Einzelbild herunterladen
 

Einrückungsgebühr:

Die8gesv. Kolonelzeile oder deren Raum 1.50 Mk die zgeso. Zeile im Reklameteil 4.50 SRL Finanzinserate 1.70Mk. Offertgebühr 30 Pfg. B e r u g s o r e i s: Viertel- iäbrl. 14.40 Mk.,monatl. 4.80 Mk f. Postbezug viertel» jäbrl. 15.90 Mk. monatl.5.30Mk. Die Nummer A) Pfg.

Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

Generm-Anzelger

AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

seiger

Verlagslei tuns: Ad. Jndermüble.' Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil ' Richard Sultich: für lokalen und provinziellen Teil i sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und ; Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hana», i Fernivrechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

8t. 132

Donnerslag den 9. Juni

1921

Das Neueste.

I Zm Reichtzwrrtschafttzrat hielt gestern der Reichs- i [|ler eine Rede über die Lage.

Der RechtSauSschiiß des Reichstages nahm den ; Sksttzintwurf über den Volksentscheid in 1. Lesung an.

DerPetit Paristen" glaubt, daß der Oberste 8 W « den letzten Junitagen Zusammentritt.

- Aus Oberschlesien laufen weitere Nachrichten ßbn bolschewistische Bestrebungen ein.

Die Stadt Stattbor haben die Polen unter Krtilleriefeuer genommen.

Der Reichskanzler über die Lage

I Im Reichswirtschaftsrat ergriff gestern vor I Antritt in die Tagesordnung Reichskanzler Dr. Wirth das Wort und machte folgende Ausfüh­rungen:

I Die Lage ist durch unser Jawort geklärt. Un- k Mrt ist die Frage der Einzelheiten, die aus I jem Ultimatum erwachsen. Wir haben in unse- I ter Außenpolitik, auch was die oberschlesische I fstage angeht, dem Gedanken Rechnung getragen, I xr der Leitstern in unserer Politik ist. Auch in i ler oberschlesischen Frage haben wir I versucht, das Verhältnis der Deutschen zur Jn- k kmIliierten Kommission und zu den Polen auf I dem Boden der Verständigung zu lösen, ohne I daß die Waffen im Bürgerkrieg das letzte Wort zu sprechen haben und ohne daß ein allgemeiner k Wirrwarr in Europa entsteht. Das Recht, daß I die ober schlesische Frage auf dem Boden des I Rechtes gelöst werden muß, ist eines der weni- I gen uns verbliebenen Rechte. Aber von diesem 8 Rechte, das in der oberschlesischen Frage nicht durch Diktatur enffchieden werden darf, dürfen ! â niemals abgehen. (Lebhafter Beifall.) Nun

lieren. Es können da und dort Störungen eintreten und sind eingetreten. Aber darüber ist sich doch die Welt klar, daß das deutsche Volk in Oberschlesien und der Selbstschutz eine Engels­geduld an den Tag gelegt haben, dis die Welt selbst schwer verstehen kann. (Sehr richtig.) Diese Geduld machen wir ihnen auch fernerhin zur Pflicht, daß sie ausharren, bis durch einen Schiedsspruch der alliierten Mächte die Frage ge­löst ist. Sie kann nur gelöst werden unter ge­rechter Würdigung der oberschlesischen Abstim­mung. Das ist der Ausdruck des demokratischen Lebens und ich wüßte nicht, wie Mächte, die sich selbst zur Demokratie bekennen, an dem offenen Bekenntnis des oberschlesischen Volkes, das sich mit großer Mehrheit für Deutschland entschieden hat, Vorbeigehen können. (Sehr richtig.) Das >vird der Prüfstein sein für die demokratische Entwickelung Europas, ob das Recht des obe^ Menschen Volkes Gehör findet, und es muß E'ehör finden. Damit habe ich die erste Gelegen­heit benutzt, um mich in Ihrer Mitte vorzu­stellen, um Sie zu bitten um Ihre Mitarbeit an der großen Frage der Erfüllung des Ultimatums. Die jetzige Regierung will nfüllen,^was in Menschenkräften steht. Allein ms Leistungsprinzip kann die Welt von dem guten Willen des deutschen Volkes überzeugen, alles aufzubieten, was in Menschenkräften steht.

