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Freitag den 24. Juni
Nr. 146
Lokales.
Hanau, 24. Juni.
Wiedereinführung der Sonntags- fahrkarten.
Eine wenig angenehme Beigabe zu den Aufwen, düngen für das erhöhte Fahrgald waren für ben Bürger während des Krisge», wo feine ?l u S * flöge am Sonnt«
flöge am Sonntag zumeist zur Kerbel» jchafsung von Lebensmitteln gemacht wurden, die UeberfMuug der wenigen 3^88: da« eisern« „Muß" diktierte, lammfromm begnügten sich die Reisenden mit jedem Plätzchen, wenn sit Nur Räder unter sich wußten, die an das K«« wünschte „Hamster"zwl führten Wir befinden
schaffung von die Ueberfüll
uns aber auch hier auf dem Wege des „Aufstiegs", denn diese Fahrten sind entbehrlich geworden, sowett sich da» Hcmsstern nicht zu einer Krankheit ars wuchs und den Kranken mit HamsterbazMen «»erseuckte. Zwar ist auch heute noch durch die Junierhöhung bet Aufpreis« die Freude kein« ungetrübte, »enn man am Somttag von bem Druck des Alltags sich «ntAeiben und seine Nerven im Gebirge stählen will, tote das bei dem auedfllbernen Hanauer Brauch ist: bdS Loch, das der Preis für die FahrkAi« in bte TaGe reißt, ist zu groß. Da wrrd es angenehm empfunden, daß die ÄisenboHnverwaltung mit einem „Preisabbau" ber Allgemeinheit durch bte
m 11 dem 1. Juli in Aussicht genommene Wedereinführung der in stüheren Zetten so be. liebten Sonntag-karten entgegenkommt. Diese Karten, bte, wenn bte Schwierig-eittn tn her Kohletrvetsoryung nicht einen Strich durch die Rechnung macken, vorlätifia bi- zur Höchstgrenze von 60 Kilometern und zwar äuß. schließlich für die 3. und 4 Wagenklasse «uSge« geben werden, sind 338 Propst billiger tote bte Tageskarten und Men schon von SamStâg mittag ab Geltung haben, was-gegen die ^or« Kiegszeit sogar eine Serbeiferuno bedeutet.
zeit sogar eine Verbesserung bedeutet.
ü^ftebenb führen wir diejenigen Stationen mit den Fahrpreisen auf, nach betten vom 1. Juli ab von den hiesigen Bahnhöfen Sonntag r- krten verabfolgt werden. Da weiter« Orte nickt in Betracht kommen, ist ein Au-sckmeiden der Preistafel empfehleivswert, um zeitraubende
ÄuSetmmderfetzungen mit den Sckaft-rbeanften gu vermeiden. Es kostet eine SomitagState
Non Han au-Osi nach: 3.
4 M.
Aschaffenburg
6.50
4-20
Dettingen
3.20
2.10
Gelnhausen
Höchst l. O.
6.—
11.-
3.90
7.50
Kahl
2.10
1.40
KI Ostheim
Wiebelsbach-Heubach
4.70
9.50
3.20
6.50
. ^. Don Hanau-
West nach:
s
4. Kl-
A^^ftffenburg
?.—*
4.60
Dettingen
8.70
2.50
Höchst i. V.
12.-
7.50
2 60
1.80
Kl. Ostheim
5,—
3.30
Wivbelèbach-Heubach
10.—
7.—
«nlschlietzung gegen die Luxussieuer.
Die am 21. Juni in Frankfurt a- M. ver- ■fammetien Mitgl-rder des au 8 Vertretern bet Arbeitnehmer und Arbeitgeber zuscumnengeietz- ten paritätischen Aktionsausschusses zur Be- Sümpfung der LuxuSsteuer für das rhein-main- Ifche Wirtschaftsgebiet, haben mit Befremden aus Iber am 14. Juni auf eine Anfrage im Reichstag «wegen der Luxussteuer erteilten Rogierunasant. Hoort ersehen, daß da» ReickSfinaNMinisterium den allenthalben in Deutschland entstandenen dmd im stetigen Anwachsen begriffnen Kampf »gegen die Luxusstouer als eine, durch eine ein«
Keimgefunden.
Roman von Hans Posfendorf.
5. Fortsetzung. (Nachdr. verboten.)
Auf engtisL bat sie dm Gast, näher zu tre. ten, und fuhr dann fort: „Mein Vater ist noch nicht an Bord gegangen. Er macht noch eine Besorgung und kommt dann nochmals nach Hause. Es kann nicht mehr lange dauern."
