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Hanauer W Anzeiger

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General-Anzeiger

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Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil J.V.: Wilhelm Mo ritz: kür lokalen u. provinziellen

Amtliches Organ für ElaSl- und Landkreis Kanan ».Reklamen^Auguit Brod t. alle in Hanau «.Main. z v Rotationsdruck der Waikenhausduchdruckerei Hana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

^ernipreckanickllllle Nr. 1237 und 1238.

Nr. 158

Samstag den 9. Juli

1921

Eine machlvolle Kunögebung für das Recht Oberschlesiens zum Verbleiben bei Deutschland.

Gestern abend sprach der Reichskanz- l^rinBreslauin einer Volksversammlung in der Jahrhunderchalle. Der weite Kuppelraum war dicht gefüllt; etwa 10 000 Menschen moch­ten anwesend sein, darunter die Spitzen der Vchörden, die Vertreter der Stadt und die ( Führer der politischen Parteien. Oberbürger­meister Dr. Wagner eröffnete die Versammlung mit kurzen Worten. Dann nahm

Reichskanzler Dr. Wirlh

zu etwa folgenden Ausführungen das Wort:

Als ich heute morgen mit meinen Freunden von Berlin hier einkehrte, legten wir uns unterwegs wiederholt die Frage vor, wie wer­den wir wohl in Breslau an der großen all­berühmten Pforte Oberschlesiens, an dem Tor zum Osten, ausgenommen. Wir wissen aber, was das heißt, in einer großen Stadt einzu- kehren, wo Sorge und Bekümmernis wie ver­wandte Freunde das stille Haus durchschleichen, wo die große politische Frage auf allen Lippen schwebt: Was wird aus unserer lieben Heimat? Seien Sie überzeugt, geehrte Damen und Her­ren, daß diese Ihre Sorge nicht nur in Berlin geteilt wird. In meiner Heimat, im badischen Schwarzwald, in Freiburg, hatte ich vor eini­ger Zeit Gelegenhett, von manchem Munde die bange Frage zu hören:

Was wird aus oberschlesien?

Dor einigen Tagen sprach ich im Rheinland * in der großen Industriestadt Essen in einer . Versammlung. Die Erwähnung des Wortes ^t^ÄMii^

die Herzen rief, töte hier in Breslau selbst. Ich ^Wchbe, ich bin berechtigt, für die Bevölkerung des deutschen Rheines, aber auch für die I Reichshauptstadt und für die Reichsregierung in Ihrer Mitte ein freundliches Wort des Tro­stes in diesen schweren Zeiten, aber auch ein I entschiedenes Wort der Tatkraft und des ent­schiedenen, einheitlichen Willens Deutschlands zu sprechen. (Lebhafte Bravorufe.) Wenn ich von dem einheitlichen Willen Deutschlands är das Schicksal Oberschlesiens tätig o müssen Sie, geehrte Volksgenossen, er klar fein, daß das Deutschland von st in der Welt hinter sein Recht auch , zu setzen vermag, wie einst in alten

zu sein, sich dort heute nl die Kra

Tagen. (Zuruf: Leideri) Gewiß, geehrte Damen und Herren, lesen Sie die Eingangs­worte der deutschen Reichsverfassung: Deut­sches Volk, geeint in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, das Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern, gab sich diese Ver- fassung! Einst ein Bund von Fürsten, heute der geschlossene Wille der deutschen Stämme, ihr Reich auf einer neuen Grundlage der so­zialen und politischen Freiheit des demokrati­schen Lebens tn Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern. (Lebhafte Bravorufe.) Was heißt das, meine geehrten Damen und Herren?! Er­neuern, das setzt natürlich ein schmerzliches Er­eignis voraus, die ungeheuerlichste Katastrophe, die je über ein Volk gekommen ist Meine Da­chen und Herren! Ich nehme es niemand hier übel, der in Trauer und Schmerz vergangener Herrlichkeit gedenkt. Aber damit werden wir nicht frei, damit werden wir nicht wieder ein großes Volk, wenn wir nur in Historien machen, oder wenn wir nur Kritik üben an den Fehlern der Vergangenheit. Jetzt muß mit - neuer Kraft, wenn auch unter Trümmern, wie­der ein neues Reich nationaler Wohlfahrt auf­gebaut werden! Das kommt nicht von heute auf morgen. Was ernst unsere Väter anstreb­ten, fiel auch nicht vom Himmel. Schauen wir auf die Geschichte des letzten Jahrhunderts aus. f Entstand etwa unsere alte Herrlichkeit, unsere ehemalige Wohlfahrt und unser ehemaliger Wohlstand von selbst? Es war das Werk deut­scher Kraft und Intelligenz, einer gewaltigen großen Arbeitswilligkeit und Arbeitsfreudigkeit der deutschen Arbeiterwelt! (Lebh. Bravo!) Doch lassen wir die allen Zeiten ruhen.

