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Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan

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Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischer, und allgemeinen Teil J.V.: W i l b e 1 m M o r i tz; für letalen u.provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen u. Reklamen August Brodt, alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausduchdruckerei Hana«. Fernsprechanschlüsie Nr. 1237 und 1238.

Nr. 155

Mittwoch den 8. Juli

1921

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Der Hamburgische Ausschuß für den Aus­bau der Friedenswirtschaft hatte die Vertreter der Presse anläßlich der Tagung des Reichsverbandes der deutschen Presse zu einem Eesellschastsabend, an dem die Spitzen der Hamburgischen Behörden und des Hamburgi­schen Handels teilnahmen, nach dem Parlhotel an der Flottbecker Chaussee eingeladen. Bei dieser Gelegenheit machte Minister Dr. Rathe­nau u. a. folgende Ausführungen:

Das Problem des Wiederaufbaues ist nur ein Ausschnitt aus dem großen europäischen Problem, dem Problem, das nicht gelöst werden kann vom Einzelnen, nicht von Negierungen, sondern nur von den Völkern selbst und der Macht der Erkenntnis. Es handelt sich darum, den Kontinent wiedrherzustellen. Die Lösung des Problems wird darin bestehen, daß erkannt ; wird, die enge Verflochtenheit und Verbunden­heit der europäischen Nationen, die freiwillige oder unfreiwillige Schicksalseinheit eines ganzen - Kontinents. Verflochten sind die Länder zu­nächst durch eine Kette unaterieller Verschuldung. Es ist kein Land, das heute nicht vU-schuldet wäre, mit Ausnahme jener großen Reiche jen­seits des Ozeans. Der G e n e r a l g l ä u b i - ger der Welt ist Amerika, der Gene­ralschuldner Deutschland- und zwi­schen ihnen eingeschaltet sind sämtliche Nationen gleichzeitig als Schuldner und Gläubiger, jeder dem anderen verpflichtet und verbunden. (Sehr richtig!) Weiterhin aber sind die Länder ver- z flochten durch die Entwertung ihrer Geldmittel lcht ein einziges Land, mit Ausnahme der ' großen überseeischen Staaten, tu ver^onr «e? blieben von dieser wirtschaftlichen Erkrankung ^während der Kriegszeit und Nachkriegszeit.. D Innerhalb der Geldsysteme aber besteht ein System kommunizierender Röhren, welches ver- hindert, daß der eine sich erholt, wenn der an= dere leidet. Auch in dem Augenblick, wo durch 8 die Zahlungsnotwendigkeit Deutschlands gewisse Geldwerte im Steigen sind, bleibt die Verbun­denheit der Geldwerte untereinander sichtbar. > Sodann sind die Staaten untereinander ver- r knüpft durch den Begriff des Wiederaufbaues, ° dessen alle bedürfen. Zerstört sind allen ' ihrem wirtschaftlichen Leben, von der äußeren Ä Zerstörung der sichtbaren Güter, von der Zer­störung der Städte und Landschaften ausgehend, bis zur Zerstörung des Unsichtbaren, des Kredits und der Beziehungen d'er wirtschaftlichen Zu- f sammenhänge. Diese Vernichtung schweißt . die Nationen zusammen zu einer

