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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.
Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und vrovinziellenTeil sowie Sport J. V.: Richard Hultsch: für Anzeigen u.Reklamen August Brodi, alle in Hanau a.Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.
Nr. 16®
Dienslag den 19. Juli
SM
Das Neueste.
— Die englische Presse verurteilt die Briand- Politik in der oberschlesischen Frage.
- In Beantwortung verschiedener Anfragen nklärie Lloyd George im englischen Unterhaus, ^ß der Oberste Rat sich in seiner nächsten LüMg mit der Frage der Zurücknahme der Aktionen und der Aufhebung der Zollgrenze M Rhein beschäftigen wird.
— Herr von Borch, der die deutsch-chinesischen Verhandlungen führte, hat die deutsche Gesandt- ^ast in Peking wieder eröffnet und wird sie als Krschâftsträger leiten.
- Das Dorf Gimmendorf im Kreise Neideir- krg ist fast völlig niedergebrannt. Siebzig meist lichbedeckte Häuser sind eingeäschert.
- Aus der Bibliothek des Deutschen Opern- jaufes in Charlottenburg ist ein holländisches Semälbe im Werte von 35 000 Mark gestohlen Mden. ~
— Die russische Sowjetregierung soll die all- jemeine Mobilmachung angeordnet haben.
Frankreichs neuer Vsrstoß.
Die Zustände in Oberschlesien.
In der vorläufigen Antwort, die der Mini- ier des Aeußern Dr. Rosen auf die Eröffnungen der französischen Regierung über die Lage n Oberschlesien und der daraus abgeleiteten mzösischen Forderungen gab, wurde auch Be- pg genommen auf die Unterredung des Mini- iers mit dem französischen Botschafter vom 7. A Zu dieser hatte Dr. Rosen einen Groß industriellen aus dem östlichen Teil Oberschle- ièns beigezogen, der dem französischen Bot
i ch c An
-'M über die wahre Lage im Larw^ ...—,— LirDben aus diesen Mitteilungen, die der ranzösischen Regierung sofort zugänglich ge- nacht wurden, die wesentlichsten Punkte wieder, sie zeigen, daß die Darstellung der oberschle- ischen Verhältnisse in der Demarche der franzö- iichm Regierung auf diese zweifelsfreien deut- M Angaben keinerlei Rücksicht genommen Hf. Wie dieser oberschlesische Industrielle über liefe Unterredung mitteilt, gab er auf die Krage des französischen Botschafters, wie die Wände in Oberschlesien seien, folgenden Be- ritjt:
1. Aeußerlich sieht es besser aus, als vor dem Abkommen mit Korfanty wegen der Räumung, mil die großen Straßen von den polnischen Insurgenten frei seien und man ungehindert auf Wn verkehren könne. So bin ich vorgestern riih im Automobil von Kattowitz über Nikolai N Gleiwitz gefahren, um dort den Schnell- Mg nach Berlin zu erreichen. Die Eisenbahn Wischen Kattowitz und Gleiwitz war nicht be- Atzbar, weil die Züge von polnischen Insurgenten angehalten und geplündert wurden. Die tischen Insurgenten sind nach wie vor teils Eder Nähe der geräumten Orte, zum Beispiel dicht bei Kattowitz, teils auch in den Orten vergeben oder in die Orte zurückgekehrt, welche ff nach dem Abkommen geräumt haben sollten, io sind die polnischen Insurgenten, welche aus nördlichen Stadtteilen von Königshütte ab= Uogm waren, nach wenigen Stunden in die- to Stadtteil wieder zurückgekehrt. Noch am Montag machten sie sich durch die Verschlep- W^g von Beamten unliebsam bemerkbar, zue Norden der polnischen Insurgenten ^bleiben N wie vor in Funktion; sie erheben Steuern, 116 hoben junge Leute zum Militär aus und feigern den ordentlichen deutschen Behör- eMum Beispiel dem Landrat, den Gehorsam.