Die wollen wir unser hartes Schicksal mildern?

3d) hatte heute morgen Gelegenheit, mit einer ganzen Reihe von Vertretungen aufrich- nge Aussprache zu pflegen. Es geht hier in Breslau wie anderwärts: Viele Köpfe, viele »inne! Und doch wölbt sich über dieser großen gewaltigen Menschenmenge ein Kuppelbau, der alles zusammenfatzt. Der große und mächtige Ruhm eines ganzen Jahrhunderts heißt der Zusammenschluß. Die Einzelnen sind verschie­denen volltilchen Sinnes. Der eine strebt die­

sem Ideal, der andere jenem zu; der eine denkt, daß der Staat in demokratischem Sinne gedeihe, der andere denkt anders. Der eine will Wirtschaftsfragen in irgendeinem gemein- wirtschaftlichen Sinne lösen, der andere denkt, daß die freie Wirtschastspersönlichkeit das beste ist. Also. Viele Köpfe, viele Sinne! Und doch wölbt sich über diesen allen der große gewaltige Kuppelbau, der die Stimmen zusammenfaßt nicht nur von mir, sondern von Ihnen allen zu dem großen mächtigen Ruf: Lasset doch alles Mißtrauen fahren, laßt bie Dinge im Hinter­grund, die uns trennen. Zusammen fügt euch. Laßt die großen harmonischen

Glockenklänge erflingen von der Einigkeit des Vaterlandes,

dem großen einmütigen Herzschlag seiner Brü­der. (Lebh. Bravo!) Ich weiß, daß Mißtrauen auch in Schlesien umgeht. Die einen sagen: Die Reaktion marschiere, die anderen sagen: Nein, nicht die Reaktion marschiert, sondern es droht unserem Vaterlande von anderer, Seite Gefahr an seinen Fundamenten. Es war heute morgen für mich ein feierlicher Augenblick, als in der Sitzung der Presse und der politischen Parteien der einmütige Willen zum Ausdruck gekommen ist und von den zwei Herren der Rechtsparteien besonders versichert wurde, daß jeder Gedanke des Mißbrauches des Selbst­schutzes und daß jeder Gedanke, in unserem deutschen Vaterland jetzt mit irgendeiner Ge­walt die heutige Ordnung des demokratischen Volksstaates stürzen zu wollen, daß dieser Ge­danke von rechts bis links abgelehnt wurde. (Levyaste ^rauoiuie./ MM.

in Deutschland machen, sehr geehrte Versamm­lung, so müssen wir es unter Hintansetzung jeglichen Mißtrauens tun. Darüber lacht doch die ganze Welt, wenn wir in unserer tiefsten Not heute uns um Kleinigkeiten willen selbst die Köpfe einschlagen. (Sehr richtig!) Schauen Sie hinüber nach England. Was zeigte dieses Volk für einen einheillichen Willen in den Tagen, wo die deutsche Macht die Well er­zittern machte! Wir haben keine Waffen in den Händen, nur eine Waffe haben wir,

