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Nr. 112
Dienstag den 17. Mai
1921
Verstimmung Misch, Briand gegen Lloyd George. ■ ketten für Lloyd George. -—
Lloyd Georges Rede hat, wie nicht anders zu erwarten war, in Frankreich einen Sturm bër Entrüstung hervorgerufen. Die Stimmung in Paris war schon durch die Annahme des Mmatums durch Deutschland gedrückt, denn sie bedeutete den — wenigstens vorläufigen — Verzicht auf die Besetzung des Ruhrgebietes, mit ber man als mit einer feststehenden Tatsache ge- rechnet hatte. Und nun kam plötzlich die Rede Aoyd Georges, welche die schärfsten Stellen gegen Polen und auch für Frankreich recht unliebenswürdige Wendungen enthielt. Darauf war man nicht vorbereitet und Briand hatte nichts Eiligeres zu tun, als Lloyd George zu antworten und ihn in seiner Rede unter Aufwendung aller zur Verfügung stehenden Verdrehungs-- I küche zu „berichtigen". Die französische Presse I ist natürlich außer Rand und Band über den I Standpunkt Lloyd Georges, nennt letzteren einen I .Phantast* und legt ihm die weniger schmeichel- I haften Eigenschaften „mondsüchtig", „nervös I überreizt" bei. Kein Wunder: denn die dies- I malige Rede Lloyd Georges bedeutete eine feier- I liche Festlegung der britischen Regierung nicht i nur vor dem Lande, sondern vor der ganzen I Welt, und sie ist sicherlich nach reiflicher Ertz wägung im Schoße des Gesamtkabinetts gehalten I worden. Ein Umfall Lloyd Georges — wie man I ihr sonst von diesem Manne ja zur Genüge ge- I wöhnt ist — dürfte diesmal nicht so leicht Wertz deo, zumal die Rede von der gesamten englischen I Presse gutgeheißen wird. Die Getreuen der fran- k Mschen Presse müssen deshalb derb zufassen, I eemtt bet Londoner Premier wieder zur Bertz iUinft kommt und wieder nach der französischen I Seite umfällt. Ob es ihnen gelingen wird, bleibt I abzuwarten. Jedenfalls das eine steht fest, daß I die Meinungsverschiedenheiten zwischen Eng- I land und Frankreich tiefgründig sind und daß s zwischen beiden Mächten eine eènst« Spannung zu verzeichnen ist.
Kein Zweifel, zwischen London und Paris t wird es jetzt zu sehr bewegten Auseinander- I setzungen über die weitere Entwicklung der ober- schlesischen Politik kommen. Mr Deutschen wer- f den unseren Blick auf die durch diesen Konflikt geschaffene Lage richtig einstellen müssen, zu- I nächst, heißt es, keine übertriebenen Hoffnungen k haben — dafür aber den Entschluß fassen, mit ' verdoppelter Kraft unser Recht auf Oberschlesien pr verteidigen.
Schluß der Lloyd George-Rede.
, Lloyd George schloß seine Unterhausrede, die wir zum Teil schon in unserer Samstagausgabe veröffentlichten, mit der Erflärung, man müsse ! unparteiisch urteilen mit einem strengen Sinne : für die Gerechtigkeit, sei es für oder gegen die Deutschen. Es gebe zwei Wege, um die Lage zu behandeln. Der eine sei, daß die alliierten Truppen für die Wiederherstellung der Ordnung sorgten. Es sei eigentlich nicht seine Sache, ein militärisches Urteil abzugeben. „Mr waren ge- zwungen", so fuhr der Premierminister fort, „unsere Truppen Zurückzuziehen. Deshalb sind die Alliierten berechtigt, zu sagen: Es ist nicht rme Sache, darauf zu Bestellen, daß das Leben unserer Soldaten aufs Spiel gesetzt wird." Daher bestehe er nicht au" diesem Argument. Aber er sei berechtigt, auf inem Alternativvorschlag W bestehen. Entweder sollten die Allierten darauf bestehen, daß dsr Vertrag geachtet wird, oder sie sollten den Deutschen gestatten, dafür zu sorgen. Nicht nur Deutschland entwaffnen, sondern auch sagen, seinen Truppen solle es nicht erlaubt sein, an der Wiederherstellung der Ordnung teilzunehmen in einem Gebiete, das Bis zur Fällung der Entscheidung we eigene Provinz sei, sei nicht fair. Fair pby sei das, wofür Großbritannien eintrete. „Ich hoffe," sagte Lloyd George, „daß es dafür bis zum Ende eintreten wird. Ich hofft, daß wir, obwohl es sich um Deutsche handelt, um so mehr Algen, daß wir für Fair play eintvetem Unser Ansehen in Europa wird dadurch nur um so ^ißer sein, Deutschland zu sagen: Hftr ist eure strooinz, hier ist etwas, worüber durch den Ber- sarller Vertrag entschieden werden soll, entweder für oder gegen euch, Polen aber soll es erlaubt in Verhöhnung des Vertrages sie wegzu- u^hmen, und euch soll es nicht erlaubt sein, euch selbst in der Provinz zu verteidigen, die zwei- gunbert Jahn lang die eure gewesen und sicher- uch sechshundert Jahre lang nicht polnisch ge- U^sen ist, wäre schimpflich und der Ehre eines
N Paris u. Lonöon.
