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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
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Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Tell 2.V.: W i l he l m M o r i tz: kür lokalen u.vrovinriellen Teil sowie Svort Wilhelm Moritz; für Anzeigen ».Reklamen August Brodt. alle in Hanau a. Mai» Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanan.
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Nr. 157
Freitag den 8. Juli
1921
Das Neueste.
— Der Reichstag hat sich gestern bis zum
8. September vertagt.
— Der Reichsrat hat gegen die Beschlüsse des Reichstages über die Gesetze betr. den Abbau der Kriegsgesellschaften, betr. Ueber gang der Wasser- stratzen auf das Reich, betr. Neuregelung der Fernsprechgebühren und betr. die Abänderungen des Versicherungsgesetzes für Angestellte feinen Einspruch erhoben. Dem Nachtragsetat stimmte der ReichSrat noch den Beschlüssen des Reichstages zu.
— Sett dem 6. Juli besteht für die Ein- und Ausreise von und nach Oberschlesien wieder der Paßzwang wie vor dem Aufstande. Die Pässe müssen also wieder das französische Visum tragen.
— Der belgische Finanzminister Theunis hat sich nach Paris begeben, um an der Konferenz der alliierten Finanzminister teilzunehmen, in der die Verteilung der deutschen Entschädigung geregelt werben soll.
— Die R^arationslommission hat die Fassung des letzten auf die Luftschiffahrt bezüglichen Protokolle zur Regelung der Restitutions- fragen abgeschloffen. Die vorhergehenden Protokolle sind Deutschland bereits notifiziert worden.
— Die bulgarische Regierung hat irrn einen dreijährigen Aufschub ihrer Reparationszah- Llllgen ersucht.
Neue Wege ans dem Gebiet
der DoMsernährung.
8L Um in der gegenwärtigen Zeit größter wirtschaftlicher Not die wissenschaftliche For- J|sh«jgyg£beit stärker als bisher an der prak- MWm Losung des Problems der Vottsernau- âng zu beteiligen, gliederte der Reichsernäh- ^Tngsminifter Hermes feinem Ministerium ihren Beirat zur Förderung der er- nLhrunaswifsenschaftlichen Forschungstätigkeit an und berief in den Beirat folgende Herren: für die allgemeine Chemie die Professoren Ernst Beckmann vom Kaiser Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin- Dahlem, Karl A. Hofmann von der Technischen Hochschule in Charlottenburg und R. Willstätter von der Universität München, für Ernährungsphysiologie die Professoren Emil Abderhalden von der Universität Halle und M. Rubner von der Universität Berlin, für Pflanzenphysiologie und Vererbungslehre die Professoren Baur von der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin und G. Haberlandt von der Universität Berlin, für Nahrungsmittelchemie die Professoren H. Hejduschko von der Technischen Hochschule in Dresden, A. Juchb- nack von der Technischen Hochschule in Char- Wttenburg und Th. Paul von der Universität München, für Agriculturchemie Prof. Olemmer- mann von der Landwirtschaftlichen Hochschule M Berlin, für Bakteriologie und Ernährungshygiene Prof. R. O. Neumann von der Universität Bonn, für klinische Fragen Prof. Fried- rrch v. Müller von der Universität München, für Ernährungsstatistik Dr. R. Kuczynski vom Statistischen Amt in Berlin-Schöneberg. Die Mitglieder des Beirats fanden sich auf Ein- mdung des Ministers am 4. Juli zu der ersten Sitzung im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammen. Im Namen des Ministers, der an der Teilnahme verhindert war, begrüßte Ministerialdirektor Dr. Hoffmann die Erschienenen. Die außerordentlich schwierigen Verhältnisse, worin sich Deutschland Mrs viele Jahre hinaus befinde, machten die Regelung neuer Wege auch auf dem Gebiete der Volksernährung notwendig. Minister Hermes hoffe, daß es der Mitarbeit so hervorragender Forscher, wie