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anauerW Anzeiger

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General-Anzeiger

AmMches Organ für Stadl- und Landkreis Sana«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- Md Feiertage

Derlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardSultsch;für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz; für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Sana«. FernsvreâanschlLsse Nr. 1237 und 1238.

Montag den 30. Mai

1921

Das Neueste.

! Bie uns ein Privattelegramm meldet, ist die Memmna Walter Rathenau» zum Minister für «Etberaufbau gestern vom Reichspräsidenten vollzogen "Erben.

I Das Rnchskabinett- hielt gestern eine Sitzung k in der die Entwaffnung»frage behandelt wurde.

- In Berlin fand gestern eine machtvolle Protest- bn jitbjtbimg gegen die Teilung Oberschlesiens statt.

- Der Plan der Dreiteilung Oberschlesiens wurde btt Botschafterkonferenz beraten.

- Im Meuselwitzer Braunkohlenrevier ereignete 4 ein schwere» Grubenunglück. 19 Bergleute fanden Tod.

Oberschlesien in Aoi.

w Site Protestkundgebung. Der Reichskanzler ist gegen eine Vergewaltigung.

Die vereinigten Verbände heimattreuer Ober- Mlèsier veranstalteten gestern nachmittag im HLerliner Lustgatten eine fast beispielslose Kund- Wung, an der weit über Hundert. Itaufenb deutscheFrauen und Männer Wlnahmen und die fich gegen die pol­nische Willkürherrschaft und die Taten- Mgfeit der Alliierten richtete. Von sechs ver­schiedenen Versammlungsplätzen marschierten filmtet den Klängen vaterländischer Lieder und Märschen mit weißgelben Fahnen und zahl- Mchen Schildern mit Jnschnften ungeheure « Scharen Kommunisten und Deutsch.nationale, Unabhängige und Anhänger des Zentrums ein« »trächtig nebeneinander ihrem Ziel entgegen. Mn wahrhaft erhebendes Bild! Redner aller Karteien, Gewerkschaftsführer aus Breslau, Mattowitz und Oppeln, oberschlesische Komm«. Blll|l8R, |IV Uuc ipiUUJCH uh <cu|iyuavii| uCtctu hon 40 verschiedenen Stellen, und alle waren reinig in der Verurteilung der blutigen pol« k Nischen Greuel und der Haltung der Entente. «Dcr Andrang war so ungeheuer, daß auch am Mationaldenkmal und auf dem Schloßplatz W weitere Redner sprechen mutzten. Flugzeuge A kreisten währenddessen über den Straßen und »warfen Fluglätter ab. Besonders bemerkens- kwett waren die Ausführungen des Vettreters »der kommunistischen Partei inKattowitz, »Dr. Weinberg. Er sagte u. a.: In Ober- -kWesien herrscht Mord, Vergewaltigung und ^«Totschlag. Der Pole herrscht im Vertrauen tauf die französische Bunderbrüderschaft in der Msürchterlichsten und unmenschlichsten Weise. In 1 UNS allen aber lebt die Hoffnung, daß es nicht bleiben kann, daß einst kommen wird der Tag, an dem wir das Joch der Fremdherrschaft , I schütteln. Und haben wir jetzt auch keine I Waffen, so werden wir deutsche Arbeiter ; K doch zeigen, daß wir noch Mark genug in den ; E Knochen haben, um uns von der Tyrannei un- W felel Gegner zu befreien. Wir Oberschlefier K fügen ohne Unterschied der Partei: Wir sind DDeutsche, wir wollen bei Deutsch- f land bleiben!

