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Samslag den 23. Juli

Nr. 17®

1921

MHBsa

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Das Neueste.

Es wird amtlich festgestellt, daß Mchsverkchrsministerium eine Erhöhung ^ife tm Personen- und Güterverkehr auf Ksenbahn zur Zeit nicht erwogen wird.

Ein amerikanisches Bankensyndikat

im der der

be­

Migte einen Kredit von neun Millionen Dollars ßr Getreideverschiffungen nach Deutschland. Dem Vernehmen nach läuft der Kredit drei Monate.

- Das amerikanische Repräsentantenhaus mhm den Zollgesetzentwurf an, lehnte aber mit sMer Mehrheit die Fortsetzung der Kriegs- bntrolle über die Farbstoffe ab. Mit großer Mehrheit wurden die Bewertungsparagraphen (.American Valuation") angenommen.

Nach einer amtlichen Statistik in der mit dem 15. Juli beendeten Woche ist die Zahl der Arbeitslosen und der Arbeiter in England mit listgeschränkter Arbeitszeit um 100 000 gesunken.

Entgegen anderslautenden Gerüchten der ausländischen Preße weist Kaiser Karl nach Er­kundigungen der Schweizerischen Depeschenagen­tur noch immer in Herrenstein bei Luzern.

verschiedenheiten zwischen London und Paris zu verheimlichen. Nach der Auf­fassung der britischen Regierung kann die Lage nicht so bleiben, da äußerst kritische Probleme durch eine Art passiver Resistenz von Frankreich aufgehalten werden. Ueber die Haltung der bri­tischen Regierung wird möglicherweise schon heute vom Kabinett beschloßen."

London, 22. Juli. ImDaily Chronicle" schreibt ein diplomatischer Mitarbeiter: Gestern nachmittag übermittelte der französische Bot­schafter Lord Curzon die Antwort der französischen Regierung. Danach ist Briand nicht geneigt, einer Zusammenkunft des Obersten Rates zum 28. Juli zuzustimmen. Er verlangt anstatt dessen die Entsendung weiterer britischer Truppen nach Oberschlesien und er­sucht ferner um Zustimmung der britischen Re­gierung zur Entsendung einer neuen französi­schen Division. Inzwischen wird berichtet, daß eine ftanzösische Division eiligst nach Oberschle­sien geschickt wird, ohne auf die britische Ant­wort zu warten. Unglücklicherweise ist der Oberste Rat die einzige Körperschaft, die tfie Autorität besitzt, die schlesische Grenzfrage zu regeln. Bis zu seinem Zusammentritt bleibt daher die Lage gefährlich. Die Ankunft weite­rer französischer Truppen ist kaum geeignet, die Luft zu klären, sondern dazu, die Polen zu weiteren Angriffen auf die Deutschen anzu­reizen. Wenn dies geschehen sollte, würde naturgemäß die Bevölkerung Widerstand lei­sten. Das ganze Land würde unter den Waf­fen stehen und ein neuer Grund zur Beschwerde gegen Deutschland würde von den Franzosen gefunden sein. Wahrscheinlich würde die For­derung erhoben, daß zur Strafe das Ruhrge­biet besetzt werden solle. Großbritannien wünsche keine weiteren Soldaten nach Ober­schlesien zu senden, da es keine zur Verfügung habe. Der von Briand vorgeschlagene Sach-

Um Oberschlesien.

Brianb verharrt auf seinem Standpunkte. èrnsie Meinungsverschiedenheiten. Entsen­dung englischer Truppen? Polnischer Terror.

