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Nr. IM

Freitag den 6. Tret

Bette 3

Aus Aah und Fern.

I fite. Frankfurt a. M., 5. Mai. Die große I «stdüstrèchâ für die Frankfurter Messe wird I £ den nächsten Tagen begonnen werden, da der I Nsrband mitteldeutscher Industrieller vorerst den Betrag von 2 Millionen Mark zur Ver- f Mung gestellt hat. Das neue Meßhaus sssi, wie I mir hören, aus.Glas- und Eisenkonstrultion er- hLÄ werden.

I Fulda, 4. Mai. Landrat Freiherr v. Doern- I ^ ist nunmehr mit Wirkung vom 1. Mai der I ,0t fünf Monaten nachgesuchte Abschied offiziell | billigt worden, nachdem schon anfangs März Öv. Gagern die Amtsgeschäfte auftragsweise ommen hatte.

Oberschmidten (Oberhessen), 4. Mai. Die | ziesige Gemeinde war im vergangenen Rech- | MgSjahr in der Lage, ohne iregndwelche Ge- I ^eindssteuern auszukommen.

mc. Würzburg, 5. Mai. An den Ausbau der i Eisenbahnlinie nach Wertheim und den Weiter- | M der Linie Miltenberg-Wertheim kann nach einer Mitteilung des Michseisenbahnmtn isie- I riwns infolge der schlechten Finanzen nicht ge- I dacht werden.

Stafforth bei Karlsruhe, 3. Mai. Durch Blitzschläge wurden hier innerhalb 2 Minuten jvei Menschen getötet. Der erste Schlag traf den im 55. Jahre stehenden Landwirt Gottlieb Hager : Bd der zweite den 19jährigen Emil Hauth, Zehn des Landwirts Zachäus Hauth. Mehrere Personen wurden betäubt. Die beiden getöteten ' Personen waren auf freiem Felde in nächster Nähe beieinander gestanden.

Hamburg, 4. Mai. Vor längerer Zeit kam der aus Posen gebürtige Redakteur Ottomar Hildebrandt mit seiner Frau als Flüchtling aus Polen nach Hamburg. Jetzt hat man ihn in dem Gasthof, in dem das Paar wohnte, zum Skelett abgemagert, als Leiche in feinem Bett gefunden. Ein Arzt stellte fest, daß er tatsächlich verhungert ist. Seigre Frau, ebenfalls völlig entkräftet, ist schwer krank. Sie gab an, daß sie beide lange Zeit nichts mehr gegessen hätten.

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Preußische LandesversamMZung.

(Sitzung von Mittwoch, 4. Mai.)

In der Preußischen Landesversammlung gab ver Minister des Innern Dominicus vor Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung über die Vorgänge in Oberschlestön ab, die sich im wesent­lichen mit den Ausführungen des Reichsmi- msters Dr. Simons im auswärtigen Ausschuß deckt. Danach trat das Haus in die Debatte über die Anträge zur Einschränkung der Ar­beitslosigkeit und zum Ausbau der Erwerbslosen­fürsorge ein.

Abg. Schmelzer (Z-): Die Arbeitslosen­unterstützung muß so gestellt sein, daß noch ein Anreiz zur Arbeit übrig bleibt. Die Landwirt- schaft darf nicht von e^^$£^^^ hängig sein. Im Sauer- und Siegerland wäre durch die Anlage von Viehweiden in erheblichem Umfange Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Gro­ßes Gewicht ist nach wie vor auf die Seßhaft- machuM der Landbevölkerung zu legen. Auch auf dem Lande herrscht insoweit eine Wohnnugs- not, als dort die Bautätigkeit durch die weite Entfernung, die schwierige Beschaffung und den teuren Transport der Baumaterialien sehr er­schwert ist. Der Landwirt muß für Wohnungen sorgen, wenn er Leute dauernd für seine Wirt­schaft behalten will. Aber noch niemand ist es eingefallen, der Industrie eine gleiche Ver­pflichtung aufzuerlegen. Hier kommt ganz be­sonders die Schwerindustrie in Frage. Aber

auch auf dem Gebiete der Reichseifenbahnver­waltung fehlt es an einer entsprechenden Für­sorge. Man sollte die neuerrichteten Häuser von der Rationierung befreien. Auch die kommunale Bautätigkeit muß im Interesse der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit energisch angeregt wer­den. . Die von staatswegen ausgewor'enen 150 Millionen zur Belebung der Bautätigkeit sind aur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Ein weiterer Anreiz wird in der Verbilligung der Baustoffe, sowohl der Ziegel wie der Hölzer liegen. Von eminenter Bedeutung wäre für die Milderung der Arbeitslosigkeit der Ausbau der Lücken im preußischen Eifenbannetz.