Ein Teil der polnischen Insurgenten sind M Polen abtransportiert worden, um dort Wiärisch ausgebildet zu werden und nach Zoo Heimat Oberschlesien alsdann zurückzu- Mn. Sie sollen als Stammformationen für 5 geplanten vierten Aufstand dienen. Ein “»Derer Teil der oberschlesischen polnischen In- Anten blieb in Oberschlesien, lieferte seine Mon nicht ab, sondern gab sie in Sammel- L, n ab, von wo aus sie versteckt werden. Für Jen Zweck sind stellenweise mit Zink ausge- M°ue und beschlagene Kasten angefertigt, die darin untergebrachten und nachher Arabenen Waffen durch Feuchtigkeit nicht Ä. Meines Wissens sind Hallersoldaten, so-
"scht aus Oberschlesien stammen, nach AN zurücktransportiert worden, ebenso die $Oren polnischen Truppen. Sie sind auf der «lii> • ^^novice und Czenstochau versammelt der Lage, von Sosnowice aus in einer «tuns Stunde, von Czenstochau aus in wenigen tzAen nach Oberschlesien hineinMommen.
gesehen, daß viel Artillerie nach Polen Iâi^"Nnsportiert wurde, darunter auch tte Geschütze von 12.5 Ctm. Kaliber. Vor
ungefähr 10 oder 14 Tagen passierten zwei Eisenbahnzüge von je etwa 60 Achsen, vollständig besetzt mit Hallersoldaten, den Bahnhof Kattowitz und gingen, wie einwandfrei festgestellt wurde, in der Richtung nach Westen über die Jdaweiche nach Gleiwitz weiter. Da die ganze Organisation der polnischen Insurgenten, also Behörden usw., noch funktioniert, so ist die Organisation für den vierten Aufstand bereit und der Aufstand kann jeden Augenblick losbrechen. Soweit mir bekannt ist, weilt unter dem Schutze des Amnestieerlasses Korfanty noch in Schoppinitz, also im Abstimmungsgebiet. In Oberschlesien zweifelt niemanb daran, daß der vierte Aufstand mit aller Energie und unter der Mitwirkung Polens und unter der Duldung der französischen Behörden vorbereitet wird und jederzeit ausbrechen könnte. In diesem Falle ist die deutsche Bevölkerung der Schreckensherrschaft der polnischen Insurgenten schutzlos preis- gegeberr, dâ ja bis dahin der deutsche Selbstschutz nicht mehr bestehen wird.
Englands Unzufriedenheit mit Frankreich.
London, 18. Juli. Die englisch-französischen Beziehungen haben sich in letzter Zeit nicht gebessert. Frankreichs erneute Unterhandlungen mit den kemalistischen Delegierten sollen wenig nach hiesigem Geschmack sein. Der Widerstand Frankreichs gegen die Aufhebung der Sanktionen im Rheinland verstimmt immer mehr. Die „Daily News" äußern nur die offizielle Unzufriedenheit wegen Briands letzter Note, wenn sie schreiben: „Selbst Frankreichs wärmste Freunde müssen durch seine Haltung bezüglich Oberschlesiens schwer beunruhigt werden." — In den „Sundah Times" (ihrem Charakter nach konservativ und
ruhen
die deswegen zwischen England und Frankreich entstanden sind. U. a. sagt er: Wie weit wir Frankreich auf der Linie seiner Kontinentalpo- litik folgen können, ist eine Frage, die augenblicklich viele Gemüter beschäftigt. In Oberschlesien wie im nahen Osten würde ein bißchen Alliierteneinigkeit die Heilung des Schadens beschleunigen. Aber diese Einigkeit ist eben selten wie Radium, weil Frankreich keine Verwendung für englisch-französische Solidarität hat, außer wenn sie französischen Interessen dient. Der Verfasser behandelt die französischen Absichten, Deutschland durch weitere Gebietsabtrennungen zu schwächen, und fährt fort: Es ist klar, daß wir mit solchen Plänen nicht übereinstimmen. Wir glauben nicht, daß eine große Nation, wie Deutschland, auf die Dauer mit Gewalt niedergehalten werden kann. Wir glauben vielmehr, daß alle solche Maßnahmen den Augenblick der Abrechnung nur beschleunigen werden. Wir wünschen dies Problem gerecht und logisch zu lösen und meinen, daß die Polen schon mehr Land geschluckt haben, als sie verdauen können, und da sie auch bankrott sind, so sind sie ungeeignet, ein hochentwickeltes Industriegebiet zu verroalten, das Produkt deutschen Geistes und deutschen Kapitals ist. Der „Daily Telegraph" sagt, daß Briands Darstellung eine Entstellung bedeute, denn Briand habe die Sache so dargelegt, .als habe England die Kommission von Sachverständigen gefordert und Frankreich dem englischen Drängen nachgegeben. Das sei durchaus unrichtig. Eine solche Kommission würde die Lösung der oberschkesischou Frage mindestens bis September verschieben, und damit sei Englands durchaus nicht einverstanden. Aber ebensowenig wie die oberschlesische Frgge, könne die Frage der Sanktionen im Rheinland auf diese Weise gelöst werden.
