Einzelbild herunterladen
 

Hanauer S Anzeiger

ML

Einrückungsgebühr:

Dte8gelv. Kolonelretle oder deren Raum 1.Mk.. die 4gefp. Zeile im Reklameteil 3. Mk., 25°|O Teuerungs» zuschl. Offertgebühr30 Pfg. B e z u g s v r e i s:Biertel- jâhrl. 14.40 Mk.,monatl. 4.80 Mk., f. Postbezug viertel- jährl. 15.90 Mk., monatl.5.30Mk. Die Nummer 20 Pfg.

Postscheck-Konto. Nr. 26659, Frankfurt a. M.

General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Judermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeU Richard Hultsch: für lokalen und provinziellen Teil

_« _, . sowie Sport Wilhelm Moritz: für Ameisen und

Amtliches Organ sur Slaöl- unö LanèNreis Kanan Reklamen Augu» Brodt. â in sanau am®»

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

»tationsdruck der Waisenhausbuchdrucke«i Hema». Fernsprechanschlüsie Nr. 1237 und 1238.

Sr. 96

Dienstag den 26. April

. -.....-......... -......... - - . .....- - ----

1921

Das Neueste.

- Die Regierungserklärung im Reichstag ist gen gestern auf heute nachmittag vertagt worden.

Die Revaratjonskommission fordert in einer . flöte bis spätestens 30. Avril die Ablieferung eines Betrages von 1 Milliarde Goldmark an die Bank M Frankreich.

- In Mitteldeutschland ist man neuen kommu­nistischen Umtrieben auf die Spur gekommen.

Das Unterhaus hat einstimmig den Friedens- nertrag mit Ungarn genehmigt.

Nach einer Meldung aus New-Bork haben die Maschinisten der Handelsmarine beschlossen, am 1. Mai in den Streik zu treten. Dieser Streik wird 100000 Personen in Mitleidenschaft ziehen.

Die Roten -er letzten Tage.

Nur noch wenige Tage trennen uns von dem 1. Mai, der ein neuer deutscher Schicksals- schlag sein soll, von jenem Tag, der bisher seit 1890 von der sozialiftifchen Arbeiterschaft aller Länder als Weltfeiertag der Arbeit und der Völkerverständigung gefeiert wurde. Seit Wo­chen hallt es durch die politische Welt aber er ist nicht der Hall des Weltfriedens und der Völkerversöhnung, sondern des Krieges im Frieden, der Gewaltpolitik gegen das deutsche Volk, ohne daß bisher die Stimme der inter­nationalen Solidarität wesentlich durch­drungen wäre. Welche Ironie! DerSchicksals- tag naht, er ist nicht aufzuhalten und wir müssen die Dinge so sehen, wie sie liegen. Es wäre falsch, den Kopf in den Sand zu stecken und sich einzubilden, die Dinge würden schließ­lich doch den Lauf nehmen, wie wir ihn unter den obwaltenden Umständen wünschen und hoffen dürfen. Wir müssen vielmehr mit klaren Äugen aus den Geschehnissen der letzten Tag«, soweit das vom außen her möglich ist, das ab­lesen. was tatsächlich ist und was werden Bann, sachlich handelt es sich darum, ob uns die Zeit gdlaffen und die Möglichkeit gegeben wird, mit unseren einzigen Vermögen, was wir noch be­sitzen, was uns unsere Feinde noch gelassen haben, der deutschen Arbeitskraft, die uns auf- erlegte1 Kriegsentschädigung zu bezahlen, oder ob uns unsere Feinde, klingt es nicht furcht­bar, wenn man über zwei Jahve nach Frieden- Muß noch-von Feinden spricht? wie Shylock auf ihren Schein beharrend, aus un­serem Leibe die Stücke herausschneidem, mit denen sie sich bezahlt machen möchten. Den Beweis dafür, daß Deutschlands Wille die ihm üufeölegte Kriegsentschädigung bis zur Grenze inner Leistungsfähigkeit zu zahlen, aufrichtig ist hat die deutsche Regierung durch ihre Note, die sie in den letzten Tagen an Amerika und die Alliierten sandte, bewiesen, deutlich bewiesen durch die Note an Harding, mit deren Inhalt wir, wie schon seinerzeit gesagt, nicht ganz ein­verstanden waren. Wir waren nicht einverstan­den, weil wir nicht die mindeste Gewähr dafür hatten, daß Harding nicht eine Kriegsentschä­digungssumme festsetzte, die das deutsche Volk für immer der Sklaverei auslieferte, den deut­schen Staat einfach zu einer Provinz der Feinde machte. Verlangte der Versailler Vex- irag schon die vollständige Uebergabe im alt­römischen Sinne die dedito so war durch diesen Akt der deutschen Regierung diese Ueber- Mbe tatsächlich und freiwillig vollzogen. Doch ter Schritt ist getan worden, die Karte des un­eingeschränkten deutschen Angebotes liegt auf dem Tisch und kann nicht mchr weggenommen werden. Die Regierung, hat bewiesen, daß sie zum Aeußersten bereit ist.