brauche ich Ihre Mitarbeit. In den näch­sten Wochen und Monaten wird sich entscheiden, der Reichswirtschaftsrat im deutschen Volke ^ne große Bedeutung bekommt oder nicht. Ich iverde jederzeit in den großen Fragen, die es zu gibt, Gelegenheit nehmen, in den Aus- dort liegt ja der Schwerpunkt Ihrer Arbeiten, mit Jin'n die nötigen Maßnahmen zu beraten. (Beifall.) Es handelt sich insbe- Mdere um die A u s f u h r a b g a b e, um die ^siiMung eines neuen Index. Vielleicht hat die Welt schon heute überzeugt, daß die Horm, in der die 26prozentige Ausfuhrabgabe stfiatlgt werden soll, nicht Rücksicht nimmt auf Me Belebung der deutschen Wirtschaft. Die Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft sind auch Schwierigkeiten für die europäische und die Dejamtweltwirtschast. Wir müssen innere Lei- stungen vollbringen zur ErMung der Repa- rationsaufgaben. Das ist die gigantischste Auf-

Welt je gesehen hat. Ich erinnere wch noch aus den Tagen der Nationalversamm­lung, als damals die ersten Probleme der steuer- "P.n Gesetzgebung vorgelegt wurden, w.e pessi- alles beurteilt wurde. Schauen Sie heute die Steuereingänge der letzten Monate an. Niemand hätte damals geglaubt, daß wir in blner jo verhältnismäßig kurzen Zeit des Veran- iagungsgeschäfts alles in allem weit über vierzig Milliarden im Geschäftsjahr 1920 vereinnabmt Wen. Politik ist der Weg des Optimismus, der «eg des Mutes, der die Dinge anzreift. Die Zucker- und Süßstoff-Steuer liegt

beim Reichsrat. Die Branntweinvor­lage ist bereits in seinem Ausschuß 'dur^ be­raten und wird dem Reichstag nächste Woche zu­gehen. Die Kapitälverkehrsst euern sind im Finanzministerium fertig und dieses wird Ihnen die Vorlagen in den nässten Tagen zur Beurteilung vorlogen. Die Getränke- steuer ist auch vorbereitet. Dasselbe ist der Fall bei der U m s a tz st e u e r, die auch in weni­gen Tagen in der Beratung soweit fortgeschritten ist, daß mit Ihren Ausschüssen Fühlung genom­men werden kann. Dieses letzte Problem berührt sich mit der Frage, inwieweit die Aussuhrab- gabe mit einem E i n f u h r u m s a tz in Verbin­dung gesetzt werden kann. Bei günstigster Aus­gestaltung der in Vorbereitung befindli^en Ge­setzentwürfe werden wir dem Reich einen feh- großen Teil neuer Einnahmen zusühren können Dann allerdings werden neue Probleme auf­tauchen im Zusammenhang mit der Kohle und wie weit das Reich genötigt sein wird, die Frage der Geldwerte zu diskutieren. Bekommen Sie nicht schon rote Köpfe. Ich persönlich werde mich freihalten von jedem E'-veri- ment, das von vornherein den Charakter des Experiments an der Stirn trägt. (Beifall.) Aber wenn unsere Politik von Erfolg sein soll und sie war doch nicht ganz ohne Erfolg, denn die inter­nationale Entspannung der Welt ist eine außer­ordentliche gewesen, dann müssen wir diese Ent­spannung aufrecht erhalten und pfleglich' behan deln, damit neuer Zündstoff nicht entstehen kann. (Sehr richtig.) Alle Kreise des Volkes müssen sich darüber klar , sein, daß ohne Opfer ein Weg zur Freiheit für das deutsche Volk nicht gefun­den werden kann. Nicht der Gedanke der Schlachtfelder und neuer Kämpfe weist der deut-

und Weg, sondern dur

Arbeit und Produktron allein kann die Freiheitdes Vaterlandes wiedergewonnen werden. In diesem Gedanken bitte ich Sie um Ihre Unterstützung und tatkräftige Mitarbeit.

Churchill für einen aufrichligen . Frieden.

London, 9. JMi. In einer Rede in Man­chester sagte Churchill: Wohin gehen wir in Emopa? Brachte der große Krieg die Sicher­heit eines dauernden Friedens? Es führt zu nichts, bloß über den Frieden zu reden, wenn wir nicht einen solchen Kurs steuern, daß der Friede von den kämpfenden und leidenden Völ­kern der Welt tatsächlich vollendet geführt und aufrecht erhalten wird, wenn wir den besiegten Völkern der Welt ihren Anteil an der wieder­kehrenden Sicherheit nicht geben. Es ist nicht gut, sich auf das Papier des Völkerbundes zu verlassen. Wenn wir Europa wieder auf die Füße stellen wollen, gibt es meiner Meinung nach n u r e i n e n W e g. Es muß ein auf­richtiger Friede zwischen Großbri­tannien, Frankreich und Deutsch­land bestehen. (Beifall.)