„Evening Standard" schreibt, offenbar plane Frankreich wieder ein isoliertes Vorgehen. Die französische Mitteilung besage, Frankreich schlage die Entsendung von Verstärkungen vor und biete die Absendung einer Division an. _ Nach einer Berliner Meldung aber sei der "deutschen Regierung bereits mitgeteilt worden, daß eine Division ohne Verzug abgehe. Das Blatt sagt, der Krieg sei doch schließlich seit beinahe drei Jahren zu Ende. Unter diesen Umständen erscheine das Argument, die technische Kommission habe keine ausreichende Zeit gehabt, absurd. Es sei gefährlich, bei der deutschen Regierung und besonders bei den Führern der deutschen Irregulären den Eindruck zu erwecken, daß Frankreich auf eigene Faust vorgehe. Deshalb müsse Frankreich ebenso höflich wie ernst darauf hingewiesen werden, daß der einzige Weg zu sicheren Zuge- ständniffen in einem gemeinsamen Vorgehen der Alliierten liege und daß dieses Vorgehen auf die sofortige endgültige Regelung der oberschlesischen Frage abzielen müsse. — Die „Westminster Gazette" sagt: Die Entsendung neuer Truppen, um die Deutschen in Ordnuna zu halten, bringt uns
der Lösung nicht näher, wenn nicht die gleiche Maßnahme gegen die Polen angewandt wird. Die erneute Zusammenkunft von Sachverständigen kann nur den einen Erfolg haben, eine neue Verzögerung herbeizuführen. Ein Kompromiß zwischen dem französischen und dem englischen Standpunkt ist in wirtschaftlicher wie in sozialer Beziehung schlecht, da es ein Gebiet auseinanderreißen würde, das wirtschaftlich zusammengehört. Aber alles andere ist besser, als die Fortdauer der gegenwärtigen Unsicherheit. Das Blatt fragt zum Schluffe, ob vielleicht die ober- schlesische Frage, die Frage der Zwangsmaßnahmen unb der Vertrag von Sevres bis zur Abrüstungskonferenz unerledigt bleiben soll und ob auf dieser Konferenz die Kämpfe des Obersten Rates fortgesetzt werden sollen. Das Blatt richtet einen scharfen Appell an Frankreich und England, einig nach Washington zu gehen.
Was Höfer gesagt haben soll.
P Paris, 17. Juli. Erst nachher, nachdem die ftanzösische Note auf angebliche Aeußerungen des Generals Hofer zu feilten Offizieren hinzewiesen hatte, wird dem ftanzösischen Volk mitgeteilt, um was es sich handelt. Die Aeußerung des Generals soll lauten: Wenn der Oberste Rat eine dem deutschen Volk ungünstige Lösung treffen würde, dann werde er, General Höfer, am Tage der Entscheidung mit seinen Truppen in Oberschlesien einrücken, jeden Franzosen Verlagen und das Land von den Polen befreien. Oberschlesien, von wo aus seinerzeit die Bewegung ausgegangen sei, die zur Niederlage Napoleons geführt habe, werde dann noch einmal der Herd der deutschen Ordnung und der deutschen Größe bilden. — Selbst angenommen, General Hofer hätte sich so aus gedrückt, warum hat man sich in Varis nicht erregt, als Herr Korfanty vor seinen
Fabriken m Osser _______ vernichten zu wollen, wenn die Entscheidung nicht zu Gunsten Polens ausfallen sollte? Wer hat sich über diese Drohungen in Paris erregt?
