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Nr. 119
Mittwoch Den 25. Mai
1921
Das Neueste.
— Gestern nachmittag hat das Reichskabinett tint Sitzung abgehalten, in der hauptsächlich Sie oberschlefische Frage und die Entwaffnung besprochen wurde.
— Ministerpräsident Briand sprach gestem in der französischen Kammer und erklärte, die Ksrn in Oberschlesien hätten die bedrohten en geschützt.
— Nach amerikanischen Meldungen ist der Botschafter Harvey ermächtigt, einen Plan Harding» für einen Weltfchiedsgettchtshof den Vertretern der europäischen Regierungen zu unterbreiten.
— Im Waldenburger Kohlenrevier ist wegen Lohnforderungen auf sämtlichen (gruben der Streik ausgebrochen. Auch im Mansfelder Bergbau rechnet man mit einer neuen Krise.
Volkskrieg in Oberschlesien.
Das düstere Wollengobtlde, das sich seit âi- & Wochen am politischen Himmel zusammenge- hat, brüht sich nunmehr doch in einem Achtbaren Ungewitter mit seinen großen Schrecknissen für die nach Ruhe und Frieden lechzende Menschheit entladen zu' wollen, wenn es den Allierten nicht in letzter Stunde gelingt die Explosion zu verhindern. Alle deutschen Notschreie aus Oberschlesien find bisher ungehört verhallt — die Franzosen haben auch in der höchsten Not keine Hand gerührt, um die Unabhängigkeit des besetzten Gebietes zu wahren und letzteres von d^n polnischen Insurgenten zu säubern. Im Gegenteil, die Verdrehungskunst der französischen Regierung Hat es fertig gebracht, van der deutschen Regierung zu fordern, auf das deutsche Bandenwesen einzuwirken, Damit endlich Ruhe und Ordnung in Oberschlesien wird. In diesem Ersuchen liegt nichts anderes, als die Absicht, die Schuld der Franzosen zu vertuschen Md Deutschland wieder als Sündenbock hiuzu- stellen. Was liegt da näher, als zur Selbsthilfe zu greifen? Und die deutsch gesinnte oberschlesi- sche Bevölkerung hat es getan. Sie hat zur Waffe gegriffen und führt einen Volkskrieg, einen heiligen Krieg um Heimat, um Haus und Herd! Kann man ihnen das verdenken? Ganz gewiß nicht. Oder glaubt man, daß die oberschlestschen Sauern jungens, die sehâ wie ihre Väter sterben oder verschleppt werden-, ohne daß die I. A. K. ein greift, Wasser statt Blut in den Wern ha- ^n? Glaubt man, daß die Hüttenarbeiter, die mit diesen starken, arbeitsschweren Fäusten die Hämmer schwingen, mit bloßen Reden oder Pa- Piernoten davon abzühalten sind, das zu tun, was eingeborenes Menschenrecht ist: sich gegen Mörder und Landbrenner zu wehren? Niemand kann es ihnen übelnehmen; es geht um die Hei- Mt, die man ihnen rauben will, um Recht und Gerechtigkeit, die von blindwütigen, hahbetörten Nationen mit Füßen getreten werden. Sie hatten alle mit fast kindlicher Geduld auf Recht gehofft, ihre Geduld ist zerrissen. Der Pole hat ihnen gezeigt, daß in Oberschliesien das Recht, französisches Recht, also Gewalt heißt. Sie haben begriffen, daß es um Sterben und Unter- Hen, so oder so geht — also Kampf! Volkskrieg! Ein Berichterstatter schreibt uns aus dem Aufstandsgebiet über die oberschiestschen Verteidiger:
„Sie tragen den Arbeitsrock, die Reste alter uniformen, die Sportmütze und die weiß-gelbe oberschlesische Armbinde. Ihre Sehnsucht liegt bor ihren Linien, drüben hinter den blauenden Wäldern, wo ihre Mütter, ihre Väter, ihre Brü- 6 er leiben. Man sieht Knaben in ihren Reihen. Der junge Gutsherr steht neben dem jungen Bauernburschen, der Primaner neben dem Arbiter. Freischärler, die sich selbst ihre Disziplin schaffen. In ihren Augen brennt die Not ihres Heimatlandes. Es tut bitter weh, so viele Jugend wieder im Angesicht des Todes zu sehen, Cs bebt leuchtend hoch, zu sehen, wie diese Ju- 8^d und diese Mannschaft alles lieber will als polnische Sklaverei."
