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General-Anzeiger

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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Indermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil ] RichardSultsch: für lokalen und provinziellen Teil j sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen unM Reklamen August Brodt. alle in Hanau am Main. i Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanau. 1 Fernivrechanschlülle Nr. 1237 und 1238. I

Str. 91

Mittwoch den 20. April »iW>MBMMWIMMmil>nl I WMiWIllll WrfltHnM

1921

Das Neueste.

Die Zollgrenze am Rhein ist vergangene Nacht in Kraft getreten.

Alle Verbandsregierungen haben die englische davon verständigt, daß sic entschlossen sind, die Aus­fuhrabgabe einzuführen.

Briand und Foch werden Ende der Woche eine Begegnung mit Lloyd George in Hythe haben.

Die Meldung, daß Bayern eine Note. der französischen Negierung, die Anschlußfrage in Tirol betreffend, erhalten habe, wird amtlich dementiert.

Die Attentäter auf die Berliner Siegessäule sind gestern abgeurteilt worden.

Die Beisetzung unserer Kaiserin.

; .Des deutschen Volkes Gedanken weilten gestern in Potsdam. Es hieß nicht: für oder gegen die Monarchie, für oder gegen die Hohe-r- z-ollern, es hieß unter allen Deutschen von Ge­sittung und Gesinnung narr: für unsere Kaiserin. Die reiche Saat an Liebe und Wohlwollen, die sie länger als ein Menschenalter ins deutsche Volk gestreut, ist aufgegangen und unaufhaltsam flutete gestern, wie uns berichtet wird, der Strom verehrungsvoller Trauer nach Potsdam, der Entschlafenen die letzten Ehren zu erweisen.

Ueber den Verkauf der Beisetzung erhalten wir folgenden Bericht:

Am Dienstag vormittag fand unter großen äußeren Ehrungen und unter der Teilnahme von über 50 000 Leidtragenden die Beisetzung der Kaiserin in Potsdam statt. Bei herrlichem Sonnenschein versammelten sich kurz nach 8 Uhr

die Teilnehmer an dem Trauer-UAe

auf dem freien Platz vor dem Bahnhof Wild­park. Während die Hofdamen sich auf der west- Wen erraffe des Reuen è^kMKWWMM um dann bis zum Antiken Tempel dem Zuge zu folgen, vereinigten sich die ehemaligem General- adjutanten und Flügeladjutanten des Kaisers, die Hofbeamten und Offiziersabordnungen am BMnhof Wildpark. Unter den eheiraLgen Wür­denträgern sah man den früheren Staatsminister v. Lin d e q u ist, den früheren Ge-wraladju- tanten v. P l e s s e n. Generädsutallten vv« Heer in gen. Es folgte eine ans 35 Vertre­tern der einzelnen Konfessionen bestehende De­putation der Geistlichkeit. Um 954 Uhr langte, von stürmischen Hochrufen begrüßt, Feld­marschall V. Hindenburg mit/einem Adju­tanten im Wagen an. Der Feldmarschall trug einen Lorbeerkranz mit der Widmung: ,,F« Treue, Dankbarkeit und Ehrfurcht, v. Hinden­burg." Bald danach kamen auch Admiral v,o n T i r p itz, ^ürft v. W a Ideck-Pyrmont, Prinz Eitel Friedrich. Kurz nach 9' Uhr kam von Berlin der Hofzug an, dem die Generale Ludendorff, Mackensen und Klhck entstiegen. Von Potsdam traf Prinz Sigismund im Auto ein. Die türkische Gesandtschaft hatte einige Herren zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten entsandt. Man bemerkte weiter von deutschen Zürstlichkeiton das G r o ß h e r z o g s p a a r von Mecklenburg, d en F ü r st e n R e u ß, Prinz Heinrich von Preußen und Prinz Friedrich Karl von Hessen.

Fünf Minuten vor %10 Uhr begaben sich die kaiserlichen Prinzen, an der Spitze Prinz Eitel Friedrich, der die Kronprinzessin führte, auf den Fürstenbahnhof, wo Hofprediger D. v. Dr y - ander ein kurzes Gebet sprach. Dann wurde der Sarg von acht Offizieren des ehemaligen KürassierregimentsKönigin" und des Füsilier- RegimentsKönigin" Nr. 86 aus dem Wagen gehoben und zu dem auf dem Vorplatz harren­den Leichenwagen gebracht. Die Offiziere eskor­tierten, während die anwesenden Beamten und die Geistlichkeit die Häupter entblößten. Darauf traten die Offiziere der ehemaligen Leibregi-, menter an die Pferde, und diè Aufstellung des Zuges begann. Mit dem Glockenschlag 954 Uhr setzte sich

der Trauekzug in Bewegung,

nachdem kurz vorher die Kranzträger mit den Kränzen der deutschen Fürsten vroangegangen

