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S2SKÄÄÄ AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan

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$tr. 143

Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Lerantwortlick: für volitiicken und allgemeinen Teil J.V.:WilheIm Moritz: für lokalen u.provinziellen Teil iowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen u.Reklamen August Brodk. alle in Hanau a.Main. Rotationsdruck der Waiienhausbuchdruckerei Hanau. Fernivreckanlcklüffe Nr. 1237 unb 1238.

Mittwoch den 22. Juni

Das Neueste.

I Der Ältestenrat bei Reichstages beschäftigte i I ifi mit dem Arbeitsplan her nächsten Zeit. Bei den Ißtratnngen bei Nachtrag«etat« sollen nur Aenderungen I ^sprechen werden, damit diese Etatkberatungen noch 166I btn bommerferien erledigt werden können. Hier- IM wird der Rcichrtag schon ant 2. Juli den gegen- I »artigen Tagungrabschnitt beendigen können.

I Da« preußische Staatsministerinm soll na* I Uittermtldungen au? Berlin gestern beschlossen haben, I {inen Kredit von 300 Millionen Mark für landwirt- I chllftliche SiedlungSzwecke zur Verfügung zu stellen. I DieVossische Zeitung" teilt mit, daß im ®tn= f vernehmen mit her Reichsregierung die Interpellationen I ober Obcrschlkficn und über die Aufhebung der Sank- I honen vorläufig vertagt worden seien.

Wie in parlamentarischen Streifen verlautet, wird I sich eine deutsche Delegation nach Oberschlesien begeben, I bte sich aus Vertretern bei Auswärtigen Amt» und aut Mitgliedern der drei Regierunglparteien jufammen« fegen soll. Die Delegation soll zur Lösung der Frage ! ter Zurücknahme und der Auflösung bei deutschen : Selbstschutzes beitragen.

81 ad) einer Hava«-Meldung aus Straßburg Mn die Delegierten der Gewerkschaften des Niedcr- cheiii« gestern de» Anschluß an die Internationale von Woslau mit 50 gegen 44 Stimmen abgelehnt.

Ralheuau.

Was will er eigentlich?

Er leibte bisher in völliger Einsamkeit allein in einem Pâizierhauj«, das er selber gebaut hat, ohne den geringsten Genuß von seinem gro­ßen Reichtum, weder gesellig noch sammelnd, noch rei'end, nur tätig zwischen der Arbeitsstätte seines Büros und der seines Schriftstellertisches. Er hat mehrere Millionen zur Ausbildung be­gabter Arbeiter hergegeben und sein ganzes ^mutigen zum gleichen Zwecke vermacht. Diese 'Monderh eiten persönlicher Art mutz mam M vor Augen halten, wenn man die grüblerisch« Denkarbeit dieses Mannes, der vom grünen

Tisch aus unser gesamtes Wirtschaftsleben um-- schafsen will, richtig verstehen und würdigen will. Nm so ist es zu begreifen, daß Rathenau in der ganz nach innen gelehrten Weliftemdheit die lxbendigen individuân Kräfte des Wirtschafts­lebens so sehr unterschätzen kann, um den Glau­ben zu hegen, daß er durch einen ungeheuren Mechanisierungsprozeh die gesamte Arbeit der Nation regeln und die Produktion auf das

Mechanisierungsprozeß Nation regeln und d äußerste steigern könne, um sie zur Tragung "ber Rcharatio ns lasten und gleichzeitig zu einer

neuen Blüte zu befähigen. Raih-ermus Ideal besteht in der Errichtung von riesigen Trusts, die als selbständige Wirtschatfsgebiete die- ; tigen Rohstoffe aus eigenem Betriebe, also z. B. I die Kohlen aus eigenen Bergwerken, beziehen 1 und derartig produzieren, daß die denkbar größte Vereinheitlichung der Arbeit stattfindet. Zu dem s Zwecke soll vor allem die bisher übliche Mannig- I sirltigkeit der Sorten eines Artikels in Wegfall kommen. Von jedem Artikel sollen nur so viel Sovten hergestellt werden, als der Verkehr unb«-