Abg. Conrandt (Dnatl.): Herr Brück­ner hat gestern die Gutsherren auf dem Lande das Verständnis für die Notwendigkeit der Ar- beitslosenfürsorge abgesprochen. Mit dieser Ver­allgemeinerung ist er durchaus im Unrecht. Wir sind gern bereit, an der Verwirklichung ver­nünftiger Vorschläge mitzuarbeiten. Gegenüber dem Verlangen für Museumsbauten usw. Mittel zur Verfügung zu stellen, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen, verweise ich darauf, daß unter dem so iza kritischen Regime in Berlin eine ganze An­zahl öffentlicher Bauten aus Mangel an Mittel nicht beendet worden ist. Die große Not der -Handwerker ist nicht zum wenigstem auf ver­fehlte Maßnahmen der Reichs- und Staatsre­gierung zurückzuführe, r. Schuld an dw'-er Not ist vor allem die verkehrte Steuervolitik. Eine der falschen Maßnahmen der Behörden ist die Art und Weise, wie die La n de? an'trägste5e wirkt. Diese vergibt ihre Aufträge nur nach Berlin oder dessen nächster Umgebung und nicht an das Handtverk. Di« einzelnen Ministerien denken garnicht daran, bei Vergebung ihrer Aufträge die Vermittlung der Landesauftragßelle in An­spruch zu nehmen. Es ist bedauerlich, wenn hier behauptet worden ist, daß die Hausbesitzer aus bösem Willen sich weigern, die Reparaturen vor­nehmen zu lassen. Tatsächlich steht der Hausbesitz vor dem Zusammenbruch. Ueber gewinne aus dem Haus- und Grundbesitz dürfen nicht herausge- wirtschaftst werden, aber die Eigentümer müssen in die Lage versetzt werden, die Unkosten des Hauses tu, decken, einen angemessenen Dienst für ihre Arbeit bei der Verwaltung des Haufes und eine angemessene Verzinsung des in dem Hause angelegten Kapitals zu erreichen. Der An­trag der Demokraten auf Einsetzung eines sozial­politischen Ausschusses erscheint mir so wichtig, daß er zweckmäßig im GeschSstsordnungsausschuß zu erledigen wäre.

Abg. Katz (Komm.): Alle hier gestellten Anträge sollen nur die Unfähigkeit der übrigen Parteien bemänteln, die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpfen zu können. Die kapitalistische Wirt­schaft duldet ja garnicht die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, mag nun ein Hohenzoller oder ein Ebert an der Spitze des Staates stehen. Selbst wir, wenn wir so dumm waren, die âgieWng. des kapitalistischen Staates zu über­nehmen, können dann die Arbeits­losigkeit nicht beseitigen. Unsere Wirtschaft zeigt weder Plan noch Ziel. In Ruß­land gibt es gar keine Arbeitslosigkeit. (Stürm. Heiterkeit.) Dort herrscht A rb eit s z wa ng, allerdings in anderer Form wie ihn die Unter­nehmer hier ausüben. Es ist ausgeschlossen, daß unter der geeenwärtigen Wirtschaftsform das Problem der Wohnungsnot gelöst werden kann. Eine Linderung der Wohnungsnot ist nur mög­lich, wenn statistisch der Wohnungsbcdarf ein­wandfrei festgesiellt und dann energisch und planmäßig seitens der Regierung für hinrei­chende Unterkunftsmöglichkeiten gesorgt wird. Die E r w e r b s l o s e n u n t e r st ü tz u n g ist

