Einzelbild herunterladen
 

Hanauer

Cinrückungs gebühr:

Die Sgelv. Kolonelzeile oder deren Raum 1.50 Mk., die Igeln. Zeile im Reklametetl 4.50 Mk.. Finanzinserate 1.703Hf. Offertgebühr 30 Pfg. Bezugsvreis: Viertel­jahr!. 14.40 Mk..monatl. 4.80 Mk.. f. Postbezug viertel- jähr!. 15.90 Mk.. monatl. 5.30 Mk. Die Nummer 20 Pfg.

Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

I-----------------------

General-Anzeiger

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

-----------*----------------

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für volttilchen und allgemeinen Teil RichardSultfch:für lokalen und vrovinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanae. Fernsvrechanschlüfie Nr. 1237 und 1238.

Ak. 121

Freitag den 27. Mai

1921

Das Neueste.

Die französische Kammer nahm gestern ein StrtauensDotuni für Briand mit 419 gegen 171 Stimmen an.

Das Urteil im ersten Kriegsbeschuldigten- oldttß wird von der englischen Presse als un- itftiedigend bezeichnet.

Die Polen haben in Oberschlefien neue Angriffe unternommen.

Lloyd George erklärte im Unterhaus: I Die Kosten der britischen Truppen in Ober- » schlefien fallen dem Abstimmungsgebiet zur Last.

Eine russische Handelsabordnung ver- handelt in Italien über den Abschluß einer Handelsverträge» mit Rußland.

Zahlen über Oberschlefien.

D"rMessagero", der häufig als Sprachrohr ier italienischen Regierung benutzt zu werden pflegt, veröffentlichte in den letzten Tagen einen Aufsehen erregenden Leitartikel, in dem gefov- Hert wird, daß Polen etwa zwei Fünftel des sierschlesischen Abstimmungsgebietes zuzusprechen feien, da 40 Prozent der Wähler für Polen ge­stimmt hätten. Pleß und Rybnik, die beiden Kreise mit polnischer Mehrheit, machten aber nur ein Viertel Oberschlesiens aus, so daß Polen einen weiteren Streifen in der gemischten Iprachzone beanspruchen könne.

Dieser Aufteilungsplan, der wohl mit dem Bermittlungsvorschlag des italienischen Außen­ministers in irgendeiner Beziehung steht oder ihm vorarbeiten soll, geht von dem Grundgedan­ken aus, daß auch die '.nationalen Minoritäten in den gemischt-spmchlichen Gebieten bei der Gvenz- ssehung zwischen den Nationen zahlenmäßig mit in Rechnung gestellt werden W.

