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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanaa
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Nr. 136
1921
Dienstag den 14. Juni
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Das Neueste.
_ Die Bundestagung der deutschen Büraerrâte in Ojlnchen sprach sich gegen jede Sozialisierung, für die Siedereinführung der schwarz-weiß-roten Handelsflagge und für Volksentscheid über die Wiedereinführung der Warz-weiß-roten Flagge au».
- In Berlin begann gestern vor dem Sondergericht kt Prozeß gegen Hölz.
_ Aus Washington wird gemeldet, daß da» Re- MsentantmbauS die Resolution Porter, die die Beendigung der Kriegszustandes zwischen den Vereinigten Saaten und Deutschland, sowie Oesterreich vorfleht, »naenonime« hat.
— Die Beisetzung des ermordeten bayerischen Land- iagtabgeordnetenGarei» ist ohneZwischcnfâlle erfolgt, die Kommunisten fordern zur Fortdauer des General- •reife« auf.
— Aus Oberschlesten werden neue schwere Angriffe kt Polen gemeldet. — In Hindenburg sind Züge von longreßpolnischem Militär in Zivil eingetroffen. Auch nur BcuthkN und anderen Städten wird die Durchfahrt kongreßpolnischer Truppen gemeldet.
— Ueber die nächste Zusammenkunft de» Obersten Haiti ist zwischen den alliierten Regierungen noch kein Mvernchmen getroffen worden.
— „Times" zufolge nimmt die Ansicht zu, daß die iwrgige Abstimmung unter den Bergarbeitern zur Beilegung des Streike» in der Kohlenindustrie führen werde.
Die Wirren in Oberschlesien.
Die Franzosen für de« Aufstand verantwortlich
Der Sonderberichterstatter des englischen .Manchester Guardian" telegvaphilert aus Oppeln:
Der Ausstand in Oberschlesten dauert jetzt schon über vier Wochen, ohne daß ein Versuch unternommen wurde, ihn zu beenden. Die neutrale Zone ist ein Mißerfolg. Die alliierten Truppen sind an verschiedenen Punkten zwischen die Insurgenten und den deutschen Selbstschutz geschoben worden. Aber zwischen diesen Punkten M der heftige Kampf weiter. Die Deutschen nleidÄ^auevad fast unerträgliche Her», lusford erungen von Seiten der Jnsur- genien, in deren Interesse es liegt, daß die Deutschen wieder ergreifen, denn dann muffen die Bemühungen der interaMerten Kommmission, den deutschen Selbstschutz zurückzuhalten, verdoppelt werden und die alliierten Truppen würden bann, statt frei zu sein, um die Insurgenten zu entwaffnen, ausschließlich mit der Verhinderung der Feindseligkeiten an der Front beschäftigt sein. Dann würde auch das französische Argument, wonach der deutsche Selbstschutz das größte Hindernis auf dem Wege der Beruhigung Oberschlesiens ist, nicht so vollkommen absurd sein, wie es dies augenblicklich ist. Trotzdem die Aufständischen überall, wo britische Truppen erschie- uen sind, verschwanden, ohne einen Schutz ab- zugeben»» hat die Ankunft der britischen Truppen, nach der die Bevölkerung so sehnsüchtig Mssah und die sie so begeistert begrüßt hatte, bisher keinen Unterschied gebracht. Der Bericht- erstatter erklärt, nicht der deutsche Selbstschutz, lonbern die Franzosen selbst bilden das Haupthindernis für eine befriedigende Lösung. Die Franzosen, die für ^en Ausstand verantwortlich sind und offen ihrer Sympathie für den Aufstand Ausdruck gaben, auch für die Fortdauer des Auf-' Pandes verantwortlich, da sie ihre Sympathie den Polen weiter bezeugen und alles tun, mas in ihrer Macht liegt, um jede Art von attwn, die den Aufftand zu Ende bringen würde, ^zögern oder zu schwächen.
