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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Elast- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

D^rlagsleitung: Ad. Jndermühle. Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil Rickardöultsch:für lokalen und vrovinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brod t. alle in Sanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Sanaa. Fernsprechanschlülle Nr. 1237 und 1238.

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gr. 135

Das Neueste.

- Der Aufforderung zum Generalstreik in Bayern 8 nicht «Hgemeix Folge geleistet worden.

- Heute sollen in Berlin Demonstrationen gegen lflt Mord an dem bayrischen Abgeordneten Garn» iattfinden.

- Im ganzen deutschen Reiche fanden gestern Dtestkundgcbungen gegen die Zurückhaltung der noch in ZuâthanS zu Avignon und den Arbeitshäusern in Emir und Agay befindliche« 115 deutschen Kriegs- ângenen statt.

- Eine internationale Gruppe von Bankiers hat itt amerikanischen Regierug die Zusicherung Mim, daß künftig in allen Fragen, bei Jwtn die Weltfinanzen berührt würben, die Zu- stimmung der amerikanischen Finanzbehörde eingeholt selben solle.

- Die belgische Kammer hat mit 121 gegen 7 Momm das Gesetz betr. die Einführung des acht- jiünbigen Arbeitstages und der 48stündigen Arbeits­uche angenommen.

Aus Oberschlesien. Ein AotschreÜ

Der deutsche Plebiszitkommissar für Ober- ichlesièn, Dr. Urbanek, führt im Berliner Tageblatt in einem „Ein Notschrei" überschvie- benen Aufsatz aus:

Ach 3. Mai versprach die interalliierte Kom­mission in kürzester Frist die Wiederherstellung der Ordnung zu sichern. Seitdem sinh bald sechs Wochen verflossen. Mr erhalten täglich herz­zerreißende Berichte über die unglaublichen, immer trostloser werdenden Zustände. Allein aus der Gemeinde Hindenburg, deren Kern immer noch von den Behörden der interalliierten Kom­mission gehalten wird, sind üebr ' 460 Personen von den Polen weggeführt worden. Die Leiden der Deutschen sind unsäglich. Das blühende Land ®®ä ^èw Ruin entgegen. Das Schlimmste sind die politischen Gefahren der endlosen Verzöge­rung. Diese Verzögerung ist eine verewigte Pro- tochtion der Deutschen. Die Bür^" die ihre Heimstätten mit dem eigenen Leben zu vertei­digen bereit sind, werden hierzu nicht zugelassen. Die Bildung von Bürgerwehren, die in loyaler Weise wiederholt angeboten wurde, ist unter­sagt In der Stadt Beuchen befinden sich etwa 70 Abstimmungspolizisten, die während der In­surrektion treu aus geharrt und ihren "^^en nicht verlassen haben. Es scheint eine Selbstvenständ- lichkeit zu sein, daß diese ausgebildeten Mann­schaften in den Schutz der Stadt eingestellt wer- den. Der französische General Lecontre-Denis W dies nicht zu. Wer die Wohnungen der Datschen werden rigoros nach Waffen durch­sucht. In den letzten Tagen des Mai wurde eine Nüße Anzahl von Deutschen in Beuchen grund­los inhaftiert. Wir besitzen Protokolle von einer âNWhl^von ihnen, die von französischen Soldaten durch Faustschläge, Fußtritte und Schläge mit «r Reitpeitsche malträtiert wurden. In Beuchen, Kottowitz und anderen Orten ist es wiederholt

