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General-Anzeiger
AmMches Organ für Stadl- und Landkreis Saturn
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Nr. 78
Dienstag den 5. April
1921
Das Neueste.
— Amerika hat in einer Note an Deutschland zur Reparationsfrage Stellung genommen.
— Im englischen Unterhaus wurde erklärt, laß für den Augenblick die Ausfuhrabgaben, »ie im besetzten Gebiet erhoben würden, dieselben feien, wie für das übrige Deutschland.
— Ueber die Regierungsbildungen Preußen finden gegenwärtig Verhandlungen statt.
— General Le Rond vertritt in einem Bericht an den Obersten Rat die Politik der langsamen Abtrennung und Entfremdung der oberschlesischen Bevölkerung von Deutschland.
— Karls Abreise aus Ungarn ist für heute »«gesetzt.
— Aus Belgrad wird gemeldet, daß die serbische Regierung jede Ausfuhr nach allen Ländern vor allem nach Ungarn, verboten hat.
— Eine Sympathieaktion des Arbeiterdreibundes für die englischen Bergarbeiter ist noch unbestimmt.
Amerika und die Reparation.
„Deutschland für den Krieg verantwortlich."
In der Pariser Presse wurden dieser Tage entstellte Nachrichten über den Hergang des deutsch-amerikanischen Meinungsaustausches wegen der Frage der Reparation veröffentlicht, die Anlaß geben, den vollen Wortlaut der Memoranden bekannt zu geben. Das Memorandum, das der Reichsminister des Aeußern am 21. März dem Berliner amerikanischen Kommissar gelegentlich einer Besprechung über die Reparationsfrage übergab, lautete folgendermaßen:
Die deutsche Regierung bedauert auf das Tiefste, daß auf der Londoner Konferenz eine Einigung in" der Reparationsfrage nicht zu- WWM 'gekommen ist. .Sie hakt« auMäMA Wunsch, den alliierten Regierungen soweit entgegen zu kommen, wie nur irgend möglich. Di« deutsche Delegation ging in diesem Bestreben nach dem Urteil der überwiegenden Mehrheit lller wirtschaftlichen Sachverständigen sogar weit über die Grenze dieses Möglichen hinaus. Es ist nicht richtig, wenn Lloyd George die Behauptung aufgestellt hat, daß Deutschland nicht zur Reparation bereit sei, vielmehr ist sich nicht nur die deutsche Regierung, sondern auch das deutsche Volk vollkommen klar darüber, daß Deutschland bis an die Grenze seiner Leistungs- sähigreit Schadenersatz leisten muß und daß keine Veränderung der politischen Konstellation hieran etwas ändert. Alle verantworüichen Stellen in Deutschland, insbesondere auch die deutschen Arbeiter sind durchaus gewillt, zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete mit allen Kräften beizu- tragen. Diese Bereitwilligkeit beruht nicht zum wengsten auf der nüchternen Erwägung, daß es im allerdringendsten Interesse Deutschlands liegt wenn die Spuren der Zerstörung in Frankreich so rasch wie möglich verschwinden. Alle verantwortlichen Stellen in Deutschland sind sich auch darüber einig, daß die deutschen Vorschläge für die Reparation der Finanznot bei den Alliierten, insbesondere bei Frankreich, Rechnung tragen müssen. Zwei große Ziele der Reparation liegen also vor: 1 Wiederaufbau der gestörten Gebiete und 2. Beschaffung sofort greifbarer größerer Barmittel in fremden Devisen. Von 86 französischen Departements sind 10, die jahrelang das Kampfgebiet waren, auf das schwerste getroffen. Zahlreiche Städte und Dörfer sind ganz oder teilweise zerstört und weite Strecken Züchtbaren Ackerlandes sind verödet. Für den Wiederaufbau der Häuser, die Wiederurbar- nmchung und Wiederbesiedelung des Landes geschah in zwei Jahren sehr wenig. Deutschland stellte zuwiderholten Malen seine Arbeitskraft, seine technische und seiner materielle Hilfe für den sofortigen Wiederaufbau zur Verfügung. Keiner seiner Angebote wurde angenommen, keines auch nur zur Erörterung gestellt.Marum? Das wirkliche Interesse an dem Wiederaufbau des zerstörten Gebietes ist in Frankreich, so befremdend es auch klingen mag, nur gering. Die früheren Bewohner erhielten vorschußweise Ent- ichädigungen und machten sich in anderen Lan- desteilen seßhaft. Einflußreiche Unternehmergruppen sind mit der Verwertung des zurückgelassenen Materials ustd der-Aufräumungsarbeiten befaßt. Sie beschleunigen di« Abwicklung ihrer Aufgabe in keiner Weise. Am meisten fällt aber ins Gewicht, daß mächtige Kreise in Frank- veich in dem zerstörten Gebiete ein außerordentlich starkes politisches Agitationsmittel erblicken, das bei den Einheimischen und Fremden begreiflicherweise stets einen tiefen Eindruck hinterläßt. Deutschland wünscht keine Verewigung des Völkerhasses. Es wird daher nochmals der französischen Regierung Vorschläge unterbreiten,