. waren, .Den Trauerzug eröffnete die Geistlichkeit unter Vorantritt des Oberhofpredigers D. b o n Dryander. Dann folgten die Abordnungen der RegimenterKönigin" unter Führung der letzten Kommandanten Oberst von Hahnke und Oberstleutnant von Moltke. Hierauf folgten die Insignien, denen freilich die Koon« der Kaiserin fehlte. Als Träger der Insignien fun­gierten die Ritter des Schwarzen Adlero-rdeniZ General von Falkenhayn, Klammerherr von Win- terfeldt und Kammerherr v. Spitzenberg. Dann kamdervierspännigeLeichenwagen. Die vier Trakehner Rappen waren nach dem alten Hofzeremoniell mit schlichten schwarzen

Decken umhängt. Auf dem Leichenwagen stand der Sarg, überdeckt von einer großen lila Samt­decke, die auf allen vier Seiten die goldgestickte Kaiserkrone zeigte. Hinter dem Sarge schritten Prinz Eitel Friedrich in großer Uniform und die Kronprinzessin, die tiefe Trauer angelegt hatte. Es folgten die übrigen Prinzen, die Kin­der des Kronprinzenpaares und di« Fürstlich­keiten. Zur Seite des Leichenwagens schritten die Ritter des Schwarzen Adlerordens General von Löwenfeld, Generaloberst v. Lyncker, Staats­minister a. $> v. Breitenbach und Staatsminister a. D. Dr. v. Delbrück, die die Zipfel des Lei­chentuches trugen. Dann folgten die ehemaligen Generaladtntanten des Kaisers, die" Generale ä la suite und die Flügeladjutanten. In langem Zuge folgten sodann die Hofbeamten und die Geistlichkeit. An der Spitze der letzten Abord­nung schritten Feldmarschall v. Hindenburg, ihm zur Seite General Ludendorff und Feldmarschall ». Mânsen- Ten Schluß bildeten Deputationen früherer Garderegimenter.

Kurz nach 5410 Uhr passierte der L-eichenzug di« Viktoriastraße und bog sodann durch das große eiserne Tor in den Park des Neuen Pa­lais ein. Die Reihe der fürstlichen Trauergüst« eröffnete der früher« König von Sachsen. Es folgten der Großherzog von Baden, Prinz Friedrich Karl von Hessen, der Fürst von Schaumburg-Lippe und andere Fürstlichkeiten.

Das Trauer-Spalier.

Zu beiden Seiten der von der Viktoriastraße zum Neuen Palais führenden Maßen Avenue standen die vaterländischen und nationalen Ver­eine, unter ihnen derBund der Aufrechten", derVerband nationalgesinnter Soldaten", der AchUtz- gnd Tlubburd", dieNationale^anf- mäknische und Arbeitervereinignug", Innungen, Sportvereine, Kirchenvereine, Schivestemorganl- satioen und Sanitütstolannen mit ihren Fah­nen Daun folgten Vertreter der Deutsch natio­nalen und der Deutschen Volkspartei. Diesen schlossen sich längs der Avenue, bis zum Palais Schulen und Jugendorganisationen an, diesen gegenüber standen die Studentenkorporationen der Berliner Hochschulen. Auf der Terrasse des Neuen Palais standen geladene Gäste, ehemalige Mitglieder des Hofstaates,, der Hofbeamtenschaft sowie der nationalen Frauen- und Hausfrauen- vereine. In der Mitte vor dem Palais waren sämtliche Chargierte bei Korps und Verbin­dungen in uniformiertem Wichs und Bannern ausgestellt. Aus der anderen Seite des Weges mit der Front nach dem Schloß standen in langer Reihe Kriegervereiae mit ihren Fahnen. Von der Nordecke des Palais am Rosengarten entlang bis zum Antiken Tempel standen die ehemaligen Offiziere der früheren Garderegi­menter fowA zahlreicher chemaligsr Truppen- teite. Die große Fontäne auf dem Platze vor dem Palais war seit längerer Zeit wieder zum ersten Male in Betrieb. Auf dem Nordflügel sah man unter den dort Versammelten den^-Chef der Heeresleitung General von Seeckt, den Ge­neral von Plüskow, die bekannte Figur aus der alten Potsdamer Hofgesellschaft, ferner den Freiherrn o. Leisner als Rittmeister der- nizshusaren Unter den Offiziersobordnungen fiel neben anderen der Sänger und Schauspieler Karl Clewing als Dragoner-Oberleutnant auf.