das ist der Gedanke des Rechts und der Freiheit

für unser deutsches Vaterland! (Lebhaftes Bravo!) Das lasten wir über die Welt hin­klingen. Wir pochen auf unser Recht, wir gaben die Gegengabe und sind willens, unser Versprechen zu halten. Wir wissen, es ist uns durch das Ultimatum aufgedrängt. Meine Damen und Herren! Vor sieben Jahren lernte Europa auch ein Ultimatum kennen; jenes Ultimatum an Serbien wurde das größte Un­glück für die ganze Welt. (Sehr richtig!) In Freiheit wollen wir durch Arbeit dem großen Ziel, der neuen Wohlfahrt entgegengehen. Wir versuchen unser Bestes. Wir versprochen die Annahme des neuen Ultimatums und es zu erfüllen,, und nun beginnen wir die Arbeit ent­gegen denen, die meinen, mit Gewalt heute in Deutschland irgendwie die Welt beeinflussen zu können Wir sind berechtigt der Welt zu sagen: Schaut das deutsche Volk an! Es leistete großes auf allen Schlachtfeldern der Erde, Tausende Wunden bedeckten seinen Körper, Tausend ehrenvolle Narben, Tausend Siegesabzeichen aller Schlachten vom Osten bis zum Westen. Manches ist geheilt, aber tpir sind berechtigt, die Welt hinzuweisen auf große blutende Wun­den an unserem Volkskörper, der an Kontri­butionen und am Wiederaufbau für die ganze Well arbeiten soll.

Schauen Sie zum Rhein!

In einigen Städten, die neu besetzt sind, findet seit Wochen kein Unterricht mehr statt, weil alles gebraucht wird für die fremden Be­satzungen. Soll das dem Aufbau Europas dienen, daß die deutsche junge Welt nicht mehr in die Schule gehen kann? Sehen Sie sodann, wie freie Männer in Handel und Wandel durch die Rheinzölle behindert werden. Diefe Sank­tionen am Rhein sind nach der Annahme des Ultimatums, nach den Beweisen besten Willens die größte europäische Tor­heit, die man sich denken kann. (Sehr richtig!) Der WlUe in der Welt, über diese Dinge hin- wegzukommen und dieses Unrecht und diesen großen Unsinn wegzurüumen, ist gewachsen. Ich bin überzeugt, daß in wenigen Wochen entgegen dem Widerstand törichter Chauvi­nisten diese Wunde am Rhein sich schließen muß. Ja. meine Damen und

Herren! Wir wollen an Frankreich zahlen, auch an England! Sehen denn die Menschen nicht ein, daß durch das große Loch im Westen Schiebe.rware zu uns hineinkommt? Sehen Sie nicht ein, daß Luxus nach Deutschland strömt und daß dafür Zahlungsmittel hinaus­gehen, die wir sonst für die Reparationen ver­wenden könnten? (Sehr richtig!)

Wie kann man dem deutschen Volke der­artiges zumuten, zu zahlen und gleichzeitig die Tore für alle Schieber und Wucherer zu öffnen. Diese eine Wunde wird sich schließen, ist aber nicht die schmerzlichste. Die schmerzlich ste W u n d e am deutschen Volkskörper ist Ober» schlesien. (Sehr richtig!) Und über dieses Land Ihrer Liebe und Ihrer Sehnsucht, über dieses Kleinod des ganzen deutschen Vaterlan­des, lassen Sie mich sprechen. Oberschlesienl

6s ist unser und muß unser bleiben!

Wir lassen die Köpfe und Hände noch nicht sinken. Im Gegenteil, gerade der heutige Tag soll vor aller Welt zeigen, daß wir im Namen des Rechts und der Freiheit und im Namen des Selbstbestimmungsrechts der Völker einen unverjährbaren Anspruch auf dieses Land er­heben. (Lebh. Bravo.) Nicht den Anspruch, wie ihn etwa Korfanty erhebt, der meint, durch die Diktatur einiger räuberischer Banden könne er uns dieses Land entreißen. Nein! Dieser Anspruch gründet sich auf unser gutes Recht und auf die Geschichte, auf eine siebenhundert- jährige Geschichte, auf die Kultur und die ein­zige wirtschaftliche Blüte dieses Landes, das nur deshalb emporgekommen ist und das nur deshalb wirtschaftlich zur Blüte kam, weil es mit dem ganzen Deutschen Reich und mit der Wohlfahrt des ganzen deutschen Vaterlandes vorwärts und aufwärts geschrit­ten ist Meine Damen und Herren! Es ist nichts leichter in der Welt, als rasch den R u i n eines Landes herbeizuführen. (Sehr rich­tig!) Wenn die Diktatoren in Oberschlesien eins bewiesen haben mit der gesamten Interalli­ierten Kommission, dann ist es das, daß sie nicht fähig sind, deutsches Land zu verwalten. (Leb­haftes Bravo und Händeklatschen.) Ich glaube, wir in Deutschland und besonders Sie in Ihrer friesischen Heimat haben es seit jeder gewußt, daß man seinen Mitmenschen auch dann, wenn er nicht genau derselben Austastung ist, in Ehr­furcht und Treue begegnen muß. Haben in Oberschlesien die polnisch sprechenden Bevölke­rungsteile irgendwie Anlaß gehabt, sich über Dinge zu beschweren in den sieben Jahrhunder­ten, wie sie jetzt in den acht Wochen vorgekom­men sind? Niemals! Gewiß, es mag manches zu bessern gewesen sein im Süden wie im Nor­den in Deutschland, aber jeder im deutschen Vaterlande konnte für sich in Anspruch nehmen, daß er Bürger eines freien Staates war und daß er sicher auf seinem Eigentum hausen konnte.

