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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Berlagsleitung: Ad. 3nbermuöle. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Richardbultlch:iür lokalen und provinziellen Teil sowie,Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernivreckanschlülle Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 138

Donnerstag den 16. Juni

1921

Das Neueste.

Die deutsche Regierung lieh an die Alliierten eine Protestnote gegen da« Verhalten der J. A. St in Oberschlesien abgehen.

DaS Körpcrschastsstcuergcsetz wird dem Reichs- >ag durch den ReichswirtichaitSrat zugehen, nachdem U im Kabinett verabschiedet wurde. Weitere Stcuer- itsetze werden im Laufe dieser Woche vom Kabinett urabschiedet.

Entsprechend dem Ergebnis der Urabstimmung "mb gestern auf 18 .Gütern der Stadt Berlin 4000 Arbeiter in den Streik getreten. Notstandsarbciten werden auSgeführt, dagegen stockt die Heuernte und die Bearbeitung der Hackfrüchte.

Der schweizerische Bundesrat erklärte sich in einer Mitteilung an Krassin bereit, den Moskauer Entwurf für den zwischen der Schweiz und Rußland «bzufchlirßenden Handelsvertrag entgegen zu nehmen.

Die. französische Regierung hat beschlossen, eine militärische Mission nach Japan und China zu ent» senden, an deren Spitze Marschall Joffre steht.

Deutscher Protest gegen die 3. A. K.

Auf das fast unglaubliche und wroersinnige Lorgehen der Interalliierten Abstimmungskvin- nission, die Einstellung der Säuberungsaktion jat die deutsche Regierung gestern eine Protest­note an die Entente abgesandt, in der sbe mit idem Nachdruck auf die Verantwortuna hinweist, die die I. A. K. in Oppeln für die gegenwär­tigen Zustände trägt. Die deutsche Regierung weist darauf hin, wie unter den Auaen der I. A. K. die oberschlesische Bevölkerung der brutalen Gewalt der Korfanty-Banden ausgeliefert wor­den ist, ohne daß die Kommission die geeigneten Mittel ergriffen hätte, einzuschreiten. Schließlich Wilh. i»-der Protestnote, ausgeiordert. endlich mit idem Nachdruck durchzugreifen und Oberschlesien ton den Insurgenten zu säubern. Die Note ist zwar in einem energischen Ton gehalten, doch sie hätte hier und da sicher noch bekräftigt werden können, so z. B. durch einen Hinweis auf die Unterha-usrede Lloyd Georges vom 13. Mai, in der u. a. a-usgeführt wurde:

»Sollen wir den Deutsch«: sagen: Den Polen soll entgegen dem Vertrage erlaubt sein, iure Provinz wegzunehmen, und ihr dürft euch nicht einmal verteidigen . . ., nicht bewaffnen oder schützen, oder doch werden wir uns nicht auf Grund des Vertrages von Versailles einmischen? Das wäre schimpflich und feige. Es ist der Ehre eines jeden Lardes unwürdig, und ich bin völlig sicher, daß die Alliierten eine solche Haltung nicht einnehmen werden."

Lloyd George mußte an seine feierlichen Ver­sicherungen erinnert, mußte gefragt werden, ob sein Wort, wenn er feierlich von fair play, von der Ehre seines Landes, von dessen dringendstem Interesse gesprochen hat, dem Verträge von Ver­sailles Respekt zu verschaffen, nicht mehr Wert hahe, ob das freche und renitente Doppelspiel zwischen Le Rond und Korfanty genügt habe, um alle Versicherungen als dünnen Phrasennebel zu erweisen. Und dann hätte dieser Mann, der vor MonatsfriA. so gesprochen hat, aufgefordert wer­den müssen, die Verhältnisse bei der I. A. K. Mversäumt auf das eindringendfte nachzuprüfen.