Um ^10 Uhr wurde die Spitze dès Leichen­zuges in der Großen Avenue sichtbar. Von fern sah man die Fahnen der spalierbildenden Ver­bände grüßend sich neigen. Nach wenigen Mi­nuten erreicht« die Spitze des Trauerzuges das Neue Palais. Hüben, und drüben senkten sich die umflorten Banner und Standarten in lautlosem Schweigen. Entblößten Hauptes empfing die Menge den Trauerzug.

Am Antiken Tempel.

an beffen Portal eine Mache von ehemaligen Offizieren des 1. Gardei«giments zu Fnß in Friedensuniform mit der historischen. Grenadier­mütze ausgestellt war, hielt der Leichenwagen un­mittelbar . vor der Treppe. Die kaiserliche Die­nerschaft hob den schmucklosen, mit rotem Samt überdeckten Eichen sarg vom Wagen unb trug ihn in den Tempel, wo dann auf dem schwarz aus-, geschlagenen Podium die Aufbahrung der Lciä>e erfolgte. Als der Sarg über die Schwelle des Mausoleums getragen war, intonierte der Dom­chor:Ich weiß, daß mein Erlöser» lebt." Die Prinzen und Prinzessinnen sowie die übrigen Fürstlichkeiten warteten vor dem Antiken Tem­pel. bis dieÄufbahruna der Leiche beendet war. Dann heiraten sie den Raum. Die Setreinbe stimmte gleich darauf den Choral an: ^JesuS meine Zuversicht" Es folgte ein kurzes Gebet und eine kleine Rede des OberhofpMigers D. v. Dryander. Nach dem Segen schloß der Dom­

chor mit dem Choral:Es ist ein Ruhetag vor­handen, da uns Gott wird lösen" die Feier­lichkeit.

Während der Beisetzung^feierlichkeit kreuz­ten in geringer Höhe über dem Neuen Palais zwei Flugzeug«, an- deren Tragflächen lange Trauerwimpel angebracht waren.

Der Dank deS Kaisers.

Poi^^am, 19. April. Prinz Eitel Friedrich er­läßt im imen des Kaiser? eine Kundgebung, in der er allen denen, die ihre Mittraner an dem Verluste bezeugt haben, der das frühere königliche Haus be­troffen hat, tiefempfundenen Dank übermittelt. Es heißt darin:

Wir schöpfen hieraus Trost und hoffen, daß das vorbildliche Wirken dieser treuen deutschen Frau, die als LandeSniuttcr alle mit der gleichen, nie versagenden Liebe wie ihre eigenen Kinder umfaßt hat und niemals in ihrem selsenfehenGottvertranen wie in ihrer beißen Liebe zur Heimat irre geworden ist, nicht nur in den Herzen ihrer nächsten Angehörigen, sondern auch in denen vieler anderer Dentschcr fortleben wird.

Das preußische Kabinett.

LautDeutscher Allgemeiner Zeitung" gehen die Bemühungen Etegermalds dahin, in Preußen ein Mindertzeitskabinett lediglich aus Zentrum und Demokraten zu schaffen und für bestimmte Fachministerien Fachleute in Aussicht zu nehmen. Zentrum und Demo­kraten hätten sich mit diesem Plan einver­standen erklärt. Es werde nunmehr auch mit der Sozialdemokratie und der Deutschen Volkspartei verhandelt, die einem solchen Kabinett zum mindesten wohlwollende Neu­tralität sichern sollen. Die Bildung des Kabinetts fei im Großen und Ganzen voll­zogen. DerSokal-Anzeiger" nennt bereits einige Namen der MinistsrUste. Das Ministe­rium des Innern sei dem Führer der Demo­kratischen Fraktion, Oberbürgermeister Domi­nicus, angeboten worden. Das Handels­ministerium solle Fischbeck behalten. Für das Finanzministerulm sei entweder der Ministerialdirektors Robis oder ein links gerichteter ehemaliger Minister, der als Fach­mann gilt, in Aussicht genommen. Als Land­wirtschaftsminister wird Staatssekretär Warmbold, als Kultusminister Staats­sekretär Professor Becker genannt.

Der Goldraud.

