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«Alliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanou

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Sr. 120

Donnerstag den 26. Mai

1921

Das Neueste. ,

Reichskanzler Dr. Wirth sprach gestern in Karlsruhe über freie Arbeit und Wiederaufbau.

In der französischen Kammer wurde gestern rrllârt, daß die Rechte der Regierung Briand das Vertrauen verweigern werde.

Eine Besprechung der bayrischen Regierung mit den Führern der Koalitionsparteien ergab volle? Ein- dernchmen darüber, daß alles geschehen müsse, um die sich aus dem Ultimatum ergebenden Verpflichtungen zu erfüllen.

Die Lage in Oberschlesien hat sich insofern verschärft, als die Franzosen sich aus Myslowitz vor icn polnischen Insurgenten zurückziehen mußten.

Im englischen Unterhause erklärte Chamberlain, die Regierung habe beschlossen, die Grubenbesitzer und die Bergleute auf Freitag zu einer Besprechung zu- sammenzubemfen.

Während der erste» 4 Monate dieses Jahres Darben in Irland 109 Polizisten und 48 Militâr- personen getötet und 224 Polizisten und 113 Militär­personen verwundet.

Der Reichskanzler über bis politische Lage.

Reichskanzler Dr. Wirth ist auf der Durch­reise nach Freiburg gestern vormittag 10 Uhr in Karlsruhe eingetroffen und hat sich in das Staatsministerium begeben. Zunächst sand im Präsidialgebäude eine Besprechung des Reichs­kanzlers mit den Ministern des Staatsministe­riums statt. Eingehende gegenseitige Darlegun­gen hinsichtlich der innen- und außenpolitischen Lage und der dadurch gestellten Aufgaben er- Mlen vollständige Uebereinstimmung der Auf- füssung. Taran schloß sich beim Staatspräsiden­ten in erweitertem Kreise in Anwesenheit des Präsidiums des Landtags, der Froktionsführer ter drei,

der schaffenden Stände eine ausgiebige politische Aussprache. Staatspräsident Trunk begrüßte den Reichskanzler und führte u. a. folgendes ausr

Die Entscheidung, welche vor zwei Wochen zu treffen gewesen ist, war leidvvller als der Kampf, leidvoller als das Opfern und Dulden während der Kriegsjahre. Sie bedeutet Unter­werfung unter fremden Willen und als Deutsche hat sie, uns ins Herz getroffen. Die Entschei­dung ist gefallen. Es gilt jetzt, durch Fried ens- vertragsleistungen, durch Arbeiten, Entbehren und Dulder weiter dem Vaterlande zu dienen und zu verhindern, daß deutscher Boden besetzt wird. Vertrauen zu suchen nach außen, das ist die Aufgabe der Reichsregierung. Wir wollen sie darin unterstützen. Dazu ist nötig, Vertrauen zu schaffen im Innern, die Bevölkerung zusam- menzuschließen. Zur Einsicht in die gemeinsame Not, zum Wiederaufbau Europas müssen wir beitragen, was menschenmöglich ist. Ernstlich und ehrlich wollen wir an die Erfüllung dessen gehèil, was die Anforderungen des angenomme- uen Ultimatums uns auferlegten. Heute wie­derholen wir der Reichsregierung die Erklärung,

wir zu der von der Reichsregierung über­nommenen Aufgabe uns ohne Vorbehalt beken­nn. Wir sind entschlossen, mit zu helfen, wie immer es möglich ist aus Liebe zur Heimat und zum Vaterlande. Viel wird schon erreicht sein, wenn es gelingt, uns Oberschlesien zu erhalten und das Ruhrgebiet vor Besetzung zu bewahren. Wir treten hinter die Reichsregierung, der Frei­heit und der Befreiung wegen. (Lebh- Beifall.) Sodann hielt

Reichskanzler Dr. Wirth tine Rede, in der es u. a. heißt:

, Ich bin nicht hierher gekommen, um Ihnen em politisches oder wirtschaftliches Programm Su entwerfen; ich bin nach Karlsruhe gegangen, um in freier, offener Aussprache in einer ernsten «müde zusammen mit meinen ehemaligen Mni- Mkollegen die politische Lage zu besprechen und

Hauptrichtlinien der Reichs- p o litis einer Kritik unterziehen zu lassen. Die Aussprache, ist erfolgt. Ich bin glücklich, in keiner.Heimat Männer gefunden zu haben, die w allen wesentlichen Punkten mit dem einig Md, was wir in Berlin erklärt haben; ich hoffe, oatz, wenn ich in den nächsten Tagen Gelege n- mt haben werde, die Regierungen weiterer Zander aufzusuchen, ich dort dieselbe einmütige tsuffassung über die Notwendigkeit der Stunde "Uoen werde.

