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»tenstag Den 31. Mak

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Politische Nachrichten.

Rathenau Wiederausbauminister.

Wie wir bereits gestern meldeten, hat der Reichs­präsident auf Vorschlag beS Reichskanzlers Walter Rathenau zum Wiederaufbanminifter ernannt.

Rathenau steht im 54. Lebensjahr. 1867 als Sohn des Gründers der A. E- G. in Berlin geboren, studierte er in Berlin und Straßburg Physik und Chemie und dann nach Ablegung seines Doktorexamen» in München Maschinenbau und praktische Chemie. Nach mehrjähriger praktischer Tätigkeit in der Schweiz, in Polen und in Frankreich trat Rathenau 1899 in die A. E. G. in Berlin ein. 1907/08 bereiste er zusammen mit Dern­burg die deutschen Kolonien. Bei Kricg»auSbruch schuf er die Rohstoffabteilung des Kriegsministeriums, deren Leitung er dann auch übernahm. Nach dem Tode seiner Vaters 1915 wurde er Präsident der A. S. G. Rathenau hat auch eine erstaunliche schriftstellerische Produktivität entwickelt. Seine Bücher zeichnen sich durch einen großen Reichtum an Gedanken auS, die er in stark philosophischer Formung zum Ausdruck zu bringen pflegt.

Die Gegnerschaft Der Industrie gegen RathenauS Ernennung.

Die Ernennung Walter Rathenau» bürste in erster Linie von der Absicht ausgegangen sein, einen Fach­mann auf den wichtigen Posten des Wiederaufbau- minifftrium» zu setzen. Dem .B.L." wird zur Ernennung Rathenau» aus industriellen Kreisen geschrieben, daß man damit rechnen tönne, daß sämtliche indu­striellen Kreise gegen Rathenau scharf Stellung nehmen werden, denn sie sehen in ihm einen Vertreter her sozialistischen Ideen, wenn sie ihn auch nur als Salonsozialisten betrachten. Man glaubt annehmen zu dürfen, daß sich auch inner­halb der demokratischen Partei, zu der Rathenau offiziell gehört, starke Einflüsse gegen ihn geltend machen werden. Auch der, Hansabund' schreibt in ähnlichem Sinne, daß er jeden Versuch, den von Rathenau seinerzeit mit Wissel und Möllendorf propagierten Planwirtschaftrgedanken in die Tat zusetzen, auf da» entschiedenste bekämpfen werde.

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Politische Tagesberichte.

Rücktritt des Reichskommissars b. Starck. Der Reichskommissar für da» besetzte Gebiet v. Starck, c>cm bekanntlich vor einiger Zeit von der Interalliierten Rheinlandkommission die Ausweisung in Aussicht ge­stellt worden war, bat seinen Abschied aus dem Amt erbeten, um der Reichsregierung Schwierigkeiten, die etwa in seiner Perwn liegen könnten, aus beut Wege zu räumen. Als Nachfolger ist ein Diplomat in Aus­sicht genommen.

Aussperrung im Baugewerbe. Der »Berl. Lokalanz.' meldet au» Halle: Zur Abwebr tarifwidriger Streik» im Baugewerbe, welche in der Provinz Sachsen und in Anhalt im Gange sind, sperrte vcr Arbeitgeber-Verband für da» Baugewerbe heute 12 000 Bauarbeiter un Regierungsbezirk Merseburg und Anhalt aus, darunter 8000 auf den Leuna- Werken.