nicht nur völlig unzureichend, sie ist geradezu ent­würdigend niedrig. Viele kleinere Gemeinden drücken sich zudem um die Erfüllung der Unter­stützungsverpflichtung, indem sie den Erwerbs­losen Arbeiter angeben, die diese entweder nicht ausführen' können oder di« mit Hungerlöhnen bezahlt wird. Die Erhöhung des Existenzmini­mums und die Verdoppelung des Unterstützungs- geldes sind eine unbedingte Notwendigkeit. Plan­mäßigkeit und Ordnung müssen wieder bei der Produktion einziehen. Deshalb muß das kapi­talistische System alsbald beseitigt werden. Zu diesem Zweck appellieren wir an den Willen der proletarischen Massen aller Länder. Das deutsche Volk und alle Volker der Erde wissen ja schon jetzt nicht mehr ein und ans. Der Tag des Zu­sammenbruchs -st nicht mehr fern.

Abg. Langer (D. Dpt): Die Bergleute wollen Ueberschichten nicht mehr verfahren, wo­durch monatlich 7800 000 Tonnen Kohlen aus fallen. Durch bié mangelnde Kohlenversor­gung leidet auch die Arbeitsgelegenheit und es sollte deshalb von den Organisationen alles ver­sucht werden, um in diesem Dunkt die Berg­arbeiter eines Besseren zu belehren. Auch wir fordern die Belebung des Baumarktes mit aller Energie, sowie mit allen Mitteln, weil dadurch einerseits der Arbeitslosigkeit und andererseits der Wohnungsnot am besten gesieuert werden kann. Di« Sperrvorschrrft, daß Mittel zum Woh­nungsbau aus der produktiven Erwerbslosen­fürsorge nicht bewilligt werden dürfen, wenn be­reits Staats- und Reichsmittel bewilligt worden sind, sollte aufgehoben werden. Wir fordern weiter daß aus den Mitteln der produktiven Er­werbslosenunterstützung Beihilfe zur Ausführung von notwendigen Reparaturen gewährt werden. Notwendig ist, daß die begonnenen großen Ver­kehrsunternehmen weitergeführt werden, so z. V. die Berliner Nord-Südbahn. Die Ruhe im deut­schen Wirtschaftsleben spielt für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine große Rolle. Zahlreiche Aufträge aus dem Auslands sind der deutschen Industrie infolge der Unruhen bei uns verloren gegangen. Stärkung der Staatsautorität ist dringend notwendig. Sehr viele Unternehmer haben trotz mangelnder Aufträge ihre Arbeiter nicht entlassen, sondern sich bemüht, sie durchzu­halten. Wir haben volles Verständnis für die politische und seelische Not, die aus der Arbeits­losigkeit entsteht. Wir wollen aber nicht, daß die Arbeitslosen zu Sturmkolonnen des Kommunis­mus werden. Eine strenge Kontrolle ist notwen­dig, sagt man doch, daß manchs Erwerbslosen Nebeneinnahmen aus Moskau beziehen. Nicht vergessen dürfen wir auch die geistigen Arbeiter, die gegenwärtig wirtschaftlich besonders schwer leiden. Wir werden alles tun, um den Arbeits­losen zu helfen und werden bie Anträge unter­stützen, die Ms geeignet erscheinen, diesem Zwecke zu dienen.

Abg. Hartmann (Dem.): Die Meige« rung der Zahl der Arbeitslosen in den letzten Monaten ist zurückzuführen, auf die Unsicherheit unseres Wirtschaftslebens, sticht zuletzt auf die Maßnahmen der Entente. Den Arbeitslosen kann am besten geholfen werden, wenn alle Fragen, die der Lösung des Problems dienen sollen, ab­seits von Par KTitandvunkten behandelt werden. Der kommunistische Äntrag erfordert unbedingt eingehende Ausschutzberatung. Eine Erhöhung der Erwerbslosen Unterstützung ist wohl nötig, eine Erhöhung um 100 Prozent aber erscheint ausgeschlossen. Es muß versucht werden, soweit wie irgend möglich, staatliche Zuschüsse für die Errichtung von Kleinwohnungen flüssig zu machen. Wir dürfen uns aber auf diese Zuschüsse nicht verlassen, sondern müssen danach streben,

