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Anzeiger
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sonett
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in 131
Mittwoch den 8. Juni
1921
Das Neueste.
i — Die deutsche Negierung soll Seneral Höfer zum i ®Äj.Ug in Oberschlcsien aufgefordert haben.
r2 Die Union der Völkerbunddvereinigungen emp- M dem Völkerbund die Aufnahme Deutschlands in
Der preußische Landtag überwies nach zwei- - Haider Debatte den Etat an den HauShaltSausschuß vertagte sich bis zum 14. Juni.
r _ Wie die englischen Blätter melden, wird Churchill lägen seine langerwartete UnterhauSrede über den imitieren Osten halten.
r - Die französische Kammer hat den Vertrag von Mianon mit 478 gegen 74 Stimmen angenommen.
I - Blättermeldungen aus Smyrna zufolge sollen Musische Geistliche in Kilizien nicdergcmetzelt sein.
DneAnlerredung mit Dr. Wirth.
I Reichskanzler Dr. Wirth hat dem Berliner | Korrespondenten des „Matin" eine Unterredung l gewährt und u. a. gesagt, die Konferenz hon SH sei eine schwere Probe für Frankreich und Deutschland gewesen. Das Deutsche Reich Habe den Alliierten damals in einer vollen wirt- Mstlichen Krisis einen beträchtlichen Teil sei- inei Kohlenproduktion abtreten müssen. Wenn er ßtamls die deutsche Politik geleitet hätte, hätte er der Entente eine sehr große Summe als Re- ^Mtion angeboten, dann hätte sich der politische Horizont ein wenig ° früher aufgehellt, man hätte ; eine kostbare Zeit gewonnen. Seit Spa hätten -sich die Beziehungen zwischen Frankreich und - Deutschland immer mehr und mehr verschlechtert. Weshalb glaube er, daß die Londoner Konferenz unter ungünstigen psychologischen Bedingungen begonnen worden sei. Es sei aber bedauerlich, daß die Verhandlungen gescheitert seien. Die KW MMâ Regierung, unterstützt von der großen Mehrheit des deutschen Volkes, werde die Bedingungen des Ultimatums ausführen. Nach mehr oder weniger zurechtgemachten Statistiken kann man unmöglich die Produktione'-^-Weit Deutschlands sestsetzon. Das sei ein akademisches Spiel, an dem gewisse Volkswirtschaftler Gefallen finden, das aber von den Politikern nicht ernstgenommen zu werden brauche, die ganz genau wüßten, welchen UeberraschungLn man sich aus setzen würde, wenn man im V or aus d i e industriellen zukünftigen Kurse Deuii^lands festlegen wolle. Die Regierung werde sich darauf beschränken, die praktischste Methode zu suchen, um die Reparationspflicht in vollem Umfange zu erfüllen. Mehr als alle Reden seien Geldzahlungen und Sachleistungen geeignet, den Weg ?u einer Annäherung zu gehen. J-nsbesonders iverde er alle Sorgfalt daraus verwenden, daß in den angeführten Zeiträumen das Ultimatum ein- S titelten werde.
Der Reichskanzler sprach dann über die Entwaffnungsfrage in Bayern, die er in günstiger Weise beurteilte. Er sagte, er sei überzeugt, daß es in Bayern keine g-">eime Waffendepots gebe und daß es in einigen Tagen me Bürgerwaffen und die schweren Wal^n ab- uefern werde.
