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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Slaül- und Landkreis Lana«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlassleitung: Ad. Jndermöble. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil, Richard Hultsch; für lokalen und vrovimiellen Teils sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und- Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Fernsvrechanschlüffe Nr.. 1237 und 1238.

Ak. 122

Samstag den 28. Mai

1921

K3

Das Neueste.

Die Einfuhr von Frischmilch, Magermilch ! und Molken au» dem Auslande ist vom 1. Juni ab freigegeben.

Die jüngste deutsche Reparationszahlung Ist in Dollar umgerechnet und an eine New- tjorfer Bank überwiesen worden.

Der Urheber de» Anschlags auf die Siegessäule wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die polnischen Artillerieangriffe in Ober- schlesien dauern fort.

Auf einem großen Wirtschaftskongreß in Mortau find diè Pläne Lenins über Schaffung einer staatskapitalistischen Großindustrie zur Beratung gelangt.

Aufhebung der Sanklionen.

Das Kabinett Wirth hat Wert darauf gelegt, Las Londoner Ultimatum ohne Bedingungen unb Einschränkungen anzunehmen. Das bedeutet aber natürlich nicht, daß unser Territorium und unsere wirtschaftlichen Hilfskräfte, sowie unsere Bewegungsfreiheit in jedem beliebigen Umfange eingeengt werden dürfen, unb daß dann immer noch für uns die moralische Verpflichtung besteht, das überschwere Reparationsprogramm durchzu­führen. Solange die Politik der Sanktionen ge­trieben wird, können wir nicht alle Kräfte ein­sehen, um unsere SSerpfltdj hingen zu erfüllen.

Der größte Teil der Reichstogsmehrheit, welche in der Nachtsttzung vom 10. zum 11. Mai das Londoner Ultimatum annahm, erwartet, daß die am 7. März auf der damaligen Londoner Konferenz verhängten ersten drei Sanktionen rückgängig gemacht werden. Vor wenigen Tagen »ersauke-ie gerüchtweise, daß die Zollinie am Rhein spätestens am 6. Juni fallen und daß die Räumung der drei rheinischen Städte Düffeldorf, Duisburg und Ruhrort schon einige Tage früher erfolgen werde. Nach englischen Meldungen wird über die Besettigmrg dieser beiden Sanktionen zwischen den Verbandsmächten verhandelt. Bri- anb hat in seiner großen Kammerrede vom 24. Mai nichts darüber gesagt, ob und wann die drei Londoner Sankttonen aufgehoben werden solle«. Dir Schäden, welche diese Sanktionen für die deutsche Wirtschaft haben, treten immer deut­licher in die Erscheinung. Die pfälzische Tabak­industri« ist schwer bedroht und auch der rhei­nisch« Wernhandel sucht nach einem Rettungs- Wege. Französische und belgische Exporteure wachen sich bie Lage zu Nutze und überschwemmen das durch Zollmauern nach Osten abgeschlossene Rheingebiet mit Waren, besonders mit Luxus­erzeugnisse« wie Wein, Liköre usw. Werden uns aber solche unnötigen Verbrauchsartikel aufge- drängt, so wird uns damit die Erfüllung des Reparationsprogramms erschwert. Es wird sich für uns zum erheblichen Teil darum handeln, wie wir den eigenen Verbrauch beschränken. Bei diesem Bestreben sollten uns unsere Gläubiger unterstützen. Der Gewinn, welchen die ausländi­schen Lieferanten solcher Luxuserzeugniffe er- Men, steht in keinem Verhältnis zu dem Aus­fall, ben bie deutsche Finanzkraft erleidet. Wir wollen doch die Auslandsguthaben und Devisen zu, Zahlungen und nicht zum Genuß verwenden! Di« Besetzung der Rheinkohlenhäfen stört die Belieferung Süddeutschlands mit Ruhrkohl«. Es unterliegt keinem Zweifel, daß deutsche Organe diese Versorgung gleichmäßiger und reibungs- wser durchführen können als die Verbandsbe­hörden.