Mw haben das Ultimatum mitJa" boant- ortet. Es war notwendig und zwar notwendig w der Freiheit des deutschen Volkes willen.

war kein an Formelkonstruktion geknüpftes 65 war ein aufrichtiges und ein deutsches nicht etwa akademische Erörterungen Iwften sollten. Akademische Erörterungen - em Jahr hindurch gerade genug auf allen

Konferenzen der Welt gepflogen worden; sie haben zu nichts geführt. Es war ein Ja, das ein Zeitalter der Leistungen einschließen sollte. Leistungen allein können die Welt von dem guten Willen Deutschlands überzeugen. Es gibt drau­ßen in der Welt, man kann es freimütig und offen aussprechen, wohl fast niemand, der Deutschland nicht große Leistungen zutraue. Nun gut: Die Tatsache stellen wir fest, daß die Welt an ein wirtschaftliches Erstarken Deutsch­lands glaubt. Und nun müssen wir auch selbst daran glauben und die Hände anlegen, diesen Wiederaufbau zu beginnen.

Wenn wir um zwei Jahre zurückblicken, dann wäre es wirklich unrecht, nicht anzuerkennen, daß inzwischen sich -och einiges gebessert hat. Gewiß sehen wir auch jetzt noch Not und Elend um uns herum, aber etwas hat sich die gesamte Lage des deutschen Volkes doch wieder gehoben und wenn es uns nur glückt, durch Wiederbelebung der Wirtschaft und des Handels, durch Förderung der Produktion, insbesondere auch der landwirt- schastlichen Produktion» in Deutschland dem hun­gernden deutschen Magen genügend Nährstoffe zuzuführen, so wird, davon bin ich überzeugt, das deutsche Volk auch freiwillig beachtliche Leistun­gen aufbringen.

Um der Freiheit willen" so habe ich mich eben ausgedrückt, haben wirja" gesagt. Ich könnte mir nichts Schrecklicheres vorstellen, als das große Industriegebiet Deutschlands, Rhein­land und Westfalen, wo doch das Herz unserer ganzen Produktion schlägt, unter die Gewalt fremder Bajonette gestellt zu sehen.Um der Freiheit willen" haben wirja" gesagt Md da­bei handelt es sich um die wirtschaftliche Frei­heit der lebenden Generation wie der kommen­den. Wohl weiß ich, daß dasJa" Ungeheuer- W^MMvOMMä überhaupt den Gedanken der Freiheit in sich ausnehmen können. Die Waffen werden wir zum großen Teil aus den Händen geben. Umsomehr aber werden wir in jedem Augenblick der kom­menden Monate und Jahre den Standpunkt des Reiches für das deutsche Volk betonen. Von diesem Gedanken ausgehend, habe ich auch im Reichstag erklärt, daß es für uns unerträglich wäre, wenn die oberschlestsche Frage durch die Diktatur eines polnischen Insurgenten gelöst werden sollte. Wir verlangen, daß das durch den Friedensvertrag, der uns doch wahrhaft an Freiheiten und Rechten kaum etwas gibt, ge­währte Recht zur Geltung komme, wonach das Plebiszit in Oberschlesien als Ausdruck des in­timsten demokratischen Lebens in Deutschland von allen Völkern geachtet werden muß. Wenn Europa nicht aufs neue einem Völkerbrand aus­gesetzt werden sollte, ist es unerträglich so habe ich erklärt wenn die Gegner mit uns kein faires Spiel treiben. Wir haben das Echo gehört, das insbesondere aus England gekommen ist: daß mit Deutschland ein faires Spiel ge­trieben werden sollte. Wir nehmen das Wort auf. Wir wollen unsererseits zeigen, daß wir gewillt sind, aufrichtig und ehrlich auf klar vor­gezeichneter Bahn Politik zu führen, unterstützt von dem größten Teil unseres Volkes. Nun kommen in den nächsten Wochen die Beratungen des Reichstages. Sie werden neue Belastungen uns aufzeigen müssen. Alle Kreise werden Opfer bringen müssen. Ich weiß nicht, ob alle Kreise des deutschen Volkes während des Krieges und nach dem Kriege wirklich Opfer gebracht haben. Wenn man da und dort durch die deutschen Lande geht und den frechsten Luxus es gibt keinen anderen Ausdruck dafür sich breit machen sieht, dann darf man füglich verlangen, daß in der beginnenden Zeit der Arbeit, wo der Hammer entscheidet, der auf den Ambos nie­derfällt, wo die Pflugschar entscheidet, die den Acker durchzieht, alle Kreise unseres Volkes sich, was die Lebenshaltung betrifft, in solchen Bah- neu bewegen, daß es erträglich ist gegenüber den Leistungen, die alle auf sich nehmen müssen.

