Hanauer
Gmeral-Anzeiger
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Nr. 116
Das Neueste.
— Gestern find verschiedene Stiften für die âH dem letzten Ultimatum von Deutt^laud Mzun«hmenLe Entwaffnung adgolaufen. Die «r« fsrderlichen Erklärungen find durch das Aus- vlrtige Amt vorbehaltlos abgegeben worden.
- An der französischen Kammer wurde gestern ^ Beratung der Interpellationen über die auS- Värtige Politik fortgesetzt.
— Briand hat die englische Regierung wissen lassen, daß er die Einladung für Boulogne an- ae^ne. Der Zeitpuntk ist noch unbestimmt.
— Die polnischen Insurgenten unternahmen neue Angriffe in Oberschlesien.
— Nach eitler Meldung aus Prag sind dort 6000 Metallarbeiter in den Streik getreten. Die gesamte Metallindustrie Böhmens beabsichtigt von Montag ab ihren Arbeitern zu kündigen und dann die Arbeitszeit auf 32 Stunden Nichentlich herabzusehen. ____________________
Gewitterschwüle.
Am gleichen Tage, an dem in Paris in der französischen Kammer die Kreise um Tardieu, deren chauvinistischer Baratt er ja zur Genüge be- hnnt ist, schwere Angriffe gegen Briand richtete«, die Schwäche der französischen Regierung scharf verurteilten Md Lloyd George für die gegenwärtige Krise verantwortlich machten, hielt in London der enMsche Premier zum dritten Me innerhalb der letzten acht Tage eine Rede, die Frankreich ebenso unangenehm berühren bürste, wie die beiden vorangegangenen Aus- laffungen; zum mindesten dürfte sie in Baris großes Aufsehen erregen. Es ist schon so, wie wir in den letzten Tagen an dieser Stelle mehrmals kurz Mèâten, in der entente cordlale klafft seit
M des" Auseinanderfalls ist' in solche Nähe 6tti!< daß man auch in den Ententoländern ganz offen davon spricht. Von diesem Gesichtspunkte aus, muß man auch die letzte Rede Lloyd Georges gelegentlich des Essens zu Ehren des neuen amerikanischen Botschafters Harvey (siehe gestrige Nummer) betrachten,, wenn man sie recht verstehen will. Lloyd George erklärte: „Die zukünftige Wohlfahrt der Welt hänge mehr von dem guten Einvernehmen und der Zusamme'n- arbeit zwischen England und Amerika ab als von irgend einer anderen Tatsache". Die Wurzel dieses Ausspruches ist zu suchen in der englischen Wahrnehmung, baß Frankreich heute eine politische Machtfülle auf dem Kontinent besitzt, wie es sie nur in den Zeiten des ersten Napoleon besessen hat, ferner in der Erkenntnis der Tatsache, daß das englische Imperium durch die militärische und finanzielle Macht der Vereinigten Staaten an die zweite Stelle gerückt, Md daß nicht mehr London, sondern Newyork der Mittelpunkt des WeltkapitaliSmus ist. Deshalb der Versuch einer Anbahnung freundschaft- lichsr Beziehungen zwischen England und Amerika „aus Gründen der eigenen Sicherheit". WEH« Stellung Amerika einnohmen wird, bleibt rbzuwarten, unserem Ermessen nach wird es sorgsam zwischen Frankreich und England lädieren und'beflissen sein, es mit keinem von beiden zu verderben. Auf der einen Seite hat ja Amerika zweifellos größeres Interesse an Frankreich als an England, aber auf der anderen Seite ist Amerika sicher auch davon unterrichtet, baß zwischen England und Japan völliges Einvernehmen hergestellt worden ist, weshalb es sich hüten wird, seinen latenten Gegensatz zu diesen beiden hervortreten zu lassen, weil es dann ge= zwangen sein würde, rückhaltlos sich für Frankreich und Polen einzusetzen, wofür eine amerikanische Regierung im eigenen Volke kein Verständnis finden würde. Deshalb wird Amerika "j den kommenden Tagen, besonders aber in der Sitzung des Obersten Rates, in der die oberschlesische Frage behandelt werden soll, sein Hauptaugenmerk darauf legen, vermittelnd zwischen London und Paris zu wirken und die ®<6enfä^e auszugleichen suchen — auf Kosten Deutschlands, denn Frankreich hält so fest an