Die Sanftionen vom 7. März sollten nach der Meinung der Verbandsstaatsmänner Deutschland zum Entgegenkommen in der Reparationsfrage veranlassen. Durch den Versailler Vertrag lassen Ye sich nicht rechtfertigen. Es war nicht unsere Schuld, daß die Reparationskommission mit der Errechnung der Schuldsumme und mit der Auf­stellung des Zahlungsplanes erst am 5. Mai fer­nst wurde. Wir haben unser Alleräußerstes ge- wn, indem wir irach Ablauf der sechstägigen

am 11. Mai die Forderung unserer Gläu- Wr anerkannt haben. Damit entfällt jede Be­rechtigung, Gewaltmaßnahmen aufrecht zu erhal- ien, die schon am 7. März verttagswidrig wäre«. Ms Garantie für bie Vertragserfüllung haben Sanftionen keinen Wert. Es wäre selbstmör- uerrscher Wahnsinn vom deutsche« Volke, wenn versuchen wollte, sich seinen Verpflichtungen arglistig zu entziehen. Die Aufhebung der Sanktionen mürbe uns vielmehr die Erfüllung erleichtern. Darum erhebt das deutsche Voft im rgenen Interesse und in dem seiner Gläubiger W die Forderung, die Gewalttaten vom März so schnell wie möglich rückgängig »u macken e

Ernste Lage in Oberschlesien.

Polnische Artillerieangriffe und Zerstörungen.

Oppeln, 27. Mai. Im nördlichen Abschnitt des Aufstandrgebietes wurden die Orte Radau und Lenke von polnischen 10,5 cm. Geschützen, die bei Zembowitz stehen, ständig unter Feuer aehalten. Polnische Insurgenten haben den Bahnhof Rosenberg und einige Privataebäude in die Lust gesprengt, wie bie polnische Zeitung Dziennik Poznansy" selbst zugibt. Heftige Angriffe der Insurgenten gegen Borek und Kiasetzna wurden abaeschlagen. Wiederum wurden diesmal bei Wygliolow Wachen des deutschen Selbstschutzes von polnischen Banden mit Maschinengewehren beschaffen. Die Be­satzung von Leschna wurde hept« früh von den Polen schwer angegriffen und konnte sich nur mit Mühe halten. Die Insurgenten verloren bei diesem Angriff 29 Tote. Allen Anzeichen nach haben die Polen nördlich und südlich von Rosenberg sich bedeutend verstärkt. In der Gegend von Cosel wurde von den Polen stark aeschoffen. Die Stadt Eroß-Streblitz ist mit Ausnahme des Bahnhofs frei von Insurgenten. Auf Groß-Stein schaffen die Aufftändischen von Ottmütz her mit Artillerie. Im ganzen Süd­abschnitt des Aufftandsgebiete» herrschte heute lebhafte polnische Feuertätigkeit. Bei Hohen- birken und Plania schossen die Polen mit Minen. Bei Ratibor sind Scharfschützen der Insurgenten aufgetreten, die ein Passieren der Straße un* möglich machen. Der italienische Kreirkon« trolleur erhielt auf der Fahrt über Land sechs Schöffe in seinen Kraftwagen. In der Gegend von Cosel war bté Feuertätigkeit der Polen besonder» über Nacht sehr stark. Groß-Stein wurde in der achten Abendstunde au» der Rich- tung Ottmütz mit einigen Artill-rieschüflen be­legt. Die Lage der von den polnischen Insur­genten eingeschloflenen Städte im Zentralrevier de» Industriegebiet» ist so bedenklich, daß bei einer weiteren Zunahme der jetzt herrschenden Not mit einer Ueberg abe der Städte an die Insurgenten zu rechnen ist. Die Kohlenftage wird bedrohlich, weil kein geregel­ter Abtransport stattfindet, da die Bahnhöfe mit beladenen Güterwagen verstopft sind und die Hallen voll Kohle liegen.

Ovpelr», 27. Mai. Au» Beutheu tvird gemeldet: Am 23. Mai versuchten die Polen in Beuthen einzu- dringen und kamen bis vor da» gerade gegenüber dem Beuthener Hauptbahnhos gelegene deutsche Plebiszit- kommissariat. Sie verließen dieser erst, nachdem die französischen Soldaten mit ihnen Verhandlungen ge­pflogen hatten. Gleichzeitig drangen polnische Banden in der Richtung Heinitzgrube und in der Richtung Karr vor, gelangten noch Beuthen bis an das auf der Hindenburgstraße gelegene Promensdenrestanrant und überfielen gleichzeitig in der im Stadtpark gelege­nen Wohnung die Polizeibeamten Böhm und Görlitz. Böhm, welcher einen Bauchschuß erhielt, erlag seinen Verletzungen. Görlitz wurde verschleppt.