In der angenommenen

Entschließung

heißt es:

Das oberschlesische Volk hatte bestimmt ge- I hofft, daß mit dem Tage der Abstimmung alle Not ein Ende nehmen wird. Statt dessen sind seine Leiden ins Unermeßliche gestiegen. Korfanty regiert, trotz seiner Entwaffnungs- Msage Wir verstehen, daß das von allen ver­lassene, auf sich selbst gestellte oberschlesische Volk in höchster Verzweiflung und aus Selbst­erhaltungstrieb zur berechtigten Notwehr ge­griffen hat und fordern, daß dem Zustand der Gewalt durch die Garantiemächte sofort ein Ende gemacht wird. Mr fordern an der Spitze der interalliierten Kommission endlich eine Persönlichkeit, die die Bürgschaft für eine ehr- Me Durchführung des Friedensvertrages Djetet Wir fordern, daß durch die beschleunigte I Entsendung ausreichender englischer und ita-

§ nenischer Truppen der gesetzmäßige Zustand in Oberschlesien sofort wieder hergestellt und die Grenze gegen Polen lückenlos gesperrt wird. Wir fordern, daß die deutsche Regierung 'lach wie vor mit dem größten Nachdruck für das bedrängte oberschlesische Volk und für das Verbleiben des ungeteilten Oberschlesiens bei Deutschland eintritt.

Nach lang anhaltendem Beifall zogen die I nach ihren Versammlungsorten ab, wie- urit Musik und unter Absingen vaterländischer Lieder.

Sv3m Anschluß an die gewaltige Kundgebung begab â ?"e Abordnung von Oberschlesiern in die Reichr- wo sie von dem Reich«kanzler Wirtb im Bci- >" eer Reichsministers des Auswärtigen, Dr. Rosen, Prangen wurde, Der Führer der Deleaation über»

reichte dem Reichskanzler die im Lustgarten gefaßte Entschließung mit einer Ansprache.

Der Reichskanzler

antwortete hierauf mit folgenden Worten: Mit tiefer Ergriffenheit bin ich dem Verlesen dieser Resolution gefolgt. Sie dürfen überzeugt sein, daß da» ganze -deutsche Volk da» Ringen des oberschlesischen Volke», nicht wie man landläufig sagt, mit Interesse verfolgt, sondern die Ereignisse in Oberschlesien geradezu mit wehem Herzen tief ergriffen hinnimmt. Ich habe mich von dieser Bewegung bei deutschen Volke», die eine wahre Volksbewegung ist, «auf meiner Reise in Süd­deutschland überzeugen können, wo ich überall gefragt worden bin: Glauben Sie, Herr Reichskanzler, daß dem oberschlesischen Volke da» Recht zuteil wird, ans da» ei wirklich Anspruch erheben kann. Ich bin des­halb auch von Dank und Freude erfüllt über die ge­waltige Kundgebung, die sie im Lustgarten zusammen­geführt bat, um für da» gute deutsche Recht auf dieses alte deutsche Land ihre Stimme zu erheben, und mit Nachdruck Einspruch gegen die Vergewaltigung, welche unsere Volksgenossen von den polnischen Insurgenten zu erdulden habe«. Heute ^nöchte ich in Kürze nur das eine zu Ihnen sagen: Nach dem Wunsche der Polen ist da» Abstimmungsgebiet Oberschlesien» aus der Provinz Oberschlesien berau»gesch«itten worden, weil sie glaubten, bei der Abstimmung in einem willkürlich abgetrennten Teile einer Mehrheit sicher zu sein. Auf polnische Initiative hin ist ferner den nicht in Ober­schlesien wohnhaften Abstimmungsberechtigten seinerzeit da» Stimmrecht zuerkannt worden. Hinterher freilich, als die Polen sahen, daß diese Karte gegen sie schlagen würde, wollten sie sie für ungültig erklären. Da? ist da» Gegenteil von jenem fair play, da» in diesen Wochen von hervorragender Stelle in England für Oberschlesien verlangt worden ist. Die Bevölkerung hat sich mit fast V« Millionen für Deutschland erklärt. Viele auch von Ihnen meine Herren haben mit dazu beigetragen, daß der 20. 3. ein Ehrentag für Ober­schlesien und ein Ehrentag für das gefammte deutsche Volk geworden ist, trotz der von den Polen vor und