Diesem Notenwechsel folgte dann die Er­klärung über Deutschlands Bereit­schaft zum Wiederaufbau. Seit dem Abschluß des Waffenstillstandes hat man auf deutscher Seite nie verkannt, daß der Wiederauf- Mu der zerstörten Gebiete in Belgien und Nord frankreich das geeignetste Mittel sei, um einen wirklichen Friedenszustand herbeizu- sühren. Es wurde eine Reihe von Plänen aus- searbeitet, die aber niemals die Zustimmung ter französischen Regierung fanden. Jm' In­teresse der historischen Gerechtigkeit kann der französischen Regierung in dieser bitterernsten Stunde dieser Vorwurf nicht erspart bleiben. In dem neuesten Vorschlag wird der bereits früher vorgebrachte Sektorenphan wieder aus- rrnvmmen. Unabhängig davon hat aber die Rutsche Regierung auch ihren Entschluß be­kanntgegeben, alle Hilfsmittel zum Wiederauf­bau bereitzustellen. Der Note kommt insofern besondere Bedeutung zu, weil sie auf einem Entschluß der deutschen Gewerkschaften fußt, Md von besonderer Wichtigkeit ist die Erklä­rung dieser Organisationen, daß sich Arbeiter, Angestellte und Beamte bereit erklärt haben,

am Wiederaufbau der zerstörten Gebiete mitzu­wirken. Die deutsche Regierung überläßt es den Wünschen der alliierten Regierungen, ob die Beamten in eigener Regie der französischen oder der deutschen Regie oder in gemeinwirt­schaftlichem Betrieb oder durch private Unter­nehmer-Betriebe ausgeführt werden sollen. Die deutsche Regierung O bereit, alle Kosten, so­weit sie in Papiermark gezahlt werden können, gegen Gutschrift auf das Reparationskonto zu übernehmen. Es bleibt nun abzuwarten, wie Frankreich sich gegenüber diesen Vorschlägen die den ersten Teiil der 'neuen deutschen Ge­samtvorschläge bilden verhält. Unserer An­sicht nach ist der Wiederaufbauplan so weit­gehend, daß nur der, der den Wiederaufbau nicht haben will, sich gegen ihn wenden kann. Trotzdem lehnt ihn die französische Presie mehr oder weniger ab.

Die nächste Note der deutschen Regierung betraf den von den Alliierten geplanten G old­rau b, in der die Ueberführung des gesamten Metallbestaudes der Reichsbank an di<e Reichs­bankfilialen in Köln oder Koblenz abgelehnt wird, weil einmal die Reichsbank als Privat­institut in der Verwaltung ihres Privateigen­tums, insbesondere ihres Metallbestandes, frei und von der Reichsfinanzverwailtung unabhän­gig ist und zum andern Male durch die erzwun­gene Wegführung der letzten Golddeckung deut­scher Banknoten eine erneute schwere Erschütte­rung der deutschen Valuta und» des deutschen Golowesens unausbleiblich eintreten würde. Auch in dieser Note liefert die deutsche Regie­rung den Beweis, daß es ihr ernstlich darum zu tun ist, eine Verständigung über die Lösung des Reparationsproblems herbeizuführen, in­dem sie sich bereit erklärt, den mit Ablauf des 1. Mai 1921 außer Kraft tretenden Absatz 2 -welchem die deutsche Regierung ohne vorherige Zustimmung der Reparationskommission weder Gold aus- führen, noch darüber verfügen, noch seine Aus­fuhr, noch die Verfügung darüber gestatten darf, bis zum 1. Oktober 1921 zu verlängern. Die Reparationskommiffion hat diese Einwendungen und Vorschläge abgelehnt und fordert, wie aus der unten folgenden Note hervorgeht, bis spätestens 30. April die Ablieferung eines Be­trages von 1 Milliarde Goldmark an die Bank von Frankreich.