daß, sobald sich Menschenmassen dichter Mmmenfanden, sie mit Kolbenstößen und durch Schusse, selbst mit Maschinengewehrfeuer ausein- ^jagt wurden. Unwürdigkeit, Schmach und ârrot allenthalben. Es ist das ständige ernste -bemühen aller verantwortlichen deutschen Stellen, gequälten Deutschen Zurückhaltung und usierste Disziplin aufzuevlegen. Aber man be- ahre unser Volk vor der letzten Verzweiflung! *ie Repräsentanten der drei Schutzmächte haben IWl« Form gefunden, um dem General , Hofer Zurückhaltung seiner Truppen auf- .bon Truppen, die zum großen Teile f S .ö«trlebe.reu Deutschen des Jndustriegebie- ^eU' die darauf brennen, ihre Heimstätten Zugewinnen. Die englischen Bataillone sind or 8er Haltung, mit wundervoller tech- Ausrüstung in Oberschlesien eingetroffen. c:,„/7^^ochen hoffen und harren, daß General losschlägt. Aber der täglich erwartete hiTri+^T^ ^^ nicht geführt, das Wort von der d^-!.'^'u Polizei in Korfantys Flugblatt int^n^ Schlüssel sein zu dem „Dekret" der eraunerten Kommission vom 29. Mai 1921

Emrichtung der „Ortswehr" (carde OberM^r6 ■ ^^ deutschgesinnte Bevölk rung sn,„ J Asiens legt gegen dieses Dekret wusste an^^ln. Die Ortswehren tollen nichts k: ^^ i^ch als die Krönung des Aufstandes, a^s güu^^^^b^ng der Egebnisse der Rebellion. Es w, .? weisen Lande keine Autorität außer der Öffneten Faust der. Empörer.

^?^. vergewaltigten OberW^^'t erbittert unt-^^rksamkeit der Welt für den Hohn, der r klingendem Namen mit uns getrieben wird anm J^^n sind Personen, die an dem August- in hi? lü20 blutigen Anteil genommen b-^-en, ole Abstimmungspolizei ausgenommen worden.

Montag den 13. Juni

Eine ganze Anzahl von pTVrF"-.'arfru M"rd»rn haben die Ehre gehabt, Mitglied der Abstim­mungspolizei zu werden. Vom ersten bis zum letzten Mann sind die polnischen Abstimmungs- Polizisten in der Nacht vom 2. zum 3 Mai in den Dienst der Insurrektion getreten. Die deut- teben Avos aber, die allein, dem aeTff’rno-e^en Eide getreu, ihren Posten utfb das Prestige der interalliierten Kommisvon verleid 'of haben, wur­den von ihren polnischen Kameraden entwaffnet, ermordet oder verschleppt.

Wir rufen zrrm Schutz gegen die Kommunal­gardisten!

tppeln, 12. Juni. Bei den Verhandlungen Mit General Höfer versicherte die Interalliierte Kommission wiederholt auf das bestimmteste, daß sie den Insurgenten jede Kampshandlung untersagen werde. Wie sehr der deutsche Selbstschutz recht hatte, als er dielen Ver­sprechungen Le RondS mit großem Mißtrauen gegen­überstand, wird durch das weitere Verhalten der Insur­genten bewiesen. Diele entwickelten heute an der ganzen Kampflüste eine lebhafte Tätigkeit. Auch hinter der Front wurden Bewegungen beobachtet, die keineswegs auf eine Einstellung der Kampitätiakeit ober gar auf Ruhe Hinweisen. Allein Ratibor—Plania wurde nach­mittags durch die Polen mit 32 Artillerieschuß belegt Mehrere Ortschaften, die der deutsche Selbstschutz aus Aufforderung der Interalliierten Kommission für Entente- truppen freigemacht hatte, wurden heute von den Polen erneut besetzt. Dust Tatsache bestätigt, daß die gegen­wärtig von der Interalliierten Kommission den Insur­genten gegenüber getroffenen Maßnahmen nicht geeignet und ausreichend sind, um den Insurgenten ein Paroli zu bieten.

Der ESuverungrplan.