I pingl nötig hat, und die Ausstattung soll in feder Hinsicht so einfach wie möglich gehalten |tin, um den Preis so niedrig wie möglich zu stellen. Dazu soll eine Verlängerung der Arbsits- zefl kommen, die neben der Vereinfachung der Produktion ein« entsprechende Verniehrung er- ntoglidjt So bestechend die Rathenauscheu Ideen ui mancher Hinsicht sind, so darf doch nicht per» mmtt werden, daß ihre Verwirklichung letzten Endes auf die Schaffung eines wirtschaftlichen Zustandes hinaiusläust, bei dem das ganze wivt- änliche Leben in eine allgemeine Vertrustung fmge^nnt und eingeklemmt wird, so daß icylußlich ein kleines, aber allmächtiges Kollegium ton Syndikatsherren die deutsche Wirtschaft be« herrschen und jedem deutschen Staatsbürger sei­nen Anteil au den Gütern des Lebens innerhalb ernes ber großen Monopolverbände zuweisen

Es ist kein Wunder, daß ein solches ?Wtm keine begeisterte Zustimnmnig findet, und ein solcher Meister keine SchAer hat. Der Yanlabund hat bereits offen zum Kampfe gegen RathenaufchoPlanwirtschaft" außge-rufen, 'ie ^c ftâ Unternehmer-Initiative mit der Duige Addroffelung bedrohe, und der Gegner- gegen die Ratheuauschen Pläne wird sich leoer anschließen müssen, der in der Erhaltung, or wirtschaftlichen Freiheit nach wie vor die rundlage einer gedeihlichen Entwicklung erblickt

*

R athenau Loucheur.

Paris, 21. Juni. Marcel Hutin erklärt im )o de Paris", es entspreche nicht den Tat- r^en_ daß, wie gestern in Paris behauptet wor- , " rey eine erneute Zusammrn- N s der Minister Loucheur und Rathenau in us|ici)t genommen sei. Der Minister für die be, gnen Gebiete erwarte den Staatssekretär

UUttaan am Freitag aus Berlin iurüd.

der ihm die Antworten auf di« Fragen über­bringen solle, die Minister Loucheur dem Mi­nister Rathenau gestellt herbe. Außerdem verhan­delten jetzt zwei französische Sachverständig« in Berlin, die vom französischen Botschafter unter­stützt würden, der seinerseits lange mit Rathenau verhandelt habe Erst nach den Verhandlungen, d:« zwischen Bergmann und Loucheur zu er­warten seien, könne man im Laufe der konnnen- den Woche wissen, ob eine neue Unterredung 'wischen dem französischen und dem deutschen Wiederaufbauminister stattfindar werde.

Die Getreidebewirtschastung.

Der Reichsrat hielt Dienstag abend unter dem Dorütz des Ministers Gradnauer eine Sitzung ab. Gegen die Beschlüsse zu dem Ge­setz über die Getreidebewirtschattuno erhoben die Vertreter von Bayern, Braun­schweig und Sachsen Einspruch. In der Ab- flimmung wurde der Einspruch mit 46 gegen 18 Stimmen abgelehnt. Das Gesetz kann also in den nächsten Tagen in Kraft treten.

Der Reichsrat erledigte dann noch die R a ch - tragsetats für Post und Eisenbahn. Für die Post steigen durch den Nachtrag bi* Fehlbeträge im ordentlichen fft,t auf 3189 000000 Mark. im außerordentlichen Etat auf 1425 000 000 Mark. Im ordentlichen Etat der Eisenbahn ist ein Zuschuß von über 3 Milliarden Mark und im außerordentlichen Etat von 5*/« Milliarden Mark erforderlich. Die Lage der Eisenbahn ist also noch beunruhigend genug.

