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General-Anzeiger

Ä , - . -, , ~ sowie Svort Wilhelm Moritz: für Anzeigen und.

AmMches Organ für Stadl- und Landkreis Sana« ää^

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Derlagsleitung: Ad. Jndermühl«. Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil Richard Sultick: für lokalen und provinziellen Teil

Fernsorechanschlüsie Nr. 1237 und 1238.

Nr. 80

Donnerstag den 7. April

1921

Das Neueste.

Man rechnet in Preußen mit der Bildung eines Geschäfts-Kabinetts und nennt Stegerwald als zu­künftigen Ministerpräsidenten.

Ueber die Bewaffnung der deutschen Polizei sand ein Notenwechsel mit der Interalliierten Kontroll­kommission statt.

Die Beisetzung bei Kommumstenführers Sylt hat sich in aller Ruhe vollzogen.

In " der englischen Streikbewegung ist el zu Verhandlungen gekommen.

Der Eisenbahnzug, in dem sich Exkaiser Karl befand, wurde in . Bruck von Arbeitern angehalten.

Aus den Aufstau -«»gebieten.

Mitteldeutschland.

Berlin, 7. April. Blättermeldungen aus Halle zufolge, nahm eine Bergarbeiterversamm­lung in Helbra eine Entschließung an, in der es heißt: Die Versammlung verurteilt auf das schärfste die kommunistische Irreführung der Massen und spricht ihre tiefste Entrüstung aus : über das verbrecherische Gesindel welches durch ? Rauben, Morden, Plündern so großes Elend in die Arbeiterschaft gebracht hat. Sie weist jede Gemeinschaft mit der kommunistischen Partei ent­schieden von sich.

Bei einer Häuserrazzia in H ö h nsie d t im Mansfelder Seekreis sind 25 Personen verhaftet und zahlreiche Waffen beschlagnahmt worden. Auch in Dörfern des Sangerhausener Kreises wurden, derHalleschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, von der Schutzpolizei erfolgreiche Durch­suchungen vorgenommen.

In einer Konferenz im DirMonsgebäude der Leunawerke, an der Oberpräsident ; Hörsing, der Regierungspräsident von Mer- A sebüra. die Führer der Polizeitruppen, die Di-

Gewerkschaftsführer teilnahmen, erklärte Uder Direktor der Leunawerke Dr. Oster, daß ' der Betrieb Anfang nächster Woche wieder ausgenommen werden könne, i Das Werk muffe aber vorher von allen Leuten gesäubert werden, die nicht hineingehörten, und die Direktion muffe darauf drängen, daß die ; Arbeiter ihre gerechten Forderungen anerkenne. ; Der mehrhe its sozialisti sche Reich s tagsah ge ordnete Krüger wandte sich gegen die nach der Ein­nahme des Werkes aufgetauchten Gerüchte, daß im Werke Greueltaten verübt worden seien. Er­mittelungen an Ort und Stelle hätten die Un­wahrheit dieser Gerüchte ergeben. Er habe die [. Im Kampfe Gefallenen gesehen und habe in kei­nem Falle Verstümmelungen feststellen können. Diesen Ausführungen schloß sich der Arzt der Leunawerke an. x

Die Beisetzung SyltS»

Berlin, 6. April. Für den bei einem Flucht­versuch erschossenen Obermaschinisten Sylt fand heute mittag im Saale der Brauerei Bötzow am Prenzlauer Berge eine Trauerfeier statt, an der sich zahlreiche Kommunisten und Unabhängige beteiligten. An dem Zuge, der sich nach Schluß der Feier nach dem Gemeindefriedhofe in Fried­richsfelde bewegte, nahmen etwa 20 000 Per­sonen teil, die viele Kränze mit roten Schleifen und rote Fahnen, und Schilder mit Aufschriften trugen. Der Straßenbahnverkehr mußte in den Straßen, die von dem Zuge passiert wurden, ab­gelenkt werden. Die Schutzpolizei hielt sich überall vollkommen zurück. Die Trauerfeier und der Marsch nach Friedrichsfelde sind ohne Zwi­schenfälle verlaufen.