, Auf jeden Fall wollen wir jetzt die Freiheit, die uns die Arbeit gibt. Das ist der große Ge­danke, wie man durch Arbeit zur Freiheit wie­der kommen kann, zu diesem köstlichsten Gut, das der Mensch hat. Ich rufe also nicht auf zum Schmieden neuer Waffen, sondern ich r u f e a u f zu einem Bekenntnis des Rechts und einem Bekenntnis zu einer freien unv großen Arbeitsleistung. Wir wollen sie zu organisieren versuchen. Wir wissen, daß von uns verlangt wird: Geld- und Sachleistungen. Es ist gewiß ein großer Teil des Volksvermögens im Kriege verbraucht, es sind aber die Produktionskräfte im wesentlichen noch vorhanden. Und wenn eine verständige Politik die Produktionskräfte zu fördern und

gewillt in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen vermag, in einer Form, die erträglich erscheint, so sehe ich nicht ein, warum nicht aus diesen Produktionsmitteln wieder, wie es im Kriege war, große Werte heraus geschafft werden kön­nen. Damals sind sie auf die Schlachtfelder ge­gangen, als ein Werk der Zerstörung, als ein Werk des Schutzes der Heimat, jetzt gehen sie zum Schutz der Heimat teils ins Ausland zum Wiederaufbau der Volkswirtschaft Europas und damit zur gesamten Weltwirtschaft.

Gewiß hat man den Deutschen mitunter Vorwürfe gemacht, daß sie kosmopolitisch denken. Wir wollen uns nicht in kosmopolitische Träume­reien verlieren, wenn wir auch dem Gedanken des Reichs in der feierlichsten Weise dienen und einen Ausdruck verleihen wollen. In diesem Sinn wollen. wir die Nation nicht preisgeben. Im Gegenteil. Die Gedanken der Nation, ihrer Führer, ihrer Würde, sie sollen uns auch^jetzt leiten, wenn wir durch Arbeit einer neuen Frei­heit entgegengehen wollen. Ich Bitte Sie alle, die Sie guten Willens sind, auf diesem klaren, wenn auch steinigen und dornenvollen Wege mich zu unterstützen, Md wenn ich weiß, daß ich in der Heimat Männer und Frauen hinter mir sehe, die dem Gedanken der Freiheit durch Arbeit dienen wollen, dann wollen wir die begonnene Arbeit durch alle Stürme und durch alle Fähr­nisse der nächsten Wochen hindurchtragen. Jeder ist willkommen, keiner ist ausgeschlossen. Die Türen sind für niemand zu, der an des Vater­landes Freiheit durch Arbeit Mitarbeiten will. Aber irgendwelche wilden Formen des Aus­druckes politischer Betätigung außerhalb des Rahmens des Gesetzes gar, die uns außenpoli­tisch nur in Schwierigkeiten bringen, müssen wir unbedingt ablehnen. Auf dem Boden des Rech- OMÜtijjititiStiiS so (sott will, wreosr mumm enter neuen Zeit entgegen! (Beifall.)

Aus -er französischen Kammer.

Der gestrige 4. Tag der Beratung über die Inter­pellationen über die auswärtige Politik in der sran- zöstsâen Kammer begann mit der Rede des Abge ordneten N 0 b l e m a i r e, der an erster Stelle die Lage in Oberschlesien besprach. Es sei gut, daß alle Welt wisse, daß Deutschland stets begreife, wenn man laut und vernehmbar mit ihm spräche. Da müßten auch die Engländer verstehen. Aber vielleicht handele es sich hier nur um eine vorübergehende Lösung. Man müsse die verschiedenen Zwischenfälle in Betracht ziehen, die die Politik Deutschlands seit zwei Jahren charakterisiere, und immer bedenken, daß die ober- schlesische Angelegenheit nur ein neuer Zwischenfall sei. Frankreich müsse bekannt geben, daß es mit England Freundschaft auf dem Fuße der Gleichheit pflegen wolle, aber man dürfe nicht mehr sagen, die fran­zösischen Staatsmänner seien im Schlepptau Englands. Der Quai d'Orsay müsse zur traditionellen europäischen Politik Frankreichs zurückkehren. Der Abgeordnete Noblemaire fährt fort und spricht von den Schwierig­keiten einer Besetzung des Ruhrgebietes. Er sagt, man wisse nicht ob man es nötig haben werde bis zur Elbe oder bis zur Oder vorzugehen. Wenn man aber Gewalt anwenden müsse, um dem Recht zum Siege zu verhelfen, dann dürfe man dieses Mittel nur gebrauchen, wenn die äußerste Not es gebiete. Roblemaire unterstützt Tardieu und Forgeot, die Zweifel darüber geäußert hätten, daß Deutschland bis zur letzten Serie seine Schulden bezahlen werde. Er empfiehlt schließlich ein Zusammenarbeiten mit Deutsch­land und meint, die Zukunft gehöre Amerika. Es habe den Friedeusvertrag zwar noch nicht unterzeichnet, aber es habe ein Wort mitzureden.