Prokest des Allg. deutschen GewerK- schaftsdundes gegen die Sanktionen.

n, 21. Juni. Der BetriebSbeirat für die Be­triebsräte der Allgemeinen beuteten Gewerkschaft^. AullLrii ruU> der Afa M Rveinlandc und Westsalen

iannnen, um zu der Bildung eine« Wirticha'tSau«- schusie» für das besetzte Gebiet zu den Sanktionen uns zu den Zollmaßnadmcn Stellung zu nehmen. Er verlangt, daß im parlamentarischen Beirat für da» besetzte Gebiet eine Vertretung der Wirtschaftsorgani­sationen, die paritätisch «ul Arbeiter» und Unter« nebmern zusammengesetzt sei, ernannt wird. Zu den Sanktionen wurde einstimmig eine Entschäciung an­genommen, in der el n a. heißt: Die Arbeiter und Angestellten im Rheinland und in Westfalen werden durch die Sanktionen und die Zollma »ahmen be­sonder« bart getroffen, weil da« Au»!and nicht nur neue Aufträge zurückhält, sondern auch bereits erteilte Aufträge zurückziebt. Die Rhemzollinic macht den Warenverkehr zwi chen dem bcsetzteu und dem unbe­setzten Gebiet für manche Industrie wegen der hohen Belastung znr Unmöglichkeit. Es müssen datier Be» triebseinschränkiingen und Stillegungen vorgeuommen werden. Deutschland hat das Ultimatum angenommen und damit die AuStülnung der von der Entente ge­forderten Leistungen übernommen, die nach Ansicht der Arbeiter und Angestellten die Lristungrf.ihigkeil Deutschland» übersteigen. Dazu beearf es der An­spannung aller Kräfte und der Beuitigung aller Hindernisse. Daher verlangen die Vertreter von mehr alS l1/, M Ulanen Arbeitern und Angestellten mit allem Nachdruck die Anftevung der Sanktionen. Die Besetzung von Tüssilvort und Duisburg uno die Mu» Drohung weiterer Besetzung war eine Maßnahme zur Erzm iiguug der Unters dnift 'Rack Erreichung dieses Zieles muß die Besetzung zurückgezogen und der normale Zustand wiedcrhergrsteUr weroen. DieRcichS- regicrung wird ausgeiordert, alle geeignet erscheinenden

MaßnahmtN zur möglichst schnelle» Auihcbuiig Sanktionen zu unternetzmen.

Der Zweck der Zollblockade.

öer

die

Frankfurt a. M^ 21. Juni. Auf Gründe ver Har-näckigkeit, mit Der Frankreich

an der Zollblockade festhällt, fällt ein beionbe» kennzeichnender Licht durch die gerade jetzt in der französischen Presse immer wieder erhobene Forderung eines Ryeinzollparlamentes. Der Gedankengang, daß Deutjchland, das durch den Zollverein entstanden ist, durch den Zoll wieder zerrissen werden mug, ist nicht neu, zumal nach­dem die rheinische Republik mit politischen Mitteln nicht zustande kommen wollte, hat der Umweg über das Wirt.chaftsleven an Beliebtheit gewonnen. Co schreibt derTemp»", Die Ein­wohner der besetzten Gebietes haoen noch ge­wählte unabhängig« geeignete Vertreter, Die agen können, wie |ie iyr« wtltschastlichen In­teressen wahrgenominen haben wollen. Darum sollte die interalliierte Ryeinlanotommmion nicht im besetzten Geviet die Wahlen eines lokalen Zollparlamentes organisieren, das Die besonderen Jnleressen der linlen Ry«mu,ers in Die Hano nimmt. Durch die,« o^eil^erzigeii Aeußerungen der sranzoiilchen Preße ro.ro oas von Franrreich gesptelte Spiel auch oen Blinden klar. Blau ver>chalst zwar durch Erweiterung Der Freiliile uno durch Loaer^ng De» Ge- nehmlgungsoeria^rens sein deoroglen rheinischen Wirtschastsleven gewisse Crleichterun.t«n, hall aber unerschütterlich an dem Prinzip der Zoll.