M. ^ Berichterstatter des genannten eng- Blattes wurde von italienischer Seite er- E' °^o der einzige.Unterschied in den Ansichten den Franzosen und den Führern der .^'ständischen mit Bezug auf den Tag bestand, dem der Aufstand beginnen sollte. Die Polen wen, daß der Aufstand erst beginnen sollte, m.^.der Oberste Rat über die neuen Grenzen gefaßt habe. Die Franzosen waren Ls ikr , ei"? Vorwegnahme der Entscheidung ^è" Rates und für den Beginn des unmittelbar nach der Empfehlung der ^-^E^rtell Kommission, daß der größte Teil Js ^udustriegebietes Deutschland verbleiben W . Berichterstatter fährt fort: Der Auf- .:„ 1 wrrd nicht eher zu Ende gehen, als bis ^uglander und Italiener in der interalliiert die Vorherrschaft haben. Augen- ^^ ^e^ 011 der Spitze der Militärverwaltung täri^ ®^u§- General Gratier leitet die mili- vb-^k Operationen. General Lerond ist der Di- M r < ^samten interalliierten Kommission, finhoi 6en Ausstand zu unterdrücken, be- demnach in den Händen von drei mi, ^°ilwn Offizieren, die in Uebereinstimmung s?«nzösischen Politik in Oberst „ I ? " "für sorg en, daß der Auf -
8 e l i n g t. Der Berichterstatter erklärt:
Bevor nicht dieses Triumphirat gestürzt und durch britische und italienische Offiziere ersetzt ist, kann in Oberschlesien kein Friede herrschen und das Elend seiner gesamten Bevölkerung und das Elend eienr gesamten Bevölkerung dauern fort. Selbst ein britisches Armeekorps würde nichts ausrichten können, denn urtter diesem Triumpbirat werden die britischen Truppen dorthin beschickt, wo die Franzosen sie haben wollen, das heißt dort, wo sie Korfanty am wenigsten lästig fallen.
Le Mond, der Bremsklotz.
London, 13. Juni. Eine Meldung des „Daily Cbronicle" aus Ovveln betont, daß ein wirksame? Vorgehen der britischen Truppen bebindert sei, solange der Oberbefehl in framöfifefien Händen sei. Gewiße Faktoren feien oeaen ein energischer Vorgehen, welche? allein die Rebellion beenden lönnte. Eine „Times"- Meldung an8 Oppeln bespricht die Unfähigkeit der Interalliierten Kommission, die Räumung des wichtigen Knotenpunkte» Laband durch die Polen zu erzielen und die Ohnmacht gegen die Not der deutschen Städte. Die nördlichen und westlichen Distrikte erhärten offen, sie würden nicht länger zuschen, wie ihre LnndSlente hungern und von einer proletarischen Regierung ab» hängen. Wenn die Interalliierte Kommission ihren Willen, den Ausstand zu unterdrücken, nickt bald ander? als durch bloße Versprechungen beweise, werde General Höfer unzweifelhaft wieder eingreifen.
Neue schwere Kämpfe.
Oppeln, 13. Juni. (Amtlich.) Im Nordasifchnilt griff der Gegner verschiedentlich mit starken Straften an ohne sich an das seitens der Selbstschutzes im vollen Umfange befolgte Abkommen über die beiderseitige Linie zu halten. DaS von General Jennifer zuge- mate Eingreifen englischer Truppen bei polnischen Offensivmaßnabmen erfolote trotz mehrmaliger Benachrichtigung durch den Silbstschutz von derartigen Aktionen noch nicht. Die Polen besetzten nach dem Kampf mit der Apo Wyssoka. Nackdew gestern zwischen Wachow und Wachowis ein Angriff mit starken polnischen Kräften gescheitert war, räumten beute Abteilungen bei Selbstschutzes Wachowitz und gingen ver-
Wackow zurück, wäVrrnb die Insurgenten sich entgegen dem Abkommen in Wachoiru^ iestsetzten. Gestern scheiterte ein heftiger polnischer Angriff auf Leikna, das int Gegenstoß vom Selbstschutz behauptet wurde. Nach heftigen polnischen Vorstößen zwischen Zembowitz und PruSkau, welche abge= wiesen wurden, besetzten die Insurgenten ivicder die von ihnen vereinbarungsgemäß geräumten Ortschaften Skemrowitz, Frci-Pipa, Frei-ssadub und hoben Schützengräben aus. Zembowitz tourbe durch die wiederholten Kämpfe sehr beschädigt. Nördlich Groß-Streblitz sind erneut stärkere Jnsurgentenkräfte feftaeftetlt, die sich in keiner Wefte an dem getroffenen Abkommen halten. Neben je einem Zug Engländer uns Franzosen befinden sich in Blrawa zwei Kompagnien Polen. Nachdem gestern nacht und heute tm ganzen Abschnitt Ratibor lebhaft gefchossest wurde, gingen die Jnsiir- genten heute gegen abend auf das Ultimatum des Generals Bratier gegenüber Ratibor zurück.