Wer Psychologe ist, wird selbstverständlich, wenn er gerecht, sein will, auch bedenken müssen.
wer
den Brand in Oberschlesien entzündet hat. Das ist nicht Höfer gewesen, sondern Korfanty.
Ein französischer Hetzer.
In »er französischen Oberschlener-Note wird davon gesprochen, daß am 8. Juni in Ratibor ein Adjutant der französischen KreiSkontrolleurr in seinem Hotel angegriffen worden sei. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" aus Ratibor meldet, ist der dortige Kreis- kontrolleur kein Franzose, sondern ein Italiener. Sein französischer Adjutant Leutnant Wibolt batte schon vor Ausbruch des Polenaufstandes aus seiner Volen- sreundlichkeit kein Hehl gemacht. Bei Ausbruch des Aufstandes versuchte er die Behörden der rein deutschen Stadt zu veranlassen, diese den Polen freiwillig zu übergeben. Weiter hat Wibolt ganz offen polnische Spionage getrieben, dauernd polnische Agenten in seinem Hotel empfangen und sich selbst zu der polnischen Linie begeben. Die Leute, die Wibolt gegenüber eine drohende Haltung annahmen, waren Flüchtlinge aus dem von der polnisch-französischen Allianz schwer heimgesvchtcn Kreise Rybnik. Sie erkannten in ihm einen alten Bekannten wieder. Leutnant Wibolt wurde durch die besonnenen Deutschen geschützt, die die aufgeregte Menge beschwichtigten.
Der Verband ehemaliger polnischer Aufständischer.
Posen, 18. Juli. Im Kurier „Poznanski" erläßt der Verband ehemaliger polnischer Aufständischer aus Oberschlesien einen Ausruf, in dem es u. a. heißt: Die Zeit zum Ausruhen ist noch nicht gekommen. Wir müssen warten, um bereit zu sein, jeden Augenblick unser Geben für die Ideale einzusetzen, für welche wir gekämpft haben. Wir sind dabei, in allen Ortschaften Gruppen von ehemaligen Aufständischen zu bilden, die von einer starken Organisation umfaßt werden. Jeder Aufständische, der bis jetzt seiner patriotischen Pflicht genügt hat, ist verpflichtet, der Gruppe beizutreten.
Korfanty in Paris.
Paris, 19. Juli. Wie der „Petit Parisien" mitteilt, ist Korfanty gestern vormittag in Paris angekommen. Er beabsichtigt, einige Tage in Paris zu bleiben. Er ist nicht einmal in einem Hotel abgestiegen, sondern in einer Privatwoh- nung, die ihm im Cafë zur Verfügung gestellt wurde. Er hat einen großen Umweg gemacht, um die Reise über die Tschecho-Slowakei, Oesterreich und die Schweiz zu machen. Dem Vertreter einer Nachrichten-Agentur sagte er, Oberschlesien sei beunruhigt. Das wirtschaftliche Leben leide, da niemand etwas unternehmen wolle, so lange Deutschland die Zukunft des Landes bedrohe. Nur der Oberste Rat könne entscheiden und sich Gehorsam verschaffen. Die Polen Hütten die Ueberzeugung, daß er die Frage direkt lösen werde, indem er sich an die Ergebnisse der V o l k s a b -
1921
st i m m u n g halte. Seine Ueberzeugung sei, daß, wenn die Alliierten so handelten, die Deutschen ruhig bleiben würden. Sie würden nichts gegen den Willen des Obersten Rates zu unternehmen wagen. Würde man noch warten, die oberschlesische Frage zu lösen, so sei es für jedermann gefährlich. Dann würde man einen Herd der Beunruhigung sich entwickeln lassen, der nach und nach Komplikationen hervorrufe.
Die Lettischen Reparationszahlungen.
