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Nr. 82
Samstag den 8. April
1921
Das Neueste.
— In gut unterrichteten Kreisen verlautet, der Zentrumsabgeordnete Herold werde zum preußischen Ministerpräsidenten gewählt werden. Die Wahl findet heute statt.
— Der Ammendorfer Eisenbahnftevler wurde vom Halleschen Sondergericht zum Tode verurteilt.
— Der englische Arbeiterdreibund hat den Streit für Dienstag beschlossen.
— Im Unterhaus verlas Lloyd George eine Proklamatton des Königs, durch die bie Re- fernen unter die Fahnen gerufen werden sollen. Die englische Regierung kämpft für den Bestand her Nation.
— Die englische Regierung fordert die Bürgerschaft zur Bildung von Schutzverbänden auf.
— Die Schweiz zählt zur Zeit 140000 Arbeitslose.
Der Fluch von Spa.
Zum englischen Dergarbeilerstreik.
Als England im Jahre 1916 die Kriegswirtschaft für Kohl«, die staatlich« Aufficht über den Bergbau «jnführte unb damit für die Arbeiter Einh«itLlöhn« feftfe^te und den Grubenbesitzern ein« ben Erträgnissen vom Jahre 1913 entsprechende Verzinsung garantierte, da ahnt« es wohl taum, daß bie Aufgabe dieser Staatsaufsicht und die Zurückschraubung des Bergwerksbetriebes in die Friedenszeit einen derartigen Kampf Urb derartig« wirtschaftliche Erschütterungen, wie sie England heute zu, spüren bekommt, verursachen würde. So lange Mars bie Stunde regierte und in allen Ländern bie freie Weltkonkurrenz abschnürte, war trotz der hohen IWU o« WirtschaMchteft «m» gesichert- denn die Schraube bet Lohn- und Pvers, Politik bewegte sich ungestört im gnnengetriebe bet Kriegs-, wie auch neutralen Staaten. Nun aber hat mit der Wiedereinschaltung der Weltkonkurrenz die selb]tätige Regulierung der Produktionskosten durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage eingesetzt und der Kampf um. den Absatz ist da angelangt, eine Minderung der Produktionskosten zu erzwingen. In Amerika ist dieser „Kampf zwischen Kapital und Arbeit" be-; Veits zum großen Teil ausgefochten — die ame-i rikanischen Arbeiter haben nach heftigen Krisen" in «ine dem gesunkenen Weltmarktpreise entsprechend« Herabietzung bet Löhne «ing«willigt unw gegenwärtig ist England an der Reihe, diesen' Kampf auszufechten. Ueber seinen Ausgang läßt sich heute noch'nichts fügen — hat es doch tzanz den Anschetr, als ob bie Eisenbahn- unb Transportarbeiter die Bergleute in ihrem Kampf« unterstützen wollen, denn erstere fürchten, daß wenn bet Abbau einer „nationalen"
Lohnregelung erst bei den Bergleuten angefan« gen habe, her Lohndruck bei ihner fortgesetzt werbe. Nach ben neuesten Meldungen haben bie win|UM|i»n.uyi;n mm 2pmu.1t um iqrec iciuji
Eisenbahn- und Tranportarbeiter den Streik be- willen ist ein nonsense, ber sich bitter rächt, schlossen und der Eintritt in denselben kann Diese Erkenntnis sollte England wie seinen Der-
jederzeit geschehen. Welche Folgen bei Umsetzung des Streikbeschlusses in die Tat eintreten werden, läßt sich noch nicht sagen sie können katastrophal sein. Die Regierung trifft alle Vorsichtsmaßregeln und nach einer unten folgenden Meldung hat der König die Reserven unter die Fahnen gerufen.