Am Mittwoch nachmittag trafen der englische Kreirkontrolleur von Rosenberg mit den französischen und italienischen beigegebcne« Kreiskontrolleuren in Oppeln ein. Eie verließen Rosenberg endgültig mit der Begründung, daß sie ohne jede Autorität seien, um auch nur den geringsten Schutz für die Aufrechterhal­tung der Ordnung in Rosenberg aurzuüben. Diese» ist der erste Fall, daß die Behörde eine» Kreiskon- trolleur» gänzlich aufgelöst wird.

Polnische Räuber.

Blättermeldungen aus Kattowitz zufolge dranaen am Donnerstag in das Unterkommissüriat für Deutsch­land in Kattowitz mehrere Männer mit vorgehaltmem Revolver ein und stahlen 100 000 Mark. Einer von den Räubern konnte sestgmommen werden. Es ist der bekannte Polenführer Mucha «u» Kattowiy.

Die englischen und italienischen Teilungs­vorschläge.

Paris, 27. Mai. Ueber die Bestimmungen der Sachverständigenkommission zur Erledigung der ober- schlesischen Frage schreibt der «Temps", nach dem eng­lischen Vorschlag sollten die Sachverständigen den Hauptmächten England, Frankreich, Italien, den Ver­einigten Staaten und Japan einen Bericht über die Austeilung der 10 in Frage stehenden Bezirke unter­breiten und dabei nach dem Friedenkvertrag, dem Er­gebnis der Volksobstimmung und der geographischen und wirtschaftlichen Lage Rechnung zu tragen haben. Dieser Vorschlag werde gegenwärtig von den Regie­rungen der Entente geprüft. Die italienische Regie­rung habe einen anderen Vorschlag formuliert, der jedoch sich dem englischen Vorschlag dadurch nähere, daß auch er die sofortige Zuteilung der nichtumstritte- nen Gebiete an Deutschland beziehungsweise Polen anempfiehlt, und daß er die strittigen LaodeSteile auch fernerhin unter der Kontrolle der Interalliierten Kommission lassen wolle, bis sich der Oberste Rat ent» schieden habe. Stehen schlage außerdem einen Grenz­verlauf al» deutsch-polnische Scheidelinie vor, der durch dar strittige Gebiet hindurchgeht.

Korfanty will die Waffen niederlegen?

Paris, 27. Mai. Die Agence Havas meldet: Der Führer der polnischen Snf*r»

genten, Korfanty, hat mitgeteilt, daß er die Waffen niederlege und die Amtsgewalt der interalliierten Kommission anerkennt.

(Diese Meldung ist mit der gleichen Vorsicht auf« zunehmen, wie da» kürzliche Rückzugs-Telegramm. D. Red.)

London, 28. Mai. DieTimes" meldet aus Oppeln: Die Behauptung, daß die Ordnung in Ober- schlcsien wieder hergestellt wäre, sei eine vollkommene falsche Darstellung der wahren Lage, die ernster sei, als je. Selbst wenn Korfanty veranlaßt werden würde, sich zum Rückzug bereit zu erklären, abzurüstcn und die von ihm übernommenen Machtbefugnisse an die Interalliierte Kommission zu übergeben, würden Korfanty? Leute dagegen meutern. Er sei für einen italienischen Offizier nicht mehr möglich, sich innerhalb der Linien der polnischen Aufständischen zu zeigen, ohne daß er zurückgehalten, bedroht oder beschimpft werde. Engländer und Italiener sind in den Augen der Aufständischen nicht» als Verbündete der Deutschen.

(Unter diesen Umständen darf man auf die Ereig­nisse beim Eintreffen der britischen Truppen in Ober­schlesien gespannt sein. D. Red.)

Die Ruhrbesetzung im neuen Stadium.

Jpu. Paris, 27. Mai. Er verlautet in Ministerkreisen, daß ein Kabinettsrat sich mit der Lage in Oberschlesien beschäftigt hat und in Anbetracht der Widerstandes der deutschen Freiwilligenkorps gegen ihre Auflösung neue Beschlüsse für die Ruhrbesetzung gefaßt hat. Den Alliierten sind diese Beschlüsse unverzüglich mitgeteilt worden. Sehr wahrscheinlich ist die französische Regierung zu schnellem Handeln entschlossen.