sie dem Beirat ange- horen, gelinge, Mittel und Wege zu finden, um neue _ Nährstoffquellen der Menschen zu er- fchlleben, die jetzt zur Verfügung stehenden -^oystosfe vorteilhafter als bisher auszunützen Mkd die Verfahren zur Verarbeitung von Rohstoffen für Lebensmittel zweckmäßiger zu gestalten, sodaß sich Lebensmittel so zubereiten tolsen, daß sie, so weit und so zweckmäßig als nur^ möglich, vom Körper ausgenützt werden. . Amtliche Forscher begrüßten die Absicht ves Reichsernährungsministers aufs Lebhaftet» undstellten sich zur Mitarbeit zur Verfügung ^och eingehender Beratung beschloß der Bei- rot, sich zunächst den folgenden Aufgaben zuzu-
, Die B r o t f r a g e soll erforscht werden, -^st?ol nach der Richtung der Verbesserung der Herstellung des Brotes zur Erzielung weitest- tzehender Ausnutzung durch den menschlichen Körper sowie andererseits durch die Hebung des
Ertrages an Getreide und anderen Feldfrüch- ten mittels rationeller Züchtung auf wissenschaftlicher Grundlage und systematischer Erd- analyse. Zusammenhängend damit soll die Hebung des Ertrages des Bodens dadurch erzielt werden, daß, nachdem die Stickstoffrage gelöst ist, die Phosphorfrage, insbesondere bte Bedeutung des Phosphors zusammenhängend mit dem Stickstoff erforscht wird; der Frage der Deckung des F e t t b e d a r f s der Bevölkerung sollen dienen die wissenschaftlichen Untersuchungen über die Möglichkeit der Verwendung von Fettsäuren, die auf chemischem Wege aus Kohlenwasserstoffen gewonnen werben, sowie die Forschungen über die Kultur der Sojabohne und der Erdnuß bezw. ihr Akklimatisationsvermögen in Deutschland. Der Frage der E r s p a r n i s mö g l i ch k e i t bisher unrationell verteilter Rohstoffe sollen sich Untersuchungen zuwenden über die Aufschließung von Stroh, über den chemischen Anbau hornholzartiger Stoffe, über die Einwirkung der Darmbakterie der Wiederkäuer auf Zellulose u. a. m. Auf ernährungsphysiologischem Gebiete sollen besonders gefördert werden die Studien über Vitamine, über gewisse Mineralstoffe und Nährsalze, sowie über die Möglichkeit der Verwendung von Verlusten an Nährstoffen bei der Zubereitung von Lebensmitteln.
Im Auftrage des Ministers konnte Ministerialdirektor Hoffmann den einzelnen Gelehrten, die zur Erforschung der ausgeführten Fragen sich bereit erklärten, finanzielle Beihilfen, wenn auch nur in bescheidener Höhe, aus einem dem Reichsministerium für Ernährung und de- Landwirts<yaft zur Verfügung stehenden Fonds überweisen. Der Lösung mit Hilfe der Wissenschaft harren außerordentlich umfangreiche und wrrtfchastlich wichtige Fragen der Volksernährung. $a|j JHr&e J^ - Bereitwilligkeit in den Dienst dieser Aufgaben der Volksernährung stellt, bedarf dankbarer Anerkennung.
Der Reichskanzler in Breslau.
Reichskanzler Wirth und der preußische Minister des Innern Dominicus begaben sich zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Breslau, um mit den dortigen oberschlesischen und schlesischen Stellen persönliche Fühlung zu nehmen. Der Reichskanzler wird, wie bereits gemeldet, heute Freitag abend in der Jahrhunderthalle zu Breslau eine Rede halten, in der die oberschlesische Frage besonders erörtert werden wird.
Die Jn-uslriefpionage im besetzten Gebiet.
Don einer Anzahl Abgeordneter der Deutschen Volkspartei ist am Donnerstag eine An- frage im Reichstag eingebracht worden: „Der Ortsdelegierte der Besatzungsbehörde in Düsseldorf wird einen Befehl erlassen, in dem von der Industrie gefordert wird, den Besatzungstruppen die Betriebe zur Besichtigung zu öffnen. Die Besichtigung soll in Gruppen von 20 Mann erfolgen. Die Werkleitungen werden verpflichtet, die geeigneten Führer zu stellen." Wir fragen die Reichsregierung, was sie zu tun gedenkt, um diese willkürlichen Akte zu verhindern.