Was Ober sch lesien anbelangt, so erklärte Dr. Wirth, General Höfer sei Oberschlesier, verteidige feine von polnischen Aufständischen bedrohten Landsleute. Es sei ein tapferer Soldat und ein sehr entgegenkommender la" Er die feste Hoffnung, daß die Interalliierte Kommtsfion in diesen Tagen mit ihm ein Abkom- En treffen werde. Er, Dr. Wirth, besitze keine Autorität über den General oder über keine Truppen, er werde jedoch das nötigste tun, um ein« Einigung zwischen den Parteien zu erleich- «rn. Besondere Gerechtigkeit müsse er der deut- ichen Bevölkerung in Oberschlesien angedeihen Usen. Sie habe Beweise einer wahrhaften Engelsgeduld gegeben, unterstüßt von der Hoffnung daß Oberschlesien deutsch bleiben würde. ^Oberfchlesier glaubten nicht mehr an die Ge- Wigteit. Das sei eine sehr gefährliche Geistes- MsuM. Es sei jetzt endlich Zeit, daß die 'WmKnerte Kommission die Rechte und das veven del deutschen Bevölkerung schütze.. Tue nicht, dann sei Oberschlesien vom Bürger- Ueg bedroht. Niemand sei verpflichtet, seinen dem Würger darzubieten.
„ Wirch erklärte weiter, noch vor Weihnachten werde das erste Drittel des Reichs- na top fers eingegangen sein. Den notwen- lgen Teil der Einnahmen für die Ausführung Reparationen werde et durch direkte mauern verlangen. Das einzige Ziel seiner irnluik sei, die Bedingungen des Ultimatums R .^Nillen. Er wünsche mit allen ^ar = ""n in der Regierung zusammen »u arbeiten.
Oberschlesien,
Die deutschen Vorstellungen in London, Paris und Rom. -r Die Haltung der Atti- ierteu. — Weitere SluSschreitunge»» der Insurgenten.
Die englische Regierung bat die beitUdie Regierung benachrichtigt, daß in Bälde genna alliierte Truppen 'N Ober'chlesien seien, um die setzt berrfebenben Nn- rnben zu unterdrücken und daß infolgedessen die deut'chen Vorschläge, die britische» Truppen in Oberschlesien zu unterstützen, überflüssig und dazu angetan seien, die Schwierigkeiten der augenblicklichen Lage eher zu ver- mebren, als zu vermindern.
Die Havas-Agentur teilt mit, daß der deutsche Botschafter Dr. Mayer gestern abend beim Gcn-ralie'retär des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, Philip Berthelot, einen ähnlichen Schritt unternommen habe wie sein Kollege in London, um gegen die Drohung Einspruch zu erbeben, die im Ultimatum der interalliierten Kommission gegen General Höfer ausgesprochen würbe. Es bandelt sich um das Aufgeben der Industriestädte mit deutscher Mcbrbeit, die dadurch der Bedrohung der po'nuchen Aufständischen auSgeietzt würden. Zu dieser Verlautbarung berichtet Havas, cs sei dem deut'chen Botschafter in klarer Weise deutlich gemacht worden, die interalliierte Kommission habe durch den Friedcusvertraa das Recht erhalten, jede Maßnahme zu ergreifen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und zwar könne sie dies in absoluter Form und voller Unabhängigkeit tun. Es wird dann bin- zugefügt, die deutsche Regierung sei um so weniger berechtigt, sich über die Haltung der interalliierten Kommission zu beklagen, als ihre persönliche Verantwortlichkeit bei den letzten Zwischenfällen engagiert erscheine.
In Antwort auf eine französische Mitteilung vom 30. Mai haben die französische und die englische Regierung Noten auSgetauscht und erklären sich gegenseitig damit einverstanden, daß zuerst Rube und Ordnung in Oberschlesien wicderhergcstellt werden sollte, bevor eine endgültige Lösung getroffen werde. Die britische Regierung will zunächst die Mitteilung ihres neuen Kommissars tu iUvericmeverr.
die Art der Lösung diefts Problems aiiSfpricht. Die französische Regierung ist derselben Auffassung und hofft, daß die Ankunit der britischen Truppen sehr viel dazu beitragen werde, die Ordnung wiederhcrzustcllen. HavaS fügt hinzu, daß die Ankunft des neuen britischen Kommissars mit der Wiederaufnahme der deutschen Offensivbcwegung zu'ammenialle, welche gegen die Einrichtung der Trennungslinie gerichtet sei, und diese Tatsache werde der englischen Regierung helfen, die Lage richtig zu beurteilen.