Die deutsche Regierung ist in dieser Weise vorgegangen, dafür aber haben der fran­zösische Botschafter und der englische Geschäfts­träger Schritte bei been Reichsminister des Aus­wärtigen unternommen. Im Laufe der Be- sprechungen versuchten sie, die Verantwortung für bte kritische Lage, die durch das Scheitern der Verhandlungen zwischen der interalliierten Kom- Wofion und dem Zwölferausschuß in Oberschle- neti zeitweise geschaffen wurde, dem Selbstschutz zuzuschreiben. Diesen Ausführungen trat der Reichsminister des Aeußern Rosen mit Nachdruck entgegen. Er teilte dem französischen Botjchaster und dem englischen Geschäftsträger, die einzeln . GM vorsprachen, bei diesem Anlässe mit, daß eine Note an die alliierten Regierungen abge- S<nigen sei. Die Vertreter der Alliierten haben sofort den Weg zur deutschen Renieruna ge- âd ganz wie Le Rond den deutschen Selbstschutz für die kritische Lage in O barschesten gemacht. Wie sich die Dinge nun weiter entwickeln werden, steht noch dahin. Vorläusso es so wenigstens kann man dies aus e-uer untenstehenden Meldung aus Ov^ln «ss- b èls ob zwischen General Höfer und em Kommandierenden der englischen Trichvn.r Me Verständigung stattaesunden bat. uach der deutsche Selbstschutz eine A^ Ortschaften stellt ^âschen Truppeir zur Verfügung ge-

Die Pro!eftnvte.

Nach Paris, London und Rom aing heute folgend« Note der deutschen Regierung ab:

Seit sechs Wochen hat Korsantv die Macht nahezu im gesamten Oberschlesien an sich gerissen. Er hat in dem von seinen Banden besetzten Ge­biete tatsächlich alle Befugnisse der interalliierten Kommission. Sechs Wochen erduldet die ober« schlesische Bevölkerung die ungeheuren Leiden, welche dieser Rechtsbruch über alle Teile des Landes heraufbeschworen hat. Die Verluste an Menschenleben sind groß. Die Auf­ständischen häufen Greuel auf Greuel. Hunderte von friedlichen Bürgern sind verschleppt worden. Ueber ihr Schicksal ist nichts bekannt, Historische Bauten wie die Schlösser von Schimischow, Stu- bendorf, Zembowitz und Kali new und viele an­dere sind dem Vandalismus der Insurgenten zum Opfer gefallen. Den Bauern und Gutsbesitzern sind die Pferde und das Vieh weggetrieben und viele Gebäude und Geräte zerstört worden. Die Einbringung der Ernte ist bereits jetzt in vielen Gegenden unmöglich. Nicht minder traurig lie­gen die Verhältnisse bei der Industrie. Auch der Verkehr steht nahezu überall still. Der Bolsche­wismus findet in diesem verwüsteten Lande günstigen Boden und breitet sich in erschreckender Weise aus. Blutenden Herzens aber mit gefessel­ten Händen soll bas deutsche Volk zusehen, wie unter, den Augen der interalliierten Kommission, der die Verwaltung des Landes zu treuen Hän­den übergeben war, seine Volksgenossen brutaler Gewalt ausgeliefert und die Früchte deutschen Fleißes und deutscher Wirtschaft der Vernichtung preisgegeben werden. Sechs Wochen polnischen Terrors sind über unsere Volksgenoffen hinge­gangen,, ohne daß die interalliierte Kommission gefunden hätte. die allein die Niederwerfung des Aufstandes ermöglichen. Seit Ende Mai trafen erhebliche Truppenver- ftärkungen der Entente mit reichlichem Kriegs­material in Oberschesien ein. Mit geringen Aus­nahmen und abgesehen von den großen Städten, die noch in der Hand der Deutschen sind, blieb jedoch das gesamte Aufstandsgebiet nach wie vor im Besitz der Insurgen­ten, welche dort unumschränkt herrschen. Die Grenze nach Polen ist offen. Von dort kommt dauernder Zuzug an Kämpfern, darunter eine erhebliche Anzahl von regulären polnischen Mi­litärs. Von dort werden Wassen und Munition aller Art herübergefchafft. Beweise für diese Tatsachen werden den Alliierten Regierungen besonders übergeben. Wenn aber die alliierten Truppen bei ihrem Vorgehen Ortschaften besetz­ten, konnten die Insurgenten vorher, wie z. B. in Rosenberg, unbelästiat mit ihren Waffen und Munition, sowie unter Mit­nahme allen geraubten Gutes ab­ziehen und ihren fanatischen Haß auf dem Rückzüge an den unschuldigen Bewohnern freien Lauf lassem Haben aber interalliierte Truppen ein Gebiet durchzogen, so tauchen in ihrem Rücken alsbald'polnisch« Banden wieder auf und treiben ihr Unwesen weiter in dem gleichen L'oaße-kme vorher. Eine Befriedigung ist nirgends zu verzeichnen. Längs der ganzen Front wurden die Ortschaften, wie z. B. Kostellitz. Wachowitz, Frei-Pipa, Frei-Kadlub, Schemr'owi^. Wald­häuser, Hohenbirken, Vukau und Markowitz, welche vorübergehend von den Polen geräumt worden waren, erneut von chen Banden reicht und schwer heimgesucht. Die oberschlesische Be­völkerung und mit ihr das deutsche Volk bewahr­ten bisher Die Ruhe, die von der gesamten Welt als bewundernswert anerkannt wird. Der ober­schlesische Selbstschutz trug trotz zahlreicher An­griffe der Polen und trotz dringender Hilferufe aus den von Korfanty besetzten Gebieten, ihre Stellungen nicht weiter vor. in dem Vertrauen, daß endlich energische Maßnahmen seitens der alliierten Kommission gegen Korsantv und seine Banden ergriffen werden würden.