Interessen- und Nokgenteinschafk,

mögen sie es wissen oder nicht, denn der Wie­deraufbau des einen Landes kann nicht ge­schehen, wenn der Wiederaufbau der übrigen ; Länder nicht gelingt. (Sehr wahr!) . Die Verbundenheit geht noch weiter, denn wir müssen uns darüber klar sein, daß die heutigen f Territorien Europas klein sind. Es sind kleine : Gebiete, teils durch Emporkommen vieler neuer Staaten und durch neue Zersplitterun­gen, teils aber auch durch Vergleich mit den v größeren, gewaltigen Staatsnkomplexen, die I von dem Krieg nahezu unberührt geblieben : sind. Diese kleinen Territorien wirtschaftlicher : Art sind im gewissen Sinne mit den alten griechischen Staaten vergleichbar, die zwar in 9 ih-cn Dimensionen winzig gegen unsere Kom­plexe erscheinen, die aber gleichfalls unter der Zersplitterung ihrer Aufgaben, an der Gegen- I sätzlicheit ihrer Interessen und im Mißver­ständnis gegenüber der tatsächlichen Verbun- " denheit gelitten haben. Diese kleinen europä- z ijchen Territorien werden, wenn sie sich ihres A Zusammenhanges nicht bewußt sind, nicht im= stände sein, die großen technischen Aufgaben der Zukunft zu lösen, denn die technische Fuh rung liegt da, wo die Größe der Produktion ist. Die Größe der Produktion aber ist bedingt durch großen Konsum, d. h. große Territorien. Vor allem aber sind die Länder und Völker dieses Kontinents verbunden durch den bleiernen Himmel einer Krisis, die vom Auf­gang bis zum Untergang über ihnen hängt. Viele sind geneigt, die Krisis als vorüber­gehende zeitliche Erscheinung anzusehen, be Geteilt werden könnte durch die einfa ' en Mit- t«l- mit welchen man früher den mirticbaib lichen Erschütterungen begegnete. Im Jrr- chm sind jene, die das glauben. Dieje Krisis ist eine organische Krankheit eines tieflei>enden wirtschaftlichen Körpers. (Sehr richtig!) E > I ist nicht zu verhehlen, daß von den Bewohnern r dieses Planeten 300 Millionen als Konsumsn- ren ausgeschaltst sind.

wir 4 Milliarden in Arbeitswerten zahlen, so

~ Es ist nicht zu vei- haben wir die zu verbinden mit 6 Milliarden

hehlen, daß durch dk OeldieLniffe dieses Kne- Stoffen. So erreicht die Ausfuhr, die erforder-

ges und durch seine Folgen eine Umschichtung unter der Bevölkerung stattgefunden hat, Oie leider allzuschwer den Ständen der Intelligenz mitspielte, die dadurch aus dem Konsumkreis ausgeschieden sind. Eine Umstellung des Pro­duktionsprogramms der Welt wird hierdurch erforderlich, eine.Umstellung, die nicht in weni­gen Jahren vollzogen werden kann.

Wenn wir diese Uebersicht der Gebunden­heiten vor uns vorüberziehen lassen, so sollten u ir glauben, daß keine Minute des europä­ischen und Weltlebens verloren ginge, in der nicht die Sachverständigen und Kenner des Wirtschaftslebens der Welt zusammentreten, sich begegnen und von früh bis spät beraten, wie diese KrankheU zu heilen sei. (Sehr rich- t'g!) Geschieht das? Wenig ist davon zu sehen. Noch immer herrscht der Gedanke, es könne der eine gedeihen, wenn der andere ver­dirbt. (Sehr richtig!) Noch immer herrscht der Gedanke der Verfeindungen, der Gedanke der Vergeltung, von dem der preußische Gene­ral von Clausewitz sagte: Krieg ist die Fort­setzung der Politik mit anderen Mitteln. Heute sind wir versucht zu sagen, daß die gegenwär­tige Politik die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln scheint. (Sehr wahr!) Es ist zu begreifen, daß ein tiefer Abscheu gegen den Krieg in den Seelen aller Menschen und einer ganzen Welt sich einwurzelte. Wir Deutschen teilen die tiefe Sehnsucht nach Frieden und dauerndem Frieden, dennoch können wir psy­chologisch begreifen, daß der Gedanke der Sicherheit, wie man ihn fassen zu können außerhalb Deutschlands stärker bewegt, als der Gedanke wirtschaftlicher Notwendigkeiten. Die wahre Sicherheit der Nationen und

die wahre Sicherheit des Weltfriedens aber beruht nicht auf individualistischer Grund­lage, sie beruht auf dem Gefühl der Verfloch­tenheit sämtlicher Glieder der Welt zu einem Ganzen, und die Welt wird dann am sichersten und gesündesten sein, wenn die Lebensnotwen­digkeit eines jeden erkannt wird und wenn es niemand mehr gibt, der gegen die Lebens­notwendigkeit des kleinsten und größten Volkes m individualistischem Streben verstößt. (Sehr richtig!) So hat sich in den besten Geistern unter denjenigen Nationen, mit denen wir im Kriege lebten, der Gedanke festgesetzt, es könne ein Goldstrom entspringen, gestaut und ge= fangen werden, der, von Deutschland aus­gehend, alle anderen zur Gesundung führt. Ich lasse es ungeprüft, ob die Heilung durch einen Eoldstrom, der von einem Lande ausgeht, der Welt zugute kommen würde (Sehr gut!), aber zweifellos wird ein solcher Goldstrom kaum entstehen.