Paris, 23. Juli. Havas meldet am 22. Juli ebends: Der Meinungsaustausch zwischen Paris und London bezüglich des Verfahrens, welches einzuschlagen sei, um die oberschlesische Frage zu lösen, dauert an. Der ftanzösische Botschafter in London hat am Donnerstag Lord Curzon die Antwort Briands auf sein letztes Schreiben mitgeteilt. Lord Curzon hält an der britischen

fest, sofortiger Zusammentritt des Ober­sten Rates (ohne vorherige SuchvèMWiMW^ Ätzung), der beurteilen soll, ob die Entsendun­gen von Verstärkungen nach Oberschlesien ange­bracht seien. Curzon gab zu verstehen, daß die Konferenz nicht vor Anfang August stattfinden könne, da das Haupt der italienischen Regie­rung augenblicklich in Rom zurückgehalten sei. Die Antwort Curzons stützt sich vor allem auf di« von den drei Ententevertretern in Oberschle- iien an den Botschafterrat gesandte Note. Im Foreign office ist man der Auffassung, daß die drei Kommissare der Alliierten eine unverzüg­liche Sitzung des Obersten Rates verlangen und daß sie die Verstärkungen nur für den Fall an­sordern, wenn der Oberste Rat das Schicksal Dberschlesiens festgelegt haben wird. Es wur­den neue Instruktionen an den französischen Botschafter in London telegraphiert, damit er bei der englischen Regierung auf die Notwen­digkeit bestehe, vor der Einberufung des Ober­sten Rats, e r st e n s Verstärkungen nach Ober- Mesien zu senden, um die Zuführung des Spruches der Alliierten zu sichern, zweitens sofort einen Sachverständigenausschuß einzube- rusen. Der französische Botschafter in London wirb im Foreign office weiter noch mitteilen, daß der ftanzösische Botschafter in Berlin gestern Abend veranlaßt worden ist, bei der Beichsregierung in Berlin« einen diplomatischen Schritt zu unternehmen, um sie erneut zu er­suchen, alle Vorbereitungen zu treffen, um gegebenenfalls den Transport der französischen Munition nach Oberschlesien durchführen zu können, die bereits marschbereit sei.

, Paris, 23. Juli. Wie derPetit Parisien" Messt, sind gestern abend dem französischen Bot­schafter in London neue Instruktionen zuge- gangen, die im gestrigen Ministerrat gebilligt wurden. Der französische Botschafter hat der ^glischenRegierung berichtet, daß Frankreich vollkommen geneigt sei, die oberschlesische Frage möglichst bald zu lösen. Die französische Regie- kung verlange die, sofortige Entsendung d°n Truppenverstärkungen, wie die ^leralliierte Kommission in Oppeln es verlange die vorherige Einberufung von ^ch der ständigen, Wen Arbeiten dem Ersten Rat gestattet würden, in voller Kenntnis Dinge eine Entscheidung zu treffen.

(Mit der Einberufung einer Sachverständigen- Wion ist bekantnlich Lloyd George-nicht ein- ^rstanden. Ob er nochgeben wird, steht noch «ahm.)

.London, 22. Juli. Der diplomatische Berieht- Mer desDaily Telegraph" schreibt:Die gische Regierung bleibt bei der energisch aus- Mrochenen Ueberzeugung, daß die Fragen von -Wdjlefien, der Sanktionen am Rhein und der ^'^beschuldigten ohne weitere Verzögerung ^handelt werden sollen. Auch verschiedene Punkte der Reparationsftage dulden keinen wei- Aufschub. Es wäre zwecklos. Meinungs­

)er Oberste Rat zusammentrete. Der franzö- ische Ministerpräsident schlägt, wie verlautet, ein Datum im August vor. Aber dies ist eine verhältnismäßig lange Frist. Die britische Antwort an Paris wird, wie wir erfahren, diese Auffassung hervorheben, ohne endgültig die Entsendung von Truppen zu verweigern, und noch einmal ersuchen, daß die Zusammenkunft des Obersten Rates so bald wie möglich abge­halten werde.

