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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Slaüt- und Landkreis Sana«
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Ak. 78
Samstag den 2. April
1921
Das Neueste.
— Die ungarische Nationalversammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung das Abenteuer des Exkaisers Karl scharf verurteilt.
— Die Säuberungsaktion in Mitteldeutschland macht weitere Fortschritte.
— Das Zentrum gedenkt Schritte zur Bildung der preußischen Negierung zu unternehmen.
— Der Generalsekretär des Völkerbundes hat die ersten Schritte zur Vorbereitung der Wahlen zum internationalen Gerichtshof entworfen.
— Die englischen Bergarbeiter sind in den Streik getreten.
Kaiser Karls Abenteuer.
Exkaiser Karl, der deutsche Nibelungentreue gegenüber Oesterreich mit schwärzestem Verrat gelohnt hat, der Mann, dem ein unerforschliches Schicksal in den Purpur hüllte, der für so leichte Glieder, für eine so jammervolle Figur viel zu schwer war, hat von der Schweiz einen Abstecher nach Ungarn unternommen, um dort den Thvon zu besteigen. Zunächst hatte es den Anschein, als ob der Vorstoß des Exkaisers Karl auf den Budapester Königspalast nur ein kurzes Zwischenspiel bedeuten würde, doch die weiteren Nachrichten ließen bald erkennen, daß dahinter doch mehr stand, als man zu Anfang anzunehmen geneigt war. Freilich eine Heldentat ist es nicht zu nennen, was der Exkaiser Karl mit diesem Wiederaustauchen in Ungarn vollbracht hat, denn ganz heimlich hat er sich in das Land seiner Sehnsucht geschlichen und wenn ihm trotzdem das ungarische Militär zujubelte, so ist das einmal bei der Qualität des letzteren nicht wunde-r- zunehmen und zum anderen Male ist Kaiser Karl bekannt als eine Person, mit der sich herumspringen läßt. Ws „einen Kch.oächlinHK schildern ihn deutsche und österreichische Gene- E«, die ihn aus nächster Nähe beobachtet haben. Ein Schwächling ist er, der bereits während des Krieges ganz unter dem Einfluß seiner bourbanischen Frau und deren Verwandten gestanden hat und der auch heute noch in deren Bann steht. Er war und ist das Werkzeug einer entthronten ehrgeizigen Familie, die weder Heimat noch Vaterland kennt: der Familie Parma. Die Mama Parma dirigierte bekanntlich während des Strieges das weltgeschichtliche Komplott, leitete, hochfahrende Pläne der Herrschsucht,im mütterlichen Busen, durch die Tochter ZitL den jugendlichen Schattenkaiser Oesterreich-Ungarns und kommandierte die beiden Söhne, die Prinzen von Parma, die wie weiland Saul nach Eselinnen nach Königsthronen auf der Suche waren. Heute ist Exkaiser Karl selbst der Thronprätendent und er hoffte, wahrscheinlich — ähnlich wie Konstantin von Griechenland — der Entente durch eine vollzogene Tatsache zu imponieren. Doch damit hat er seine völlige Unkenntnis der wirklichen Ver- hältniss« erwiesen und sich selbst das höchst ungünstige Urteil über seine Persönlichkeit bestätigt, das bei allen Leuten feststeht, die mit ihm seit seiner Thronbesteigung während des ganzen Krieges in Berührung gekommen sind. Vielleicht hat ihm auch das Beispiel Napoleons III. vorgeschwebt, der in seiner Bewerbung um den iran- zösischeu Kaiserthron sich verschiedene Male durch mißglückte Versuche lächerlich gemacht hat. Aber trotz alledem war doch Napoleon III. ein Mensch von ganz anderem Kaliber als Karl von Lothringen-Habsburg, der Jammermann. Was dem einen schließlich doch gelungen ist, nämlich sein Ziel zu erreichen, hat sich der andere durch seine an den Ostertagen begangene Dummheit wahrscheinlich für immer verscherzt. Die ungarische Nationalversammlung hat sich jedenfalls mit aller Entschiedenheit gegen das Abenteuer des Exkönigs Karl ausgesprochen — ein Be- daß die Magyaren, die zwar an und für für die Monarchie sind, es nicht vergessen ^ben, daß ein Habsburger mit Hilfe von Koiakenbanden den ungarischen Freiheitskampf unterdrückte. Das Abenteuer Karls scheint damit beendet und damit gleichzeitig eine große Gefahr für den Südosten Europas abgewendet zu sein. Denn es bedarf wohl keiner weiteren Ausführungen, daß, wenn Karl die -Thronbesteigung geglückt wäre, ein großer Brandherd in Europa entstanden wäre, denn die Einsetzung eines Habsburgers hätte den Versuch bedeutet, auch andere Teile des ehemaligen Oesterreich- Ungarn, die heute selbständige Staaten sind, für Habsburg wiederzuerobern und sie unter die ungarische Herrschaft zu bringen. Dies hätte bn erster Linie für Deutsch-Oesterreich gegolten, weshalb wir das Abenteuer Karls mit aller Entschiedenheit verurteilen. Weiter würd«, wen« Karl wirklich den ungarischen Thron
bestiegen hätte, ein Streitfall wegen Westungarn, das die Entente Oesterreich zugesprochen hat, gegeben gewesen sein. Ferner ist zu bedenken, daß z. B- in der Tschechoslowakei der bolschewistische Einfluß in der Armee so stark ist, daß die Parole: Gegen die Monarchiel unweigerlich große Zugkraft gezeigt hätte.
Doch wie war nun dieser Spaziergang des Exkaisers Karl von der Schweiz nach Ungarn möglich? Wir sind nicht so töricht anzunehmen, daß die französischen Stimmen, die in den letzten Tagen gegen das Habsburger Abenteuer laut wurden, für ernst hinzunehmen. Im Gegenteil, wir halten sie für bestellte Arbeit, denn es war ganz auffallend, wie viele ftanzösische Politiker sich plötzlich hinter den König Karl stellten, worarls ersichtlich ist, daß letzterer über einen gewissen Anhang in Paris verfügt. Und dies ist kein Wunder, denn Karl, der sich seinerzeit bereit erklärte, Deutschland in den Rücken zu fallen, ist ein Deutschenfeind und «in Deutschenseind mehr kann Frankreich nur willkommen sein. Außerdem ist schon mehrmals in der ftonzösischen Presse und in Reden französischer Politiker zum Ausdruck gekommen, mit welchen phantastischen Plänen man sich am Quai d'Orsay trägt, nämlich mit der Bildung einer größeren Monorchie im Herzen Europas, einem Wiederzusammenschluß Oesterreichs mit Ungarn, dem vielleicht auch noch Bayern beitreten sollte. Vielleicht kann hiermit auch die Errichtung einer ftonzösischen Gesandt- sthafk in München in Verbindung gebracht werden. Wir sind deshalb der Ansicht, daß das ganze Abenteuer Karls — mit dem ja auch die Franzosen herumspringen können, wie es ihnen beliebt — ein Machwerk französischer Katastrophenpolitiker ist. Alle vorhanden«» Anzeichen sprechen dafür — vielleicht bringen es die Mi- âteu linier sich po an den Laa. R, H.
»
Die Stellungnahme der ungarischen Ra/Lonal- Vorsammlung.
In der ungarischen Nationalversammlung wurde ein Beschlußantrag eingebracht, in dem festgestellt wird, daß die Ausübung der königlichen Gewalt seit dem 13 November 1918 ruhe und bis zur endgültigen Regelung die Würde des Staatsoberhauptes dem Reichsverweser Horthy übertragen sei. Es heißt dann weiter:
„Nachdem der König Karl IV. unerwartet innerhalb der Grenzen des Landes eingetroffen ist, so bedeutet dies eine Gefährdung der bestehenden Rechtsordnung ' und infolgedessen spricht die Nationalversammlung aus, daß sie an der im Gesetzartikel 1 vom Jahre 1920 festgesetzten Rechtsordnung fèsthält, den Umsturz dieser Rechtsordnung bezw. eine jede darauf gerichtete Bestrebung auf das entschiedenste verurteilt und die Negierung anweist, eine jede einseitige Störung dieser Rechtsordnung zu verhindern."
Dieser Antrag wurde von den fast vollzählig erschienenen Abgeordneten einstimmig und eine Dankeskundg«bung an Horthy mit Stimmenmehrheit angenommen.