Oppeln, 7. Juni. 3m Saufe des heutigen Tages kam auf der Bahn ein englisches Bataillon in Gleiwitz an. Ein zweites englisches Bataillon und eine Kompagnie französischer Truppen befinden sich in Rosenberg. In der Gegend von Kravpitz und Ottuiiiy bezog ein Bataillon italienischer Truppen die Stellungen. Die Kampstätigkclt der Ailsftändischcn war auch heute an den zahlreichen Stellen der von den Insurgenten gehaltenen Linie sehr lebhaft. Im Kreise Rosenberg bei Jastrzigowitz wurde starke? polm'chcs Jniaiiterie- und MaschiNtngewehrfrucr gehört. Nördlich von Boro- schau scheiterte ein gegen die Joiepdböhe gerichteter Vorstoß der Aufrührer. Atörcchtseorf und Sankt Annkirche wurden mit SfftiUcrie beschossen. Bei Groetsch wurde polntsche Artillerie feftgefteHt. Die Ausschreitungen der Insurgenten im Steife Rosenberg dauern an. Das Schloß Zembowitz ist von den Ausrührern aurgeplündert worden. Im Kreise Groß- Strehlitz wurden bte Angriffe der Insurgenten am Dawctz abgeroteien. Bei KaUnow fanden kleinere erfolglose Borstöße der Aufrührer statt. Im Kreise Cosel scheiterte ein durch einen Panzerzug unterstützter Vorstoß der Insurgenten auf Kandrzm. Altcoiel wurde von dem dcutichen Selbstschutz besetzt. Im Kreise Ratibor wurden Ziegeleien bei Ratibor und das Vorwerk Neuhof bei Kabeltau von polnischer Artillerie beschossen. Bei Olsau wurde ein polnischer Panzerzug festgestellt. Nach sDlitteilungeii des Berg- und Hnttcn-- mäunlschen Vereins fuhren die Aufständischen in der zweiten Hälite beS Monats Mai sehr erhebliche Tiengen Kohle ohne Kontrolle und ohne Bewitignng der Werke und der übrigen für die Auschhr zuftäusigeu Stellen nach Polen ab.
Die SâubcrungSaktioit bevorstehend.
Berti«, 7. Juni. Ueber das Ergebnis der Besprechung zwischen dem englischen General Remittier und bem Muer beS deutschen Sclbstichuscs, Geuero: Höser, hört die »Bossische 3tg ", bau der cngliiche Oberbefehlshaber die Zusicherung gab, daß die Eäuberungkaltio« unmittelbar beginnen uno im schnellstem Tempo buichgeiübrt we-dcu soll. Tad Vorgehen fei in der Weise geplant, daß die englischen Trurpcn die von den Polen zu räumenden Gebiete besetzen, während französische Truppenteile bereu Tücf« rüg überwachen. In Dieter Weise soll das ganze 3u>ufmcgebiet gesäubert werben.
Nitdcrmeheiung italkaifdicr Lokdatr» durch Polen.
Die oberlchlesischen Blätter berichten Einzelheiten über die Nudermetzelung der italienischen Soldaten, oie die Besatzung Der Txdcnslo-Ginbt in Obmchlcfien gebildet halten. Nachdem man ihnen die Waffen weg« genommen halte, mußten sie lonlaufeii. Es wurde dann solange auf sie geschossen, MS »e alle tot p- sammenbiachen. B»rhcr galten sie den ps.nh'che» Insurgenten Hande und Fün- küssen mnsscii. Auch der Kommandant der Italiener, der mit hoch gen ebenen HLnben über Den »rnvenho, gehen mußte, wuroe au, kurze Entiernuna ntevergeichosseu.
Das kriegerische Polen.