Anfrage der deutschen Volkspartei wegen -er schwarzen Schmach.
Von verschiedenen Abgeordneten der Deutschen Volkspartei wurden tm Reichstag folgende Anfragen eingebracht: Nach verbürgten Zeitungsmeldungen ist in den letzten Tagen des Monats Juni, mittags zwischen 12 und 1 Uhr, auf der Landstraße Griesheim—Darmstadt eine 72jährige Frau von einem farbigen Soldaten überfallen, in den die Landstraße säumenden Wald geschleppt und vergewaltigt worden. Wir fragen an: 1. Sind diese Zeitungsmeldungen richtig? 2. Was hat die Reichsregierung getan, um dem so schwer verletzten Recht Genugtuung zu verschaffen und vor allem die Bestrafung des Täters zu fordern. 3. Ist die Reichsregierung bereit, eine Liste aufzustellen und der französischen Regierung wie den übrigen Besatzungsmächten und auch der Oeffentlichkeit zu übergeben, die alle Fälle enthalten, in denen Deutsche an Leib und Leben, insbesondere deutsche Frauen in ihrer Ehre durch Angehörige der Besatzungstruppen angegriffen worden. 4. Was gedenkt die deutsche Regierung zu tun, um Die öffentliche Sicherheit auch in den Gebietsteilen vor so schwerer Deinträchtigung wie der erwähnten, zu schützen, die von französischen Truppen besetzt sind?
sei jedenfalls die Bedingung, die Korfanch gestellt habe, aber deren Annahme durch die Kommission werde eine allgemeine gerechte Entrüstung hervorrufen. Wirtschaftlich sei Oberschlesien unteilbar.
Der Streik in Berlin beschlossen.
Das Gesamtergebnis der Urabstimmung über einen Smpathiestreik der städtischen Arbeiter zur Unterstützung der ausständischen Gutsarbeiter hat 30 786 für und 10 358 Stimmen gegen den Streik ergeben. Die Funktionäre der städtischen Arbeiter nahmen am Donnerstag abend nach vierstündiger Debatte folgende Resolution an:
Der Streik der städtischen Arbeiter ist hiermit für Freitag den 8. Juli erklärt. Er tritt aber erst in Kraft, wenn das Ergebnis der Verhandlungen der Stadtverordnetenversammlung bekannt wird. Sollten die Gutsarbeiter mit den Bedingungen, die der Magistrat stellt, einverstanden sein, so werden die übrigen städtischen Arbeiter nicht in den Streik treten. Sollten die Gutsarbeiter nicht mit den Bedingungen einverstanden sein, so würde die sofort gebildete Streikleitung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätsarbeiter alle weiteren Maßnahmne ergreifen.
Das „Achtuhr-Abendblatt" meldet: Bei der Abstimmung der Berliner Straßenbahner ergab sich nur eine kleine Stimmenmehrheit für den Streik. Nach einer längeren Aussprache mit dem Stadtoerkehrsrat Dr. Adler, der darauf hinwies, daß das städtische Derkehrsunter- nehmen eine neue Störung nicht werde überwinden können, beschloßen die Vertrauensmänner der Straßenbahner, von einer Arbeitsniederlegung abzustehen.
Die drei sozialistischen Fraktionen der Berliner Stadtverordnetenversammlung einigten sich am Uri. Antrag, daß den ausständigen stöbt Gutsarbeitern eine zehnprozentige Lohnzulage gewährt und das Mitbestimmungsrecht bewilligt werde. Die Vertreter der Gewerkschaften stimmten zu und wollen für die Wiederaufnahme der Arbeit eintreten. Der von dem 8& schluß der sozialistischen Fraktionen in Kenntnis gesetzte Oberbürgermeister beruft für heute Freitag eine außerordentliche Sitzung des Magistrats ein.
Der Friede mit Amerika.