polnischen Politik, daß es nicht zurück- Eichen wird. Davon legen die französischen ^sscerzeugniffe der letzten Tage beredtes Zeugnis ab. Sogar der radikale „Queuvre" verendete dieser Tage: „Genug der Schonungen Vertuschungen, wenn England unsere Po- feinem „Busineß" unterordnen will, ist es ’" ^ Zeit, ihm mit Stolz und Festigkeit ins Gedächtnis zu rufen, daß wir auch unsere Fn- ^"ssen zu vertreten haben." Es fragt sich also, Lloyd George fest bleiben, ob die britische Staatskunst und der britische Wille zur Macht Europa stärker sein wird als die von Wut ^b Hatz getragene imperialistische Politik Frank- Es, die aon Osten den Rhein a>lr volitisch«
Samstag den 21. Mai
Grenze, ferner die vollständige wirtschaftliche und politische Auflösung Deutschlands und schließlich die vollkommene Zerschlagung des europäischen Kontinents haben will. Politische Kreise, die über die Haltung Lloyd Georges unterrichtet sind, erklären, daß der britische Premier von seiner Ansicht über die Vertretung Oberschlesiens, die nur die Zuweisung der Kreise Pleß und Rybnik an die Polen vorsieht, keineswegs abgehen werde. Man kann sehr mit Recht auf die Tatsache hinweisen, daß Lloyd George noch immer umgefallen sei, wenn Briand hartnäckig blieb, man kann sehr wohl von deutscher Seite erklären, daß Lloyd George uns noch immer enttäuscht habe. Aber unterrichtete politische Kreise sagen: Das stimmt sehr wohl, aber die Engländer hat Lloyd George noch niemals enttäuscht. Und auch wir können schwerlich daran glauben, daß Lloyd George, nachdem er in seiner Untsrhausrede und in der darauf folgenden Er- klarung dem Reuterbüro in solch entschiedener Weise für ein anständiges Spiel der Entente in Oberschlesien «ingetreten ist, wiederum umfallen könnte.
Dom deutschen Gesichtspuntt aus ist es bis zu einem gewissen Grade begreiflich, daß es unter uns Leute gibt, die den scharfen britischfranzösischen Zwist begrüßen, ja sogar ihre helle Freude darüber bekunden. Auch eine gewisse Genugtuung dürfen die unter uns empfinden, die unentwegt auf die im Versailler Friedenswerk enthaltene verlogene Völkerbundssch 5 p ftmg hingewiesen haben, denn der schwer blutige Ernst der politischen Lage, die sich aus dem Streitfall Oberschlesien ergibt, legt uns von neuem wieder dar, wie weit die Staaten der Erde von allem Völkerbundsglück entfernt find, welche rücksichtslose Brutalität die politischen Machtfragen be- herrscht, wie ganz besonders das Frankreich von Aber diese Freude, beziehungstveife Genug- tmmg, deren Grundlage doch schweres Leid und bitterste Ironie ist, bekommt ein anderes Gesicht, wenn man darauf hinweist, daß das deutsche Land bei Eintritt der Differenzen zwischen London und Paris in ein wirklich akutes Stadium von neuem schwer zu leiden haben würde. Dabei braucht man an einen Waffengang zwischen England und Frankreich, bei dem deutsches Land zum Zdriegsfchauplatz, zum Tummelplatz feindlicher Krieger werden würde, vorläufig nicht zu denken — es genügt schon, wenn man die Möglichkeit ins Auge faßt, daß Frankreich sich von der Entente lossagt unb auf eigene Nand geht, was ja in diesen Tagen in der scanzSsischen Kammer verlangt wird. Liest man die Reden der Herren Tardieu und Baudry d'Asson, aus denen die grenzenlose, schäumend« Wut über das Mßlingen ihrer gegen Deutschland gerichteten imperialistischen Vernichtungspläne, die Enttäuschung darüber, daß die erhoffte große Beute, das Ruhrgebiet, auch diesmal ihren ausgsstreckten Räuberhänden entglitten ist, herausspricht, so kann man sich ein Bild davon machen, welche Folgen eine „freie Hand" Frankreichs, die Polenfreundlich gesinnt ist, haben würde.