Hungerstreik verhafteter Kommunistenführer.

Berlin, 7. April. Nach demBerl. Lokalanz," Md die vor kurzem in Stuttgart verhafteten 11 Kommunisten sichrer, die sich in Tübingen in polizeilichem Gewahrsam befinden, am letzten Freitag in den Hungerstreik getreten.

Aus dem linksrheinischen Gebiet.

Jpu. Aachen, 7. April. Nach den durch die Kommunisten heraufbeschworenen Unruhen im linksrheinischen Industriegebiet haben die belgi­schen Militärbehörden strengste Maßnahmen ge­troffen, um eine weitere Hetze der Kommunisten zu verhindern. Der Belagerungszustand, der bereits über bestimmte Gebiete verhängt worden ist, ist verschärft worden. Die Kommunisten wer­ben unter eine ständige Kontrolle gestellt. In jedem Ort muffen Listen geführt werden mit An­gabe der Wohnung und Namen der dort wohn- Saften Kommunisten. Durch Haussuchungen ist sestzustellen, ob diese noch über Waffen verfügen. Versammlungen dürfen die Kommunisten nicht mehr abhalten. Kommunistische Betriebsräte sind verboten, ebenso kommunistische Zeitungen. Da die französische Regierung sich mit den Maß- vohmen im besetzten Gebiet beschäktiot und mit

den belgischen Behörden verhandelt, so ist wahr­scheinlich eine Ausweisung der Kommunisten die sich an den Unruhen beteiligt haben, zu er­warten. Die Fabriken muffen in Zukunft sofort jeden Streikausbruch mitteilen, damit Gegen­maßnahmen getroffen werden können.

Aburteilung der Kommunisten im besetzten * Gebiet.

Berlin, 7. April. Wie derBerl. Lokalanz." aus Duisburg meldet, sind ungefähr 900 Kom­munisten bis jetzt kriegsgerichtlich abgeurteilt worden. Das Kriegsgericht ist zu diesem Zweck von Aachen nach Mörs verlegt worden. Der kommunistische Beigeordnete Dr. Gabriel ist zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Die Verurteilten werden nach dem Aachener Gebiet abgeschoben.

Zur Regierungsbildung in Preutzen.

Bildung eines GeschäftSminifteriumS.

Stegerwald Ministerpräsident?

Berlin, 7. April. Die gestrigen FraktionSbe- fprechungen über die Regierungsbildung in Preußen haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei lehnte die von der Sozialdemo­kratie geforderten Garantien für ein Zusammenarbeiten mit der Dolkspartei ab. In der Sitzung der sozial­demokratischen Fraktion wurde festgestellt, daß eine Veränderung der Situation bisher nicht eingetreten sei, weshalb sich die Fassung von Beschlüssen erübrige. Sowohl dieDeutsche Allgem. Ztg." wie dieVoss. Ztg." halten eS für wahrscheinlich, daß man einen Ausweg aus der Verlegenheit in der Bildung eines Geschäftsmini st crinms alsUebergangSkabinett suchen werde. Der Präsident dieses Kabinetts, das sich teils aus politischen, teils auch ans der Beamtenschaft entnommenen Fachministern zmammensetzen werde, werde den Reihen des Zentrums entnonmeu werden. Nach derSoff. Ztg." werde das Zentrum den Minister Stegerwald als Ministerpräsidenten präsentieren, dem cs überlassen bleiben werde, die einzelnen Minister­posten zu betet?

die Deutsch-Nationalen und dre Linksradikalen Wien sich bereits damit einverstanden erklärt, dem vom Zentrum nominierten Kandidaten für das Minister­präsidium ihre Stimme zu geben.

Eine neue Polizeinole.