Die deutsche Regierung muh gegen die gegenwärtigen Zustände in Oberschlesien d,i e schürfn« Verwahrung einlegen und sieht sich genötigt, den immer wiederholten Versuch. Den ooerjchlennren Sewss- .chutz auf d.e gleiche Stufe mit den Insurgenten zu stellen, energisch zurückzuweifen und zu, be­tonen, daß der von Dem Präsidenten der inter­alliierten Kommlsjion beabsichtigte Weg, die In­surgenten durch Verhandlungen zum Abzug mit allen Waffen zu bewegen, nicht geeignet ist, Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Dieser Erfolg kann allein dadurch gezeitigt werden, daß mit allem Nachdruck durchgegrissen und Obersmiesien mit allen Kräften von den Insurgenten geräu­bert wird. Geschieht dies nicht, so wird die volle

und alleinige Verantwortung für alle Vorkomm­nisse und ihre Folgen der interalliierten Kom­mission und deren Präsidenten zur Last fallen, der die Macht besitzt, durch energische Maßnahmen die Beftiedigung des Landes in kurzer Zeit her­beizuführen.

Nach dem Friedensvertrag Artikel 88 ist di« Jnte-alliierte Kommsssion verpflichtet, mit Trup­pen der alliierten Mächte die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die deutsche Regierung hält es nicht mit dem Friedensvertrag vereinbar, wenn die interalliierte Kommission die Machtmittel nicht gegen die Insurgenten zum Einsatz bringt. Sie muß daher erneut und mit allem Nachdruck fordern, daß die Bevölkerung Ober­schlesiens. die nach dem Ergebnis der Abstim­mung bei weitem deutsch ist, endlich und überall re st los bon'ber Jnsurgentenherr- schaft befreit wird.

Die Kampslage.

General Höfer stellt den Engländern Ort­schaften zxr Säuberung zur Verfügung.

