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General-Anzeiger

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

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Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für volitilcben und allgemeinen Teil I.V.: Wilhelm Moritz: iür totalen u. provinziellen Teil iowie Svort Wilhelm Moritz: für Anzeigen ».Reklamen August Brodt. alle in Hanau a.Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Fernlvrechanschlüffe Nr. 1237 und 1238.

Nr. 146

Samstag den 25. Juni

1921

Das Neueste.

Wie die Blätter hören, wird in Kürze eine Verordnung des Reichspräsidenten erlassen werben. di« die Aufflug sämtlicher Selbstschutz- terbänbe verfügt, um den Bestimmungen des Mimatunis gerecht zu werden, nach denen die Verbände bis zum 30. Juni aufgelöst werden müssen.

Die Reparationskommission hat sich mit einer Aenderung des Zahlungsverfahrens für die teutsche Reparationsschuld befaßt, bie darauf hinzielt, der deutschen Regierung die Verpflich- tnngön zu erlassen, auch ihre späteren Zahlungen in amerikanischen Dollars zu liquidieren.

Die schweizerisch-deutsche Vereinigung für Unterstützung notleidender Kinder tagte in Bern unter dem Vorsitz von Regierungsrat Walther in Anwesenheit der Minister Müller und Plata. Mit. den aus dem Vatikan und Nordamerika stammenden Mitteln konnte bisher nur 10 000 Kindern Hilfe geleistet werden. Ein großer Teil her Kinder wurde zu einer Erholungsreise in der Schweiz untergebracht.

Die Abendblätter geben eine Meldung der .Nation beige" wieder, die zu wissen glaubt, daß die nächste Zusammenkunft des Obersten Rates wahrscheinlich Anfang Juli in Ostende stattfin­den wird. /

Manchester Guardian tritt in einem Leit- KÄkel für die Aushebung der Zwangsmaßnah­men ein. Das Blatt ftagh welches Recht die alliierten Truppen haben, in Düsseldorf zu blei­ben und mit welchem Recht man weiterhin die Zollschranken der Alliierten zwischen dem besetz­ten und unbesetzten Deutschland aufrechterhält.

Clemencau ist aus England zurückgekehrt. Einer Blättermeldung zusolg« stattete er gestern abend Llovd George im Unterlaufe einen Besuch ab und hatte eine ziemlich lange Besprechung mit ihm

Nach einer Havasmeldung aus Rom wor­den die Gerüchte von dem Rücktritt des Grafen Sforza auf das entschiedenste dementiert.

Im Unterhause teilte Sir Robert Horne mit, es feien augenblicklich Versuche zur Bei- legmg des Kohlenstreiks im Gange. Evening News zufolge ist das Ende des Kohlenstreiks näher, â man allgemein annimmt.

Aus Oberschlesien.

Line Note der deutschen Negierung.

Die deutsche Regierung hat an die Botschaf- terkonferenz nachstehende Note übermittelt, die auch den Regierungen in London, Paris und Rom übergeben wurde:

Die deutsche Regierung beehrt sich anbei eine Zusammenstellung von Nachrichten zu über- zsben, wodurch bewiesen wird, daß die polnische Armee den Ausstand in Oberschlesien mit allen Mitteln umterstützt. Bei dem Umfang, den diese Unterstützung angenommen hat, ist nicht daran zu zweifeln, daß die Vorgänge auch in den nicht­militärischen amtlichen Kreisen Polens bekannt smd. Die Aussagen von polnischen Gefangenen und Ueberläusern zum Teil ausgenommen von Major Grodvy, Liason Officer with the Lerman Fighting Organisation in Kreuzburg sowie sämtliche Gefallenen abgenommenen Pa­piere haben das sorgfältigst nachgeprüfte Mate­rial der Anlagen geliefert. Daraus ergibt sich das zielbewußte Streben der polnischen militä­rischen Dienststellen, in jeder Weise die polnische Auifstandsbewegung zu fördern, gleichzeitig aber auch diese, dem Völkerrecht widersprechende und den Erklärungen der polnischen Regierung ent­gegengesetzte Tätigkeit nach Möglichkeit zu ver­schleiern. Bisher konnte die Teilnahme von An­gehörigen nachstehender polnischer Truppenteile an dem Aufstand einwandfrei festgestellt werden: Zollbataillon 5 (früher Etappenbatl. 4/5), Jnf.- Regt. 27, Jnf.-Regt. 58, Jnf.-Regt. 73, Inf.- Regt. 155, Rad io-Telegraphen-Batl. 23 und Telegraphen-Abtl. des UI.-Regts. 15. Gefangene wn aus, daß auch geschlossene polnische Trup­penteile nach Oberschlesien gesandt wurden, von denen das 2. Batl. Jnf.-Regt. 27 und eine des Ul.-Regts. 15 genannt werden. Ferner festgesteLt, daß in polnischen Truppenteilen Vorgesetzte ihre Untergebenen zur Meldung nach Oberschlesien ausgesordert und sich nicht gescheut haben, Befehl zum Abmarsch geschloffener Ein­heiten nach Oberschlesien zu geben, wenn die