- Französische Liebenswürdig- Sine neue Eulenlekonferenz.
Landes unwürdig." Es sei vollkommen sicher, daß bk Alliierten eine folche Haltung nicht einnehmen würden. Das einzige, was er im Namen der Regierung sagen möchte, sei, was immer sich ereign«, eine vollendete Tatsache könnten wir nicht annehmen. Dies würde eine Herausforderung bedeuten, die zu den verhängnisvollsten Folgen führen könnte. Dies würden wir nicht annehmen. Er wage es, die Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu richten, die es notwendig mache, daß wir uns alle bei der Regelung der Frage an den Vertrag halten.
Rußland sei wohl jetzt eine niederg«- brochene Macht, dre sich erschöpfe in den Händen von, wie er glaube, hoffnungslosem Despotismus. Aber es sei ein großes Land, das über unerschöpfliche Hilfsquellen verfüge und das von einer tapferen Rasse bevölkert sei, wie es die ersten Tage des Krieges gezeigt hätten. Das Land werde nicht ewig so bleiben, wie es augenblicklich sei, sondern es werde eines Tages ein mächtiges, überragendes Land sein, und sein Wort werde in der Zukunft in Europa und der Welt Geltung haben. Er bitte diejenigen, die den Friedensvertvag von Versailles zerreißen wollen, wenn er ihnen nicht zusagt, an diese Tatsache und an andere Möglichkeiten in Hentrakeuropa zu denken. In aller Feierlichkeit und mit dem ernstesten Wunsche, den Frieden in Europa wieder her gestellt zu sehen, und in dem Bewußtsein, daß dies nur auf dem Grundsatz strenger Gerechtigkeit geschehen könn«, appelliere er an alle Beteiligten, nur das zu tu«, was recht uns.HAK fst, uns jede Voreingenommenheit auszugeben und gerecht zu sein.
Das Echo in Paris.
Paris, 14. Mai. Zu der Rede Lloyd Georges im Unterhause äußerte sich Pertinax im „E ch o de Parrs". Er sagt, Lloyd George habe eine treffliche Gelegenheit, etwas nicht zu sagen, versäumt. Man wisse sehr wohl, daß der englische Ministerpräsident eine diplomatisch vollendete Tatsache erzwingen wolle. Seit zwei Jahren verfolge er eine antipolnische Politik. Frankreich ab« gestatte nicht, daß ein Teil des Industrie- bezirks von Oberschlesien seinen Verbündeten im Osten entzogen werde. Pertti spricht Lloyd George das Recht ab, sich als Wortführer der Gerechtigkeit aufzuspielen. In der polnii^n Angelegenheit habe er seit zwei Fahren Beweise einer blinden Leidenschaft gegeben.
Das „Journal" erklärt, die Rede Lloyd Georges verdiene'ernstliche Aufmerksamkeit und sei ein Beweis dafür, daß man in dieser Frage mit dem englischen Ministerpräsidenten nicht zu einem Einverständnis gelangen werde.
