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General-Anzeiger
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Nr. 89
Montag den 18. Avril
1921
Das Renesitz.
— Der internationale Transvortarbeiterkongretz wird heute in Genf eröffnet werden. Die Tagung dürfte acht Tage dauern.
- Der polnische Reichstag hat den russisch- polnischen Friedensvertrag ratifiziert.
— Für dâs franz, erste Armeekorps wurden jwei I^resklassen einberufen.
- Der frühere Bischof von Metz, Dr. Willibrodt Lenzler, ist in Baden-Baden im Alter von 68 Jahren gestorben.
- Aus verschiedenen Teilen Frankreichs wird zum Teil starker Schneefall gemeldet.
Luthergeisk.
Tretet in Ehrfurcht und Andacht, in Hingabe und Liebe vor den „Propheten der Deutschen"? Zum 400. Male jährt sich heute der große Tag von Worms, der Tag an dem Luther der Deutscheste von allen Deutschen, der unerschrockene Herold eines freien Geistes und Gewissens, der sieghafte Anwalt' der Wahrheit vor Kaiser und Reich ein heldenhafter Bekenntnis ablegte und das leutsche Gewissenso gewaltig in die Schanze yarf, daß die alte, mittelalterliche Kirchenwelt zarüber in Stücke brach. In Ehrfurcht wenden mir heute unsere Blicke zurück in jene Zeit, chauen empor zu dem Helden von Worms, der ich für die Hoffnungen, die er durch sein Auf- ireten in seinem Volke erweckt hatte, verantwortlich fühlte und darum sich in die Bresche gegen die seinem Volke feindlichen Gewalten warf mit dem feierlichen Gelöbnis „Weil ich dem Dienste, best ich meinem Deutschland schuldig bin, mich nicht entziehen darf". Aus Liebe zu seiner gequälten und der Erlösung harrenden on!
Wahrlich eine heroische Tat, die bis auf den heutigen Tag ihre Wirkung ausgelöst hat und die heute in ihrer ganzen Größe von neuem vor uns auffteigt. Es war eine große Zeit. Seehelden der pyrenäischen Halbinsel gingen daran, in Ostindien und in der neuen Welt, in Amerika, die ersten großen Kolonialreiche zu begründen. Eine glänzende Auferstehung von Kunst und Wissenschaft hielt die Geister im Bann. Aber zugleich galt die verwegene Betrügerei und der gewalttätige erbärmliche Mord als das beste Mittel, um Land und Leute zu knechten, war Religion, Sittlichkeit und Christentum mitten in einer abergläubigen umnachteten Bevölkerung zu einer Maschinerie geworden, die die Herzen "falt ließ und dem Geschäft diente. In dieser Zeit, die wie ein zweiter Chaos gärte, die aber eben darum schöpferisch war wie kaum eine zweite, ist die deutsche Nation mit einem einzigen. Mann eingetreten, der auf dem Gebiet der religiösen, sittlichen, kulturellen und geistigen Entwicklung ihr Kompaß und Leitstern wurde. Seine Feuer zündeten in Deutschland, in der Welt. Und als der dreißigjährige Krieg und bann die napoleonischen Weltmachtspläne das deutsche Volk zu Boden gedrückt hatten, ist es in beiden Fällen am Luthergeist, -ernst und -gewissen erstarkt und genesen.
Heute leben wir wieder in einer Zeit, wo rine in blindem Haß sich selbst zerstörende Kulturwelt unserem ganzen deutschen Volke Vernichtung indroht wie einst das Mittelalter Martin Luther. Sollten wir da eigentlich nicht recht empfinden, welch Ungeheures, Grundlegendes, Erhabenes es um das G e w i s s e n ist? Luthers Tat lag hinter ihm. Er galt, zu ihr sich zu bekennen. Größe zeigt sich nicht nur im Handeln, iondern noch stärker in der Verantwortung. Luther besaß diese Größe. „Weil wieder das Lewissen zu handeln nicht sicher und nicht lauter sei", verweigerte er den Widerruf und warf den maßgebenden Mächten seiner Zeit den Fehdehandschuh ins Gesicht. Luthergeist ! Beseelt uns dieser Geist noch heute? Nein! Wir haben ihn verleugnet, haben wieder unser Gewissen gehandelt! Wir sind nicht wie Luther es uns gelehrt hat, ein Volk des Gewissens gewesen, das allen Stürmen trotzt — wir haben den Mut zum Durchhalten .im „Sturm- gebraus" verloren und haben ein Schuldbekenntnis ausgesprochen, an das wi^ nicht glauben. O, daß am heutigen Tage, das deutsche Volk nicht bloß flüchtig einmal empor- jchaue zu dem Helden von Worms, sondern daß es tief und herzensgründig sich von seinem Luther wieder mahnen idffe: „Uns Deutsche hat keine Tugend so hoch gerühmt und, wie ich glaube, bisher so hoch erhoben und erhalten, als daß man uns für treue, wahrhajtige, beständige Leute gehalten hat!"
