Einzelbild herunterladen
 

nzemer

Einrückungsgebühr:

Die8gesv. Kolonelzeile oder deren Raum 1.50 Mk., die tgesv. Zeile im Reklameteil 4.50 Mk., Finanzinserate 1.7OMk. Offertgebiihr Al Pfg. Bezugspreis: Biertel- jährl. 14.40 Mk.,monatl. 4.80 Akk., f. Postbezug viertel- jährl. 15.90Mk.monatl.5.30Mk. DieNummer20Psg.

Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

Generat-Anzeiger

l sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeige« und, Rm!sit^L9 9k6M fiit SEüÄf- UNÄ ßGHÖhtCl5 Sttltott Reklamen August Brod t. alle in Hanau am Main.

Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Derlagsleitung: Ad. Indermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultsch:für lokalen und provinziellen Teil

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

ßetnipte»anf(filüne Nr. 1237 und 1238.

WWW

«r. 197

Dienstag den iS. Mai

1921

Das Neueste.

Für die Annahme oder Ablehnung der Ulti- I ggtum» de» Feindbundes hat sich noch kein Kabinett «funden.

k Die Lage in Oberschlesien wird weiterhin als äußerst ernst bezeichnet.

Der Amerikaner Boyden wird heute wieder in i der WiederherstellungSkommiffiou erscheinen und an - den Beratungen al» offiziöser Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten teilnehmen.

Amerika beschloß die Verstärknng der Flotte im stillen Ozean.

Erwägungen.

Noch eine Frist von drei Tagen steht Deutsch- I land zur Verfügung, in der sich die Frage ent- I scheiden muß, ob die angedrohte Gewalt mit har- I fer Faust auf das Ruhrgebiet niederfällt, oder I ob sich doch 'noch ein Ausweg, aus der furcht- L baren Zwangslage öffnet, in der wir uns gegen- I «artig befinden. Eine kurze Frist ja zu kurz, I wenn man die Schwere der Entscheidung berück- I sichtigt und die furchtbaren Folgen, die von ihr I abhängen. .Daß wir die uns in dem Ultimatum I der Feindmächte gestellten Forderungen nicht ep- I füllen können, bestreitet wohl kein ernsthafter I Mensch. Die Frage ist nur die, ob wir den I Wechsel ohne Vorbehalt, ohne Bedin- I gun gen unterschreiben sollen in der Gewitz- I heit ihn nicht einlösen zu können, oder ob wir, I wie ein ehrlicher Kaufmann sagen sollen: Das I Menschenmögliche wollen wir erfüllen, aber I eineunserwürgendeVerpfichtung, I ohne Bedingung und ohne Vorbe­ihalt auf uns nehmen, können mir I nicht. Die Beantwortung der Frage wäre I an und für sich leicht, wenn nicht die I Folgen so furchtbar schwer wären, denn leh- I nm wir ab - wiWti».M,^

I ein Ja oder Nein dann kommt nicht nur der I Einmarsch ins Ruhrgebiet, sondern ivahrschein I sich auch in andere deutsche Gebiete dazu, btel= I leicht, eine neue Hungerblockade, eine ungeheure I Arbeitslosigkeit, Teuerung, Verluste, neue An­schläge gegen die Einheit des Reiches und schwere innere , Unruhen. Andererseits sind wir aber I auch wieder der Ansicht, daß wir uns durch eine I einfache Unterschrift unter das Londoner Diktat ; nicht retten können, denn wir können die For- ! derungen des Ultimatums nicht erfüllen; wir [ würden schon bei der zweiten oder dritten Vier- teljahrsrate erliegen, sodaß wir uns durch die Annahme des Ultimatums nur eine kurze Gna- denftist erlauft hätten, nach deren Ablauf sich die drohende Faust doch wieder erheben würde. Weiter geht unsere Ansicht, die wir schon wieder­holt aussprachen, dahin, daß durch die deutsche Annahme der Forderungen die Besetzung des Ruhrgebietes nur hstiausgeschoben, nicht aber vermieden wird, weil Frankreich die Besetzung will, und weil sich das Recht unter diesem Wil­len beugen muß, solange Frankreich die Macht dazu besitzt.