Paris, 19. April. (HavaStz Die ReyarativnS kommission bat an die deutsche Kriegslastenkommiisiozi eine Note gerichtet, welche bis zum 1. Mai die Ueber« führung Goldbestandes der Reich»bank in das be­setzte Gebiet fordert. Falls Deutschland diese Forde­rung des Reparationsausschuffes ablehnen sollte, würde sich derselbe «ezwungen sehen, von Dcittschland die soförtige Herausgabe des gesamten Goldbestandes zu forderu. Gerade um die schwerwiegenden Folgen einer solchen Herausgabe zu vermeiden, hat der R-parationS- äusfä sich entschlossen, Nur die Uebersäbning der Goldbestände in die ReichsbaukiteÜen in Köln und Koblenz zu veilangen. Der Reparationsausschuß er« wartet die Antwort der icutschen Kriegslastenkommission bis zum 22. April.

(Wir verweisen auf unsere gestrige Anmerkung, daß von deuischcr Seite der hier gestellten Forderungen unter kciucn Umständen entsprochen werden kann, denn es würde das nach der militäriichen WehrloSmachung auch die völlige wirtsctiaftliche Wehrlos- machung bedeuten, um unsere Hilslosigkcit zu vollenden. D. N-d.>

Der Goldbestand der Reichrbant und die Entente.

Gegenüber der Forderung der Reparations­kommission auf Ueberführung des Eoldbestandes in das besetzte Gebiet bezw. Aushändigung des Goldbestandes weisen die Blätter erneut darauf­hin, daß die Reichsbank ein reines Prioat- untemehmen fei. Die Wegnahme des Goldes würde gegen den Grundsatz der Unverletzlichkeit des Privateigenlums verstoßen. In einer Unterredung mit einem Vertreter desB. T." bezeichnete Reichrbankpräsident Havenstein die Erfüllung der Forderung nach Auslieferung des Goldbestandes als eine völlige Unmöglichkeit. Sie würze die Vernichtung unserer Valuta und unserer Wirtschaft zur Folge haben.

Aus dem Reichshaushatt.

Berlin, 19. April. <Prw.-TcI.) Dem Reichstag ging ein llebcrbOcf über ben RcichSbauttalt für das Rcchnun'tjabr 1921 zu. Darnach schließt der erbeut« hebe Hansdalt in Einnahme und Ausgabe mit 46 945 2 2 uol Mark ab. ES ist die» gegen die Summe des VorjabrS einschließlich der noch zu erroar« !enden Nachtrages ein Mehr von 2 485 567 674 Mark. Einen Ueber schuß, errette von-den Belricbevcrwaltnn- geu nur die Reichst nane« nur 3,2 Millionen Mark. Die Ne ichs post-, und Teleg r a pdc nv cr- waltu.ng bcan pruAt einen Z u s chu ß von 1 * 4"i 5^2 630 Mark. Die RRchSciien bahnen von 9 223 834 100 Diart. Ferner werben durch Itr« 115 bung der Beamtengebâlter, der Pensionen unb KlrbciterlöJiie noch etwa 2,5 Milliarden ruacfchossen

werden müssen. Die Einnahmen aus Zöllen und Steuern bewegen sich bei fast allen Abgabezweigen in den letzten Monaten ix steigender Richtung, nur bei den Besitzsteuern infolge der Schwierigkeiten der Er- Hebungsgeschäfte sind Ausfälle größeren Umfange? ent­standen. Man hofft, im Rechnungsjahr 1921 die Schwierigkeiten überwunden zu haben. Die fortdauern­den Ausgaben beanspruchen ein Mehr von 5916 Millionen Mark. Durch Verringerung bei Beamten« körpers, sowie durch Verminderung der SachanSgaben werden Ersparniffe erwartet. Zur Deckung bei im ordentlichen Haushalt sich ergebenden Mehrausgaben sollen die bestehenden Steuern erhöbt, neue Steuern eiwgefübrt und die Eisenbahntariftätze erhöbt werden. Bei dem außerordentlichen HauShaltSetat werden 43 Milliarden 667 Mill. 104 368 Mark, gegen 1920 10 867 946 231 Mark weniger angeforbert.

Derurtettuna der Attenläler auf die Siegessäule.

