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Nr. 103

Mittwoch den 4. Mai

1921

Das Neueste.

Nach den Festsetzungen des Obersten Rates muß Veutschland 6750 Millionen Pfund Sterling zahlen.

Briand hofft, London heute abend verlassen zu Braten.

Polnische Insurgenten sind in Oberschlesien ein« jtbmngenj in den bedrohten Gegenden ist von der nteralliierten Kommission der Belagerungrzustand rklärt.

Reichsminister Dr. Simons sprach gestern im skichrtag über die Vorgänge in Oberschlesien.

Die amerikanische Friedensliga beschloß im ganzen Lande patriotische Kundgebungen zu veran» statten, um die Bewegung der Kommunisten abzu­schwächen.

Der Ausbeulungsplan der Entente.

Ablauf der Frist: 12. Mai, Mitternacht 12 Uhr.

London, 3. Mai. (Reuter.) Der Oberste Rat km heute noch fünfstündiger Sitzung zu einer vollständigen Uebereinstimmung über den Jnihalt der Deutschland zu übersendenden Mitteilungen. Der Redaktionsairsschutz trat heute abend zusammen, uw- das Protokoll aufzustellen. Eine weitere Sitzung des Obersten Rates wird morgen statt- finben. Das Protokoll wird nicht später als am 6. Mai abgeschickt werden. Deutschland muß spätestens am 12. Mai Mitternacht 12 Uhr ant­worten.

Deutschland mutz jährlich 100Millio- nen Pfund Sterling bezahlen und außerdem «in« Abgabe von 25 Prozent von der deutschen Ausfuhr. Bons im Betrag« von 600 Millionen Pfund Sterling sollen jetzt und von 1900 Millionen im Novem­ber ausgegeben werden, also insgesamt 2500 Millionen Pfund Sterling, abgesehen von Bons im Betrag« von 4250 Millionen WHÄmg, welch« je nach der Zahlungsfähigkeit Deutsch­lands ausgegeben werden sollen. Die Bons bringen 5 Prozent Zinsen und es wird ein Schuldentilgungsfands von 1 Prozent vorhanden sein, so daß für den Zinsendienst für di« im November ausg«geben«n Bons im Betrag« von 2500 Millionen Pfund Sterling erforderliche Summe 150 Millionen Pfund ausmachen wird. Wenn die Einnahmen aus der jährlichen Zah- lMg von 100 Millionen Pfund Sterling und der 25proz«ntig«n Abgabe mehr ergeben, als die erforderlichen 150 Millionen, so wird es ge­nügen, einen Teil der in Reserve gehaltenen 4250 Millionen Pfund Sterling betragenden Sons auszugeben, um den Ueberschuß aufzu- Heben. Es wird «ine Abgabe von einem wei­teren Prozent der deutschen Ausfuhr erhoben, wodurch der Gesamtbetrag auf 26 Prozent steigt, um b;e Summe zu erreichen, die zur Bezahlung der Zinsen für die in Reserve gehaltenen Bons fötig ist. Man rechnet damit, daß jede Serie innerhalb 37 Jahren vom Datum der Ausgab« geregnet eingelöst wird. Unter keinen Umständen Sann die deutsche Verbindlichkeit 6 Prozent des Zesamtbetrages der Bons übersteigen. Mit die- M Betrage werden die deutschen Zölle oder andere Einnahmen belastet werden. Der Repa- rationsauss-chuß wird die Bons nach dem bereits restgefetzten Verhältnis unter den Alliierten ver- ''eilen.

(Die oben angeführten Bons im Betrage von 2500 und 4250 Millionen Pfund Sterling haben nach dem heutigen Stand einen Wert von rund 137 Milliarden Goldmark. D. Red.)

London, 3. Mai. (Reuter.) Die Reparations- hmmission ist aus Paris herbeigerufen worden. Sie wird morgen in London eintreffen und Deutschland ein Protokoll übersenden, das bis Mn 12. Mai nachts 12 Uhr zu beant­worten ist.

Die Anlwor! Amerikas.