Katlowitz. 13. Juni. In der letzten Nacht gab c» wiederum schwere Schießereien. Bewaffnete Jnsur- aenten drangen wicderbolt biS zum Bltckcrplntz, von der Ferdinandgrube her bis an die Friedrichstraße über die Rawa vor. Sie führten Maschinengewehre mit, mit denen sie verschiedene Straßen mit heftigem Retter belegten. Au» dem Landkreise Kattow tz wird gemeldet, daß verschiedentlich die Sniurgenten von der Front beimfebren. Viele von lbn-n führen Beutestücke mit sieb. Ueber die Kampfbandlimgen schweigen sie sich vollständig aus, nur soviel hört man heraus, daß an der Front nicht mehr alles stimmt, weil angeblich jeder macht, was er will. In den Landgemeinden dauern die Z w a n g s a u s h e b u u g e n an, doch steht fest daß viele sich ernstlich bemühen, nicht zum Frontdienst herangezogen zu werden. Sie äußern sich, mast solle doch das arbeitsscheue Gesindel in die Kariipflinie stecken. Die Semeinbebertreter von Bogntschütz Welten gestern eine öffentliche Sitzung ab, in bet beschlossen wurde, daß alle Lebrer und Beamten, die nicht innerhalb einer bestimmten Frist von wenigen Tagen auf ihren Posten zurückkehren, ihre Emlassung bekommen.
Die polnische» Greuettate«.
Der obcrschlcflsche Berichterstatter des „Vorwärts" stellte auf einer Besichti»ungsreise durch Oppeln, Löich- Witz, Slawciisitz, Kandrzin und Kosel vaiidalisckes Treiben und unzählige Terrorakte der polnischen Insurgenten gegen deutsche Bewohner fest. Die Polen haben in bief.nt Gebiete sämtliche Brücken und Stege gesprengt. D>e Domänen und Privotgüter wurden de» Viehes und der Pferde beraubt. Die Wobnungen der Geflüchteten Warden zerstört und bei Mobiliar vernichtet. Gefangene Selbstschutzler und deutsche Ab- fiimmler wurden bestialisch mißhandelt.
Korfanty erhebt Steuern.
Nach einer Meldung bei „Berl. Tagebl." erläßt Korfanty einen liOruf zu einer einmaligen Abgavc o#n Grundstücken, Watzuungen, geiDerblicben Zerrieben und von Vermöge» uni Verdienst zur Untlrliützuug der Jusurgcntcn-Wehrmacht. Korfanty? „Oberichle- siichc Grenzzeilung" cniaälr, obwohl da» »last unter jexiur siebt, eine Beriiignnz über vtcucrcrhebung »urch den Vollzugdautjchuß der Insurgenten.
Die Beisetzung des Abgeord. Gareis.
Keine Zwischenfälle. — Fortdauer der Streik-
Hetze.
. München, 13. Juni. Unter überaus starker Beteilrgun» der Müncve»er Arbeiterschaft sans nach-
mfttags 5 Uhr die Beisetzung bei ermordeten Abgeordneten Gareis auf dem Ostfriedbos statt. Sie »erlief ohne besondere Zwischeu'älle. Namen» der Ne^cks- leftniig der 11. S. P. sprach Reich»tagkaigeordneter Lkdebour-Berlm, der die sozialistischen Toten von Jaures bis Gareis auszäblte und zum Schluß auf» forderte, in die Fustapscn der Ermordeten einzutreten, um die sozialistische Idee zu verwirklichen. Reickr- tagSabaeorbneter Unterleitner widmete Kranz und Nachruf für die U. S. P. bei preußischen und bäurischen Landtaae? und übermittelte gleichzeitig die Beileidrftindgebungen der franiöstschen und österreichischen Softalisten und der sozialistischen Parteien Württemberg», Baden» und Sachsen». Ei» Schluß- gemng beendete die Feier. G» formierten sich die Sure, um in die Stabt zurückrukebren. Die Jsar- brücken waren von der Laudesvolizei mit, Panzer- auto» und Drahtverhauen abgeiverrt, febaS sich die Züge irrteilen mußtm. Zu besondere« Zwischenfällen ist es auch hier nickt gekommen. Die Kommunisten arbeiteten auch während der Trauerfeier mit Flugblättern. So verteilten sie auf den Straßen vor dem Friedhof F'ugblätter, in denen die Arbeiter eufae« fordert werden, den Streik und den Kamps mit allen Mitteln bis zur Beseitigung der Blut» und Schau dregierung Kahr fortzusetzen.