ihnen Kolbenstöße versetzt habe, und daß er in die zum Appell Angetretenen hineingeritten sein soll. Die Gefangenen hätten sich in schmutzigem Wasser reinigen müssen, die Ernährung sei sehr schlecht und unzureichend gewesen. Der Gesund­heitszustand der Gefangenen sei immer schlechter geworden, und schließlich seien diese so geschwächt gewesen, daß sie arbeitsunfähig geworden seien. Trotzdem habe man sie zur Arbeit getrieben, imd zwar auch Kranke, wenn sie nicht direkt vom Arzt krank geschrieben worden wären. Als besonders krassen Fall hob der Vorsitzende hervor, dass dem Angeklagten vorgeworfen werde, er sei in die Grube gesprungen, in die man eben einen Toten gelegt hätte und habe von der Lei^e die Decke weggerissen, weil diese zu seinem Inventar ge­höre, ein Vorkommnis, das der Angeklagte ent­schieden in Abrede stellt. Mehrfach soll er am Boden liegende, in ihrem Schmerz sich windende kranke Gefangene photographiert und seine Freude daran offen zur Schau getragen haben. Auch dies bestritt der Angeklagte, welcher der Ueberzeugung ist, daß hier eine Personenver- wechfelung vorliega. Die Ruhr habe im Lager immer mehr überhand genomemn, ebenso die Un­reinlichkeit und das Ungeziefer. Als am 1. Mai j. I. Regenwetter eingetreten sei, habe ein grosses Sterben begonnen; fast jeden Tag seien Kranke aus Erschöpfung oder an der Ruhr ge­storben. Erst mit dem Weggang des Angeklagten hätten sich die Verhältnisse gebessert und seien nach und nach normal geworden. Der Angeklagte verteidigte sich in der Hauptsache damit, daß es zu der fraglichen Zeit, im vierten Kriegsjahre, geradezu an allem gefehlt habe. Die ganze Ein­richtung des Lagers habe er selbst erst schaffen müssen. Er habe alles getan, was seine Instruk­tiven von ihm verlangt hätten, und was men­schenmöglich gewesen sei. Major v. Bomsdorf stellt dem Angeklagten ein glänzendes Zeugnis aus. Die Gesundheit der Engländer sei schon vor der Einlieferung ins Lager stark erschüttert ge­wesen, was dir Grundlage der schweren Er­krankungen gebildet habe. Er habe mit den Ge­fangenen in ihre Muttersprache gesprochen, aber nöe seien Beschwerden vorgebracht worden. Der Zeuge Röder, ein eingebürgerter Engländer, schil­derte den Zustand, in welchem das Lager vorher unter englischer Besatzung gewesen sei, als viel trostloser. Auch damals seien viele Todesfälle vorgekommen. Die übrigen englischen Zeugen sagten gemäß der dem Angeklagten zur Last ge­legten Vergehen aus und bestätigten diese. Der Angeklagte bestritt, sich in der von den Zeugen geschilderten rohen Weise vergangen zu haben.

Sachverständiger General der Infanterie v. Kuhl sagt aus: Die Zustände, wie sie im

Dom deuffchen Bergarbeiter-Kongretz

Unterstützung der englischen Arbeiter.

Gießen, 30. Mai. Die 23. G;n «S Verbände» der

-Lager zuerst bestanden, waren den Absichten der Heeresleitung durchaus zuwider. Sowohl vom sanitären Standpunkt, als auch im eigenen Jn-

Es mußte längere Zeit dauern, bis befriedigende Zustände geschaffen wurden. Es ist auch den Engländern vorher nicht gelungen, bessere Zu­stände zu schaffen als wir. Ich muß staunen, daß es dem Angeklagten gelungen ist, in kurzer Zeit so viel zu schaffen. Was die Verpflegung anbe­langt» so haben wir vorn auch gehungert- Auch die Heimat hat genug gehungert. Das war die Folge der Hungerblockade, der sich auch die Ge­fangenen fügen mussten. Die Dienstleistung der Gefangenen sollte so besessen werden, wie es die Verpflegungsverhältnisse gestatteten. Die vorge­brachten Klagen über die Verpflegung war Hauptmann Müller nicht in der Lage abzustellen. Kaffee hatten wir selbst nicht- Die Entlaufungs- anlage war mit den vorhandenen Mitteln nicht herzustellen. Bei dem ungeheuren Verkehr in die­sem Gebiet mußte die schärffte Marschdisziplin gehalten werden. Im bezug auf Ehrenbezeu­gungen haben wir wie die Engländer und Fran­zosen verlangt, daß die Gefangenen dieselben Ehrenbezeugungen machten wir vor ihren eige­nen Vorgesetzten. Wenn Versuche von Meuterei vorlagen, mußte mit den schärfsten Mitteln zuge­griffen werden.

Der Oberreichsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

DaS Nrteik.

Da» Urteil im Prozeß gegen Hauptmann Müller wurde gestern nachmittag verkündet. Müller wurde wegen Mißbandlung von Untergebenen und Zulassung einer Mißhandlung, sowie wegen vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung Untergebener zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten G e - f 8 « g n i» verurteilt. Im übrigen erfolgte Frei­sprechung.

