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Anzeiger
General-Anzeiger
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FernivreckanichlLlle Nr. 1237 und 1238.
Nr. 84
Diemslag den 12. April
1921
Das Neueste.
— Unsere ehemalige Kaiserin Auguste Viktoria ist gestern früh verstorben. Die Beisetzung findet in Potsdam statt.
— Die Bemühungen StegerwaldS um die vreußische Regierungsbildung haben bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt.
— Der Etat der Reichspost schließt für 1920/21 mit einem Fehlbetrag von 4'/, Milliarden Mk. ab.
— Der „Matin" meldet, daß die deutsche Note über die bessere Bewaffnung der deutschen Sicherheitspolizei « dem Fochschen Gutachten an den Rat der Alliierten abgelehnt wird.
— Dieaußerordentkiche Session des amerik. Kongresse» wurde gestern eröffnet. Heute wird die Botschaft der Präsidenten Harding verlesen werden. . Am Mittwoch beginnen die Debatten.
— In der englischen Streikbewegung scheinen die Perhandlungen einen günstigen AuSgang zu nehmen.
— Die Türke« sollen zu einer neuen Offensive geschritten sein.
Augusta Vikloria -h
Wb. Berlin, 11. April. Aus Haus
* Doorn ist folgendes Telegramm einge- . troffen: „Ihre Majestät die Kaiserin ist heute früh um 6)4 Uhr samst entschlafen." War das Ableben unserer ehemaligen Kaiserin Augnsta Viktoria zwar schon seit Monaten zu erwarten — wir erinnern nur an die im vorigen Jahre eingetretene Krise, die infolge ihrer Schwere ein Wiederauflommen dieser Frau als höchst zweifelhaft erscheinen ließ —, waren wir also gewiffermaßen auf die Trauer- nnde vorbereitet, so ergreift uns dieselbe doch, ^fthdem sie heule hier aus Holland eingetroffen M â Uesem WH, ' "
und Ergriffenheit, das wir empfinde», ist umso größer, als diese Frau, die das deutsche Volk wahrhaft liebte, und die von dem größten Teile Desselben wieder geliebt wurde, nach so harten Schicksalsschlägen in fremdem Lande verschieden ist. Eine „echte deutsche ' Fmu in jedem Sinne, von bescheidener Natur," eine Frau von äußerster „Gerechtigkeitsliebe", wie der Amsterdamer Telegraf die Kaiserin im Jahre 1893 bezeichnet, ist dahingeschieden, eine Fmu, die dem deutschen Volke ein leuchtendes Vorbild war. Der frühere Kultusminister. Bosse hat mit Recht gesagt: „Wer jemals in die treuen, holdseligen, gütigen Augen unserer Kaiserin geschaut hat, der hat erkannt, welch ein Schatz von Güte und Liebe in diesen Augen liegt," und ein schwedischer Bischof hat sein Urteil in den treffenden Worten zusammengefaßt: Das ist eine Frauengestâ die in ihrem sympathischen Wesen, durch jeden Blick, jedes Wort Beweise ablegt für die ihr innewohnende Sicherheit und dem klar- jchauenden Verstand, wie man ihn selten trifft. WeM wik heute auf das nicht sorgenfreie Leben der Verstorbenen zurückbliöken, dann dürfen wir es aussprechen, weil es voll und ganz der Wahrheit entspricht, daß sie eine hingebende treue Gattin, ^ine fürsorgende und gewissenhafte Mutter ihrer Kinder und des Landes gewesen ist, ein Vorbild einer echten deutschen Frau. Durch ihr stilles, vorbildliches, treues Wirken im eigenen Hause wie auch im Volke hatte die Verstorbene sich die Herzen ihres Volkes gewonnen. Barmherzige Liebe hat die Kaiserin geübt, wo immer die Gelegenheit sich bot. Manche Stätte der Not und des Elends hat das stille gesegnete Wirken der Kaiserin dankbar erfahren. Ueberall im Lande fanden wir die segensreichen Spuren der treuen landesmütterlichen Fürsorge der Kaiserin. Wer will sie aufzählen all die Arbeiten barmherziger Menschenliebe, die unter dem Protektorat der Kaiserin standen und die nicht nur ihren Namen trugen, sondern von ihr in tatkräftiger Weise geleitet und gefördert wurden? Am 4. Mai 1906 schrieb die Verstorbene: „Durch das persönliche Bekanntwerden mit der Not lernt man erst ihren Umfang