So oder so — di« Lage ist bitterernst, darüber wollen )vir uns nicht hinwegtäuschen lassen, auch nicht durch englisch-französische Difse- renzen, und durch die Anlässe zu solchen, die zahflos vorhanden sind. Es sind düstere Wolken am polttischen Himmel Europas, die sich zu einer neuen Unwetterkatastrophe zusammenballen, deren Folgen gar nicht abzusehen sind. R. H.
Die Zusammenkunft in Boulogne.
Paris, 20. Mai. Wie die Havar-Agentnr mitteilt, hat durch die Vermittlung deS ftanzosischen Botschafter» in London Ministerpräsident Briand die englische Regierung wissen lassen, daß er die Einladung zu einer Zusammenkunft deS Obersten Rates in Boulogne annehme, jedoch habe der Ministerpräsident bemerken lassem daß da» Datum nicht festgesetzt werden könne, bevor die jetzige Kammerdebatte beendet sei. Er habe auch erklären lassen, daß die Zusammenkunft möglicherweise erst stattfinden könne, nachdem die interessierten Regierungen die notwendigen technischen Argumente zur Lösung und Regelung der oberschlesischen Grenzfrag« erhalten hätten. — Eine vorherige Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Briand findet nicht statt.
Pari», 20. Mm. Zur bevorstehenden Beratung de» Obersten Rate» schreibt der „Figaro", er sei nicht zweifelhaft, daß Lloyd «eorge den lebhaften Wunsch habe, daß von der Besetzung der Ruhrgebiet-» nicht mehr gesprochen werde. Auf diesem Scbiete sei es der französischen Regierung unmöglich, die britische Regierung zu befriedigen. Deutschland müsse unter dem Druck der einzig von ihm gefürchteten 6anftionen gehalten werden, wenn ei da» Ultimatum nicht ausführe oder wenn el Polen angreife. Da» fei der Prei» für de» Frieden Europa».
Amerika untersucht die Lage.
Lonvo«, 20. Mai. Wie die „Daily New" erfährt. lieft Amerika durck zwei Beamte feiner Berliner
Vertretung die oberfchlesische Lage untersuchen. Sie empfehlen die Entscheidung, die in allen wesentlichen Punkten mit den von England gewünschten überein- stimme.
Aus 6er französischen Kammer.
In der gestrigen Sitzung der sranzösischen Kammer ergriff zunächst das Watt der Abg«. ordnete Tachin (Kommunist). Er wurde in seiner Rede wiederholt unterbrochen und es kam zu lebhaften Auseinandersetzungen. Er erklärte, daß der Friedensvertrag von Versailles und die anderen Friedensvetträge, sowie die später hinzugekommenen Dokumente ein Europa geschaffen hätten, dar sich in einer viel schwiettgeren Lage befinde, als das Europa von 1914. Die Entente habe Europa nach dem Motte eines englischen Journalisten balkanisiert. Aufteilungen hätten unter dem Einfluß des internationalen Großkapitals stattgefunden. Zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Versailles sei zur großen Ueberraschung wieder dar Wort casus belli ausgesprochen worden. Der Redner fragt, ob man etwa geglaubt habe, die Norm für einen internationalen Frieden aufstellen zu können ohne Rußland zu befragen? Ob man etwa geglaubt habe, den Frieden in Europa aufrichten zu können, in dem man ein Volk von 150 Millionen Menschen außerhalb des Friedens lasse? Habe man etwa die Frage der Meerengen und die im nahen Asien ohne Rußland lösen wollen? Seit 48 Stunden sei ein Mißverständnis zwischen dem französischen und dem englischen Ministerpräsidenten eingetreten, sodaß eine Krise unter den Alliierten die Lage nur kompliziert habe. — Tachin geht dann dazu über, die Frage von Oberschlesien zu besprechen. Er drückt die Befürchtung aus, daß die Lösung, die man finden werde, keine Friedenslösung sein werde, die den Rassenhaß der Schwerindustrie und der Kohlenerzeuger die Frage stark beeinflussen. Tachin verlangt vom Ministerpräsidenten, daß er endgültig auf die Besetzung des Ruhrgebiete» verzichte, die die Mobilisierung des Jahrganges 1919 veranlaßt habe. England habe Frankreich gefragt, ob es allein in das Ruhrgebiet einziehen wolle (Zahlreiche Stimmen werden laut: Ja, ja). Tachin kommt zum Schluß und erklärt, daß die jungen Leute des Jahrganges 1919 schlecht in den Kasernen untergebracht seien und Unzufriedenheit habe sich gezeigt. (Kriegsminister Varthou erhebt Widerspruch gegen diese Behauptung.)