Eigentlich sollte die Ueberführung der Kriegswirtschaft in die freie Wirtschaft erst am
1. August einsetzën, doch die Industrie drängte auf früheren Abbau und Regierung und Parlament waren damit einverstanden, weil die öffentliche Kohlenbewirtschaftung mit großen Verlusten arbeitete — allesn im Februar kostete diese Kohlenbewirtschaftung dem Staatshaushalt einen Zuschuß von über 4,5 Millionen Pfund Sterling, also 92 Millionen Goldmark. Dieser Verlust war verursacht worden hauptsächlich dadurch, daß seinerzeit, nachdem die amerikanische Kohle in Ergland bereits um 1 Pfund Sterling billiger zu haben war als englische Kohle selbst, die englischen Zechenbesitzer, um konkurrieren zu können, mit ihren Kohlenpreisen ebenfalls heruntergingen, was letztere ohne Bedenken tun konnten, solange »och die englische Regierung die Kohlenwirtschaft des Landes durch Fortdauer jenes Kriegsgesetzes sicherstellte, das den Bergwerksbesitzern eine feste Verzinsung ihrer Anlagekapitalien und den Bergarbeitern einen fester Einheitslohn garantiert«. Nachdem nun die staatliche Bewirtschaftung aufgehoben war, schritten die Zechenbesttzer, die infolge des erdrückenden Wettbewerbes und mangelnden Absatzes mit erheblicher Unterbilanz arbeitete» (an der Tonne wurden bisher je nachdem 4—16 Schilling zugesetzt) zu einer Reduzierung des Linheitstohnes der Arbeiter und setzten die
Löhne der Kohlenarbeiter je nach der Rentabilität der Kohlenzechen um 4—7 Schilling täglich herunter. Sie beriefen sich dabei darauf, daß die Indexziffer der Lebenshaltungskosten gesunken sei, und daß die LSHie auch in anderen Industrien herabgesetzt seien. Die Bergarbei^r waren damit nicht einverstanden, bestanden vielmehr erstens auf ihren bisherigen Löhnen, zweitens auf dem „Pool", d. h. der einheitlichen Finanzbewirtschaftung der Gruben, und sie verlangten ein nationales Lohnamt zur einheitlichen Regelung der Löhne. Di« Arbeiter verfechten den, Gedanken, daß der englische Bergbau volkswirtschaftlich als Einheit zu behandeln sei. Die Gewinne der Bergwerksbesitzer sollen entsprechend nach oben begrenzt, bie Mehrerträge in eine „nationale" Kasse, den „Pool" abgeführt werden. Aus dieser Kaste sollen die minder ertragreichen Gruber Zuschüsse erhalten, damit auch diese den Einheitslohn bezahlen können. Dies nennen di« englischen Bergarbeiter ein« „Nationalisierung". Die Verhandlungen zwischen den Arbeitern und Zechenbesitzern sind gescheitert, trotzdem letztere vorschlugen, nach Vorwegnahme eines Kapitalgewinnes von IT Prozent des gezahlten Arbeiterlohnes den Ueber- schußgewirn so aufzuteilen, daß 80 Prozent den Arueitern und 20 Prozent den Bergwerksbesitzern zufallen würden. Die Arbeiter verharren auf der Zahlung des bisher gezahlten Einheitslohnes und verlangen, daß bie Regierung die Dergwerksindustrie durch Zuschußzahlungen unterstützt in einer Höhe, daß die englische Kohle konkurrenzfähig bleibt.
Die englische Regierung, die di« geforderte Subvention wird ablehner müssen, weil andernfalls alle anderen Industrien sonst mit dem gleichen Rechte dieselbe Forderung für sich erheben
industrielle Bewegung der englischen Geschichte", wie wir gestern schrieben, wäre nicht so rapid über England hereingebrochen, wenn nicht durch die von der Entente erpreßten deutschen Kohlen- Zwangslieferungen einen Kohlenüberfluß geschaffen urd dadurch der Weltmarktpreis herabgedrückt worden wäre. Ist es nicht ein furchtbarer Widersinn, wenn die westländischen Kohlenarbeiter Feierschichten «inlegen, und di« deutschen Bergleute Ue bersch schien verfahren müssen? Nur so weiter und wir werden sehen, daß der Fluch von Versailles so wie jetzt der
von Spa auf feine Urheber selbst zurückfällt. Die rücksichtslose, jed« Klugheit missend« Gewaltpolitik der Alliierten wird sich weiter rächen, denn Politik, — imb wenn es Briandsche „Faust"-Politik ist - ohne Berücksichtigung her wirtschaftlichen Gegcbe rheiten ist heute mehr benn je ein Unding und muß zu einer Katastrophe führen. Weltpolitik wie Wirtschaftsfragen und Politik um ihrer selbst
Diese Erkenntnis sollte England wie seinen Verbündeten bei der gegenwärtigen englischen Krise kommen. R. H.