Das „Journal des Debats" erklärt, Lloyd George vergesse, daß die Zusprechung von Oberschlesien in Schwebe bleibe und daß das deutsche Reich nicht das Recht habe, Oberschlesien als deutsch zu betrachten. Der Obere Rat habe sich noch nicht ausgesprochen. Solange das nicht geschehen sei, sei es nicht gestattet, von einer Ungerechtigkeit gegenüber der einen oder anderen Parfti zu sprechen. Lloyd George habe recht, wenn er auf die Pflichten Hinweise, unparteiisch zu sein und mit strengster Rücksicht auf die Gerechtigkeit zu handeln, aber verschiedene Stellen seiner Rede stimmen mit diesen Ansichten nicht überein. Gr habe gesprochen, als wenn auf Grund des Vertrages von Versailles Ober- schlesien Deutschland zÄgesprochen werden müsse. Man müsse für Oberschlesien eine gerechte Ueber- gangslösung finden. und damit dies geschehe, müsse jeder kaltblütig bleiben.
Der „T e m p s" orflärt, er wolle die Dinge mit Zurückhaltung beurteilen. Lloyd George werft den Polen vor, daß sie während des Krieges in der deutschen und österreichischen Armee gesamttf hatten. Die Polen, die in feindlichen Armee gedient hatten, haben die Freiheit des Handelns nicht gehabt.
Briand polemisiert gegen Lloyd George.
Mnisterpräsident Briand hat als Antwort auf die Revs Lloyd Georges im Unterhause einem Vertreter des „Demps" erklärt, der Auszug aus der Rede des englischen Premierministers, den er besitze, fei zu unvollständig, als daß er ein endgültiges Urteil ab geben könne. Er sei jedoch nicht erstaunt gewesen, daß der fran= zösische Standpunkt von dem Lloyd Georges wesentlich abweiche. Der englische Standpunkt werde beeinflußt von der Ansicht des britischen
Kommissars in Oberschlesien, der von der Ansicht des französischen Vertreters und auch in gewisser Beziehung von der des italienischen Kommissars abweiche. Es sei wünschenswert und das sei auch die Ansicht der französischen Regierung, daß man den drei Kommissaren die unbedingt nötige Zeit lasse, um ihre verschiedenen Ansichten auszugleichen und gemäß dem Vertrag einen einheitlichen Vorschlag hinsichtlich der Grenzlinie zu machen. Es sei sicher ein Irrtum gewesen, von der Kimmission in 3 oder 4 Tagen einen Bericht über eine so Reffte Sache zu ver- langen, der erst hätte in Angriff genommen werden können, nachdem das Ergebnis der Abstimmung Gemeinde für Gemeinde endgültig habe Bestimmt werden können. Es seien drei verschiedene Berichte erstattet worden, die die Alliierten noch nicht hätten gemeinsam prüftn können. Das sei der Grund der Unruhen; aber auch die falsche deutsch« Nachricht über den endgültigen Charakter der Zusprechung der Industriegebietes an Deutschland, entgegen dem Ergebnis der Volksabstimmung trage die Schuld daran. Briand vertritt den Standpunkt, daß das Uebel wieder vollständig gut gemacht werden könne, denn die interalliierte Kommission habe ihre volle Pflicht getan, ohne in irgend einer Weise mit den Aufständischen zu frottieren, noch einen Waffenstillstand mit ihnen abzuschließen, wie es die deutsche tendenziöse Propaganda, die dft Welt überflute, gesagt habe. Die französischen und italienischen Truppen hätten Verluste an Toten und Verwundeten gehabt und ihren ganzen Einfluß aufgewandt, um die Unruhen zu bekämpft«. Die Ruhe sei beinahe wieder hergestellt und man habe einen direkten Kampf zwischen den Deutschen und polnischen Banden verhindert. Der französische Ministerpräsident glaubt, daß man bald wieder eine normale Lage, .wie sie der Friedensvertrag vorgesehen habe, er. zielen werde, da die polnische friegier urog die Grenze abgefperrt und jeden Durchgang von Freiwilligen nach Schlesien verhindert , habe, vorausgesetzt allerdings, daß man nicht die Erregung der deutschen Banden zu befürchten hätte, die sich immer zahlreicher an der schlesischen Grenze bildeten, dft