deren Einzelheiten gegenwärtig mit der deutschen Arbeiterschaft selbst beraten, und aufgestellt werden Hat die französische Regierung Bedenken gegen die Verwendung so zahlreicher deutscher Arbeitskräfte in dem Wiederaufbaugebiet, so würde die deutsche Regierung auch bereit sein, in jeder anderen möglichen, Frankreich genehmen Form, ihre guten Dienste und Kräfte zur Verfügung zu stellen. Die Beschaffung größerer Geldmittel in fremden Devisen ist für Deutschland nur durch eine starke Steigerung seines Exportes möglich. In der anliegenden Denkschrift der deutschen Sachverständige« für die Konferenz ist näher dargelegt, welche enorm« Steigerung nötig wäre, um große Summen zu erzielen und welche Gefahre« das für die Wirtschaft anderer Länder bedeuten würde. In dem Falle können die notwendigen Geldmittel auf diesem Wege nicht sofort beschafft werden.
Alle anderen Gedanken, die gelegentlich geäußert wurden, wie di« Beteiligung unserer früheren Kriegsgegner an her deutschen Industrie durch Aktienzuteilung oder sonstige Beteiligung, ergeben nur Erträgnisse in Papiermark, womit den fremden Gläubigern nicht gedient ist. Der Finanznot der Alliierten kann nur im Wege des Kredites obgeholfen werden. Die Voraussetzung für deutsche Auslandskredite ist die Kreditwürdigkeit Deutschlands. Diese aber ist völlig untergraben durch die Alliierten selbst, di« sich im Versailler Vertrag «in« Generalhypothek auf den gesamten Besitz, alle Einnahmequellen des deutschen Reiches und der deutschen Staaten an erster Stelle Vorbehalten. In den Pariser Beschlüssen haben die Alliierten überdies das Recht der Entscheidung für sich in Anspruch genommen, ob und in welchen Fällen Deutschland ausländische Kredite nachsuchen darf. Da Frankreich und England selbst über- tralèr aber die Generalhypothek tm Wege steht, so bleibt als einzige Lösung des Kredrtproblems nur die A u f na h m e e i n e r i n t e r n a t i o - na le« Anleihe möglich, zu deren Gunsten die SQHterten ihre Generalhypothek zurücktreten lassen müssen. Deutschland glaubt, bei zweckmäßiger Gestaltung der Anleihe und Gewährung einer Amnestie für Steuerflucht, geflüchtetes deutsches Kavita! in erheblichem Ausmaß für die Anleihe heranziehen und sie für den Reparationsdienst nutzbar machen zu können. Die Alliierten wiesen vielfach darauf hin, daß Deutschlands Lage günstiger sei, als die mancher alliierten. Länder, weil es keine auswärtige» Schulden habe. Deutschland würde sich nicht weigern, in den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit die Verzinsung und Tilgung der Ver- bindlichkeiten einzelner Alliierter zu übernehmen. wenn dies von den Alliierten und deren Gläubigern selbst gewünscht werden sollte. Deutschland erklärt sich aber auch bereit, sich ausdrücklich jedem, anderen Vorschlag anzuschließen, der geeignet erscheint, etne Entwirrung des europäischen Finanzproblems h«rbeizuführen. Es wird hierbei die Prüfung seiner eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit gern dem Urteil unparteiischer Sachverständiger unterstellen.Deutsch- laud glaubt, daß den ungeheuren Schäden, die der Weltkrieg anrichtete und die ungeheure Schuldenlast, die alle beteiligten Staaten zu tragen haben, nicht auf die Schultern eines einzigen Volkes gelegt werden können. Es glaubt, daß die Wiederaufrichtung des internationalen Wirtschaftslebens auch nicht durch politische Gewaltdrohungen, sondern nur im Wege friedlicher Auseinandersetzung und Verständigung zu erreichen ist. Die deutsche Regierung legt Wert darauf, mit allem Nachdruck zu versichern, daß sie zu ihrem Teil ehrlich gewillt ist, diesen Weg zu gehen
Die Antwort Amerikas.
