regierung begünstige eine Vorkonferenz über die Frage des Stillen Ozeans, doch würd« diese nicht in London abgehalten werden. Staatssekretär Hughes sprach sich in seiner Note darüber aus, welcher Tagungsort für diese Vorkonferenz bestimmt werde. Man nimmt indessen an, daß hierfür Amerika oder ein neutraler Staat in Aussicht genommen werde.
— Krise im sächsischen Landtag? Blättermel. düngen aus Dresden zufolge sind die Grund- und Gewerbesteuern in den Ausschüssen der sächsischen Landtags mit den Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Kommunisten abgelehnt worden. Finanzminister Heldt erklärte darauf, daß, wenn auch das Plenum die Vorlage ablehnen sollte, die Regierung zurücktreten und der Landtag aufgelöst werden würde.
— Die französische Ein- und Ausfuhr. Die -Havasagentur veröffentlicht die Statistik der Ein- und Ausfuhr Frankreichs im ersten Halbjahr 1921. Die Einfuhr hat in diesem Zeitraum einen Wert von 10 407 438 000 Franken erreicht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres belief sie sich auf 26191 702 000 Franken. Der Rückgang ist in der Haupffache auf die Einschränkung des Bedarfs für die Industrie zurückzuführen. Die Ausfuhr im ersten Halbjahr 1921 betrug 10 799 855 000 Franken gegeM 12 256 233 000 Franken, in dem gleichen Zert^ raum des Vorjahrs, / *
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