kennen. Das Helfen wird zu einer Pflicht tätiger, versöhnender Liebe, welche mehr als alles andere zum Ausgleich der sozialen Notstände wirksam beitragen kann." Wie ein lichter Sonnenschein zog es durch die Krankenhäuser und Lazarette, wenn sie in ihrer natürlichen Herzensgute sich zwischen den Betten der Kranken und Verwundeten bewegte und liebevolle Worte sprach. Für jeden Einzelnen hatte sie ein liebes Wort, auch kam sie nie mit leeren Händen. Wer es mit eigenen Augen gesehen hat, wie der Artikelschreiber, in wie einfachen, echt menschlichen Formen, in welcher Liebe und Herzensgute, warmer Herzlichkeit und Leutseligkeit der Verkehr der Verstorbenen mit dem Volke, besonders den Armen, Kranken und Verwundeten stattgefunden hat, der kann es beurteilen, was für eine Frau dahingeschteden ist, eine Frau, von der der Kaiser einst mit Stolz gesagt hatn „Sie ist mein
Edelstein, der an meiner Seite glänzt!" Auch im Ausland« hatte sich die Verstorbene überall viel Liebe erworben; ganz besonders im heiligen Lande leuchteten die Augen, wenn von den Besuchen der Kaiserin die Rede war. Ueberall hinterließ sie den tiefen Eindruck, den der Hausvater des syrischen Waisenhauses in Jerusalem schilderte mit den Worten: „Sonnenschein hat sie in jede Stätte gebracht, die sie in Jerusalem betreten hat, Segenswünsche hallten ihr nach, wo immer sie erschien." Die Verstorbene war aber auch ein« fromme, gottesfürchtige Frau. Als ihr bei einer Kirchenweihe von »Abgesandten der Rheinlande eine Bibel überreicht wurde, da nahm sie dieselbe entgegen mit den Worten: „Mst der Bibel, damit stehe ich und damit falle ich, damit fällt unser ganzer Staat, unser ganzes Haus." Dies Wort zeigt uns so recht die Quelle der Kraft und des Segens im Leben und Wirken unserer vormaligen Kaiserin.
Diese wenigen Beispiele genügen, um uns einen Blick tun zu lassen, in das viel bewegte, inhaltsreiche Leben und unermüdliche reich gesegnete Wirken her Verstorbenen, deren Lebensabend weniger dem entsprochen hat, was sie verdient hatte. Ihre Gesundheit hatte unter dem Uebermaß von Pflichten schwer gelitten, sie hatte sich selbst, in ihrer Art, mit Arbeit überlastet, sodaß sie in den Sommertagen bes Jahres 1918 von einem schweren Herzleiden nieder geworfen wurde. Dieses Leiden verschlimmerte sich, als der Zusammenbruch, all die zermürbenden, niederschmetternden Enttäuschungen kamen. Niedergebeugt durch den Ausgang des Krieges und durch den Zusammenbruch Deutschlands, durch den plötzlichen Sturz aus stolzer Höhe, wie in der Erkenntnis, daß das Schicksal ihrer Familie damit besiegelt war, lebte sie in ihrem Seelenschmerz Dahin, Der an ihrem Hevensmart zehrie und schließlich das Ende herbèiführte. R. H.
»
Die Verstorbene wurde am 22. Oktober 1858 in Dölzig, einem Gute ihres Vaters in Brandenburg, nahe an der Grenze Schlesiens gelegen, geboren. Ihre Jugendjahre verlebte sie unter den denkbar bescheidensten Verhältnissen in Prinkenau in Schlesien. Hier lernte sie auch den Gatten, den Prinzen Wilhelm kennen, mit dem sie am 27. Febr. 1881 den Lebensbund schloß. Als das neuvermählte Paar in die Reichshauptstadt unter herzlicher Begrüßung der Bevölkernng einzog. antwortete die Verstorbene: „Dieses Tages will ich stets eingedenk fein und will mich bestreben, die Liebe der Bevölkerung zu erwidern, um ganz derselben anzugehören." Der Ehe entfproßten sechs Sohn« (Kronprinz Wilhelm, geb. h882, Prinzen Eitel Fritz, geb. 1883, Adalbert, geb. 1884, August Wilhelm, geb. 1887, Oskar, geb. 1888, Joachim, geb. 1890, gest. 1920) und eine Tochter (Viktoria Luise, geb. 1892). Sämtliche KkndE des Kaifsrpaâ sind ber$éiraf^ August Wilhelm ist seit 1920 wieder geschieden. Aus diesen Ehen sind insgesamt 17 Enkelkinder hervorgegan cen.
Beisetzung der früheren Kaiserin in Potsdam.