„Mein Vater" hatte sie gesagt? Georg glaubte an ein Mißverständnis und wiederholte: „Sie haben mich buch richtig verstanden? Herrn von Holten möchte ich sprechen."
„Ja, ich habe sie ganz richtig verstanden." Tin schalkhaftes Lächeln trat auf das Gesicht des jungen Mädchen». „Sie wollten Kapitän von Holten sprechen. Ich bin Uami« von Holten, seine Tochter."
Georg vergaß fast vor Staunen, der Aufforderung Kami- nachzulommen, die mit einer einladenden Bewegung die Tür des gegenüberliegenden Zimmers geöffnet hatte. Nur zögernd überschritt er die Schwelle, und von neuem mutzte er staunen.
Was war denn das? Er hatte eine der Aormlichkeft des Hause» entsprechende Einrichtung erwartet. Aber waS sich da seinen Blicken zeigte, das war ja ein wahres Museum, eine blendende Pracht an Farbe.» und Formen, daS Prunkkrbinett eines indischen Fürsten.
Erst allmählich vermochte Georg di« Einzel- Heften dieser neuen Umgebung zu unterscheiden. Der Boden war mit den feinsten Erzeugnissen orientalischer Webekunst bedeckt. Da gab es echte, ganz alte Stücke aus Kaschmir und Surat, seidene kleine Teppiche. aus Multan und BenareS mit wunderlichen Mustern und in Farbentönen, wie sie keine moderne Arbeit mehr aufweist. Die Wände waren mit kunstvoll geflochtenen Matten. Erzeugnissen der Südseeinseln, bekleidet, auf denen alte fapanische Holzschnitte. chinesische Ma
fettig interessierte Propagandatätiglett hervorge, «rufen« Bewegung abzutun versucht. Sie verfahren sich auf 1 derartige Bezeichnung ber Bewegung, welch« stie deutsche Qualitât-indiâi« und ihrs ibeiletfdwft lediglich eine Tat der ^lbsterhal- düng bedeutet.
Sie bedauern eS tief, daß die Regierung an# teerte aller Eingaben und eingehenden Dar- «leMnHtn der Verbände der Arbeitnehmer und Ärbeitgeber der Qualität-industrie und ange
daS nachdrücklichste gegen eine — her Bewegung, welche für ‘ “ Ar.
sicht» der deutlichen Stellungnahme zahlreicher ^hneorhneter immer noch nicht eingesessen hat, baß die sogenannte KuruSfteuer lediglich die 'Oiralttatsarb-it und nicht den wirklichen Pnintë Griffs, und daß von einer ausreichenden sozialen Wirkung bietet indirekten Steuer nicht im mindesten die Rede sein kann. Sie erwarten be- 'stimmt, daß bei der bevlml^benden Revision des filmtestftenetwtef»eS angestchfK bet Erklärung des Reichskanzlers Dr. Wirth in seiner Programm, ^be vom 1. Juni, baß alles was bte Orcalftäts. Nvheft fördern kann, vom S^anhvunkt der Wirt- '^ckaltsnofttik ai^ zu f^rbern und zu stufen sei, «die sogenannte Lnpuslteuer beteiligt wird.
Die versammelten Urbe'truck.mer. n"d Arbeit. •^'ber«Sertretft bei paritätischen AktivnoanS- lckusitK »nr fäetnwMM’V M-r Oi!Hl.s9e«er sür das - hein-main'scke Wt''tsckal«s,iebi«t. macken sick die von b«n mehrheitslo'ialsstM^ Reicktzt^^Kabae- 'erdn-ten Hermann Krätzig ausgegebene Parole in eigen:
.Es gilt sofort in allen Sitten der Industrie und de» (SauMs w rf^ten. um bereit tu fein, bei d-m h-»-^e».»h^,h-i7 ßw^Miftt der lnrf/t ^steuer den Totengräber der OualitätS- trbeh die LilMSwarkNNwlfthstrn-'r wt ’•«< 'ckarren."
Falsche AeichLbanknoken zu 10 Mark.