Wie wir bereits in einem Teil unserer ge. strigen Auflage mitteilten, haben die Vereinigten Staaten die deutschen Vorschläge als unan­nehmbare Verhandlungsgrundlage bezeichnet. Die Antwort der Vereinigten Staaten lautet:

Die Regiemng der Vereinigten Staaten hat da» Memorandum betreffend die Reparationen «halten, das Dr. Simons dem Kommissar der Vereinigten Staaten am 24. April übergeben hat. Zur Antwort erklärt die amerikanische Regierung, daß sie sich außerstande findet zu dem Schluß zu gelangen, daß diese Vorschläge eine für die alliierten Regierungen annehmbare Grundlage der Erörterung bilden. Indem die amerikanische Regierung daher wiederholt ihren ernsten Wunsch nach einer raschen Regelung dieser Lebenriraae ausdrückt, leat Re der deutschen

Regierung dringend nahe, sofort den alliierten Regierungen unmittelbar klare, bestimmte und zweckentsprechende Vorschläge zu machen, die in jeder Beziehung ihren angemessenen (just) Ver­pflichtungen gerecht zu werden.

Die endlich eingekanftne Antwort der Vereinigten Staaten bestätigt, was schon seit einigen Tagen ver­mutet wurde, daß die amerikanische Regierung die weitgehenden deutschen Vorschläge für nicht geeignet erachtet, eine Grundlage für Verhandlungen abzugeben. Uebrigens scheint zwischen Washington und London keine enge Fühlung zu bestehen, was aus dem Um­stand hervorgcht, daß das amerikanische Staatsdeparte­ment der deutschen Regierung nahelegt, sofort den Alliierten unmittelbar Vorschläge zu machen, während man in London ein Diktat hergestellt hat und Deutsch­land vor die Alternative stellen will, er anzunehmen oder die Besetzung de» RuhrgebieteS durchgeführt zu sehen.

Polnische Machtprobe in Ober­schlesien.

Mr haben den Polen nicht falsch einge­schätzt wenn wir seinerzeit vor der Abstimmung behaupteten, daß er ein Räuber sei, der auch dann, wenn die Volksabstimmung zu Ungutsten Polens aus fallen sollte, den Versuch machen werde, das Land durch Betrug, Hinterlist oder Gewalt in die räuberischen Klauen des Polen, adlers zu bekommen. Jetzt haben wir den Ver­such: in Oberschlesien sind, von polnischen Agi­tatoren propagiert, große Unruhen ausgebrochen. Polnische Insurgenten beherrschen die Straßen, nehmen deutsche Beamte gefangen und bringen unter die deutsche Bevölkerung großen Schrecken. Der Spiritus rektor ist aller Wahrscheinlichkeit in der Person des bekannten Korfanty zu suchen, Durch Extraausgaben derOberschlesifchen Grenz- Zeitung" und derOberschlesischen Post", der

Polenblätter, hat er eine Mitteilung veröffentlichen lassen, daß der Vorschlag der Interalliierten Kommission, der jetzt London übermittelt worden ist, die Zutei­lung von Pleß und Rybnik und einiger Teile des Kreises Kattowitz an Polen vorsehe. Diese Meldung war das Stichwort für eine schon seit langem vorbereitete Aktion. Die Polen haben in ihrer oberschlesischen und in der kongretzpolni- schen Presse in den letzten Wochen unverhüllt mit Drohungen aller Art gearbeitet und wurde be­reits vor einigen Tagen der 2., Z. oder 4. Mai als Zeitpunkt eines polnischen Aufstandes in Oberschlesien genannt. Sie haben sowohl mit dem Einmarsch als auch mit dem Generalstreik und der Vernichtung der oberschlesischen In­dustrie gedroht. Der neueste Schachzug Korfantys soll nun zeigen, was es mit diesen Drohungen tatsächlich aus sich hat. Auf Grund der vorer­wähnten Meldung, deren Bedeutung den polni­schen Führern sicherlich bekannt war/sind am 2. Mai die polnischen Grubenarbeiter im Zentral­revier und im Rybniker Revier, in den Streik getreten. Die deutschen Gewerkschaften haben in einem Telegramm an die zweite Internatio­nale darauf hin gewiesen, daß es ein wilder Streik sei der nur unter Anwendung von terro­ristischer Gewalt möglich wäre und der den Rmeet habe, der Welt, besonders aber dem Obersten Rat vorzutäuschen, als ob eine Volkserhebung für den Anschluß Oberschlesiens an Polen entstan­den sei. Dem Streik folgten Gewalttaten und es hat den Anschein, als ob das schwergeprüfte Land überhaupt nicht zur Ruhe kommen sollte.