Nach einer Meldung der „Von. Ztg." auS Warfchau sieht der polnische Staatsvoranschlag fast drei Viertel aber Ausgaben für die Heer-sbedürsnisse vor. Die Geiamtschuld Polens an das Ausland zur Ernährung und Ausrüstung der Armee beläuft sich nach dem heutigen Kurs der polnischen Mark auf rund 250 Milliarden Polenmark.
Ein obrrschlesischcr Hilferuf.
Die schwer bedrängte Stadt Kattowitz hat an,die- Sulfurnationen einen Hilferuf gesandt, in dem eS heißt: Die Not ist ungeheuer gestiegen. Heute wieder ohne Wasser. Die Lebeurmittel geben zur Neige. Der Stadtkommandant hat e$ mit ferner militärischen Ebre für unvereinbar erklärt, daß die Insurgenten die Stadtmitte betreten. Trotzdem ist der Bahnhof mitten in der Stadt von den Insurgenten befett worden. Muffen sofort Nachricht verlangen, ob und wann die Entsetzung der Siadt zu erwarten ist.
Die deutsche Regierung fordert Höfer zum Rückzug auf?
fLehte Meldung)
London, 8. Juni. Die „Times" erfästrt, daß die deutsche Regierung dem britischen Botschafter in Berlin versichert hat, daß ein Telegramm an General Höfer gesandt wurde, in dem erklärt werde, daß er den Befehlen der Interalliierten Kommission, das den Polen abgenommene Gebiet zu räumen, Folge zu leisten habe. — Das Blatt begrüßt diesen Schritt der deutschen Regierung.
(Eine Bestätigung dieser Meldung von Berlin konnten wir bisher nicht erreichen. Ist sie zutreffend, dann läßt sich das Vorgehen der deutschen Regierung mit allen bisherigen Reden, u. a. auch der an erster Stelle dieser Nummer wiedergegebenen Unterredung nicht vereinbaren. Die Alliierten drohen und die Regierung kriecht zu Kreuze. Soll das nun so fort gehen? D. Red.)
Ausschrettungen gegen Deulfche in Posen.
Berlin, 7. Juni. 3« Oftrowo fanden am 2. Juni schwere Aurschre-tunaen gegen die deutschen Bürger statt, helfen erst durch Eingreifen von Militär ein Ende gemacht werden konnte. Bereit» vor dem Eintritt Dieter Deutfchenberfelgungen war daS Vofcner Teil- Ministerium vom deutsche» Konsul barauf aufmerksam gemacht worden, daß sich an einigen Orten Posen? die Bewegung gegen das Deutschtum vorbereite. Umsoweniger zu entschuldigen. sinn setzt die ans Ostrowo gemeldeten Ereignisse. Auf sofortige Vorstellungen des Konsuls bedauerte und verurteilte der Vizemimsker zwar die Vorgänge und versicherte alles tun zu wollen, um eine W-ederholung in verhindern. Gleich eitig erklärte er, darauf an merksam machen zu müssen, daß 'S infolge der Beitreibung polnischer Arbeiter auS Westfalen und der N'cderlausitz im ganzen Adtretungs- gebiet gegen die Deutsche« gäre. Demgegenüber ist wuzilstellen, daß die im Friedensvertrag übernommenen Verpflichtungen die polnische Regierung binden, die dem polniichcn R iche überantworteten deutschen Minderheiten nachdrücklichst und unter allen Umständen gegen die Ucbergriffe der national - polnischen Mehrheit zu schützen. Pogrome gegen die deutschen Minderheiten können durch nicht? entschutdigt werden und dürfen von der polnischen Regierung nicht geduldet werben. Der deutsche GeichäikstrSger ist angewiesen, dies in Warschau zum Ausdruck zu bringen. Andererseits darf die Erregung über das unmenschliche Vorgehen Der polnischen Insurgenten in Oberichlesien nicht dazu führen, daß etwa versucht wird, Vergeltung an den 'n« Deutschen Re che lebenbtn, an jenen Vorgängen schuld- lomt Polen zu üben. Solches Vorgehen wurde ungerecht sein und dazu dienen, den nationalistischen polnischen Elementen vinlaß zu neuen Angriffen gegen uinert in Polen wohnenden Landsleute zu geben und damit deren ohnehin schon schwierige Lage noch weiter zu verschärfen. Die vom polnischen Vizemimster behaupteten Vorgänge in Deutschland unterliegen gegenwärtig Der Nachprüfung.
