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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Elaül- und Landkreis Sattau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Derlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Derantworllich: für politischen und allgemeinen.Tell RichardSultsch: für lokalen und provinziellen Teilj sowie Sport Wilhelm Mo-rfid: für Anzeigen«at»? Reklamen August Vrodt. alle in Hemau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau..

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Mittwoch den 1. Juni

1921

Das Neueste.

I Der Reichskanzler wird heute im Reichstag eine MtNMgserklärung abgeben.

Das Reich-finanzministerium hat sich entschlossen, li^ Vermittlung der Reichsbank und der ReichSvost hell zu einem dem Weltmarktpreis ungefähr ange- »â Preise anlaufen zu lassen.

I - Pach einer Meldung aus Düsseldorf rücken seit aus dem neubesetzten Düsseldorfer Brückenkopf kMere Mengen französischer Truppen ab, jedoch deutet M ÄchtS auf eine völlige Räumung deS infolge der Itzanstionen besetzten Gebietes.

I - Die interalliierte Kommission in Oberschlesien »Werte von General Höfer die Auflösung der Selbst- lM». Die oberschlesischen Parteien lehnten diese rftrderung ab.

I - Frankreich ist weiterhin gegen einen sofortigen IMimtmentritt der Obersten Rates in der oder- ljchl-slschen Frage.

I - Der Belagerungszustand über, die preußischen fkcbietrtcile Groß-Hamburgs ist aufgehoben worden, hie Aufhebung der Belagerungszustandes in Mittel- Idiiltschland und Ostpreußen dürfte in kürzester Zeit ksedorstehen.

I Finanzielle Durchführung -es UttimaluMs.

Eine angebliche Denkschrift des Wirtschafts- minifters.

Aus Berlin werden uns die wesentlichsten I Punkte einer Denkschrift des Reichswirtschafts- I Ministers an das Reichskabinett übermittelt, von I bet dieDeutsche Tageszeitung" zu berichten I weiß. Danach soll auf den zum Kurs von einer I Goldmark = 15 Papiermark umgerechneten Frie- I denslnAwert des ländlichen Grundbesitzes eine

Lden. Da beim |taoii]d)eu ®w?kWb/ b«

bie Enteigung auf demselben Wege vorgenommen werben solle, angesichts der gesetzlich fest gelegten I Höchstmicten auch nicht ein kleiner Teil der «Zwangshpothek verzinst werden könnte, sei ein Zuschlag zu den besteh enden Meten in Höhe von 1300 b. H. der Friedensmiete mit der ausschließ- I lichen Bestimmung der Verzinsung der zugun- 8 stèn des Entschädigungsfonds eingetragenen Zu- I schichhypothèk vorgesehen. Bei den industriellen I und kaufmännischen Unternehmungen solle an I Stelle der Zuschußhypothek eine Zwangsbeteili- I jung für den Entschädigungsfonds in Höhe von I N v. H. treten. Weiter wird da von neuen I Steuern und Abgaben, von einer Anpassung der I Lebensmittel- und Kohlenpreise an den Welt- I mrftpreis unb von einer weiteren erheblichen i Steigerung der Tarife bei den Verkehrsanstolten I gesprochen. Da alles 'dies noch nicht ansreiche, I um bie uns auferlegten Jahreszahlungen an den I Verband zu decken, sei, so heißt es zum Schluß, I eine schrittweise Veräußerung bet landwirtschaft- I schaftlühen und städtischen Hypotheken sowie der I industriellen Beteiligurtgen an das Ausland vor- I gesehen.

I Golöankauf durch das Reich.

I Berlin, 31. Mai. Die Reichsbank gibt I bekannt:

Durch die Annahme des Ultimatums der | Merten Mächte vom 5. Mai hat das Reich I ^toere finanzielle Verpflichtung en I übernommen. Um sie zu erfüllen, müssen die I größten Anstrengungen gemacht werden. Von I diesem Gesichtspunkte aus hat sich das Reichs- I manzministerium entschlossen, durch Vsrmitt- 1 fang der Reichsbank und der Reichs post 1 Told zu einem dem Weltmarktpreis um H gefähr angepaßten Preise ankaufen zu lassen. I Solbene Schmucksachen und Eebrauchs- I Gegenstände bleiben vom Ankauf ausge- I flossen. Für deutsche und ausländische i Goldmünzen und für Barren erfolgt der Ankauf I ^urch Vermittlung der Reichsbankanstalten, die I bereits mit entsprechender Weisung versehen sind. I den nächsten Tagen wird der Ankauf auch I Bon allen Postanstalten, von diesen aber nur I bezüglich der deutschen Reichsgoldmünzen, auf- I genommen. Der von der Reichsbank und der Post zu zahlende Ankaufspreis ist der gleiche I und wird auf der Grundlage des Weltmarkt- Leises Ende jeder Woche neu festgesetzt. Für I bie laufende Woche stellt er sich beispielsweise auf 260 Mark für ein Zwanzigmarkstück und 37000 Mark für ein Klg. Feindgold. Die Preise für die übrigen deutschen und auslän- dffchen Goldmünzen werden entsprechend festge- s w. Eine Umsatz- und Luxursteuer kommt bei bresen Verkäufen nicht in Ansatz. Den Be­ssern von Gold bietet sich hiernach Gelegen- gklt, es ungefähr zum Weltmarktpreise zu ver­werten. Dagegen ist der anderweitige Verkauf aufgrund der Gesetzes betr. Verfügung über wold vom 28. Avril R. G. Bl. S 489 ohne

die Zustimmung der Reichrwirtschaftsministers verboten und strafbar. Die Verwertung im Auslande ist durch dar Goldausfuhrverbot ausgeschlossen.

Die Heuttge Regierungserklärung.

Wie die Blätter melden, ergab die gestrige Kabinettr- ützung volle Einmütigkeit über die Erklärung, die der Reichskanzler heute im Reichstag abgeben wird. Eine Entscheidung über die einzelnen Stenriprojekte und sonstigen Mittel zur Aufbringung der Reparations- lasten sei jedoch noch nicht getroffen worden, sondern ,eS sei nur die allgemeine Richtung der Arbeit deS Kabinetts auf diesem Gebiet festgelegt worden.

Aus tiefster Nott

Vreslan, 31. Mai. Von den vereinigten Ver­bänden heimattreuer Obcrschlcsier ergebt folgender Auf­ruf : An die Oberschlesier im Reich! Liebe Lands­leute !

Aus tiefer Not rufen wir Euch ibr Heimattreuen Brüder und Schwestern im Reich um Hilfe! Häufig und oft haben wir gelobt, uns in dem schweren Rin­gen um unsere gemeinsame Muttererde niema » zu verlassen. Zahlreich sind die Beweise Eurer Liebe und Treue. Ihr habt mit uns am 20. März den Sieg der deutschen Sache erfochten, aber der Kampf geht weiter! Nie war die Gefahr so groß, wie in dieser Schicksalsstunde. Unsere Heimat schmachtet unter einem grausamen polnischen SchreckenSregiment. Mord, Raub, Brand und Verwüstung kennzeichnen die pol­nische Gewaltherrschaft. Viele der Getteuesten liegen unter der Erde und die Tapfersten stehen im schwerem Kampfe gegen die polnischen Rechtsbrecher. Alle sind der Verzweiflung nahe! Und Warschau unterstützt die polnischen Banden mit Soldaten, Waffen, Muni­tion und mit Mitteln aller Art, uns aber darf das deutsche Volk nicht mit der Waffe helfen. Doch ver­lassen dürfen uns unsere Brüder und Schwestern nicht! Ihr könnt uns mit Werken der Liebe helfen. Ihr habt Euch zusammengeschloffen, Sure Heimattreuen Verbände sind eine achtunggebietende Macht. Ihr seid Hififch^PN von unserem Blute!

Ihr als geborene Oberschlesier hört den Schlag unsere» Herzens, ihr fühlt unsere Not. Niemand versteht das besser als Ihr weil Ihr alle Kinder derselben Heimat seid. Großes habt Ihr geleistet. Helft weiter! Wir hörten, daß Ihr für unsere Flüchtlinge sorgen wollet, daß Ihr Kleider, Nahrungsmittel, Geld und Gut hergeben wollt. Ihr hört, daß die Lage in der Heimat von Tag zu Tag entsetzlicher wird. Er ist keine Minute mehr zu verlieren! Jetzt müßt Ihr Eure glänzend aulgebaute Organisation einsetzen, jetzt müßt Ihr die große Ausgabe übernehmen, die der Augenblick Euch stellt. Helft den Flüchtlinge«! Helft den Unterdrückten unb Vergewaltigten! Gebt Geld, gebt Nahrung, gebt Kleider! Ueberzeugt dar deutsche Volk, daß cs uns durch Nat und Tat zur Seite stehen muß! Wir bauen auf Euch! Wir wissen, Ihr werdet uns nicht verlassen! Lebensmittel nimmt jede Ortsgruppe der Verbände heimattreucr Ober- schlesier an. Geldspenden werden erbeten auf das KontoOberschlesierhilfe" bei der Bank für Handel und Jndnsttie in Breslau.