Berlin, 19. April. Nach einftünbiger Beratung wurde gegen die des Dynamitattentat» auf bie Sieges­säule beschuldigten Personen das Urteil gefällt. Die Angeklagten Baumbach, Lemke itnb Wolf wurden wegen mangelnden Beweises freigefprochen. Die An­geklagten Kranz und Kaminski wurden wegen Ver­gehens gegen die Verordnung betreffend Waffenbesitz zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden bei Verbrechen» gegen das Spreng« rtoffgeieb in Tateinheit mit Hochverrat unb teils des Vergehens gegen die oben genannte Verordnung für schuldig befunden. Es erhielten Merdon, Hannemann, SchurfchinSki und Möhring je 6 Jahre 4 Monate Zuchthaus, MöbeS und Neumann je 6 Jahre Zucht­haus. Die sechs Letztgenannten wurden ferner zu je 10 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Die beschlagnahmten Waffen, Munition und Sprengstoff usw. werden eht« gezogen. In der Begründung deS Urteils wird aus, geführt, daß das Gericht annahm, daß feie Spitzel« aftentat, sondern ein ernsthaftes Attentat gegen die t Siegessäule vorliege, 31t dem sich bie Angeklagten unter Anwendung von Sprengstoff ueraarebeten. Das Attentat stehe in Verbindung mit dem Aufruhr in Mitteldeutschland, was aus dem Ausspruch Ferry« hervorgehe, daß bie revolutionäre Bewegung einen Anstoß bekommen müsse und ferner daraus fietöor« gehe, daß der -Sprengstoff aus dem Mansfeldischen stamme, dem Zentrum der Aufruhrbewegiing. Die Angeklagten wollten den Auftakt geben zu einem Auf­ruhr in Berlin unb wollten, daß die Verfaffung des Deutschen Reiches gewaltsam geändert werde, womit sie gegen § 31 des Strafgesetzbuches verstoßen^haben. Die Strafe grüßte nach § 6 de? SprcngsioffgesetzeS bemessen werden, das eine höhere Strafe vorsieht.

Politische Tagesberichte.

- Neue Kommunrstenverhaftungen. 35 Berlin wurden vier Kommunisten verhaftet, die im Verdacht stehen, an dem mißlungenen An­schlag auf die Charlottenburger Eisenbahnbrücke beteiligt gewesen zu sein. Ferner wurde der Redakteur, derRoten Fahne" Talheimer ver. haftet. In einem Hotel in Mansfeld ent­deckte bie Polizei eine Falfchmünzerwerkstatt, die die Leiter der kommuMischèn ÄufrUhrbewegurtg hergestellt hatten. Es wurden Platten und Maschinen zur Herstellung salfcher Fünfzigmark- scheine beschlagnahmt. Bisher konnten fünf von den Falschmünzern verhaftet werden.

Hölz legt ein teilweises Geständnis al Max Hölz hat ein teilweises Geständnis abgelegt. Er hat 17 Einzelsällc von Verbrechen öffentlicher Gewalt« tätigkeiten zugegeben, die größtenlcilS im MajiSfelder R-vi-r verübt worden sind. Er bestreitet aber all- übrigen ihm zur Last gelegten Verbuchen bei Raubes und der Aufforderung zum Mord, ebenso ver Teilnahme an dem Attentat auf bie Berliner Siegessäule. Bon der Staatsanwaltschaft sind gegen 19 Kommunisten« führet der letzten Aufstandsbewegung Haftbefehle er­lassen worden.

Gefahr für Oberschleßen. , DieHam­burger Nachrichten" melden aus Kopenhagen: Der Pariser Korrespondent derBerlinski Tioende" meldet: In der oberschlesischen Frage herrscht heute leine volle Einstimmigkeit unter den Alliierten. England und Italien scheinen der deutschen Forderung, das Land zu behalten, günstig gesinnt zu sein, während Frankreich unter Hinweis auf die Bestimmungen des Fr edenr- vertrage, die Forderung Polens stützt, denjenigen Teil des Landes zu erhalten, der eine polnische Mehrheit o'Eweist. Es gilt als wahrscheinlich, daß der Borsch ag angenommen werden soll, wonach Deutschland .as Land westlich der Ovâ erhal- ten soll, während im übrigen Teil mit der In« dustrie und den Bergwerken Autonomie unter internationaler Kontrolle ringeführt wird. Dies soll als Kompromiß vorgeschlagen werden. Der Rat wird voraussichtlich am 15. Mai in Ost­ende. zusammentreten.

- Per Lohenzollernver-leich. Wie bei B. T." melbet, h«t bat preußische Finanzministerium dem Kabinett ben Antrag unterbreitet, den bekannten Vergleich mit Den Hohenzoli-rn über bie Vermögens' aulcmauberjcfcung vom Jahre 1920 aufzuhebcu.

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