Paris, 22. Juli. Der Londoner Korrespon­dent desRewyork Herold" erklärt, es werde bekannt, daß zwischen Frankreich und England ernste Meinungsverschiedenheiten über den Umstand hinaus beständen, daß man sich über das Konferenzdatum nicht einigen könne. Ob­wohl Sir Harold Stuart seinen Namen unter den gemeinsamen Appell an den Botschafterrat gesetzt habe, in dem Truppenverstärkungen ge­fordert würden, habe das Foreign office gestern von ihm eine Depesche erhalten, die die rasche Regelung als dringende Notwendigkeit hin­stelle, ob Truppen hingeschickt würden oder nicht. In der Depesche werde gesagt, daß das normale Leben in Oberschlesien rasch wieder ausgenommen werde und der Zeitpunkt gerade­zu ideal sei für eine Regelung, da die Leute mit der Ernte beschäftigt seien. Nach Nachrichten aus diplomatischen Kreisen stimmte der italie­nische Kommissar dieser englischen Ansicht bet. Auch Lord Curzon und Lloyd George seien tm Begriffe, dem Quai d'Orsay diesen Standpunkt in höchst eindringlicher Form klarzumachen. In der Downing Street werde nahezu offen herausgesagt, man befürchte, daß der franzö­sische Premierminister unter dem Einfluß jenes Teiles der französischen öffentlichen Meinung stehe, insbesondere der Meinung der Militärs, der auf eine völlige Unterwerfung Deutschlands aus sei. Es bestehe in London keine Neigung, sich mit den Franzosen darüber zu streiten, ob es rätlich sei, Truppen nach Oberschlesien zu schicken. Die Engländer gaben offen zu, daß sie nicht wollten, daß die Deutschen zu einem Vor­gehen hingerissen würden, mit ^m gewiße Franzosen ihr Drängen nach Rache rechtfertigen könnten.

Für schleunige Regelung der oberschlesischen Frage.

London, 22. Juli. Das Reutersche Büro ver­leitet folgende Mitteilung: Weitere Telegramme aus Oppeln von dem britischen Kommissar in Oberschlesien betonen von neuem die Notwendig­keit einer schleunigen Regelung der oberichlesischeii Frage in Uebereinstimmung mit dem Vorschläge der interalliierten Plebiszitkommission. Man ist der Ansicht, daß eS politisch nicht zweckmäßig sei Truppen aller drei Alliierten abzuschicken und man glaubt, daß dies auch gar nicht liotwendig

sein würde, wenn eine rasche Entscheidung des Obersten Rates erreicht würde. Inzwischen gibt das Auswärtige Amt seiner Verwunderung Aus­druck über das mißtrauische Gerede auf beiden Seiten, wonach gespannte Beziehungen zwischen den beiden Regierungen beständen. Man hält an dem Glauben fest, daß die französische Negierung in dieser Angelegenheit wie in der Vergangenheit zusammenwirken wird bei der Lösung der beun­ruhigenden Frage, in der eine Meinungsverschie­denheit nur über die Art und Weise des Ver-

fahrens besteht.

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Entsendung englischer Truppen?

Paris, 22. Juli. DieChicago Tribune" n? eibet aus London, in London ziehe man jetzt die Möglichkeit in Betracht, daß Truppen nach Oberschlesien gesandt werden müssen, weil es, wenn die Franzosen mit dem unumschränkten Einfluß allein in Oberschlesien weilten, zu Her­ausforderungen kommen und dadurch eine Lage geschaffen werden könne, die zu einem weit ernste­rem Eingreifen späterhin nötigen würde. Man gebe sich keine Mühe mehr, zu verbergen, ba^ Frankreich und England vor ernsten Meinungs­verschiedenheiten über die Politik gegen Deutsch­land ständen. Nach englischer Ansicht würden die Franzosen alles tun, was in ihrer Macht stehe, um Deutschland zu einem Aufstand zu reizen, um so weitere Gebietsbesetzungen ihrerseits zu rechtfertigen. England sei, wie man erkläre, ent­schloßen, sich in ein derartiges Vorgehen nicht hineinziehen zu laßen. '

Ausdehnung der polnischen Jnsurgententätigkeit.