Und wer trägt die Schuld an diesem neuen Blutvergießen? Niemand anders als die Polen in geweilt fdjaft mit den Franzosen, die beide Qüer- JWen, deutsches ' Land, vom übrigen Deutschen Reiche losreißen und es unter polnische ^^ewaliherrschaft stellen wollten. Um dies zu er- ^rchen, hat Frankreich mit polnischen Banditen
Pakt geschlossen. An dieser Feststellung wâji alle französische Tendenzmeldungen nichts wehr ändern. Es handelt sich hier um eine fest- sichende Tatsache, die selbst von englischer Seite ^gegeben worden ist. Und wenn es wegen der obcrichbsisân Frage, wie Korfanty dieser Tage siEz erklärte, zu einem Weltbrand kommen sollte.
dann trägt hierfür niemand anders dis Verantwortung, wie Frankreich, genau so, wie es für die Entstehung des oberschlesischen Brandes verantwortlich ist, eines Brandes, für den jetzt deutsches Blut fließt. Es muß geradezu schamlos genannt werden, wenn Briand sich in der gerttren Kammersitzung hin stellte und behauptete, daß die 12 000 Mann Franzosen in Oberschlesien die bedrohte-, Deutschen geschützt und bie Ordnung wieder hergestellt hätten. Die Fesfftellun- gen oder politischen Parteien in Oberschlesien haben ergeben, wie untätig die Franzosen sind und damit bie Polen in ihrem Raub unterstützen. Und dabei stellt sich noch ein Mann wie Briand hin und spricht von Recht und Gerechtigkeit! Die gestrig« Rede des ftanzösischen Ministerpräsidenten hat hoffentlich auch dem verbündetsten Optimisten die Augen geöffnet und ihm gezeigt, was man aus Oberschlesien machen wollte und noch machen will, ja machen muß, weil man es den Polen versprochen hat. „Weil man Polen das Leben gegeben hat, muß man ihnen auch eine G'-illenzmöglichkeit geben" und diese Existenzmöglichkeit stellt Oberschlesien dar, Oberschlesien, deutsches Land, ohn« dem Deutschland unmöglich ist. Soll einem angesichts Derartiger Rechtfertigungen nicht die Zornesader schwellen? Doch dies nutzt nichts, — Deutschland liegt machtlos am Boden und jede organisierte Einmischung in die oberschlesischen Verhältnisse von außen kann für uns von unübersehbaren Folgen sein. Deshalb hat die deutsche Regierung nochmals alle Freikorpswerbungen verboten —, sie hat damit so bedauerlich es ist, daß sie unseren deutschen Brüdern und Schwestern in Oberschlesien nicht zu Hilfe eilen kann — alles getan, was sie tun konnte. Die Verteidigung der Oberschlester selbst kann sie nicht verbieten und sie wird auch niemand verbieten können, solange es sich Darum.haqÄä'- dertschës Land von polnischen Räubern zu 8e- freien. Und wir hoffen, daß diese Befreiung Hand in Hand mit den in das Aufstandsgebiet beorderten englischen Truppen baldigst gelingt. Wir sind gewiß, daß die oberschlefischen Schutzverbände den kommenden Engländern gerne den Platz räumen werden, wie sie es auch dankbar begrüßt hätten, wenn Die Franzosen sie von der Selbstverteidigung befreit hätten. R. H.
Briand vor der Kammer.
Die Verdrehungskunst des ftanzösischen Ministerpräsidenten.