Aus Oberschlesieu.

Verschärfung der Streiklage,

Berlin, 8. Juni. Mit Ausnahme einiger örtlicher Kampfhandlungen herrschte heute im allgemeinen an der von den polnischen Banden besetzten Linie Ruhe. Stärkere Feuertätigkeit wurde von Wissoka gemeldet. Angriffe der In­surgenten gegen den Güterbahnhof von Kandrzin scheiterten.

Waldenburg, 8. Juni. Der Ausstano im Waldenburger Bergrevier, der von der Streik­leitung als beendet bezeichnet worden war, er­fuhr dadurch eine Verschärfung, daß die radi­kalen Elemente beschlossen, weiterzustreiken. Demonstrationszüge und Versammlungen wur­den veranstaltet. Zu Ausschreitungen ist es bis­her nicht gekommen.

(Bekanntlich geht der abenteuerliche Plan dieser radikalen Elemente dahin, daß sie glauben, von Oberschlesien aus eineWeltrevolution vor­wärts treiben" zu können. Man glaubt, in lur- zester Frist auch die Braunkohlenrevie.e in Mitteldeutschland stillegen zu können. D. Red.)

Waldenburg, 8. Juni. Als Montag morgen die Belegschaften auf Grund des B<>> ausses der Streikleitung ihre Tätigkeit aufnehmen wellen, rottete sich in den verschiedenen Schächten eine Reihe von Kommunisten zusammen und versuchte, den Zutritt der Arbeitswilligen zu den Schächten zu verhindern. Um 9 Uhr fand eine Der'nmm- lung der kommunistischen Arbeiter statt, in der die Forderung ausgestellt wurde, daß bis 12 Uhr ein Beschluß der Betriebsrä'c herbe''ufnh"en H den Streit weiterzuführen. Sie drohten mit Ab­setzung der Streikleitung!, an deren Stelle eine neue gewählt werden solle, die den Streik fort-

zusetzen habe. Von den zuständigen ^e-mrien sind alle Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet worden. Zur Sicherung der Arbeitswilligen wurde bereits Schutzpolizei eir"'r'*"t worauf­hin setzten die Kommunisten ihre Drohung in die Tat um. Die bisherige Streikleitung ist durch eine kommunistische ersetzt worden. Gleich'eit'g wurden kommunistische Aktionsausschüsse und Kommissionen gebildet, die für die Besetzung der Schächte Sorge tragen und den Zutritt der Arbeitswilligen zu ihnen un­möglich machen.

Ratibor unter Artilleriefeuer.

Ratibor, 8. Juni. Nachdem seit Samstag die Vorstadt Plania unter polnischem Artillerie­feuer lag. richteten die Insurgenten heute mor­gen gegen vier Uhr eine Anzahl 7,5-Granten in oas Stadtinnere.

Zu dem Feuerüberfall der polnischen Insur­genten wird weiter gemeldet:. In der Frühe gegen 4 Uhr unternahmen die Polen einen Feuerüberfall auf den Vorort Plania, wo^. sie vorzugehen versuchten. Sie wurden jedoch durch schwere und leichte Maschinengewehre und durch Gewehrschnellseuer zurückgetrieben. Darauf be­legten sie die Stadt und hauptsächlich die Schloßbrücke mit Granaten und Minen, richteten aber keinen Schaden an. Auf der Oderstraße durchschlug eine Grâte das Dach eines Dauses, ohne zu krepieren. In der Stadt wurden Ge- wsbrgeschosse aufgefunden, die deutlich als Ex- plosionsgeschosse und zu Dumdumgeschossen um­gearbeitete Kugeln österreichischer Herkunft zu erkennen waren. In den letzten Tagen wurden von verirrten Kugeln 10 Personen verwundet, darunter ein italienischer Soldat schwer.

Höfer über den Selbstschutz.

General Höfer, erklärte im Verlauf einer Unsers red urla mit Pressevertretern, daß er die Ent­setzung von Gleiwitz durch die Engländer für den Anfang der Säuberungsakt, ion W'e. Soll­ten die interalliierten Truppen für die energische Säuberung des Industriegebietes nicht aus­reichen, so sei der Selbstschutz bereit, sich dem interalliierten Befehl unterzuordnen und jede ihm übertragene Aufgabe loyal dur^'uführen. Höfer betonte, daß er mit offenen Karten spiele. Er habe seine sämtlichen Pläne dem englischen Oberbefehlshaber ausgeliefert. Zum Schluß be­tonte Höfer, daß der Selbstschutz keine partei­politische Färbung trage.