Oberschlesien lehnt die Auflösung des Selbst­schutzes ab.

Berlin, 31. Mai. Der Kommandant der deut­schen Selbstschutzes in Oberschlesien General Höfer ist von der interalliierten Deputation aus Oppeln aufgefordert worden, die Auflösung und Entwaffnung der deutschen Selbstschutzes durchzuführen. Die Depu­tation machte außerdem den Vorschlag der Einrichtung einer neutralen Zone, die von den englischen Truppen besetzt werden soll. Da General Höser von sich aus zu einer Antwort nicht ermächtigt war, erbat er sich bis heute abend Bcratungizeit. Der Zwölfer- auSschuß der oberschlesischen Parteien und Gewerk­schaften, der sich gestern in Oberglogau als politische Vertretung deS von den Insurgenten nicht besetzten oberschlesischen Gebietet erklärte, lehnte dasAn - sinnen der interalliierten Kommission unter Berufung auf die Erfahrung bei letzten August­aufstandes und unter der Betonung a b, daß dieses Verlangen iw schärfsten Widerspruch zu den Zusagen steht, die General Le Rond der deutschen Bevölkerung gegeben hat. Dat Projekt der Dreiteilung Oberschlesien» wurde von dem Ausschuß alt im Wider­spruch zu den Bestimmungen des Friedensvertragcs stehend bezeichnet und für unannehmbar erklärt.

Die Zusammenkunft in Boulogne.

London, 31. Mai. Wie Reuter erfährt, geht ber letzte Vorschlag ber englischen Regierung dahin, daß bk nächste Zusammenkunft des Obersten Rates Mitte nächster Woche in Bou­logne stattfindet. Auf der Tagesordnung steht Oberschlesien und möglicherweise auch die Prü­fung der Sanktionen. Außerdem ist es nicht unwahrscheinlich, daß auch die dnrch bk Regie­rung von Angora geschaffene Lage besprochen wird. Es ist sicher, daß die Vereinigten Staaten und Japan vertteten sein werden.

Paris, 31. Mai. Ueber den Inhalt der französischen Antwort auf die letzte englische Note, bk, wie die Havasagentur mel­det, gestern bem englischen Botschafter in Paris übergeben wurde, schreibt das Journal des Debats, die ftanzösische Regierung erkläre darin, daß sie bemüht sei, das englische Gefühl nicht zu verletzen und trotz ernster Einwendungen den

Vorschlag, Oppeln als Sitz der Sachverstän­digen zu bestimmen, annehme. Indessen sei sie dem sofortigen Zusammentritt des Obersten Rates abgeneigt. Es seien in erster Linie Schwierigkeiten prattischer und persönlicher Art, die dem gegemüberständen. Pre­mierminister Lloyd George sei während eines Teiles der Woche abwesend. Briand werde in Paris durch bk Senats Verhandlungen sestgehal- kn und auch Graf Sforza könne nicht rechtzeitig nach Boulogne abreisen. Die ftanzöstsche Regie­rung habe den Eindruck, daß ein Zusammentritt bs Obersten Rates eine Erregung ber, öffent­lichen Meinung hervorrufen würde, bie der Ruhe der Gemüter wenig günstig sei. Die W i e - derherstellung der Ordnung in Oberschlesien müsse deshalb als Vor­bedingung für eine Zusammen­kunft der Regierungschefs bettachtet werden. Ueber bk französischen Anregungen, bk darauf in ber Note folgen, teilt bet Demps mit, sie er­streckten sich auf folgende drei Punkten

1. Ein gemeinsames Vorgehen der alliierten Vertreter in Berlin und War­schau zum Zwecke der tatsächlichen Entwaffnung der Deutschen und Polen in Oberschlesien und Beendigung der Feindseligkeiten.

2. Eine Proklamation oder etwas ähn­liches an die oberschlesische Bevölkerung seitens der alliierten Kommissare in Oppeln, worin ber Wille der Regierung zum Ausdruck, kommen soll, in strenger Gerechtigkeit den Friedensverttag anzuwenden.

3. Die sofortige Bildung der Sachver­ständigenkommission, die an Ort und Stelle ihre Erhebungen vornehmen soll.

Briand verteidigt das Londoner Abkommen.

