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General-Anzeiger

. _ -, - _ sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Sana« äM

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Verlagsleitung: Ad. Jndermützl«.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Rickard Hultsch: für lokalen und provinziellen

Nr. 118

Dienslag den 24. Mai

1921

Das Neueste.

Zu« Reichsminister des Auswärtigen ist der Menge Gesandte im Haag, Dr. Rosen, ernannt vorden.

- In der oberschlesischen Frage fand zwischen Frankreich und Deutschland ein Notenwechsel statt.

- Der deutsche Richtertag hat sich gegen die Ver­ödung der Frau als Berufsrichterin oder Laien­richterin ausgesprochen.

- Briand wird heute in der französischen Kammer tak Wort ergreifen, um die Interpellationen zu be- oniwortkN.

[ - Die Nationalversammlung von Angora wählte in geheimer Abstimmung den General Fezi Pascha zum Präsidenten des Rates der Kommissare und zum Kriegsminister und Jussuf Kemal Pascha zum Kom­missar für auswärtige Angelegenheiten.

[ Die Kämpfe in Oberfchlesien.

[ Der deutsche Selbstschutz in Tätigkeit.

Der Einfall der Polenhorden in Oberschlesien gunb die zahlreichen Kämpfe, Räubereien und MPlündereien unter Wojciech Korfantysglor- I reiner Führung" brachten es mit sich, daß sich litt dem Hart bedrängten oberschlesischen Lande Imst Bewilligung der Interalliierten Behörden, bie ihrerseits keinen Schutz mehr gewähren konn- Ifen, Selbstschutzverbände bildeten, die sich die I Aufgabe stellten, die deutschgesinnte Bevölkerung Ivor dem Rauben und Morden der polnischen »Horden zu schützen. Diese deutschen Selbstschutz- Uformationon wurden, wie schon gesagt, bewilligt I und es ist inzwischen gelungen, die einzelnen W Formationen zusammenzufassen und sie unter leine einheitliche Führung zu bringen. Die Orga- Inisation nennt sichHeimatschutz Ober- Kschlesiens" und kämpft an verschiedenen

1 kriegerischen Operationen zwischen Deutschen und 1 Polen im Gebiete von Großstein und Krapp itz zu verstehen. Von der Teilnahme Reichswehran- I gehöriger an diesen Kämpfen ist keine Rede, wie I auch eine unten folgende amtliche Meldung fest- 1 stellt, daß Reichswehrleute in Oberschlesien nicht vorbanden sind. Als Führer hat sich der Heimat- I schütz den Generalmajor Höfer gewählt, der I selbst Oberschlesier ist und im Kriege eine schle- fische Brigade geführt hat. ?

I Generalmajor Höfer Führer des Heimatschutzes. I Der oberschlesische deutsche bewaffnete Heimat- I lchutz hat sich als Führer den Generalmajor I Höfer gewählt. Höfer ist ein bekannter Führer D aus dem Weltkrieg, der den rechten Arm ver- I loten hat, aber trotzdem an der Spitze seiner D Brigade zum Sturm mit einem Stock vorging.' I Der englische Heeresbericht nannte ihn wieder- I holt als einarmigen deutschen General, der I Ane Truppen selber zum Sturm führe.

Höfer hat folgenden Aufruf erlaßen: Landsleute, Kameraden!

Dem Notschrei der Heimat bin ich I gefolgt. Meine Liebe zur Heimat und Euer i Vertrauen zu mir, berechtigen mich zu Euch zu 1 reden. 2m heiligen Zorn habt Ihr Euch gegen I polnische Willkür und Herrschsucht zur Wehr I gesetzt. Die Erbitterung über das maßlose Leid, in Ha» Korfantys Banden Eure Brüder I und Schwestern gestürzt haben, trsibenEuch zum Aeußersten.