Wie die Blätter melden, waren am "Sterbelager der Kaiserin der frühere Kaiser unb Prinz Adalbert maegen. Die Kaiserin ist bewußtlos in den Sinnen des Prinzen entschlafen. Man erwartet baS Eintreffen bei früheren Kronprinzen in Haus Toorn. Der Kaffer und der Kronprinz werden den Tranerziig bis an die deutsche Grenze geleiten. Prinz Oskar hat sich nach H»llaud begehen, um bie llebersührnug der Leiche der Verstorbenen nach ber Station Wildpark zu leiten. In der Nackt vom Freitag zum Samstag wird die Leiche der Kaiserin in Wildpark eintreffen und dort int Saale bcs Fürstenempfaugsgebäudes anfgebahrt werden. Am SamStag vorniittag ivird dann der Sarg in Gegenwart sämtlicher Mitglieder des Hauses Hoden- zolleru mit Ausnahme des Kaisers und des Kronprinzen nach dem im Park von Sanssouci gelegenen antiken Tempel übergeführt werden, wo die Beisetzung erfolgen wird.
Eine neue englisch-französische Krise?
London, 11. April. Der diplomatische Mitarbeiter bei „Observer" will erfahren haben, daß eine neue englisch-französische Krise in der Frage derMeparation bevorstehen soll; die Franzosen hätten nämlich erklärt, daß sie nach dem 1. Mai zu neuen Sanktionen übergehen werden. Rät einem solchen Schritt würde sich Frankreich noch weiter von feinen Verbündeten ent- fernen. In britischen amtlichen Kreisen trage man sich verblüfft, worauf denn die srauzösiscke Politik abziele. Augenommeu, ein weiteres Stück deutschen Gebietes werden besetzt, angenommen, die Franzosen marschierten nach Berlin, was fei damit gewonnen? Auf diese Frage bleibe Frankreich die Antwort schuldig. Mau sönne sich nur schwer dein Gedanken verschließe», daß Frankreich diese Frage niemals in Erwägung gezogen habe und daher keine Antwort geben könne. Es iei wichtig, daß den Franzosen bie Bolitik klar gemacht werde, die die Towniugstreet. Vorschläge. Die britische Regierung könne nicht verstehen, wie bie Franzosen hofften, die Bezahlung der deutschen Entschädigung
in 20 oder 50 Jahren durch einen Vormarsch nach Berlin zu sichern. Man dürfe nicht vergessen, daß in Bezug auf die Zahlung der fünf ersten, in Paris festgesetzten Jahreszahlung zwischen Deutschland und den Alliierten eine Meinungsverschiedenheit nickt herrsche. Die Deutschen hätte» fünf JahrcSzablungen angenommen. Die Bedingung, die damals dafür gestellt wurde, nämlich daß Oberschlesien ohne Abstimmung (?) an Deutschland geben solle, fei durch die Abbaltung der Abstimmung autgeboben. (Eine solche Bedingung wurde bekanntlich niemals gestellt. D. Red.) Soweit die Reparationen in Betracht kommen, sei die Lage die, daß die oberschlesische Frage anSgeschaltct und unabhängig geregelt werde. Ein anderer wichtiger Punkt, den die französische R-aierung unbedingt in anbetracht der neuen RebarationSkonferenz, die jetzt notwendig sei, verstehen müsse, sei der, Frankreich wolle Geld, England aber wolle Handel. Die englischen Be- hürfmffe seien vitaler als die französischen, solange die britischen Märkte in Europa den Engländern verschlossen seien. Infolge des Bestehens der Franzoken auf militärischen Zwangsmaßnahmen und der daraus folgenden Verwirrung der wirtschaftlichen Beziehungen könne England niemals mit feiner Wiederherstellung beginnen. Nur Offenheit könne die MeinungSver- schiedenheiten zwischen England und Frankreich in der ReparationSfrage überbrücken.
Kein geheimes Abkomme«.
London, 11. Aaril. Die Aaentur Reuter erfährt offiziell. daß die von der „Voisifchen Zeitung* veröffentlichte Nachricht betreffs eine» geheimen Ab- 'ommenS zwischen Frankreich und England in allen Stücken erfunden ist. Ein vollkommene» Uebereinkommen mit Frankreich bilde nach wie vor einen wichtigen Bestandteil der britischen Politik. Es kann jedoch keine Rede von einem geheimen Protokoll fein, durch das Frankreich auf alle Interessen in Rußland nnb den einzelnen Teilen der Osten» verzichtet habe. Es bestehe kein Uebereinkommen dieser Art.
Die Tschecho - Slowakei und die Sanktionen.