Also auch das noch! Während die deutsche Regierung durch neue Vorschläge, die inzwischen an Amerika abgegangen sind, versucht, die drohenden Sanktionen von Deutschland abzu­wenden oder doch wenigstens vielleicht bei ihren nicht mehr aufzuhaltenden Beginnen eine Situation herbeizuführen, die die außerordent­liche Gefahr dieser gegen alles Recht angedrohten Gewaltakte etwa« vermindert, trifft die Nachricht von einer neuen Forderung ein, die in der so kurz bemeffenen Frist beim besten Willen nicht erfüllt werden kann. Für Frankreich ein Grund mehr, um die kommenden Sanktionen zu recht­fertigen, für uns aber die Bestärkung in unserer bisher vertretenen Ansicht und Behauptung, daß Frankreichs Politik auf nichts anderes hinaus­geht, als Deutschland zu erdrücken und sich alles zu sichern, was möglich ist. Das ist Frankreichs Wahnwitzpolitik, an der alle deutsche Vorschläge nichts ändern werden, die trotz aller Unter­werfung deutscherseits die gleiche bleiben wird wie bisher, bis sie sich eines Tages selbst bitter rächen wird.

Die neueste Note Deutschlands, die unser letztes Angebot enthält, ist noch nicht bekannt. Sie ist an Harding abgesandt und soll heute nachmittag veröffentlicht werden. Welcher Art die Vorschläge sind, ist unbekannt, da nicht einmal die Parteiführer Kenntnis von dem In­halt der Note haben. Die Verantwortung über dar Maß der deutschen Leistungsfähigkeit, fällt also ganz ausschließlich der Regierung zu. K. H.

Der Goldrand.

Die Rrparktionskommission fordert 1 Milliarde Eolomark.

Paris, 25. April. Die Agentur Havas verbreitet folgende Note der Reparations- kommiffion an die Kriegslastenkommifston :

Die Reparationrkommisfion hat in ihrer Vollsitzung vom 25. 4. mit Bedauern von der Mitteilung der deutschen Negierung vom 22. 4. Kenntnis genommen und von ihrer Weigerung, den Metallbestand der Neichsbank nach Koblenz oder Köln überführen zu laffen. Sie bedauert, vah die deutsche Regierung nicht die Sorge verstanden hat, die da» Schreiben vom 21. 4. veranlaßte. Das Ersuchen, den Goldbestand in das besetzte Gebiet zu bringen, wurde von dem Wunsche diktiert, die Bestim­mungen des Vertrages von Versailles mit

lden Erfordernissen des deutschen Wechsel­kurses in Einklang zu bringen. In Anbetracht der Haltung, die die deutsche Regierung in dieser Angelegenheit einnehmen zu müssen glaubt, und in Anbetracht ihrer Verfehlungen gegenüber den Verpflichtungen de« Vertrages, die aus dem Artikel 235 herrühren, sieht sich die Reparationskommiffion gezwungen, die Vollmacht auszuüben, die ihr der Vertrag gibt und die Ablieferung eines Betrages von einer Milliarde Goldmark an die Repara- tionskommisfion bis zum 30. 4. spatesten« an die Bank von Frankreich zu verlangen. Die Reparationskommiffion kann die Beziehungen der deutschen Regierung zu der Reichsbank nicht zur Debatte stellen, denn sie hat die Gewißheit, daß die Reichsregierung, wenn sie den guten Willen hat darauf zurückzugreifen, auch die Mittel hat, dem Verlangen der Reparationskommiffion zu entsprechen.

gez. Louis Dubois, Sir John Bradbury.