der Freiwilligen den Erwartungen nicht ^tsprach. Leute, die sich freiwillig nach Ober- schlcsien melden, entfernen sich mit Wissen ihrer ^org- setzten von der Truppe oder erhalten unbe- stisteten Urlaub. Beim Generalkommando in Posen empfangen solche Leute Zivilkleidung, ^atd, falsche Papiere und Marschbefehle. Die Angehörigen der polnischen Armee müssen, so weit ste nicht von der Militärverwailtuna in Zivil ein-

gekleidet sind, die polnischen militärischen Ab­zeichen von der Bekleidung entfernen. Das Ueberschreiten der Grenze nach Oberschlesien voll­zieht sich für einzelne Leute, geschlossen einge­setzte Truppenteile und für den Nachschub noch immer ohne jede Schwierigkeit, obwohl nach der Erklärung der polnischen Regierung gegenüber den alliierten Regierungen die Grenze völlig ge­sperrt sein soll. Besonders muß hierbei auf die Tatsache hingewiesen werden, daß nach Aus­sage eines Angehörigen der 25. polnischen Tele- graphen-Abbeilung eine für militärische Zwecke neu angelegte unterirdische Fernsprechverbindung von Sosnowice nach dem oberschlesischen Gebiet hinüber besteht.

Aufgrund dieser einwandfrei erwiesenen Tat­sachen erhebt die deutsche Regierung erneut nach­drücklichst Einspruch gegen di« Unterstützung des polnischen Aufstandes in Oberschlesien durch die Dienststellen und Angehörig« der polnischen Armee. Sie ersucht dringend, daß die alliierten Regierungen nunmehr durch geeignete Maßnah­men die endgültig« Sperrung der oberschlesisch­polnischen Grenze sicherstellen und damit den vorstehend geschilderten Uebertritt polnischer Sol­daten und Truppenteile und dem Nachschub über die Grenze ein Ende bereiten. Gleichzeitig darf sie erwarten, daß seitens der alliierten Regie­rungen der polnischen Regierung nachdrücklichst wirksam jede fernere, wenn auch nur verschleierte. Unterstützung des Aufstandes in Oberschlesten untersagt wird.

Der Not« sind eine Reihe von Anlagen bei- gefügt, die den schlüssigen Beweis für die Be­hauptungen der deutschen Regierung liefern.

Die Ausschreitungen in Ostrowo.

In der heutigen Reichstagssitzung wurde die Anfrage über die Ausschreitungen gegen die Deutschen in Ostrowo durch Geheimrat