Was ist also zu tun? Ist die Anwen­dung der Besetzung des Ruhrge­biets und anderer Zwangsmaßnahmen fran­zösischen Geistes zu v e r m e i d e n, und wenn es auch nur auf Zeit möglich ist allerdings ^icht auf Grund des englischen Rates: nehmt nur das Ultimatum bedingungslos an. das wei­tere wird sich schon finden, somußsiever - mieden werden. Das steht für uns fest und wir stimmen demDeutschen Zeitungs- Dienst" zu wenn er schreibt:Es ist zum min­desten des Versuches wert, ob die Gegenseite, auf der ja nicht allein Frankreich steht, unter allen Umständen aus dem Schein ihres Ultima­tums behart oder ob sie EinwendMgen und Ge­genvorschlägen zugänglich ist." Es müßte unserer Ansicht nach mit allen Mitteln versucht werden, dos gegnerische Ultimatum durch Vorschläge ab- zubiegen durch Vorschläge, in betten wir uns zu unseren äußersten Leistungen bereit erklärten, weun mindestens in der augenblicklich im Vordergrund stehenden Lebens­frage der Nation in der Sicherung Oberschle- jiens die Sicherheiten gegeben werden, ohne die jede deutsche Zusage auf das Ultimatum nichts andres als die betrügerische Versprechung eines Bankerotteurs wäre. Bei einem solchen Angebot könnte man wirtschaftlich wohl fast bis an die Grenze dessen Herangehen, was der Ver­band von uns fordert, wenn auch in etwas abge­änderter Form, die den wirtschaftlichen Möglich­keiten Deutschlands besser Rechnung trägt. Selbstverständlich müßten dabei die Sicherheiten für die unbedingte Freiheit unserer welt­wirtschaftlichen Betätigung eine der ersten Be­dingungen sein, ferner die Sicherung der Rechte, die uns freilich karg bemessen aus dem Versailler Vertrag zustehen. Dazu würde auch gehören, daß uns der Schutz des Artikels 234 erhalten bleibt,

der die Bemessung der Jahresz-ahlungen von der jeweiligen Leistungsfähigkeit abhängig macht. Die bisherigen Zwangsmaßnahmen, die nicht mit dem Vertrag in Einklang stehen, wie die jüngsten militärischen Besetzungen, die zollpoli- tische Abschnürung des Rheinlandes und die Er­hebung der 50prozentigcn Verkaufsabgab« müß­ten rückgängig berw. diese Abgabe durch die neue 26prozentige Ausfuhrabgabe ersetzt werden. Der Feststellung der deutschen 5kriegslastenkom- mission über die Unzuverlässigkeit der Schadener- fatzforderung von 132 Milliarden müßte Rech­nung getvagen und eine Nachprüfung zugestan­den werden. Das sind einige Dinge, die die neuen Vorschläge enthalten müßten und die dazu dienen würden, ein größeres Maß von Sicherheit zu finden. Wir hoffen, daß es noch in letzter Stunde gelingt, in dieser Frage eine Verständigung horbeizuführen. Das deutsche Volk ist bereit, die äußersten Leistungen aus dem ge- schwäebten WirtschastSkörper beraus-upressen, um neue Erschütterungen des nationalen Bestandes zu vermeiden, aber es darf ihm nicht der Revolver auf die Brust gesetzt werden. Eine Ver­ständigung hallen wir für dringend geboten.