Nach Cachin ergreift der Abg. F o r g e o t das Wort. Er bespricht an erster Stelle den Betrag der Reparationsschuld "Deutschlands. Er gibt zu, daß man in seiner Umgebung den Eindruck der Erleichterung nach dem Abschluß des Londoner Abkommens empfunden habe. Aber nach genauer Prüfung der Tatsache habe er und seine Freunde eine starke Enttäuschung empfunden. Die Reparationskommifsion habe den Bettag der Gesamtforderung der Alliierten an Deutschland auf 132 Milliarden festgesetzt, dadurch werde die Forderung Frankreichs auf 68 Milliarden Goldmark bestimmt. Zwischen dem was man früher als den Betrag der Schäden bezeichnet habe und dieser Summe bestehe ein so großer Unterschied, daß man der Ursache dieser Differenz nach gehen müsse. Die Reparationskommission habe ohne Rücksicht auf die Zahlungsfähigkeit Deutschlands diesem Betrage zugestimmt. Die Herabsetzung der Reparationssumme durch die Reparationskommissioll fei mit Rücksicht auf den Wechsellurs erfolgt. Wenn man eine Schuld herabsetzen wolle, dann lasse man den Wechselkurs spielen. Aber die Repamttonskonl- mission habe Rücksicht nehmen müssen auf die Verluste Frankreichs, die durch den Wechselkurs entfielen. 715 Goldniark entsprächen heute einer Pension von 2000 Franken, aber wenn der Kurs herunterginge, so seien diese vielleicht nur 875 Franken wert, während Frankreich 2000 Franken bezahlen müsse. Sei das Gerechtigkeit? Nach seiner Ansicht habe die Reparationskommission bei der Berechnung der Reparationssumme und bei der Berecynungsmethode „rouge et noir" gespielt. Das Ergebnis sei, daß Deutschland nicht nur nicht be^ayle was es schulde, sondern daß Frankreich nicht einmal scheinbar so dastehe, daß es Opfer gebracht habe. Ein früherer Ministerpräsident habe die französischen Fodrcrungen auf •110 Milliarden Goldmark angegeben. Niemand in Frankreich habe einen Centime mehr verlangen wollen, als man berechtigterweise fordern konnte. Aber man hätte anders kalkulieren müssen, denn jetzt stehe man vor der Frage, ob das Abkommen von London gegenüber dem
Abkommen von Paris ein Zurückweichen bedeute und er antworte darauf mit „Ja!" Er wolle dies auch beweisen. Nach seiner Ansicht mußte Deutschlands Ausfuhr jährlich 30 Milliar
1921
den übersteigen, wenn die Annuitäten des Abkommens von Bonbon höher sein sollten, als bis des Abkommens von Paris. Kein Land könne ohne Export leben. Man könne auch die Kapitalien exportieren und es fei möglich, daß man eine Verschiebung der deutschen Tättgkeit nach Oesterreich und Rußland hervorgerufen habe. England habe eine Steuer von 30 Prozent auf die deutsche Ausfuhr gelegt. Dieser endgültige Protektionismus sei nicht günstig für Frankreich. Der Redner greift sodann die Emission der letzten Serie der Schuldverschreibungm im Betrage von 82 Milliarden Goflimark an, die nur dadn erfolge, wenn es die Rep avationSkommisfion für opportun halte. Er stelle deshalb die Frage, ob Frankreich durch das Abokmmen von London genug erhalten habe, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Frankreich habe Schulden im De- trage von ungefähr 500 Milliarden Mark, davon Kriegsschulden und Vorkriegsschulden im BL. trage von 133 Milliarden Mark, kurzfristige Schulden im Setrage von 61 Milliarden Mark, Schulden bei der Bank von Frankreich im Betrage von 26 Milliarden Mark, Kapitalisierung der Pensionen 60 Milliarden Mark und Kriegs- schaden