Oppeln, 15. Juni. Nach Derbandliinnen, bis beute nachmittag Pattaefnnben haben, stellte General Höfer dem General Honnacker die Ortlcka'ten östlich der Linie 1.3 km nordwestlich Dollna-A^naboiWest­rand Lichinia- Ostrand Kuichnitzka tut Unterbrinaung rn-lsscher Truppen für die Säubcrunqiattion in Ver­fügung. Die Kanivssütigkeit der polnischen Jn'ur- nenten lieh wesentlich nach. Im Streife Rossnbcrg griffen polnische Banden die Höbe bei Jastrz'gowitz ohne Eriolg an. Kleinere Borstöße in der Gegend von PruSkau- Zembowitz scheiterten ebenfalls. Der Bahnhof und die Eisendabnbauvtwerkstätten in Glci- witz sind gestern früh von Mattbetdors aus durch einen polnischen Penzerzng, der mit 200 Insurgenten besetzt war, angegriffen worben. Der örtliche Selbst­schutz von Gleiwitz umzingelte die Insurgenten und

Mann gefangen. Die Insurgenten wurden den italienischen Truppen übergeben. Im Streif, Ratibor herrschte eine schwache Kampftätisseit der Polen bei Zawala und Schimischow. Die Insurgen­ten setzten die Rückwärklbewegung gegenüber der Stadt Ratibor fort. Jedoch sind hier Wie auch im nördlichen Teil der Streifes Groß-Strcdlch polnische Banden mrück'.cblieb-n, die in den geräumten Ortschaften ihr Unwesen treiben. ES ist feftgefteüt worden, daß die Insurgenten in den Waldstücken östlich von Ratibor grosse Mengen von Waffen vergraben haben.

Berlin, 15. Jnni. Dem »Verl. Tnaebl/ zufolge finden in Beutdxn Kämpfe zwischen in die Stadt eiii- gedrungknen Insurgenten und dem Selbstschutz statt. Die Insurgenten verloren mehrere Tote und Ver­wundete. Durch Handgranaten wurde bedeutender Sachschaden angcrichtct.

Ein neuer Mord.

Myslotvitz, 15. Juni. In der Nacht zum 7. Juni wurde einer der angesehensten Bürger, der Buchdruckereibefitzer Rolle, von den polnischen Jnsur- -enten grausam ermordet. Er wurde auf die grund­lose Verdächtigung zweier polnischer Mädchen mit seinem Faktor Kott nach Ewaldschacht, einer als Prögelstation und Folterkammer bekannten Stelle, ge- chleppt. Während er Stott gelang lebend davonzn- kommen, erlag Rolle den furchtbaren Mißhandlungen und Martern, lenen er nachts ausgesetzt war. Die Le-che ssand man in der Räbe der Moidstelle in einem Tümpel, wohin sie in der Mordaart geschleppt war­en war. Die von verschiedenen Selen während deS nachmittags angefteUten Bemühungen, den Bürger­meister Dr. Radwau èky und den poMischen Stadt- kommandautcn Biacka zur Rettung RoäeS zu vcran- iassen, blieben erfolglos. Erst am 9. Juni fuhr der Bürgermeister mit dem Sobne der Ermordeten «ach Ickoppiintz, wo man den Fall zur Keuatuir gab. Bei d«icr Künogebung hatte es sein Bewenden.

Bolschewismus in Oberfchlcfien.

Nach einer Meldung btS .Berl. Tagebl." ans Bciiihen liegen dort Nachrichten aus den Landge- mcinben vor, die besagen, baé die nationalistische Jn- inrgenitnbcwcgung immer mehr in bolschewistisches Fahrwasser gerät. Sog >r Korfanty trägt diesem Hin« staube Rechnung und erklärt in seinem BlatteWeg- ireiier', daß der Aufstand nicht nur nationalen, son­dern auch polttiick-revolunonären Charakter habe. Der Stampf gelte voruehmUch den prcnßiichen Groff» uiinmrielien, den Grobagrar irrn un» den Verwal­tungsbehörden.