ein schöner Grundsatz, ein Grundsatz, der konsequent durchgeführt sogar gerecht erscheint, leider aber auch einer von den vielen schönen und gerechten Grundsätzen, an die man nur denkt, wenn man sie zum Schaden Deutschlands glaubt anwenden zu können. Wo ist dieser Grundsatz geblieben, als man beispielsweise die Grenzen des neugebildeten tschecho-flowakischen Staates so auszirkeUe, daß zwar kein Böhme zu Deutsch- land kam, daß aber bei 4 Millionen Deutsche, die sogar zum größten Teil in einem zusammenhän­genden rein deutschen Sprachgebiet wohnen, ohne auch nur gefragt zu werden, zur Tschecho-Slo- wakei kamen, von dessen Gesamt-Staatsbev ölke- ruug nicht weniger als 28 Prozent ausmachen? Wo ist der Grundsatz geblieben, als man die Grenze zwischen dem Deutschen Reich und Frank- reich so zog, daß abgesehen von der uner­wünschten Anwesenheit der Entente-Kommisflo- ^n und Besatzungstruppen samt Anhang Mar kein Franzose bei Deutschland blieb, daß .aber 1,6 Millionen Deutsche, soweit sie nicht ge­waltsam verdrängt wurden oder es vorzogen, auszuwandern, zu Frankreich kamen? Wo blieb dieser Grundsatz bei Eupen und Malmedy, wo bei der Annexion von Südtirol, wo bei der Los- reißung Memels, wo blieb er vor allem, um wie­der auf Polen zu kommen, als man aus Ost- und Westpreußen, aus Posen unb Schlesien ein Ge- biet von insgesamt 42 867 Quadratkilometer mit suud 2,9 Millionen Einwohnern ohne jede Volksabstimmung vom Deutschen Reich ab- üennte und Polen zusprach, obwohl dieses Ge­biet zum großen Teil rein deutscher Art ist und dan insgesamt 1,2 Millionen Deutschen (der Muttersprache nach) bewohnt wird? Lauter ver- bagte Gelegenheiten für schöne Grundsätze! Wie sieht es aber mit der Anwendung dieses Prin- aus Oberschlesien? Wenn man die polns- Men Minoritäten bei der Grenzziehung zwischen Polen und Deutschland berücksichtigen will, wüßte man wenigstens nach den Gesetzen ein- saa-fter Arithmetik und Logik, von Gerechtigkeit gar nicht zu reden! selbstverständlich auch die putschen Minoritäten, die sich auf polnischem Staatsgebiet befinden, entsprechend in Gegen­rechnung stellen.

Wie eben erwähnt, mußte Deutschland an Polen bereits ein Gebiet von rund 43 000 Qua- öratkilometer ohne Volksabstimmung abtreten, in nicht weniger als 1,2 Millionen Einwohner oder 42 Prozent ihrer Muttersprache nach deutsch waren. Ihrer politischen Gesinnung nach warm 3 sicher noch bedeutend mehr. Würde die En- u e ^ ^ den Versprechungen und theoreti- Grundsätzen Wilsons entsprochen hätte, dem ohne weiteres an Polen abgetretenen s bret eine Volksbefragung veranstaltet haben, hätte sich in dem Abtretungsgebiet zweifels- eine starke deutsche Mehrheit ergeben, ähn- u,W wie in dem oberschlesischen Abstimmungsge- *» das der Muttersprache nach nur zu 35 Pro­

zent deutsch zu sein schien, eine überwältigende Mehrheit von 60,3 Prozent sich trotz des pol­nischen Abstimmungsterrors für ein Verblei­ben beim Deutschen Reich entschieden hat. Aber läßt man auch diese leider nicht zahlenmäßig nachkontrollrerbare Wahrscheinlichkeitsrechnung ganz -außer Betracht und stellt man die deutsche Gegenrechnunz lediglich auf der (für Deutsch­land ungünstigen) Grundlage der Angaben über die Muttersprache auf, so ergeben sich folgende Tatsachen, an denen ei'oe Entscheidung, welche die beiderseitigen Minoritäten in gerechter Weise berücksichtigen will, nicht varbeikommt.

1. In dem an Polen ohne Abstimmung abge­tretenen deutschen Gebiet von 43 000 Quadrat­kilometer wohnten 1910 (der Muttersprache nach) 1,2 Millionen Deutsche. Diese stehen be­reits gegen ihren Willen unter polnischer Herrschaft. Außerdem sind die 330 000 Einwoh­ner des rein deutschenFreiheitsstaates" Danzig ganz ohne Zweifel gegen ihren Willen vom Deutschen Reich abgetrennt und in wirt­schaftliche und politische Abhängigkeit von Polen gebracht.