Son den Reichsbanknoten zu 10 Mark mit dem Datum vom 6. 2. 1920, bie seit Anfang Januar ds. Js. dem Verkehr zugeführt werden, ist eine Fälschung aufgetaucht, bte als solche bei einiger Aufmerksamkeit an den nachstehend auf. gestierten hauptsächlichsten Merkmalen zu erkennen ist.
o) Papier: DaS Wasserzeichen fehlt. Der kupferbraun« $af et streifen ist durch schwachen Strichaufdruck geschickt oorgetSuscht. (Sttiche sind im Gegensatz zu den Fasern de« eckten Faserstreifens mit einer Nadel zu entfernen.)
b) Vorderseite: Gelamteindruck dem der echten Noten ähnlich. Im graubraunen Druck fehlen unter ben Worten „ReichSbanknote" des oberen Feldes und „Reichsbank^ftektorium" des untern« Felde» die hellen Zierflâchen (gut sichtbar).
Die Hellen Zierrankoa in den dunkelbraun getönten Eckfeldern — mit Zahlen 10 — sind «nâsiend Mtf ÜG
e) Rückseite: Erheblich hellere Tönung. In der Mitte der Verzierung unter dem rechteckigen Mittelfeld sind die auf echten Noten deutlich sichtbaren kleinen Buchstaben „mb* durch einen Schnörkel — ähnlich einem „N" — ersetzt. Die Typen des Sttafdrucks und bet Worte „Mark" sind uWelA (ve^gleicke „Mark" rechts zu „Mark" links). Vor Annahme dieser Nach- ah70"nn?n wird gewarnt.
Gleichzeitig wird in Erinnerung nebrackt, baß daS Reicksbankdirektorium für die Aufdeckung von Fallckmünzerwerkstätten und für ^w«K>tenliche Mftfeiluugen. die zur Festnahm« und Beltnakung von Versteif ent und nrtITenfffiAen Verbreitern von fallcken ReichSbanknoten führen, Belohnungen ouSaeTobt hat, die im Einzel- falle, ie nach der G^Mick^it der Falschstücke, dem Umfang des MsinoverbreckenS und dem Maße der Beihilfe bei der Aufdeckung bis zu einer Höhe von 10 000 Mark bemessen werden und temnAT an -^^ <i^t"n«üe rtmip al« auA on
lereien und aus Perlmuttevstückchen kunstvoll zusammengesetzte Relief» hingen, Tischchen und Etageren cuS Ebenholz standen umher mit einer Fülle von Schnitzereien aus Schildpatt, Korallen und Elfenbein, Ein hoher Schrank auS rotem Sandelholz enthielt eine Sammlung indischer und malaiischer Waffen, mit bunten und wasser, klaren Steinen besetzt./ Jedes bitter Stücke war echt und mit Geschmack auSgewählt und hätte einen Kenner in helle» Entzücken versetzt.
Auf einem großen, mit antikem Delkayewebe bezogenen Geisel mußte Georg Platz nehmen und Nami von Holten beobachtete lächelnd fein Staunen.
„Sie sind verwundert. Mister Kuyper?" sagt« sie endlich um ein Hewräch in Gang zu bringen. „DaS alles wirkt etwas ungewohnt in dieser Saiten, nüchternen Stadt?" '
Georg nickte nur stumm. Ihm war, als träumte er. Diele wunderlich« Umgebung um ihn her, und ihm gegenüber dieses seltsam schöne Wesen — daS alle» km ihm fast märchenhaft vor. .
Jetzt erinnerte er sich dunkel. baß sein Vater einmal erwähnt hatte. Kapitän von Holten, der seit nahezu dreißig Jahren zwischen Südasien und Hamburg fuhr, habe seine Familie und ständige Wohnung in Kalkutta. Vielleicht war er erst vor kurzem hierher übergesiedelt.
„Sie wohnen noch nicht lange in Hamburg?"
„Nein, erst feit dreiviertel Jahr, seit meine Mutter gestorben ist. Vater hat mich hierher ge, rtommen, damit ich endlich richtig Deutsch und überhaupt etwas von europäischer Kultur lerne."
»Ihre Frau Mutter war leine Deutsche, keine Europäerin?"
„Nicht ganz." Dami von Holten kotte wieder ihr sonderbare» Lackeln In den großen Augen. Der Vater meiner Mutter war Engländer, ihre Mutter aber — also meine Großmutter — war eine Hindu aus Udaipur."