Ueber die Unruhen liegen heute folgende Meldungen vor:

Kattowitz, 3. Mai. Insurgenten haben nach lebhaftem Feuer die Apobaracken in Wildbad be­setzt und die Beamten gefangen genommen. Ein Zug Insurgenten drang in das Polizei-Präsi­dium ein, das nach einer halben Stunde später durch einen französischen Kapitän wieder befreit wurde. Die Redaktion desVolkswille" ist durch Handgranaten zerstört. Unter den Putschisten befinden sich Haller-Soldaten. Aus den umlie­genden deutschen Orten sind die blaue Polizei und die deutschen Beamten geflüchtet. Mit Pleß und Rybnik besteht seit gestern keine Verbindung mehr. Auch Sohvan soll in den Händen der In­surgenten sein.

Kattowitz, 3. Mai. Unbekümmert um die auf­gestellten Tanks eröffneten gegen 8 Uhr die In­surgenten eine böse Schießerei in der ganzen Stadt, die trotz der Verhängung des Belage­rungszustandes andauert. Der Eisenbahn- und Straßenbahn-Verkehr ist eingestellt. Bei Ober- glogau sind zwei Brücken gesprengt worden. Can- denzin ist in den Händen der Insurgenten, von beiten in der Umgebung 3000 kriegsmäßig aus­gerüstet verlammelt sind. In Beuthen herrscht zur Zeit Ruhe.

Beuthen, 3. Mai. Heute früh rückten bewaff­nete Jnsuraenten ein. besetzten die öffentlichen

Plätze und hielten die Paffanien an. Französische Soldatn durchziehen die Stadt. Danks besetzten die Straßenkreuzungen. Auf dem Lonmitz-Hotel weht die weiß-rote Fkrgge.

Beuthen, 3. Mai. In der vergangenen Nacht wurde der Direktor der Preußengrube in Miechonntz, K»x, von den Aufrührer erschossen. In Zabrze-Nord und Zaborze wurde die Apo gezwungen, die Waffen niederzulegen. Der Ort Hindenburg selbst ist durch französische Truppen geschützt. Der Kreis ist in pol- nischer Hand. Die Stadt Lublinitz und die Stadt Ujest int Kreise Groß-Strehlitz werden belagert.

Oppeln, 3. Mai. Die polnische Aufstanbrbewe- qnng ergibt nach den bi» abend» 9 Uhr vorliegenden Meldungen folgendes Bild: Mit Ausnahme einiger größerer Städte sind fast sämtliche Ortschaften bei Zentralrevier» und de» Südrevier» in der H a n d d e r b e w affn et en p o l nis chen X u f stän­dischen. Auch in den Kreisen Lublinitz, Tarnowitz und Groß-Strehlitz befinden sich die meisten Ortschaften in polnischer Hand. Der Bahnverkehr in Oberschlesien ruht vollkommen. E» wird nur der Pendelverkehr in den nördlichen Kreisen zwischen KreuzburgOpveln, KreuzburgBreslau und OppelnKandrzin notdürf­tig aufrechterbalten. Polnischerseit» wird ein Pendel­verkehr auf der Strecke SchoppinitzNeuberun einge­richtet. Aus Rybnik und Pleß liegen immer noch keine genauen Nachrichten vor, da die Fernsprech, leitnngen zerstört sind. Doch ist die Lage in diesen beiden Kreisen zweiiello» sehr ernst. Nach mit Vor- behalt witderzugtbcnden Meldungen erlitten die italie­nischen Truppen bei ihrem Vorgeben gegen die Insur­genten in den Kreisen Pleß und Rybnik größere Ver­luste. Auch in den Kreisen Lublinitz, Königrhütte und Gleiwitz, in denen der Belagerungszustand bisher noch nicht verhängt wurde, ist die Lage als sehr ernst an» Hits eben. Nach Meldungen au» dem Landkreise Tar­nowitz wurden dort mehrfach deutschgesinnte Leute verschleppt. Radzionkau wurde von den Aufständischen besetzt. Auch Teile der Stadt Hindenburg befinden sich in polnischer Hand. Truppen der interalliierten Komm ssion halten den Bahnhof, die Post und da» Landrätsamt besetzt. Die AbstimmungSpolizei in Hindenburg ist entwaffnet und zum Teil verschleppt

worden. Die Städte Kattowitz, Beutden und Tarno­witz sind frei von Aufftnnonchen. Zn Bet Mutigen Levölkeruna herrscht erklärliche Erregung. Man befürchtet für die kommende Nacht dar E i n r L ck e n