Die Auflösung
Srr Sslbftichutzorganisattsnen.
Berlin, 7. Juni. Wie bekannt ist, hatte die interalliiete Militär-Kontroll-Kommission von der deutschen Regiernng bis zum 30. Mai bte Ein- retthung der Liste derjenigen Selbstschutzorganisa- tionèn verlangt, die die Regierung in Anwendung des Geietz.'s vom 22. März 1921 aufzukosen beabsichtigt. Der Kommiiston wurde mit Rücksicht auf die Bedingungen des Ultimatums vom 5. Mai frist» gemäß die Liste übermndt, die die Organisation xüiÄericb, die oitpreusiicben Wehren und die bay- rncheu Einwohnerwehren enthielt. Die Kommission erwiderte, daß die Liste unvollständig sei, da sie nicht alle Setbinchutzorgainsatiouen enthalte, die nach den Pariser Lejchlüffen in Verbindung mit üem Ultimatum auiaulöien seien. Die deutsche Regierung hat geantwortet, daß nach ihrer Kenntnis und den HJliUeilungen der Landesregierungen uvcrianote Liste iämtlicheinDeutichland bestehenden und nach den genannten Veslimmungen auszu- lösenden Drganiiationen umfasse. Sie wies daraus hin, daß die in zahlreichen Orten Deutschlands trüber vorhandenen, mit Mikitärwaffen Deriebenen
aber inzwischen entwaffneten Organisationen butj Erlasse der Landesregierungen über bte Auf kösung der Einwohnerwebren überall, außer U Bayern und Ostpreußen auch aufgelöst seien. Durch ein Rundtelegramm seien die Regierungen bei Länder ersucht, sofort nachzuvrüfen, ob sich etwa Organisationen der Verpflichtung der Auflösung entzogen hätten. Wo dies der Fall sein sollte, würde alsbald die Auflösung aufgrund des Gesetzes vom 22. März verwirkt werden müssen.
— Guter Fortgang der bayerisch«« G«t- waffnungsakt'ion. Nach einer Meldung der „Loss. Ztg." aus München hat die Entw«ffnuna der bayerischen Einw»bnerw-hren bereits Fortschritte gemacht. Die im Besitz der Einwohnerwehren befindliche, Waffenlager sind zum größten Teil bereits an bis Trenbanbgesellschaft abgekührt worben. Mit der Entwaffnung der einzelnen Wehrleute ist begonnen worden.
Politische Tagesberichte.
— Stegerwals über die Kabinettsbildung.
Der preußische ^Ministerpräsident Stegerwald erklärte einem Redakteur der „93. T." über die Umbildung de» preußischen Kabinett», er trete für eine Politik der Mitte ein, die von der Deutschen Volkrpattei bi» zur Sozialdemokratie reicht. Die Wiedergutmachung»- kiftungen aufgrund dc» Ultimatums stellte« nicht nur an da» Reich, sondern auch an die Länder, vornehmlich an Preußen, so hohe Anforderungen, daß di«, Grundlage bet Regierung als Exekutivorgan nicht breit genug sein könne.