auch die private Bautätigkeit wieder zu beleben. Auch uns wäre es lieber, wenn wir auf aus­ländische Arbeitskräfte in der Landwirtschaft verzichten und dafür Arbeitslos« aus dem Staate auf das Land verpflanzen könnten. Ein Verbot der Beschäftigung ausländischer Arbeiter aber würde dem Friedensdiktat widersprechen. Hin­sichtlich der Arbeitsnachweis« liegt die Schuld an der zum Teil unzureichenden Tätigkeit so* wohl bei den Arbeitgebern, wie bei den Arbeit, nehmvrn. Hoffentlich wird das kommende Ar* beitsnachweiègesetz Besserung auf diesem Gebiet« bringen Alle gestellten Anträge müssen sorgfältig und sachlich geprüft werden. Die Einsetzung eines sozialpolitischen Ausschusses halten wir für not­wendig. weil in Zukunft sich häufiger die Not­wendigkeit geigen wird, sozialpolitische Ange­legenheiten durch Sachverständige in kleinem Kreise zu beraten. Die Hauptsache bei der Arbeit in den Ausschüssen ist, daß- man endlich aus den vielen Reden heraus zur Tat kommt. (Bei iall.)

Virevräsident Dr. Porsch: Der Aeltesten» rat hat sich mit dem demokratischen Antrag aus Schaffung eines sozialpolitischen, Ausschusses beschäftigt und ist einmütig der Ansicht, daß es zweckmäßig erscheint, diesen Antrag zMächst dem Geschäftsordnungsausschuß zu überwerfen. Hierauf wird die Beratung abgebrochen. Nächste Sitzung Freitag-

Geschäftliches.

Ein Wahrzeichen am Rhein. Wenn man vom schönen Rheingau hinauf gegen Mainz fährt, erblickt man bald auf hohem Turm einen mächtigen gekrönten Frosch, der ernst und doch behaglich auf den Strom schaut. Er ist ein König und sein Reich liegt weit ausgebreitet unter ihm. Mächtige Hallen umschließen einen weiten Hof, den riesige Behälter und lange Reihen von Fässer be­decken. Das Reich des Froschkönigs ist die Erdalfabrik von Werner & Mertz in Mainz und er ist gleichzeitig die Schutzmarke des berühmtesten Erzeugnisses dieser Fabrik. Die weite Ausdehnung der Fabrikanlagen, die mächtige Gießhalle und die großen Gebäude für die kaufmännischen und technischen Be­triebe sind notwendig und werden erklärlich, wenn man weiß, welche ungeheuren Mengen von Erdaldosen täglich über ganz Deutschland vertrieben werden. Die Vorratsspeicher für die Rohstoffe, welche sich in lang ausge­dehnter Front an den Floßhafen anlehnen, geben Zeugnis ab für die ungeheueren Quan­titäten der verschiedenartigsten Wachse aus aller Herren Länder, welche die Fabrik ver­arbeitet und die ständig rollenden Tankwa­gen haben große Mühe, die Vorratskessel für Terpentinöl und ähnliche Stoffe gefüllt zu erbgUen. Lm Rheinuser stehen die Eisen­bahnwagen, welche die tägliche Produktivn aufnehmen. Wenn wir mit einem dieser Züge von Mainz über die Kaiserbrücke nach Wiesbaden fahren, dann sehen wir lange Zeit den großen Frosch, ein Dokument deut­scher Arbeit in deutschem Land.

Sumfer-Ksnzerk.

Es war ein guter Gedanke des Gesangvereins Cumser" das Iubiläumskonzert von ver­gangener Woche am Mittwoch abend zu wieder­holen und den Reinertrag dieses Konzertes restlos dem hiesigen Magistrat zur Bildung eines Grundstockes für die Erbauung eines städtischen Konzertsaales den Hanau wahr­haftig dringend nötig bedarf zur Verfügung zu stellen. Dem Verein, befonderr aber dessen Dirigenten, Herrn Karl Fr. Appel, der bereits nor geraumer Zeit in einer Eingabe an den Magistrat auf die Notwendigkeit eines geeig­neten Konzertsaales hingewiesen hat, gebührt hierfür herzlicher Dank. Der Grundstock für die Errichtung einer Stätte zur Pflege der Asiusik und des Gesangs ist nun gelegt hoffentlich folgen weitere Stiftungen ans den Kreisen un­serer Bürgerschaft. Denn darüber brauch wohl an dieser Stelle nichts mehr gesagt zu werden, daß gerade Musik und Gesang, gute Musik und guter Gesang unter den die Volkskraft stärkenden und stützenden kulturellen Elementen zu den stärksten zählen, wenn nicht die stärksten sind. Also wer bereit ist, dieser belebenden Kraft die Lahn frei zu machen, der helfe im Sinne des KeiangoereinsSumser"!