Wir Deutschen sind verpflichtet, durch unsere Unterschrift und durch die Ehre unseres Namens, den wir unter Verträge setzen. Wir werden erfüllen und werden bis an die Grenze unseres Könnens gehen, um die Ehre unseres Namens zu wah­ren, der als Unterschrift unter den Verträgen steht, deren Verbindlichkeit wir betonen, auch wenn sie nicht unseren Wünschen entsprechen. Das hindert uns aber nicht, offen davon zu sprechen, daß die Formen, in denen die Er­füllung von uns verlangt wird, nicht dem Kraftzustond des Landes entfpre = (t e n, und daß sie nicht unseren deutschen Ver- bältnissen angepaßt sind. (Sehr richtig!) E; ist zweifellos möglich, ein Land tributpflichtig für andere zu machen. Der Fall ist vielfach vorgekommen, daß ein Volk einem anderen Tribut zahlte, fei es in Gold, sei es in anderen edlen und unedlen Stoffen. Wir wissen, daß Deuts'bland sein Land des Goldes und der Rohstoffe ist Deutschlanb jft ein Land, das mit Ausnahme des Kohlenvorrotes, den es für seine eigenen Bedürfnisse braucht, von seiner Hände Arbeit lebte, lebt und leben wird. Wir können nur zahlen

mit der Arbeit unserer Hände und unseres Geistes

und werden es redlich tun. Aber jede Zah- lungskorm von Arbeit hat Nebenwirkungen, an die viellei ht nicht jeden Augenblick gedacht wurde. Die Arbeit irt gebunden an Substan­zen. Wer also in Arbeit zahlt, kann nur in Substanzen zablen. Die mit Arbeit bebauet« Substanz wird mit Arbeit nicht stärker behaftet, als etwa im Betrage von 40 Prozent, wenn mir das Fertigprodukt ins Auge fassen Wollen

ungen allmählich über die Welt geht. Es ist ferner zu hoffen, daß den großen Staat jenseits deS Ozeans seit gestern ein hoffentlich ewiger Friede mit uns verbindet (Bravo!), und daß dieses Land, heften Schwer! auf die Wagschale ebenso entscheidend gewesen ist wie seine Feder bei dem Verantwortlichkeils- gefühl, das seinen Bürgern innewohnt, erkenn« wird, daß die Zustände Europas nicht geheW werden können, wenn ein Komplex von bet Rie sengröße Europas fernbleibt. (Sehr richtig!) Verhehlen dürfen wir uns nicht, daß auch haintt wenn die Beziehungen zwischen den Völkern sich verengern, wenn Gedanken durch die Welt gehen, di« eine Folge vernünftiger Betrachtung, leider aber noch mehr eine Folge andauernder schwerer Weltkrisen werden, daß auch dann Deutschland schweren und harten Jahren entgegengeht. Die Leistung, di« vor uns liegt, zu unterschätzen, wäre ein verhängnisvoller Irrtum. Geleistet wer­den kann, was uns obliegt, nur dann, wenn «rt- svrechend den Worten meines Vorredners die Erkenntnis in uns allen auffteigt, daß wir nicht nur verbunden sind mit der Außenwelt durch un­sichtbare Ketten, sondern auch durch eine Rette der gemeinschaftlichen Verantwortung, durch eine Kette unseres bewußten Willens zum gemein­schaftlichen Schicksal, durch eine Kette unseres engen brüderlichen Zusammenhanges. (Bravo!) Nur wenn wir erkennen, daß die Dinge, die uns auserlegt sind, ein ganzes Land fordern und ein ganzes Volk, nur wenn die Erkenntnis bestehen bleibt, die sich ausdrückte in den Worten des Herrn Jung, der ergreifend sprach von der Un­verbundenheit des Westens, zu der ich auch nennen möchte die unverbrüchliche Verbundenheit des Ostens (Bravo!), nur wenn diese Erkenntnis uns bleibt, sind wir imstande, die Lasten zu tra­gen, die uns auserlegt sind. Dann aber werden wir sie tragen. Wenn Deutschland zusannnenge- 'chweißj wird sei es durch Not, sei es durch schwere Jahre, so ist dieses Solidaritätsgefühl, dieses Verwachsenheitsgefühl zwischen Landes- Kil und Landesteil, zwischen Ständen und Stän­den ein unvergänglicher Schatz, der zu teuer nicht bezahlt werden kann. (Bravo!) Wenn aber Deutschland diese Atlaslast getragen hat und sich ihr gewachsen zeigte, dann kann Deutschland das 'llouvt erheben unter den Völkern, denn es hat den Wiederaufbau der Welt geschaffen. Das be­deutet eine harte große Mission unter den D5I- ern, die uns trösten wird in den Zeiten, die kommen. ________

Gegen die Zurückziehung der amerikanischen Truppen aus dem Rheinland.

