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General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und provinziellen TellI

AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main, ' Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanan. <

Fernsprechanschlüssè Nr. 1237 und 1238.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

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Montag den 23. Mai

1921

Das Neueste.

Die deutsche KriegSlastenkommission bittet in ,iiier Note an die ReparationSkömmission um Maß- Eilten, damit die große Kohlennot, die seit dem ober- Mesischen Ausruhr eingetreten ist, beseitigt wird.

- Der deutsche Plebiszitkommissar Urbanek, dem ($ gelungen ist, nach Oppeln zu kommen, hat der Interalliierten Kommission einen Bericht über den un­geheuren Ernst der Lage in Oberschlesien erstattet.

" Auf oberschlesischem Boden gefangen genommene Insurgenten sagten aus, daß sie im Lager Krotoschin tei Posen von einem französischen Maför für den Auf- fitinb ansgebildet worden seien.

- In Berlin fand gestern eine Kundgebung von Ungehörigen sämtlicher Kreise der Bevölkerung für ein ungeteiltes Oberschlesicn statt.

Aus Lissabon wird der AnSbruch einer Revolte lentelbef.

Am Oberschlesien.

Für ein ungeleittes Oberschlesien.

Berlin, 22. Mai. In der am Sonntag vor- âg in Berlin vvn hervorragenden Vertretern to Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände und der Spitzenorganisationen des Handels, der In­dustrie und der Landwirtschaft einberufenen Protest Versammlung gegen die Vergewaltigung O b e r s ch l e s i e n s in der Philharmonie führte ReichZtagspräsident Löbe persönlich den Vorsitz. Er eröffnete die Versammlung mit einer markigen Ansprache, in der er gegen die Vergewaltigung Oberschlesiens durch die Polen und die offen zutage getretene Unterstützung durch die Franzosen im Ramen des deutschen Volkes Protest erhob. Nach ihm sprachen Ludwig W üllner, der Präsident der preußischen Landes Versammlung, Leiner t, der L Vvrâendc,deI Allgemeinen deutschen Gewerk- Mstsbun^M, Graßmann, der Präsident der Ärrliner Handelskammer, Franz v. Mende I s- sohn, der Generalsekretär des Gesamtverbandes b^. chrntlicheg GeweEchgften, B a l t r u sch,. der Generalsekretär des Zentralverbandes des deut­schen Großhandels, Wg. Kleinath, der V«r- trekr des Deutschen GewerkschaftsringeZ (Hirsch- ?unkersche Gewerkschaften). Hartmann und Éalier Rathe nau als Vertreter der In­dustrie. Sie alle verlangten einmütig, daß Ober-, schlesien gemäß den Bestimmungen des Friedens-- Ertrages und dem Ergebnis der Abstimmung Pigeteilt beim, Deutscher Reich« verbleibe. Be­sonders bemerkenswert war «s, daß sämtliche Redner aus den Kreisen der Finanz, des Han­dels und der Industrie ihre Bereitwilligkeit er- klärten, die durch Annahme des Ultimatums ein- zcgangenen Verpflich.tun.gen restlos zu erfüllen. Zedach hetoân sie'nachdrücklich, daß das deutsche.

auch seinerseits Gerechtigkeit und ü n p ä r tchi lisch k eit v ö IN 'Ob e r sts.n R a t ist Oberschlesien erwarten müsse. Di« vom Präsidenten d?s Reichstags vorgeschlagsne Ent- schließung wurde einmütig angenommen. Die Entschließung lautet:

Die von Vertretern aller erwerbstätigen Sichten aus Industrie, Handel und Landwirt- M, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, besuchte Versammlung erhebt Einspruch dagegen, daß die Selbstbestimmung des o ber schlesischen Rolles und die tm Vertrag von Versailles uns dsrbrieftsn Rechte durch die Gewaltakte der Polen beseitigt werden sollen. Sie fordert von fort Alliierten, die den Schutz des Landes und diè Wahrung der Rechte feiner Bewohner feier- ich gelobt haben, daß sie den Gewalttaten ein ' o f ö r t i g « s Ende bereiten und die Entschei­dung üß,^ das Schicksal Oberschlesiens nach dem Ergebnis' der Volksabstimmung durch seine u n - geteilte Ueber gäbe an Deutsch­land hèrbeiführeH Das deutsche Volk hat durch Annahme der Entente-Ford erunaen seine Be- chitschaft zM Uebernahme fast u erträglicher Lasten erklärt. Es kann unmöglich dulden, daß sie Artikel des Vertrages, welche uns und un- stten oberschlesischen Landsleute Rechte ein- läumen, durch willkürliche Gewaltakte gebrochen beiden. Den Freistaatsgedankey weist das deutsche Volk entschieden ab. Wir fordern Gerechtigkeit pr gequälte oberschlesisch' Post!" '

Neue schwere Kämpfe.