„So ist also Ihr en dir Märchen aus „Tau-
Privatpersonen zur Verteilung lammen können. Auch in den Fällen werden angemessene Belohnungen gezahlt, in denen durch bte Aufmerksamkeit v« Publikums und der Beamten Münzver- brecken verhütet werden.__
* Ziegenlämmermarkt jn Hanau. Die Landwittschaftrkammer in Cassel hält u. a. auch am Sonnabend den 9. Juli d«. I»., nachmittag» 3 Uhr, in Hanau auf dem Viehmarktplatz einen ZiegrnlLmmermarkt ab. Mit Metern Markt wird auch eine Prämiierung der Bock- und Ziegenlämmer, sowie alten Böâe statt« finden, gilt Bocklämmer werden Prämien von 20 bis 40 Mk.. für Ziegenlämmer von 30 bi« 50 Mk. und für alte Böcke von 30 unb 40 Mk. gezahlt. Die Veranstaltung erfolgt zur Hebung der Ziegenzucht, da dieselbe durch die KtiegsnerbSHniffe in Rückstand gekommen ist. Den Gemeinden bietet sich hierdurch auch Ge. legrnheit zur Beschaffung geeigneter Zuchtbäcke, wa« umsomehr begrüßt werden wird, al» die Beschaffung derselben, während der Zwang»- bewirtschaftung de» Fleische« durch die bestehenden Ausfuhrverbot« oft erhebliche Schwierigkeiten bereitet hat. Hoffentlich finden auch
bald wieder die Rindviehmärkte regelmäßig statt.
* Der Abzug statt der Steuer. Die Einkmn»
Abzug statt der Steuer. Die Einkmn- mensteuer vom Aroeftslvhn wird in Zukunft bekanntlich z-um Teil nickt mehr veroulagt. Sie gilt als getilgt, wenn der Lohnabzug vorschriftsmäßig bewirkt ist. Am Vorbereitung dieser Neuerung hat her Reichsminister bet Finanzen eine Stundung der vorläufigen Einkommensteuer vom Arbeitslohn für das Rechnungsjahr 1921 auch ohne Antrag angeordnet. Es geschieht dies in voller Höhe, wenn das Gesamteinkommen nur au» Arbeitslohn besteht und 24 000 Mk nicht übersteigt. Bei sonstigem Einkommea wird der Betrag gestundet, bet 10 Prozent des sonstigen Einkommens übersteigt. Uebersteigt das Gesamt- einkommen 24 000 Mk., so werden 10 Prozent des
Arbeitslohnes gestundet, ©teuermatten für einen Arbeitslohn aus der Zeit nach dem 31. März werden auf die Steuer für das Rechnmrgsjahr 1920 nicht mehr angerechnet, ebenso wenig die Beträge, die für einen Arbeitslohn o«ch dieser Zeit einbchalten und abgeftlhrt sind.
• Johannistag! Schon hat die Sonne ihren höchsten Standpunkt wiederum erreicht, — die Hälfte des Jahres ist wieder zu Ende! Ehedem war bie zweite Sonnenwend- ober Mitfommer, nacht, des Sommers Mitte, ein Naturereignis, das Anlaß zu hoher Feier gab. Verehrten doch die alter Germanen der Urzeit das Licht und als dessen Anfang und Ende: bte goldene Sonne! Jetzt noch heißt der wichtige Tag, der 24 Juni, in Flandern, „Sommertag", und in England und Schweden ..Mittowmer-aa" bei uns zu Land« aber „Johannis", weil das Christentum bas ^eft^ah^TU^ Täufer», als, „Leuchie 'timmte. Dadurch verbanden sich oltbeidnifcher Brauch mit christlicher Sitte, um schließlich in eins sich zu verschmelzen, wovon besonders Zeug, nis ablegen: JohanniSbad und Johannisfeuer! §S ist wohl kaum ein Tag, eine Nackt im Jahr o überreich an sagenhafter Geisterkraft. Schätz« und wundersame Kräuter sprießen und erblühen — sagt man — überall; Träume in der Jo- jannisnacht sollen prvvbetifcher Bedeutung in Liebesangelegenheiten haben. Und allerlei Schutz gegen Krankheit wird erwartet von ben üblichen soNnenwendfeuerN, bie am Joba nniSab end lodern. Eine hochwichtige Roll« ^teT'e auch das Jvhannivkraut". das — gepflückt in der Sonnenwendnacht — das ganze Jahr das Haus ielckütz«n soll; am allerw'ckf-osten Md wertvollsten aber ist zweifellos bte geheimnisvolle Wünschelrute, die man ja oft, ganz abgesehen von der Schatzoröberei. so nötig brauchen könnte und die man in der Sonnanwendaacht schneiden muß.
send und eine Nacht" gemahnende- Aussehen ein Erbteil Whrer Mutter?"