Paris, 24. Mai. In der heutigen Kammsrsttzung wird die Beratung der Interpellationen über die auswärtige Politik fortgesetzt. Die sozialistischen Abgeordnete» Moutet und Blum haben eine Interpellation über die Ereignisse in Oberschlesien eingebracht. Der Präsident der Kammer fragt, ob diese Interpellation mit den anderen vorliegenden Interpellationen über den gleichen Gegenstand verbunden werden soll. Ministerpräsident Briand sagt, ei sei nicht gut und rätlick, diese Interpellation mit denen zu verbinden, di« sich auf die auswärtige Politik im allgemeinen beziehen. Infolgedessen wird über die Writerberatung der Interpellationen fortgefahren. Es ergreift
Ministerpräsident Briand
ba8 Wort. Er erklärt, er begreife die Erregung bie sich angesichts der Ereignisse in Oberschlesien im Lande zeige. Während der Beratungen über den Friedens- Vertrag habe eine interalliierte Kommission die ober- schlesische Frage genau geprüft. Die Arbeiten hätten mehrere Monate gedauert und die Mitglieder dieser Kommission seien einstimmig zu dem Entschluß gekommen, Oberschlesien Polen zuzu - sprechen. Auch die Alliierten hätten sich einstimmig diesem Beschluß angeschlossen, und diese Vcrirag»- Haufel fei Deutschland übermittelt worden, das barin in Gegenvorschlägen Anspruch auf dieser Gebiet er* hoben habe. Der Oberste Rat habe alsdann, den Interessen Polens entgegen, eine Volksabstim- m u n g zugelassen, um da» Recht Polens zu rechtfertigen. Die Polen hätten starte Gründe gehabt, zu glauben, daß Oberschlesien ihnen zufallen werde. Bei der Abstimmung aber hätte« 180 000 Deutsche, bie in Oberschlesien geboren wurden, mitgestimmt. Frankreich habe immer gewollt, daß der FriedcnSvertrag loyal aurgefnbrt werde. Niemals habe es die Absicht gehabt, Polen Gebiete zuzustellen, die an die Deutschen abgetreten werden müßten. Stach dieser Richtung sei er mit dem englischen Premierminister einig. Oberschlesien sei niemals ein rein deutsches Land gewesen. Die englischen und die deutschen Autoren, auch der deutsche 8UlaS, bekundeten die». Oberschlesien sei vor 600 Jahren mit Gewalt zu Deutschland gekommen. Der 3ertrag sage, daß die Grennbestimmungen nach geographischen Rücksichten getroffen werden müßten. SS wäre also keine gerechte Entscheidung, wenn ein Unter schied zwischen dem armen und dem reichen Gebiet gemacht werden solle, zwischen den Stimmen der polnischen Arbeiter und bcnen der reichen Deutschen. Wenn in dem Minen bezirk die polnischen Arbeiter die Mehrheit der Stimmen hätten, dann müßten diese Stimmen bei dem Votum den Autschlag geben. (Beifall.) Er sage dies
eine andere Mehrheit im Reichstag stütz« al» die letzte Regierung. Bis jetzt habe
Dr. Wirth Beweise großer «ufrichtigkeit und Loyalität bewiesen.