Auf eine Anfrage bezüglich der Haltung der Regierung gegenüber der Anwesenheit des Königs auf ungarischem Boden erklärte Minister- vräsident Telecki: Die uygarisck« Regierung ist sich der Verantwortlichkeit vollständig bewußt und fest entschlossen, jene Aktion zu Ende zu führen, die infolge der Anwesenheit des Königs notwendig wurde. Sobald die SHtion beendet ist, wird die Regierung über sämtliche Maßnahmen vollinhaltlich Rechenschaft ableaen. — Die Sitzung wurde bis 5. April vertagt.
Exkönig Karl hält seine Ansprüche aufrecht.
Wie die „Voss. Ztg." aus Budapest meldet, hat nach Nachrichten aus Steinamanoer Exkaiser- Karl in einem Brief an den Reichsverweser Horty erklärt, daß er sein Land verlasse, weil èr eingesessen habe, daß dies im gegenwärtigen Augenblick die Interessen des Landes erfordere. Er betrachte ^ch jedoch nach wie vor als rechtmäßiger König von Ungarn und behalte sich vor, in einem künftigen Zeitpunkt der Thron wieder einzunehmen. —Die Abendblätter melden, daß die Rückreise des ehemaligen Kaisers in einem Sonderzuge erfolgen soll, welcher unter dem Schutze der Entente stehen wird. Der Kaiser soll von zwei englischen Stabsoffizieren begleitet werden. Wien wird nachts passiert und werden die Stationen z. Zt. der Durchfahrt gesperrt.
Die Säuberung Mitteldeutschlands.
Die Lage.
Magdeburg, L Apni. Die Meldestelle des Obeipräsidiums teilt unS mit:
In Magdebura»Stadt, im RegierunzSbczirl Magdeburg und in Wittenberg nichts Neues.
Mansfeld t Eine Anzahl Aufrührer verzog sich nach dem Harz. Er werden weitere Verhaftungen vorgenommen. U. a. ist ein gewisser Berger aus Leimrbach feügenommen.
Liebenwerda: B'Sher ist el zu keinem blutigen Zmammcnstoß gekommen. 23 Haupttäter wurden fest« genommen. Lane im allgemeinen ruhig Die Beleg- 'dmften der Werke wollen die Arbeit ausnehmen und sind froh, daß sie von der Terrorbande befreit sind.
Stendal r Hier herrscht Ruhe, ebenso in Salz- wedel. In Delitsch ist ebenfalls alles ruhte und ist dort noch Reichswehr. In Bitterfeld, Querfurt und A>cherS!ebtn herrscht Rube. In Neuhaldensleben erfolgten einige Festnahmen von Kommunisten.
Erfurt: In allen Erfurter Betrieben ist die Arbeit wieder ausgenommen. Eine größere Anzahl von Kommunisten wurde in Schutzhaft genommen. Die Flugblatkverteilimg mit Aufforderung zum General- streik findet selbst in einem großen Teil der stammn» nisten kein Entgegenkommen. Hier wurde auch noch der fünfte Mittäter in der Angelegenheit der beab- üchtigtcn Sprengung der Bahnunterführung Goethe« Freytagstraße fefteexommen. Einer der Anführer der kommunistischen Bande bei Wiehe war der Stadtverordnete Bowitzky au» Halle.
In Gotha treibt die K. P. D. seit einigen Tagen lebhafte Propaganda durch Flugblätter bei NeichSwehr- truppenlkilkn in Ohrdruf.
In Sall« wird überall gearbeitet, vor allem auch in den Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken. Nur in drei Schächten wurde heute die Arbeit niederge- legt, jedoch besteht Hoffnung, daß die Belegschaft die Arbeit morgen wieder ausnimmt. Der Ausruf der Mktakarbciterverbandes zum Generalstreik blieb erfolglos.