Fast unwillkürlch hatte Georg diesen Vergleich ausgesprochen während sein Blick bewundernd an dem Glicht des jungen Mädchens hing.
„Auch nicht ganz", erwiderte diese, immer unbefangen bleibend „Mei.r« Mutter sah fast europäisch aus. Sonst hätte sich mein Papa wohl nicht mit ihr verheiratet. Das Erbteil ist woh mehr von meiner Großmutter. Er hat meil- ner Mutter viel Kummer gemacht."
Georg sah sie ungläubig an. „Kummer?" — -Er lehnte sich zurück und schloß einen Augenblick die Augen, denn er fühlte, daß er anders von ■bem ritt '«Haften Blick des Mädchens nicht loS- itommen tonnte.
„Nun ja", fuhr Aami fort, „angenehm ist eS nicht für meine Eltern gewesen, denn alle-, was „favbig" ist, wird ja vom Europäer verachtet. Drbei gibt es gerade in Indien so himmelweite Unterschiede Die Familie, auS ber meine Groß, mutter stammte, war der meines Vaters mindestens ebenbürtig; sie gehört« zu der Kfhatriya- käste, der fhiegerkfte, der »weithöchsten der Inder; zu der ar-ch bie eingeborenen Fürsten gehören. — Uebrigens glaube ich, baß ich innerlich Europäerin bin. Ich verstehe mich sehr gut mit meinem Vater. — Sie kennen ihn doch, nicht wahr"
„O ja, natürlich!" beeilte sich Georg zu antworten. „Er ist ja bei uns, seit ich denken kann. Und wenn Ihr Herr Daler nun wieder auf See geht, dann sind Sie doch nicht ganz allein hier? Haben Sie keine Geschwister?"
Namis Blick mürbe trüber „Nein", sagte sie traurig, .ich hab« niemand auf der Wolt außer Papa. Wenn er fort ist, bleibt nur unsere alte Haushälterin Frau Dingediel bei mir Sie ist sehr gut Md üUtt’-Wq. aber ick kann so wenig mit ihr sprechen. Sie hört schlecht, und mir fällt die deutsche Sprach« oft noch schwer- Papa war immer nur ein bis mei Monate hintereinander
* Johannisfcuer in Groß-Steirkhetm. Den Besuchern des Zohannisfouer- in dem bena^, barten Mainstädtchen wurde gestern abend ein« besondere Freude bereitet. Beim Entzünden beg Scheiterhaufens fang eine Schar von Mädchp, und Knaben, bie, wie wir erfahren, »um größten Teil Mitglieder des „Quickborn" sind, eine Unzahl Volkslieder und tanzten zum Schluß Reigen um das inzwischen vollständig entfachte Feuer. Ein kleines Feuerwerk wurde dann noch abge, brennt. Zusammen mit den von bunten Sam^ erleuchteten Sorten auf bem Main gab dies« schlichte Feier ein Bild bei echten deutschen Gemütslebens. Es wäre *u wünschen, daß man allenthalben solche alten Vâdräucke in diese« stimmungsvollen Weise zu neuem Festen ernste.
* Don der Mainschiffahrt. Bei schlechtem Wafferstande liegt die Schiffahrt für diese Jcch, reszeit ungewöhnlich ruhig, '»daß eine stufens, licke Minderung der Frachtsätze nach den Rhein, Häfen eingetreten ist, die jetzt wieder wirksam mit den BahnfmcktètN konkurrieren können. Vom Rhein kamen Kohlen und Kok8 für Frankfurt und bäuerische Häfen, taTtofirtS gingen einige Kähne Grubenholz, auch Steine und Teert Emballagen. Die Flößerei bringt große Menge, Langholz nach dem Niedwchein.
* Die OrtSklasieneinstufung. Di« VechMd- fungen »wischen Reg-ieruNg und Beamtenickoff zur endgültigen Nenaufstellnng eines Ortsklassen, Verzeichnisses zum Besoldungsgesetz vom 30. April 1920 haben im statistischen Reich Samt in Berlin begonnen. ZMächst kommen bte Rhein, vrobiNz und bte Provinz Westfalen zur Devi ■b-anMifncr. Die Orte Rheinhessens unb bet Provinz Hessen-Nallau werden Voraussicht .lich Mitte Juli eingeftuft.