Im Zusammenhang damit seien hier die Ausführungen des Abg. Stresemann des Führers der Deutschen Volkspartei, einem Ber­liner Vertreter desPariser Journal gegenüber wiedergegeben. Stresemann verwirft zunächst den auch bon uns vor einiger Zeit veröffentlich­ten und abFewiesenen Rechber^en Vors^lag, nach dem die feindlichen Völker sich bis zu 30 b. H. am Besitze und an den Erträgnissen der ge­samten deutschen Industrie beteiligen möchten und führt dann fort:Meiner Meinung nach würde die Vorwegnahme eines Teils der Ge­winne der deutschen Industrie und die Durch­führung besonderer Umlagen auf die einzelnen

-die

Ansammlung bedeutender Fonds ec^öalrchen als Grundlage für die Schaffung von Pfändern, die dazu bestimmt sind, die Ausffchrung der deutschen Vervlichtungen zu verbürgen.

Nichtsdestoweniger ist ec nicht dieser Gedanke, der mich beseelte, als ich von einer Interessenge­meinschaft Deutschlands und Frankreichs sprach. Nein, mein Gedanke ging viel weiter. Lassen Sie mich Ihnen zunächst sagen, daß ich ganz die Auf­fassung Hardings teile, der in seiner Wahl­kampagne erklärt hat, daß er heute ein Welt- Clearinghouse einem politischen Völkerbund vvr- zöge. Wie ist denn tatsächlich die Weltlage? Frankreich ist finanziell stark erschüttert, England leidet unter dem Zusammenbruch der Welt­schiffahrt und befürchtet soziale Erschütterungen vor der Art, wie es sie während des letzten Ge­neralstreiks durchgemacht hat. Die Vereinigten Staaten gehen duvch eine Krise, weil sie ihre Rohstoffe nicht absetzen können. Deutschland hat seine Produktionskräfte teilweise intakt erhalten, leidet aber unter der Entwertung seines Geldes. Die neutralen Staaten können nicht exportieren, weil ihr hoher Wechftlkurs sie darin hindert. Ich halte es für notwendig, eine weltwirtschaft­liche Verständigung und außerdem eine besom dere Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland herzustellen. Die weltwirtschaftliche Verständigung könnte später zu der Prüfung führen, ob es nicht möglich wäre, der Weltpro­duktion Abgaben (Zehnten) aufzuerlegen, deren Betrag dazu dienen würde, einen Reparations- fonds zp bilden, der für die Bezahlung der Kriegskosten bestimmt ist. Die Verwirklichung dieser Idee würde in der Dat die vollkommene Befriedigung aller finanziellen Ansprüche Frank­reichs ermöglichen,

Aber abgesehen von der weltwirtschaftlichen Verständigung ist die Verwirklichung einer be­sonderen wirtschaftlichen Interessengemeinschaft zwischen Frankreich und Deutschland eine Not­wendigkeit, weil das Schicksal beider Länder eng zusammenhängt. Frankreich kann in der Tat aus seinem gegenwärtigen .Finanzelend nur heraus, wenn Deutschland wirtschaftlich hin­reichend stark ist, um zum Nutzen seines Nachbars große Leistungen zu vollbringen. Das ist nur möglich, wenn in den beiden Ländern die Jn- dustriegruppen. die in wirtschaftlichem Konnex miteinander sieben., z. B. die französische Roh­stoffindustrie und die deutsche Eisenindustrie, sich verständigen. Ich weiß nicht, ob' und ich zweiffe sogar daran, daß Louchem und Stinnes, um die Namen zweier hervorragenden Persönlichkeiten der Großinduistrie zu zitieren, zu einer Verstän­digung gelangen können. Wenn tiefe Verstän­digung zustande käme, so müßte sie eine, Verstän­digung sein, an der die Staatsmänner, die Führer des wirtschaftlichen Lebens und auch die Führer der Acbeiiergenossenschaftcn teil« haben. Schließlich wird man einen Boden für die Verständigung finden müssen, denn das Elend der beiden Länder verlangt es. Kommt

dies Ergebnis zustande, so wird nicht nur Deutschland von den Fesseln erlöst sein, die man unaufhörlich seiner wirtschaftlichen Entwicklung anlegt, sondern an erster Stelle wird Frankreich von Deutschlands Aufstieg Nutzen ziehen. Di« französische Industrie würde stärker werden, die Finanzen wären ebenfalls solider, und diese Entwicklung würde einer neuen Aera wirtschaft­licher Tätigkeit den Weg ebnen, die außerdem noch ihren Ausdruck finden toürbé in einer Ver­ständigung zwischen Frankreich und Deutschland für den Wiederaufbau Rußlands.