Merseburg r Die EâuberungSaktion des Geisel- taleS ist planmäßig durchgesührt worden. Näherer Bericht darüber steht noch aus. Eine Abteilung der Schutzpolizei stellte kommunistische Banden bei Becsen- vebfi Die Bande machte die Gegend von Wettin. Könnern, Naundorf, Löbejün und Alsleben unsicher. Die Schutzpolizei hatte dabei keine Verluste, der Gegner dagegen 18 Tote und eine entsprechende Anzahl Verwundeter. Bis setzt wurden ihm 19 Gefangene angenommen, 5 Maschinengewehre, über 150 Gewehre, mehrere Mühlen, AMâÄitS. A-aickni-ngewe! »muni- tion, 1500 Schuß Intanteriemunitron, ungefähr 30 Fahrzeuge. Nach Aussagen von Gefangenen sollen die Führer Redakteur Schnöder, Manrfeld undM ax Holtz gewesen sein. Sie werden verfolgt. — Die ''agdebnrgüche Zeitung meldet: Die Lennawerke veröffentlichen eine längere Erklärung, worin eine Darstellung der Ereignisse auf dem Werke gegeben und schließlich betont wird, daß eine Wiederaufnahme der Betriebes wegen Aursüdrung von Bau- und Mon- tagearbeiten bis auf weitere» nicht möglich ist und die gesamte Arbeiterschaft sich durch den Eintritt in den Streik all entlasse* zu betrachten hat.
Versuchte Gefangenenbefreiung.
Berlin, 1. April. Wie der „Lokalanzeiger" aus Halle meldet, versuchte der Arbeiter Lundy mit drei anderen Arbeitern das Akauerwerk des Leunarverkes zu sprengen, worin ungefähr 2000 Gefangene untergebracht waren, um die Gefangenen zu befreien. Er wurde dabei überrascht und mit seinen drei Komplizen auf der Flucht niedergeschossen. Die roten Banden, die gestern Wettin besetzt und dort stark requiriert hatten, sind in der Richtung Beesenstedt weiter« gezogen. Dort haben sie gestern abend die Kreissparkasse geplündert, wobei ihnen 18000 Mark bares Geld in die Hände fielen. In Beesenstedt ist ein Gefecht der Banden mit der Reichswehr im Gange. Die Kommunisten,' die sich um Loebejuen versammelten, haben Wallwi^ geplündert, sie liegen in starken Verschanzungen um den Petersberg herum.
Nach einer Blättermeldung aus Essen dauert der Ausstand der im linksrheinischen Industriegebiet größtenteils noch an, doch wird auf der Kruppschen Friedrich-Alfred-Hütte bereits wieder gearbeitet.
Das Sondergericht.
Vlättrrmeldungen aus Halle zufolge tritt am Montag das erste Sondergericht in. Halle zusammen, das die Aufrührer in Mitteldeutschland zur Aburteilung bringen wird.
Der Fall Sylt.
Berlin, 1. April. Eine Funktionäroersammlung der Berliner städtischen Elektrizitätsarbeiter befaßte sich vormittags mit dem Falle Sylt. Ein Vertreter des Berliner Polizeipräsidenten Richter, teilte mit, daß^ eine Kommission aus Mitgliede-n des Hefters und Maschinistenver- -andes an der Untersuchung des Falles teilnehmen könne. Es wurde darauf eine aus 15 Personen bestehende Kommission ins Polizeipräsidium entsandt, wo ein Lokaltermin stattfand. Während die sozialdemokratischen und unabhängigen Arbeiter das Ergebnis der Untersuchung abwarten wollen, verlangen die Kommunisten sofort die Verkündung eines Demon- ftrationsftteils der Elektrizitätsarbeiter, der die La:m!egung des Verkehrs und der Industrie zur Folge haben würde.
Berlin, 1. April. (Priv.-Tel.) Eine Funk» tionärversammlung der Berliner Elettrizitätä-
arbeiter, die sich mit dem Fall Sylt beschäftigte, beschloß den Blättem zufolge, bis zum Abschluß der Untersuchung alle etwaigen Aktionen zu verschieben.