der Abstimmung auSgeübten Terror?. Die vor aller Welt oneutunotgc

Volkes für Deutschland und gegen Polen läßt sich durch nichts fortbiltieren und durch nicht» fortdispu- tieren. Wir haben viel verloren in Deutschland: deutsches Land, deutsche Stammesgenossen in Ost und West, die Waffen, Schiffe, Gold und Geld, aber die Vaterlandsliebe, die Liebs insbesondere zur engeren Heimat, zu dem Land, wo man feine Jugend verlebt hat, lassen wir uns nicht nehmenl Und solange sich diese Liebe so be­währt, wie sie von allen Oberschlesiern in Ober­schlesien und im übrigen Dentschlanv znm Ausdruck gekommen ist, solange dürfen wir hoffen, daß es mit unserem Vaterland wieder aufwärts gehen wird. Oberschlesien bat sich für Deutschland erklärt und zwar au» sämtlichen Schichten der Bevölkerung ist die Mehr­heit für Deutschland gewesen. Die von mancher Seite aufgestellte Behauptung, die Arbeiterschaft hätte sich für Polen erklärt, steht im schroffsten Widerspruch zu den Tatsachen. Hunderttuuscnde und Aberbunberttaufenbe von Arbeitern sind für Deutschland eingetreten. Das eine aber ist richtig, und das hat auch bald nach der Abstimmung* ein großes englischer Blatt al» bezeichnend hervorgehoben, unter de« für Deutschland abgegebenen Abeiterftimmen befinden sich vorwiegend die Stimmen der geschulten und damit leistungsfähigeren Arbeiter. Gerade die gesamte hochstehende Arbeiterschaft hat für Deutschland gestimmt, und ich füge hinzu, je größer der Stamm deutscher geschulter unb leistungsfähiger Arbeiter ist, desto rascher wird Dciitfchland und damit ganz Europa von den schweren Wunden genesen, die ihm der Krieg geschlagen hat. Das ist eine Lebens­frage Europas. Wenn die Polen geglaubt haben, die Welt vor vollendete Tatsachen zu stellen, so haben sic sich getäuscht. Es wäre auch der Gipfel der Un­gerechtigkeit, wenn brutale Gewalt beet Recht geopfert werden würde.

Aèeine verehrte Herren! Oberschlesie« ist ein deutsches Land; deutsch ist seine Kultur, sein soziales Leben, sein Empfinden und seine Wirtschaft. Nur mit Deutschland vereint kann es blühen und gedeihen. Unser ist und das be­tonen wir immer wieder, indem wir Hinweisen auf das demokratische Leben in Europa die Stimmenmehr­heit, unser das Recht, unser die Gerechtigkeit! Und so lassen Sie uni hoffen, daß diese Waffen, auf die wir Hinweisen, die Mehrheit und das Recht, sich schließlich stärker und siegreicher erweisen werden als dre Maschinengewehre und Bomben fanatisierter und irregesührtcr Aufständischer.

Die Lage weiter ernst

Oppeln, 29. Mai. Im Kreise Rosenberg räumten die Polen Wachowitz. Der Ort Rosenberg ist nach tote vor tu ber Hand der Polen und ist von ihnen stark befestigt. Es wurden Gefangene gemacht, die dem regulären polnischen Infanterieregiment 27 augehörten und in den Rcihen der Insurgenten mit- gekämpft hatten. Ueber die Oder bei Lappaksch im Kreise Rosenberg borgebrungene Banden wurden über die Oder zurückgcdrängt. Aeuborf im Kreise Rosenberg wurde von den Aufrührern durch Artillerie und durch einen au» der Gegend von Zembowitz hcrangesahrencn feindlichen Panzerzug beschossen. Am 28. Mai griffen die Aufständischen Niewke heftig an; der Angriff wurde abgeschlagen. Später wurde Niewke von den Polen mit Artillerie beschossen. In der Nacht vom 26. zum 27. Mai wurden von 250 bewaffneten Insurgenten in Hindenburg aus dem Lyzeum, in dem ungefähr 200 Flüchtlinge untergebracht waren, 134 Deutsche heraurgeholt und in das polnische Hauptquartier ver- schleppt. Die Franzosen schritte« nicht ein, obwohl das Lyzeum zu dem von ihnen besetzten

Häuserblock gehört. Am 23. und 24. Mai abends wurde daS Dienstgebäude der Eisenbahndirektion in Kattowitz vereinzelt mit Minen beschossen. Am 25. Mai vormittag» haben bewaffnete Insurgenten aus dem Bahnhof Kattowitz 30 Personen-, Pack- und Güterwagen gestohlen und nach der Jdiweiche abge­schleppt. Die Wagen standen auf den Gleisen inner­halb des Stadtgebiete», das nach der Vereinbarung der Franzosen mit den Insurgenten von diesen nicht betreten werden durfte. Die französischen Wachen ver­hinderten den Diebstahl nicht, obwohl sie rechtzeitig durch da» Eisenbahnaufsichtspersonal verständigt worden waren.