Nach einer Meldung desLokalanzeigers" nehmen die Ausschreitungen der Insurgenten in Oberschlesien immer weiteren Umfang an. In Gleiwitz wurde gestern der Stadtteil Petersdorf von den Insurgenten lebhaft beschoßen. Im La­bander Wald treiben sich bewaffnete Insurgenten in Scharen umher. In Lipine wird eine Büro- ' gebilfin des beutst 4-^it^ ver­mißt. Man vermutet, daß sie von den Insurgen­ten beseitigt worden ist. In Tarnowitz verhaf­teten die Engländer bewaffnete Insurgenten, die eine 65jährige Frau überfallen und ausgeranbt haben. Auch in Mechowitz haben sich wieder starke Jnfurgentenbanden' gebildet. In Loshau hat eine allgemeine Wucht der Deutschen einge­setzt. Infolge der Abwanderung, der Deutschen sind viele Häuser an die Polen verkauft worden. Abreise des Generals Lerond aus Oberschlesien.

PasBerl. Tagebl." erfährt von unterrich­teter Seite aus Oppeln, daß General Lerond in der Nacht zum Freitag Oberschlesien verlassen und sich über Prag nach Paris begeben habe.

Aaihenau über den Wiederaufbau-

Der beim Reichsministerium für Wiederauf­bau bestehende Beirat für Reparationsftagen trat heute unter dem Vorsitz des Reichsministers Dr. Rathenau zusammen. Der Beirat ist aus Mitgliedern des Reichsmts und des Reichstags und aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern aus der Industrie, dem Handel, dem Gewerbe, dem Handwerk und der Landwirtschaft gebildet. Der Zweck der Sitzung war eine Aussprache über die Organisation und Vergebung der Reparations- lieserungen durch den Reichskommißar zur Aus­führung der Aufbauarbeiten in den zerstörten Gebieten.

Die Tagung wurde durch längere vertrauliche Ausführungen des Reichsministers eingeleitet. Er schilderte den Gang und derzeitigen Stand der Verhandlungen über die Finanzierung der Reparationslieserungen und ihre Bewertung und erläuterte die Ziele, die durch die Verordnung betreffend die Anforderung von Warenlieferungen für den Wiederaufbau verfolgt werden. Soweit die Bestellungen zu Reparationszwecken nicht auf dem Wege der freien Vereinbarung zwischen Be­steller und Lieferauten unmittelbar erfolgen, wer­den'Leistungsverbände in Tätigkeit treten. Ihre Aufgabe wird sein, die Lieferungen, deren Um- fang sich übrigens erst nach Abschluß bet schwe­benden Verhandlungen überblicken laßen wird, unter gleichmäßiger Berücksichtigung der Länder und Landesteile sowie der Berufsgruppen aufzu- bringen. Der Zusammenschluß der Leistungsver­bände soll auf dem Wege der Selbstverwaltung die Entgegennahme, Aufteilung und Durchfüh­rung der Aufträge sichern. In der Aussprache ergab sich allgemeines Einverständnis mit den Auffaffungen und Absichten des Ministeriums. Dabei wurden von verschiedenen Beiratsmitglie­dern wertvolle Anregungen gegeben, denen der Minister Prüfung und Berücksichtigung in Aus­sicht stellte. Insbesondere trat er mit Entschie­denheit dem gleichzeitig geäußerten Wunsche bei, zu verhiirdern, daß unberechtigte Reparations- aetnbttie âmaât würden. Der Miuiüer idiLo& mit

Worten des Tankes und mit der Bitte an den Beirat, dem Wiederaufbauministerium auch wei, terhin beratend zur Seite zu stehen.

Keine Gesundung -es Wirlschafts- lebens-

Stockholm, 22- Juli. Der Verkehrsminister Murray äußerte sich in einer Unterredung mit dem Vertreter des Stockholmer BlattesDagen» Tidning" über die allgemeine wirtschaftliche Lage, daß keine Anzeichen zu einer baldigen Besserung vorhanden seien. Bevor die deutschen außenpoli­tischen Hauptfragen ihre Lösung gestunden hätten, und der Frieden von Versailles in der Tat zu einem wirklichen Frieden umgewandelt worden sei, könne man keine Gesundung des Wirtschafts­lebens erwarten. Die gegenwärtige gedrückte Lage sei eine Erscheinung, über die wir keine Macht besitzen. »

(Ja weshalb ergreifen die neutralen Staaten nicht endlich die Initiative und pro­testieren energisch gegen den Versailler Schand­pertrag? Die neutralen Staaten haben wohl eim Macht, wenn sie nur wollen. D. Red.)