Was den Verlauf des Konzertes anbelangt, so kann nur gutes berichtet werden. Das Programm war das gleiche wie das des Fest­konzertes vom 28. April, sodaß wir von einer näheren Würdigung desselben Abstand nehmen können. Chor und Solisten gaben wieder ihr Vester, sodaß der herzliche Beifall ein wohl­verdienter war. Zu einem besonderen Genuß ward wieder die Aufführung der von rauhem Wikingergeist und altnordischer Gefühlrpoesie durchwehten Szenen aus der Frithjos-Sage. 3m Zusammenwirken von Chor, Orchester und Solisten brachte der Dirigent dar Werk alle falsche Hast und Unruhe meidend mit packen­der Wirkung zu Gehör. Dar Orchester verdient hierbei besondere Anerkennung. Frl. Adele Metz-Frankfurt war wieder eine Ingeborg von

erschütternder Tragik, ihr wundervoll tragender Organ das wir bereits vorher in einigen Schubert-Liedern bewundern konnten feierte in ihrerKlage" Triumphe, während es Herr Adolf Permann-Frankfurt mit seinem weit­gespannten, in allen Lagen sonoren Bariton verstand, den äußerst schweren Aufgaben der Frithjofrollen in allen Teilen voll und ganz gerecht zu werden. Erwähnt zu werden ver­dient noch der Sohn des Dirigenten, Herr Karl Hans Appel, der die von den beiden Solisten gesungenen Lieder mit mustergültiger Klarheit begleitete und sich so ausgezeichnet bewährte. Der junge Künstler ging am Flügel in den Liedern auf er berechtigt zweifellos zu großen Hoffnungen.

Der Abend hinterließ wieder die nach­haltigsten künstlerischen Eindrücke. rh.

Sladilhealer Hanau.

Der Graf von Luxemburg." Operette in 3 Akten von A. M. Willner und

R Bodanzky. Musik von Franz Lehar.

Es ist nicht übertrieben: Lehars reizende Operette mit ihrem liebenswürdigen Sujet und den fein-graziösen Walzermelodieu hatte am gestrigen Abend bei dem in frischer Gebelaune befindlichen Publikum einen Bombenerfolg. Man möchte fast hinzufügen, daß der Erfolg ein durchaus verdienter war, haben doch die Text­dichter in drei Alten eine äußerst heitere, vom lieben Leichtsinn durchzogene Handlung gefchri«. ben, zu der das von keiner historischen Ueber­lieferung beengte Charakterbild des sagenhaften Graf von Luxemburg, von dessen Taten wir nicht mehr wissen, als daß erall sein Geld in einer Nacht verjuckt. juckt, jutTt" hat, e.ne dankbare Unterlage [teerte. Wir ken ien hier b:e Operette mit all den netten, gefall irrn Akel od ien von früheren Aufführungen her zur Genüge, sodaß wir uns lediglich mit der Neueinstudierung zu befassen haben. Die weiblichen Haupipariicn lagen bei den Damen Mia Eorla und Dora Erl in guten Händen. Die erstere gab die

Angele" vornehm in der Auffassung und sehr gut im Gefa-ng, Frl. Erl alsJuliette" spielte und sang das süße Mädel des leichtsinnigen Malers mit einer Frische und Temperament,, die das da espo-Verlangen des mit dem in seiner Art unwiderstehlich wirkendenBrissard" (Herr Albert Badewitz) vorgetragenen Tanzduetts Mädel fein .. / begreiflich machte. Der Titel­partie verhalf Herr Georg Shguda zu be­lustigender Wirkung. Als Fürst Basil war Herr Eduard Pasquals wieder köstlich und Frl. Elfrieds Krugel mimte dieGräfin Kokozow" mit der nötigen grotesken Wirkung. Auch die übrigen Mitwirkende.r trugen getreulich ihr Scherèlein zum Gelingen des Ganzen bei. Das das ausverkauft« Haus köstlich amüsierende Werk verdankte Herrn Direktor Poetsch eine recht hübsche Ausstattung und Herrn Kapellmeister Rutschmann eine überall das Charakte- risiische prächtig herausholende musikalische Wirkung. G

örurhesfische Garde-Truppe« vor Kundert Nähren.