Oppeln, 29. Mai. Die Bevölkerung de» Kreises Rosenberg macht unter den Drangsalierungen der Insurgenten ein wahres Martyrium durch. Sie leidet schrecklich unter den Brandschatzungen und Plünde­rungen, die aus einer Reihe von Dörfern des Kreises gemeldet werden. Die Erbitterung der Bevölkerung über die Insurgenten ist bis zur Siedehitze gestiegen.

Festgestellte Vorbereitungen der Insurgenten, namentlich ihre starke Patrouillen- und Feuertätigkeit, bestätigen die auch in der deutschen Presse fast, ein­mütig vertretene Ansicht, daß die Meldung, Korfanty wolle den Aufstand beende«, nichts andere» al» eine große Irreführung darstellt.

Die Dreiteilung Oberschlesiens.

London, 28. Mai. Wie Reuter erfährt, besteht ungeachtet dessen, daß von der ftanzöstschen Regierung ein bestimmtes Datum für den Zusammentritt bei Obersten Rater zur Besprechung bei Aufstande» in Oberschlesien noch nicht vorgeschlagen worden ist,, auf englischer Seite da» ausgeprägte Empfinden, daß eine möglichst baldige Einberufung bei Obersten Rate» von wesentlicher Bedeutung ist Wie man auch den Vor­schlag einer weiteren Prüfung der Einzelheiten durch technische Sachverständige bewerten mag, so besteht doch bas Empfinden, daß eine solche Prüfung nicht an Stelle der Beratung der Frage durch den Obersten Rat treten kann, der allein berufen ist, fich mit den mit dieser Angelegenheit verbundenen wichtigen politi­schen Folgen unb mit der Wiederherstellung der Autorität der AüierieH uver bie ^urgenten, jiLbxi. schäftiaen. Der englische Vorschlag, in Oberschlesie« drei Zonen zu schaffen, die von den Polen, den Deutschen unb den Alliierten besetzt werben sollen, ist nunmehr der Botschasterkonferenz von den englischen unb italienischen Vertretern in der interalliierten Plebitzitkommisston förmlich unterbreitet worden. Obgleich General Le Rod davon Abstand genommen hat, sich dem Vorschläge anzuschließen, so besteht doch die Hoffnung, das die französische Regierung der Fest­setzung des Vorschlages in Berücksichtigung der Tat­sache ^stimmen wird, baß die mit dem Vorschlag ver­bundene Regelung nur vorübergehender Natur ist, denn der Vorschlag löst die Schwierigkeit, in einem s» großen Gebiet die Ordnung aufrechtzuerhalten. Dem Vernehmen nach begünstigen bte Italiener diesen Plan, der in der heutigen Sitzung der Botschasterkonferenz besprochen werden soll.

(Nach dem DrciteiliingSplgn soll die westlich« und nördliche Zone an Deutschland fallen, die südliche mit Pleß unb Rybnik den Polen zugewiesen werden und die mittlere Zone soll weiter unter der Herrschaft der Interalliierten Kontrollkommission verbleiben. D. Red.)