Breslau, 12. Juni. Die Interalliierte Kommis- sion in Oppeln hat einen Aktionsplan ausgestellt, mit dessen Durchführung sofort begonnen werden soll. Die deutschen Streitkräfte südlich ©leimig sollen den Auf­trag erhalten, sich auf das westliche Ufer der Oder zurückjuziehen, während die Polen an die Grenze zurückrücken sollen, die die Bezirke von Rybmk uxd iltatibor «vncuianpu -Jij&aak ^ftjfef tff,nt t < für die deutsch«esinnte Bevölkerung gegen eine Wiederholung der polnischen Terrors ist in diesem Plan, der den deutschen Stellen bereits in« offiziell zur Kenntm» gebracht wardcn ist, u i ch t d i e Rede. Au» den Streifen des Zwölferaus- schufst» wird demgegenüber der Standpunkt ver­treten, daß eine Räumung des van dem Selbstschutz besetzten Gebretc» erst in Frage kommt, wenn solche Garantien xicht nur gesichert, sondern pca'.usch bereit» durchgesührt sind. Der Auisiand müsse zunächst reit« lo» und wirksam niedergeschlagen sein. Leben und Eigentum der odcrschlcsischen Bevölkerung müsse ge- sichert und der alte Rechtrzusiaud wieder v-rge.i-llt werden. Damit hätte »er Sel»stschu, seinen Zw.ck erfüllt und lünne selbst»ersländlich ansgc.öst weiden. Dieser Zcitpuutt fei aber erst dann ge.ommen, wenn folgende Bedingungen erfüllt seien :

1. Die tatsächliche Entwaffnung der Insurgenten und die Entfernung der Truppe» uns Banden aus Oberschlcsicn; 2. eine toirtiauie und lück nlojc Sper­rung der Grenze gegen Polen; 3. Errichtung einer zentral geleiteten Pouieuruppe, die nur aus Leuten Besicht, die ihrer Perjönlrchteil unv ihrem Bor. eben nach geeignet fine und sich in keiner Wciic weder mittelbar noch unmittelbar an der po.nischeil Jnsur- retrion beteiligt haben. „Orttwehrcn" oder „©emetnee« wachen" müssen adge.ehut wer.cn; 4. Einte. rung von Strasocrsahien gegen die am Ausstan» Schuldigen, tcine Amnestie; 5. Beseitigung aller von den Jniur- gciitc» geschaffenen Jniiilutwncn, inibejonoece au dem Gebiete der Berwackuug; 6. ausreichender ui.li» lälischcr Schug der inouiuieUen Werte u.io oie ocut- schkii Ärveuswilligcu vor nationalem Terror zu be« wählen. Die vom Ausstan» TO lchwcc berroffcne ober« schlesische deutsche Bevölkerung verlangt Grnietzung geeigneter Instanzen, denen die Möglichkeit zu geiöäa« ren ist, sich von der Eriülluug dieser Bedingungen zu uderzeugeu.

Die Lage.

Oppeln, 11. Juni. Englische Truppen haben bei Uzest die Orte Pkiesorowig, Ruozinitz und Latjcha besetzt. Die Kampslaligtett der polnischen Ausständlichen hat heute wieder zugenoininen. Jm Kreise Rosenberg scheiterten bet âchowitz ein von polnischer Kavallerie unternommener Angriff unter schweren Bierlu,ten der Jnsurgenlen. Im Urei,« Oppeln wurde eine deutsche Postierung von 5 llllann bei Zamostte östlich Malpane von Ausrührern übersauen. Zwei 'JJiami wurden von den Polen verjchleppls die verstümmelten Leichen der drei übrigen Deutschen sind au,ge­funden worden. Im Strebe Gr. Strehlig ist in der Gegend von Sluoenoors ent polnischer Angriff im Gange. Ueber teilten Berkaus liegen Nachrichten bis zur Abendstunde noch nicht vor. Im Kreise Rativor herrscht an der OoerliNie lebhafte Feuerlatigteir. Bei Ptrededschau drangen die I,urgenten mit stärkeren ölrasten vor. tote wurden zuruckgewie.en. Goen,o scheitelten polnische Borstope bei Plania.