Er habe seine Versprechungen gehalten nnd er (Briand) werde nachher darauf bei Besprechung der Londoner Beschlüsse zurückkommen. Er (Dr. Wittb) habe nicht nur die Verpflichtungen übernommen, sonder» auch begonnen, sie auszusübre«. Frankreich habe die Macht, die es ihm gestatte, Vertrauen zu haben und bie ihm Kaltblütigkeit anempfiehlt. (Lebhafter Beifall.) Er müsse es zurückweisen, wenn man sage die Regierung habe Frankreich in eine erniedrigende Sage gebracht. Er freue sich über die bewunderungSwütdige Haltung der öffentlichen Meinung. Sie habe begriffen, daß die Interessen Frankreich» vertreten seien (Beifall link» und in der Miitte) Briand sagt sodann, er habe seine Politik erläutert, er übernehme feine Verantwortlichkeit; die Kammer möge die ibrige übernehmen. Sie soll« sodann wählen zwischen seiner Politik oder einer anderen. Die andere Politik wolle er nicht mitmachen ohne zwingende Notwendigkeit. (Beifall link» und in der Mitte.) Wa» die Sicherheit Frankreich? anbetreffe, so behalte sich Frankreich vor, alle erfordeflichen Druckmittel zu gebrauchen, wenn die Deutschen ihre Ver. pflichtungen nicht halten würden. Wenn feine Sicherheiten in Frage gestellt werden, dann werde Frankreich — da? habe er seinen Verbündeten mitgeteilt — im Rechte sein, feine Sicherheiten sicherzustellen. (Beifall lm!» und in der Mitte. Der Mnisterpräsident wird dauernd durch ironische Zwischenrufe von recht» unterbrochen) Briand erklärt, er habe den Jahrgang 1919 mobilisiert, weil eS unerläßlich gewesen sei. Die jungen Leute der J«hre»klaffe 1919 haben ben Reichstag 50 Jahre- nach dem Frieden»vertrag von Frankfurt dazu aefübtt, die Niederlage Deutschland» Lnzuerkcnnen. Ich bin beauftragt, ben Frieden»ver- trag anzuwende». E» muß daran erinnert Werben, daß der Friedenrvertraz hon Versailler ein geeutig« Leres und stärkere» Deutschland in bezug auf Kohäsion und Assimilierung der deutsche» Stämme geschaffen habe al» der Frieden»vertrag von Frankfurt. Er wundere sich, daß man ihm Schwache bei beet Gebrauch diese» Instrument» vorwerfe. Er habe alle Pflichtm gegenüber dem Parlament durch die Besetzung Düffel» atiii ujü> Luisdura» «MU, Abg, Tardieu schein« die Dergangenbctt vergessen zu haben trab nw an bw Zukunft zu denke«.
Nach einer Schilderung der Verhandlungen von London unterstreicht Srianb bie großen Anstrengungen der Belgier, um zu den Ergebnissen von London zu kommen. Er hätte ruhig von London zurückkehr« können und wäre stärker beklatscht worden, wen« man bas Ruhrgebiet besetzt hätte. Aber diese Att von Popularität Haie er nicht gewünscht. (Beifall link» und in der Mitte. Von der Rechten wird Bnavd lebhaft unterbrochen.) Briand fordert feine Kollegen auf, zwischen diesen beiden Arten von Polftik zu wählen. Der Abg. Noblemaire ruft dazwisch«, die Frage stehe doch viel höher als eine ministerielle Frage. Briand sagt, der Abg. Noâlemaire habe ihn nicht verstanden. Wenn eS sich um die Interesse« Frankreich» handele, »nd wenn er die Kammer ans» fordere, ihre Wahl zu treffex, dann handele er sich um eine Frage des allgemeinen Interesses. Die fit ein isoliertes Frankreich feien, hätten zu behexten, daß
200 000 Mann vor Dem Ruhrgebiet ständen, da« innerhalb 8 Stunden besetzt werden könn«. Er frage sich, wa» erfolgt wäre, wenn er zurückgekommen wäre mit der Erklärung, daß Frankreich isoliert fei. Man sage, wenn man Frankreich vertrete, müsse man erklären: Ich will! U» wenn der andere sich nicht beuge, dann müsse man ihn brechen. Wenn er das getan hätte, bann hätte man ihm die? in 8 ober 14 Tagen vorgeworfen. Briand sagt weiter, el sei ihm bis jetzt gelungen, die Einigkeit untei den Alliierten aufrecht zu erbalten. Er sei sicher, daß ihm das auch morgen gelingen werde, selbst in der Frage von Oberschlesien. Man habe nicht bal Recht zu vergessen, daß England sich im August 1914 erhoben habe, um auf Frankreichs Seit« zu treten, und daß Amerika das 3Jleer überschritten habe, um durch sein Heer Frankreich beizustehe». Man müsse unermüdlich daran arbeiten, die Einigkeit in der Well ausrecht zu erhalten, aber nicht nur im Jnterefst Frankreichs, denn das britische Volk habe die gleiche« Interessen wie das französische. Kein Volk könne mehr isoliert leben. Man könne im übrigen nicht glauben, daß bie Stunde Frankreichs schon vorüber fei, wenn man an die augenblicklichen Streitkr âfte am Rhein denke. Er steige von der Tribüne herab, in» dem er sage, die Lage Frankreich» sei weit davon entfernt, schlecht zu fein. Die Stimme Frankreich» sei gehört worden. Ueberall in Amerika und in England würdige man die Festigkeit und die Mäßigung Frankreich? und deshalb werde er, so lange er an bet Spitze der Regierung stehe, nicht auf die Politik dev Festigkeit und der Mäßigung verzichten. (Lebhafter Beifall in der Mitte, sowie links, auf einigen Bänke» rechts und auf der äußersten Linken).