Der Streik des englischen Dreibundes beschlossen.
London, 8. April. (Reuter.) Eine gemeinsame Versammlung der Exekutivausschüsse der Eisenbahner und Transportarbeiter gab bekannt, daß der volle Streik des Dreibundes am Dienstag um Mitternacht beginnen soll, wenn die Verhandlungen zwischen de« Bergarbâerp und den Bergwerksbesitzern nicht wieder eufg«- nommen werden.
London, 8. April. Bei Schluß der Konferenz der Eisenbahner und Transportarbeiter wurde bekanntgegeben, daß morgen eine Abordnung der beiden Verbände sich zu Lloyd George begeben wird, um ihm die Beschlüsse des Dreibundes bekanntzugeben.
Die Regierung kämpft für den Bestand der Nation — Einberufung der Reserven unter die
Fahnen.
London. 9. April. Lloyd Georg« erklärte im Unterhause, die Nation stehe zum ersten Mal in der Geschichte dem Versuch des Zwanges durch die Zerstörung ihrer Hilfsquellen gegenüber. Große organisierte Körperschaften der Bergarbeiter verhinderten durch Drohungen mit Gewalt die Pumparbeiten in den Gruben. Die Regierung sei entschlossen, die Freiwilligen zu schützen. Sie werde von allen Hilfsmitteln der Allgemeinheit Gebrauch machen. Die Zetstörung der Bergwerke fei eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit für die Nation. Die erst« Pflicht der Regierung sei, ihre Erhaltung zu sichern. Der Vollzugsausschuß der Bergleute sei c»t- schlossen, die Zerstörung der Bergwerk« nicht zu verhindern, da er hoffe, auf ^iese Weise di« Re
gierung und das Parlament zur Kapitulation zu zwingen. Dl« Bergleute wußten genau, daß die gegenwärtigen Einnahmen der Kohlengruben es nicht zuließen, die Löhne, die sie forderten, zuzugestehen und sie verlangten deshalb eine sofortige Unterstützung durch den Staat. Die Regierung werde nicht nachgeben. Sie werbe all« Kräfte ins Werk setzen, denn sie kämpfe für ben Bestand der Nation.
Nach einer sehr langen Erklärung vorlas Lloyd George die Proklamation des Königs, drrrch die die Reserven unter die Fahnen gerufen werben. Zu einer allgemeinen Erörterung laut es nicht. Diese wird am Montag stattfinden.
London, 9. April. (Reuter.) Die Regierung hat gestern abend einen Aufruf an bie loyalen Bürger erlassen, sich zu Schutzverbänden zu vereinigen. .
Aus der Statistik des englischen HaudelSarnteS.
London, 9. April. Die Statistik des Handelsamtes für März weift gegenüber dem Vorjahr« einen tiefen Niedergang im englischen Handel auf- Die Einfuhr im März 1921 betrug 95 741654 Pfund Sterling, bie Ausfuhr 66 808 961 Pfund Sterling. Das ist verglichen mit März 1920 eine Abnahme um 36 890 420 Pfund Sterling. Besonders groß ist die Abnahme der Kohlenausfuhr. Sie betrug im März 1921 4 300 000 Pfund Sterling, verglichen mit bem Vorjahr eine Verminderung um 5 Millionen Pfund Steril na. Auch der übrige Handel weist ähnliche Verminderungen auf.
„Vorzeichen einer Kalaflrophe über Europa."