Wir müssen wieder zurückkehren zum Luthergeist; tun wir es nicht, können wir Deutsche uns nicht wieder mit Luthers Ernst, seinem Geist und mutigen. Gewißen erfüllen, dann ist unsere
Zeit abgelaufen, dann senken wir selbst Deutschlands größte Zeit, in der die Quelle auch für unser klaßisches Schrifttum und unsere materielle Größe lag, ins Grab. Nur ein neues Worms, nur Männer und Frauen, die furchtlos und treu, nur auf den Beistand eines reinen Gewißens gestellt, an dem Aufbau und Neubau unseres Volkskörpers ihr Leben setzen, können uns Rettung bringen, Männer und Frauen denen kerniges, frommes und aufrichtiges Deutschtum eigen ist. Gestützt auf solche Personen die, wie Luther, aus den Tiefen einer glaubsns- starken Seele.geborenen Mut finden, sich unerschrocken zu dein zu bekennen, was sie in heißem inneren Ringen erarbeitet haben, kann kein Zweifel bestehen, daß unser Volk einmal wieder frei und froh säen und ernten kann. Der Bann, den haßvolle Feindmächte über Deutschland gesprochen haben, er muß und wird gebrochen werden, wenn wir Deutschen wieder zu Luther zu- rückkekhren, wenn Luthevgeist wieder in uns lebendig wird. Denn aus der inneren Welt müßen die Kräfte aufsteigen, die uns auch nach außen zu Macht und Ehren bringen.
Deshalb deutsches Volk, trete heute in Andacht und Ehrfurcht vor den selben des Gewissens und gelobe vor ihm mit tiefster Inbrunst, daß du seinen Geist nacheifern willst, an der die Gewalt der Erde zuschanden werden «rußte. Zurück zum Luthevgeist! Das ist die beste Hilfe für unser Vaterland; das sei unser freudigster Entschluß am heutigen Tage. R. H.
Die drohenden Maßnahmen gegen Deulfchland.
Paris, 17. April Dem Vernehmen nach haben die militärischen und wirtschaftlichen Sachverständlgen dem -Wnjstexrat einen in allen Einzelheiten ausgearbeiteten Plan unterbreitet, der die Besetzung einiger strategischer Punkte des Ruhrtales, die Beschlagnahme der deutschen Zollämter an der Nordsee und die Aufrechterhaltung der interallierten Kontrolle über die oberschlesischen Kohlengruben vorsteht. Die Meldung, daß Frankreich zu gleicher Zeit an eine Blockierung des Hamburger Hafens denke, schein^sich zu bestätigen. Die französische Regierung ^bt die Hoffnung nicht auf, daß es ihr gelingen wird, alle Alliierten zur Unterstützung in ihrem Vorgehen zu gewinnen, da alle an der Vertragserfüllung durch Deutschland interessiert wären. Man erwartet voller Spannung die nächste Kundgebung Hardings in dieser Angelegenheit. Dem Vernehmen nach legt Frankreich besonderen Wert darauf, daß im Falle weiterer Violationen ein nachhaltiger Druck auf Deutschland durch eine scharfe Beschneidung der zu seinem eigenen Verbrauch aus dem Ruhrgebiet und aus Oberschlesien bezogenen Koh len men gen ausgeübt werde Englands Zustimmung zu einer solchen Maßnahme ist noch nicht erteilt worden. Dem Echo de Paris zufolge schätzt Foch die Streitkräfte, die für den Anfang nötig waren, auf nicht über 50 Prozent der bis zum 1. April im Rheingebiet befindlichen Armeebsstände. Hierfür würde die Einberufung der Klaffen 1918 und 1919 genügen Was die Grenzen des zu besetzenden Gebietes anbelangt, so könnte sich die Besetzung über das eigentliche Ruhrgebiet hinaus, teilweise bis zu den Industriegebieten Westfalens, erstrecken. Loucheur hat den Plan einer weitgehenden Steigerung der Braunkohlenförderung und der industriellen Produktion im Okkupationsgebiet aufgestellt. Nach seinen Berechnungen würden daraus der Reparationskasse jährlich 3 Milliarden Goldmark zufließen.