München, 13. Juni. Die Ruhe und die Ordnung wurden heute nirgends gestört. In de» großen Betriebe« acht der Streik der Arbeiterschaft weiterhin den kleineren und mittleren Betrieben dagegen wird weiter gearbeitet. Die Straßenbahn verkehrt auch heute. Ihr Dienst wurde mit Ei«schränkiinqen zur gewöhnlichen Stunde ausgenommen. Dec Eisenbahnbetrieb ist narmal und die Züge verkehren regelmäßig. Ueber die Täterschaft bei der Ermarduug Gareis herrscht noch völliges Dunkel. Ueber die angekündigte Gene- ralftreilau$behnu«a liegen liier Nachrichten aus Rentb» ten, Lindau, Passau und Landshut vor, die besagen, daß der Streik teilweise durch,csübrt wurde und daß die Zeitungen nicht erschienen sind. Ruhestörungen kamen nirgends vor. »ffentbalbew rief die organisierte Arbeiterschaft Versammlungen für heute nachmittag ein, um Stellung zur Lag« zu nehmen.
KunÄgrbungen in Berlin.
Bertin, 13. Juni. Die drei sozialistische« Par-
„gegen die Reaktisx in Bayern", gegen die Ermordung des »bgeorbneten GareiS in München. Am Schloßplatz versammelten sich die Unabhängigen und Kommunisten insgesamt 10 000 Mann mit roten Fahnen. In sechs Lokalen der Mehrheitssozialisten waren di« Versainmluuge» nur schwach besucht, was teils auf das schlechte Wetter zurückzuführen sein bürste. Alle Kundgebungen sind störungslos verlaufen.
Berlin, 13. Juni. (Priv.-Tel.) Als Nachfolger des ermordeten Abgeordneten Gareis kommt im bayerischen Landtage auf der Unabhängigen-Liste Ernst toller in Frage, der sich zur Zeit in Niederschönfeld ui Festungshaft besinnet und bereits zwei Jahre »o« einer fünfjährigen Festunzrhaft verbüßt hat.
Begegnung Bakhenaus mH Loucheur.
Berlin, 12. Juni. Der R-uchsnmnstcr für den Wiederaiiidau Ratuenail hat sich nach Wiesbaden bc- g-ben, um mit dem französischen Minister für die be» träten Gebiete Loucheur zu zweitägigen Besprechungen zusammen zu treffen. Gestern wurden Fragen der internationalen Wirtschaftslage im Zusammen Haug mit Dein ReparatiouSproblem in fünj stündiger persönlicher Aussprache der beiden Minister erörtert. SS käme» Fragen der. Sachleistung, der Ardeitsl-istung und der Finanzierung zur Sprache. Heute soll eine Reihe Emzelfrageiirrortcitwerdrii. Uebereinstimmung herrschte in dem Bestreben, die Aufgabe des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete in großem Au»maß und i» verstärktem Tempo zu förberu.