Die Ruhrkohlen-Zechen u. -er 1. Mai.

Ipu. Paris, 25 April. Der Oberste Rat hat die Berichte der Sachverständigen geprüft, welche sich aus die Fortsetzung der Betriebe im Ruhrkoblrnbcrg» bau beziehen, nachdem da» Ruhrgebiet am 1. Mai bc- setzt worden ist. 48 werden keine Schwierigkeiten oder Streik» seitens der Arbeiter erwartet. Mit verschiede­nen Arbeiterverbänden besonder? den polnischen, find bereit« durch Delegierte der Entschädigungrkommission »nd der alliierten Besatzung»behörden derhalb Besprech­ungen geführt worden. Diese Arbeitervertrkter er« klärten sich bereit, dafür «inzutreten, daß die Berg­werke ihren Betrieb fortsetzen, selbst wenn einzelne Zechenbesitzer sich weigern sollten, die Betriebe unter der Kontrolle der Alliierten weiter arbeiten zu lassen. Er ist den Arbeiterführern zu,«sagt worden, daß die Zechen militärisch besetzt werden, um die Arbeiter zx beschützen. Der Oberste Rat hat dem Bckatzungr- kommandanten den Auftrag erteilt, streikende Arbeiter man hinreichenden Ersatz au» Polen holen. Die Entent« wird eine besondere Versorguxg der Ruhrberg- arbeiter mit Lebensmitteln in die Wege leiten. Diese Lehensmittel werden au? dem linksrheinischen Gebiet und au» Frankreich und Belgien herbeigeführt werden. Weiter wird vorgesehen, daß in jedem Zechebüro ein Kontrollrat der Alliierten sitzt, der durch eine Arbeiter- kontrollkommilsion der Zeche unterstützt wird. In Essen, Duisburg, Düsseldorf und Köln werden beson­dere Verkaufsbüro» der Entente eingerichtet, die zu- nächst die Quantitäten der von der Industrie und der Kohlenförderung täglich zum versand bereit zu stellen­den Produkte kontrollieren und diese Berichte nach den Hauptbüros in Koblenz und Mainz senden, wo man über die Verwendung der Produkte beschließen wird. Man hat in de« beteiligten Kreisen in Pari» die Hoffnung, daß die Entente - Verkaufsstellen große Mengen Kohlen und Eisenprodukte nach Italien uad der Schwciz .wird absctzeu können. Die Koblentrans- porte auf dem Rhein nach den Seehäfen hofft man bedeutend au»;udehnen. Fall» Deutschland Kohlen aus dem Ruhrgebiet kaufen will, so muß e8 diese von der Entente beziehen. E» wird angenommen, daß die süddeutschen Staaten sich zu bieiem Schritt am ersten genötigt sehen. In Oberschlesicn sind ähnliche Be­stimmungen getroffen worden. Dort werden die Kom- uiissioncn der Entente durch polnische Sachverständige ergänzt, die besonder» die Schwierigkeiten mit den Arbeitern lösen müssen. Im übrigen erwarten die Mitglieder der EntschädigungSkommission in Pari», daß die Besitzung de« RuhrgebirteS und Oberschlesien-, nachdem sie beider jetzigen Zusammenkunft der Entente- sachverständigen in England beschlossen ist, sofort durchgefüdrt wird. Jedenfall« sei der 1. Mai als letzter Termin zu betrachten.

Der Temps fordert die Pfandnahm«.