Die Sitzung wird daraus auf einige Zeit unter* brodjen. Nach der Wiedereröffnung erhält das Wort der sozialistische Abg. Vinoent Auriol. Er spricht über die fiyanziellen Klauseln der FricdenSoertrage- von Versailles und erinnert daran, daß derAbg. Klotz hon einer Schuldsumme Deutschlands im Betrag hon 463 Milliarden gesprochen habe. Er geht altdan» dazu übe< da» Abkommen von Paris gegen da» Ab. kommen von London abzuwägen. Er erinxen daran, daß bie sozialistische Partei, die jetzt in Deutschland der Regierung angehöre, die Pflicht zur Reparatio» anerteune und fragt, ob man etwa die Politik ben Zwangsmaßnahmen gegenüber Deutschland weitet verfolgen wolle, damit die Alldeutschen in Deutschland ans Ruder tarnen.
nicht in der Absicht zu polemisieren, denn unter Alliierten müsse man sich in Rube anSeinanber« sehen und dürfe keine Hindergedanken haben. Man habe behauptet, Frankreich fordere, daß der Minenbezirk Polen zugesprochen würde mtb daß es damit Polen begünstige. Nach einem Srieae wie dem letzten habe Frankreich das Recht, gewisse Befürchtungen zu hegen. Wenn man einem Lande wie Polen dar Leben gegeben habe, so sei er nur natürlich, daß man auch daran denke, ihm feine Eristenzmöglich- keit zu geben. Von diesem Wunsch« beseelt hätten die Alliierten Polen einen Zugang zum Meer durch Preußen hindurch gesichert. Das genüge aber nicht. Wenn ein Land nicht bie Mittel zum Leben habe, bann sterbe es oder eS falle der Herrschaft seines Nachbarn anheim. In den Bergwerksbezirken Oberschlesien? hätten diePolen nicht nur die Gesamtmehrheit, sondern auch die Mehrheit nach Kommunen erlangt. Der ftanzösische Kommissar sei also berechtigt gewesen, seine Konklusionen zu unterbreiten. Es bereite oft Unae* legenheiten, wenn eine Debatte wie die über die Bolks- obstiwmung auf öffentlichem Weg« erfolge nnd wenn eine Pressepolemik sich dieser Frage bemächtige. Aber wenn nach so vielen gemeinsam niedergekämpften Schwierigkeiten
die Entente sterbe«
müsse infolge einer Schwierigkeit, die der gegenwärtigen Sage entspringe, dann fehle nur der gute Wille und dann hätte man nicht den Wunsch, die Entente aufrechtzuerbalten. Da? fei nicht der ® e« danke Frankreich?. (Beifall.) Er habe gegenwärtig noch eine schwere Stunde, eine dramatische Stunde der Londoner Konferenz. Damals habe e? den Anschein gehabt, der Unterschied in der Auffassung zwischen Frankreich und Großbritannien sei so groß, daß es unmöglich sei, sie einander näher zu bringen. Die Motte de? englischen Premierminister? lägen ihm noch in den Ohren, als er gesagt habe, er möchte nicht der Staatsmann sein, der es mit seinem Gewissen zu verantworten habe, ein so ernstes Ereignis vorbereitet zu haben. Wenn man baS Gefühl des Ernstes eines solchen Ereignisse» habe, dann sei e? sicher, daß man alles tun werde, um es nicht zu provozieren. Frank- reich berlaxqe, daß bet Vertrag loyal spiele, und zwar “TflllW». ^il seien, um in voller Gerechtigkeit die Bestimmungen der Vertrages zu würdigen und eine Grenzlinie zu ziehen. Die Alliierten müßten sich nach den Akten, wie in allen anderen Fällen, aussprechen. Die Gerechtigkeit müsse siegen, und an dem Tage, an dem die Gerechtigkeit triumphiert habe, werbe Oberschlesien von der Anarchie