— Die deutschen Zahlungen. Der Repara« rationSauSschuß teilt mit, daß die deutsche R-gicrunz in Ausfübrilng des Artikels 5 über die Zahlungsbedingungen bis zum heutigen Tage für rund 840 Mill Goldmark in RcichSschatzwechscl, die am 31. Augnfl fällig sind sowie ungefähr 200 Mill. Goldmark in au!» ländischen Devisen bezahlt hat. Der überschießende Betrag für beide Zahlungen ungefähr 40 Mill. Goldmark werden dazu verwendet werden, um einen Teil
— Folge« der Sanktionen. Die „Solmses Volkszeitung" schreibt aus Solingen : Die wirtschaftliche Lage der Solinger Jndustriebczirke verschlechtert sich unter dem Einfluß der Sankt onen und der Ein- fuhrabgabe der Alliierten von Tag zu Tag. Nachdem nun auch noch Amerika — vor bem Kriege der Hauptabnehmer von Solinger Erzeugnissen — sich zurückgezogen hat, dürfte auch das Geschäft mit den Vercèiiißtcn Staaten nahezu unmöglich werden, zumal in den letzten sechs Jakren in Amerika eine scharf« Konkurrenz gegen die Solinger Industrie sich «at< wickelt hat. Voll beschäftigt ist heute fast keine einzige der Solinger Fabriken. Eine Firma nach bei anderen muß sich zur Einschränkung der Arbeitszeit und bei Betriebes entschließen. Die meisten arbeiten nur noch Drei Tage und auch Dies nur, um nicht nad mehr Arbeiter entlassen zu müssen.
— Der Kampf um Bismarcks „Gedanken unb Erinnerungen". Nach einer Meldung der „Voff. Ztg." aus Stuttgart wird der Gottafche Verlag gegen die Entscheidung des Berliner Kammergerichts über die Veröffentlichung der 3. Bandes von Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" Revision einlegen. Der Prozeß Dürfte dar Reichsgericht beschäftigen.
— Zur Aufnahme Deutschlands in den Völ, kerb und. Aus Genf wird gemeldet: In bei gestrigen Vollversammlung der Union der Völker, bundsvereinigrrngen beantragte der Berichter« statter in der 6. Kommission Gladstone-England, daß die Aufnahme der deutschen Liga für den Völkerbund in die Union ohne Debatte durch Zuruf erfolge. Satzungsgemäß mußte Abstiin, mung erfolgen, die zur einstämmigen Annahme führte. Hierauf schlug Gladstone vor, ebenfalls debattelos und einstimmig einen Anttaz anzu, nehmen, der Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund enthalte. Nach länge, rer Debatte wurde eine Fassung angenommen, itt der es heißt, daß die Uiion der Völkerüundsver« eln'lgungen dem Völkerbund einstimmig die Auf- «ahme Deutschlands in den Völkerbund emp. fielst.
— Vom englischen Bergarbeiterstreik. Den Exekutivausschuß Der Bergarbeiter beschloß, die Dele» gierteiilonferenj beS Bergarbeiterbundes auf den Itt Juni ciiizuberufeil und eine Abstimmung der Mit glichet über Die Vorschläge der Grubenbesitzer zu empfehlen.
— Griechische Hoffnungen auf E«»glanv. Die griechische Presse macht sein Hehl daraus, daß sich die Beziehungen Griechenlands zu England auf dem Wege der Besserung befinden. Dadurch seien in Griechenland Hoffnungen geweckt worden, daß anch in finau» jieller Hinsicht England sich neue Opfer aufcrlcgc« wird, um Griechenland zu helfen. Die sozialistische« Blätter sind Dagegen anderer Ansicht und verurteilen diese Politik, weil Griechenland wieder einmal benutzt werden soll, um spezifisch englische Interessen zu vcx« leidigen. Der Fußtritt werde nach dem Erfolge sicher erfolgen und die Bezicyungen Griechenlands zur Dürfet uno dem Orient würden um kein Haar besser. Diese Blätter, sind der Ansicht, daß Griechenland durch b». ioilderc Verhandluiigcu mit der Türkei unter AuSjchluß der europäischen Großmächte eher nur Beendigung feiaeg Krieges kommen lau»