grenze fest, offenbar deshalb, weil die Aufrecht- erhaltung der Rheinzollsperre nicht zuletzt dem Zweck eines rheinischen Wirtschaftsparlamente« dienen soll. Begreiflicherweise hallte deshalb auch, was aus den letzten Nachrichten hervorgeht, das Land von Protestkundgebungen wieder, als in Köln Besvrechungen zwischen den dortigen Ententestellen und den rheinischen Spiritus« Interessenten stattfanden, die durch bie Errichtung des Spiritusmonopols vor der Stillegung ihrer Betriebe standen. Im Rheinland hat man offenbar ersannt, wohin bereits der Kurs geht.

Aus Oberfchleften.

Nach einer Mitteilung der Blätter stellte die Reichr- regierunq zur Linderung der dringendsten N o t in Oberichl ften 100 Millionen Mark zur Verfügung, die durch einen besonderen Staattzkom- missar an bit beiderseitigen Streife der in deutiche, Hand befindlichen Gebiete Oberschlesien« vertellt werden sollen.

Di« V«r»o:schcwisterung der oberschlestschen

Llusstandsbtwtgung.

Der obcrschlesiick« Bericht rstatter de«

Berliner

Lokalanzeiger»' berichtet au-sübrlich über die immer weiter um sich greifende Verbolschewisierung der ober- ichlesischen Aufstandrbewegnng. In Gleiwitz befinde sich eine kommunütische Zentrale, die mit unbeschränkten Mitteln arbeite. In den letzten >0 Wochen seien rund 15 Millionen Mark für kommunistische Propaganda aillgegeben worden. An der Unebenen Orten seien sogenannte Verfügungen bei Ärbeihrfomiteel ei gangen, auf teuien Fall die Waffen abjugeben, da in kurzer Zeit die Befreiung von der Kapitalistenherrschaft vor der Tür stelle. Viele der auf Anordnung der Entente neu errichteten Ort-wehren, die sich au» polnischen Zniurgenlen »usammcnirtzen, trugen rote Fahnen und bezeichnen sich all bte Herolde der kommenden Räte­republik.

Le Rond unb der Vorschlag Korfanty.

Di«Vosische Zlg.' schreibt, daß sich ber Präsident in Ovvrln, L e Ronb. auf bett Standpunkt stellte, daß tue Räumung». Versprechungen Korfanty« ernst zu

nehmen seien. Es banbele sich um eine sieben« tägige Frist, in der bte Eulentekommission geigen soll, ab es ihr wirklich gelingt, ohne Aiiwcnbiing vonZwang ote Liquidierung bei Aufstande« zu erreiche». Es fei auzuncdmen, daß der Zwölferausschug im Einver- »ehmcn mit dem Füürer bei beutfeheit Telbstschuves den Forderungen der Enlenlekommission Nachkommen werde. Sowohl der französische Bolschaster in Berlin, Laurent, all auch der englische Geschäftsträger halten gestern in ircunofdiaftluher Form der Reichsiegierung oen Rat gegeben, «ur den Zwölferausschutz zuguunen oer Annaume der Vorschläge der interalliierten Kom­mission emzuwirlen.

Auf dem Wege zu einer friedliche» Lösung (?)