Die Rheinzollgrenze.

Eine Reichslagsanfrage.

Berlin, 22. Juli. Die demokratischen Ab­geordneten Erkelenz, Ziegler, Korell und Frau Lüder haben nachstehende Anfragen an die Reichsregierung gerichtet: Der Wirtschaftsver- kehr an der Rheinland zollgrenze erschwert und belästigt sehr stark Handel und Industrie. Neben der Erschwerung und Verzögerurrg an der Zoll grenze ist besonders auch der" erhobene Zoll eine sehr erhebliche Sonderbelastung für die Wirtschaft im besetzten Gebiete. Angesichts der unrechtmäßigen Weiterführung der Zollgrenze durch die Gegner wird es erforderlich, Klarheit darüber zu schaffen,

1. ob den Firmen des besetzten Gebietes die Ausaapen für die Rheinzölle vom Reich ersetzt werden,

2. verneinendenfalls, in welcher anderen Weise eine Regelung in Aussicht genommen ist.

Eine schleunige Klärung dieser Anftagen ist dringend geboten.

Politische- Tagesberichte.

Konferenz der östlichen Randstaaten. Der finnische Ministerpräsident erklärte in einer Unterredung mit einem Preßevertreter, daß die morgen beginnende Konferenz der Randstaaten das Zusammenwirken in wirtschaftlichen und Verkehrsfragen bezwecke. Außerdem erfordere die Nähe Rußlands und die ihm ^geschriebenen aggressiven Pläne die besondere Aufmerksamkeit der Leiter der Außenpolitik bei. baltischen Staa­ten. Es sei jedoch noch ungewiß, ob die Frage eines baltischen Verteidigungsbündnisses die Konferenz beschäftigen werde.

Das sozialdemokratische Parteiprogramm. Wie eine sozialdemokratische Parteikorrespondenz mitteilt, würde es schwerlich gut sein, wenn der artei tag in Görlitz Hals über Kpf das sozial- demokratisebe Parteiprogramm endgültig beschlie­ßen würde. Die Korrespondenz empfiehlt, den Organisationen ein Jahr Zeit zu laßen, um sich eingehend mit dem Entwurf des Programms und seiner Kritik zu besaßen.

Einstellung des Siegcssäulenprozeßcs. Das Berl. Tazebl." meldet aus Halle: Das Ver­fahren gegen den Berliner Siegessäulenattentäter Wilhelm Hering genannt Ferry vor dem hiesigen Sondergericht wurde eingestellt, da der Angeklagte bereits zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt ist und in seinen Berliner und Halleschen Verbrechen eine fortgesetzte Handlung erblickt werden müße.

Ein Strafverfahren gegen den früheren bayerischen Minister Frauendorfer. Wie dem Berl. Tagebl." aus München berichtet wird, ist gegen den ehemaligen bayerischen Verkehrsmi­nister Frauendorfer das strafrechtliche Verfahren wegen verschiedener Fälschungen an antiken Altertümern eingeleitet worden.

Emir Fassal König von Irak. Aus Bagdad wird gemeldet: Der Ministerrat nahm einstimmig eine Entschließung an, die daraus hinzielt, den Emir Fassal zum König von Irak zu ernennen. Die Entschließung wurde unter der Bedingung angenommen, daß seine Regie­rung konstitutionell und demokratisch sei. Der britische Oberkommrssar ist der Ansicht, daß wenn auch anzunehmen sei, diese Entschließung der Ausdruck der int Lande herrschenden Stimmung ist, es doch unumgänglich notwendig sei, die direkte Zustimmung der Bevölkerung zu erlangen, bevor man eine endgültige Genehmigung er­teile. Infolgedessen hat der Kommissar den Staatsrat ersucht, dem Minister des Innern Weisungen zu erteilen, um den ausdrücklichen , Wunsch des Volkes.kennen zu lernen.