Der Abgeordnete Peyroux erhebt sich und er­klärt, er wolle auf das Wort verzichten wenn ihm der Ministerpräsident zwei Fragen beantworte.

1. ob er dasselbe Vertrauen zu den deutschen Ministern von Rosen und Rathenau habe wie zum Reichskanzler Dr. Wirth.

2. ob es richtig sei, was in derVoss. Ztg." ver­öffentlicht wurde, daß Dr. Stresemann erklärt habe, man habe günstige Versicherungen hinsichtlich Ober- schlesien erhalten.

Ministerpräsident Briand sagte, er glaube, daß in einer Debatte von so großer Bedeutung es besser wäre, nicht Zeitungsartikel zur Grundlage für die Argumente zu nehmen. Was die Aeußerungen Strese­manns anbetreffe, so erklärte er, daß nach der Lon­doner Konferenz man Deutschland die Beschlüffe der Konferenz übermittelt habe mit der. Erklärung, er müsse ja oder nein sagen. Er habe gestern loyal zu­gegeben, daß Dr. Wirth öffentlich erklärt habe, er fei notwendig für das besiegte Deutschland, seine Ver­pflichtungen anzuerkennen und zu erfülle». Er müsse ferner jagen, daß

alle 81 ntUforten auf die gestrigen Korde­rungen -«friedigen»

gewesen seien. ES möge Alldeutsche geb n, die Hinter­gedanken hätten, aber er wolle keinen Tendenzvrozeß führen, sondern er wolle nur Realitäten sehen. Es fei Zeit, daß man aus den Formeln tierauskomme und zu Tatsachen zurückkehre. Die sranzösische Regierung habe em sehr klares Programm s^nud ihre Entschei- dünge» seien getroffen. Sw seien Deutschland über- mitielt worden. Die Sanktionen könnten spielen. Der Reichrtaa habe das Ministerium aebilliat und sich

bereit erklärt, die Verpflichtungen Deutschlands aus* znführen. Wohl gebe es Hintergedanken in Deutschland, aber es seien keine Staatsmänner mit der­artigen Hintergedanken und alldeutschen Industriellen an der Macht, die sich den Verpflichtungen entziehen wollten. Man habe die erforderlichen Vorsichtsmaß­regeln getroffen und wenn sich Deutschland morgen seinen Verpflichtungen entziehen wolle, dann werde Frankreich da» Nötige ausführen (Beifall). Briand sagt, er hoffe, daß nun endlich das Land Fühlung mit den Realitäten nehme. Das Land sei voll von Ver­trauen und Glauben. Man verlange nicht von ihm, daß eS einem OptimimuS auf Befehl dienstbar sei, aber man habe doch nötig, dem Lande gute Realitäten zu überbringen. Man dürfe el nicht in Wolken hüllen. Man habe nicht das Recht, im voraus zu sagen, die deutsche Regierung sei aus Männern zu­sammengesetzt, die versuchen würden, sich ihren Ver» vflichtnngen zu entziehen. Er habe aber auch nicht da» Recht, ihre Aufgabe zu erschweren. Auch sie würden Schwierigkeiten mit der Reaktion haben. Das deutsche Volk beginne die Augen zu öffnen. Die Mehr­heit des Reichstage» habe dem Reichskanzler Vertraue« entgegen gebracht. Sie habe gesagt, Deutschland wolle entwaffnen und bezahlen. Man dürfe sic nicht ent­mutigen. Würde man es tun, so wäre da» nicht nur ein Fehler, sondern auch eine schlechte Handlung. Vielleicht würde man auch in der Welt sagen, daß diese» Frankreich nicht da» richtige sei. Man befind« sich einem Schuldner gegenüber, der erklärt habe, daß er die Bedingungen Frankreichs annehme. Man besitze die nötige Kraft, um zu glauben. Briand betont, c» gereiche Frankreich zur Ehre, wenn es einmütig zur Mäßigung anrege. Dies fei gute Politik. Man müsse an ihr festhalten.