Berlin, 6. April. <Priv.-Tel.) Laut derDeut­schen Allgemeinen Zeitung" ließ die interalliierte Militär- Kontroll-Kommission dem Auswärtigen Amt eine neue Note über die deutsche Polizei zugehen. Sie behauptet darin, die Polizei trage unzulässigerweise noch immer den Charakter einer beweglichen militärischen Streit­kraft. Sie stellt sich ferner auf den Standpunkt, daß die Deutschland i« der Note von Boulogne zugcstan- denen 150000 Mann nicht nur die uniformierte soge­nannte Ordnungtpolizei, sondern auch die Polizei in Zivil (Kriminal- und Verwaltungspolizei) umfassen müsse. Das Auswärtige Amt legte in seiner Ant­wortnote dar, daß die jetzige deutsche Polizei den in der Note von Boulogne gestellten Forderungen durchaus entspricht und nicht als militärische Organi­sation betrachtet werden kann. Für die Auffassung, daß die in der Boulogncr Note zugestandenen 150000 Man« nur uniformierte Polizei umfassen, liegen eine Reihe mündlicher und schristlichcr Aeußerungen der Kontrollkommission vor. Die deutsche Note schließt folgendermaßen: Die Ereignisse i« Mitteldeutschland zeigten von neuem, daß die Polizei mit der zugtlasscnc» Bewaffnung den Ämgaben nicht gewachsen ist, die an sie heran!rcten können. Sie hat es immer wieder mit zahlenmäßig überlegenen und weit stärker bewaffneten Gegner» zu tun. Trotz aller Anstrengung ist für ab­setzbare Zeit nicht damit zu rechnen, daß cs gelingt, aller im Lande verborgenen Maschinengewehre habhaft zu werden und jedes versteckte Gewehr zu entdecken. Ueberdies werden verbrecherische Elemente sich immer wieder auf irgend eine Weise in den Besitz neuer Waffen zu setzen wissen. Die deutsche Regierung muß es sich unter diesen llmstänbcn vorbehalten, neue An­träge wegen besserer Bcwagnuug der Polizei zu stelle».

Ungenügende Bewaffnung der Polizei.

Wie derBerliner Lokalanzeiger" mitteilt, werde im RrlchëmiNisteriilm bei Innern eine Denkschrift her» gestellt, die an der Han) von dolumentarisch festgcstclltc» Tatsache den Nachweis führen wird, bas die jetzige Bewaffnung der Polizei völlig unzureichend ist.

Die Exkatserfahrl mit Hindernissen.

Einstweiliger Aufenthaltsort Luzern.

Wien, 6. April. Wider Erwarten vollzog sich die Weiterreise Karl Habsburgs nicht so glatt, wie man nach den getroffenen Vereinbarungen zwischen den politischen Parteien hätte aniiehmcn können. In Worbfteiermarl hatte die Arbeiterichast beschlossen, bei der Durchfahrt des KaiscrzugcS auf der Station Bruck a. d. Mur dem Habsburger ihren fe ien Entschluß, die Republik zu verteidige«, ins Gesicht zu sagen. Es wird erst heute betauiit, daß in der vorwöchigeu Reichskonserenz der Eisenbahner die Lokoinotivjnhrer sich dahin geeinigt hatten, daß.keiner von ihnen einen Zug führen werde. in beut der Habsburger sitze. Später gaben sie aber der besseren Einsicht Raum, daß es das höchste Interesse der Republik >c>, daß sich der. RücklranSpdit Karls jo schnell wie möglich vollziehe. Die Siebener in Bruck hielten gestern die Station be­setzt und waren von ihrem Vorhaben nicht abzubriiige». Der christlichsoziale Laiideshanplinanu von Sleicrmart ließ im Einverständnis mit beut englischen Komman­

danten bei Kaiserzuges den Zug auf der > Station. Frohnleiten anhalten, wo er dann nachts mehrere Stunden sieben mußte, bis es dem Eingreifen der iosialdcmokratiichcn Führer gelang, die ungehinderte Durchfahrt durch Bruck sichcrznstellen; auf Ersuchen des Bundeskanzlers war Friedrich Adler im Automo­bil eigens von Wien nach Bruck gefahren um zu der- Handel».