London, 9. April. Der Pariser Bericht- erftatter bet „Westminster Gazette" schreibt in ei nem W „Borzeichen einer ^arairzcoMe Ger, Europa" überschriebenen Artikel, die größtmög. lichste Aufmerksamkeit müsse den zahlreichen Anzeichen der kommenden Krise in Europa zugewandt werden, die weit ernster fein werde, als irgend eine andere, die man seit bem Kriege durchgemacht habe. Furchtbare Entscheidungen werden in kürzester Zeit getroffen werden müssen. Lloyd George habe der Anwendung der Straf, maßnahmen gegen Deutschland zugestimmt und dadurch endgültig die Politik Frankreichs und zweifellos auch Englands orientiert auf einem Wege, auf dem es jetzt kein Zurück mehr gibt.
Die nackte Wahrheit fei, daß eine neue furchtbare Epoche begonnen habe, denn Briands Aietbode fei Gewalt. Frankreich verlasse sich auf die volle Unterstützung Englands bei feinen Forderungen an Deutschland. England verpflichtete sich zu einer bestimmten Politik und könne Frankreich jetzt nicht verlassen. Die Aussicht auf Verhinderung eines tieferen Sprunges in die unbekannten Gefahren aufeinander folgender unbeschränkter Strafmaßnahmen erscheine ijoffnungslos; — Der Berichterstatter hält die letzte Rede Briands für äußerst wichtig, da sie so unzweideutig sei, und die einmütige Unterstützung des französischen Parlaments gefunden habe. Als Briand sein Amt angetreten habe, sei er in einer äußerst schwachen Bahn gewesen; jetzt sei seine Stellung äußerst stark. 2n Frankreich sei man der Ansicht, durch Gewaltanwendung gegen die deutschen Kapitalisten werde man sie zwingen, einen Teil ihres Reichtums abzutreten.
Gegen die oOprozcntige Wcrtabgabe — Ander«
Zwangsmaßnahme«.
Paris, 8. April. Wie ber „TempS" mitteilt, hat die Vereinigung der französischen Kaufleute und Industriellen im Rheinland in zwei Ver- sammlunFe» Wünsche geäußert, die sie dem französischen Parlament übermitteln will. Vor allen Dingen erinnern sie an die ungünstige Lage, die durch bie 50proze»tig« Wertabgabe vom Verkaufswert der deutschen Waren und durch die Erhöhung der Zolltarife dem franzö- fischen Handel und der französischen Industrie im Rheinland bereitet wird. Diese Zwangsmaßnahmen zwangen bie französischen Kaufleute, ben Kampf aufzunehmen. Die einige Folge sei die Verringerung der Zolleinnahmen, die Einstellung der Geschäfte und bie Verteuerung des Lebens in der Rheinprovinz. Schließlich würden auch bie Widerstände bet deutsche» Großindustriell«» verstärkt unb vor allen Dingen die Arbeitslosigkeit der deutschen Arbeiterflasse, die Unruhen nach sich ziehen könnte. In der Petition allerdings verlangen die französischen Kaufleute ander« Zwangsmaßnahmen, so u. a. die Verwaltung der Rheinland« durch die interalliierte Oberkommission, die Errichtung einer Zollgrenze östlich der Ruhr, bie Besetzung von Städten und Häfen, wie Frankfurt, Mannheim, Darmstadt, Hamburg und Bremen, bie Entfernung der preußischen Be-
amten aus den Rheinlands», die Beschlagnahme der Zölle und Eisenbahneinnahme», sowick die Verwaltung der Bergwerk«, der Wälder usw» schließlich die Ersetzung der preußischen Beamten durch Rheinländer und den Erlaß besonder« Steuern und Kontributionen.
Ein ReparaNonsplan der U. S. P.