Ihr habt erkannt, daß da» Leben nicht der Euter höchstes ist, Ihr kämpft um mehr als um Euer Leben. Ihr kämpft um Eure Hei- ! mat, um die Zukunft Eurer Kinder, ' um deutsche Ehre und deutsches Recht. Schutzlos ist heute ein großer Teil unseres Landes polnischer Willkür preis gegeben. ®te Interalliierte Kommission hat nicht die Macht, sich gegen Korfantys wohlvorbereitete Rebellion durchzusetzen. Wir wollen nicht dem Zustand der Gewalt, den Korfanty geschaffen hat, einen andern Zustand der Gewalt nach unserem Willen entgegenstellen. Wir kämp­fen in berech tigter Notwehr und wollen nur die Wiederherstellung der erschütterten Autorität der Interalliierten Kommission, die -derherstellung des Frieden», den erst Kor- '>"Y unserem oberschlesischen Volk geraubt hat. "Nser gutes Recht war alle Zeit Richt- su-nur unseres Handelns und soll es bleiben. Unge haben wir die schnöde Verachtung der âteralliierten Kommission und unseres Rechte» durch die Rebellen mitangrsehen. Auch die größte Geduld und Besonnenheit hat lyre Grenzen. Wenn wir heute, zum Sprunge noch an uns halten, so geschieht es nur

Vertrauen auf den Gerechtigkeitssinn der und in der Hoffnung, daß in wenigen LW tm Rate der Mächte endlich die erlösende Entscheidung darüber fallen wird, wie der

Autorität der Interalliierten Kommission und dem Recht in Oberfchlesien wieder Geltung verschafft werden soll. Landsleute, Kameraden! Bis dahin steht mit Gewehr bei Fuß. Wahrt Ordnung und Disziplin. Laßt Euch durch keine polnische Greueltat zu Vergeltungs­maßnahmen binreißen. Ehrt das Eigentum eines jeden, sei er polnisch oder deutsch gesinnt! Zeigt Euch würdig als Deutsche, namens unserer guten und gerechten Sache! Keiner von Euch liebt die Heimat mehr als ich. Ihr kennt mich. Vertraut mir ich sehne wie Ihr den Augenblick herbei, wo wir zur Errettung unserer Brüder und Schwestern vorwärtrstürmen können. Dann werdet Ihr mich, wie einst in Deutsch­lands schweren Tagen, wieder an Eurer Spitze sehen.

Und Ihr dort drüben, die Ihr unter der Willkür der Rebellen schmachtet, harrt tapfer dieses Tages, der Euch die Befreiung bringen wird. Wir kennen Euren Schmerz. Wir sehen Eure Tränen vertraut darauf, daß das Vaterland Euch nicht verläßt! Hoefer."

Der deutsche Vorftoh bei Krappitz.

Oppeln, 23. Mai. Die Lage im nördlichen Oderabschnitt hat sich durch den bereits gestern

gemeldeten Vorstaß bei Krappitz, der aus der Ge­gend von Kosel unterstützt wurde, wesentlich ge- bessert. Deutsche Apo und Oberfchlefischer Selbst­schutz unter der Führung des früheren preußischen General» Hoefer haben den polnischen Insurgenten mit der Gegend von Annaberg einen wichtigen Höhenpunkt entrissen, der durch Einbau von Geschützen zu einem starken polnischen Stützpunkt geworden war. Die Geschütze und zahlreich« Maschinengewehre wurden vonden vordringenden Deutschen genommen. Die Verluste sind leider beträchtlich, da die Heimattreuen nach Auffinden gräßlich verstümmelter oeuchyer Leichen nicht mehr zu halten waren und mit Messern und Handgranaten draufgingen. Doch st der Verlust der Polen ungefähr vierfach. Bei ihrem Rückzug verschleppten die Polen Männer, Frauen und Kinder aus den Dörfern. Einige sind von den Heimattreuen zurückgeholt. Die Bevölkerung sorgt rührend für die deutschen Kämpfer, doch fehlt es an Leuten, Schuhen und Material.

Berlin, 23. Mai. Die Tendenzmeldungen der Warschauer Zeitungen, wonach bei den schweren Zusammenstößen in der Gegend von Kandrzin-Annaberg die Teilnahme deutscher Reichswehrangehöriger festgestellt sei, find ebenso unwahr, wie alle früheren Meldungen gleicher Art, die systematisch von den Ausrührern und von polnischer Seite verbreitet wurden. Es sei nochmals ausdrücklich wiederholt, daß sich nicht ein einziger Reichswehrsoldat im oberschlesischen Abstimmungsgebiet befindet. Dagegen wurden gerade bei den Zusammenstößen in der vorge­nannten Gegend eine Unterstützung der Insur­genten durch Angehörige regulärer polnischer Truppenteile durch Kampfmittel der regulären polnischen Armee erneut einwandfrei beobachtet.