Paris, -29. Mai. Der diplomatische Bericht­erstatter derChicago Tribune" Herny Wale» teilt mit, daß der Botschafterrat gestern Anweisungen an die Interalliierte Kommission in Oppeln habe ergehen lassen, einen einheitlichen Vorschlag zur Teilung des strittigen Gebietes in drei Abschnitte vorzulegen. Die Zustimmung des französischen Delegierten im Bot- ichafterrat zu dem Plane der Dreiteilung Oberschlesiens bezeichne den ersten Schritt zur Annahme einei Kom­promisses durch die Franzosen. General Le Rond habe dem telegraphischen Bericht des englischen und italienischen Mitglieder der Interalliierten Kommission, auf Grund dessen die Botschasterkonferenz gestern tagte, einen Zusatz beigefügt, in dem er sich außer­stande erklärte, sich an der Abfassung des Berichte« zu beteiligen, da die französische Regierung den gleichen Vorschlag früher abgelehnt habe. Die Tatsache jedoch, daß da» französische Mitglied der Botschafterkonferenz sich den Anweisungen an die Abstimmungskommission angefdjloffen hat, führe zu der Annahme, daß auch Le Rond den neuen Vorschlag unterstützen werde, ob­wohl man in gewissen Kreisen glaube, daß er es vor­ziehen werde, zurückzutreten. Der Erfolg des englisch- italtenischen Entwurfs, nachdem dieser mehrfach von Frankreich abgelehnt worden sei, werde als ein An­zeichen dafür angesehen, daß man sich am Quai d'Orsay überzeugt habe, daß die Vereinigten Staaten de« Plan einer autonomen Zone unterstützen. Diese Regelung solle bis zum nächsten Zusammentritt bei Obersten Rates in Boulogne in vierzehn Tagen als vorläufige Lösung des Problems getroffen weroeL

Wir können uns mit diesem Vorschlag absolut nicht einverstanden erklären und wir müssen offen sagen, daß er mit den stolzen Worten Lloyd Georges im Unter­hause für die oberschlesische Frage und für die Be­wertung des Aufstandes und seiner Führer nicht in Uebereinstimmung gebracht werden kann. Anstatt dir Autorität der Interalliierten Komimsston wieder her­zustellen, anstatt^ die Aufständischen zu züchtigen und der polnischen Rasse, für deren Züg«llosi,keit in ihrer Kritik an England und Italien wir bei öfteren charakteristisch- Beispiele angeführt haben, statt dessen schlägf England gemeinsam mit Italien ein Kompromiß vor, das Korfanty als Erlösung aus seinen Schwierig- leiten nicht einmal allzu unwillkommen sei« dürfte, obgleich er natürlich gebührend schreien wird. Wenn

bie Dreiteilung auch nur vorübergehend sein soll, so i

wissen wir doch, welche Gefahren für uns damit ver­bunden sind. Der Vorschlag zeugte dafür, daß auch England da» Ergebnis der Abstimmung, den ent­scheidenden Sieg des Deutschtum» in Oberschlesien, nicht nach rein rechtlichen Gesichtshuakten, nicht au» dem Verlangen nach fair Play zu werten gedenkt.

Ster Oberschlesien bork Elsatz.