regierung durch eingehende Berichte ihrer Ver­tretung in Posen bekannt geworden. Aus diesen Berichten ergibt sich, daß bereits Ende Mai An­zeichen von einer anscheinend planmäßigen Be­wegung gegen die Deutschen an verschiedenen Punkten des Abtretungsgobieies erkennbar waren. Dies« Bewegung führte zu den bedauer­lichen Vorkommnissen vom 2. Juni in Ostrowo. Die Einzelheiten sind aus der bereits veröffent­lichten Note der Reichsregierung an die Bot- schafterkonserenz bekannt. Don dem Pogrom wurden hauptsächlich deutsche und jüdische Ge- schäftsleute betroffen. Insgesamt sind gegen 50 Familien geschädigt worden. Die Demonstran­ten gingen mit außerordentlicher Roheit vor und scheuten nicht vor schweren Mißhandlungen von Greisen und von Personen weiblichen Geschlechts zurück. Einzelne Geschäft« wurden vollständig ausgeplündert. Der entstandene Sachschaden ist erheblich. Di« betroffenen deutschen Familien haben ihre Ansprüche auf Schadenersatz sofort bei der Staatsverwaltung in Ostrowo ange­meldet. Die Entschädigungsfrage regelt sich nach der im polnischen Gebiet noch geltenden preußi­schen Verordnung vom 11. März 1850. Außerdem ist eine private Hilfsaktion für die Deutschen in dem abgetretenen Gebiet sofort eingeleitet wor- d«n. Es muß festgestellt werden, daß di« polni­schen Zivil- und Militärbehörden, denen die Vorbereitung des Pogroms nicht verborgen ge­blieben sein könnte, nichts getan haben, um dem Ausbruch der Deutschenverfolgung vorzubeugen oder sie wenigstens im Entstehen zu unter­drücken. Die deurjche Regierung hat sofort in Warschau und Posen gegen die un­erhörten Ausschreitungen nachdrücklich pro­testiert und gefordert, daß der durch den Frie­densvertrag garantiert? Schutz der Minderheiten unbedingt gesichert werde. Die gleiche Forderung hat die Regierung unter eingehender Darlegung der Vorgänge in Ostrowo an die Botschafter- konferenz und di« Regierungen in Paris, Lon­don und Rom gerichtet. Ter Vertreter der Po­sener Regierung hat sein Bedauern über die Vorkommnisse ausgesprochen und erklärt, bereit und in der Lage zu sein, solchen Wiederholungen vorzubeugen und sich für den Schutz der Deut­schen zu verbürgen. Leider ist demgegenüber aber festzustellen, daß im Abtretungsgebiet die Hetze gegen die Fremdstämmigen, besonders gegen die Deutschen, unvermindert fortbauert und bereits an anderen Orten wie Bromberg, Hohensalza -u neuen Ausschreitungen führte, wenn auch nicht ganz so brutaler Art, wie in Ostrowo, Pol- nischerseits wird behauptet, d'e Ausschreitungen seien auf die Erregung unter der polnischen Ar­beiterschaft infolge der Entlassung und Aus­weisung polnischer Arbeiter in Deutschland zu- rückzusühren Hierzu ist.zu bemerken, daß aller­dings seitens ein'pcr Betr'ebsräte in der Nie- derlausitz und Westfalen Entlassungen polnischer Arbeiter veranlaßt wurden, die ihrerseits wie­

der durch die begreifliche Erregung der deutschen Arbeiterschaft über die polnischen Gewalttaten in Oberschlesten zu erklären sind. Es ist Vorsorge getroffen worden, um die Einstellung dieser Maß­nahmen der Betriebsräte zu erreichen und be­ruhigend auf die Arbeiterschaft einzuwirken. Ausweisungen polnischer Arbeiter in größerem Maßstabe fanden nicht statt. Diese Entbastungen polnischer Arbeiter waren von Gewalttätigkeiten irgendwelcher Art nicht begleitet. Sie können keinesfalls die brutalen Ausschreitungen in Ostrowo und an anderen Orten rechtfertigen oder auch nur entschuldigen. Von der polnischen Regierung muß vor aller Welt nochmals mit Nachdruck gefordert werden, daß sie dieser in öffentlichen Versammlungen betriebenen Hetze, die sich gegen Evangelische und Juden polnischer Zunge, als gegen national« wie religiöse Min­derheiten richtet, mit größter Energie und Be­schleunigung ein End« bereitet, daß sie an­deren im polnischen Staate lebenden Volks­genossen vollen Schutz der Gesetze und der staat­lichen Macht gewährt, auf den die Minderheiten Anspruch haben und den die 600 000 in Deutsch­land lebenden Polen genießen, die hier in Ruhe und Sicherheit ihrer Arbeit nachgehen können.

Polnische Truppenteile an der Grenze.