Oppeln, 23. Mai. Auch deute war es nicht möglich, telephonisch oder telegraphisch Nachrichten ans dem von den Insurgenten besetzten Gebiet zu erhalten. An der Nordgrenze des Kreises Kreuzburg gegenüber ReinersdorfKostau wurden auf polnischem Gebiet starke polnische Bandenam'ammlungen beobachtet. Die heftigen Zusammenstöße im Kreise Rosenberg dauern an. Auf Seiten der Aufständischen griff auf der Bahnlinie KreuzburgZembowitz ein fahrender Panzer­zug in den Kampf ein. Dort, wo di« Polen bisher von ihnen gehaltenes Gebiet räumen mußten, wurden die Dörfer von ihnen geplündert. In der Gegend LandsbergAltrosenierg wuroe sämtliches Vieh weg- getrieben. Die Einwohner wurden, mißhandelt. Aus Dupine und Koselwitz wurden deutschgesinnte Ober- schltsirr über die Grenz« geschleppt. Im Kreise Rati- bor gelang es den Polen anläßlich des Vorstoßes Angehörige des örtlichen Selbstschutzes auf tichccho- slowakychc» Gebiet zu drängen. Die deutschen Ver­teidiger wurden dem Vernehmen nach entwaffnet. Aufgrund von Nachrichten, die auf besonderem Wege von Beuthen nach Oppeln gelangt sind, kann mitge­teilt werden, daß Kattowitz und Beuthen bis heute noch nicht in die Hände der Aufständischen gefallen sind. Die LebcnSnutteliiot wurde bisher noch nicht behoben und nahm besonders im Landkreise Beuthen erschreckende Formen an.

Die tatenlose 3. A. K.

Oppeln, 23. Mai. Infolge der Absperrung des oberschlesischen Industriegebiete» von der Außenwelt erhält die deutsche Ocffentl,chke>t erst jetzt Kunde von einem Telegramm, da« die deutschen Parteien und Gcwcrkschgften Oberschlesiens unter dem 20. Mai an die interalliierte Regierung und an die Plebirytkom- mission in Oppeln, zu Händen von Ler»nd, General de Plarini» und des Lbeisten Percival richtete, daS folgenden Wortlaut hat:

Der sran,ösijchc itreiSkontrolleur von Kattowitz- i Stadt brachte am 2. Mai der Vertretung der Bürger- ! schgst gegenüber zum Ausdruck, daß bei der Besetzung : von Kattowitz durch die Znfuraenten tnfolae des

außerordentlichen Verkehrs die Verpfle«un«»schwieri,- keiten behoben werden würden. Ebenso äußerte sich , der französische Vertreter bei der Eisenbahndirektion von Kattowitz, Coauet, am 19. Mai gegenüber dem Vertreter des Magistrats Kattowitz. Schon am 17. Mai versuchte der Stadtrat Gornick von der polnischen Partei in Kattowitz den Vertreter der Kattowitzer Kaufmannschaft zu bestimmen, sich zu dem Wunsch nach Besetzung der Stadt durch polnische Insurgenten zu äußern. Wir bringen der interalliierten Kom­mission das Verhalten ihrer Vertreter zur Kenntnis, damit sie verhindert, daß ihre örtlichen Organe die Bestrebungen der Rebellen irgendwie fördern. Am 19. Mai wurde der Arbeiter Bulla in Kattowitz von drei bewaffneten Insurgenten aus der Wohnung berausgeholt, nach der Ferdinandgrube geschleppt und dort auf das schwerste mißhandelt. Hierauf wurde die 44jährige alte Ehefrau Bulla, Mutter von Kindern, von Insurgenten aus dem Hause geschleppt. Sie wurde gezwungen sich auf bex Erdboden zu legen, »»rauf sie von zwei Insurgenten auf den nackten Körper geschlagen wurde. Die Verschleppung erfolgte dann unter den Augen der ftanzösischen Wache, die vor dem Hostor de» von den Bullaschen Eheleuten bewohnten Hause» postiert ist. A« 19. Mai wurde der Arbeiter Dombeck, 49jäbrig, trotz eines von dem polnischen Plcbi»zitkommiffariat in Kattowitz ausge­stellten Passierscheines in Bogutschütz bei Kattowitz feftgenommen, nach der Wache gebracht, auf die Bank gelegt xnb von etwa 10 Mann mit Gummiknüppeln schwer mißhandelt. Er wurde feiner Papiere und seines Geldes beraubt. Wir wissen, daß unsere Hilfe­rufe an die interalliierte Kommission ungehört ver- ballen, aber wir stellen biefe Tatsachen fest, um damit die Zustände zu zeigen, denen die interalliierte Kom­mission tatenlos gegrnüberfteht.