Wien, 7. April. DieWiener Allgemeine Ztg." meldet: Nach Schluß der Verhandlungen mit den Arbeitern waren nur etwa 100 Vertrauensleute auf dem Bahnsteig zurückgeblieben. Als der Zug des Ex- kaistrS ix die Station Bruck einfitfir, sprengten die Arbeiter die verschwffenen StatiouStüren und eilten auf den Bahnsteig, der sofort von einer nach Tausen­den zählende Menge gefüllt war. Ein Führer hielte eine Ansprache und brachte ein Hoch auf die Republik auS. Die Arbeiter stürzten sich auf den Maßen des Exkaisers und forderten, daß er sich am Fenster >ei<e. Die Gendarmerie, die den Zug begleitete und die Mannschaften der Ententeoffiziere wehrten die Arbeiter mit blanker Waffe ob. Der Zug fuhr hierauf mit erhöhter Geschwindigkeit aus der Station und setzte feine Fahrt fort.

Buchs (Schweiz), 6. April. Um S Uhr traf der Sonderzug deS Exkaisers Karl mit vierstündiger Verspätung infolge der Vorgänge in Bruck in Buchs ein, begleitet von italienische«, französischen und eng­lischen Militärs. Der Exkaiser wurde von Oberst Kißling in Empfang genommen, der die Paßformali- täteu erledigte. Die Weiteriahrt erfolgte in et em Sonderwagcu bei fahrplanmäßigen Zuges. Als e i n ftro eiliger Aufenthaltsort wurde dem Exkaiser Luzern angewiesen. Exkaiserin Zita, die im Kraftwaoen in Buchs angenommen war, begleitet ihren Gemahl. Die Fahrt machen einige Leute der LolkSheercSnolizei mit. Die Entente- Militärs, die den Zug des Exkaisers begleitet hatten, werden nach Ungarn zurückbefördert werden.

Aus dem französischen Senat.

Briand über die vernichteten Gebiete.

VariS, 6. April. In der heute im Senat festge­setzten Beratung über das Budget für auswärtige An- von der sberfchlefischen Volksabstim­mung, die sehr klare Ergebnisse gezeitigt hätte, welche bald in die Tat »«gesetzt werde« müßten. ES sei zu befürchten, daß die Deulschen am 1. Mai die Frage ObcrschlesienS mit der Reparationsfrage ver­binden und Konzessionen zu erlangen suchten, die einige vielleicht bereit seien, zu gewähren. Der Redner fordert den Ministerpräsidenten auf, sich nicht auf den gefährlichen Weg der Konzessionen zu begeben.' Senator Ribot sprach alSdann von dem Memo- r a ti b 11 nt des ReichSmini st ers D r. Simons, in dem gesagt sei, Frankreich geige sich indifferent in Bezug auf ben Wiederausbau der un­glücklichen "Provinzen. Der französische Landwirt mache sein Feld wieder urbar. Mit Befriedigung habe er gehört, daß der Ministerpräsident entschlossen sei, Deutschland zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Deutschlar) müsse jahrelang arbeiten, benn man könne eS zwcngcn, nmsouiehr, all man in engem C inverständnis mit den Verbündeten sei. Die Aeußerungen Deutschlands zählten nicht. Was zâblen könne, fei die Verpflichtung Deutschlands, zu bezahlen. Ribot erklärte, man müsse die oberschlesssche Frage so­bald als möglich lösen. Schließlich sprach er noch über bie Frage bei Mandats über Palästina. Auch der Senator de la March el le besprach nochmals die Frage von Palästina, da diese Lösung einen Teil von verschiedenen Abkommen bilde. Von den uriprüng- lidien Bestimmungen sei man abgekommen und el seien Abänderungen an dcm Vertrag durch Konzessionen vor- geitontmen worden. Was abgemacht fei, müsse eben respektiert werden. Frankreich habe ein Mandat über Snricn »ich England das Maiidat über Mesopotamien und Pa'ästina. Die Augelegcnhcrt vmv Oberschlesicn sei durch den Vertrag in so klarer Weise geregelt, daß er nicht Angehen könne, daß Zweideickigkciten vorhanden seien. Die interaUiicite Kommission habe nicht nur ein GèsaMtresultat festznstellen, sie müsse auch die Stimmen Kommune für Kommune in Betracht ziehen. Die Arbeit fei ziemlich schwer und von langer Dauer, aber in 23 Tagen sei sie bewältigt.