Oppeln, 22. Mai. Auch im Laufe des Sonntags bar^ eg unmöglich, mit den bedrohten Städten des sbèrschlesischcn JndustrierevierS irgendwelche Verbin­dung zu erhalten, da nach wie vor alle Drabtleitungen i^siört sind. AnS den Ki'eiseil Kreuzburg und Rosen- s^rg wird übereinstimmend von starken Truppenan- mwmluugcu jenseits der Grenze berichtet. Polnische Erstarkungen haben bereits die Grenze überschritten, «uch Waffennachschübe sind erfolgt. Im Znsamnicn- dange, damit kam es heute zu schweren Kämpfen in ^r Gegend von Rosenberg. Nach den bisherigen Meldungen mußten die Aufständischen vorerst Albrechts-

Altrosenberg itnb Lowoschan räumen. Ueber den ^'tiUiaeu siiixgaÄaa . iici ex ..iLLÜellos schweren Zu­

sammenstöße liegen jedoch abschließende Meldungen noch nicht vor. Bci Gogolin (Kreis Groß-Streblid) ist ein Angriff der Insurgenten erfolglos geblieben. In der Nähe von Gogolin wurden grauenhaft zuge­richtet« Leichen deutscher Avobeamten aufaefundcn. In den übrigen Kreisen ist die Lage im wefentlichen un­verändert.

Oppeln, 21. Mai. Infolge der Zersiörnng der Telegraphen- und Fernwrechleitungen durch die In­surgenten ist die Nachrichtenübermittlung au» den größeren Jndustriestäbten heg ZentralrevierS, die noch nicht von den Ausrührern besetzt sind, unmöglich ge­worden. Heute gelang er dem deutschen Plebiszit­kommissar Dr. Urbaneck, Ovpeln zu erreichen. Er er­stattete der interalliierten Kommission einen eingeben­den Bericht, der den nngebenren Ernst der Lage wider­spiegelt. Die belagerten Städte sind auf das schlimmste bedroht. ES bestätigt sich, daß in der Stadt Katto- Witz seit dem 20. Mai abends 9 Uhr die Volnischen Anfrübrer die Versorgung mit Master und Licht un­möglich gemacht haben. Nack Berichten über den Vor­stoß der Polen aus Ostrau ist einwandfrei festgestcllt, daß der größte Teil der Angreifer über die polnische Grenz« kam. Die deutschen Verteidiger mußten zu­nächst znrückweichen, er gelang aber später, den Ort von den volnischen Eindringlingen wieder zu säubern. Die Polen gingen dann wieder über die Grenze zu­rück ; die polnischen Militärpostierungen an der Grenze hinderten die Znrückweichenden an der Ueberschreitung der Grenze nicht. Die auf oberschlesischem Boden sestgenommenen Insurgenten sagten übereinstimmend aus, daß sie im Lager Krotoschi« (Posen) zur Teil­nahme an dem oberschlesischen Ausstand ausgebildet worden seien; die Ausbildung sei von eine« franzö­sischen Major geleitet worden. Nach erfolglosen Vor­stößen in der Gegend von Krappwitz wurden die dort operierenden Aufrülrern beut« gezwungen, mehrere von ihnen bisher besetzt gehaltene Orte zu räumen; sie mußten auch einige Geschütze, mehrere Maschinen­gewehre und andere Waffen zurücklassen.

Frankreich appeliert an London.

Paris, 22. Mai. Nach einer HavaS-Meldung übLircichte der französische Botschafter in London gestern Abend im Auswärtigen AratMWMMWqtiir Oberschlesien, in der kurz darauf bi'ngewiesen wirb;5 daß sich die Lage in Oberschlesien verschlechtern könne angesichts der Haltung der deutschen KorvS (!) die fortgesetzt Verstärkungen erhielten, angesichts der Stimmung der Arbeiter, die in Bolschewismus um­schlagen könne und auch im Hinblick auf die Schwie­rigkeiten einer Intervention bei dem ausführenden Ausschuß der polnischen Bewegung und bex Deutschen. Die Note schlägt deshalb vor, der englische Botschafter in Berlin, Lord d'Abernon, möge einen entsprechenden Schritt des französischen Botschafters unterstützen und im Interesse der Alliierten bei der deutschen Regierung vorstellig werden, damit sie die angeküudigten Maß­nahmen nun auch wirklich ausführe.