Berlin, 12. Juni. Die Polen räum­ten die Stellung bei Nauoor nicht. Plania bei Nakibor wurde un Lau,e des Tages mit Artillerie start bech-open. Der entstanoene Schaden ist noch nicht seftgestellt. Birawa wurde

1921

heute von den Franzosen besetzt. Trotzdem werden die Deutschen weiter mit Maschinen­gewehren aus dem Walde südöstlich von Alt- coiel und nördlich und südöstlich von Birawa beschossen. Zwischen Kandrzin und Medarhütte m richten die Polen einen starken Feuerüberfall mit Maschinengewehren und Infanterie. Die Polen räumten die Gegend nördlich von Rosen­berg. Südlich von Rosenberg und Guttentag ver- ftäckten sie sich. Die Polen richteten aufZemdowitz vier Angriffe, unterstützt von vier Ge­schützen. Bozitsch wurde von den Polen besetzt. Von der Bevölkerung von Bozitsch kommen an­dauernd Hilferufe. Die Stadt Ratibor wurde von den Insurgenten mit Artillerie und Ma­schinengewehren beschossen. Die Brücke bei La- patsch wurde von den Insurgenten durch Spreng­ungen vollständig zerstört. Von Benkowitz bis zur Grenze herrscht lebhafte Schanztätigkeit der Polen.

Kattowiü, 11. Juni. Es ist eine Verordnung ergangen, die in wortgetreuer Uebersetzung lautet: Es wird hiermit verordnet da^ alle Auf­schriften und Firmenschilder der Kaufleute, die in deutscher Sprache geschrieben sind, bis 27. Juni in polnische umgeändert werden müssen. Das ist zu tun auf rtffem Nn^-an-umd mit weißer Aufschrift Wer sich dieser obigen Verordnung widersetzt, wird bestraft mit 2000 bis i'"1000 Mark Geldstrafe oder drei Monaten Gefängnis. Neudorf, 8- Juni, (gez.) Waclawezk, Platzkom­mandant.

Die Folgen des Münchener Mordes.

München, 11. Juni. Der wegen der Ermordung W Abseordneten Garci» gestern Abend beschlossene Generalstreik für München, in den auch bie Straßen­bau mit einbezogen ist, bat seine Wirkung dadurch verloren, daß e» zu teinem geschlossenen allgemeinen Streik gekommen ist. Es ruhen nur bie arbeit betriebe, »âbrenb bie mErty und kleinen Betriebe arbeiten. Die Straßenbahn fährt nur mit freiwilligen Leuten in bc>chrHnktcm Umfang. EÜcnbsbn, Post, Elektrillkäts-, GaS- und Wasserkraftwerke sind im Betrieb. Zu irzendwelchen Zusammenstößen vSu Arbcitrwilliaen mit Streikenden ist e» bitber nicht gekommen. Eine für beute nach­mittag einberufene Versammlung, in der »er Abgeord­nete Auer sprechen sollte, wurde verboten. Infolge des Streiks sind bie Voltzeiwedr und die Reichswehr in erhöhter Bereitschaft. Die bürgerlichen Blätter er­scheinen nicht, dagegen vereinzelt bie linksstehenden Blätter. Ein Extrablatt des unabhängigen Organ» „Der Kampf", das gestern nachmittag erschien, ist io I gen seines aufreizenden Inhalts beschlagnahmt worden. Auch in Augsburg wurde heute von den Links Parteien wegen der Ermordnnz des Abgeord­neten Garos der Generalstreik proklamiert, der von Heute Vormittag 11 Uhr bis Montag nm Mttternacht dauern soll. Zur Zett findet im Staatsministerium ein Ministerrat statt. Von dem Mörder »es Abzeord- iieteit hat man bis jetzt noch keine Spur.