> Mmiuerpräsioent Briand sagt heute weiter: Wir ! verlangen bie Ausführung bei Vertrages, nicht mehr. I Es samt feine Diskussion über ben Geist und Wort­laut bei Vertrages geben. Wenn Deutschland die Reparationsjrage in der Form mit Oberschlesicn ver- bindcn will, io sann das für Dentschlaub vielleicht ein Ziel fein, el ist aber gezwungcnerwcise nicht da» unfrige. Wir werden unl nicht dazu Vergeben. Wir wollen die Frage raschcstens lösen. Plinistcrvräsidcnt Briand sprach alsdann von den verwüsteten Gebieten. Senator Ribot habe sich gegen die 5. Note des Ncich«- utiniiierl Dr. Simons gewandt, welche die unglückliche Levölkeiuiig der verwüsi-ten Gebiete stark verspottet habe. Es gäbe Zadlcu und Tatsachen, die man mit» teilen müßte. Den Freunden Frankreichs gegenüber behaupte man, die Bewohner der verwüsteten Gebiete hätten sie verlassen, ohne die Absicht zu haben iviedcr- Siitebren. 1914 hätten in diesem Gebiete 4 700 OuO Mcn'chc» gewohnt, beim Waffenstillstand feien er nur 1 900 000 gewesen, heute 4 100 000. Es fei eine Bc- friebigung, daß bie Bewohner fast vollzählig zum heimatlichen Booc» zurückgekehrt seien mit dem Willen «ns dem vollen Vertrauen wciterznarbeitcn. Deutsch­land sagt, Frankreich habe nicht» getan, um den Boden zu bearbeiten. 90 Proz. der Erdoberfläche, die durch den Krieg zeistört worden seien, sind nivelliert, un­gefähr 80 Proz. der Kultur wiedcrgegcbcn worden, 50 Proz. der Fabriken bessudeu sich wieder ui Tätig­

keit, 991;, Proz. der zerstörten Eisenbahnlinien seien wiederbergestellt, Proz. der demolierten Kunst- arbeiten seien wieder aufgebaut worden. Dal weiß bie deutsche Regierung und trotzdein wagt sie el, einem Frankreich befreundeten Volke gegenüber zu behaupten, man unterhalte biete Verwüstungen, um den Haß in der Welt zu verewigen. Dal verdanke nicht einmal ausgenommen zu werden. lLebh. Beifall.)

Senator Ribot sagte noch, die Worte bei Ministerpräsidenten Briand würden einen weiten Widerhall in den verwüsteten Gebieten, in ganz Frankreich und der ganzen Welt finden. Nach kurzen Bemerkungen bei Senators Ribot über die Orient- frage wurde die Generaldebatte geschloffen.

Die 50proze«lige Abgabe.

Parks, 6. April. Am 8. April hat der Abge» ordnete Neron der Kammer Bericht erstattet über bie 50 prozentige Abgabe der deutschen Waren. Nach demJurnal des TebatS" sieht der Bericht einige Abänderungen an dem RegierungSentwurf vor, dic über die 50 Prozent hinauSgehen sollen, die jedoch auch niedriger sein können. Die Zölle werden von bet Zollverwaltung in derselben Form wie andere Zöllc erhoben, ihre Zahlung jedoch besonders bescheinigt Die Abgabe soll erhöben werden vom Einfuhrwert plus Transport und Versicherungskosten, wobei der Einfuhrwert deklariert werden muß und die Belrg- papiere des Exporteurs beizubringen sind. Die Abgabe soll sich auch crstreckrn auf deutsche Rohprodukte, bie in anderen Ländern verarbeitet worden sind, wenn die deutschen Bestandteile noch 50 Prozent vom Werte des Endproduktes darstellen. Man ist der Ansicht, daß der deutsche Exporteur bei Verfehlungen gegen bie Bestimmungen ebenso wie der französische Exporteur zur Verantwortung gezogen werden und gemeinsam mit diesem haften soll. Ausgeschlossen sind Durch- gangSwaren und alle Waren nach Maßgabe des bis zum 8. April 1921 bezahlten Teilbetrages ihres Wertes. Die Ware soll unter Zollverschluß lagern und zwar soll der volle Betrag der Abgabe entrichtet werden. Die Rückzahlung soll erst nach erfolgter Wiederoiisfuhr erfolgen. So will man verhindern, daß bei französischen Exporteuren Waren lagern unterZollvmchluß um dar Gesetz in umgehen, im Falle dasselbe später wieder abgcfchafft wuo.