2. In dem auf Grund des Abstimmungsergeb­nisses von Deutschland zurückzufordernden ober­schlesischen Abstimmungsgebiets von 10 935 Quadratkilometer mit 1942 000 Einwohnern, wurden 1910 (der Muttersprache nach) 1158 000 Polen gezählt. Diese würden mit Oberschlesien beim Deutschen Reich zu verbleiben haben, wobei im Gegensatz zu dem unter Ziffer 1 Gesagten zu beachten ist, daß, wie auch die Abstimmung klar erwiesen hat, etwa die Hälfte dieser wasser­polnisch sprechenden Bevölkerung vom Staate Polen nichts wissen, sondern beim Deutschen Reich bleiben will.

polnischen

ffamm

M

schen Abstimmungsgebiet der Gesamtheit der deutschen Minorität im Abtrennungsgebiet (die in Wirtlichkeit, der politischen Gesinnung nach, eine Majorität ist) gegenüber, so werden die Polen in Oberschlesien und damit die oberschlesi­schen Ansprüche des Staates Polen mehr als aus­gewogen durch das Deutschtum, das sich bereits unter polnischem Joch befindet.

Die Kampftage.

Neue Kämpfe Französische Unterstützung.

Oppeln, 26. Mai. Die Lage an den Grenzen der Aufstandsgebieter ist im allgemeinen un­verändert. Zwischen Jamm und Rosenberg versuchten die Polen, aus dem Walde über Albrechtsdorf vorzugehen. Sie wurden aber vom deutschen Selbstschutz zurückge­wiesen. Es liegen Nachrichten vor, daß die Insurgenten sich bei Eroß-Strehlitz verstärkt haben. Er hat den Anschein, daß sie noch größere Angriffe versuchen werden, bevor die englischen Truppen eintreffen. Ein starker pol­nischer Angriff auf Landsberg wurde zurückge­schlagen. Die Kämpfe bei Malapane und Raschau sowie um den Bahnhof von Groß- Stein, die mit Angriffen der Aufständischen heute früh begannen, waren am Mittag noch im Gange. Ueber ihren Ausgang liegen noch keine bestimmten Nachrichten vor. Bei Zembo- witz ist polnische Artillerie aufgetreten. Zwei 10,5 cm-Eeschütze der Polen wurden festgestellt, welche Radau und Lenke beschaffen. Kattowitz ist aufs höchste bedroht. Die Insurgenten stehen unmittelbar am Wilhelmsplatz und haben dort nicht nur Maschinengewehre, sondern auch Ge­schütze aufgefahren. Die Bevölkerung leidet sehr unter Waffermangel. Die Telegraphen- und Fernsprechverbindungen mit dem Industrie­gebiet sind gänzlich unterbrochen.

Im B. T. schildert ein Oberschlesier das parteiische Verhalten der Franzosen in Hinden­burg, die dort in jeder Weise die polnischen Aufftändischen Unterstützen. Trotzdem dem fran­zösischen Kreiskontrolleur mitgeteilt worden war, daß polnische Banden im Anmarsch auf Hindenburg seien, lehnte er jedes Einschreiten ab. Als die Banden in Hindenburg eingerückt waren und wilde Schießereien in den Straßen der Stadt veranstalteten, wurden sie von den Franzosen im Gebrauch ihrer Schußwaffen, die meist aus französischen Karabinern bestanden, unterwiesen. Die Franzosen sehen der Ent­waffnung der Polizei untätig zu.

London, 27. Mai. DerMorning-Post" zufolge wird von unterrichteter Seite erklärt, daß polnische Strcilräfte immer noch nach Oberschltfien einrücktcn.

Reuter meldet aus Berlin: An den zuständigen Stellen fei man der Ansicht, daß die britischen Truppen nur in geringem Maße zur Wiederherstellung der Ordnung der Verhältnisse in Oberschlesien beitragen könnten, wenn sic nicht die aufrichtige Unterstützung der Franzosen erhielte».

Die englischen Truppen.

London, 26. Mai. Da» Kriegsamt teilt mit, daß das erste der vier englischen Bataillone, die vom Rheinland nach Oberschlesien gehen sollen, Köln Freitag nacht verlassen würden. Außer diesen vier Bataillonen werden noch zwei Bataillone irischer Regimenter, die jetzt in England sind, nach Oârschlesien gehen, sodaß sich schließlich sechs englische Bataillone dort befinden.