Wien, 21. Juni. Auf der Durchreise von Rom nach Warschau empfing der neuernannte polnische Minister Del Aeußeru, Skirmunt, einen Vertreter ber Neuen Freien Presse' und äußerte sich vor bteiein uoer bte Richtlinien der »urwärtige» Politik Polens. Bezüglich Deutschlands crtiärte SArmunt:Zm Ver- yâttnis zu ustierem westlichen Nachbar wünsche ich im Jtaijinen des Bersmuer tyrieoenluertrageo uns bei reale» Riögtichketlcn und Notwendigkeiten feine Gefühls- poliitf, roneern eine Znteresseupolitik einjmeitin. Da ich die Ucberzcilgung habe, Lag der Höhepunkt her obcrfchleiiiiMrr rtipe übcrichiltteu ist, »a mir uns auch Dort aus »em Wege zu einer friedlichen Löiung be« Itiibtii, so burite bas die polmsch-deutichen Beziehungen am nteiiten trüb-tioe x.ouicnt dato aus der WeU ge» ichaffl teilt und ote Bay» für ein normale» gutnaey« uaitidje» Beryallnis tret werden.'

Briand und Curzon über Oberschlesien.

Am Schluß der Besprechung zwischen dem jaiidviiia^n Minifieipinsedenten unb dem eng. tischen Belmittftr, Lord Curzon, hat man sich, wle envartet wurde, auch über Oberschlesien unterhalten. Die Paris«! Blätter melden zwar, daß eine Emig-ung der beiden S'âtsma.l ter üoer di: ober schlesisch« Frag« nicht erzieft wor­den sei, und daß der alte Zwi«,«palt zwischen Brâtd uno Lloyd Ceorg« noch fortbestohr. Ob diese lvâungen richtig sind, ist schwer zu sagen, jedenfalls liegen gewichtig« Gründe dafür vor, an iyrer Ricyl.gkert zu zweifeln. Es wäre doch vielleicht zu »ftenkundiy gewesen, wenn man an die Eirigung über die Orientfrage auch gleich o^ Einigung über Oberschbesien geknüpft hätte. Der Kuhtzaiidel wäre zu durchsichtig gewesen, und das hat die ftanzöfis-che Presse vielleicht, da sie ja sehr gut den Steilungen, die vom Quai üOr,ay kommen, gehorcht, verkhindern wollen.. Es llegt für uns (einerlei Grund vor, jetzt in >^ptlm>i--mus zu naiven, denn wir sind noch kei­neswegs am Ende aller Dinge, und bis zu der Stunde, die die Entscheidung tatsächlich bringt, -örnte man noch manches er .eben Bekanntlich \<rt ja, wer auf die Beharvlichleit Lloyd Georges saut, auf rollenden Sand gebaut. Und wenn Lloyd George diesmal nicht selbst umfallen will, 1 h bst es doch noch lange nicht ausgeschlossen, daß er dies unangenehme Geschäft einem anderen überträgt. Die Safadie, daß man die Berairt- wortuna für di« Einisuna wieder der Inter.

^^^^^^^^^n^^M^BMBMBMHOMMMMKSSq alliierten Kommission zuschiebt, obgleich diesi bisher eine Einigung nicht zustand« gebracht hfth gibt sehr zu beiseit. Der frühere Vertreter Eng­lands bei der Interalliierten KommiMon, Oberst Percival, war Militär und hatte aus fei-, nem Standpunkt kein Hehl gemacht. Sir Harâ Stuart aber ist ein Diplomat und kennt b;# Kunst des Zurückweichens wahrscheinlich besser als sein Vorgänger. Es ist besondere Vorsicht deshalb geboten, weil nämlich im Hintergrund immer noch das sogenannte Einigungsprojekt des Grafen Sforza steht. Sforza selbst hat sich ja authettisch noch nicht über dieses Projekt ge­äußert, aber die bisherigen Derlautbarungey lassen doch «rkennen, daß selbst im günstigsten Falle für uns der Plan Sforzas eine Teilung des Zentralreviers vorsieht. Eine solch« Teilung ist natürlich ein Unding und bedeutet den Ruin ÖberfebTeftenl. Wir müssen deshalb ganz beson­ders auf der Hut sein, wir dürfen uns nicht einf*r^f^i taffen, sondern müssen nach wie vor auf Grund bei Abstimmungsergebnisses und auf Grund des Friedensverttvges das ungeteilte Ob er fliesten für Deutschland fordern.