PoMische Tagesberichte.

Bayern fordert neue Verhandlungen mit der Entente in der EntwaffnungSfrage. Die Korrespondenz Hoffmann teilt au« München amt­lich mit: Der Ministerrat beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der vom Reichsminister Dr. Heinze im Austrag der Reichsregierung überbrachten Note vom 23. März. In der Vom Ministerrat be­schlossenen Antwort an die RcichSregierung schlägt bie bayerische Staatsregierung mit eingehender Begründung vor, bei gegebenem Anl«tz mit der Entente in neue Verhandlungen wegen der EntwaffnungSsrage einzu- treten.

Die KohleilfSrderung des Ruhrgcbietes (einschließlich der linksrhrinischcu Zechen) stellte im März nach vorläufigen täglichen Anjchreibnngeu in 25 Arbeitstagen sich auf 7 430 700 t. Erfahrungs­gemäß erhöht sich diese vorläufige Schätzung bei den endgültigen Feststellungen um etwa 200 000 t, sodaß mit einer Föcderung von rund 7,68 Mill, t ober arbeit!« täglich 8Ö5 200 t zu rechnen ist. Im Februar betrug die Sefamtförberuug in 24 Arbeitstagen 8 174 606 t oder arbeitstäglich 340 609 t, mithin ist ein Rückgang um etwa 35 OÖO t arbeitstäglich zu verzeichnen. Diese Minderfördcrilng ist hauptsächlich darayf zurückzusühren, daß seit 13. März keine Ueberschlchtcn mehr verfahren werden. In der zweiten Märzhälfte belief sich der Rückgang in der arbertStäglichen Förderung sogar auf etwa 45 oOO t.

Verhandln«?«» im «»lisch«» Berg« arbeiterftreit. Zufolge des Eingreifens des Premier- mmifterl, der die Btrgwerksbesitzer und die Bergarbeiter aufforderte, in einer gemeinsamen Zusammenkunft bie Verhandlungen wieder aufzunchmcn, bat sich die Streik- lage 3um Besseren geivenbet. Beide Parteien haben bie Ejnladiiug angenommen. Inzwischen haben bie Eisenbahner, die in der Streitfrage noch nicht zu einer Entscheidung gelangt sind, ihre Konferenz bi! morgen Vertagt. Es ist wahrscheinlich, daß die Dran Sport« arbeitet und bie Eisenbahner ben AuSgang bet neuen Verhandlungen abwarten, ehe sie zu ber entscheidende» Aktion schreiten. Die Delegierten des TranSport- arbcilervrrbandcs werden ebenso wie die der Eisen­bahner zufamuicntietcn. Alle metallurgischen Fabriken in der GroffchSft Dork liegen still. Die Wirkung bei Streck« kommt besonder« in dem Gebiet bei TynS zur Geltung, wo 20000 Arbeiter bejchäftigungSloS sind.

Die Arbettslojen in England. Aus Landen wird gemeldet: Am 24. März waren in England 1413701 Arbeitslose bei den Arbeits­börsen eingeschrieben.

Der Rückzug der griechischen Armee. Reuter meldet aus Smyrna, daß der dort aus­gegebene griechische Bericht den Rlöèug de griechischen Armee in Richtung auf die ursprüng­lichen Stellungen bestätigt. Einer anderen Reuter» meldung zufolge sind in amtlichen Kreisen in London Telegramme eingetroffen, nach denen die Griechen mehrere tausend Mann verloren und lick in einer Tiefe von 7080 Meilen zurückgezogen haben. Man glaubt, daß die griechischen Streit tröste austeichen. um den Türken, die ihnen nicht gefolgt sind, in den neuen Stellungen die Stirn zu bieten, sodaß keine Gefahr für bie alliierten Streitkräfte an den Meerengen besteh».