In der umfangreichen Urteilsbegründung führte der Präsident u. a. aus: Die schweren Anschuldigungen sind nicht erwiesen, sondern geradezu widerlegt. Das Gefangenenlager befand sich hinter der Kampffront und die dortigen Verhältnisse waren die denkbar un­günstigsten. Mit Nachdruck betonte der Präsident in der Begründung weiter, daß der Angeklagte ein pflicht­getreuer und diensteifriger Offizier war, der den Ehr­geiz hatte, seine Vorgeselcken zufricdenzustcllen, der alles tat, was in seiner Macht stand, um die nötigen Materialien für da» Lager zu beschaffen. Daß der Angeklagte sich zu Ausschreitungen hinreißen ließ, ist durch seinen Diensteifer und durch seine Erkrankung an einem Herzleiden veranlaßt worden. Was die einzelnen Fälle betrifft, so ist angenommen worden, daß eine Meuterei nicht vorlag und daß der Angeklagte sich nicht für berechtigt halten konnte, zur Abwehr der Meuterei so zu handeln, wie er getan hat. Der von den englischen Zeugen bekundete Fall der Leichen­schändung sei als nicht erwiesen anzusehen; denn diese Zeugenaussagen seien alatt widerlegt worden. Im übrigen beurteilte das Gericht die als strafbar ange­sehenen Handlungen in demselben Sinne wie der Oberreichsanwalt. In allen nicht erwiesenen Fällen sei auf Freisprechung erkannt worden. Der Zwang von Kranken zur Arbeit ist als der schwerste Fall an­gesehen worden, ^als zweitschwerster der Fall des Ai

Augenblick drohe ad-en Besetzung des Ruhrgëfl^ sich etw« 400 Teilnehmer aus allen Deutschlands zusammengefunden' hatten, a gleichen Zeit hielten auch die Englä^ Schotten, Dänen, Belgier und Franzosen $ nationalen Espevaato-Kongresse ab, ein wie die Welthilfssprache sich um uns aush^. Alle diese Völker verhandelten ein modeM Psi'Nzstwunder des Zungenredens weitgchA unter Zuhilfenahme des Esperanto, der einzig neutralen, auf so vielen Gebieten glänzend währten Hi lfs spräche, die bei allen Kulturvoll eingeführt ihren Siegeszug über den ErdkM M widerstehlich fortsetzt.

Der Kongreß in Essen gipfelte in dem vortrage des Großindustriellen unit Vorsitzes» des Deutschen Esperantobundes Dr. phil. Stechè-LeipzigEsperanto eine nationale O derung", Redner wies überzeugend noch, das Englische wegen seiner nationalen, Eigenart und wegen feiner mangetM.» sprachlichen Durchbildung niemals als spräche allgemein Anerkennung finden und den anderen Völkern mit Gewalt nicht zwungen werden könne. Ständen doch nur M Millionen englisch sprech ende 658 Millionen M derssprachigen Menschen gegenüber. Jnsbes^V dere mussten wir Deuffchen, allem bewußten unbewussten Drängen zum Trotz, das Enâ» als diegegebene Weltsprache" aus baferM dischen Gründen unbedingt ablehnen und allem versuchen was früher nicht möglich mit Hilfe des Esperanto unsere Eigenart f der Welt auch dort zur Geltung zu bringen, dies mit der deutschen Sprache uns MmöM gemacht ist. Als 5driegsmacht seien wir zwar bei nichtet, aber als Kulturmacht müßten wir mit allen tauglichen Mitteln kraftvoll erhallt Ein merkwürdigerweise gerade unter den @6 bildeten längst nicht genug erkanntes und WM digtes Mittel für diese große, nationale Aufgch sei das Esperanto, das geradezu ein Eharè ristikum der neuen Zeit, das Latein der Dem kmtie, fei und von den Engländern selbst mi von den anderen l^ulturvölkerm bis zu bet Chinesen und Japanern besonders in den im teren und mittleren Volksschichten als solches ge­wertet und viel mehr als bei uns amtlich unter. stützt und propagiert werde. Infolgedessen^ auch überall die Verbreitung des Esperanto ge­radezu stürmifch zu und unser Volk müsse auf wachen und unsere Neuerungen, wissenschch- iNten und gewerblichen Kreise an ihre national« Pflicht 'nachdrücklichst erinnern. Vor allem fei nötig, den Esperanto°Zwangsunterricht, nach der Zwischenstufe des wahlfreien, staatlich zu orgs- eisieren, damit 'nicht, wie bei der Stenographie, durch Versäumen des rechten Augenblickes un­heilbare Schäden entstünden.