Der amerikanische Kommissar Dresel übergab am 29. März als Antwort auf das deutsche Memorandum im Auswärtigen Amt ein Memorandum, dessen wörtliche Uebersetzung lautet:
Die amerikanische Regierung ist erfreut, aus Dr. Simons informellem Memorandum in unzweideutiger Weise den Wunsch der deutschen Regierung zu ersehen, Reparation bis zur Grenze der Zahlungsfähigkeit zu leisten. Die amerikanische Regierung hält ebenso wie- die alliierten Regierungen Deutschland für den Krieg verantwortlich imb daher moralisch verpflichtet, Reparation 31t leisten, soweit dies möglich sein mag. Die Anerkennung dieser Verpflichtung, wie sie das Memorandum in sich schließt, scheint der Regierung der Vereinigten Staaten als dre einzige gesunde Basis, auf der ein Micherter, gerechter Friede hergestellt werden kann, unter den die verschiedenen europäischen Nationen wieder au wirtschaftlicher
Stabilität gelangen können. Die amerikanische Regierung glaubt in dem Memorandum den aufrichtigen Wunsch der deutschen Regierung zu erkennen, mit den Alliierten Verhandlungen auf einer neuen Basis zu eröffnen und hofft, daß derartige Verhandlungen- einmal wieder ausgenommen, zu einer schleunigen Regelung führen mögen, die gleichzeitig den gerechten Ansprüchen der Alliierten Genüge leisten und Deutschland erlauben, hoffnungsvoll seine produktive Tätigt keit wieder zu Beginnen.
Abermalige Vorlage per Resolution Knox.
Washington, 4. April. Es wird versichert, daß Präsident Harding die abermalig« Vorlage der Resolution Knox an den Senat betreffend eines Separatfriedens mit Deutschland billigt. Der Antrag wird nächste Woche bei Eröffnung der Konareßsitzung vor- gelegt werden, aber es ist noch kein Datum für die Besprechung und die. Abstimmung festgesetzt.
Die Reparationsbill.
London, 5. April. Im Unterbaus wurde Zeiten ? der Regierung erklärt, für den Augenblick seien die Ausfubrabgaben, die im besetzten Gebiet erhoben werden sollen, dieselben wie für das übrige Deutschland. Die Fragen der Zollabgabe werden gemeinsam mit den alliierten Ländern geregelt. Ans eine Anfrage, ob bie alliierten Mächte eine der vom englischen Nnter- Haus angenommen« deutsche Reparationsbill, ähnliche Gesetzgebung 'eingebracht hätten, erwiderte Lloyd George, die belgische Regierung tue Schritte, um eine solche Gesetzgebung vorzubereiten. Italien, Portugal und Griechenland hätten die Absicht auSgedrückt, ähnliche Gesetze einzuführen. Lloyd George erklärte auf Befragen, trotz der Annahme der deutschen Reparationsbill habe die Regierung nach wie vor die Absicht, mit der Autidumpingbill fortzufabren.
Abänderung des VSlkerbundpakkes.
Genf, 4. April. Am 6. d. Mts. tritt in Genf die VölkerbundSkommission zusammen, die die Ab- änderu gsanträze zum Aolkerbinüpakt beraten soll.
pLlânicn UbMderuugscinträgcu höben in den letzten Tagen Holland, China und die Tschecho-Slowakci weitere Abänderungsanträge eingc- reicht, bie sich in der Hauptsache auf Artikel 21 des Pakte? beziehen. Der betr. Artikel sieht den Abschluß von Verträgen vor, oie die internationale Zusammenarbeit der Staaten fördern sollen. Es wird in den Anträgen verlangt, daß solche Verträge vor Inkrafttreten dem Völkerbundrat und der VèlkerbundSver- sammlung zur Genehmigung vorgelegt werden. China vertritt den Standpunkt, daß sich die Menroe-Doktrin durchaus mit diesem Artikel des Paktes vereinbaren lasse. Holland wünscht gewisse Abänderungen bezüglich der vier nichtständigen Mitglieder des Völkerbundesrates. Ihre Amtsdauer soll zwei Jahre betragen und höchstens zwei Amtsperioden umfassen. Wählbar werben solche nichtständigen Mitglieder erst dann wieder, wenn vier Jahre dazwischen liegen. Ein weiterer holländischer Antrag verlangt, daß die Kosten des Völkerbundes von den Mitgliedern nach Maßgabe eines Finanzreglements verteilt werden sollen, das von der Völkerbundsversammlung auszustellen sei. Schließlich hat die französische Negierung noch einen Zusatzantrag zum Artikel 9 des Paktes telegraphisch angc- kündigt, der Antrag selbst ist aber bis heute beim Wlkerbulldssekrctariat noch nicht eingegangen.