Kakkowitz, 24. Juni. Es ist seit längerer Zeit bekannt, daß die Polen an der polnischen Grenze starke Truppenmassen ange­sammelt haben, um sie im gegebenen Augen­blick in Oberschlesien zu verwenden. Bisher wurden die beim Austuhr in Oberschlesien ver­wendeten Kongreßpolen und Posener Polen an der Grenze in Zivil umgekleidet und auf diese Weise zu Oberschlesiern gemacht, wodurch man eine spontane Erhebung herbeiführte. Auf alle Fälle aber wurden auch die nötigen Vorkeh­rungen militärischer Art für den Fall getrof­fen, daß Polen offiziell mit Waffengewalt in

! zuverlässiger Seite siegen folgende genaue An­gaben über die polnischen Truppenansammlun- gen an der Grenze vor. In Ezenstochau liegt die 9. Kavalleriedioision 4000 Mann'stark, eine Panzerfahrdivision, bestehend aus 4 Panzer- lokomobilen und 20 Panzerwagen. Im Dorfe Viersien, 2 Km. östlich von Ezenstochau, steht das 7. Artillerieregiment. In Neu-Bendzin (zwischen Dombrowo und der polnischen Grenze) steht ein Autopark von insgesamt 4000 Panzer-, Personen- und Lastautos. In Sosnovice liegt das 20. Infanterieregiment, ein Grenzbataillon und das 3 Kavallerieregi­ment, 3 Km. östlich von Sosnovice die 7. In­fanteriedivision. Bei Dzieditz (nödlich von Biala) bis südlich der oberschlesischen Grenze und Schwarzwasser stehen 4 Kavallerieregi­menter und 2 Infanteriedivisionen.

Die Frage der Räumung.

Blättermeldungen aus Oppeln zufolge schei­nen die Verhandlungen der interalliier­ten Kommission mit Korfanty über die Räumung Oberschlesiens beendet worden zu sein. Der Unterhändler der Kommission, Oberst Capot, ist aus dem polnischen Haupt­quartier nach Oppeln zurückgekehrt. Der Ver­bindungsoffizier zwischen der interalliierten Kommission und General Höfer hat sich von Oppeln zu dem General Höfer zurückbegeben mit einem Schreiben der Kommission, das wahrscheinlich den endgültigen Räumungsbe­fehl enthält.

Die von Oberschlesien zurückgekehrte deut­sche Kommission ist nach Mitteilung der Blätter der Ansicht, daß die interalliierte Kom­mission fest entschlossen ist, den Aufftand in Oberschlesien zu liquidieren. Bezüglich der Aufstellung einer zuverlässigen Polizei und der Beseitigung der von Korfanty eingesetzten Be­hörden wurden von der Kommission beruhi­gende Erklärungen abgegeben.

Der obexschlesische Berichterstatter des Berliner Tageblatt" erfährt aus Oppeln, daß der von General Höfer und General Henneker ausgearbeitete Plan einer Räumung Ober­schlesiens durch die Insurgenten und den deut­schen Selbstschutz von der interalliierten Kom­mission angenommen worden ist. Der Abschluß der Verhandlungen werde augenblicklich nur deshalb verzögert, weil die interalliierte Kom­mission noch mit Korfanty verhandele.

Eine Brücke der Derstänöiguug?

Wie die Blätter aus Warschau melden, er­klärte der neue polnische Außenminister Skir- munt den Vertretern der auswärtigen Presse über Oberschlesien, daß angesichts der ausein­andergehenden Ansichten Englands und Frankreichs der italienische Vorschlag des Gra­fen Sforza, obgleich er Polens berechtigten Wünschen nicht entspreche, zum mindesten eine Brücke der Verständigung bilden könne.

Die Bedrückung der Oberschlesier.

Nach einer Meldung desBerl. Lokalanz^ aus Rybnik hat die dortige polnische Auf­slandsbehörde wegen der Explosion auf dem Güterbahnhof den deutschen Kaufleuten eine Kontribution von 17 Millionen Mark aufer­legt. Das Geld soll bis Samstag 6 Uhr be­zahlt sein. Die Aufftändischen haben fünf der wohlhabendsten Kaufleute verhaftet und drohen sie zu erschießen, falls die geforderten 17 Mil­lionen nicht bezahlt würden. Einer anderen Meldung aus Tarnowitz zufolge hat der dort eingesetzte neue polnische Magistrat die Aufer­legung einer Kontribution in Höhe von zwei Millionen Mark zu Gunsten der Insurgenten- Armee verfügt.