Der Mat in teilt mit, nach der Auskunft, die er erhalten habe, werde die Zustimmung Deutschlands zum Abkommen von Paris, das verfallen sei, nächst mehr genügen. Die einzige Befriedigung, die neue Zwangsmaßnahmen verhindern körne, sei, daß Deutschland, nachdem es die eine MilliardeGold. die es besitze, her gegeben habe, für die elf anderen fehlenden Milliarden Zahlungen in Waren, in Gold oder in Jndustriebeteiligungen, sowie eine ernste Garantie, wie z. B. die Kontrolle über sämtliche Zollei »nahmen, anbiete.
Aehnlich schreibt der T e m p s. Jetzt könnten nur wirklicke Zahlungen und tatsächliche Bürgschaften in Frage kommen. Die beutle Regierung möge sagen, wieviel sie mahlen wolle in Gold, in Rohstoffen, in ausländischen Werten oder in anderen handelsfähigen Eerensiänden. Teutchland möge für den Rest seiner Schuld ein Beteiligungsspstem an den deutschen Groß- ndvsirien ein Mittel zur Kontrolle und eventuell zur Beschlagnahme der Zolleinnahmen oder
andere praktische Vereinbarungen anbieten, die seinen Gläubigern sichere und realisierbare Pfänder geben. Das könne noch geprüft werden.
Paris, 17. SIpriL Der Abgeordnete Blum schreibt im „Populaire" vom 15. bs„ es habe im Elysee ein wabrer Kriegsrat stattgelunden. Er wurde nicht im (Geheimen abgebalten, sondern offiziell als großes Spektakulnm mit aroßem Geräusch. Gleichzeitig meldeten einige offiziöse Blätter, daß zwei ZabreSklaffen clnberufen wurden. Eine feste Hand werde also nieber« sausen und der Gendarm sich vorwärts bewegen. Man müsse gestehen, daß Poincars el nicht hätte bester machen können. Blum fragt, war bei diesem Abenteuer aut den Reparationen und dem Frieden werde. Die schlimmste Gefahr der Zwangspolitik sei, daß man sich verpflichte, dabei zu beharren. Eine Zwangsmaßnahme ziebe die andere nach sich. Es fei menschlich unmöglich, daß man bis zum Ende dieser Tollheit gehe. Der Wille Frankreich? sei trotz bei Geschreis einer über- regten Presse nicht zweifelhaft. Er wolle den Frieden wie die ganze Welt. Da» Syndikalistenblatt »Peuple" erklärt ebenfalls, es sei unmöglich, durch neue militärische Operationen die dcutiche Politik bezüglich der Reparationen zu ändern. Die beiden Arbeiterklassen seien von dem Gedanken durchdrungen, daß nur ein offenes Spiel die wünschenswerte Lösung bringen könne. Das werde die beiden Parteien einander viel näher bringen als alle kriegerischen Fanfaren.
Frankreich beruft zwei Jahresklaffeu ein
Paris, 18. April. Nach einer Meldung der „Information" au» Lille ist gestern die Einberufung der JabreSklassen 1918'19 deS ersten Armeekorps verfügt worden. Man glaubt, el bandelt sich um eine Uebung. (Die Uebung dürfte jedenfalls einen Be- fetzungscharakter haben. D. Red.)
Der Bandenführer Sölz verhaflet.
Berlin, 16. April. Max Hölz aus dem Vogtlande, der geistige Urheber der diesjährigen Märzunruhen, der Führer der Roten Armee in Mitteldeutschland, der auch unter dem dringen- den Perd achr ftchi, die Berliner Attentate veranlaßt zu haben, wurde in de-r vergangenen Nacht im Westen von Berlin verhaftet.