Englische Aeußerungen.

London, 8. Juni. DieDaily News" schreibt in einemDas oberschlesische Chaos" über­schriebenen Leitartikel, das Verfahren der Alli­ierten bei der Aufrechterhaltung der Ordnung in der oberschlesischen Provinz habe eine fast un­erträgliche Lage geschaffen. Es bestehe jetzt die Gefahr ,daß die alliierten Truppen zu einer ern­sten Atron gezwungen wären. Das Blatt be- zweiselt, daß sie sich für die ihnen gegenüber- stehenden Aufgaben als zureichend erweisen, aber weder Frankreich noch England wollten mehr Truppen nach Oberschlesien senden. DieDaily News" tritt dafür ein, daß die Alliierten die Zukunft Oberschlesiens entscheiden und wenn ihre eigenen Truppen die Ordnung nicht auf­rechterhalten könnten, Deutschland und Polen in den verschiedenen Teilen der Provinz, die ihnen angewiesen würden, selbst handeln lallen sollten. Dies könne wobl einen schweren Zusammenstoß an der neuen Grenze zur Folge haben sowie ernste Gefahren für die Minderheiten in beiden Gebieten; dagegen könnten jedoch "ewisse Maß­nahmen getroffen werden und schlimmstenfalls verspräche diese Lösung immer noch besser zu 'ein als die hoffnungslose Politik des Still­sitzens und Zusehens, bei der die Lage immer schlimmer werde.

Die wirlschaMichs Abschnürung der Rheinlanve.

F'ankrcich hat auf seinem Wege zur volit scheu und wirttcha'tlichcn Ab'cknürung der Rheinland» von Tnt'chlan» wieder einmal eine groie Etavpe zurück- gelegt. Tie durch die »irt'cha ilicken Zwangsmaß- nadmrn am Rlein bcrheigeiüdrte kilaüropdale Lage der Nbcinlandindnstrit wird jetzt von den sranröäsckcn Indusl<icllru benutzt, um dem französischen Kapital I- ne I sevc großen Einfluß im Nbeinlande zu sichern. Daß diei's Verfahren jetzt sogar großartig organisiert wird und »psicmat sch betrieben werden soll, bewein e ne in Metz abgebalttne fionfeynj framöfiieher Bankdirettorm uno Judustr'eller, in der über eine weitere B teihgnng des fran.öfiidnn Kapitals in der 3 bunne de» beietzlen Rderiilender beraten wiride. Ek Winde be'ont, daß freie Beteiligung von den IN Bciracht lomwenden sranzösncknn Ministerien in letzter 'teil Wiede, bot gewünscht wurde. Die sranzömcht Legierung stellt nun zwar keine direkten Mittel zur Lcrküauna. sie erklärt sich aber bereit, diesen Plan

anbertoeitr« in unterstützen, wobei dieseranderweitig" non jedem Kenner d'r rheinischen Verhältnisse ju durch» stauen ist. Nick bietet Tagung in Metz wurde do? sranzöflsche Kov'tal direkt auf eine Reibe von Fab­riken aufmerksam nemacht, wo diese Beteiligung am dringendsten notwendig sei. Er handelt sich natürlich vorneb-nlich um chemische Fabriken. Hand in Hand mit diesensogenannten Be>trebuueen" wirtschaftlicher Durchdrinaung gebt momentan die Absicht, bat deutsch« Sv-rituSmonovol durch die Herbeiführung eine« fran» -Ssischen SpirituSsondermonovol im Rheinland rv durchbrechen. Die Sreffe bei besetzten Gebietes macht energisch darauf aufmerksam, daß dar Rbeinlant ohnehin mit französischen Kognak und Likören aber schwemmt wird. An dieser übermäßigen Einfuhr von französischem Branntwein und LuruSwaren trägt du Au»- und Einfuhrbewiflignng-stelle in Bad Ems einen großen Teil der Schuld. Mit Sitz dieser von bee Alliiert-n errichteten Stelle hat sich in letzter Zeit eine An'abl VermittlunorbüroS ausgemacht, die sich ans nicht einwandfreie Weise, nämlich unter Mitwirkung der Aussichtssielle der Alliierten Ein- und AnSluhr scheine für LuruS- und Echieberwaren zu verschaffen mußten. Dieser Mißwirtschaft ist nun zwar durch eine Verfügung der alliierten Rheinlandkommission in gewisser Weise Einbalt getan worden, jedoch wird die gänzliche Zerrüttung der rheinischen Wirtschaftslebens und der wachsende Einfluß der französischen Kavitall nicht auftubalt n sein, wenn nicht endlich die Zwangs­maßnahmen fallen.