Die -eulfche Kohlenverforgung

- in Gefahr.

Di« deutsch« Kriegslastenkommission irr Paris hat der Reparationskommission folgende Note übergeben:

Seit Ausbruch des Auftuhrs in Oberschlesien am Anfang Mai hat Deutschland von dort aus keine Kohle mehr erhalten. Die Kohlenlage in den östlichen Landesteilen Deutschlands wird dadurch von Tag zu Tag unhaltbarer. Der Eisenbahnverkehr, namentlich'der Kleinbahnver­kehr, hat eingeschränkt werden müssen. Zahlreiche Gasanstalten stehen vor der Betriebseinstellung. Die aus dem Westen vorgenommenen Aushilfs- liefsrungen tonnen das Erliegen selbst von wich­tigsten Betrieben nur noch wenige Tage auf­halten. Auf einigen oberschlestschen Gruben wird zeitweilig etwas gefördert. Diese geringen Mengen werden aber auf Anordnung der Leiter des Aufstandes teils nach Polen, teils nach Ungarn, der Tfchecho-Slowakei und den von den Aufrührern besetzten Teilen Oberschlesiens be­fördert. Deutschland erhält bisher keinen Zentner ob er schlesischer Kohle und muß sogar dem von Aufrührern freien Teile in Oberschlesien mit niederschlesischer Kohle aushelfen. Dieser Zu­stand stellt nicht nur eine schwer« Schädigung der deutschen Wirtschaft dar, sondern widerspricht auch den Zusicherungen, welche die alliierten und assoziierten Regierungen im Friedensvertrag von Versailles Deutschland gegeben haben. Die deutsche Regierung, muß daher dringend ersuchen, daß der inteWlliierten Plebiszitkommission die. erforderlichen Weisungen zugehen, um die erfor­derlichen Maßnahmen zu treffen, welche die Wie­deraufnahme der Kohlentransporte nach Deutsch­land ermöglichen Die deutsche Mg'.erung bittet um Mitteilung des in dieser Hinsicht Veran­laßten.

Für eine forlgesetzle Bedrohung Deutschlands.

Paris, 22. Mai. DerTempr" beschäftigt sich in einem Leitartikel unter Bezugnahme auf die augenblicklichen Schwierigkeiten mit der Friedensfrage. Et geht von dem Gedanken aus, daß ein großes Deutschland niemals pazi­fistisch sein könne, und daß man deshalb die deutsche Einheit brechen müsse. Man habe .aber die Kolitis aewäblt. die deutsche Einheit

aufrecht zu erhalten. Die wefentlichen Grund­lagen des Friedens seien die Reparationen und die Entwaffnung. Beides fei nur ausführbar, wenn die innere Politik Deutschlands fich in der gewünschten Weise entwickele. Für die Reparationen habe man entschieden, daß Deutsch­land Schuldverschreibungen übermitteln soll, die man auf den verschiedenen Märkten der Welt verkaufen wolle. Aber man werde nur Käufer finden: wenn Deutschland für ein Menschenalter eine Regierung besitze, die keinen aggressiven Gedanken habe, und die entschlossen sei, zu zah­len. Wenn die Absichten Deutschland» zweifel­haft blieben, dann müßten die Alliierten selbst den Käufern Garantien bieten. Das Blatt stellt nun die Frage, ob e» nicht besser fei, sich von Deutschland Warenlieferungen und Jndustriebeteiligungen geben zu lassen. Auch hier steht derTemps" auf dem Stand­punkt, e» hänge wiederum alles von der inneren Lage Deutschland» ab. Wenn eine monar­chistische Wiederaufrichtung in Berlin erfolge, wenn ein Ministerium gebildet würde, dessen Tendenzen zur Revanche trieben, dann würden zahlreiche Schikanen bald auch diese Zahlung»- methode komplizieren bis zu dem Tage, an dem Kanonenkugeln an die Stelle der Goldmark treten würden. Die Entwaffnung könne, sagt derTempr" nur dann dauernd sein, wenn die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes dem Revanchegedanken feindlich gesinnt sei. In den letzten 14 Tagen will derTemps" die Ueberzeugung gewonnen haben, daß nur durch eine Bedrohung in Deutschland etwas zu er­reichen sei. Deutschland spekuliere aber im übrigen darauf, daß England Frankreich in den Arm falle.