Ein französisch-deutscher Notenwechsel.

Zwischen F-r<mkreich und Deutschla-ad hat in den letzten Tagen ein Notenaustausch über die oberschlestsche Frage stattgefunden. Frankreich forderte verschiedene Maßnahmen, um die Bil­dung von Freikorps zu verhindern, so die strenge I "ââtâ^^â-ââ den. Teutschen und dem Abstimmungsgebiet. Dre deutsche Re­gierung hat zustimmend geantwortet. In der Antwort-Note heißt es u. a.

Euer Exzellenz haben am den Maßnahmen der deutschen Regierung ersehen^ daß diese die Bildung von Freikorps auf deutschem Gebiet und den Uebertritt vom nicht besetzten deutschen in das besetzte Gebiet nicht duldet. Etwas ganz anderes ist der Selbstschutz, den die an Leib, Leben und Eigentum aufs höchste gefährdete Bevölkerung Oberschlesiens in Ermangelung jeglichen Schutzes durch die französischen Truppen und in berechtigter Notwehr gegen polnische Jnsmgenten von sich aus zu bilden genötigt war. Auf diesen aus dem Zusammenschluß der Be­völkerung hervorgegangenen Selbstschutz, in einem Gebiet, hat die deutsche Regierung keiner­lei Einfluß. Die deutsche Regierung hat über die bisher getroffenen bekannten Anordnungen hinaus aber Anweisungen erteilt, daß die zur Ueberwachung der Grenzlinie des besetzten Ge­bietes auf deutscher Seite vorhandenen Sicher­heitsorgane wesentlich verstärkt werden.

Schließlich wird in der Note noch eingehend auf die Schuld Polens und die Ohnmacht der Interalliierten Kommission hingewiesen.

Französische Verzögerung.

London, 23. Mai. Das Lloyd George nahe­stehende,Daily Chronicle" schreibt unter der UeberschriftFranzösische Verzögerung": Alle, die die äußerste Dringlichkeit einer alliierten Konferenz über Oberschlesien zu einer möglichst baldigen Zeit einsehen, werden bedauern, daß die Aussprache in der französischen Kammer bis zum Dienstag vertagt worden ist. Das Blatt schreibt wörtlich:

Ohne Briand einer beabsichtigten Verzöge­rung beschuldigen zu wollen, können wir vielleicht doch sagen, daß er ein« gewisse Pflicht gegenüber seinen Alliierten hat, nicht in dieser Weise zu handeln. Dor ihm und uns befindet sich eine Lage, in der die eine der beiden Parteien gewisse überlegene Stellungen mit Gewalt eingenommen hat, und in der schon die Zeit auf Seiten dieser Partei ist, während die andere Partei Leirachiei- ligt ist. Daher ist eine gerechte Entscheidung zwischen den Alliierten schon vorher beeinflußt. Wie ist diese Lage entstanden? In erster Linie durch das Vorgehen der polnischen Partei in Oberschlesien, in zweiter Linie jedoch und in sehr wesentlicher Hinsicht durch die Handlungsweise der Franzosen selbst. Die Franzosen sind es, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und für fair Play" in der strittigen Provinz verantwort­lich waren und sind. Sie haben'es nicht getan. Die Ordnung wurde vollkommen umgestürzt, und sie haben keiner Versuch unternommen, sie zu ret­ten. Mau hätte erwarten können, daß die Fran­zosen. nachdem sie sich auf diese Weise ins Un­recht gesetzt hatten, die erste Gelegenheit er­griffen hätten, um sieb durch eine interalliierte

Konferenz wieder ins Recht zu setzen. Sie tun es aber nicht. Sie vertuschen den Gegenstand des Streites und schaffen ein großes Risiko deut­scher Gegenschläge gegen den polnischen Schlag. Ein Teil der französischen öffentlichen Meinung würde ei« solches Vorgehen von deutscher Seite begrüßen als eine Entschuldigung für eine Er­neuerung de- Vormarsches in das Ruhrgebiet. Als ein Hem nis gegen einen deutschen Angriff könnte dieser gerechtfertigt sein, aber nicht als eine berechnete Erwiderung auf einen deutschen Ausbruch, der zu diesem Zwecke provoziert wurde, und die bereits bestehenden interalliier­ten Gegensätze würden durch eine solche PolM in nicht absehbarer Weise vergrößert werden.