Die Christlichen Gewerkschaften fordern Auf­hebung der Sanktionen.

@r<L »S'n, 8. Jnni. Der Wirtschaftsausschuß der Erjstlichen Gewerkschaften des besetzten Gebietes hat folgende Reiaüition, die auch der interalliierten Komm'ssion in Koblenz übermittelt werden wird gefaßt:

Der Wirtschaftsausschuß der Tbristlichen Gewerk­schaften für dar besetzte Rheinlandgebiet erbebt namenS der im Deutschen Gewerkschasttbunde organisierten Arbeiter. Angestellten und Beamten des Rheinländer den schärfsten Brätelt gegen die weitere Aulrechterhal- tuna her Sanktionen. Ra.bdem die deutsche Regierung Me .oeüMenM-ijgi. U-r^HWMMe. deLLrichärrste' äff-ntlich und feierlich anerkannt bat, daß Deutschland b-e übernommenen Vervflichtungen getreu zu erfüllen bestrebt sein wird und die fällige Zahlung bereif« ge» leistet tfl, widerspricht die Aufrechterhaltung der Sank­tionen nicht nur dem formalen Recht der Trieben«« v-rtra"er, sondern auch jedem treuen Glauben im internationalen Verkehr der Völker. Infolge der ge­troffenen Maßnahmen ist im gesamten Sitieingebiet eine schwere Störung des Wirtschaftklebenr eingetreten. Die Erhebung der Zölle an der Westgrenze in Ver­bindung mit den dadurch bedingten Störungen im Verkehrsleben bat fast alle größeren Werke zu Betriebs- einfdi-önfnnaen gezwungen. Damit wurde die Ar- beiterschaft ,u einem großen Teile zur Arbeitslosigkeit und zur Kurzarbeit verurteilt. Großer Elend ist die Folge davon. Arbeitrlosigkeit und Kurzarbeit werden umso drückender empfunden, weil die Aufrechterhaltung Vr Sanktionen eine weitere erhebliche Teuerung der Leb'n»baltung zur Folge bat. Der wirtschaftliche Ausschuß der Christlichen Gewerkschaften des deutscher Gewerk'chastkbunder fordert daher die sofortige restlose Aufhebung der Sanktionen und erwartet von der deutschen Reichsregierung, daß ihrerseits zur Erreichung des Zieles nichts unversucht gelassen wird.

Polttische Tagesberichte.

Die deutschen Reparationsleistungen. Aus New-Pork wird gemeldet: Deutschland hat bei der Federal Reserve Bank 10 Millionen Eioldmark deponiert, die auf das Konto der Reparationen geben. Er sind somit bir jetzt inrge'amt 45 Millionen Goldmark eingezahlt worden.

Der Kommunistenführer Max Levin verhaftet. Einer Meldung derVoss. Ztg." zufolge wurde in einer Wiener Pension der Kommunistenführer Max Levin aur Bayern verhaftet. Levin hielt sich in Wien unter dem Namen eines Dr. Seidler auf.

Amerika und Mexiko. Rach einer Havar, Meldung aus Washington ist der Entwurf eines Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko am *27. Mai dem Präsidenten Obregon zugestellt worden, der darauf einen Ministerrat einberufen hat. Bekanntlich würd« die Unterzeichnung dieser Vertrages automatisch zur Anerkennung bet mexikanischen Regierung durch die Vereinigten Staaten führen. Rach einer weiteren Melduung aus Mexiko hat Präsident Obregon ein Dekret unterzeichnet, wonach vom 1. Juli ab der Ausfuhrzoll für Petroleum um durchschnittlich 25 Prozent er- höbt wird. Man glaubt, daß die Staatsein­nahmen dadurch um 30 Millionen Peso» pro Jahr erhöht werden. Diese Mehreinnahmen sollen ausschließlich zu Tilgung der ausländischen Schuld Diexikos dienen.

Zum englischen Bergarbeiterstreik. Wie Havas meldet, hat der Vollzugsausschuß bei englischen Bergleute beschlossen, die Vertreter der Bergleute zu einer Konferenz am 10. Juni einzuladen und rät den Mitgliedem an, die Vorschläge der Grubenbesitzer zur Abstimmung iu unterbreiten,