Der Meinungsaustausch Paris, London, Rom.

Pari», 26. Mai. Nach einer Havarmeldung geht der Meinungsaustausch zur Regelung der oberschlesischen Frage zwischen Paris, London und Rom in äußerst reger Weise weiter. A8ährend Lloyd George am Tage nach dem Ausbruch des oberschlesischen Aufstandes die Teilung des Landes durch den Obersten Rat verlangt habe, habe Briand den Grundsatz an­genommen, den Obersten Rat nach der Aus­sprache im Parlament tagen zu lassen. Dabei habe er darauf bestanden, daß die Bedingungen der technischen Prüfung der Problems vorher zusammengefaßt würden in der Weise, daß man eine Lösung vom politischen wie auch vom wirtschaftlichen Standpuntt aus treffen müsse. Havas will nun wissen, daß französische Sach­verständige die praktischen Einzelheiten prüften, um eine vollständige und rationelle Lösung her­beizuführen. Andererseits scheine er, daß die englische wie die französische Regiemng sich für den Vergleichsvorschlag des Grafen Sforza in­teressierten und es sei nicht unwahrscheinlich, daß sie sich ihm anschließen würden. Dieser Vor­schlag bestehe darin, zwischen den drei Kabinetten einen Meinungsaustausch herbeizuführen, dessen Ergebnis dem Obersten Rat zur Ratifizierung unterbreitet werden würde, während die Einzel­

nicht Juristen und Techniker, das heißt Ingenieur« berufen, di« bte Lage prüfen und Vorschläge formu­lieren sollen, bie der Hriedensvertrag vorsehe. Tat- sichlich seien bie Gebiet«, wo bie Bevölkerung sich all polnisch erwiesen habe, Polen benachbart, unb daß bie Gebiete, wo sich die Bevölkerung für Deutschland aus­gesprochen habe, Deutschland benachbart seien. Was die wirtschaftliche« Fragen anbetreffe so gäbe el Sar­gen, von denen man sprechen müsse, ohne die Emp­findlichkeit ber Polen zu verletzen. Das Industrie­gebiet arbeite für die ganze Welt. Aus diesem Grunde bestimme auch der Friedensvertrag, daß auf bie wirt­schaftliche Notwendigkeit Rücksicht genommen werde. In vielen Ländern, die den Polen nicht ungünstig gesinnt mären, wolle man verhindern, daß eine uner­fahrene Leitung das reiche Jndufttiegebiet vernicht«. Die industrielle Durchdringung sei so, daß dies« Be­fürchtungen gerechtfertigt seien. Alle diese Fragen müßten in den Akten geregelt werden, die dem Obersten Rat vorgelegt würden, damit er seine Entscheidung treffen könne. Das sei auch bie beste Bedingung für Polen, damit die Frage rechtlich und ohne Zweidentig- leit geregelt werde. Frankreich habe von bet pol­nischen Regierung verlangt, daß bie Bestimmungen bei Vertrages vervollständigt würden, damit, w«nn Deutschland Oberschlefien genommen werde, man ihn nicht auch bie Zahlung-möglichkeit nehme, denn 15 Jahre hindurch müsse Deutschland Rohstoffe zu den heutigen Bediugnngen aus Oberschlefien beheben können und

Overschleste» fei verpflichtet, an bett Repara- tionSverppichtungen Deutschlands paritätisch teilzunehmen.