Berlin, 16. April. Der Polizeipräsident erläßt eine Bekanntmachung, in welcher es heißt:
Der Bandenführer Max Hölz ist festgenommen. Zahlreich sind di« Straftaten, die auf seinem Schuldkonto stehen. Unzweifelhaft war èr die treibende Kraft bei den März-unruhen. Durch Wort und Schrift hat er zu der bewaffneten Gewalt, Tynamitanschlägen und anderen hochverräterischen Unternehmen aufgefordert. Es gilt jetzt, ein lückenloses Bild von dem gemeingefährlichen und volksverderblichen Treiben des Hölz zu erhalten, damit alle Straftaten, deren Holz sich schuldig gemacht hat, ihre gebührende Sübne vor dem Strafrichter finden. Für aufklärende Mitteilungen, die zur Verurteilung des Hölz führen, setze ich eine Beloh-aung von 50 000 Mari aus
(Wir sind gespannt darauf, wie sich diesmal die Kommunisten zu Hölz stellen werden. Bekanntlich hatten die sächsischen Kommunisten seinerzeit nach Begehung der Sâxindtaten im Vootlande die Amnestie für Hölz geforderi. D. Red.)
Berlin. 16. April. Wie die Abendblätter mitteilen, fand int Berliner Polizeipräsidium, wo der verhaftete Max Hölz eingelieferr war, eine Vernehmung des Festgenommenen in Gegenwart des Polizeipräsidenten Richter statt. Der Verhaftete gab zu, Max Hölz ysi sein und fügte hinzu, daß er vorläufig jede weitere Auskunft verweigern müffe. Die Vernehmung wurde daraufhin abgebrochen, aber nach einer halbstündigen Pause fortgesetzt. Das errette Verhör bauert noch an. Laut ..Lokalanzeiger" hat die Staatsanwaltschaft die Absicht. Hölz bereits am kommenden Montag vor das Sondergericht zu stellen und zwar in Gemeinschafl mit dem Urhebern des Anschlages auf die Siegessäule, deren Vrozeß am Montag vor dem Sondergeri<^t beginnt.
Berlin. 17. Avril. Bei bem zweiten Verbör im Voli^eipräsidinm betritt Mor Holt, an dem Berliner Verbrechen irgendwie beteiliat zu fein, wäbrend er einen' Teil anderer Straftaten emräumte. —_Tje Krim'nalvolizci ermittelte gestern da? Gepäck bei Fest- acnommenen. Es bestand nur an? einem Koffer, der anber WO Mark mir Wäschestücke enthielt. Ein zweiter Koffer, der einmi Genossin Hâlr gehört, ent» ielt ebenfalls nur Wäicke unb Kleidungsstücke. Den Blättern infolge wirst Hölz sich meßt gemeinsam mit den Urhebern deS.Anschlages ans die Siegessäule bar dem Sonderoerickt in verantworten haben, sondern el wird gegen ihn ein besonderes Verfahren eingeleitet, wenn das Material über feine Straftaten znsommen- oetraoen sein wird. Hölz wurde gestern nachmittag nach "dem Moabiter UntersuchiiugSgefängni» gebracht.
Die Anschlutzfrage Oestekreichs.
1!9iT:t, 17. April. Heute kand in der LoikSballe te* Rathauses sowie auf dem NatbquSv atz c ne Kund- g thu na der werktätigen Bevölkerung Oesterreichs statt für den Anschlutz an. Deutschland, zÜ der sich dje gewerblichen, utbitimenen und lachtechniichen sowie die!
Studentenschaft und die Mittelschulen eingefunbe hatten. Es wurde eine Entschließung angenommen in der erklärt wird, dckß angesichts der RichtlebeuS- fäbigteit, Oesterreichs nur der Anschluß an Deutschland wirtschaftliche Hilfe bringen könne. Es wird ferner gefordert, daß el dem österreichischen Volk ermöglicht werde, feinen Wunsch auch vor dem Völkerbund zum Ausdruck zu bringen.