Prag, 12. April. Wie die „Vraaer Abendztg." nietet, haben tue dezztschnatiLLalen Sozialen ant eitler Konferenz eine Entschließung angenommen, in der er heißt: Beharrt die Prager Regierung auf der aktiven Hilfe für die Entente bei der Durchführung der „Sanktionen", so wird sie auf den geschloffenen und entschlossenen Widerstand der 3'/, Millionen Deutschen in der Tschecho-Slowakei stoßen. Wir fordern die unbedingte Neutralität in der Frage der .Sanktionen" und werden jedes einseitige Verhalten der Prager Regierung gegen Dentkchland mit allen Mitteln, die in unserer Hand sind, bekämpfen.
Zu den Aeußerungen Dr. Simons.
Ueber das Interview des RcichSministedS Dr. Simons mit einem Matin-Vertreter wird im „Figaro* gefönt: Die Deutschen wollten schärfere Sanktionen, namentlich aber die Besetzung de» RuhrgebieteS, vermeiden. Dr. Simons fühle, daß die Geduld Frankreichs zu Ende sei und er rechne nicht mehr weder aus die Unterstützung Amerikas, noch auf eine Trennung Englands von feinem Verbündeten. DeSlialb such« er Verhandlungen mit Paris über die Wiedergutmachung. Aber solange man rede, werde nicht gebandelt und Frankreich werde von Deutschland weiterhin alr Bankier benutzt.
Der „G a u l o i s* stellt die Frage, ob die einfache Drobung mit militärischen Zwangsmaßnahmen Deutschland vernünftig mache und ob nicht sein angeblicher guter Wille sich durch die Angst erkläre, am Krage» .gepackt zu werden.
In der „ B r o N o u v e l l e * wird gesagt, Dr. Simons habe erkennen lassen, daß er die Ungeduld und Entschlossenheit des französischen öffentlichen Geistes ersaßt habe. Er für seine Person scheine ent- ichlosien zu sein, mit den gewohnten Schikanen der deuticken Diplomatie zu brechen. ES frage sich aber, ob er die nötige Gefolgschaft und den Mut haben werde, seine Ansichten durckzilsetzcn.
„P e n v l e" stellt fest, daß die deutschen Vorschläge solange ungenügend sein würden, als sie sich auf den Versuch einer rein finanziellen Regelung beschränken. Allerdings könnten sie nicht anders, denn das Repa- rationsproblcm im Milliarden anszudrücken, bedeute, fidt in eine neue Sackgasse zu verrennen und neuen Chaos hervorzurufen. Die Berliner Regierung werde aber wahrscheinlich versuchen,' andere Grundlage» zu finden und Materialien und Arbeitskräfte zu stellen. ES sei aber die Frage, wie sich dazu di« alliierten Regierungen stellen würden.
Die Soudergerlchte.
Berlin, 11. April. (Prio.-Tel.) Nach einer Meldung des „Lokalanzeigers" verurteilte das Sondergericht in Naumburg a. Saale in seiner ersten Sitzung den Arbeiter Walther und den Arbeiter Rinne, beide aus Braunschweig, zu lebenslänglichem Zuchthaus. Beide spielten in den verschiedenen kommunistischen Aktionsausschüffen eine führende Rolle und gehörten zu den direkten Anhängern des Hölz. Beide haben in rücklichtslosester Weise geplündert. In Gröbers wurde ein zwanzigjähriger Arbeiter vergastet, der gestand, einer der Haupttäter bei den Leichenverstümmelungen gewesen zu sein. Er hat mehreren Schutzpolizisten die Ohren abgeschnitten und die Augen ausgestochen.
Essen, 12. April. Vor dem außerordentlichen Gericht hatten sich heute zehn Bergarbeiter aus
Borbeck unter der Anklage des Hochverrats zu verantworten. Die Angeklagten hatten in den Putschtagen eine Verschwörung angezettelt, mit dem Ziel, das Schloß Borbeck und das Bürger, brauhaus in Borbeck, zwei Stützpunkte der Sipo, zu stürmen, in der Essener Kreditanstalt die Gelder zu beschlagnahmen und eine be- waffnete Aktion gegen die Stadt Esten ins Werk zu setzen. Da die erwarteten Verstärkungen ausblieben und die erforderlichen Waffen nicht zur Verfügung waren, scheiterte der Plan. Das Gericht verurteilte sechs Angeklagte zu Zuchthausstrafen von 5 bis 7 Fahren. Vier Angeklagte erhielten je drei Jahre Gefängnis.