Er fei überzeugt, daß die polnische Regierung geneigt sei, daß diesen wirtschaftlichen Bestimmungen Folge geleistet w«rde. Nun verbleibe mur noch die Inter- Pretierung der Abstimmungsziffern nach Kommunen, sowie eine geographische Gruppierung unter Berück­sichtigung ber Volkswirtschaft. Der französische Stand­punkt sei ber, daß die reichen M in e n g«g c n d e n Polen zugesprochen wrrden. Wenn bie Abstimmung sich für Deutschland ausgesprochen hätte, bann würde sich Frankreich dem Votum fügen, aber die Abstimmung habe sich für Polen ausgesprochen. Das sei aber fein GrE, oau fak ^*

biete, bie ihm zukâmen, nicht znsprechen werde. (All­gemeiner Beifall.) Der Abgeordnete Lorin dankte dem Ministerpräsidenten für diese Erklärung und geht schließlich dazu über den französischen Vertretern auf ber Londoner Konferenz zu danken. Nach seiner An­sicht ist das Reparationsproblem nicht nur eine Ziffern­frage, sonder« auch eine Frage der Energie. Die französischen Soldaten, die am Rheine Wache hielte«, seien da, utn die Ausführung bei Vertrages sicherzu- fteUen. Man verlange, daß bie Polen, die auch Frankreichs Verbündete seien, auch von den französischen Soldaten beschützt würden. Die Bemerkung bei Abgeordneten Lorin, daß die französischen Truppen auch Polen beschützen müßten, veranlaßt den Ministerpräsidenten Briand zu der Erklärung: ernste Schwierigkeiten seien in Ober- schlesien in dem Augenblick entstanden, in dem Deutsch­land sich hätte berechtigt glauben können, ein Heer nach Oberschlesien zu senden, um die Ordnung wieder herzusteüen. In diesem Augenblick habe er Deutsch­land wissen lassen, wenn cs eine derartige Operation unternehme, baun würde es die verhängnisvollsteu Konsequenzen entfesseln. Deutschland habe das voll­kommen verstanden und feit gestern hätten sich Detache­ments organisiert, um die unbotmäßige« Alldeutschen zu umzingeln. Briand sagte, wenn man vielleicht nicht die Jahresklasse 1919, also genügend Kräfte gehabt hätte, wären berartige Ratschläge nicht gehört worden. (!) Die französische

Waffengewalt am Rhein aber habe es gestattet, Befriedigung zn erzielen.

Frankreich sei loyal, wie cs immer gewesen sei. Dit- Wacht am Rhein würde nicht geschwächt, wenn nötig, würde sie angewendtt werden. (Beifall.) Der Abg. Lorin schließt seine Rede und el wird daraufhin, ba kein« Interpellation niehr vorhanden ist, in die De­batte eingetreten, bei der el zu wiederholten Zusam­menstößen zwischen Abgeordneten und Briand kommt. Nach Schluß dcr Tebalte werden 12 Tagesordnungen eingebracht. Ministerpräsident Briand nimmt die Tagesordnung Arago an. Namens der Radikalen und der RadikalsoziaUsten erklärt Herriot, auch er habe vieles an dem Abromuien von London auszilsetzen. Aber wenn die Forderungen Frankreichs amputiert seien wolle er der Regierung keine Schwierigkeiten bereiten. Nach einer Auslegung des Friedensvertrages in bezug auf die 20 Milliarden Goldmark und iiach sonstigen Auseinandersetzungen über verschiedene Ver­tragsklauseln erklärt Herriot, die Regierung habe nichts wünschenswertes vollbracht. Aber angesicht» der großen Schwierigkeiten müsse man doch sagen, daß sie ein nützliches Werk geschaffen habe. Frank­reich könne mutig in die Zukunft blicken. Nach weiteren unwesentlichen Ausführungen wird ba« Vertrauensvotum für Briand mit 419 gegen 171 Stimmen angenommen.

zwischen den Regierungen von Paris, London und Rom der Meinungsaustausch über die Re­gelung der oberschlesischen Frage noch anhält.

Ein unabhängiges Oberschlefien.