ParkS, 25. April. DerTempS" sitzt in seinem heutigen Leitartikel auSeinanber, daß die Restschuld von 12 Milliarden Goldmark aus Art. 235 der Friedent- vcrtrages sichergestellt werden müsse, und daß diese Operation in keiner Weise von der Zahl der Milliarden abhänge, die die Geiamtschuld Deutschlands ausmache, und nicht von der Zähl der Zahre, die man Deutsch­land zur Begleichung bewilligen werde. Der Vertrag fegte fest, daß die gesamte Summe von den Alliierten gefordert werden könne in der Erwartung der end­gültigen Festsetzung ihrer Forderung. Wenn also die Alliierten nicht die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sich in kürzester Zeit den Restbetrag der 20 Milli­arden Goldmark zu sichern, dann wäre festgestellt, daß Deutschland davon befreit fei, die von ihm unter» zeichneten Verpflichtungen zu erfüllen, selbst wenn der Betrag seiner Schuldsumme und der Zeitpunkt bei Verfalls genau bestimmt werde. Deshalb könne da« Reparationsproblem seine sriedlichc Lösung mehr finden, denn diese beruhe auf Verpflichtungen. Jeder könne sich dann also schadlos halten, wie er wolle. Da? Blatt (laubt also, daß das einzige Mittel, in kürzester Zeit zur Deckung der Schuld zu gelangen, die Pfanbnabme lei Diese« Pfand werde da» Rudrgebict fein. Der TtNipL" sagt ferner, die Reparationrkommlssion habe allein da« Recht, Deutschland den Gesamtbetrag feiner Verpflichtungen zu notifizieren. Dar müsse spätesten? nächsten Sonntag geschehen. Al o keine neue Mit­teilung der deut chen Regierung, ov sie direkt von Berlin ober über den Umweg über Washington komme, dürfe die Arbeit anshalten, die im Begriff stehe, vollendet zu werden. Die deutschen Vorichlâge köliutc» in der jetzigen Stunde sich nur auf die Zahlungsart beziehen. ÖS

wäre absurb, heute festzustellen, welche» die Zahlung»- sähigkeit Deutschland» in 10 ober 20 Jahren fei. Es fei aber auch gefährlich, sich für eine zu lange Periode zu binden. Der Vertrag febe Progressivität vor und jede definitive Abmachung könne jetzt, wenn man nicht den Vertrag nach dieser Richtung umändere, von Deutsch­land in Frage gestellt werden. Endlich verlangt der Temv»" Garantien, falls Angebote, die Deutschland jetzt unter der Bedrohung mit der Besetzung des Ruhr- gebiete? mache, in seinen Augen nicht mehr Wert hätten al? die Unterschrift des Vertrages von Versailles. Die nächsten D'utschen würden sagen, daß die Unterschritt mit Gewalt erzwungen worden sei, und daß Deutsch­land nur soweit verpflichtet fei, al? «? glaube, die Mitte! dazu zu besitzen. Die heutige Krisi? könne sich also periodisch solange wiederhole«, bi? der Revanche- krieg da sei. Dieser Gefahr dürsten die Alliierten sich nicht aursitzen. DerTemv?" hofft, daß die Ver­einigten Staaten diese Gefahr dadurch verringern würden, daß sie ungenügende deutsche Vorschläge bei­seite schöben.

Die echSdenausstellunge»» der Verbündet««»

Paris, 25. April. Wie betSntranfigeant* mit» teilt, wird die ReparationSkommiksion am Mittwoch eine Plenarsitzung mit den Deutschen abhalten, in der die Umrechnung der Schadenaufstellungen der verbündeten Länder in G oldmark borgen ommcn werden soll. Am Freitag werde die endgültige Rechnung febem einzelnen der ver­bündeten Länder überreicht. Die für jede einzelne Macht festgesetzten Ziffer» entsprächen fast ganz dem Vennittlnng?vlan von Boulogne, wonach Frankrcick mit 52, England mit 22, Belgien mit 8ek rc. beteiligt werden soll.

Die Treue Tirols.