Soweit Stresemann, dessen VerständigMys- gedanken jedermann sympathisch erscheinen müß- tsn. Ob aber die Franzosen für eine weltwirt­schaftliche ober für eine deutsch-französische Ver­ständigung auf der von Stresemann angedeuteten Basis zu gewinnen fein werden, erscheint uns nach den bisher gemachten Erfahrunlgen mehr als zweifelhaft. Dennoch ist von beirtfefier Seite die­ser Gedanke angeregt worden zum Beweis dafür, daß bei uns der VerstândigMgswillc vorhan­den ist. R. H.

Noch keine Annahmeregierung.

Ueber die Stellungnahme der Parteien zu dem Ultimatum, wie sie die gestrigen Beratungen der Neichs- tagSfrattionen ergeben haben, berichten die Blätter, daß die Deutschnationale BolkSpartei die Unterschrift unter die Ententenote einmütig ablehnt. Die Deutsche Volkr- Partei sei ebenfall» in ihrer großen Mehrheit für Ab­lehnung. Da» Zentrum sei zum größten Teil für die Annahme, desgleichen die Demokraten. Die Sozial­demokratie hat ihre Bereitwilligkeit zur Annahme kund- getan. Die Zentrale der U. S. P. und die Reichr- tagSfraktion treten in einer Erklärung in derFreiheit" für die Unterzeichnung ein.

DasB. T." und dieVossische Zeitung" glauben

an die Möglichkeit eines Wiederaufbaues der alten Koalitiom

, mit sie vor "» ^»- . . uU^Q^^ÜU^ ^L»^. Von irgenb . ^^ ki, n^ m^ Q,frnm der Interalliierten Kommchwn . von anWrYa

Wahlen im Reichstag bestand, die sich aus Zentrum,

Demokraten und Sozialdemokraten zusammensetzen würde. LautVossischer Zeitung" hätten sich Zentrum und Demokraten bereit» damit einverstanden erklärt. Als voraussichtliche Kandidaten für den Reichskanzler- posten werden der Sozialdemokrat Hermann Müller und der sozialdemokratische ReichStagspräsident Löbe genannt. Im Gegensatz zu dieser Auffassung meldet allerdings derVorwärts", das Zentrum siebe auf dem Standpunkt, daß es nur dann in eine Annahme­regierung ein treten könne, wenn chm seine bisherigen Weggefährten in der Regierung (Demokraten u. Deutsche Volkspartei) die Treue halten.

Pnris, 10. Mai. Da»Petit Journal" schreibt, ein Berliner Telegramm lasse botanischen, baß der erste Schritt der neuen deutschen Regierung barix be­stehen werde, um eine neue Frist von einigen Tagen zur Beantwortung bei Ultimatum* nachzusuchrn. Wenn die deutsche Regierung darauf rechnet, so schreibt das Blatt, fo gehe sie einer Schlappe entgegen und werde eine peinliche Enttäuschung erleben.

Der Aufstand in Oberschlesien.

Die Sage weiter äußerst ernst.

Oppeln» 9. Mai. Die Lage im Aufstandr- gebiet muß nach Meldungen, bie heute abend vorlagen, nach wie vor als äußerst ernst ange­sehen werden. Die Erregung in den Industrie­städten ist besonders groß unter den zahlreichen Flüchtlingen, die um dar Schicksal ihrer zurück- gelassenen Angehörigen und ihres zurückgeblie­benen Eigentums sehr besorgt find. Jn Laband und Hindenburg sind wiederum Perhaftungen zahlreicher deutschgesinnter Personen durch die Aufftändischen erfolgt. Aus dem Kreise Tarno- witz wird big Beschlagnahme von Fahrrädern sowie großer Mengen Spiritus durch die Auf­rührer gemeldet. Die Zwangsaushebungen