deutscherseits offen gelassen worden sei. Er sei sicher, daß, wenn man die Deutschen ermutigt hätte, mit Gewalt in Schlesien einzugreiftn, eine höchst ernste Lage ge- schafefn worden wäre. So tadelnswert der polnische Aufstand auch sei, er spiel« sich nur im Innern Schlesiens ab, da die polnische Regierung vernünftig genug gewesen sei, auf die Anordnung der Alliierten hin nachzugeben und sich mit den Aufständischen nicht solidarisch zu er- ttären. Ein direktes Eingreifen der deutschen Regierung mittels eines von außen her organisierten Heeres, mit Gewalt die schlesische Frage zu lösen, würde eine Verletzung der Grundsätze der Volksabstimmung und bet Entscheidungen des Vertrages von Versailles bedeutet haben, der für dre französische und englische Regierung die einzige feste und gerechte Grundlage für die Regelung der Frage bildet. Die französische Regierung habe nichts unterlassen, die ernsteste Aufmerksamkeit der Berliner Regierung auf ihre Verantwortung zu lenken, denn ein direktes deutsches Vorgehen würde eine verhängnisvolle Gegenwirkung in Polen zur Folge haben und vielleicht eines der weftntlichstsn Ziele des Kampfts und des Gerechtigkeitssinns in Frage gestellt haben was keine der Mâchft dulden könne. Die schwierige Sage, in der sich die interalliierte Kommission befinde, rühre im wesentlichen habet, daß die Verantwortung und dft Lasten, die zwischen den vier Mächten hätten verteilt werden müssen, allein auf die französischen und die italienischen Truppen beschräntt worden seien. Es wäre nicht billig, ihnen ihre Ohnmacht vorzuwerftn, nachdem man ihnen so schwere Aufgaben überlassen chabe, wo doch beide Teile ihre Pflicht getan hätten. Der englische Premierminister habe, nach den Presseberichten zu schließen, gesagt, Ob«rschlesi«n fei seit Jahrhunderten ein deutsches Land und die polnische Bevölkerung sei erst feit kurzem hinzugekommen. Historisch sei eine solche Behauptung unrichtig. Schlesien habe einen Teil des Königreichs Böhmen gebildet und Tonne nicht als ausgesprochen deutsch angesehen werben, da seine Bevölkerung sich aus flämischen und germanischen Bestandteilen zusammensetze. Dazu konnne, daß die auf die Sprache und dft Abstimmung gegründete Idee der Nattonnlität eine rein modern« Idee fei, die sich mit dem Fortschreiten des Docksunterrichts und der Demokratie entwickelt habe. Schlesien, das vom 16. bis 18. Fabrbundert der kosmopolitischen Monarchie der Habsburger angehört habe, habe tote Böhmen und Mähren einen gemischten Charakter gewahrt. Friedrich II. habe sich gewaltsam und ohne irgend ein Recht im Jahre
1740 Schlesiens bemächtigt und es an Preußen angegliedert. Dft preußische Herrschaft sei also jüngsten Datums. Dft deutsche Mehrheit in den Städten rührt daher, daß »dft Deutschen zu- sammsn mit den Juden sich hier festgesetzt hätten, aber dft Städte hätten geringe Bedeutung in Oberschlesien und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sei infolge der methodischen Einwanderung der deutschen Beamten, Bürokraten und Geschäftsleute dft deutsche Bevölkerung in den Industriestädten stark angewachsen. Wenn man in dem berühmten deutschen Atlas von Andree aus dem Jahre 1914 einen Blick werft, so sehe man, daß ganz Oberschleflm blau hervorgehoben sei, um die polnische Sprache zu markieren, mit kleinen rosa Jaftlchen, die die deutsche Sprache kennzeichneten. Deshalb habe seiner Zeit die alliierte Kommission für die polnischen Angelegenheiten nach achtmonatiger Ar, beit die Zuteilung Oberschlesiens an Polen beschlossen und deshalb sei in dem den Deutschen übergebenen und von den Verbündeten einmütig festgesetzten Vertrag, das Gebftt den Polen als regelrechtes Eigentum zugesprochen worden. Erst später und mit Rücksicht auf die deutsche Forderung, habe der Oberste Ritt beschlossen, zur