Jpu. Ncwvork, 6. Juli. Nach Newhorkel Blättern wird sowohl im Senat wie im Kongreß Opposition geführt gegen die Absicht der Regie­rung, auch die amerikanischen Truppen im Rhein- lande sofort zunickzuziehen. Man führt dagegen an, daß diese Frage mit den Alliierten besprochen werden müsse, ehe eine Entscheidung getroffen werden kann. Die Blätter bezweifeln, daß Prä­sident Harding die Demobilisation schon einge- kitet habe.

Gefährliche Nebenerscheinungen der farbigen x Besatzung im Rheinland.

Die Anwesenheit farbiger Truppen im Rhein­land« hat ein erschreckendes Umsichgreifen der Ge­schlechtskrankheiten zur Folge gehabt. Da die an- gestcckten weiblichen Personen die Seuche in großem Maße auch auf die Besotzungsarmeen ausdehnten, sahen sich schon vor längerer Zeit die britischen, belgischen und amerikanischen Militär­behörden veranlaßt. Abwehrmaßnahmen gegen diese gefährlichen Krankheiten zu treffen. Jetzt ist auch der kommandierende General der franzö­sischen Rheinarmee mit einer entsprechenden Ver­ordnung in den Kampf gegen die Geschlechts­krankheiten eingetreten, die in der französischen Armee einen besonders großen Umfang ange­nommen haben. Diese Verordnung überträgt die Verantwortung für die Durchführung der be­treffenden Bestimmungen den deutschen Behör­den, die jedoch der Kontrolle der französischen Mil'tärbebörden unterstehen. In jeder Garnison muß ein beuWet Spezialarzt bestimmt werden, bet die erforderlichen Untersuchungen usw. vsr- unebmen hat. Auf die Größe her Gefahr der Ansteckung durch die farbigen Soldaten ist schon *or Jahren aufmerksam gemacht worden. Die Militärbehörden haben jedoch die Warnung«« nicht beachtet vielmehr wurde durch sie die Aus­breitung her Seucbe dadurch indirekt begünstigt, daß sie die zügellosen Ausschweifungen ihrer ^ochaten nicht einbämmten Aulli die Tatsache, daß die französischen Militärbehörden in jeder ^arniion ein ober mehrere .pariser einrichteten, )ie iedoch ohne genügend« Ueberwacbung blieben, ft hervornibeben Für diese Einrickitungea müssen d'e Gvmeindcverwwltungen kostenlo:- dk ent­sprechenden Räume zur Verfügung stellen, '

lich ist, um 4 Milliarden Arbeit zu exportieren, den Betrag Don 10 Milliarden. Ein solcher Be­trag ist nahezu so groß, wie unsere ganze Frie­densausfuhr war. Ein solcher Betrag kann nicht auf Märkte geleitet werden, ohne daß da­durch schwere Wirkungen ausgelöst werden bei allen Nationen der Erde. (Sehr wahr!) Die­sen Verhältnissen haben wir ins Auge zu sehen Aber ins Auge gesehen muß ihnen auch wer­den von Seiten unserer Gegenkontrahenten. (Sehr gut.) Zweifellos geschah das, zweifel­los faßte man im Augenblick, wo wir die Lon­doner Vereinbarungen erreichten, die Tatsache ins Auge, daß Deutschland, wenn es seinen Verpflichtungen nachkommt, gewaltige Waren­mengen auf die Märkte werfen muß. Zweifel­los spürte man Bedenken, was geschehen würde, wenn die Märkte der Erde mit deut­schen Waren in diesem Umfange belastet wür­den. So findet man den Weg, der diesem Strom einen Damm entgegensetzen soll.

Ulan erfand den Index.