Berlin, 9. April. (Priv.-Telegr.) Die Freiheit veröffentlicht einen Reparationsplar. den di« U. S- P. D-, die unabhängige Arbeiterpartei Englands und die sozialistische Partei Frank. reichs in Amsterdam in den ersten Tagen der April ausgearbeitet haben. In der Einleitung zu dem Plan wird festgestellt, daß die Arbeiter- organisatioyen Deutschlands die Notwendigkeit der Reparation anerkannt haben und andererseits, daß die französischen unb englischen Organisationen anerkennen, daß die Verwirklichung des G«samtwiederaufbau«s Nordfrankveichs die Leistungsfähigkeit Deutschlands übersteigt und daß eine Betätigung der internationalen Solidarität notwendig ist. Die Anwendung mili- tarifier und ökonomischer Zwangsmaßnahmen wird scharf verurteilt, da sie eine Atmosphäre des Mißtrauens geschaffen haben. Die Grundlage des Frieden? wird von der Revision des Versailler Vertrages unb der anderen Verträge abhängig gemacht und zwar in allen den Punkten, wo sie Recht unb Billigkeit vergewaltigen oder mit ihren Forderung«» die Möglichkeit ber Reparation überschritten haben. Am Schluß d«r Einleitung wird hervorgehoben, daß die Richtlinie» des Planes durchweg von den nämlichen allgemeinen Grundsätzen inspiriert seien, von denen sich auch der Allgemein« internationale G«- werkschaftsbund bei feinen Vorschlag«» hab« leiten lassen.
Der Reparationsplan sieht erstens di« Lchasfuag eines internationalen Wieder gut- mehbungcamfeS vor, das von den Regierungen der Entente zusammen mit Deutschland und unter Mitarbeit der Arbeiterorganisationen aller interessieren Länder gebildet werden soll. In Verbindung mit diesem internationalen Mo- dergutmackungsamt soll Frankreich ein eigenes nationales Wiederausbauamt errichten, das aus Vertretern der Gcschäftigten, der Arbeiter sowie aus Vertretern des Staates zusammengesetzt wäre. Deutschland tonnte mit seinen Arbeitern und Materialien in Ausführung der Pläne des französischen Wiederaufbauamtes die Wiederherstellung von Straßen, Kanälen und Dörfern übernehmen. Die Finanzierung der Wiederauf- bauarbeit soll durch auf dem Weltmarkt emittiert« Anleihen geregelt werde». Sie deutsche Regierung müsse sich zur Zahlung der Zinsen verpflichten. Deutschland könnte zur Hebung sei, ner Volkswirtschaft. seiner Valuta und sein« Finanzlage ein Teil dieser internationalen Anleihen vorweg überwiesen «rhalten. Bei der Zahlung bet Pensionen durch Deutschland ist dessen Zahlungsfähigkeit in Betracht zu ziehen Am Schluß des Plan«? wird den verschiedenen Parteien empfohlen, sich, mit den gewerkschaftlichen und genossenschaftliche» Organisationen in Verbindung zu setzen, den Reparationsplan möglichst in der nächsten Woche in den heimischen Parlamenten vorzubringen sowie einen Aufruf an alle sozialistischen Organisationen der interessierten Länder zu richten zu Gunsten einer gemeinsamen Aktion für das Werk des Wiederaufbaues. *
Der Reichstagsabgeordnet« Lededour hat an den Präsidenten des Reichstags das Ersuchen gerichtet, den Reichstag sobald wi« möglich ein. zuberufen und zwar erstens 'wecks Rückgängigmachung der Verordnung über die Bildung außerordentlicher Gericht« und zweitens, um obigen in Amsterdam ausgearbeiteten Reparm tionsplan dem Reichstag t?" v zu können.
Die Regierungsbildung in Preußen.
Die gestrigen Fraktionsverhandlungen über die Regierungsbildung in Preußen haben zu keiner Lösung der Frage geführt. Mehrere Blätter melden, daß das Zentrum die Initiative für die Regierungsbildung ergriffen unb ein Mitglied seiner Fraktion zum Ministerpräsidenten vorschlagen werde. Laut Berl. Lokalanzeiger würde ein solcher Ministerpräsident die Unter- stützung der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, des Zentrums, der Demokraten, der Hannoveraner und der Wirtschaftspartei finden. Ob auch die Sozialdemokraten den Zentrums- kandivaten wählen werden, ist noch ungewiß. Heute morgen wird eine letzte Aussprache der bisherigen Koalitionsparteien über die Wahl des Ministerpräsidenten, die auf 11 Uhr festge- setzt ist, stattfinden. Der gewählte Minister. Präsident wird dann die Bildung eines Ee- schästrministeriums vornehmen»