Paris, 26. Mai. (Wolff.) Wie dir Chicago Tribune" mitteilt, sollen Pläne für ein unabhängiges Oberschlesien unter Verwaltung des Völkerbundes oder des Obersten Rates auf­gestellt sein. Dieses Regime solle sich auf 30 Jahre erstrecken oder so lange andauern, bis Deutschland die Reparationsschuld bezahlt hat. Rach Ablauf von 30 Jahren sei eine neue Volksabstimmung vorgesehen. Polnische Ein­wendungen sollen durch geheime Versicherungen gegenüber der Warschauer Regierung beseitigt werden, daß nach 30 Jahren die polnischen Interessen gewahrt würden. (Gegen diesen Plan wird hoffentlich Deutschland schärfsten Protest einlegen. D. Red.)

Verlrauensvolum für Driand mit 419 gegen 171 Stimmen.

Die gestrige französische Kamwersitzung »egann unter wesentlich geringerer Teilnahme des Publikums als die voraugegangeue« Sitzungen. I« der Fort­setzung der Jnterpellationèdedatte ergreift zunächst der Abgeordnete Lorin das Wort, um bei Ergebnis der Volksabstimmung in Oberschlesien durchzusprechen. Das Ergebnis sei, daß das reiche Gebiet eine polnische Mehrheit ergeben habe. Nach seiner Ansicht würde er keine Schwierigkeiten haben, wenn die unkultivierten Gegenden sich für Polen ausgesprochen hätten. Die oberschlesische Frage interessiere int höchsten Grade die Sicherheit Frankixichs und die Aufrechterhaltung seiner Allianz. Die Alldeutschen hätten immer den Versuch gemacht, die Hand auf Mitteleuropa zu legen. Sie hätten auch die Abstimmung in Oberschlefien gefälscht und wenn man nicht achtgehe, so würden sie eine neue Volksabstimmung in Oberschlefien organisieren, die zugunsten einer Anschlusses an Deutschland aus- falle. Er persönlich habe keine Aunpathie gegen den Reichskanzler Dr. Wirth, aber in seiner Umgebung befänden sich einige Persönlichkeiten, die ihn beun­ruhigten. Die deutsche Regierung habe vielleicht die Absicht, Befriedigung zu geben, aber habe sie auch die Macht dazu? Trotz des Schließen? der oberschlesischen Grenze bestehe die Gefahr fort. Er frage sich, ob man es in Berlin nicht mit einer vorübergehenden Regierung zu tun habe. Ministerpräsident Brian» ruft dazwischen: »Das kdnn überall vorkommen, selbst in Frankreich!" (Heiterkeit.) Der Abgeordnete Lorin meint aber, in Frankreich hätte das eine andere Be- dcutilng. Schließlich spricht er die Ansicht aus, daß Frankreich das Recht habe, Pole« znr Mäßigung und zur Klugheit anzuhalten. Der Abgeordnete Lorin setzt feine Betrachtungen über das Ergebnis der Volksab­stimmung in Obcrschlesien fort. Briand unterbricht den Redner und erinnert daran, wie di« schweren Un- ruben in Obcrschlesien entstanden sind, einmal dadurch daß gewisse Hoffnungen sich ermutigt fanden, während die Polen entmutigt, sich erhoben hätten. Wiederum drückt der Ministerpräsident seine Meinung dahin au», daß die Militärs, die in Oberschlefien seien in dem erregten Lande vielleicht nicht so gearbeitet hatten, wie man es hätte wünschen dürfen. Warum solle «an

Kommunistenverhaftungen. Der früher» sächsisch« kommunistrsche Landtagsabgeordnete Weimer, gegen den die Dresdner Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl wegen Hochverrats erlassen hatte, ist nach einer Meldung des »B. T? n Stuttgart verhaftet worden, wo er in den nächsten Tagen von dem Sonder- geridjt abgeurteilt werden wird. Nach einer Mel­dung derRoten Fahne" aus Essen ist dort der kommunistische Patteisettetär Graul von der Striminel- Polizei verhaftet worden.

Weitere volittsche Nachrichten Settè4»