Aus dem mitteldeutschen Ausslands- gebiet.
Magdeburg, 4. April. &ie Meldestelle des Oberpräsidiums teilt mit: Im Regierungsbezirk Merseburg wurden bei verschiedenen Streifen mehrere Personen feftgcnommeii und Gewehre beschlagnahmt. Hettstedt wurde mit einer Huudertscha't dauernd belegt. Im Kreise Torgau wurden 230 Personen sestgenommeii. In Torgau wurde ein Hand- grauatenattcntat auf den zweiten Bürgermeister verübt, das aber mißlang. Erhebliche Munitionsiunde wurden gemacht. Im übrigen kann gesagt werden, daß die Lage allgemein ruhiger geworden ist, und die A u f- ruhrb ew c gu « g alS niedergeschlagen betrachtet werden kann.
Bcvlitt, 5. April. Wie die Blätter «u8 Halle melden, hat die kominuuistische Bande, die Weltin tnmifu4l.se, int Wettiner Postamt einen sich ihr ent- gegkilstcUendeu Landcsjüger erschossen und 50 000 Mk. geraubt.
Wie die Leitung der Leunaiverke mitteilt, werden die WiederbrrsteUungsarbeiten voraussichtlich biete Woche soweit durchgeführt sein, daß die Eiederauf- naane des Betriebes erfolgen sann. ;\ür die Einstellung der Arbeiter ioll eine bestimmte J«hre:grciizc fcstgesètzt werden, da jeder, der in cinem Für S.utidn land so wichtigen Betrieb w e das Lennawcrk arbeitet, eine gewisse Reise erlangt haben muß.
4-lz der Aust ls ter der Dyuarnièanschläge in Berti».
Der Abschluß der polizeilichen und gerichtlichen Uiitcrsqchnng des Attentats auf die Berliner SiegeS- liiule hat ergeben, daß der Kommumstcnfnhrer Max Hölz das Attentat angesti-tet und auch die epretnv stoße geliefert hat. Die weitere Untermchnna ergab, tag alle kommunistischen Anschläge der letzten Wochen, die Anschläge auf Eiscnbahnznge, Bahnyöje und Brücken, die Dynamitauschläge in Nordcharlottcnburg, im Kraftwerk in Spandau, in Ruhleben usw. von Max Hölz dirigiert wurden. Zu die-em Zwecke hat sich der Verbrecher tagelang in Berlin aufgebalteii und teils bei Gesiunungsgcnokicii, teils in einer Laube in
der Jungfernüeide bei einem verhafteten Berlin«» Kommunistenführer gewohnt und zwar unter dem Namen Harry. Man vermutet, daß -hölz, der bei den Kämpfen in Mitteldeutschland entkommen ist, sich augenblicklich, das heißt sedenfalls seit Sonntag uni auch am Montag noch, in Berlin aufhält.
Keine Einzelprätnie auf den Kopf von Hölz
Die Meldung, daß auf die Ergreifung von Höß eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt sei. trifft, wie wir von aiitnnt errichteter Seit« hören, nicht ganz zu. ES bandelt sich vielmehr bei diesen 100 000 Mark nur um eine Gesamtsumme, die auf die Ergreifung von kommunistischen Führern und Bandenführern ausgesetzt worden ist, also nicht um eine Einzelprâmie auf den K»pf von Hölz.
Wiederaufnahme der Arbeit auf der linke« Rheinseite.
Esten, 4. April. Auf der linken Rheinseite Bai heute der weitaus größere Teil der Belegschaften di« Arbeit wieder ausgenommen. Die Zeche Rheinpreuß« ist fast vollständig eingefabren. Auf der Zeche Dier- aarat streikt noch ein Fünftel. Bei der Zeche ^ried. rich Heinrich und bei der niederheinischen BergwerkS- gesellschaft hat die Hälfte der Belegschaft die Arbeit wieder ausgenommen. In der Zeche Westfalen ts Ahlen ist noch ein Drittel der Belegschaft ausständig. Die belgischen BcsatzungStruppen halten noch sämtllche Schachtanlagen besetzt.