Das Obrrschlesier-HilfsVrr!.

Berlin, 15 Juni. Reichspräsident Ebert hat, wie wir erfahren, den Eorcnvorfitz deS Ehrcnau:- ".tuffeS res Oderichlcsicr-HliftwerkeS übernommen. Zahlreiche Spenden sind, dem Odcrichlcficr-HilfSwcrt bereits zugezangen. In boAberpger Weise hat Herr Urupp von Bohleil-Haibach einen Betrag von uöj 00u Mark genietet.

Dich nordwestliche Gruppe der Eilen- und Stahl- Jndulcikllcn (Rieinlaud Westsalcni hat den Beichlu» ec ant, ihren Mitgliedern aiipnaten, 5 Mark pro stobt 1 er Velcg'cha t dem Obcrschlcsicr-H Iss wert de, der Reich-bank JäZcruraffc aut Stouto ,Oberfd)leiicr« Vil swert" znr Verlügung zn stellen.

Die Hamburger -Bürgerschaft bat auf Antrag sämtlicher härteten mit Auonabme der Kommuiiisten beicbloheu, eine Milnoii Alark zur Lmoerua« der Rot in Odciichlcjicn zu ipciiocip

Unlersuchung der deutschen Gegenliste

(Letzte Meldung)

Jvn. Paris, 16. Juni. Auf Anordnung bei Kriegsministers Bartbou ist bezüglich der in deutsche» Leitungen ausgestellten Behauptungen und erhobenen Anklagen freien eine Anzahl französischer Orfiziere, die sich der K r i e g r v e r b r e ch e n gegen deut sche Soldaten schuldig gemacht haben sollen, eine Untersuchung einaeleitet worden. Dazu sind die in Deutschland befindlichen Osfiziere, deren Namen in der deutschen Presse genannt sind, nach Pari» berufen. In den französischen Akten sollen diese Namen nicht enthalten gewesen sein. Die Offiziere sind im Krieg«» Ministerium vernommen Worben, doch wird die Unter« fnebung noch einige Zeit in Anspruch nehmen. To- lange diele nicht abgeschlossen ist, kehren die Offiziere nicht nach Deutschland zurück. Auch ist es französi­schen Zeugen in den Leipziger Prozessen, gegen die etwa selbst derartige Anklagen erhoben werden könne«, verboten worden, sich nach Leipzig zu begeben.

Politische Tagesberichte.

Keine Aussicht auf Räumung deS ne* besetzten Gebietes. Den Offizieren und Unter« offneren der belgischen Ruhrarmee ist er nach einer erst vor einigen Tagen ergangenen Entscheidung beS belgischen KriegSmimsteriums gestattet worden, ihre Familien zu sich kommen zu lassen. AuS dieser Ent­scheidung kann man entnehmen, daß man belgischer- seitS ebenso wie französischerseitS ebenso wenig daran denkt, das ncubesetzte Gebiet in absehbarer Zeit zu räumen.

Die französische K immer und die Taar^ bergwerke. In der französischen Kammer hat eine Unterkomniission zum Studium der Bergwerksfrage im Saargebiet ihr Büro gebildet. Zum Präsidenten wurde der Abbs Wettcrle, zum Vizepräsidenten Edouard ëoitlic, zum Sekretär Dcsirâ Ferry ernannt. Diese Unterkomniission soll wahrscheinlich dem Zwecke dienen, das geheimnisvolle Dunkel der^ französischen Mißwirt­schaft auf den Saargiuben etwas anszuhellen. Be­kanntlich bestand neuerdings in französischen politischen Kressen die Absicht, die Gewinne aus den Saargruben tgn die Kriegsbeschädigten zu verteilen. Die Krieg«» beschädigten bürt reu apet Von beut Ertrag OjrSaas gruben kaum etwas profitieren, da es wohl erst einet lehr gründlichen Organisation bedürfen wird, ehe du Saargruben auch nur halb so ertragreich sein werde» wie sie eS unter der deutschen Herrschaft waren.