Don Nechimngsrat Wagner.

Im Mai dr. Js. werden es hundert Jahre, daß das letzte furhei^dje Leibgarde-Regiment Meie Benennung erhielt. Bis ins Jahr 1632 reichen die Stammtruppen dieses Regiments zurück unter verschiedenen Benennungen wie Leibgarde z. Fuß",Regiment Garde", Earde- Grenadier-Regiment; im Mai 1821 erfolgte dann unter Vereinigung der damaligen Regi­menterLeibgrcnadier. Garde" und Carde- Grenadier-Regt." die Zusammenstellung des Leibgarde-Regiments".

Aber auch eine neue Jnfanteiie-Eardetruppe wurde bei der Reorganisation der Kurhejstschrn Armee im Jahre 1821 formiert: da» damalig« Jäger-Bataillon, welche» seit 1631 unter ver- ebiebenen Bezeichnungen bestand, wurde zum Garde-Jäger-Baiaillon" umgewandelt und dem Leibgarde-Regiment" als halbstündiges Ba­taillon angegliedert. Auch eine Kavallerie-

Eardetruppe hatte das ehemalige Kurfürstentun^ Hessen. Aus der bereits 1619 bestehendes Leibgarde" bestehend aus 50 Arquebusisr. Reitern (Büchsenschüßen, Scharfschützen) die auch Kürassier-Reiter und fürstliche Leibkompagni« zu Roß genannt wurden, waren bereits 1716 zwei Kompagnien, später zwei Eskadrons, Gardes du Corps" vorhanden, welche von 1848 bis 1851 Kurfürst-Husaren genannt wur­den. Wenn da» ehemalige Großherzogtum Hessen, wie wir neulich berichteten, den ältesten Stamm der Infanterie - Truppen, Infanterie. Regiment 115, auf eine 1621 errichtete Leib, kompapnie zurücksührt, so hat das ehemalige Kurhessen (Hessen-Cassel) bereits zwei Jahre früher eine Kavallerie-Truppe nachzuweisen. Die älteste Kavallerietruppe in Deutschland. Aus dem kurh^ssischen Leibgarde-Regiment ist nach 45jährigem Bestehen infolge der politischen Verhältnisse im Jahre 1866 das Infanterie- Regiment, spätere Füsilier-Regiment von Gers­dorff (Kurh.) Nr. 80, formiert worden. Das Garde-Jäger-Bataillon erhielt 1832 die Be­nennung 1. Schützen-Bataillon 1834 wieder Jäger-Varaillon und ist 1866 in die Preußische Heeresverwaltung übernommen worden. Die Gardes du Corps wurde 1866 aufgelöst und -oweit sie im Dienst verblieb, in Me beiden kurhejstschrn Hujaren-Regimenter und andere Kavallerie-Truppen verteilt worden. Die Uni. form des Leibgarde-Regiments war mit Aus­nahme der Hoheitszeichen ganz übereinstimmend mit der des Preuß. 1. Earde-Regtr. z. F. Die Garde» du Corps war gekleidet wie das Preu, ßijche Regiment der Gardes du Corp». Das Gai-e-Jäger-Bataillon trug dunkelgrüne Waffen­röcke mit weißen Achjeltlappen' und weißen Litzen, an den Czakos versilberte Sterne, grüne Fangichnüre und grüne Harbüsche.

Nun ist die ehemalige Garde^nfanteriè Kdrhesjen» wie alle anderen deutschen Truppen aufgelöst. Ob und welche Traditions-Truppen- teile für sie gebildet werden, darüber ist bis jetzt, soweit bekannt, noch keine Entscheidung getroife»