Ein 24stündigcr Proteststreik tu Berlin.
Berlin, 4. April. Nach Beschluß der Funktionär- konferenz der Berliner Elektrizitätsarbeiter soll, laut dem »Vorwärts', nun doch am 6. April anläßlich der Beerdigung Sylts ein vierund, wanzigstündiger Proteststreik in den städtischen Elektricitätswerken ftattfinben. Die wichtigsten Notbetriebe, Krankenhäuser, Pump- arbeiten für die Untergrundbahn usw., sollen aufrecht erhalten bleiben.
Oberschlesien in Gefahr.
Eine neue Politik Frankreichs mit Polem
Jpu. Paris, 5. April. In einem Berich! von General Le Rond über die Aussichten, welche .sich.....iy OberschlesiL« nach einer Abschwächung der Truppenkontingente einstellen würden, heißt es u. a.
Würde man die alliierten Truppen jetzt zurücknehmen, so hätte man in 24 Stunden einen neuen Krieg, in dem neben Deutschland auch Polen, Rußland und die Nachbarstaaten Oberschlesiens einbezogen würden. Unt die Ordnung in Oberschlesien zu erhalten, seien neben der Besetzung die strengsten Ausnahmegesetze notwendig oder mehr Freiheit für die militärischen Führer. Da letzteres aber im Frieden nicht gut denkbar sei, müßten die Ausnahmegesetze bleiben, um die Bevölkerung an die neuen Zustände zu gewöhnen. Le Rond ist nach seinen Erfahrungen in Oberschlesien geneigt, eine Autonamieverwaltung zu befürworte, damit das Gebiet nach gewisser Zeit seine selbständige Exiftenzmöglichkert finden kann, ohn« bon einem der beiden Staaten abhängig zu sein. Das gelte in erster Hinsicht im industriellen und wirtschaftlichen Sinne. Nach der religiösen Ueberzeugung der Bevölkerung meint Le Rond, ständen die Oberschlesier Polen näher als Deutschland, denn von der deutschen Sozialdemokratie und den Anhängern der katholische« Kirche wäre die Bevölkerung fortwährend befehdet worden. Ein Programm für Oberschlesiens Zukunft müsse auf diese Tatsache etwas Rücksicht nehnren.
Dieser Bericht von 2« Rond an den Obersten Rat, der durch andere Gutachten von Entente- reisend««, die sich in Oberschlesien über die dortige Kultur unterrichten mussten,. unterstützt wird, scheint bie Grundlage zu bilden für eine neue Politik, welche Frankreich und Polen ge- nveinsam führen will und die auf eine langsame Abtrennung und Entfremdung der oberschlesi- schen Bevölkerung von Deutschland gerichtet ist
PoliMche Tagesbsrrchle.
— Erlebnisse der BeteieSsralSwnhle» im Riihrecvier. Nach einer Mekdung des »Berl Lokalan;." aus Bochum liegen von den Be- trie&oratSwatUen im Nuhrrevicr bisher die Ergebnisse vor« 66 Schächte» vor. Son 690 acwählte» BetricbsratsmitgUedern gehören 377 den freien Gcwerkfchaftert, 108 »eit christlichen Gcwcrkvtrcinen, 23 der pornischen Be» rufsvereinigung, 2 denr Hiesch-Dunkerschei» Gcwcrtvercin, 135 der freien Arbeitern»!«»«, 31 den Shnoakaliftc» »»d 14 den bereinigten kommunistischen Parteien an.
— Riesenmaiseiern gegen den Bolschewismus. Ans Stockuolm wird gemeldet: Branting fordert das arbeitende Volk Schwedens zu Riesen- maifeiern auf, nicht nur gegen bie reaktionären Beütebttnge« innerhalb Schwedens, sondern auch gegen den Bolsclicwismus und EntcntekapitaliSmus, der di« Völker Vlittcleuropâs für Generationen ziim'Sklaven- dicnst zwingen wolle. Die Schadenersatzpolrtik des BntcntetapitaliSmuS fei verhängnisvoll für ganz Europa, dcun sie werde in allen deutscher Konkurrenz ausgesetzten Ländern Veranlassung zu neuen L«ü«> Herabsetzungen geben- /