von 140 Milliarden Mark. Wenn der Kurs weiter falle, dann würde auch die äußere Schuld sinken, aber die Amputierung bet Forderungen an Deutschland sei in London zu beträchtlich gewesen. Man müsse Deutschland fragen was es besitze an Rohmaterialien für den Wiederaufbau und an Kohlen. Deutschland könne aber auch für Frankreich eine Handelsflotte herstellen. Forgeot erinnert an den sozialistischen Wiedemufbauplan, der mit Realitäten rechne, aber aus Gefühlsgründen fei er gegen die Verwendung deutscher Arbeitei:. (Beifall.) In dem Augenblick, in dem man Deutschland sagtr Arbeite! Exportiere! sperre England seinen ÄaZt ab. S«i «8 dann nicht natürlich, daß man den deutschen Markt dem französischen öffne? Aus diesem Gründe habe er
eine Zahlung in natura
im Auge. Man könne auch das deutsche Papier, gelb als Zahlung annehmen. Wenn Deutschland seinen gesamten Vorrat an Papiergeld Frankreich übermitelt habe und Frankreich noch mit Materialien bezahlt werde, dann könne Deutsch. Inab nicht mehr sagen: „Komm und hole dir, was wir schuldig sind!" Wenn Briand der Kammer nicht das Recht zuerkmnt, das Abkommen von London zurückzuweisen, was sei dann aus seinen Versprechungen geworden? Daß die Kammer die Verantwortlichkeit für das Abkommen übernehmen muß? Die Ablehnung des Abkommens von London durch das Parlament sei weniger ernst, als die Weigerung des amerikanischen Senats Len Friedensvertrag von Versailles zu ratifizieren, als die Annullierung des amerikanisch- englischen Schutzvertrages und als die letzten Worte Lloyd Georges über Oberschlesien. (Beifall.) Die französische Demokratie habe das Recht sich nicht durch das Abkommen von London zu binden, das in seinen Augm zum Ruin des siegreichen Frankreichs gegenüber einem Deutschland führe, das den Kopf wieder erhebe. Selbst mit einem Abkommen von London würde Frankreich bluten und es müßte die Hälfte seines Kapitals aufwenden, um die Pensionen und Kriegsschäden zu bezahlen. Das siegreiche Frankreich habe das Recht auf etwas anderes. Das Urteil seines Gewissens laute deshalb: Haltet ein. Nein! (Fortsetzung der Debatte S- 4.)
Ein Kriegsral über die AuhrbefeTung
Ipu. Paris, 19. Mai. Unter Vorsitz von Briand hat ein französischer Kriegsrat stattae- funden, an dem Foch, Petain und Tirand teil, nahmen. Die Besprechungen drehten sich um die veränderte politische Lage nach der Annahme der Alliietten-Ultimatums durch Deutschland, weil dadurch die Ruhrbesetzung auf Grund de. Londoner Beschlusses unmöglich geworden war. Der französische Standpunkt war jedoch, die Be- setzung dennoch aus Garantierücksichten allein durchzuführen bis Deutschland tatsächlich den in dem Ultimatum gestellten Forderungen ent. sprachen habe. Briand riet von diesem Plan jetzt ab, weil dessen Ausführung erhebliche Un- einigkeit unter den Alliierten zur Folge haben werde und Frankreich seine Sympathien in Amerika verlieren könne. Auf Vorschlag von Foch und Tirard wurde dann beschlossen, die getroffenen Vorbereitungen nicht eher zurück zu nehmen, bis sich zeigt, daß Deutschland die Entwaffnung durchführt. Die französischen Generäle bezweifeln, daß Deutschland diese For- derung vollkommen erfüllen werde. Nach dem jetzigen Beschluß bleiben die französischen Re. fernen bis auf weiteres im Rheinland und solle« sofort Schritte getan werden, um eine hellere Unterkunft für die Truppen derzuitellen.!