regulärer Bolni scher Truppen in Ob erschlesien. Die fübrtnbcn deutschen Stellen sind unablässig bemüht, die deutsche Bevölkerung zur Ruhe und Besonnenheit zu mahnen. Wre in Hinden­burg, stellten sich auch in Tarnowitz zahlreiche deutsche Bürger dem Kreièkontrolleur zwecks Nufrechterdaltung der öffentlichen Ordnung zur Verfügung. Die Er­regung in Kattowitz ist deshalb sehr groß, weil die polnischen Ausländischen in Bogutschütz, also in un­mittelbarer Nähe der Stadt, Fuß gefaßt haben. In Kattowitz sind int Saufe de» Tage» zahlreiche Flücht­linge aus den nahen Gruben eingetroffen. Auch an? der Stadt Seutben wird da» Eintreffen box 300 Flüchtlinge gemeldet. Die Truppen der interalliierten Konimission nahmen im Laufe de» Tages Streifen durch eine Reihe der besetzten Ortschaften vor. Die Ortschaften boten wäbrend der Streifen meist ein ruhige« Bild, da sich die betoaffneten Aufständischen meist in den Häusern versteckt hielten. Nach allen Nachrichten muß die Organisation der bosnischen Auf­standes als vorzüglich bezeichnet werden. Die Auf­ständischen find weist junget 6 Leute und mit Waffen aller >2lrt ausgerüstet. Sie führten auf Lastkraftwagen schwere Maschinengewehre und Minenwerfer mit. In den Kreisen der interalliierten Kommission wird, wie wir hören, die Ausdehnung des Belagerungszustandes auf die xcucrbingS vom polnischen Aufstand heimSc- juchten Kreise erwogen.

Verhängung des Belagerungszustandes.

Oppeln, 3. Mai (11 Uhr abends). Die in­teralliierte Kommission erläßt eine Bekanntmachung, in der es u. a. heißt:

Von gewissen Elementen der polnischen Be­völkerung Oberschlesiens wurden Gewalttaten verübt. Di« Ordnung ist in einer Reih« von Greifen des Abstimmungsgebietes schwer gefähr­det. Die interalliierte Regierungskommission ist isst entschlossen, in kürzester Frist die Wiederher- iMuftg der Ordnung zu sichern unb den B e - lagerungszustand über die vom Aufruhr betroffenen Kreise verhängt. Die Kommission wird vor keinem Mittel zurückschrecken, um die verkehr wieder ausgenommen.

Zur Aufhebung der ZwangsbeWirlschastuug.

Die preußische Landesversammlung setzte gestern die Beratung der Anträge der Deutsch­nationalen auf Aufhebung der Zwangsbewirt- schaftung für Getreide, Milch, Butter und Zucker fort. Abgeordneter Drewitz (Wirtschaftliche Vereinigung): Die Regierung hat jetzt erklären lassen, daß an eine Aufhebung der Zwangs­bewirtschaftung für Getreide nicht zu denken ist. Die Regierung hat aber nicht gesagt, wie es mit den Erleichterungen gehandhabt werden soll, die dem Gewerbe für den Uebergang ge­währt werden sollen. Insbesondere hätte das Bäckergewerbe sehr gerne etwas nähere» über das Umlageversahren gehört. In kleinen Ko- munen sind die Verwaltungen bereits dazu überaeaanaen. die Zwangsbewirtschaktuna in