Volksobstimmuno zu greifen. Unter diesen Umständen versteh« man die Nervosität der Polen und ihre berechtigten Wünsche, daß die Volksabstimmung respektiert werde. Ein Punkt stehe für ihn außer jeder Frage: man dürft das oberschlesische Problem nicht mit dem Reparattonsproblem verquicken. In Artikel 90 des Friedensvertrages von Versailles sei die Lage der schlesischen Gebiete, Mt eventuell an Polen fallen sollen, genau dargelegt und für dft Dauer von 15 Jahren die Lieferung der Erzeugnisse der Bergwerke ohne Lasten und Einschränkungen an Deutschland vorgesehen. Briand erinnerte auch noch daran, daß dft polnische Re- Hiexung Zoâ^machi tzè, zâ Äfe nis an den Reparaikonskosten für das schlesische Gebiet, das ihr zugeteilt würde, zu beteiligen. Sie habe sogar der Errichtung einer industriellen und wirtschaftlichen Kontrolle für die Alliierten für die Dergwerksbeziyft zu gestimmt. Briand totes schließlich noch auf Artikel 88 des Friedensvertrages hin, in dem bestimmt werde, daß das Abstimmungsergebnis Kommune für Kommune fesigeftgt und daß die Grenzlinie unter Berücksichtigung der von den Bewohnern ausgedrückten Wünsche und der geographischen und wirtschaftlichen Lage der Ortschaften entsprechend sestgefttzt werde. Schlftßlich meint Briand, dft Stimme eines Arbeiters habe ebenso vftl Wert, wie die Stimme eines reichen Fndustrftllen. Man könne also nicht zulassen, daß die Jnduftrft- bezirke, in denen dft polnische Arbeiterbevölkerung in großer Mehrheit fei, dem großen deutschen Besitz geopfert würden.
(Fortsetzung der Nachrichten über den Konfli^ Seite 6.)
Wettere Verschärfung -er Lage.
Oppeln, 17. Mai. Die Pfingüfeiertage baten eine Veränderung und Verschärfung der Lage infolge von Truppenverschiebungen gebracht, die im ober» schlesischen Aufruhrgebiet in den gefährdeslen Kreisen vorgenommen wurden. Nach Abtransport der italienischen Truppen aus Nikolai wurde der Ort von polnischen Austührern besetzt, die eine 65 Mann starke Truppe der deutschen Apo entwaffneten und gefangen nahmen. Zahlreiche deutsche Flüchtlinge, die sich hier aufhielten, sind verschleppt worden. Nach späieren Nachrichten wurde Nikolai von den Insurgenten tvieder geräumt. Die italienischen Truppe» räumten weiterhin die Kresse Pleß und Rybnik und zogen sich in der Mchtung Ratibor zurück. In den Städten Rybnik und Pleß befinden sich nur noch schwache französische Besatzungen, sodaß die Gefahr der Besetzung dieser Städte durch die Aufständischen besteht. Bi? zur Stunde liegen Nachrichten über eine erfolgte Besetzung nicht vor. Aus dem Kreise Rybnik werden schwere Drangsalierungen der deutschen Grubenbeamten gemeldet — Gogol!« im Streite Gr.-Strehlitz wurde gestern aus der Richtung Annaberg von d e n I n - iurgente« mit Artillerie beschossen. Auf deutscher Seite sind mehrere Tote zu beklagen. ES ist indessen der Apo gelungen, den Ort zu besetzen. In Ratibor blieb ein Vorstoß der Insurgenten auf eine Ziegelei bei Oftro erfolglos. Aus den greifen Hindenburg und Tarnowitz werden Terror- sälle und Verhaftungen von deutschgesinnten Oberschlesier« gemeldet. Zn den übrigen Kreisen ist die Lage im wesentlichen unverändert. — Ein von Beuthen nach Oppelu fahrcrde» Automobil, besetzt von vier Frauen und vier Männern, wurde, obwohl e« unter französischer Fahne fuhr, von pol- nischcn Insurgenten angebalten. Sämtliche Männer wurden verschleppt. Außerdem ist ein Eisenbahnzug mit etwa 650 Flüchtlingen au, dem Kreise Rybmk, zu deren Durchfahrt nach Ratibor sich die Polen einem italienischen Oberst gegenüber verpflichtet batten, entgegen dieser Verpflichtung angehalten. 150 deutsche Apobeamte und 300 junge Leute aus dem Streife Rybnik wurden trotz Proteste» nach Lo»lau gebracht, 100 Flüchtlinge sind in Luchasino bei Ratibor vo« den Pole« zurückgehalte« Word«»