Der Index hat mehrererlei Funktionen. Er soll einerseits sein ein Wahrzeichen der deutschen Entwicklung im Sinne einer Besserung. Diese Eigenschaft hat der Index nicht in hervorragen­dem Maße, denn ein Land, das zur Zahlung und zu einem riesenhaften Export verurteilt ist, ist nicht dadurch gesund, daß es dieser Verpflichtung entspricht. Nicht das innere Wesen Deutschlands wird vom Index genommen, sondern nur die von uns vollzogene oder zu vollziehende Leistung in Gütern. Das ist aber nicht die wahre Funktion des Wertmessers für wirtschaftliche Besserungen. Die zweite Funktion war offenkundig die, daß er den Dumping Jn-fluß, d. h. das Ausströmen der Waren auf dem Markte der Welt, hemmen sollte.

äHHunü-kann er seine Ausgabe nicht erfüllen. Es kann dahin wirken, daß der Druck in Deutschland außerordentlich steigt, kann dahin wirken, daß in Deutschland doppelte Dampflraft angewandt werden muß, um Waren ins Ausland zu treiben. Aber diesen Effekt der Ausfuhrsteigerung will man ja; somit kann man und darf man ihn durch'den Index nicht binden Der Strom wird gestaut, aber nicht gehemmt Die Nebenwirkung hat der Index außerdem, daß er bei jeder der aufeinanderfolgen­den deutschen Regierungen Zweifel auslösen muß darüber, ob es wünschenswert sei, die Ein­fuhr und Ausfuhr zu steigern oder sich mehr und mehr auf die Binnenwirtschaft zu konzentrieren. Es entsteht hie und da di« Auffassung und kann vorkommen, daß eine Regierung für die Steigs rung der Ein- und Ausfuhr eintritt, daß eine andere wiederum dafür eintritt, die Ein- und Ausfuhr zu erdrosseln, um die Wirkung des Index zu mildern Aber das kann nicht im In- Kresse der Weltwirtschaft sein, daß ein Staat von der Größe und der Wirtschaftskraft Deutsch­lands zu einer wechselnden Politik verurteilt wird und daß in den aufeinanderfolgenden Re­gierungen total bersch iebe ne Prinzipien vertreten werden. Die einzige Funktion, die der Index rest­los erfüllt, ist die, daß er unsere Zahlungsmengen vergrößert. Doch er ist nicht das Mittel. das unteren Geornkon^rahenten und den mit uns lei­denden Völkern nützen kann Es ist das V erd Kn st der französischen Staatsmänner, daß sie diese Wirkung erkannten. Trotzdem sind gerade in Frankreich die Tendenzen sehr lebendig, die da­rauf hin-ielen- Laßt nur den Goldstrom kommen, er wird alles heilen. Es ist ein Verdienst, wenn m Gegensatz zu mancher Regung der öffentlichen Meinung erkannt hrrrbe daß eS nicht Goldströme sind, d'« von Deutschland ausgehen. sondern daß nur die deutsche Arbeitsleistung zur Wiederher- ^»sOrm dienen kann, insbesondere zur Wieder­herstellung Frankreichs. So sind

die Verhandlungen in Wiesbaden entstanden. Ich darf sagen, daß sie in der abge- laufenen Woche dokh Vertreter, die ich ent- andte. fortgesetzt wurden, und daß sie fortschrei- Kn, zwar langsam, entsprechend der großen Schwierigkeiten der zu behandelnden Gegensätze, aber mit Stetigkeit, und daß sie die Ueberzeugung in uns erwecken dürfen, daß von der Gegenseite der Wunsch gehegt wird, mit uns ein Leistungs- Programm zu vereinbaren, anstelle eines Zah­lungsprogramms. (Bravo! > DiLk Erkenntnis aber wiro sich über die Welt verbreiten, daß LeistungSprog'-amme gektzt werden müssen an­stell« von Goch- und Gcldvrograminen. (Sehr r'chtig!> Ein Gold- und Geldprogramm wird die Welt nicht Hellen, sie kann nur gellinden, wenn man uns die Möglichkeit biekt. Produkte zu.lk- 'ern. die un'erer Leistungsfähigkeit angemessen sind und be die Wcltw'r's^all wenn sie aus die '"e kommen nicht zerrütten.

ES ist zu hoffen, daß die Erkenntnis und die Einsicht dieser an sich einfachen, aber mit popu­lären Vorstellungen schwH vereinbarten Bezieh-