lockern und dem Gewerbe Erleichterungen zu schaffen. Das muß auch in größeren und ganz großen Komunalverbänden möglich sein. War nutzt aber \ber ehrliche Wille der Regierung, wenn die untergeordneten Organisationen ihre Maßnahmen sabotieren. Das Kuchenbackoerbot steht nur auf dem Papier. Die Milchbewirt­schaftung soll mit dem 1. Juni freigegeben werden. Die interessierten Landwirte, Molkerei, genoffenschaften und die Milchhändler haben für den Uebergang Richtlinien beschlossen und den Abschluß von Lieferungsverträgen empfohlen. Der Anreiz zum Abschluß solcher Verträge soll durch die Erhöhung der Stallpreises gegeben werden. Alle diese Verträge sind aber geneh» migungspflichtig und wir müssen jetzt erleben, daß die Reichrfettstelle vielfach den Abschluß solcher Verträge verbietet. Andererseits haben in Brandenburg und Sachsen vorweg Milch, preiserhungen durch die untergeordneten Orga­nisationen stattgefunden, wodurch der Anreiz zum Abschluß solcher Verträge wieder in Weg­fall gekommen ist. Abgeordneter Meyer (Deutschhann.) tritt gleichfalls für die deutsch- nationalen Anträge auf Aufhebung der Zwangs­wirtschaft ein. Unsere vornehmste Aufgabe muß es sein, die heimische landwirtschaftliche Er- zeugung zu steigern, war aber nur geschehen kann, wenn den Landwirten völlige Vewegungs- freiheit gegeben wird. Ein Abbau der Zwangs­wirtschaft ist besonders notwendig hinsichtlich der Milch, weil sonst die Molkereien zusammen­brechen. Abgeordneter Schulze (Deutsch, national): Wenn große Konsumentenkreise aller politischen Richtungen mit den Landwirten einig sind in der Verurteilung der Zwangsbewirt. schaftung, so ist die Stellung derartiger Anträge doch gewiß berechtigt. Alle Parteien müssen doch dasselbe Bestreben haben die Frage zu lösen, die eine gute Versorgung der Bevölkerung ermöglicht. Unter der Zwangswirtschaft ist die laudwirrfchafUiche Produktion bedeutend zdrM gegangen. Wir wünschen die Aufhebung der

Zwangswirtschaft auch deshalb, um den ehr­lichen Landwirt, der die Ablieferungsvorschriften streng befolgt, wieder konkurrenzfähig zu machen, besonders gegenüber dem Schiebertum. Gegen­über der Behauptung, daß die Landwirte dem Schiebertum Anreiz gegeben hätten, behaupte ich, daß es die reichen Städter gewesen sind, die auf das Land pilgerten und die. Landwirte durch gegenseitiges Ueberbieten zur Abgabe von Lebensmittel veranlaßt haben. Große Mengen von Getreide und Kartoffeln sind unter der Zwangswirtschaft nach dem Auslande verschoben worden. Im übrigen wollen auch wir nicht, daß die Aufhebung der Zwangswirtschaft zu unerschwinglich hohen Preisen führt. Er unterliegt keinem Zweifel, daß die Zwangsbewirtfchaftung, der zwischen Konsument und Produzent hineingeschobene be­hördliche Apparat, die Lebensmittel ganz un­gebührlich und unnotwendig verteuert. Dis Land­wirte müssen ^. B. den Zentner Kartoffel nach Charlottenburg für 9,75 Mark liefern, während die Stadt ihn zu einem Preise von 42.50 Mark verkauft. Von der Aufhebung der Zwgngs- wirtschaft versprechen wir uns auch die Hebung der Moral. Ein Antrag auf Aufhebung del Verordnung betreffend die Schrotmühlen wird gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Parteien angenommen. Die übrigen Anträge gehen,'soweit sie noch nicht erledigt sind, an den landwirtschaftlichen Ausschuß. Dar Haus geht dann über zur Beratung bezw. Weiterbe­ratung der Anträge und großen Anfragen, die sich auf die Behebung der Arbeitslosigkeit beziehen.

Politische Tagesbericht.

Amerikanische Mcindschaft gegen -e»», Brrsaiüer Vertrag. Die Morning Post melle au8 Washington, daß Senator Mac Cornick den Vev sailler FriedenSvertrag in heftiger Weise angriff uni erklärte, dieser Vertrag werde niemals vom Senat« ratifiziert, vielmehr ein Sonderfriede mit Deutschland abgeschlossen. Senator Vorab erklärte, daß da» amen- konische Volk, als c» für Harding stimmte, der Ansicht war, daß ei damit nicht nur den Völkerbund sondern auch den FriedenSvertrag von Versailles verwerfe. S» schlecht auch der Völkerbund und so gefährlich er für die höchsten Interessen Amerika» sei, wäre cs doch für die Vereinigten Staaten unendlich viel besser, un Völkerbünde zu sein, al» an dem Versailler Frieden»- vertrage teilzuhaben. DerMorning Post" zufolge drückten auch andere republikanische Senatoren ihre entschlossene Feindschaft gegen den Versailler Friedens- Vertrag aus. Man frage sich in politischen Kreisen, ob der Senat und nicht da» Staatsdepartement die auswärtige Politik der» amerikanischen Regierung fixieren werde.

(Weitere Politische Nachrichten auf Seite 5j