Paris, 13. Juli. Ueber die vo« Drutschl«nd in Ausführung der Zahlungsplanes geleisteten Zahlungen wird nachstehende Mitteilung veröffentlicht: Die deutsche Regierung liefet der Reparationskammission eine neue Zahlung eines Betrages von ungefähr 31 Millioxen Goldmark in europäischen Valuten an. Die Zahlung wird zur Amortisatio« der Reichsschatzwechsel verwendet, die in Ausführung des Artikels 5 des Zahlungsplanes auSgehändigt wurden. Die gegenwärtige Lage hinsichtlich der Ausführung des genannten Artikels ist folgende:
Tratten auf drei Monate Ende Mai übergeben: 839 575 006
Barzahlungen zur Vervollständigung
der Milliarde: 160 427 OOP
1000 000 OOC
Deutschland zahlte für Amortisierung der Tratten die Summe von 114 949 690 Goldmark, mit Einschluß der soeben geleisteten Zahlung von 31 Millionen Soldwark, wodurch die Gesamtsumme der Barzahlungen von Mai ab auf 160 427 OÖO Goldmark 114 949 690 Goldmark 275 376 690 Goldmark gebracht wird. Die obigen Zahlen bleiben eventuell kleinen Veränderungen unterworfen. Außerdem setzte die Kriegslastenkommisston soeben die Reparation;» kommissio« davon in Kenntnis, daß die deutsche Re- «ierung eine abermalige Zahlung von 41 Millionen Goldmark in verschiedenen europäischen Valuten anbietet.
Sowjerrutzland vor einer Kunger- kalLstrophe.
Riga, 18. Juli. Die sowjâussische Mrt schaftsratastrophe und das Hunger-elend ziehen weitere Kreise. Von der Mast enabWanderung der Bauern aus dem Wolgagebiet werden gleichfalls die alteingesessenen deutschen Wolgakoloinften ergriffen. Die bisherigen Ergebnisse der Frühernte des Schwarzen Mecrküstengessietes, in welches die Sowj-ctregieruna große Hoffnungen gesetzt hatte, werden neuerdings als äußerst unbefriedigend bezeichnet. Außerdem wurde das Küstengebiet eines größeren Teils der Ukraine von nie dasiewesenen Heuschrcckeuschwäruiea heimgesucht. Die Ernte ist vernichtet. Besonders leiden die Bezirke Kijeff, Poltawa und Tschernigoff. Allenthalben wird die Hungersnot um vieles schrecklicher bezeichnet, aU in dem berühmten Hungerjahr 1891. Aus Moskau verlautet gerüchtweise, Lenin beabsichtige, Europa und Amerika zu einer großen Aktion gegen den Hunger aufzufordern. Die von anderer Seite gemeldeü Anfrage an Amerika, ob es bereit sei zu helfen, wird entschieden dementiert. Vertraulich erfahr, ich, die Sowjetregierung setzt eifrig die militärischen Rüstungen zwecks Niederwerfung des ir Verbindung mit der Hungersnot erwachten anti bolschewistischen Aufftandes fort.
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In diesem Augenblick allerhöchster Not, versucht die Sowjetregieruug, das Unheil abzuwenden, indem sie beginnt, einen Teil ihrer verbrecherischen Maßnahmen, die erst das Land so weit an den Abgrund gebracht haben, daß jetzt eine Mißernte zur Katastrophe werden muß, jetzt wieder rückgängig zu machen, wie aus der folgender Meldung hervorgeht:
Zugeständnisse an die russischen Bauern.
Terioko, 18. Juli. In führenden Sowjetkrei» fett wird, wie der „Ostexpreß" meldet, der Erlaß eines Dekrets beraten, das die Anerkennung eines bäuerlichen Privatbesitzes im Umfange bis zu 10 Deßjatinen (1 Deßjatine gleich 1,1 Hektar) vorsieht. Es wird für notwendig erachtet, das Zutrauen zum neuen Kurse der Sowjetregierung durch weitere Zugeständnisse zu festigen. Hierzu ivird u. a. eine weitgehende Neuregelung de? städtischen Grundbesitzes geplant, wobei sogar dir Rückerstattung der städtischen Immobilien ar die früheren Besitzer in Erwägung gezogen wird
Die Sleuerpiäne Ser Regierung.
Am Mittwoch und Donnerstag wird laut „Voss. Ztg." der Ausschuß für die direkte Besteuerung zusammentreten, dem die Steuer- pläne der Reichsregèerung zur Begutachtung vorgelegt werden sollen. Der Ausschuß wird sich zunächst mit einem Antrag dec Arbeitnehmerabteilung bezüglich der steuerlichen Erfas- funa der Goldwerte beschäftigen.