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kranker UN glücklicher, vollständig dem Angeklagten preisgegebener Gefangener gehandelt habe.

gestern Abend in Gießen eröffnet. Anwesend waren Delegierte an» allen Teilen de» Reiche», auch des vaargebictes. Vertreten waren ferner die Bergarbeiter Belgiens und der Tschechoslowakei. Vertreten waren ferner das Internationale Arbeitsamt in Genf, das ZwcigwinschaftSamt in Berlin, der ReichSkohlenverband Berlin, das Kohlenjhndikat, das Kalisyndikat und die Braunkohlcnsyndikatc. Vertreter der niederländischen und englischen Bergarbeiter haben ihr Erscheinen zu» gesagt und werden im Laufe der Tagung erwartet. Die französischen Bergarbeiter haben mit Bedauern wissen lassen, daß sie wegen eines Bergarbcitcrkongrrsse» im eigenen Lande leint' Vertreter schicken könnten. Der Vorsitzende des Verbandes, Husemann, Bochum, bedauert in seiner Rede, daß den ober» schlesischen Bergarbeitern die Ausreise durch den polnischen Aufstand unmöglich gemacht wurde. Der Redner begrüßte dann die kämpfenden Berg­arbeiter England» und sagte, daß die deutschen Berg, arbeitet darauf achten werden, daß die Kohle«, die Deutschland nach Belgien und Frankreich liefern müsse, nicht nach England geschafft werden. Der Kongreß m Gießen werde über weitere Unterstützungsmaßnahmen englischen Bergarbeiter beschließen. Husemann gab dann in großen Zügen ein Bild der Entwicklung der Bergarbeiterorganisation seit 1889. Heute zähle der Verband 467 000 Mitglieder, die sich über alle Berg- reviere verteilen. Die eingegangenen Beiträge er­höhten sich von 12,14 Millionen im Jahre 1919 auf 33,25 Million Mk. im vergangenen Jahre. DaS Vermögen habe sich im letzten Jahre von 15 Millionen Mark auf 251/, Millionen Mk. erhöht.

Zur Frage der Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete erklärt der Vorsitzende, daß die deutschen Bergarbeiter dabei Mitarbeiten wollten, aber nicht als Hörige und Knechte, sondern als freie Dtänner. Kapitalismus, Imperialismus und Chauvinis­mus feie« interuationaleErscheinungeu,deshalb möchte sich auch, die Arbeiterschaft zur Bekämpfung international organisieren. ES sprach dann der Vertreter der belgischen Bergarreiter Dellardi» in französischer Sprache. Seine Rede wurde sofort übersetzt und vor- gelesen.

Die Tagung bewilligte dann einstimmig zur Unter­stützung der im Ausstande stehenden englischen Bergarbeiter 1 Million Mark und von der nächsten Beitragszahlung eine Unterstützung von 3 Mark pro Mitglied.

rrungen erstrebt. Der Sachverständige gibt ein Bild der Kriegslage nach der <ruf gehaltenen Offensive. Wir haben bitteren Mangel gelitten. Das, was die Gefangenen beklagen, haben wir an der Front viel mehr erfahren. Wir konnten uns auch nicht waschen. Was vorgebracht wurde, reichte nicht einmal für die kämpfende Truppe.

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Esperanlo-Kongretz.

Zu Pfingsten tagte in Essen der 10. Deutsche Esperanto-Kongreß, zu dem trotz des erschweren­den Pfingstverkehrs und trotz der bis zum letzten

^GZxVm Atemnot ein durch Rerchsvatent geschütztes, ärztlich erprobte« Verfahren. Erläuternde SchriftDer neue Meg' kostenlos und portofrei durch Dr. Edmund Weidner. Berlin 293. Alexandrinenstrahe 26. 4287i

Fahrplan gültig vom 1. Juni 1921

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Der zweiteâiegsverbrecher"- Hrozetz.

Unmittelbar an den Prozeß gegen den Unter- ' offizier Heynen schloß sich das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Hauptmann a. D- Emil Müller aus Karlsruhe an, der von Anfang April bis Anfang Mai 1918 mit noch einem an­deren Hauptmann zusammen das Gefangenen­lager in Flavile Martel bei St. Quentin befeh­ligte. Erschienen sind 19 deutsche und 20 englische Zeugen. Der Vorsitzende faßte die dem Angeklag­ten zur LLst gelegten Straftaten kurz zusammen. Namentlich handelt es sich nach den Aussagen der englischen Zeugen darum, daß der Angeklagte in zahlreichen Fällen Kranke mißhandelt sowie Mit dem Peitschenstiel ins Gesicht geschlagen,

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