Die liniierten und die Leipziger Prozesse.

Ip» London, 21. Juni. In einer der letzte Sitzungen bes gesamten Rate« ist die Frage ev hoben worden, ob die Leipziger Prozesse die bekanntlich nur als Probe dienen, den Alliierten bas Vertrauen gegeben haben, um auch die sämtlichen anderen Prozesse dem Leip­ziger Gerichtshöfe zu übertragen. Mit allen Stimmen wurde diese Frage verneint, doch erklärt, daß zur Zeit ein Urteil über die späteren Prozesse unb deren Behandlung nicht abzugeben sei. Es wurde aber von allen Vertretern betont, daß die Verbünoeten mit der Untersuchung der einzelnen Fälle in ihren Ländern fortfahren Jollen, falls die Unterlagen für ein Auslieferung«-

, verfahren benötigt werden, das von den Attrèerten ; zu beschließen sei, wenn fi« die weitere Ver­folgung der Angelegenheit in Leipzig nicht wünschen. Belgien hat bereits einen Antrag gestellt, der sich in diesem Sinne bewegt, weil es die Leipziger Urteile nicht aner­kennen will.

Aus dem Völkerbundsra!.

Genf, 21. Juni. Nachdem der VölkerbundSrÄ verschiedene öffentlich« Sitzungen abgehalten hatte, behandelt« er heut« in geheimer Sitzung die Proteste der deutschen Regie­run g betreffend die Anwesenheit französischer Truppen, die Gerichtsbarkeit französischer Ge- rfcfjte im Saargebie-t sowie die Ausweisungen und schließlich die Einführung der Frankenwäh- rw.tg im öffentlichen Dienst des Saarbeckens. Der Präsident der Regierungskommissivn des Saargebietes, Raould, verteidigte ausführlich die von der französischen Regierung getroffenen Maßnahmen und der Völkerbundsrat stimmte diesen Darlegungen zu. Präffbenit Raould^ suchte die deutschen Protest« u. a. durch den Hinweis zu entkräften, daß bte Gerichtsbarkeit der Kriegs- «gerichte demnächst durch ein Dekret stach einge­schränkt werde, und daß die Ausweisungen zum Teil wieder zurückgenommen werden würden. Er kündigte u. a. an/daß ein Dekret die Lücke des FriedensvertrageS über die saarländische Natio­nalität ausfüllen werde, wonach jede im Saar- lande geborene Perlon, jeder, der sich am 11. November 1918 rechtsmäßig dort niedergeloffen und jeder, der drei Jahre lang im Saargebieit gelebt habe (Bcarnte ober kontraktlich verpflich­tete Vertonen nach einem Jahre). die Staats­angehörigkeit besitzt. In einer Erklärung vor dem Presievertroter rechtfertiate Präsident Raould feie Anwesenheit französischer Truppen damit, daß diese keine Okku'pati-onStruppen mehr seien, «sondern Garnisonstvupven, und daß die von der »deurtschen Regierung geforderte Male Gendar­merie, welche 400 Mann flach fern solle, nicht glich sei. da diese Zahl für das Budget z, /kostspielig sei.

Verbot deutscher Truppenübungen? Wie mehrere Blätter erfahren, soll die interalliierte Militärkontrollkommission an dem in Berlin garnisonierenden Wachtregiment Anstoß ge­nommen und bellen Auflösung gefordert haben. Desgleichen soll General Rollet die auf Truppen- lbungsplätzen geplante große Truppenübung er Reichswehr beanstandet und ihre Nichtab­daltung gefordert haben. Die Blätter bemerken hierzu, daß beide Forderungen nicht den gering­sten Rückhalt im Friedensvertrag finden. Nach Mitteilung der Deutschen Allgemeinen Zeitung ist bisher an den Berliner zuständigen Stellen weder von einem schriftlichen noch mündlichen Einspruch Der interalliierten Kontrollkommission in der oben angedeuteten Richtung etwa» bekannt..