Diese Erklärung der Ministerpräsidenten findet ein­mütigen Beifall.

Der Abgeordnete Peyroux erklärt sich von ihr beftiedigt. 61 spricht sodann der Abgeordnete Lacotte von der äußersten Rechten, der sich gegen die eng­lische Politik wendet, was eine Kritik bei Kammerpräsidenten zur Folge hat. Auch Minister­präsident Briand sagt, die Alliierten Frankreich» seien klug und klardenkend genug, um gewisse Aeußerungen gewisser Deputierter auf das rechte Maß zurückzuführen Der Abgeordnete Lacotre fährt jedoch fort, EWiane stark anzugreifkn. Er wird deshalb vom Kammer­präsidenten zur Ordnung gerufen, aber diese Einwen­dungen des Präsidenten haben keine Einwirkung auf den Redner. Er fährt fort, Clemenceau und den Präsidenten Wilson anzugreifen, sodaß der Kammer­präsident gezwungen ist, den Artikel 60 der Geschäfts­ordnung zu verlesen, der dem Präsidenten da» Rechi gibt, nach zweimaligen Ordnungsrufen in der gleichen Sitzung dem Redner das Wort zu entziehen. Lacotte antwortet darauf, er werde feine Pflicht bis zum äußersten tun. Schließlich erklärte er, daß er und feine Freunde

der srrgieritng das Vertrauen verweigern werde.

Das Wort ergreift darauf der Abgeordnete Bar­th e l m y, der erklärt, man müsse die Tatsache, daß Deutschland das Ultimatum angenommen habe, als ein ernstes Ereignis ansehen. Redner wünscht Auf­klärung, ob das Abkommen von London für die Zu­kunft Sanktionen Vorsicht, im Falle, daß Deutschlani noch einmal seine Verpflichtungen nicht erfüllt.

Ministerpräsident Briand gibt folgende Erklärung ab r

In London haben wir eine Erklärung abgegeben die Deutschland mitgeteilt werden mußte, und di« alle Verfehlungen des Schuldners feststellt. Er war genau bestimmt worden, daß Deutschland mit einem Ja ober einem Nein antworten müsse, und daß, wenn Deutsch­land eine der Bedingungen zurückweisen würde, bit Alliierten alle ihre militärischen und maritimen Mittel bereit stellen, um Genugtuung zu erlangen. Jetzt frag« man, was geschehen werde, wenn Deutschland nvâ einmal seine Verpflichtungen nicht erfülle. Man fragt ob eine neue Zusammenkunft des Obersten Rate» not­wendig fei, bevor man die Sanktionen ausführe Wenn es sich um eine Verfehlung handele, von der ir der Erklärung von London nicht die Rede sei, bann ja; denn das sei eine Notwendigkeit der Vertrages. Wenn der Botschasterrat nicht zu einem Entschluß kommen könne, dann müsse der Oberste Rat die Ent­scheidung treffen. Aber wenn el sich um Tatsachen handele/ die in der Erklärung verzeichnet seien, hin­sichtlich deren Deutschland Beweise der Nichtausführung zeigte, dann müsse Frankreich wie die anderen Alliierten Diese Verfehlung feststellen, und bann bestehe für jeden von ihnen das Recht, zur Ausführung der Sanktionen zu schreiten. (Ein Abgeordneter ruft dazwischen: Das ist ein Recht, aber keine Pflicht!) Briand fährt fort: Erschweren Sie mir nicht meine Aufgabe. Wenn also die deutsche Verfehlung au der Erklärung von London festgestellt sei, dann würde die französische Regierung an die englische unb belgische Regierung telegraphieren und ihren Willen zum Handelu aus« spreche» und sie ersuchen, bat Gleiche zu tun. Durch dieses Telegramm werden die Vcrbündetcn in den Stand gesetzt, mit Frankreich zu handeln. (Von der rechten Seuc wir» gerufen: Und wenn sie nicht mar­schieren ?) Briand fährt fort, er habe nicht das Recht, daran zu zweifeln, daß die Truppen der Verbündeten sich den Truppcii der Franzosen anschlössen. Aber selbst wenn sie sich in einer Lage befinden würden, die thuen nicht gestatte, die» zu tun, bann könne Frank- reich au» eigenen Mitteln, also allein, vorgehen, ohn« dadurch gegen seine Verbündeten zu hcuideln. Dat je: ber große Unterschied zwischen der Politik der Re­gierung und einer andere» Politik, die verkü»det worden sei. Dieser Unterschied sei gewaltig. Ma» erhalte dadurch die Kohäsion der Alltiertea aufrtét , unb da» sei da» Wesentliche.