Erfurt, 11. April. Wie die „Thüringer Allgemeine Zeitung" meldet, verhandelte dar Erfurter Sondergericht heute gegen die Urheber des Dynamitanschlages auf die Eisenbahnstrecke Erfurt-Gotha in der Nähe von Erfurt. Sämtliche Angeklagte bekannten sich als Angehörige der kommunistischen Partei. Das Urteil lautete gegen den Zuschläger August Rollert auf 6 Jahre, gegen den Schlaffer Walter Jakobi auf 5 Jahre, gegen den Arbeiter Karl Orphai auf 6 Jahre und gegen den Schneider Wilhelm Böhlen auf 7 Jahre Zuchthaus sowie auf je zehn Jahre Ehrverlust.
Politisch^ Tagesberichte.
— Zur Regierungsbildung in Preußen, Wie das „Berliner Tagebl." meldet haben die Bemühungen des preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald, der gestern mit den Koalitionsparteien über die Regierungsbildung verhandelt hat, noch nicht zum Ziele geführt. Der „Soff. Ztg." zufolge soll Stegerwald beabsichtigen, dem Landtagsprästdenten seinen Rücktritt mitzuteilen, falls es ihm nicht gelinALs sollte, ein politisches Kabinett zu bilden.
— Einb«ruf«»s b<$ auswärtigen A«S» schussel. Wie bie Blätter mitteilen, hat der Vorsitzende deS Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten Abg. Dr. Stresemann die Absicht, nach Rück- ebr bei Ministers des Aeußer» Dr. Simoni den auswärtigen Ausschuß sofort einzuberufen, um bie allgemeine politische Lage zu erörtern.
— Sr. von Sicber demokratischer Reichs» Präsidentschafts-Kandidat. Der württembergische Staatspräsident Dr. von Hieber wird, wie die „Süb’ deiUsch« Zeitung* meldet, box demokratischer Seite «11 Kandidat bei der Wahl des Reichspräsidenten aufgestellt werden.
— Reue Sohnverhandlungen im Ruhrbergbau. Blättermeldungen aut Essen zufolge haben die Verhandlungen über die Regelung der Ueberschichten- frage im Ruhrbergbau zu dem Ergebnis geführt, daß die lleberschichten zunächst beibedalten werde«, aber bis zum April nächsten JahreS abgcbaut werden sollen. Das Abkommen ist endgültig, wen« die Berhandlsu- gen über ein neneS Lohnabkommen, die Heuke begonnen ^oben, zu einer Einigung führen.
— Um die Dieselmotor«». Laut „Deutscher Allgemeiner Zeitung" übergab die dentiche Regierung am 31. März bie von der Botschafterkonferenz geforderte Liste über die Verwendung der Dieselmotoren der Marinekontrollkommission. Die Liste weist insgesamt 423 Maschinell auf. Hiervon wäre« am 31. März vier zerstört, da ihre Instandsetzung nich mehr möglich war, 343 sind für Handelszweck verkauft und nur 75 befinden sich noch unverkauft zur Verfügung der deutschtu Regierung. Wie das Blatt dazu bemerkt, ist dieser der beste Beweis banir, wie dringend die deutsche Wirtschaft gerade dieser Maschinen für ihren Wiederaufbau bevarf.
— ^ie französische Gewaltherrschaft in dev Pfalz. Nack dem „itokalanzciger" verlangt die französische Militärbehörde nunmehr von dèr Stadt Luo- luigsbafen Gelände im Umfange von nahezu 124 000 Quadratmeter. Der Aufwand wird auf runb 50 Millionen Mark veranschlagt.
— Landarheitcrstrcik in Sachs«». Sinex Meldung bei „Lokalaiiz.* zufolge droht in Sachsen wegen Lohnforderungen ein Ausstand der Landarbeiter, Bie eine 15—20 prozcntige Erhöhung idrct Löhne fordern. Die Entscheidung wird in den nächsten Tage« fallen.
— Die amerikanische« Gewerkschafle« gegen die Internationale. Nach einer Havas- 'Vielbung aus Wishington - hat ber Vorsitzende der amerikanischen Gewerkschaften Samuel Camper» dem Sekretär der Gewerkschaftlichen Internationale Dube» geeft mitgeteilt, daß el nunmehr unmöglich geworden sei, daß bie amerikanischen Gewerkschaften noch an der „ Internationale teilnehmen. Da» Ziel der amerikanischen Gewerkschaften sei immer gewesen und sönne nur sein die Verbesserung de» Loses der Arbeiter, während der politische Cyarefte« der gewerkschaftliche» Internationale auf die Sozialisierung der Industrie und auf den Sturz der amerikanischeir Regierung «b» ziele. Dar widerspreche den Jnttrcssen der amerika- Nischen Gewerkschaften. •
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