Wien, 17. April. Nach der heute vom Arbeit»- auSih-usi der Berufsstände für den Anschluß ax Deutschland veranstalteten Kundgebung, wori« Regierung und Nationalrat aufgefordert werden, sofort alle» zu tun, was zur Anbahnung bei Anschluffe» erforderlich ist, erschien eine gröbere Abordnung beim Bundeskanzler Mayr, der erklärte, daß die Regierung den Weg deS unmittelbaren Anschlusses im gegenwärtige« Augenblick nicht beschreiten könne, da Oesterreich dann keine Kredite bekommen würde, ganz abgesehen davon, daß man Oesterreich den Anschluß an Deutschland garnicht gestatten würde. Auch Deutschland könne gegenwärtig Oesterreichs Anschluß nicht zugeben und nicht wünschen, da el sich selbst in einer furchtbaren Zwangslage befinde. Ich muß daher, fuhr Bundeskanzler Mayr fort, ihren Schritt gegenwärtig all nicht glücklich bezeichnen. Durch einen unbesonnenen Schritt könnte selbst das Burgenland noch verloren gehen und auch das Schicksal Oberschlesiens ungünstig beeinflußt werden. Bedenken Sie auch, daß wir ohne auswärtige H'll- vielleicht schon in zwei Monaten nichts mehr zu eff.-’ haben. Die Regierung muß daher gegenwärtig dringend bitten, wenigstens in den nächsten Wochen von derartigen Kundgebungen abzusehen.
Politische Tagesberichte.
— Protestierende Oberschlefler. Die Vev bände heimattreuer Oberschlefler veranstalteten am Sonntag nachmittag im Berliner Lustgarten eine Riesenkundgebung gegen die beabsichtigte Teilung Oberschlesiens, an der etwa 55000 Personen teilnahmen. Redner aller politischen Parteien traten in zündenden Worten gegen die einseitige Parteinahme Frankreichs und den polnischen Terror auf. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen jene Absicht, einzelne Gebiete Oberschleflens aus ihren seit Menschen, gedenken bestehenden Zusammenhang mit Ober- schlesien und der seit mehr als 700 Jahren bestehenden Zugehörigkeit zu Deutschland herauszureißen, Protest erhoben wird. — Das „Iouryal des Debats" erklärt in einem Leitartikel über die oberschlesische Frage, wenn durch eine be. dauernswerte Verirrung der Oberste Rat Deutschland den Bergwerksbezirk von Oberschlesien zusprechen werde, sei es sicher, das die Bergarbeiter mit Gewalt Widerstand leisten würden. Sie würden von Polen unterstützt, und das wäre dann der Krieg in Mitteleuropa. Der Oberste Rat hätte also dann zugleich eine Ungerechtigkeit begangen und das Chaos geschaffen. Eine derartige Verantwortlichkeit könne er nicht auf sich nehmen.
— Um den ausgeschloffenen Paul Levi. Die Kommunisten Braß, Däumig, Adolf Hoffmann, Klara Zetkin und andere ergreifen in einer Erklärung in der „Roten Fahne" das Wort zur Verteidigung des aus der Kommunistischen Partei ausgeschloffenen Paul Levi und erklären, daß sie die politische Auffaffung Levis über die Märzaktion und das Verhalten der K. P. D. teilen. Die Zentrale habe durch Einleitung der putschistischen Aktion die Partei in schwerste Verwirrung gestürzt. Die Unterzeichner der Erklärung verlangen die schleunigste Einberufung eines außerordentlichen Parteitages, der Stellung zu den umstrittenen Fragen nehmen soll, da sie der Zentrale das politische und moralische Recht absprechen, allein und selbstherlich über die Köpfe der Mitgliederschaft hinweg, über Fragen zu entscheiden, von denen die gesamte Existenz der Partei abhänge. — In einer Gegenerklärung teilt die Zenttale mit, daß sie das gesamte Material über die März, attion der Exekutive der Dritten Jnrernational« unterbreiten wolle, um deren Entscheidung einzuholen. Sobald die Verhältnisie es irgendwie gestalteten, berufe die Zentrale ein Parteitag èin, wenn irgend möglich, noch vor dem dritten Wahlkongreß, der am 1. Juni stattfinde. — In einem Schreiben an die Zentrale der B. K. P. D. hat der aus der Partei ausgeschlossene Levi gegen den Ausschluß'Berufung eingelegt. Die „Rote Fahne" teilt mit, dem Appell werd» Rechnung getragen.
— Eine Abrüstun<iSkvnfcre«z. Nach eine» Rculermeldung aus Washington hat Robert, ein Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, im Repräsentantenhaus eine Ent- schließung ei« geb rächt, in der Präsident Harding aufgefordert wird, Großbritannien, Frank, reich und Jtaliein zu einer Abrüstungskonferenz nach Washington einzuladen. Bis man über die Abrüstung übereingekommen sei, werde es, die Politik des Kongresses sein, daß die Vereinigten Staaten eine Flotte haben, die bet keiner anderen Macht unterlegen ist