Die neue Pvllzetrruppe.

Ueber die zu bildende Polizeitrupve in dem von den Insurgenten und vom Selbstschutz ge­räumten oberschlesischen Gebiet meldet die Doss. Ztg.", daß die Truppe aus angesehenen Bürgern gebildet werden soll. Auf je 100 Ein­wohner soll ein Mann mit Polizeigewalt aus­gestattet werden. Der Plan für die Bildung der Polizei ist von dem englischen Major Kea­ting ausgearbeitet worden.

Zusammenstoß zwischen italienischen und polnischen Truppen.

Oppeln, 24. Juni. Nach hier vorliegenden Meldungen hat sich südlich von Cosel, in der Nähe von Klein-Nensa, ein heftiger Zusammen­stoß zwischen italienischen Truppen und polni­schen Insurgenten ereignet. Einzelheiten feh­len noch. In Rybnik ist eine Kompagnie pol­nischer Pioniere zu Aufräumungsarbeiten ein­getroffen. Die von den Polen aus Anlaß einer Munitionsexplosion verhafteten Deutschen mußten freigegeben werden, da sich selbst die

Erklärungen Briands.

Die Sanktionen bleiben bestehen. Die besetzten Gebiete werden nicht geräumt.

Paris, 24. Juni. 3m Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten gab am Frei­tag nachmittag Ministerpräsident Briand Erklärungen ab über die Sanktionen, die er- ® worden seien, um die Ausführung des

Ker Friedensvertrages sicherzustellen, des ferneren über die Maßnahmen, die festgesetzt worden seien, um den Anwerbungen in Deutsch­land für Oberschlesien ein Ziel zu setzen, über die Entwaffnung Deutschlands und schließlich über die Beratungen, die in Wiesbaden über die Reparationsfrage gepflogen worden seien. Ministerpräsident Briand sprach sich auch über die Verhandlungen aus, die die Alliierten mit der Regierung von Angora und der griechi­schen führen und -schließlich über das Ergeb­nis der Unterhaltungen, die er mit Lord Cur­zon geführt habe.

Paris, 24. Juni. Nach einer havas- Meldung haben die Mitglieder des Kammer­ausschusses für auswärtige Angelegenheiten er- Närt, daß die Erläuterungen des Ministerpräsi­denten in großen Zügen mit denen überein­stimmen, die er vor einigen Tagen vor der Se- nakskommiifion abgegeben habe und die einen befriedigenden Eindruck hervorgerufen hätten. Der Ministerpräsident soll von der Rolwendig- keit gesprochen haben, die Sanktionen, die er- grissen worden seien, um Deutschland zu zwin­gen, seine Verpflichtungen zu erfüllen, aufrecht­zuerhalten und daß die von den französischen Truppen besetzten Gebiete nicht geräumt wer­den würden. Das Kabinett Wirth stütze sich zwar auf sozialistische, aufrichtige pazifistische Elemente, aber jede Schwäche seitens der Entente laufe nach der Ansicht des Minister­präsidenten Gefahr, die Rechtsparteien wieder ans Ruder zu bringen, was einer Wiederbe­lebung des alldeutschen Geistes gleichkäme.

Ministerpräsident Briand habe auch von den Verhandlungen zwischen Loucheur und Rathe­nau gesprochen und erklärt, daß der Minister für die befreiten Gebiete den Eindruck gewon­nen habe, daß die deutsche Regierung den guten Dillen habe, einen Plan der Zusammen­arbeit zu suchen, um die Wiederherstellung der verwüsteten Gebiete zu unterstützen.

Was Oberschlesien anbetreffe, habe Briand erklärt, daß die im Gange befindlichen Verhandlungen zu der Hoffnung berechtigten, daß man zu einer günstigen und an sich Frank­reich entsprechenden Ansicht gelange. Schließlich sprach sich Ministerpräsident Briand noch über die Orientfrage aus. Rach seiner Ansicht sann der Zeitpunkt des Zusammentritts des Obersten Rates noch nicht bestimmt werden.