München, 12. Juni. Der Generalstreik hat bi» zum Sonntag keine besondere Ausdehnung erstürm. Die Straßenbahnen und auch die Eiscnbahnwcrk- liätie» arbeiten, doch wird dort andauernd zum Streit gedrängt. Bis Sonntag mittag war weder der Mör­der des Abg. Gareis-vervastet, noch eine Spur ent­deckt. Heute wurde ein Flugblatt beschlagnahmt, in dem zu e nev gemeinsames Kundgebung in sieben großen Säleu Münchens zu Montag eiuzelaöeu wurde. Auch war auf den Zetteln das Programm der Leichen­feier vermerkt, wonach ein Umzug von der Theresen- wleic nach dem Ostfrieohof geplant war. Die Lcranital- luug des Umzuges wurde durch »ie Pol.-Direkt. verboten. Ju Reu-Aubiug bei München wurde heute mittag eine Kommunisteuvcriammlung durch oie Münchener Polizei aufgehoben. Die Fraktion der bayrischen Volkspartei gat au bie Fraktion der unabbäugsschen Sozialoemo- trateu ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihren Avchc» über den Meuschelmord zum Ausdruck bringt. Die vom Streik betroffenen bürgerlichen Blätter haben heute ein gemeinsames Nachrichlenbatc auSgegeben das eine UeVervcht über bie wichtigen Tagesereignisse bringt.

Eine Interpellation im Reichstag.

Berlin, 12. Juni. Die Unabhängigen haben im Reichstag folgende Interpellation eingebracht:

„In der Nacht zum 10. Juni 1921 ist der bayrische Landtag lavgcoroneie ©aretS, Bouitzendcr der Frakl on der U. S. P. D. ermordet worden. Der Taler ist entkommen. GS steht;e.wch leit, daß das Verbrechen angeiufret wu>oe von den mouarchiftiichcu militärischen streuen, die sich unter Begann,>,ung »er Kayr-Rcgic- rung in den E<nwo.nicrwchcen uns Drge)d)|ounat onen Waffen für ihre reaktionären Pläne geschaffen nahen ^>as gescnti oie Regierung zu tun uw 1. eine aus» giebige Sühne für die Ermordung der Abg. Gareis zu aeivirten, 2. oie der Sichcrgeu Deutschlands im Innern und Llcuprin geiaororuigtiiocn E.nwohncriveöreu uno Ocge,ch,ornisuonen zur sofortigen Aukgebung zu vrutgeu uno ihre rehioie Eiuwap ang zu sichern. 3. in Bayern verfassungsmüzige Zuganse y:rve,ju,ühren nur.» Oeieitigung des Au»nallmc,uäanacs uno der oouSgcu^te. Was geoentt sie 4. zn tun, um die »criaiiuilgswidrigeil, nattiouâren Uimricbeii in Bayc.n ooiichuuieiiienoc staar = yleg.trung daran zu hindern, wettere» Unheil anjurichten'.

Gegen die rhein. Selbstündigkeils- bestrebungen.

Den Bestrebungen des Rheinbandes nach größerer Selbständigkeit im Rastmen des Deut­schen Reiches entsprechend der wirtschaftliches politischen und kulturellen Bedeutung des Rhâ^ landes soll bekanntlich durch Artikel 18 hei Reichsverfassung Rechnung getragen werden. Jr den Kreisen der Politiker, die in diesem Fall« sicherlich die Mehrheit des rheinischen Volkes vertreten, ist man nun aufgrund der eifriger ftanzösischen Propaganda um Loslösung deè Rheinland es von Preußen und Deutschland zu der Ueberzeugung gekommen, daß es dem deutschen Einheitsgedanken förderlich und dienlich ist wenn eine Abstimmung über eine Selbständig­keit der Rheinprovinz vorerst unterbleibt. Der Eindruck wächst beständig im Rheinland, der Wunsch, sich von Deutschland unabhängig zv machen, könnte der ftanzösischen Propaganda rein äußerlich genommen eine gewisse Berechtigung geben. Darum haben die Demokratische Partei die sozialdemokratische Partei, die deutsche Volks- Partei, das Zentrum und die deutschnationale Partei des Rheinlandes folgende in Königswin- ter gemeinschaftlich am 9. Juni gefaßte Er­klärung zur Veröffentlichung beschlossen:

Wir erklären in Uebereinstimmnna mit bet von unseren Parteivertretern im rheinischen Pro vinziallandtag eingenommenen Stellung, daß für die Dauer der Besetzung des rheinischen Ge­biets jede Abstimmung aufgrund des Artikels 18 der Verfassung auch nach Ablauf der im Art 167 vorgesehenen Sperrfrist im Rheinland nicht statt« finden darf. Wir erwarten, daß auch in anderen Landesteilen mit Rücksicht auf die Lage int be­setzten Gebiet die Abstimmungsbesirebungen bis -u diesem Zeitpunkt ruhen, wenn nickt überhaupt i bie Sperrfrist auf gesetzlich-em Wege verlängert wird.

Das Urteil im Aamöohr-Prozetz.

Im Prozeß Ramdohr wurde am Samstag nachmittag das Urteil verkündet. Der Angetlagtc wurde freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens wurden der Reichskasse auferlegt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. In der Begrün­dung des Urteils wurde u. a. ausgeführt: Der Angeklagte war dringend verdächtigt, jugendliche Personen, um sie zum Geständnis zu bringen, mißhandelt zu haben. Aber ein onsreichender Beweis für einen bestimmten Einzelsall wurde nicht erbracht. Gerade die Gleichmäßigkeit der Beschuldigungen und der Umstand, daß verschie­dene Zeugen bewußt unwahr aussagton und Vorgänge schilderten, die erwiesenermaßen nicht vorgekomnien sind, mußten dazu führen, die Fest­stellung eines strafbaren Tatbestandes als aus­geschlossen erscheinen zu lassen. Ob die angeb­lichen Mißhandlungen dmch den Angeklagten oder sonst jemand begangen wurden, war nicht festzustellen. Andererseits bekundeten glaubwür­dige deutsche Zeugen, daß sie niemals Mißhand­lungen bemerkt haben. Objektiv wcrr der Ange­klagte zur Festnahme auch der StrafunmündigLn berechtigt, wenn er durch diese Festnahme weitere Straftaten verhindern wollte. Daß diese Absicht den Angeklagten leitete, ist nicht zu widerlegen. Jedenfalls war er fest davon durchdrungen, daß er befugterweise handelte, wenn er die Jugend­lichen sestnahm und sie zur Ablieferung an die zuständige Behörde festhielt. Es handelte sich um die gest nannte jugendlicher sehr beweglicher Per­sonen. Es war natürlich, daß der Angeklagte es für erforderlich hielt, sie am Entweichen zu ver­hindern. Eine absichtliche Verzögerung der An­gelegenheit mit dem Bewußtsein, daß die Dauer der Haft dadurch^ verlängert werde, ist nicht nach­gewiesen. In Ermangelung eines ausreichenden Beweises irgendwelcher strafbarer Handlungen muhte der Angeklagte freigesprochLN werden.

— Schwarze Franzosen als Wächter ihre» weißen Brüder. Ueber den Zusammenstoß zwi­schen weißen und farbigen Franzosen, der ant 5. Juni auf dem Saarbrückener Bahnhof statt- fänd, werden jetzt einige Einzelheiten bekannt. Ein aus weißen Franzosen b-'stehendar Truppen­transport plünderte die Kantine auf dem Bahn­hof Saarbrücken- Auf diese Au.-. ceitunoen hin wurden die nachfolgenden Truppentransporte auf dem Bahnhof durch eine dichte Postenkette far­biger Koloaialtruppcn in - Empfang genommen. Die farbigen Franzosen hinderten ihre weißen Landsleute mit vorgehaltenem Seitengewehr daran, den Zug zu verlassen. Trotz der so oft betonten früheren Kameradschaft zwischen far­bigen und weißen Franmsen wollten sich die weißen Franzosen das Einschreiten der farbigen Landsleute nicht gefallen lallen und so kam es »u den widerlichsten Schimpfereien^ —