Paris, 13. J"»i. Ueber die gestrige Unterredung des Wiedkrausdaumiiiisters Rathenau mit beut Minister Loucher in Wiesbaden glaubt Philippe Millet, der Anolandspslitiker des „Petit Pariflen" einige Angaben machen zu können, objmar Loucheur dem „Mitin"» Beeireter lediglich erkläric, er fei sehr befriedigt; er habe mit Rathenau sehr nützliche Vcrhaudliingen ge- Pflogen, er könne sogar sagen: sehr notwendige, die in Paris mit den Vertreter« Rattevaus fortgesetzt werden und die den Sachverständigen d>« besten An- leitmigeii geben könnten. Nach dem „Petit Paristen" sind folgende Punkte besprochen worden:
1. Ersatz fur die 26 prozeNtige Abgabe o o u d e r A n s f u h r. Rathenau habe erklärt, bie e jährlichen Aenderungen unterworfene Abgabe sei ein zu großer unbekannter Faktor für die künftigen Budgets Deutichlanüs, er für sein Teil zöge ein System, ähnlich dem des Abkommens von Paris vor, bei beut die feststehende Jahreszahl wejenttich höher wäre.
2. habe Rathenau auch das System der Obligationen, das in London festgesetzt wurde, bemängelt. Es scheine, daß er andere Strebn mittel für nützlicher,hatte, zum Beispiel Wenpapiere, die Dru:>ch. land selbst auf dem Markt unterbrächte. Loucheur hab: lehr loyal erklärt, daß Tcullchland in bieiem öalle, also rur Anleihen, nicht auf bie Garantie der Alliierten rechnen dürfe.
3. habe oer dcutfche Minister über die S a ch- iieferungen gebrochen. Er habe betont, daß die «ageubUckUcheu Verhältnisse am dem Wcchielmarlt eine Frage von Leben und Tod für Dcutjchland seien und daß man be$oa.b Deutschland durch Nachlieferungen und GepeUuiig von ArdeilSlrasten seine Verpflichtungen erfüllen lassen solle. Hier habe der französische Minister, wie es scheme, verichiedene Fragen zur Betrachtung vorgcicgt, in der Hauptsache wohl die der Lerrechuuug der Sachlieterungcn, die narb den Ab-
machimgen im Laufe der LiefernngSjahre» erfolgen müßte. Loucheur habe gefragt, ob es nicht möglich fei, gemäß den industriellen Gepflogenheiten Zah- hingen auf eine längere Zeitdauer zu beschaffen. Er habe fernes die Aufmerksamkeit Rathenau« auch aus die Preisfrage gelenkt.
Paris, 13. Juni. (HavaS.) Zu der gestrige» Zusammenkunft zwischen Loucheur und Rathenau in Wiesbaden meldet die HavaS - Agebtur: Ebens» wie gestern hat die heute vormittag abgehaltene Besprechung sich lediglich ans die Frage der Reparationen und bie Rückerstattung im allgemeinen bezogen. Nach bet gestrigen Besprechung konnte man auf eine Detail. Erörterung gefaßt sein. ES scheint indes, daß Natbenau, obwohl er den lebhaften Wunsch zu einer Verständigung und zur baldigen Erlangung von positiven (Ergebnissen zeigte, sich bemühte, eine Erörterung der Einzelheiten zu verhindern. Trotzdem bleibt der allgemeine Eindruck befriedigend. Loucheur hat sich heute mittag sehr befriedigend geäußert und bestätigte, daß die Besprechungen in Pari» zwischen den frimzöfl- schen Sachverständigen und den Vertrctem de» deutschen WiederausbauministeriumS fortgesetzt würden.
Die Vorschläge Rathe«««» für Frankreich annehmbar.
Berli«, 14. Juni. Nach einer Meldung bei „Poff. Zt,.' aus Wiesbaden hat Wiederaufba» minifter Rathenou nach der letzten Konferenz mit den französischen M rütr Loucheur gestern nachmittag Wiesbaden verlasse», um nach Berlin zurückzukehren Minister Loucheur erklärte in einem Telephongesprtch, daß die Vorschläge Rathenaus einen genauen Pla» über den gesamten Wiederaufbau der zerstörten Gebiete enthielten, unter voller Berücksichtigung der frax» röfischen Gegenvorschläge und daß bie Vorschlag« Rathenau« für bie französische Regierung an»ebm bar seien. Louchenr ist gestern abend von Wie«badcn nach Pari» abgereist.