gerettet sein. Beifall.) Briand kommt sodann ans den Ursprung der polnischen Unruhen zurück und sagt, die Polen feien erregt gewesen, weil sie geglaubt hätten, sie sollten da» Opfer de? Londoner Abkommen» sein. Von London aus habe er angeordnet, daß sofort dem französischen Vertreter in Oberschlesien telegrafiert werde, daß er alles unternehme, war in seiner Macht liege, um die Ordnung wieder herzustellen und um die Menschenleben und die Vermögenswerte zu schützen. Hätte man etwa Blut vergießen sollen mit Tanks und Mitrailleusen? Frankreich habe 12 000 Mann in Oberschlesien, die die bedrohte« Deutschen geschützt hätten und die Ordnung sei wieder bergest e l t. (?) Alle Welt müsse damit zufrieden fein. Der polnischen Regierung habe man mitgeteilt, daß ihre Landsleute sich ins Unrecht setzten. Die polnische Regierung habe die verlangten Maßnahmen ergriffen. Auch bie Worte Lloyd Georges seien falsch ausgelegt und schlecht übermittelt worden. (Ironische Zurufe recht».) Briand fordert bie Kammer auf, den Takt, den eine derartige Debatte verlange, aufrecht zu erhalten und fährt fort: Die Worte Lloyd George» hätten, falsch übermittelt, die deuffche Presse und die Alldeutschen glauben machen können, er habe Deutschland aufgefordert, direkt in Oberschlesien etwas zu unternehmen evtl, die Reichswehr bort einrücken zu- lassen. Briand erinnert an die Erklärung, die er in Abwesenheit des Parlament- in aller Oeffentlichkeit machen mußte. Er habe Deutschland zu erkennen gegeben, daß, wenn es Truppen nach Oberschlesien entsende, wozu, wie er wisse, Geneigtheit bestanden habe, würden ernste Ereignisse dadurch hervorgernfen. Die deutsche Regierung habe begriffen. Er habe mit Befriedigung bemerkt, daß in den erregtesten Zeitungen am anderen Tage eine Zurückhaltung zu beobachten gewesen sei. Nach einer Verbreitung über die letzten Ereignisse erklärt der Ministerpräsident, daß der deutsche Legationsrat von Moltke nach einer Unterredung mit der interalliierten Kommission Instruktionen erhalten habe, die bereits befolgt worden feien. Der Kampf sei eingestellt und die Ruhe wieder
dergestellt. Auch der französische Botschafter
in London habe Instruktionen erhalten. Er selbst habe gestern den deutschen Botschafter gebeten, ihm einen Besuch abzustatten. Er habe ihn auf den Ernst der augenblicklichen Lage hingcwiesen und erklärt, wenn nicht in kürzester Frist die deutschen Detachement» entwaffnet, wenn die Urheber der Anwerbungen nicht nach dem deutschen Strafgesetz verfolgt würden und wenn die deutsche Regierung nicht die obcrschlesische Grenze sperre, bann könnte die Lage gefährlich werden. Heute vormittag in früher Stunde habe die deutsche Regierung mitgeteilt, daß alle Maßnahmen angeordnet seien und daß die Leitungen, welche hetzten, verfolgt würden. Es fei auch mitgeteilt worden, daß der preußische Minister de» Inneren Suber* hkitSpolizei entsandt habe, um die gegebenen Instruktionen ausführen zu lassen. Sie können mir sagen, daß da» Worte sind und daß wir seit zwei Jahren schon viele Worte gehört haben, die nicht be- >olgt wurden. Aber heute denke er loyal und aufrichtig von der deutschen Regierung und von Dr. Wirth, der an der Spitze einer Regierung stehe, bie sich auf