Das ist das Ende der staatlichen Gewalt, wenn das Eigentum von Banditen verwüstet wird, wie es in Oberschlesien geschehen ist. Die Leiden die heute morgen in den einzelnen Aus­sprachen enthüllt worden und die uns allen be­kannt sind, sind herzzerreißend. Vor der ganzen Welt muß es ausgesprochen werden, was für ein himmelschreiendes Unrecht es ist, daß, nachdem seit drei Jahren die Geschütze end­lich verstummt sind, drei Jahre nachdem das Schlachtgetümmel verhallt ist, in dem armen un­glücklichen Oberschlesien ein Bürgerkrieg das Land durchzog

und Ruine auf Ruine häufte.

Wir haben Anlaß, namens des Rechts und der Gerechtigkeit zu verlangen, daß die oberschlefl- schen Verbrecher nicht mehr in die Lage kommen, unser armes deutsches Voll, unsere Stammes­brüder zu knechten und niederzuschlagcn wie tolle Hunde. Ich kann mir denken, daß die feindlichen Staaten siegestrunken sind, wenn sie an den Rhein gehen, um neue friedliche Städte zu be­setzen. Das kann ich mir vorstellen. Aber eins kann ich mir nicht vorstellen, daß irgendein Voll der Erde es mit ferner Ehre vereinbaren kann, ein armes Volk so schutzlos diesen Verbre­ch e r ba n d e n ausgeliefert zu sehen. (Lebahfte Bravorufe und Händeklatschen.)

Unser Mahn- und Warnruf ist nicht ungehSrt auf dem Erdball verhallt. Wer wissen will, wie das deutsch« Volk denkt, wer sehen will, daß es nicht dec Gedanke des Nachtdunkels war, der unser Voll beseelt, der erkundige sich in Ober­schlesien. Don haben tapfere italienische Solda- i«n für den Gedanken des Rechtes, der doch bie Völker Europas Zusammenhalten muß, ihr Leben gelassen. Was hat das deutsche Volk diesen Sol­daten gegenüber getan? Ihre Särge sind mit Blumen bekränzt worden und wir sind ihnen dankbar und bereit den Lorebeer nicberiuleaen.

Für diejenigen, die für den Gedanken der euro­päischen Solidarität, für den Gedanken des Rechts der Welt im Kampf gegen Verbrechen ihr Leben im Dienst der Menschen gelassen zu haben. (Lebhafter Beifall.) Meine Damen und Herren?! Wir sind aufrichtig dankbar, daß endlich die interalliierte Kommission gerade aus Engkmd Truppen bekommen hat, um dem Gedanken der staatlichen Autorität in Oberschlesien wieder Gel­tung zu verschaffen. Aber unser Dank verstummt und ist klein gegenüber dem unendlichen Dank, den wir anderen Brüdern in Oberschlesien schul­den, die Ihr Heimatland im Selbstschutz vor diesen barbarischen Banden geschützt haben. (Leb­hafter Beifall und Händeklatschen.) Lassen wir das Mißtrauen, wenn es hier und dort noch vor­handen sein sollte beiseite, fragen Sie die, die am Annaberg gekämpft haben. Sie haben nicht den Gedanken irgendeiner Reaktion im Herzen gehabt, als sie mutig vorwärts stürmten, um Heimat und Freiheit zu schützen.