Eine Unterredung Briands mit Dr. Mayr

Paris, 23. Mai. Briand, der heute abend vo« Lande nach Paris zurückgekehrt ist, hatte, einer Havas» Meldung zufolge, eine Besprechung mit dem brutsche« Botschafter Mayr, in der, wie HavaS erllät, Briand Dr. Mayr ersucht haben soll, auf j e d e n D e r s» ch eines Angriffs inOberschlesien zu ver­zichten, wenn Deutschland sich nicht Vergeltung-« Maßnahmen von feiten der Alliierten aussetzen wolle.

Die Agentur Havas glaubt zu wissen, daß dieser Schritt, um größere Bedeutung und größeres Gewicht zu haben, von einem ähnlichen Schritt in London bei -"beut deutschen Botschafter Sthamer unterstützt wurde. Später begab sich Briand in da» Elysee, wo er mit Millerand beriet- Der Ministerrat, der morgen, wie üblich, tagen wird' wird sich jedenfalls mit der oberschlesischen Frage be- fassen. Am Nachmittag wird Briand in der Kammer eine Erklärung abgeben, in der er wahrscheinlich die Tragweite des heute unternommenen Schritte? er

Oberschlesien und Ruhrgebiets« besetzung.

Paris, 24. Mai. Gestern abend ronrds verfichert, daß der Abgeordnete Galli die Abficht habe, bei der heuttgen Kammerfitzung die Regierung aufznfordern, zur Besetzung der Ruhrgebietes zur schreiten als Antwort auf das Einsetzen deutscher Streitkräfte in Ober« schlefien.

Im übrigen wurde in den Wandelzängen der Kammer die Lage al6 äußerst ernst bezeichnet.

Der neue Autzeuminisier.

Berlin, 23. Mai. Der Reichrpräfident hat den bisherigen Gesandten im Haag, Dr. Rosen, zum Reichsminister des Aeußern er­nannt uhb den Reichskanzler von der Wahr­nehmung der Geschäfte dieses Ministeriums entbunden.

Dr. Rosen blickt auf langjährige Erfah­rungen in allen Zweigen des Auswärtigen Dienste» zurück. Er entstammt einer im Kon- fulatsbienft mehrfach bewährten Familie und ist in Jerusalem geboren, wo sein Vater damals preußischer Konsul war. Er hat dann selber die Konsulaiskarttere, und zwar zunächst die Dolmetscherlaufbahn eingeschlagen und hat mit seiner eminenten Begabung für Sprachen sein Studium den vorderasiatischen Idiomen zuge­wandt. Er gehört seit 1889 dem Auswärtigen Amt an. Mehrere Jahre hindurch wirfte ei am Konsulat in Beirut und an der Gesandt, schaft in Teheran. 1899 würbe er zum Konsul in Jerusalem ernannt, ein Posten den schon vorher sein Vater als preußischer Konsul beklei­det hat. Anfang 1901 wurde Rosen als vor. tragender Rat in die politische Abteilung bes Auswärtigen Amtes berufen. Hier bearbeitete er die Onentpolitik, bis er Anfang 1905 mit einer Sondermission nach Abessinien zur An. knüpfung von Handelsbeziehungen und zum Abschluß eines Handelsvertrages betraut wurde. Ende 1905 übernahm er den Gesandtenposten in Tanger. 1910 wurde Rosen als Gesandter nach Bukarest, 1912 in gleicher Eigenschaft nach Llffabon versetzt, wo er bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen im März 1916 ver. blieb. Seit Herbst 1916 bekleidete er den Posten bes Gesandten im Haag, der namentlich während bes Krieges eine besondere Bedeutung gewann.

Ein chinesisch-deutsches Uebereinkommen wurde, wie Havas aus Peking meldet am 20. Mai in Peking unterzeichnet, oas als Grundlage für den Separatfrieden zwischen diesen beiden Ländern bienen soll, da China den Vertrag von Versailles nicht unterzeichnet hat. Deutschland verpflichtet sich, China die Vorteile bes Vertrages von Versaille» zu gewähren.

(Weiter. Politiscke Nachrichten Seite 3,)