Wien, 25'. April. In de« Aeußerungen der Presst zur Abstimmung in Tirol kommt durchweg zum Aus­druck, daß da? Ergebnis die kühnsten Erwartungen der Anschlußfreunde noch übertroffen hat. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sind von ungefähr 150 000 Stimmberechtigten rund 110 000 Stimmen abgegeben worden, wovon nur 1500 gegen den Anschluß waren; selbst die Annahme, daß die zum Teil vom Schmuggel lebende Bevölkerung der Grenzorte in größter Zahl gegen den Änichiuß Kimmen werde, hat sich als irr» tümsich erwiesen. In Lienz, dem Wahlkreise des Ab­geordneten Schöpfer, eines erklärten Führers der an- schlußgegnerischen Richtung in der christlich-sozialen Partei, wurden nur 84 Nein gegen 13500 Ja abge­geben. Da? Gesamtergebnis ist somit als eine nahe­zu einstimmige Kundgebung für den Anschluß zu be­zeichnen,- die auch von der Entente nicht überschen werden kann, sofern mit dem Prinzip des Selbst- bestimmungSrecht? der Völker noch irgend ein ernst­hafter Gedanke verbunden bleiben soll.

Wie«, 25. April. Einer hiesigen Korrespondenz wird aus Innsbruck gemeldet: In den Abendstunden kamen hier zwei mit Fahnen geschmückte Auto» aus Mittenwalde an, in dem Studenten saßen, welche ent­lang der tirolisch-bayerischen Grenze die Grenzpfähsi auSgerissen und nach Innsbruck gebracht hatten. Auch bei Rentte und Kufstein sind die Grenzpfähle nieber» gelegt. Eine große Menge folgte den Auto» und brachte fortgesetzt stürmische Heilrufe auf Deutschland aus. Unter der Absingung nationaler Lieder wurde« die Grenzpfähle durch die Stadt geführt.

Innsbruck, 25. April. Die Blätter melden über die Bozener Vorfälle. Anläßlich eines Trachtenum- iU|Cl, der jeder politischen Absicht entbehrte, drängten sich FaSzisten gewaltsam in den Zug. AlS die Teil­nehmer dc» Zuge» versuchten, die Störenfriede heraus» ;üdrän»en, Warfen die Fatzzisten mitgebrachte Bomben auf die Teilnehmer und schossen auf sie. Die Teil- nebmer am Zuge waren vollständig überrascht und konnten sich nicht wehren, weil sie unbewaffnet waren. Ein Oberlehrer wurde getötet; der Unglückliche wollte dem Tumult mit feinem Kiude durch Flucht entgehen, wurde jedoch durch nachgesandte Schüsse getroffen. Mili­tär stellte die Ordnung wieder her. Kein FaSzist ist bisher verhüttet worden. Die Faszistex reiften mit dem nächsten Zug ab; sie schossen aus den Eisenbahn­wagen noch auf die auf dem Bahnhof befindlichen Personen und verletzte« mehrere davon. Der deutsche Verband für Südtirol richtete eine Beschwerde an den Generalkommissar Credaro, der für die Vorgänge ver­antwortlich gemacht wird, da er angeblich von der Absicht der FaSzisten wußte. Die Bürgerschatt ant» worlete auf die Gewalttaten vorläufig mit dem AuS- ftaube aller öffentlichen VerkehrSangrstellten. Nach Wiener Blättcrmcldungen erlagen drei weitere Personen ihren Verletzungen.

Grütze des Detttschc« Reichstage«.

Berlin, 25. April. An die Landesversammlung Innsbruck ist folgende? Telegramm gerichtet worden:

®nreut und begeistert box dem glänzenden Er­gebnis der gestrigen Volksabstimmung sendet der Deutsche Reichstag der Landesversammlung in Tirol brüderlichen Gruß und die Versicherung herzlichsten Gemeinschaftsgefühls. Der Gedanke der Volksgemein­schaft findet in unseren Herzen lebhaften Widerhall, gez. Löbe, Präsident des ReichrtageS.

(Im übrigen verweilen wir auf die Eröffnungs­ansprache Lèbe» im Reich»tag. D. Red.)

Zum englischen Kohlcnftreik. Der Boll, zugsaurschuß bet nationalen Vereinigung der Eisen- bahnet verständigte seine Mitglieder dahin, daß sie während der schwebenden Verhandlungen zur Beilegung »e» KohlcxstrcikS weder Kohlen von den Bergwerk»- lagern, noch vom Au»laud emgeführte Kohle« beför­dern sollen.

Weiter« politische Nachrichten Seite 4-