(Wir bedauern lebhaft, daß die Orientierung bet deutschen Orffentlichkeit durch französische P reffe» Meldungen geschehen muß. Die deutschen Behörde« haben wieder einmal, wie schon so oft, kläglich versagt BiS zur Stunde hat c« bie deutsche Amtrstell«, du hier in Frage kommt, noch nicht für nötig gehalten, einen objektiven Bericht über die Ministcrbesprechu«^«» beraiiSzugrden, sie verläßt stch ganz auf bie „Obies*
PoMifche Tagesberichte.
— Zu den Leipziger Prozessen. Im englische» Unterbause fragte ein Abgeordneter wieviel Deutsche angeklagt seien, Lazarettschiffe versenkt zu haben und ob in Anbetracht de« Freispruches des Leipziger Gericht» gegenüber demjenigen, der die „Dover Castle" versenkt holte, weil diese Tat auf höheren Befehl au»- geführt worden sei, man die Liste der Kriegsverbrecher abändern werde, um diejenigen darauf erscheinen zu lassen, die derartige Befehle gegeben hätten. Der Generalstaatsanwalt antwortete, baß einige Anklagen wegen der Vernichtung von Lazarettschiffen vorlägen. Die Eutscheiduug.n des Leipziger Gerichtshofes zögen nicht den Verlust der Rechte der Alliievten nach sich, die ihnen der Friedensvertrag gebe. Sobald bie Prozesse vor dem Leipziger Gerichte beendet feien mürben bie Alliierten gemeinsam beschließen, was zu tun sei — (Auch nach Beendigung der Prozesse in Leipzig soll anscheinend bie Verfolgung deutscher Soldaten fortbauern. Den Alliierten kommt e», wie es scheint darauf an, daß sich Deutschland durch bie Ä burteilung feiner Soldaten zunächst einmal selbst entehrt, um dann den letzten Trumpf, bestehend in weiteren Zwangsmaßnahmen auszuspielen. D. Red.)
— Man-atsvertuste der Kommunisten. Bei den gestrigen Kreistagswahleu für den ManSfelder Krci« haben die Kvminunlfteii, die bisher mit absoluter Mehrheit Herrichten, von ihren 13 Mandaten 6 verloren. Die S. P. D. gewann 3, die U. S. P. D. 2 und der Bürgerblock 1 Mandat.
— Belgien kann die Spa » Kohlen nicht mehr absetzen. Nach einer Blättermeldung au? Antwerpen sind bie durch das Spa - Abkommen an Belgien vvn Deutschland zu liefernden Kohlen nicht mehr abzujetzen, weil der Bedarf in Belgien mehr all genu, durch belgische Kohle gedeckt wird und durch bie Lagerung der Kohlen bisher Kosten in Höhe von 3 Millionen Framen entstanden.
— Zu dem keichisch-Femalistische« Konflikt.
Ueber den grlcchisch-kcmalistische« Konflikt erklärte Chamberlain im Unterhaus«, bie Haltung bet britische» Regierung im Kriege zwischen dem konstantiuijch«« Gnccheulaud und ben nationalistischen Türken fei von Anfang an streng neutral gewesen und andere B<- schlâsse seien nicht gefaßt «erben. Die Regierung habe noch die Hoffnung, daß sie gemeinsam mit ihren Alliierten ben Frieden zwischen ben Griechen und bex Tutten herdeiiührcn könne. — In Beantwortung einer anderen Anfrage erklärte Chamberlain, obwohl die britischen Behörden in Konstantinopel nur der britische» Regierung unterstände, fei doch die verfolgte Polinl im Linvernchmcn mit den Regierungen Frankreich» und Jlailen» feftgefieüt worden. Die britische Rc- gieruuj habe keinerlei Verpflichtung übernommen, bie Gliecheil gegen die Äemaliften militärisch aber finanziell zu unterstützen.
Zuchth««»strafe für eine« Pse«do»Hölz.
Da« anßcrortentlichc Krieg«t«richt in Halberstadt verurteilte den Kvmmnniste» Hermann Franke au« ©erb«, ber ben Putsch in Westeregeln unter dem Namen Max Hölz l»szeni«rt hatte, wegeu Hochverrat« zu 13 Jahren Zuchthaus unb zehn Jahren Ehrverlust. Franke ist in Dresden wegen der Un* ruheli in Tangermünde bereits z« 10 Sabrcn Zuchthaus verurteilt worbex«