dauern an, doch versuchten vielfach schon pol­nisch gesinnte Oberschlesier sich diesen Aus­hebungen zu entziehen. In der Stadt Katto- witz wurde von den polnischen Insurgenten ein Kraftwagen geraubt. In der Stadt Eleiwitz durchfahren bereits Kraftwagen mit polnischen Waffen ungehindert die Straßen. Der Bahnhof Kandrzin wurde infolge der zähen Verteidigung durch italienische Truppen bisher nicht besetzt. Dagegen fielen die Bahnhöfe in Löschniß und Thule in die Hände der Aufständischen. Infolge der Besetzung des lstztgenannten Bahnhofes durch die Polen ist der Verkehr mit der Strecke Kreuzburg-Oppeln unterbrochen.

Paris, 9. Mai. DerFigaro" erhält von seinem Sonderberichterstatter folgender Telegramm: Ich habe über 200 Kilometer in dem auiständsichen Gebiet zii- rücktzclegt. Sntgrgen dem amtlicheu Optinti»m»r dauert die Aiifstandsbewegsing an. Da» ganze flache Land wird von bewanueten Polen besetzt gehalten. An den unmittelbaren Zugänge» der von ben Aus-

ständischen besetzten Städte befinden sich zahlreiche w rd, den Thron zu besteigen. (Prinz V. Wied hatte Maichinengewehrposten. Die Verlorgung besonders bekanntlich bereit» vor dem Kriege den âlbanischea

mit Milch ist sür Leuthen, Kattowitz und bie Industrie-

fläbte schwierig. In bet vergangenen Nacht meldet« man Graniten- und Maschinengewchrangriffe westlich von Bcuthen. KönigShütle ist von den Aufüändifche« nach leichten Kämpfen gegen bie Deutschen genommen worden.

Eine Stete Frankreichs.

Berlin, 9. Mai. Die französische Regierung H»t auf die deutsche Note bezüglich OberschlefienS am 7. M«i folgende Antwort erteilt:

Ich habe die Ehre, Ihnen den Empfang Ihre» Briefe» vom 6. Mai zu bestätigen, durch den Sie die Güte batten, mir von den ernsthaften Unruhen Mit­teilung zu machen, die in Oberschlesien entstanden find, und fragten, ob die alliierten B«satzung»truppen im­stande seien, die Ordnung wieder herzustellen, und mir zur Kenntni» brachten, daß die deutsche Regierung bereit sei, jede verlangte Hilfe zu leisten. Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, daß die übermittelten Mel­dungen au* deutscher Quelle in tendenziöser Weise bit im übrigen bedauerlichen Vorgänge, die sich in einem Teile der oberschlesischen Abstimmungsgebiete» zuge­tragen haben, darstellen. Der Grund der Unruhen ist ohne Zweifel zu sehen in den au* deutscher Quelle veröffentlichten Nachrichten, die in unzutreffender Weise meldeten, daß die Alliierte» sich e«tschiede» hätten, den größten Teil be» Industrie- und Berg- werkSgebicte« Deutschland zuzuteilen. Diese falsche Meldung hat bex Aufstand der Insurgenten entfesselt. Wie dem auch fei, die Interalliierte Kommission, die mit der Verwaltung de» Abstimmu»g»gebieter beauf­tragt ist hat in einmütiger Uebereinstimmung bit energischsten Maßregeln zur schnellen Wicderhcrstellun, der Ordnung und zur Wiederherstellung der Sicherheit der Einwohner aller Nationalitäte», die in beut Ab­stimmungsgebiet wohnen, ergriffen. Di« aliicrien Truppen habe« voll ihre Pflicht getan. Die jetzt ein­laufenden Meldungen lassen eine wesentliche Besserung der Lage in de» wichtigste» Zentren be* Srubengebietc» erkennen.