Paris, 7. Juli. Die „Chicago Tribune" meldet aus Waihington: Welche Form der Friede mit Deutsch- land aiincbmen werde, schein« man in Washington ebenso wenig zu wi"en wie in Berlin. E» stehe indessen fest, daß die Absicht der Regierung dahin gehe, in der ReparationSsragc den Alliierten zur Seite zu stehen. Dar Blatt bestätigt die gestrige Meldung bei „New Fort Herold", daß die Frage, ob eine Friedens- Proklamation notwendig sei, noch geprüft werde. Die Fneden»entscblrrßung bei Kongresse» stelle für den Augenblick weder den Frieden her noch die diplomatischen Beziehungen. Dick tonne erst geschehen durch einen Sondcrvcrtrag, fall» die Regierung nicht beabsichtige, den Versailler Vertrag alS Grundlage für den Frieden zu benutzen, wobei jene Bestimmungen aulgcmerzt würden, die Amerika abträglich seien. Präsident Har- ding habe kein Interesse an der Etikette oder an dem Leibipruch, wodurch der Friede gesichert werden solle. Was er verlange, sei die Maßnahme, die ein Minimum an Verhandlungen mit einem Maximum von Resultaten verbinde. Der Vertrag, so sagt das Blatt zum Schluß, müffe die Wltderauinähme normaler Beziehungen mit Deutschland vorsehen, einschließlich der Regclung des Verfall» feindlicher Güter der amerikanischen Ansprüche auf die Schäden, die Deutschland verursachte und der amerik. Ansprüche aus Schiffe und Patenten, die während bei Kriegel beschlagnahmt wurden, der Paßregelung uns de» Ersatzes der Ausgaben durch die amerikanischen Besatzungttruppen.
Pari-, 8.Juli. Nach einer Meldung der „Chicago Tribune" aus Washington, hat Präsident Harding den Geucralanwalt Daugherty um feine Meinung darüber befragt, ob nach der Annahme der Friedensentschließung, des Kongresses eine Friedensproklamation notwendig sei
Jpa. Washington, 8. Juli. Präsident Harding hat verschiedene Haadelssachverstândige, deren Gutachten die Regierung in letzter Zeit wiedrrhott in internationalen Fragen gehört hat, ,« den Be- sprechungen über den mit Deutschland adzu- schließenden Handelsvertrag, etngelaben. Diese Verbandlungen sollen sofort nach der Rückkehr Harding», der sich auf einer Erholung»reise befindet, er- eigen.
Der englisch-japauische Vertrag.
London, 8. Juli. Lloyd George» erklärte gestern im Unterbau», er hoffe, bald, vielleicht schon am Mo»- tag» in der Lage zu sein, über den englisch-japanische« Vertrag eine Erklärung abjugeben. Der Zeitpunkt dieser Erklärung dinge von den Anträgen ab, die vo» een Vereinigten Staaten und China erwartet würde«. Im gegenwärtigen Augenblick würde eine Erklärmtg möglicherwelst bem Erfolg der Verhandln«««» »ach- tcihg ser»
Aus Oberfchlefien.
BeutheN, 7. Juli. Der Kreiskontrolleur von Beuthen-Stadt benachrichtigte gestern nachmittag den Vertreter des Magistrats, die Stadtverordneten und die politischen Parteien, daß der englische General, der jetzt Komandant der Stadt Beuchen ist, sie zu sprechen wünsche. Die Besprechung fand gegen 4 Uhr nachmittags statt. Der General bedauerte zunächst die Ermordung des französischen Majors und drückte die Ueberzeugung aus, daß die Tat allgemein von allen, gleichviel welcher Sprache und Nationalität sie seien, verurteilt werde. Er versicherte, er werde alle Mittel anwenden, um in kürzester Zeit Ruhe und Ordnung in und um Beuchen zu schaffen. Dazu erwarte er bk Mithilfe des Magistrats und der Führer der politischen Parteien. Wegen der Freilaffung der Geiseln würden alsbald die Verhandlungen ausgenommen werden. Die Verkehrserschwerungen würden ebenfalls alsbald beseitigt. Auch sonst werde mit allen Mitteln dafür gesorgt werden, daß in Deuthen und Umgebung Ruhe und Ordnung wiederkehre.