Das französische Kammervoinm.

Paris,. Mai. Die von der Gruppe Arago in der Kammer eingebrachte Tagesordnung lautet:

Die Kammer betrachtet das von Deutsch­land an g eno m m« n e Londoner Ulti­ma t u m als das Minimum, das die Sicher­heit und Wiedererhebung Frankreichs unerläßlich garantiert. Sie vertraut darauf, daß die Regie­rung durch die streng kontrollierte Entwaffnung Deutschlands und durch die von Deutschland an­erkannte restlose Bezahlung der Schuld das Recht Frankreichs schützen und daß sie entspre­chend Hren Erklärungen die unmittelbare An­wendung der'Sanktionen verlangen werde, falls Deutschland gegen die von den Verbänden unter­zeichneten Verpflichtungen des Londoner Ab­kommens verstößt. Die Kammer vertraut weiter darauf, daß die Regierung in der oberschlesischen Frage die strikte und loyale Ausführung der Bestimmungen des Versailler Vertrages nach sei­nem Geiste wie nach seinem Buchstaben sichern werde. Sie lehnt deshalb jeden Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über.

Politische Tagesberichte.

Die programmatische Erklärung der Reichs­regierung. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat der Reichskanzler auf efne Anfrage des Reichs­tagspräsidenten geantwortet, daß die Erklärung der Reichsregierung über ihr Programm am 1- Juni stattfinden werde.

Vom Kabinett Wirth. LautVoff. Ztg." wird zur Erfüllung des Ultimatums die Er­schließung neuer Einnahmequel- l e n notwendig sein. Das Blatt glaubt zu wissen, daß das Kabinett Wirth bis zu einem ge­wissen Grade der Unterstützung der U. S. P. sicher zu sein scheine. Die Haltung der Deut­schen Volkspartei sei noch ungewiß. Die Mehr­heit der volksparteilichen Fraktion sei, da nun einmal die Verpflichtungen aus dem Ultimatum erfüllt werden müßten, für eine wohlwollende Neutralität gegenüber dem Kabinett unter der Voraussetzung- daß eine Reihe von Forderungen erfüllt werden, so z. B. die Besetzung der beiden noch freien Reichsministerien durch Sachkenner und eine Steuerpolitik, die den Bedürfnissen der wirtschaftlichen Entwicklung Rechnung trage.

Die Reparationszahlung in Dollar. Die Reparationskommission hat die erste Anzahlung auf die eine Milliarde Goldmark, die von der deutschen Regierung in Höhe von 150 Millionen Goldmark in Form von verschiedenen ausländi- scheniDevisen angeboten worden war, bekanntlich in Dollar verlangt. Wie wir horèn, ist der Um­tausch jetzt durchgeführt: und die 150 Millionen Goldmark sind in Dollar vollständig an die Fede­ral Reserve Bank imNewyork überwiesen worden.

Deutschland darf zahlen. Briand erklärte auf eine Anfrage bezüglich der Kosten für die Mobilisierung des Jahrganges 1919 werde die französische Regierung von der Roparatio'nskom- mission fordern, daß diese in die allgemeinen Auslagen für die Besatzungsarmee ausgenommen werden. Die Mobilisierung dieses Jahrganges sei im Einvernehmen mit den Alliierten erfolgt.

Das heißt also: Deutschland soll die Kosten auch für diese Mobilisierung bezahlen.

Zm Wiederaufbauftage in Frankreich. Gestern nachmittag fand in Paris eine Zusam­menkunft deutscher Sachverständiger und Ver­treter der technischen Abteilung des Ministeriums der Befreiten Gebiete statt Die französischen Sachverständigen gaben ben deutschen Delegierten nähere Einzelheiten über die Art und Qualität der Materialien, die zur Konstruktion der 125 000 Häuser dienen sollen, deren Lieferung der Reichsregierung vorgeschlagen wurde. Die deut­schen Delegierten werden in der Lage sein, Lou- cheur ein endgültiges Angebot zu unterbreiten­der dann das Weitere veranlassen. wird.