Tie Interalliierte Kommission hat auf der Stell« die nötigen Rekrutierungsmaßnahmen «»geordnet, um bie Lücke» wieder auijufuatn, die ix der Abstimmung»'

Polizei durch den Abgang polnischer Elemente entstan­den sind. Sie hat dadurch der Bevölkerung die Be-

einer

- - . , ^ ,^_. autzorhajb zu leistenden Hilfe kann nicht die Rede sein.

Hierzu schreibt da» Wolffbüro:

Die Darstellung der Note der französischen Regie» rung zeigt, daß man tx Frankreich die wahre Lage in Oberschlesien nicht sehen will. Der Borwurf der ten­denziöse« Berichterstattung ist ebenso haltlo» wie die Annahme, der Grund der Unruhen sei ohne Zweifel in den aus deutscher Quelle veröffentlichten Nachrichten zu sehen. Er wird festgestellt, daß von keiner deutschen Stelle und keiner deutsche« Zeitung vor dem 1. Mai eine Meldung veröffentlicht worden ist, wie sie die »Oberschlefische Grrnzzcitung" am 1. Mai veröffentlicht bat. Wenn die .Oberschlesische Grenzzeitung" ihre Meldung auf Berliner Quellen zurückfübren will, so ist dar nur eix plumper Täuschungrversuch. Dazu kommt noch, daß die Meldung ganz offenbar nicht» andere» war, al» ein verabredete» Zeichen um den planmäßig vorbereiteten Aufstand aurbrechen zu lassen. Es wird weiter festgestellt, daß eine Besserung der Lage in Oberschlesien leider nicht eingetreten ist. Kor- fanty ist nach wie vor im größten Teil de» Abstim­mungsgebiete» Herr der Lage. Nach wie vor liegt da» wirtschaftliche Leben in Oberschlesien darnieder. Nach wie vor ist diè deutschgessnntc Bevölkerung im größten Teil de» Gebiete» schutzlos de« Bedrohungen der Auf­ständischen ausgesetzt. Die bisher von der interalliierten Kommission getroffenen Maßnahmen haben der ober- schlesischen Bevölkerung keinerwcg» die Beruhigung verschafft, die sie wünschte. Die Erregung der bedroh­ten Bevölkerung ist vielmehr ständig im Wachsen, da die interalliierte Kommission bisher nicht in der Lage gewesen ist, mit ihren Machtmitteln den gesetzmäßigen Zustand wicderherzustcllen. Im übrigen zeigt »ie Nole, daß man in Frankreich jede» Ein­greifen Deutschland» zur Bessern», der Lage ablehnt.

Ein Aufruf der interalliierten K-mmisfion.

Oppeln, 9. Mai. Die interalliierte Plebiszit- kommission erläßt folgenden Aufruf an die oberschlesische Bevölkerung:

»Die alliierten Mächte stimmen in der Verurteilung der in Oberschlesien vorgekommenen Unruhen voll­ständig überein. Die von den alliierten Mächten zu treffknsen Entscheidungen werden durch die Ereignisse in Oberschlesien in keiner Weise beeinflußt. Die alli­ierten Mächte werden zu gegebener Zeit zur Lösung der obersch'estschen Frage schreiten uib sich hierbei aus­schließlich-von dem Ergebnis der Abstimmung und den Festsetzungen des FriedcnrvertrageS leiten lassen.

Der Vertreter Frankreichs: Präsident Le Rond, der Vertreter Italien»: General de Marinis, der Vertreter Großbritanniens: P e r e i v a l.

PoLitifchs Tagesberichle.

Ei» Son-ergerichtSurteil. Nach einer Meldung de»Berl. Lokalanzeigers" aus Halle ist der Artist Kinkbeil, einer der Rädelsführer des Eislebener Aufruhr» vom Sondergericht in Naumburg wegen Hochverrats zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden.

Der albanische Thran. DerBerl. Lokal- anzeiger" meldet an» London: DerTime»"«Korre. ipondent in Rom glaubt zu wissen, daß Prinz Wil-

beim von Wied von Albanien aufgefordert werden

Thron inne. D. Nâg