Frankreichs Stellung zum Rheinland. Anläßlich der Reise deS Generals Mazin nach Südamerika, die offensifitlich propagandistischen Zwecken biente, singt Paul Adam im »Figaro^ ein fpaltexIangcS Lobt,cd auf den .großen General und BerwaltuugSmann*. Folgende Stelle darin verdient febgehalten zu werden, die so auf die französische Neutralität gegenüber den separatistischen Bestrebungen im Rheinlande ein merkwürdiges Licht wirft und als weiterer Beweis dafür gelten sann, daß General Maziu wie Gerard seiner Zeit zielbewußt auf die Errichtung einer linksrheinischen Republik, zu mindestens aber einer unabhängigen Pfalz mit Anschluß au Frankreich hi«- gearbeitet hat. Die Stelle lautet: »Die Menge feierte bei dem Pariser Einzug am 14. Juli 1919 nicht nut General Mazin als neuen Marius II, den Besieget der geimani|d)en Heere, sie begrüßt auch den geistvoller Berwahuugsmann, der in einigen Monaten in bei Pfalz die Erinnerung an die Freiheit bringend, Revolution und die rheinische Republik ins Leben zu rinen verstand, sowie bei den Mainzer eine Derartige «yiupartne zu gewinnen wußte, daff ihre Sprüngen an die Acrcchi«gleit des Herrn GeneralMazin apclliecten, wenn bie emueimischen Richter ober Beamte nicht zu ihrer Zufnedeaheit entschieden.

Vèu# Towjetruzlaud. »Berlingske Tidcnde* wird au« Helsingsors telegraphiert: Der Fahrer bei kürzlich aus Raglans zucückgckrhrtc» finnischen Han- dtlsaborünung, Duettor Hdnilaliien, erklärte Pressc- oertretern, die Russen hätten sowohl in Moskau als in Petersburg große Mengen von Exportwaren auf« gestapelt, namentlich Hanf, Leder, Haute usw. Der größte Teil bietet Waren stamme noch aus der Zeit vor dem Kriege. Weiter berichtete er, daß in Rußland nur ganz geringe produkuve Arbeit geleistet werbe. In Petersburg mache der ungeheure Brotmangel jede industrielle Arocit unmöglich Indessen schuf die Auf­hebung des Verbotes des privaten Handel« eine Er- lcichiernng. Die tleinen Fabriken bis zu 50 Arbeiter seien von der Sowjelregierung freigegeben und setzen die Betriebe aus eigene Rechnung fort. Die Verkehr«- vechäitnissc haben sich etwas gebessert. Zwischen Petersburg uns RloSlan versehren fegt wieder regel« mäßig Zuge. In Morkau herrsche ein lebhafter Amomobiwerkehr, während jm Petersburg jeder Wagen- verkehr eingestellt sei. Die Stadt mache einen traurigen *uidrucf. Die Ausfuhr von Waren aus Rußland müßte bei der Abjcnoung in der Währung der be­treffenden Bandes oder in Sold bezahlt werden. (Der lioijc Bau, den die Niostauer Weltbcglückcr zu er« richten luchten, ist wie ein Kartenhaus zufammenge- liürzt. Mor.au demaitiert sich jegt mit seinem neuen KUlS felbit. Das hindert allerdings die deutschen Kommun pen nicht, genau denselben Leidensweg für Dcntichlano zu verlangen, wie ihn Rußland ging. Sie vcracrrnchcli nach wie vor die bolschewistische Siaaistunil", ichreien sich nach wie vor Heiser nach soziausierung, nach Moiuuiuualifierung und Rationa- 4i|ieiiiiig, Errungtnichajten, oie man jetzt in Rußland zum alten Ulfen wirft. D. Rev^

(Weiter!: Politische Nachrichten Seite 3.),