Bayern und die Entwaffnung. Rach einer Meldung derVoff. Ztg." aus München hüt Dr. Escherich dieser Tage erklärt, daß er sich ohne Einschränkung hinter die Regierung Kahr stelle, wie ihre Beschlüsse in der Ent­waffnungsfrage auch ausfallen würden. Wie dieDeutsche Allgemeine Zeitung" von unter- richteter Seite erfährt, bieten die zwischen dem Reich und Bayern in der Entwaffnungrfrage geführten Verhandlungen nicht mehr dar frühere ernste Bild. Bei der praktischen Durchführung der zu treffenden Maßnahmen könnten aller­dings Einzelheiten noch Schwierigkeiten bereiten.

Vorläufig keine Einfihrung des Sieben­stundentages. Wie dieSoff. Ztg." erfährt, beschloß der sozialpolitische Ausschuß des vor­läufigen Reichswirtschaftsrate» im Hinblick auf die durch die Sanftionen und Reparationen für unsere Wirtschaft geschaffene schwierige Lage von der Einführung de» Siebenstundentage» im Bergbau vorläufig Abstand zu nehmen und die Verhandlungen darüber bir auf weiteres zu vertagen.

Sondergerichtsurteile. Vor dem außer- ordentlichen Gericht des tiM^iu^ts l in Berlin fand gestern der Prozeß gegen den 25jährigen Kaufmann und Schriftsteller Wilhelm _ Hering statt, der schon im Prozeß über dem Anschlag auf die Siegessäule unter dem Namen F^rry" viel genannt war. Die Anklage lautete auf Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz und Hochverrat. Hering wurde zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehr­verlust verurteilt. Wie in dem Urteil ausge­führt wird, gab der Angeklagte zu, daß er ver­suchte, das Attentat mit mehreren anderen Ge­nossen auszuführen; daß es nicht zur Ausführung glommen sei, sei durch Umstände geschehen, die unabhängig von seinem Willen waren. Das gleiche Sondergericht beschäftigte sich noch mit dem kommunistischen Anschlag auf die Pfeiler- brücke in Charlottenburg. Wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz und wegen der Por- Bereitung eines hochverräterischen Unternehmens war der Arbeiter Christoph Kramer aus Char. lottenburg angeklagt. Er wurde zu fünf Jahre« und sieben Monaten Zuchthaus verurteilt.

Die österreichische Regierung gegen die Anschlußbewegung. Von dem Leiter des Wiener Presseamtes im Ministerium des Auswärtigen wurde im Namen der Regierung folgende Erklä­rung abgegeben:Die Anschlußbewegung ent* wickelt sich zu einer wirklichen Gefahr für Oester­reich. Sollte die Salzburger Abstimmung statt­finden, so Besteigt nach der gegenwärtigen inter­nationalen Lage kaum ein Zweifel, daß di« Deuffchen Westungarns dies sofort büßen inüß- ten. Weitere Abstimmungen in ben, Ländern würden nach zuverlässigen Meldungen die Kredit­aktien für Oesterreich aus das äußerste gefährden. Die Regierung ist wegen der hierüber einge­laufenen Nachrichten in großer Sorge. Der Bun- deskanzler hält bie sofortige Einberufung des Ausschusies für Aeußeres für dringend notwen- dig. Daß die Gefahr auch in Deuffchland voll, auf gewürdigt wird, beweist die Tatsache, daß amtliche deutsche Persönlichkeiten auch Tiroler Abordnungen gegenüber nach der Abstimmung er. klärt haben, daß «in Anschluß Oesterreichs nur im Wege der Zustimmung des Völkerbundes und der Gesamtheit, aller österreichischen Länder er­folgen könne und daß die gegenwärtige Anschluß- afticm politisch in hohem Maße zu widerraten fei." Der Ausschuß für Aeußeres ist bereits für heute einberufen.

Zunächst keine Rüstungseinschränkung. Der Senat der Vereinigten Staaten hat es mit % Mehrheit abgelehnt, die vom Repräsentanten­haus« beschlossene Herabsetzung der Friedens, stärke des Marinepersonals gutzüheißen.

Grauenhafte Mordtat. Wie da»B. T.' meldet,-hat da» Schwurgericht in Torgau den Dunst- knecht Handke, der seine Geliebte in» Jaffer geworfen und solange darin festgehalten hatte, bi» sie ertrunke» war, rum Tode verurteilt.