Beuchen, 7. Juli. Die Untersuchung des Mordes an dem Major Montalegre ergab, daß die Kugel von der Sedanstraße aus Roßberg gekommen ist Der Mörder soll ein 19jährIger Bursche, ein früherer Insurgent sein. Seine Mutter wurde verhaftet, weil ihr Sohn flüchtig gegangen ist. Die Geiseln sind bisher nicht freigegeben worden.
Oppeln, 7. Juli. Die Interalliierte Kommission hat infolge der Vorgänge, die sich in Beuchen abgespielt haben, den ersten Bürgermeister von Beuchen, Dr. Stephan, ausgewiesen.
Kattowitz, 7. Juli. Die Uebevgabe des Bahnhofs verzögerte sich bis 4 Uhr nachmittags. Sie erfolgte in Gegenwart eines interalliierten Kommandos, Vertretern der deutschen Eisenbahn- uno der früheren oolnüâri Eiienvavnbchorden. Abends um 6 13 Uhr erreichte der erste Schnellzug aus Berlin den Bahnhof Kattowitz. Der gesamte Güter- und Nebenbetrieb ist seit 4 Uhr wieder ausgenommen.
Kattowitz, 7. Juli. Der Kreiskontrolleur von Kattowitz-Stadt teilte der Leitung des hiesigen Flüchtlingslagers mit, daß es bis Freitag mittag 12 Uhr aufzulösen sei Auf Grund voy Verhandlungen wurde eine Verständigung erzielt, daß das Flüchtlingslager erst am Dienstag mittag ausgelöst wird. Der Termin musste hinausgeschoben werden, da die Leitung des Flüchtlingslagers den Nachweis brachte, daß noch täglich 40 bis 70 Flüchtlinge nach Kattowitz Zuströmen, weil der Terror in den Landoemern- den fort bauert. In Ozutschütz und Gieschewald weht nach wie vor von den Gemeindehäusern die Polenflagge.
Erklärungen Hofers.
Paris, 7. Juli. General Höfer erklärte dem Vertreter des „Petit Journal" in Kattowitz in einer Unterredung: Als ich jung war, nannte man denjenigen, den man in Oberschlesien beleidigen wollte, einen Pollacken. Es gibt keinen Oberschlesier, der sich nicht durch diesen Ausdruck beleidigt gefühlt hätte; dermaßen groß war die Mißachtung, die man gegen die Polen empfand. Korfanty, dieser verhängnisvolle Mann, unternahm vor etwa 20 Jahren nun in diesem ruhigen Lande eine unerhörte Kampagne, in der er sich der demagogischsten Mittel bediente, um die Massen zu gewinnen. Unglücklicherweise wurde sein Einfluß groß. Als die Interalliierte Kommission kam, versprach sie, Ordnung und Freiheit herrschen zu lassen. Das Gegenteil trat ein. Der polnische Aufstand ist das Ergebnis dieser Politik. Seit Beginn der Erhebung sehen wir, daß die Interalliierte Kommission unfähig ist, die Ordnung wiederherzustellen. Deshalb organisierten wir Deutschen den Selbstschutz. Unsere Absicht war, daß er der Kommission zur Verfügung gestellt würde, um den Aufstand im Zusammenarbeiten mit den Alliierten zu bekämpfen. Wir waren aber überrascht, als die Interalliierte Kommission sich neutral erklärte. Zwischen den polnischen Rebellen auf der einen und den loyalen Deutschen auf der anderen Seite, die sich unter den Befehl der Kommission stellen wollten, wurde kein Unterschied gemacht. Die Kommission beglückwünscht sich heute, daß sie den Ausstand ohne Blutvergießen beendete. Er rage, ob man den Rebellenaufstand ernstlich ricberbrüden könne, wenn man eine solche Methode anwcnde. Die polnischen Aufständischen lätten die Waffen niedergelegt, aber sie würden ic wieder ergreifen, wenn die Stunde des vieren Aufstandes gekommen sei. Schließlich er- Üärte Höfer, er hoffe jetzt, daß die Kommission Maßnahmen ergreifen werde, um die Deutschen zu schützen. Aber er sei erstaunt, daß den Insurgenten Amnestie gewährt worden sei. Das