«ine Resolution ein, wonach der Senat verlangen soll, daß die Londoner Beschlüsse, die gemeinsam mit der Reparationskommission gefaßt worden seien, dem Finanzausschuß und dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten mitgeteilt wer­den sollen, damit diese Ausschüsse untersuchten, ob die erwähnten Entscheidungen eine Abände­rung bedeuten und infolgedessen der Genehmi­gung des Parlaments bedürfen. Nachdem Hery seinen Antrag begründet hatte, ergreift Mi­nisterpräsident Briand das Wort. Er sagte u. a-, die Reparattonskommission habe ihre Arbeiten in voller Unabhängigkeit vollendet und Deutschland das Ergebnis mitgeieilt. Deutsch­land habe angenommen, Briand wies auf die Gefahr hin, die eine Abänderung des Beschlusses der Reparationskommission mit sich bringen würde und für die er die Verantwortung nich übernehmen könne. Er sagte, 132 Milliarden Goldmark seien 270 Milliarden Francs. Das sei doch immerhin eine Summe Geldes. Gesetzt, man wolle erklären, daß es sich um eine Abänderung des Versailler Verttages handele, dann würde nichts mehr existieren, weder der Friedensverttag noch die Reparationskommission. Wenn der Frie­densverttag einmal zerrissen sei, dann könne man sich wohl eine Politik ausdenken, der man folgen könne, diese Politik aber würde dazu füh­ren, daß Frankreich isoliert würde. Durch den Versailler Vertrag werde bestimmt, daß Deutsch­land als verantwortlicher Teil alles bezahlen müsse. Da es dies aber nicht könne, habe man ihm einen Teil seiner Schuld erlassen. Das fei der Vertrag, den die gegenwärttge Regierung anzuwenden habe. Sie habe alles daraus ge- inacht, was möglich gewesen sei. Hierauf-wendet sich Briand direkt an Hery und sagt: Angenom­men. wir besitzen die Ruhr. Was soll dann ge­schehen? Wir müßten auch die anderen Jahres­klassen mobilisieren. Unser Land ist fest in seinem Patriotismus. Ist es aber möglich, ihm solche Leistungen an Menschenmaterial und Geld abzu­fordern, bk durch die von Ihnen empfohlene Po­litik nötig werden würde? Die genaue Höhe un­serer Schuld ist nicht zu bestimmen: sie wechselt jeden Tag. Die Reparationskommission hat eine bestimmte Summe festgesetzt. Deutschland hat nachgegeben und beginnt zu zahlen. Der Mi­nisterpräsident schloß mit den Worten: Die Re­gierung stellt unzweideutig die Vertrauensfrage und lehnt selbstverständlich den Antrag Hery ab. Die Resolution Hery wurde darauf mit 269 gegen 8 Stimmen abgelehnt.

Loucheur über den Wiederaufbau.

Paris. 31. Mai. In der heutigen Sitzung des Senats sprach sich Minister Loucheur bei Be­ratung des Budgets für den Wiederaufbau, bk Pensionen und bk Zuwendungen an die Ge- chädigten und über das RegierungSprogramm ür den Wiederaufbau aus und erklärte, man ,

könn« bog, was bis jetzt unternommen wurde, kritisieren. Aber wenn man gerecht sei« wolle, muffe man sich an den chaotischen Zustand er- iumern, in dem sich die Kampfzone nach dem Waffenstillstand befunden habe. Jetzt befinde man sich vor dem Wiederaufbau. Dieses Jahr und das kommende Jahr müßte als der Beginn der Wiederaufbautätigkeit angesehen werden. Minister Loucheur spricht alsdann von dem namentlich in landwirtschaftlicher Beziehung ge­machten Anstrengungen und sagt, daß die Be­rechnung der Schäden in gerechter Weise vorge- nommen werden sollten. Der Koeffizient müsse herabgesetzt werden, denn die Baumaterialien- Preffe seien mit den Kohlenpreisen gesunken. Er sprach sich für eine Dezentralisation aus und ging alsdann dazu über, von der Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau zu spre­chen. Er habe immer den Standpunkt vertreten, daß die Verwendung deutscher Ar­beiter in starkem Maße aus verschie­denen Gründen abgelehnt werden müsse. Namentlich aber deshalb abgslehnt werden müsse, weil man einen großen Teil der Arbeiterlöhne in Mark bezahlen müsse. Aber Deutschland könn« sehr gut durch seine Arbeiter auf deutschem Ge­biete Materialien vorbereiten, die in Frankreich für den Wiederaufbau verwendet werden müß­ten. Die Beschäftigung deutscher Arbeiter müsse sich auf die absolut verwüsteten Gebiete, die von der Bevölkerung verlassen seien, beschränken. Aber er müsse zugeben, daß durch eine derartig« Begrenzung die Frage ihr tatsächliches Jnteress« verliere. Die Deutschen hätten die Lieferung von 25000 provisorischen H äusern an, geboten. Er habe verlangt, daß man f e st e i gebaute Häuser liefere und darüber werde verhandelt. Etwa 1500 Häuser könnten im Monat geliefert werden, aber die Zahl lasse sich in kurzer