Smuls für eine Friedenspolitik.

Reuter meldet: Vor seiner Abreise zu der Londoner Konferenz der Ministerpräsi­denten der britischen DomionS erklärte General Smuts in den vereinigten Häusern des Parlaments, daß die Politik Südafrika« nur darauf gerichtet sein könne, einen wirklichen Weltfrieden zu sichern; dem Vertrag von Versailles sei ein solcher Friede nicht gefolgt. Bezüglich der Reparationsftage hofft SmutS, daß diese nun endlich geregelt werde und daß das aufrichtige Bemühen Deutschlands, feine Verpflichtungen zu er­füllen, den entsprechenden Teil deS FriedensvertrageS ausführbar machen werde. Die Besetzung eines Teiles von Deutschland auf lange Zeit hinaus und die Mög­lichkeit, daß weiteres deutsche» Gebiet künftig besetzt werden könnte, scheint einen Ausblick auf endlose Un­ruhe zu eröffnen. Die beabsichtigte Regelung iw Osten, besonders hinsichtlich Polens, scheine noch mehr Kritik zu verdienen. Die Regelung der westlichen wie der östlichen Fragen durch den Friedensvertrag sei eine reiche Quelle von Beunruhigung. Wenn nicht in elfter Stunde ein sehr ernsthafter Versuch gemacht werde, die Lage richtig zu erfassen, und den wahren Frieden in Europa aufzurichten, dann sei in der Tat die Zukunft der Zivilisation in Europa sehr trüb. SmutS hob hervor, daß es für das britische Reich unmöglich sei, sich weiter in diese europäischen Wirrnisse zu verstricken. Er sei dessen gewiß, daß jetzt die Zeit gekommen sei, wo das britisch? Reich die größtmöglichen Anstrengungen machen müsse, um sich diesen Unruhen zu entziehen und danach zu trachten, die Friedenspolitik auf dem Kon­tinent zu fördern.

Das Wetterleuchten in Paris.

Paris, 21. Mai. Zu der gestrigen Rede des Abg. F o r g e o t schreibt derTemps", nachdem er seinen Lesern sein volles Einverständnis mit dem von diesem Kritiker gemachten Vergleich zwischen dem Pariser und Londoner Abkommen mrtgeteili hat, es sei jetzt die Frage, ob die Spammer über die Annahme oder die Ablehnung des Londoner Abkommens entscheiden könne, und gegebenenfalls in welchem Sinne dies zu ge­schehen habe. Der von Deutschland angenommene Zahlungsplan sei gemäß Art. 233 von der Re- parationskommifsioii ausgestellt worden. Das Londoner Abkommen wäre hierdurch nichts wei­ter, als die Anwendung eines Vertrages, den die Kammer. bereits bewilligt habe. Auf den ersten Blick könne es also scheinen, daß der Kammer keine weitere Entscheidung in dieser An­gelegenheit zustehe. Aber der Verkaz besage nicht, daß der Zahlungsplan von einer Abände­rung des Anhangs zwei begleitet sein und ein Abkommen zustande kommen dürfe, das die Rechte der Gläubiger Deutschlands gegenüber dem Schuldner nach einer Methode der Gegen­seitigkeit bestimme und beschränke. Man könn« also behaupten, daß, wenn das französische Par­lament zwar formell das Londoner Abkommen nicht zu ratifizieren habe, es nichtsdestoweniger das Recht und sogar die Pflicht habe, sich da­rüber auezu sprechen, wie der Vertraa verbessert

und vervollständigt werden könnte. Das komm« praktisch auf dasselbe heraus, denn wenn» französische Parlament die Abänderung bei Textes zunickweise, Jo sei schwer einzusehen, ht. wieweit Frankreich durch das Londoner Abkom­men gebunden sein würde. Der Temps warnt allerdings vor einem unüberlegten Vorgehen sehr. Es handele sich hier um eine Frage, die im stärksten Maße im Zusammenhang mit der aus­wärtigen Politik Frankreichs stehe, im Zusam­menhang mit seinen Beziehungen zu Deutsch­land, zu England und man könne sagen im Zu­sammenhang mit seinen Beziehungen zu der gan­zen Welt, denn die gesamte Welt betracht« da» Abkommen von London als endgültig. Dies« Ab. Hängigkeit von der auswärtigen Politik erstreck« sich auch auf die Zwangsmittel, die der ALge> ordnete Forgeot gegen Deutschland vorg«schlagen habe. Der Demps bereitet bemaus vor, daß selbst Briand diese Frage in nächster Zeit anschneiden wird. Dann werde man Gelegenheit haben, bit Angelegenheit im Lichte der Erklärung Lloyd Georges und der Ereignisse in Oberschlesien wie­der aufzünehmen.