Für was Deulschlaud auskommen mutz
Paris, 1. April. (Havas.) Eine Note der Reparationskommission erklärt, daß durch die Uebereinstimmung mit dem Fri«txnsvertrag die Möglichkeit gegeben ist, betreffs eines Teils der Frage der Rente folgend« Entscheidung zu treffen:
Di« Derwaltungskosten der Kriegs Pensionen und Kompensationen der gleichen Art sind nicht in den Schäden einbegriffen, für die ein Ersatz von Deutschland auf Grund des § 5 Anlage 1 Teil 8 des Vertrages von Versailles gefordert werden kann. Die folgenden Arten Schäden werden als Kompensationen der gleichen Art wie die Kriegspenfionen im Sinne des 8 5 Anlage 1 des Teiles 8 des Vertrages von Versailles betrachtet:
1. di« ärztlichen und chirurgischen Kosten und die Prothesen, die den militärischen Pensionär«» geliefert werden,
2- di« durch di« Gründung der Zentralstellen der Verstümmelten und Kriegsinvaliden hervorgerufenen Kosten,
3. di« Untcrhaltungskost«n der KriexSwalsen, 4. die jährliche Zuwendung für die Witwen der Gefallenen und Vermißten,
5. die Unterstützungen und Zuschläge für die Familien bet Gefallenen und vermißten MM- tärpersonen bei Berechnung der Höhe des Schadens, für den eine ander« alliierte Macht als Frankreich auf Grund des § 5 Anl. 1 Wiedergutmachung verlangen kann, um die natürliche Gesetzgebung der bett. Macht mit zu berücksichtigen. Jede alliiert« Macht ist denmach ermächtigt, 2ßicbergutmad)ung zu fordern für alle Arten, von Pensionen und Kompensationen gleicher Art, wie sie von der französischen Gesetzgebung gewährt wird und nur für diese Arten. Die alliierten Mächte sind berechtigt, Kompensationen auf der Grundlag« des französischen Koko- nialtarifz zu fordern für die Penstonen und Kompensationen gleicher Art, wie sie für die farbigen Kolonialtruppen gezahlt werden, wenn sie die französische Gesetzgebung angewandt hätt«. Dies« Berechnung findet keine Anwendung auf die regulären Truppen der Dominions und Britisch-Jndien, für die die Pensionen und Kompensationen auf der Grundlage der durch das Gesetz vom 31. März 1913 festgesetzten Tarif« berechnet wird.
Die Tsihecho-Slowakei und die „Sanktionen".
Prag, 1. April. In der heutigen Sitzung des Senats ergriff auch der deutsch« sozialdënro- kratische Senator Dr. geller das Wort, um die drohenden Folgen der wirtschaftlichen Katastrophe zu schildern. Er fuhr alsdann fort:, „und jetzt kommt,- glaube ich, das Höchste, was mir erlebten: die Anforderung der Entente an die Tschecho-Slowakei, die Sanktionen gegen Deutschland «inzuführen. Der Redner erklärte, er wolle nicht von den politischen und nationalen Folgen eines solchen Schrittes, sondern nur von der wirtschaftlich«» Seite dieser Frage spr«chen. Deutschland werde 50 Prozent auf seine Preise auffd)lagen und nicht Deutschland, sondern die Tschecho-Slowakei werd« diese 50 Prozent bezahlen. Es werde eine ungeheure Verteuerung der aus Deutschland «ingeführten Artikel eintreten und damit eine neue wirtschaftliche und industrielle Krise. Deutschland werde sich eine solche Maßnahme, wie Strafsanktion«» nicht ruhig gefallen lassen. Deutschland werde der Tschecho-Slowakei den ganzen Export und Import unterbinden, was sehr leicht zu machen sei. Der Redner erklärt, daß der weitaus größte Teil des Exports und Imports der Tschecho- S Iowalei, 30 bis 90 Proz., nach Deutschland und Oesterreich gehe. Das Land befinde sich in einer furchtbaren Zwickmühle: auf der einen Seite feine Freunde, die Alliierten, auf der anderen Seite die wichtigsten wirtschaftlichen Interessen. Wenn aber Hunger und Arbeitslosigkeit drohen, werde auch der tschecho-slowakisch« Arbeiter, so treu er zu Frankreich stehe, sich fragen. ob er sich nicht doch lieber dorthin wendet wo er von diesen Gefahren befreit wird.
— Die preußische Regierungsbildung. Zur Frage der Regierungsbildung in Preußen wird der „Voss. Ztg." aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt, daß das Zentrum an die Sozial, demokraten, Demokraten und die Deutsche Vollspartei die Einladung richten werde, gemeinsam die neue Koalition im preußische» Landtag zu bilden.
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