London, 29. Mai. DerOdserber" erklärt in einem Leitartikel, eine Teilung Oberschlesien» würde Wahnsinn sein. Da» Blatt schreibt, durch den Sieg Briand» in der französischen Kammer seien die Schwie­rigkeiten noch nicht überwunden. Die Haltung der neuen deutschen Regierung habe bereit» Briand gegen die Extremisten geholfen und werde überall zur Mäßig­ung beitragen. Man müsse jedoch klar sehen, daß dar, war jetzt geopfert würde, um die Eintracht zu wahren, der Grund zueinem künftigen Krieg« werden könne. Der Friede der Diktat» und bei ober­flächlichen Aurgleichr müsse noch umgewandelt werden in den Frieden der Zusammenwirkens und der Sicher­heit, da er sonst mit einer Katastrophe enden werde, die schlimmer sei als alle» bisher erlebte.Oberser« ver" erklärt, Oberschlesien sei ebenso wie Elsaß ein historischer Ganze». Wenn man Oberschlesien teilen könne, müsse man auch Elsaß teilen können. Die überwiegende Mehrheit Oberschlesiens habe für da» Verbleiben beim Deutschen Reiche gestimmt. In dem eng verknüpften, von einander abhängenden Jn- dustriebezirk Oberschlesien» könnten neue Grenzen nur gezogen werden von Ignoranten oder von Leuten, die unbekümmert um die Folgen sein würden.Ober- server" sagt, Europa könne au» einer Teilung Ober- schlesien» nur Schaden erwachsen »nd Europa sei nicht so reich, al» daß e» freiwillig einer zweifelhaften Politik einen wesentlichen Teil seiner natürlichen Reichtum» opfern könne. Oberschlesien sei wesentlich für die Erhaltung Deutschland», und die Wohlfahrt Deutschland» sei ein wesentlicher Faktor für das Ge­deihen Frankreich». Die Teilung Oberschlesiens sei daher sowohl vom politischen al» auch vom wirtschaft­liche« Standpunkt au» unhaltbar. Trotzdem erscheine c» unvermeidlich, daß eine gewisse Teilung Oderschle- -iienLüattftâ... .Zn-diesem Falle müsse die Teilung borgenommen werden, die am wenigsten Schaden an­richte.Observer" verweist auf den Vorschlag der britische« und italienischen Kommissare, der die Z «- Weisung von Pleß und Rybnik an Polen vorsehe. Das Blatt erklärt, wenn die fran­zösische Politik keine Aenderung erfahre, dann müsse eS den Vorstellungen Englands und Italien» sowie dem moralischen Einfluß der Vereinigten Staaten überlassen werden, Polen» Zukunft vor Polen selbst zu schützen u«d die Teilung Oberschlesiens auf ein Maß zu beschränken, das Schlesien den wenigsten Schaden zufüge. Wie jedoch auch immer die genaue Gestalt einer Revision auf solcher Grundlage sein werde, von Dauer könne diese Regelung nicht sein. Vielleicht werde auch eine zeitlang die Ordnung und Ruhe wieder hergestellt werden, die Entente könne jedoch weder den Lauf der Oder ab­ändern, noch die Eisen- und Kohlenlager Oberschle- sien» weghexcn. Sie könne Schlesien schädigen, ohne Polen zu helfen, und Schlesien schädigen, bedeute, Polen selbst schädigen.

Politische Tagesberichte.

Ergebnis der Volksbefragung in Salz^ bürg. Aus Salzburg wird gemeldet: Die Volksbefragung wegen des Anschlusses ging nach den bisher vorliegenden Nachrichten im ganzen Lande ohne Zwischenfall vor sich. Die offiziellen Stellen beteiligten sich an dem Abstimmungsapparat in keiner Weise. Nach dem um 7 Uhr abends vom Bürgermeister verkündeten Ergebnis find in 85 Gemeinden, aus denen bisher Abstimmungserge.bnisse vor­liegen, 68 210 Stimmen abgegeben worden, davon 67 533 Stimmen mit ja und 677 mit nein. Die Stadt Salzburg verzeichnet 20135 Stimmen mit ja und 225 mit nein.

Sur Auflösung der bayerischen Ein­wohnerwehr. Wie dieBerliner Montagspost" meldet, ist das Reichskabinctt gestern zu einer Sitzung zusammcngctretcn, in der cs sich ausschließlich mit der Entwaffnungsfrage beschäftigte. Das Blatt will wissen, daß diese Sonntagssitzung hauptsächlich dadurch ver. anlaßt worden ist, daß in B a y e r n starke Kräfte di, Auflösung der Einwohnerwehr zu ver hindern suchten, wodurch eine sehr ernste Lage cnt> stehen könne.

Verarmung und Unordnung in Must- land. Der in russischen Angelegenheiten stets sehr gut unterrichtete Sonderberichterstatter desObserver" erfährt, daß die wirtschaftliche Lags in Sowjetrußlaud jeden Tag schlimmer wird. Alle aus Rußland kom­menden Personen, sowohl Kommunisten als auch Nicht­kommunisten, erklären, daß die Verarmung und Unord­nung in Rußland niemals deutlicher zurage getreten ei als jetzt. Die Lebensmittellage in Petersburg sei ataftrophal und verzweifelter als je. Die Brotration er auf ft» Pfund herabgesetzt worden. Die Bauern n Nordrußland seien am Verhungern.

Die Unruhen in Alexandrien. W': ..m'lich bekannt gegeben wird, sind bei den jüngsten Auf­ständen in Alexandrien 15 Europäer, 48 Einge­borene getötet und 68 Europäer und 749 Ein­geborene verwundet worden.

Weitere politische Nachrichten Seit» è»>^