Paris, 21 Mai. Zur Vertagung der Kammer bis Dienstag schreibt derGaülois", dieser Be­schluß habe sein Gutes, wenn er der interalliier­ten Kontrollkommission in Oberschlesten Zeit verschaffe, zu einer Verständigung über eine für Frankreich annehmbare Lösung zu gelangen. Die Vertagung wird indessen ein Uebel sein, trenn während der ungewissen Wartezeit die Unter­handlungen zwischen Paris und London sich nod verschärften, und besonders, wenn zu den scharfer Meinungsäußerungen zu herbe Zeitungspâ miken sich häuften. ImOeuvre" wird zu den englisch-ftanzöstschea Meinungsaustausch gesagt, es sei vollkommen, vergeblich, und ein wenig töricht, England eine Politik vorzuwerfen, welche

seiner ganzen Geschichte sei und

immer für seine Hegemonie gedient habe. Atan dürfe auch nicht vergessen, daß man diesem System es verdanke, gemeint ist, wie an anderer Stelle des Artikels gesagt wird, das System, den Schwächeren auf dem Kontinent zu helfen daß Großbritannien auf der Seite Fmnkoeichs gewesen ist zu einer Zeit, zu der Frankreich be­siegt gewesen sei. Es sei nicht zu auffällig, wenn England nun durch den gleichen Grundsatz dazu geführt werde, nach dem Siege Frankreichs von ihm abzurücken. Das einzige, was man Lloyd George vorwerfen könn«, sei, daß et versuche, Frankreich zu Illusionen über sein« wahren Pläne zu verleiten.

Kriegerische Sandlunge«

zwischen Deutschen und Pole«.

(Letzte Meldung.)

London, 23. Mai. DieTimes" meldet auS Ratibor: Die erste wirkliche krige­rische Operation im Verlaufe des polni­schen Aufstandes in Oberschlesien habe am Sonntag 5 Uhr nachmittags stattgefunden, als di« Deutschen den Großsteiner Wald angriffen. DerTi-mes "-Berich terstatter folgte den Deut­schen, die in Zweitkolonne vorgingen. Er meldet, daß die Polen in EÄe die von ihnen besetzten Dörfer räumten. Das Großsteiner Sch-brß sei von ihnen geplündert und in Brand gesteckt wor­den. Am Großsteiner Rathaus war von den Polen die Bekanntmachung angebracht, daß di« Zerstörung aller Fabriken, Bergwerke und Stadt« stattfinden werde, wenn die Polen zum Rückzux gezwungen würden.

Der Berichterstatter meldet weiter, daß bit Deutschen jetzt ihre Stellungen verstärkten und die Absicht hätten, den Angriff fortzufetzen. Ans Oppeln berichtet der Korrespondent, daß zwischen den pointieren Aufständischen und den Deutschen im Gebiet von Rosenberg, Kveutzburg, Ratibor und Kvcyipitz dauernd verlustreich« Kämpfe stattfinden. Der Berichterstatter fuhr im Kraftwagen durch die polnischen Linien und konnte überall neue Truppen, Maschinengewehre, Feldartillerie, sowie Ambulanzen feststellen, die von polnischen Damen der Gesellschaft geleitet würden

Der Berichterstatter erklärt weiter, die P r o> klamation Korfantys, in der er von Entwaffnung und Zurückziehung seiner Truppen spräche, wird Mein Scherz bezeichnet und als diplomatischer Schachzug ausgefaßt.

Wie der Korrespondent weiter berichtet, hätten die Deutschen ebenfalls Verstärkung«« er­halten und seien auch im Besitz von Feidartills- rie. Sie hätten ihm erklärt, daß sie stark genug seien, um einen allgemeinen Angriff in bett nächsten Tagen unternehmen zu können.

(Von deutscher Seite liegt bisher eine Be­stätigung dieser Meldung nicht vor. dagegen be­sagt eine Havasmeldunz n? r feiern daß deutsche Fveiwilligontru'".-c:. / S v:*t*;'^ gesetzt hätten. D. Red