Holzhäuser werde eine Esparms von 25 äU. 25 vom Humbert im Verhältnis zu bem Preise für Steinhäuser erzielt. Wenn übrigens die Deutschen kein« annehmbaren Preist machten, so sei man nicht gezwurrgen, chnen einen Auftrag zu erteilen. Er hoffe, von den Deutschen Mate­rialien zu erlangen, aber nur in bem Maße, als dadurch bie nationale Industrie nicht gefährdet werde. Mer die Industrie Fraareichs dürst sich auch.nicht der Faulheit hingeben. Sie müsse sich vielmehr auf den Kampf mit der deutschen vor­bereiten. Zum Schluß erklärte Loucheur, er hoffe, daß von 1922 an keine Staats arbeiten in bem verwüsteten Gebiete mehr vorgenommen würden. Eine übermenschliche Arbeit müsse verrichtet wer­den. Wenn man in 10 Jahren damit fertig, wer­den wolle, dann hätte Frankreich ein Werk voll­bracht, das kein anderes Land hätte vollbringon können. (Lebhafter Beifall.)

PoMifche Tagesberichte.

Bayer« zur Entwaffnung Bereit. In bei gestrigen -Sitzung des Staatsbausbaltsausschusies gab Minlftervrâsident Dr. v. Kahr die erwartete Erklärung über die Stellungnahme der bayrischen Regierung zur Auflösung der Einwohnerwehren ab. Er erklärte, daß die bayrische Regierung in Uebereinstimmung mit der Reichsregierung ent- schloffen sei. in Erfüllung des Ultimatums über die Entwaffnung der Einwohnerwehren das Möglichste zu tun. wobei die Termine tunlichst eingehalten werden sollten. Dagegen hat sich die bayrische Regierung nicht entschließen können, von ihrer bisherigen Auffaffung. daß die Einwohnerwehren nicht unter die Artikel 177/178 des Friedensver­trages und unter das Gesetz vom 22. März 1921 fallen, abzugeben. Die bayrische Regierung hat die Reichsregierung gebeten, diese Auffaffung den alliierten Mächten mitzuteilen und sie dort zu vertreten. Die Reichsregierung bat sich hierzu bereit erklärt. Je nach der Stellungnahme der Alliierten wird sie die weitere Enlcheidung von sich aus treffen, wobei eine loyale Stellungnahme der bayrischen Regierung scldstoerständlich sei. Dieser Standpunkt der bayrischen Regierung wird geteilt von den in den Einwohnerwehren ver­einigten Bolksteilen.

Die Auflösung der Telöstschutzorgani- fationeu. Ueber die Auflösung» der Selbstschutz- organisationen wurde der intcrsKnerten Militârko«- troUkminiffton zu Händen bei General» Rollet die geforderte Liste vor Ablauf der gesetzten Frist vorge- legt. In der Liste sind die oftpreußischen Grenz­wehren, die bayerislh^ Einwohnerwehr und die Orga­nisation Escherisch bezeichnet. Gleichzeitig wurden Schritte unternommen, um bie Gründe gegen die Auflösung, die seitens der hauptbeteiligten Landes­regierungen, teil» aus rechtlichen, teils au» tatsäch­lichen Gründen geltend gemacht worden sind, den alliierten Mächten unter Voraussetzung der Waffenab- gabe zur Nachprüfung zu unterbreiten.

Die Rcsierungsbildung abgeschlossen. Lant Vorwärts hat bie sozialdemokratische Reichrtags- raktion beschlossen, auf den ihr all vierten im Kabinett «gebotenen Minister ohne Portefeuille zu verzichten. Da Dr. Wirth als Reichskanzler da» Reichrfinanz-

Da Dr. Wirth als Reichskanzler das Reichrfinanz« Ministerium beibehält, ist' die Re-iemngSbildung im Reiche abgeschlossen.

(Weitere Politische N<HciHten Seite 3.1 <

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