Die Liebe zum deutschen Volke und zur Heimaterde

hat die Tapferen emporgetragen, bis sie bett Annaberg, dieses Bollwerk wieder in ihren Hän­den sahen. (Lebhafter Beifall.) Wollen wir die­ser Toten wie der im Weltkrieg gedenken und dann und wann im Gebet an ihren Grikbern niedersinken und dann, verehrte Freunde, nicht nur in Gedanken versunken bleiben, nicht nur im Schmerz sich beugen, nein, vorwärts zu eilen, zu neuer Arbeit. Durch neue Arbeit wieder zu neuer Freiheit. Und nun fragen wir Sie.

wie steht es in Oberschlesien?

Sie werden fragen, hat bk Berliner Regierung genug getan, um den Gedanken über Oberschlesien in der Welt zu verbreiten? (Zuruft: Nein!) Glauben Sie. daß wir in den letzten Monaten nicht fieberhaft gearbeitet haben? Glauben Sie, baß unsere Hände uniüjifl gewesen siâ, W^- Oberschlcsien helfend einzugreifen? Glauben Sie nicht, daß in persönlichen Rücksprachen hundert­fältiger Art, allen Vertretern der alliierten Mächte kein Zweifel darüber gel essen ist daß das Schicksal Oberschlesiens mit dem des Deutschen Reiches auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Unsere Botschafter in Rom, Paris und London, alle unsere Vertreter auf dem Erden­rund, sind seit Monaten tätig, um den Gedanken des Rechts für Oberschlesien vor der ganzen Welt aufzurichten. (Beifall.) Nur eins müssen Sie nicht mehr denken: wir können daS 'Schicksal Oberschlesiens im Herzen Europas nicht mit der Masse in der Hand entscheiden. (Zustimmung.t Das ist unmöglich! Aber meine Damen und Heroen, wenn ich diesen Satz ausspreche, so füge ich einen zweiten hinzu, und ich habe ihn in^den letzten Tagen manchmal auch Fremden gegenüber mit Nachdruck betont. So wenig wir daran den­ken, auf Schlachtfeldern mit Stab und Stecken kann man dort nicht auftreten Europa zu be­unruhigen, ebensowenig kann jemand in der Welt annehmen, daß unsere oberschlesischen Brüderund wir etwa dastehen sollen, um uns ruhig den Hals abschneiden zu lasten. (Lebhafte Zustimmung.) Jedes Tier in der Natur und jeder freie Mensch ist berechtigt, sich um Heimat, um Haus und Hof, Weib und Kind zu wehren. Jetzt handelt es sich aber um Oberschlesien, nicht um eine iso­lierte Frage, die gelöst von der ganzen Politik einer Lösung entgegengeführt werden kann, nein.

das Schicksal Oberschlesiens ist das Schicksal des ganzen deutschen Volkes.

(Sehr richtig.) Vor einigen Tagen, als noch der Auftuhr tobte und dabei in Deutschland manche Faust sich krampfhaft ballte, habe ich in einem Gespräch mit dem französischen Botschafter in Berlin aus die große Gefahr hingewiesen und ich habe aus jenem Munde gehört daß die Hal­tung Frankreichs bei einem Angriff der Reichs­wehr nicht mißzuverslehen sein werde. (Pfuirufe.) Keine Pfuirufe, meine Damen und Herren. Mit Pfuirufen lösen Sie die Probleme der Politik nicht (Sehr richtig.) Sondern, meine Damett und Herren diese großen Fragen emopäischer Politik, sie werden nicht gelöst, indem wir sagen, ihr in Berlin tut eure Pflicht nicht! Nein wir müssen die großen Linien unserer Politik ein- halten. Diese Linien waren allerdings in der Vergangenheit, wo wir eine Macht darstclltew unbekannt im Reiche der Politik. Jetzt ist es der Gedanke des Willens zur Gerechtigkeit, des Willens zur Freiheit, des Willens zum . großen Gedanken der demokratischen Selbstbestimnmng Europas, der unserm Volt noch die Freche:: retten kann. Ich weitz nicht, wie 'man sich beim Zustandekommen des Versailler Vertrages in den alliierten Kreisen den Gedanken des Rechts vor- gestellt hat. Ist das nur leerer Schein gewesen^ daß in Oberschlesien abgeftimmt werden sollte? Hat man nicht gerade Pocens Wünschen wruig