* FreiLank-Berkauf. Samstag ben 25. Juni, von 8-9 Uhr für die Nr. 301-700, von 9-10 Uhr für bie Nr. 701—1000, von lO-lOV, Uhr für die Nr. 1001-1200; Höch gewicht 5 Pfund, Drei» pro Pfund 7 Mark.
* Kaninchen-Ausstellung. Am Samstag den 25. und Sonntag den 26. Juni findet im „Kasserhof", Lamboystraß«, eine große Kaninchen« und Produkten-Schau statt. G» werden ca. 400 etfiflafftae Tiere aller Rassen dort vertreten Tein und ist hiermit jedem Liebhaber und Züchter günstige Gelegenheit für Erwerbung wirklich erstklassigen Materials geboten.
* Schlafwagen 3. Klasse, vom Reichs, verkehrrministerium ist eine neue Schlafwagen, klasse in Auftrag gegeben worden. Eine Anzahl dieser Wagen ist bereits fertiggestellt. Du Handelswelt, für bie in der Hauptsache di, Schlafwagen 3. Klasse hergestellt sind, wird allerdings nicht allzu großen Gefallen bitte finden, da dir Dreiteilung in den einzelnen Abteilen den Raum außerordentlich beschränkt.
Freitag bi» einschl. Montag bas bedeutend« Film werk „Die Nächte der Cornelius Brouwer" in 5 spannenden Akten. Die Hauptrolle liegt in den Händen der heworraaenven FtlmkÜnstla Frl. Collette Corder und Albert Bassermann. Dieser Film wird als ganz hervorragend be. reichnet. In dem Lustspiel „Seine Frau, meine Stout“ sorgt Paul Heidemann für köstlichen Humor. Die Mustkkapelle ist verstärkt. Di« letzte Vorstellung beginnt täglich abend» 8*/* Uhr.
♦ Central-Theater. Der Direktion ist er gelungen, die Uraufführung bes im Film fest« gehaltenen Endspieles um die deutsche Fußball. Meisterschaft zwischen 1. F.-C. Nürnberg und F.-C. Vorwärt» Berlin u gewinnen. Der Film enthält das gesamte Wettspiel von Anfang bis Ende und beginnen die Vorführungen heute bis einschl. Montag, worauf wir alle Freund« bes Fu^ballsport» ganz besonder» aufmerksam machen.' Außerdem gelangt bet weitere Groß« stadtspielplan zur Vorführung.
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bei uns, dann mußte er wieder fort Da habe ich nicht viel Deu-tjch bei ihm lernen tonnen/
„Ihre Mutter sprach wohl nur Englisch?" „Und Hindostantsch."
„So kennen «Sie auch etwas von dies« Sprache?"
„Etwas?" Nun lächelte Uami wieder. „Sft ist gewissermaßen meine Muttersprache, die ich zu allererst gelernt habe."
„Aber hr«r werben Sie sie bald vergessen »haben "
„Nein, niemals! UebrigenS spreche ich auch manchmal mit Papa Hindostani sch. Er versteht es sehr gut — spricht eS auch, aber das ist sehr komisch."
Entzückt lauschte Georg dem Geplauder ihr« melodischen Stimme.
„Und was treiben Sie so ganz allein hier hen lieben langen Tag?" fragte er dann in- steressiert.
„Nachmittage habe ich meist Privatunterrich! •bei Herrn Oberlehrer Doktor Möller. Die übrige »Zeit bese ich, oder ich fahre einmal mit Fwu Dingediel hinaus nach Teufelsbrücke ober nach dlankenese, und bann gehen wir dort spazieren, Oder ich sitze hier an meinem Lieblingsplatz" — «sie beutete mit dem Kopf nach einer kleinen «Estrade am Fenster —", „seh« auf den Hafen, uuf die ein- und auSfahrenden Schiffe und -denke.. / Sie hatte immer langsamer und leis« ,g«sprochen Die Stimmer versagte ihr plötzltch- »Si« schlug bie Augen nieder und wendet« den «Kopf zur «Seite.
„Und denken an die Heimat." Georg hatte es leise vollendet.
Da sah er eine arnfte Trâue über ihre Waw gen rinnen. Ein heißer Mitleid stieg in ihm empor. Er hätte aufspringen und diese Mar- chenerscheinu-ng tu feine Arme schließen mögen, „Fräulein von Holten!" Di« Anrede kmn ihm ganz unpassend für diese» fremblänbiw* Wesen vor. „Fräulein Dann!"
l Fortsetzung folgt)